{"id":40252,"date":"2017-09-24T11:30:30","date_gmt":"2017-09-24T09:30:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40252"},"modified":"2019-08-02T12:48:31","modified_gmt":"2019-08-02T10:48:31","slug":"venezuela-der-zerbrechliche-dialog-das-manoever-am-hundekopf-und-der-cyberkrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40252","title":{"rendered":"Venezuela \u2013 Der zerbrechliche Dialog, das Man\u00f6ver am \u201cHundekopf\u201d und der Cyberkrieg"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170924-Venezuela-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Der mit dem parlamentarischen Putsch vom August 2016 an die Macht gehievte brasilianische de-facto-Pr&auml;sident Michel Temer weilte in New York. Am 19. September hielt Temer die Er&ouml;ffnungsrede zur Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN), die nach der 1947 eingeweihten Tradition immer von brasilianischen Staatschefs er&ouml;ffnet wird, egal ob sie gew&auml;hlt wurden oder nicht. Das Protokoll kennt leider keine demokratische Klausel, wie sie zum Beispiel seit Monaten Luis Almagro, Vorsitzender der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS oder OEA im Spanischen), gegen die Regierung Nicol&aacute;s Maduro anzuwenden versucht. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAuf Temer folgte die friedensbedrohliche Rede von US-Pr&auml;sident Donald Trump, der bereits am Vorabend, dem 18. September, au&szlig;er Temer auch die Pr&auml;sidenten Kolumbiens &ndash; Juan Manuel Santos &ndash; und Perus &ndash; Pedro Pablo Kuczynski &ndash; zu einem Dinner in eine seiner New Yorker Residenzen eingeladen hatte. Gaumengen&uuml;sse in allen Ehren, f&uuml;r Trump war das Abendessen der seit Wochen geplante Anlass, um mit den linientreuen <em>latino chiefs<\/em> &uuml;ber zwei dringende Termine zu reden und ihnen respektierliche Stellvertreter-Titel zu &uuml;bereignen. <\/p><p><strong>Trumps Outsourcing<\/strong> &bdquo;abschreckender Ma&szlig;nahmen&ldquo; gegen Venezuela <\/p><p>Am kommenden 27. September findet n&auml;mlich in der Dominikanischen Republik auf Anregung deren Pr&auml;sidenten Danilo Medina, des ehemaligen spanischen Regierungspr&auml;sidenten Jos&eacute; Luis Rodr&iacute;guez Zapatero und des portugiesischen Generalsekret&auml;rs der UN, Antonio Guterres, das erste Verhandlungsgespr&auml;ch des seit Ende 2016 unterbrochenen Dialogs zwischen der Regierung Nicol&aacute;s Maduro und der venezolanischen Opposition statt. <\/p><p>Anfang August hatte Trumps Erkl&auml;rung, gegen Venezuela &bdquo;eine m&ouml;gliche milit&auml;rische Option&rdquo; offenzuhalten, unter den lateinamerikanischen Regierungen Unbehagen ausgel&ouml;st und selbst in konservativen Medien Wellen der Emp&ouml;rung geschlagen; ein Grund, weshalb wenige Tage darauf sein nationaler Sicherheitsberater, General H.R. McMaster, und Au&szlig;enminister Rex Tillerson sich mit der Korrektur beeilten, &bdquo;jede Entscheidung (werde) in Absprache mit unseren Partnern in der Region getroffen&rdquo;. Temer und Kuczynski geh&ouml;ren zu den sch&auml;rfsten, Santos zu den weniger verbalradikalen, jedoch entschlossenen Kritikern von Maduros politischem Kurs. <\/p><p>Die USA beobachteten sehr genau, dass dank der brasilianischen Initiative im vergangenen August in Lima wegen der Einberufung des chavistischen Verfassungskonvents die Mitgliedschaft Venezuelas im gemeinsamen Markt S&uuml;damerikas (Mercosul) auf unbestimmte Dauer suspendiert wurde. Doch erlitt der von den USA gef&uuml;hrte Anti-Maduro-Block selbst in der OEA eine empfindliche Niederlage, weil die karibischen Staaten trotz wiederholter Versuche des Vorsitzenden Luis Almagro, die sogenannte Demokratie-Klausel als Vorwand f&uuml;r einen endg&uuml;ltigen Ausschluss Venezuelas aus der OEA durchzupeitschen, verhinderten.<\/p><p>Also erwarten die US-Hardliner mehr, in den Worten Trumps, &bdquo;effizientere Ma&szlig;nahmen&ldquo;. Erw&uuml;nscht sind &bdquo;Ma&szlig;nahmen, die das Maduro-Regime an einer empfindlichen Stelle zwecks Wiederherstellung der Demokratie treffen k&ouml;nnen&ldquo;, verriet ein hoher, jedoch namentlich nicht genannter Beamter der Trump-Administration in brasilianischen Medien (Trump quer pressionar Temer a tomar medidas contra Venezuela &ndash; &bdquo;Trump will Temer zu Ma&szlig;nahmen gegen Venezuela unter Druck setzen&rdquo; &ndash; Folha de S. Paulo, 16.09.2017).<\/p><p>Auff&auml;llig ist ein aller Wahrscheinlichkeit nach mit der konservativen venezolanischen Opposition abgestimmter Diskurs des Wei&szlig;en Hauses. Beide erkl&auml;rten, der genuinen Dialogbereitschaft der Regierung Maduro zu misstrauen. W&auml;hrend die US-Regierung es noch f&uuml;r &bdquo;vern&uuml;nftig&ldquo; h&auml;lt, mit Maduro sich an einen Tisch zu setzen, nachdem der Chavismo &bdquo;guten Verhandlungswillen&ldquo; f&uuml;r die Freilassung politischer Gefangener, die verbindliche Terminzusage freier, nationaler Wahlen und die Achtung der Verfassung zeige und nicht noch einmal den scheinbaren Dialog als Taktik nutze, um Zeit zu gewinnen, gibt es f&uuml;r den venezolanischen  Parlamentspr&auml;sidenten und oppositionellen Chefunterh&auml;ndler in Santo Domingo, Julio Borges, nur noch Bedingungen. &bdquo;Ich bekr&auml;ftige f&uuml;r Venezuela und der Welt, dass es jetzt keinen Dialog gibt und keinen geben wird, bis die Bedingungen erf&uuml;llt worden sind&rdquo;, drohte der Venezolaner auf Twitter. Zu seinen Bedingungen z&auml;hlt auch der &bdquo;Respekt&rdquo; vor der von der verfassungsgebenden Versammlung bedrohten Legislative und die Aufhebung der Sanktionen, die bestimmten oppositionellen Politikern, darunter dem Maduro-Gegner bei den letzten Pr&auml;sidentschaftswahlen, Henrique Capriles, die Aufstellung zur Wahl verbietet. <\/p><p>Mit seiner &bdquo;Bekr&auml;ftigung&rdquo; wollte Borges verschweigen, dass es seit nahezu einem Monat geheime Vorbereitungstreffen zwischen Unterh&auml;ndlern des Chavismo und der Opposition in der Dominikanischen Republik gegeben habe. Maduro beschuldigte Borges deshalb der L&uuml;ge.<\/p><p>Antonio Tajani, Vorsitzender des Europa-Parlaments, konnte es als Mitglied der neoliberal-konservativen Forza-Italia-Partei Silvio Berlusconis nicht unterlassen, anstatt zur Entspannung beizutragen, weiter Benzin in die lodernden Flammen um Venezuela zu gie&szlig;en. Demonstrativ empfing er in Br&uuml;ssel die Tochter des k&uuml;rzlich freigelassenen Oppositionspolitikers Antonio Ledezma und erkl&auml;rte am 16. September, es sei &bdquo;unm&ouml;glich, dass eine Opposition sich aus dem Kerker heraus zu Worte melden m&uuml;sse. Es gibt eine verfassungsgebende Versammlung, die wir nicht anerkennen&rdquo;.<\/p><p><strong>Das Man&ouml;ver am &bdquo;Hundekopf&rdquo;: S&auml;belrasseln an der venezolanischen Grenze<\/strong><\/p><p>Doch zum Tischgespr&auml;ch von Trumps Dinner geh&ouml;rte ein zweiter, heikler Tagesordnungspunkt: das f&uuml;r den kommenden 6. bis 13. November bereits hochtourig vorbereitete Milit&auml;rman&ouml;ver &bdquo;AmazonLog&rdquo; am Dreil&auml;ndereck Brasilien, Peru und Kolumbien, genannt Hundekopf (siehe Karte). In den Medien wird das Man&ouml;ver Brasiliens, der USA, Perus und Kolumbiens als angebliche &bdquo;Erprobung gemeinsamer, logistischer Aufgaben f&uuml;r den Fall einer humanit&auml;ren Krise&rdquo; verbreitet. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170924-Venezuela-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Brisant ist die Teilnahme des Southern Command der US-Streitkr&auml;fte. Es ist das erste Mal, dass sie amazonischen Boden betreten werden. In Wahrheit dr&auml;ngten die USA seit Jahren Brasilien um die Erlaubnis, die ihnen jedoch von nationalistisch gesinnten Milit&auml;rs in der Leitung des international renommierten Dschungelkampf-Ausbildungszentrums des brasilianischen Heeres (&bdquo;Centro de Instru&ccedil;&atilde;o de Guerra na Selva&rdquo; &ndash; CIGS) in Manaus, insbesondere w&auml;hrend der Regierungen Luis In&aacute;cio Lula da Silva und Dilma Rousseff, freundlich untersagt wurde. Es stimmte linke wie rechte Nationalisten in Brasilien hellh&ouml;rig, dass seit den 1980-er Jahren &bdquo;<em>the Amazon<\/em>&rdquo; in US-amerikanischen Schulb&uuml;chern und den feurigen Reden von Regenwaldsch&uuml;tzern im US-Kongress nicht als das zu Brasilien, Peru, Bolivien, Kolumbien und Venezuela geh&ouml;rende Territorium, sondern als &bdquo;Naturreserve der Weltgemeinschaft&rdquo; beschrieben wurde, die notfalls mit einem Milit&auml;rschlag gesichert werden sollte, falls sich die genannten L&auml;nder, insbesondere Brasilien, nicht effektiver um ihren Schutz sorgten.<\/p><p>Durch Zufall erf&auml;hrt die &Ouml;ffentlichkeit jetzt, dass nicht nur Kolumbien ein Kooperationsabkommen mit der NATO betreibt. Das logistische Kommando des brasilianischen Heeres (CoLoG) erkl&auml;rte, es habe das 2015 in Ungarn durchgef&uuml;hrte NATO-Man&ouml;ver &ldquo;Capable Logistician &ndash; 2015&rdquo; zum Vorbild f&uuml;r &bdquo;AmazonLog&rdquo; genommen, und best&auml;tigt nun auf Umwegen seine bisher unbekannte Teilnahme an NATO-Operationen.<\/p><p>In vereinzelten, kritischen Medien Brasiliens wird darauf hingewiesen, dass das Man&ouml;ver eine Idee des US-Southern-Command war, jedoch ebenfalls geschickt an Brasilien &bdquo;geoutsourced&rdquo; und rund 600 Kilometer von der Grenze Venezuelas entfernt nach Tabatinga verlegt wurde, um Verdacht zu zerstreuen. Das gelang den laufenden Planungen nicht. <\/p><p>Die venezolanische Regierung vermutet nicht zu Unrecht, auch am S&uuml;dausl&auml;ufer des Hundekopfes h&auml;tten die USA nun die einmalige Gelegenheit, amazonisches Terrain mit Zielen wie der Anwerbung von S&ouml;ldnern zu erkunden, die im Fall eines B&uuml;rgerkriegs in venezolanisches Territorium einfallen k&ouml;nnten. Ein anderer, willkommener Anlass w&auml;re das Anwachsen der venezolanischen Emigranten- und Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me, die seit Monaten zigtausendfach &uuml;ber die Grenzen nach Kolumbien und Brasilien eindringen und als Masse zum umgekehrten Einsickern von getarnten Truppen Brasiliens und Kolumbiens genutzt werden k&ouml;nnten. Das milit&auml;rische Codewort von der &bdquo;humanit&auml;ren Krise&rdquo; wirft erste Schatten.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170924-Venezuela-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Celso Amorim, ehemaliger Au&szlig;en- und Verteidigungsminister in der Regierung Lula, mahnte, &bdquo;dieses Man&ouml;ver sollte sofort abgesagt werden&rdquo;. Es bestehe eine &bdquo;extrem besorgniserregende Faktenkombination&rdquo;, erkl&auml;rte er in der Wochenzeitschrift <em>Carta Capital<\/em>. Das gef&auml;hrliche Gemisch setze sich zusammen aus dem Milit&auml;rman&ouml;ver, den zwischen Chavisten und Opposition &bdquo;&uuml;berspringenden Funken&rdquo;, dem Kriegsgebaren Trumps und der aggressiven Haltung der Regierung Temer gegen&uuml;ber der Regierung Maduro (Temer vai conspirar com Trump contra a Venezuela? &ndash; &bdquo;Wird Temer sich mit Trump gegen Venezuela verschw&ouml;ren?&rdquo; &ndash; Carta Capital, 16.09.2017).<\/p><p><strong>Ein digitaler Generalangriff auf Venezuela<\/strong><\/p><p>Das nur angedeutete Bedrohungsszenario, &uuml;ber das man noch viel zu wenig wei&szlig;, kann allerdings in einem interaktiven Zusammenhang mit einem Nebenschauplatz reflektiert werden, der in dem vor wenigen Tagen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39989\">auf den NachDenkSeiten erschienenen Artikel<\/a> beschrieben wurde. Der ins Deutsche &uuml;bersetzte Text entstammt vom Aufbau &uuml;ber Tenor bis zu den anonymen Autoren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit venezolanischen Geheimdienstkreisen. Dagegen, dass der Text geheimdienstlichen Ursprung haben kann, ist &uuml;berhaupt nichts einzuwenden, doch sollte man es wissen.<\/p><p>Als bisher demokratisches, zweifelsfrei friedliches Land, das niemals einen Nachbarn bedrohte oder ihm Schaden zuf&uuml;gte, ist Venezuela umgekehrt seit fast zwei Jahrzehnten Zielscheibe einer konzertierten, internationalen &ndash; medialen, kybernetischen und geheimdiplomatischen &ndash; Destabilisierungskampagne und hat das Recht auf Selbstverteidigung. Ebenso zur Wahl seiner engsten B&uuml;ndnispartner, zu denen seit der ersten Amtszeit Hugo Ch&aacute;vez&acute;, zu Beginn des neuen Millenniums, Kuba geh&ouml;rt, jedoch als Partner im Handel und in der Politik in wachsendem Ma&szlig;e auch Russland und China pr&auml;sent sind. <\/p><p>Nach Berechnungen der Internet-Monitoring-Firma Akamai sind nach der Nichtverl&auml;ngerung der Sendelizenz des militanten, oppositionellen TV-Senders RCTV, der 2002 den Putsch gegen Hugo Ch&aacute;vez anf&uuml;hrte, im Jahr 2007 mindestens 764 Cyberangriffe auf das venezolanische Pr&auml;sidialamt, das Parlament, die Ministerien f&uuml;r Verteidigung und Ern&auml;hrung und die Justiz gef&uuml;hrt worden. Allein im ersten Quartal des Jahres 2011, so das Monitoring des russischen Kapersky Lab, seien 1,4 Millionen elektronische Malware- und Virus-Angriffe auf lateinamerikanische Ziele &ndash; ein Drittel davon auf Venezuela &ndash; via Internet abgefeuert worden. Nochmal synchronisiert mit den Aufm&auml;rschen der inl&auml;ndischen Opposition, insbesondere den Stra&szlig;enblockaden der gewaltt&auml;tigen <em>Guarimberos<\/em>, die mindestens 40 Todesopfer forderten, wurden 2014 vom Ministerium f&uuml;r Wissenschaft und Technologie 127 Cyberattacken gegen Internetseiten verschiedener Regierungs&auml;mter registriert. 2016 meldete das Erd&ouml;l-Ministerium rund 17.000 Angriffe gegen Internet-Plattformen der Erd&ouml;lbranche, die nach Angaben von Minister Eulogio del Pino den Abschluss von internationalen Erd&ouml;lgesch&auml;ften Venezuelas blockieren oder verhindern sollten. Schlie&szlig;lich wurden bei drei Gelegenheiten im laufenden Jahr 2017 zahlreiche Namen von Mitarbeitern der venezolanischen Geheimdienste elektronisch gehackt. Die drei f&uuml;hrenden Ursprungsl&auml;nder der Angriffe waren Holland, S&uuml;dkorea und die USA.<\/p><p><strong>General L&oacute;pez&acute; &bdquo;Doktrin der Cyberverteidigung&rdquo; und das russisch-chinesisch-iranische Schutzschild<\/strong><\/p><p>&bdquo;Wir sind einem nicht-konventionellen Krieg unterworfen, dessen Ziel das Hirn des Menschen ist, zur Schw&auml;chung seiner Kampfbereitschaft, aber auch zur Schw&auml;chung des Staates und seiner Institutionen, letztlich zur Schw&auml;chung der FANB&rdquo;, erkl&auml;rte Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der bolivarischen Streitkr&auml;fte (FANB), General Padrino L&oacute;pez, mit selten geh&ouml;rter Dramatik. Als Verfechter eines sozialistischen Programms f&uuml;r Venezuela und wegen seiner N&auml;he zu Kuba verk&ouml;rpert L&oacute;pez angeblich das Mastermind in den seit der ersten Amtszeit Hugo Ch&aacute;vez&acute; immer wiederholten Kolportagen von zumeist im US-amerikanischen Florida angesiedelten Medien wie <em>El Nuevo Herald<\/em> und <em>Panam-Post<\/em> &ndash; beide entweder im Besitz oder geleitet von eingeb&uuml;rgerten Exilkubanern und deren Nachkommen, wonach der kubanische Geheimdienst die venezolanische Regierung, insbesondere jedoch seine Streitkr&auml;fte, &bdquo;infiltriert&rdquo; habe.<\/p><p>Als von den USA argw&ouml;hnisch beobachteter Strategieplaner und Geheimdienst-Experte erteilte L&oacute;pez zum Jahresbeginn 2017 seinem Befehlsstab den Auftrag zur Ausarbeitung eines Handlungsplans zur Cyberabwehr. Wie aus einer Reportage der konservativen Tageszeitung <em>El Nacional<\/em> hervorgeht (La FANB se propone incautar medios y vigilar redes sociales &ndash; &bdquo;Die FANB planen, Medien zu beschlagnahmen und soziale Netzwerke zu &uuml;berwachen&rdquo; &ndash; El Nacional, 26.02.2017), h&auml;tten Kommandanten des sogenannten &ldquo;Territorialen Verteidigungssystems&rdquo; bereits im Februar L&oacute;pez einen Bericht mit dem Titel &bdquo;Umsetzung des Planungsleitfadens 2017&rdquo; (&bdquo;Operacionalizaci&oacute;n de la gu&iacute;a de planeamiento 2017&rdquo;) ausgeh&auml;ndigt und die &ouml;rtlichen Stabs- und Kommandostellen der REDIs (sogenannte Regionen Integraler Verteidigung) sowie die Bolivarische Volksmiliz (MNB) seien sofort in den Handlungsplan eingebunden worden.<\/p><p>Wie der regierungsnahe Blog Jos&eacute; Negr&oacute;n Valera <a href=\"http:\/\/www.josenegronvalera.com.ve\/2017\/07\/la-ciberguerra-contra-venezuela.html\">berichtete<\/a> kommt mittlerweile Russland, dem Iran und China an der Abwehr in- und ausl&auml;ndischer elektronischer Angriffe auf Venezuela eine Schl&uuml;sselrolle zu. Der f&uuml;r die Abteilung Informationstechnologie im Verteidigungsministerium zust&auml;ndige Brigadegeneral Wilfredo Morales best&auml;tigte auf einem Technologieforum vom vergangenen M&auml;rz, dass Venezuela bereits ein fortgeschrittenes Stadium in der Entwicklung &bdquo;eines Schutzschildes gegen Cyberangriffe&rdquo; erreicht habe und daf&uuml;r &bdquo;ein B&uuml;ndnis mit der Volksrepublik China, der Islamischen Republik Iran und der Russischen F&ouml;deration&rdquo; eingegangen sei.<\/p><p><strong>Cyberschl&auml;ge auch gegen linke Opponenten?<\/strong><\/p><p>Ist den konservativen, jedoch auch einzelnen linken Medien zu glauben, w&uuml;rden seit Jahresbeginn die 25 Handlungsanweisungen eines Planungsleitfadens des Verteidigungsministeriums mit dem Ziel befolgt, ma&szlig;gebliche &bdquo;innere und &auml;u&szlig;ere Feinde&rdquo; zu bek&auml;mpfen, wozu die FANB Teile der Opposition, das organisierte Verbrechen und die USA z&auml;hlen. In den Handlungsanweisungen werden die Streitkr&auml;fte zur &bdquo;maximalen Nutzung konventioneller Medien&rdquo; (Radio- sowie &ouml;ffentliche und private TV-Sender) &bdquo;und nicht-konventioneller Medien&rdquo; (soziale Netzwerke) bei der Abwehr eines &bdquo;Krieges der vierten Generation&rdquo; angehalten, wie seit den 1980-er Jahren die Kombination von psychologischer Kriegsf&uuml;hrung &ndash; insbesondere der Medien-Manipulation &ndash; der Anzettelung zum Aufruhr und dezentraler Destabilisierungsma&szlig;nahmen (&bdquo;Gewalt unter der Kriegsschwelle&rdquo;) umschrieben wird.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170924-Venezuela-04.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170924-Venezuela-04-small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Erfolgreich war Padrinos Abwehrkampagne gegen Blogs und Medien der rechten Opposition, darunter insbesondere mutma&szlig;liche Wirtschaftskriminelle. Die von den USA finanzierte NGO Instituto Prensa y Sociedad will erfahren haben, dass 372 Internet-Portale offline gesetzt und 43 Adressen von &ouml;ffentlichen und privaten ISP-Anbietern blockiert wurden. Fast die H&auml;lfte (44 Prozent) der Blockaden betreffen Adressen schwarzer Devisenh&auml;ndler, wie zum Beispiel <em>DolarToday.com<\/em>, die im Netz mit dem US-Dollar spekulieren und der Wirtschaft enormen Schaden zuf&uuml;gen. An zweiter Stelle, mit 19 Prozent, rangieren zensierte Medien und 12 Prozent der Blockierungen betr&auml;fen Blogs, die Nicol&aacute;s Maduro kritisieren.<\/p><p>W&auml;hrend bisher jedoch unklar ist, ob L&oacute;pez&acute; Cyber-Abwehr gegen ausl&auml;ndische Angriffe ebenso erfolgreich war, sollten allem Anschein nach auch linke Dissidenten des regierungsamtlichen Chavismo abgestraft werden. In einer <a href=\"https:\/\/www.aporrea.org\/medios\/a241770.html\">scharfen Anklage<\/a> (&bdquo;Aporrea unter Beschuss und seine Mitarbeiter schweigen&rdquo; &ndash; Aporrea, 22.02.2017) gegen die Regierung Maduro schilderte der renommierte Ex-Guerillak&auml;mpfer, Historiker, Buchautor und Ch&aacute;vez-Anh&auml;nger Roberto L&oacute;pez S&aacute;nchez, dass die traditionsreiche und landesweit beachtete, linke Online-Zeitschrift <em>Aporrea<\/em> zum ersten Mal in ihrer nahezu zwanzigj&auml;hrigen Existenz vom 16. bis 21. Februar Opfer eines Hackerangriffs wurde, der das Blatt offline setzte.<\/p><p><em>Aporrea<\/em> gilt als Emblem der demokratischen Debatte innerhalb der venezolanischen Linken. Zu ihren Kolumnisten geh&ouml;rten hochrangige Beamte der Regierung Maduro, wie Ad&aacute;n Ch&aacute;vez, Elias Jaua, Ch&aacute;vez&acute; ehemaliger Vizepr&auml;sident, mehrfacher Minister und Publizist, Jos&eacute; Vicente Rangel, ferner Elezar D&iacute;az Rangel, dazu zahlreiche, regierungsnahe Journalisten, hunderte Mitglieder der Ch&aacute;vez-Partei PSUV und Aktivisten der Volksbewegung, die Maduro unterst&uuml;tzt. Doch auch Gewerkschafter, Gemeinde- und Bauernvertreter und schlie&szlig;lich Aktivisten der trotzkistischen PSUV-Parteiabspaltung <em>Marea Socialista<\/em>, der L&oacute;pez S&aacute;nchez angeh&ouml;rt.<\/p><p>&bdquo;Die Verantwortlichen dieses Cyberangriffs auszumachen, ist nicht allzu schwierig&rdquo;, kommentierte der Historiker. &bdquo;Jeder Verdacht weist in Richtung der Regierung Nicol&aacute;s Maduro. Sie ist als Allererste daran interessiert, jede Spur kritischer Stimmen und politischer Akteure auszul&ouml;schen, die, wie wir, aus der Perspektive des revolution&auml;ren Lagers die Perversionen und Verf&auml;lschungen der von Comandante Ch&aacute;vez vorgegebenen Marschroute anklagen&hellip;&rdquo;.<\/p><p>&bdquo;Es gibt in Venezuela keine andere Seite f&uuml;r Debatten unter Revolution&auml;ren, die Aporrea &auml;hnlich w&auml;re. Weder existierte jemals in der PSUV noch in der Regierung Maduros ein Freiraum f&uuml;r eine demokratische Debatte f&uuml;r Millionen von Aktivisten, die sich den von Ch&aacute;vez vorgegebenen Umw&auml;lzungen verschrieben haben. S&auml;mtliche Kongresse des Vaterlandes wurden stets als R&auml;ume der Katharsis und der Medienpropaganda konzipiert. Ich darf es behaupten, an drei von ihnen war ich selbst beteiligt&rdquo;, beschlie&szlig;t der Aktivist und Hochschulprofessor seine Abrechnung mit der Regierung Maduro.<\/p><p>Manch einem mag L&oacute;pez S&aacute;nchez&acute; schonungslose Kritik an Nicol&aacute;s Maduro zu Recht als verk&uuml;rzt erscheinen. Doch steht der Historiker nicht allein mit ihr. In der online wieder zug&auml;nglichen Aporrea wimmelt es an dramatischen Appellen, wie dem des Chemikers, Sozialforschers und Ch&aacute;vez-Anh&auml;ngers Pedro Pati&ntilde;o (&bdquo;<a href=\"https:\/\/www.aporrea.org\/economia\/a251278.html\">Nicol&aacute;s und Verfassungsv&auml;ter&hellip;Ohne Brot ist der Frieden nicht von Dauer!<\/a>&rdquo;). <\/p><p>Was der kritische Chavismo Maduro und dem harten Kern der Regierungspartei PSUV nicht zu Unrecht vorwirft, ist eine beachtliche Liste von Unterlassungen, Inkompetenz, Vetternwirtschaft, Filz, Korruption und einen Hang zu autorit&auml;rer Konfliktl&ouml;sung, auch im Umgang mit den eigenen Genossen. Doch bleibt den Kritikern in den eigenen Reihen nichts anderes &uuml;brig als die Akzeptanz des kleineren &Uuml;bels &ndash; denn, was, wenn die konservative MUD an die Macht k&auml;me?<\/p><p>Romain Migus, in Venezuela lebender franz&ouml;sischer Publizist, warnte bereits vor f&uuml;nf Jahren in seinem Buch &ldquo;El programa de la MUD&rdquo; &uuml;ber die geplante Wirtschaftspolitik der Opposition. Unmittelbare &ldquo;Reformen zur Missachtung und Annullierung der bestehenden, rechtlichen und administrativen Grundordnung&rdquo; w&auml;ren zu erwarten, Gesetze w&uuml;rden grob missachtet, die Verfassung verletzt, s&auml;mtliche Sozialprogramme konsequent gestrichen, Strukturpolitik und Sondermissionen vernichtet. Dem bescheidenen Sozialstaatsgebilde des Hugo Ch&aacute;vez h&auml;tte dann sein letztes St&uuml;ndlein geschlagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170924-Venezuela-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Der mit dem parlamentarischen Putsch vom August 2016 an die Macht gehievte brasilianische de-facto-Pr&auml;sident Michel Temer weilte in New York. Am 19. September hielt Temer die Er&ouml;ffnungsrede zur Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN), die nach der 1947 eingeweihten Tradition immer von brasilianischen Staatschefs er&ouml;ffnet<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40252\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,126,20,11],"tags":[1613,1795,2012,1334,2071,2692,1937,466,1418,1976,1800,639,1556,1333],"class_list":["post-40252","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-strategien-der-meinungsmache","tag-brasilien","tag-chavez-hugo","tag-cyberkriminalitaet","tag-erdoel","tag-maduro-nicolas","tag-mercosur","tag-militaermanoever","tag-nato","tag-regime-change","tag-temer-michel","tag-trump-donald","tag-uno","tag-usa","tag-venezuela"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40252","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40252"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40252\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48122,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40252\/revisions\/48122"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40252"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40252"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40252"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}