{"id":4028,"date":"2009-06-29T12:08:27","date_gmt":"2009-06-29T10:08:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4028"},"modified":"2014-01-27T12:37:21","modified_gmt":"2014-01-27T11:37:21","slug":"bank-der-zentralbanken-alle-sind-schuld-alle-sind-opfer-keiner-konnte-die-finanzkrise-erahnen-und-niemand-ist-verantwortlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4028","title":{"rendered":"Bank der Zentralbanken: Alle sind schuld, alle sind Opfer, keiner konnte die Finanzkrise erahnen und niemand ist verantwortlich"},"content":{"rendered":"<p>Heute stellt die Bank f&uuml;r Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ihren <a href=\"upload\/pdf\/090629_Jahresbericht_Bankenaufsicht.pdf\">79. Jahresbericht [PDF &ndash; 6.6 MB]<\/a> vor. Die BIZ gilt als Bank der Zentralbanken und ist als Forum der internationalen Zusammenarbeit in Geld- und Finanzfragen auch zust&auml;ndig f&uuml;r die Beurteilung und das fr&uuml;hzeitige Erkennen von Finanzkrisen. Insofern m&uuml;sste man erwarten, dass im Jahresbericht dieser wichtigen Institution eine besonders kompetente und tiefsch&uuml;rfende Analyse der Finanzkrise zu finden ist und Wege aus der Krise aufgezeigt werden.<br>\nDiese Erwartungen werden jedoch bitter entt&auml;uscht. Alan Greenspan und die Niedrigzinspolitik der amerikanischen Notenbank sind f&uuml;r die BIZ die Hauptverursacher. Hinzu kamen noch falsche Anreize, methodische M&auml;ngel bei der Messung, Bepreisung und Kontrolle von Risiken einerseits und Unzul&auml;nglichkeiten bei den betrieblichen Kontrollinstanzen andererseits sowie Vers&auml;umnisse im Bereich der Regulierung. Die Banker waren danach eher Opfer und die Bankenaufsicht und damit auch die BIZ tragen an der Krise keinerlei Verantwortung. Der Jahresbericht der BIZ ist eher ein Verteidigungspl&auml;doyer als eine kritische Bestandsaufnahme. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nDie Entt&auml;uschung beginnt schon in der Einleitung mit einem hilflosen Eingest&auml;ndnis:<br>\n<em>Das moderne Finanzsystem ist ungemein komplex &ndash; m&ouml;glicherweise so komplex, dass es niemand wirklich verstehen kann.<\/em><\/p><p><strong>Auf der makro&ouml;konomischen Ebene<\/strong> werden zwei problematische Ursachen festgestellt: <em>Der Aufbau von au&szlig;enwirtschaftlichen Ungleichgewichten sowie Schwierigkeiten aufgrund der langen Phase niedriger Realzinsen.<\/em><br>\nAufgrund der anhaltend hohen Leistungsbilanzdefizite bzw. &ndash;&uuml;bersch&uuml;sse sei es zu einem Nettokapitalabfluss aus den kapitalarmen aufstrebenden Volkswirtschaften in die kapitalreichen Industriel&auml;nder, insbesondere in die USA gekommen. Diese Kapitalbewegungen seien im Zusammenhang mit der hohen Sparquote in den aufstrebenden Volkswirtschaften und der niedrigen in den USA gestanden. U.a. h&auml;tten die aufstrebenden Volkswirtschaften W&auml;hrungsreserven gehortet um die Aufwertung der eigenen W&auml;hrungen einzud&auml;mmen.<\/p><p>Vereinfacht gesprochen, war also nach Meinung der BIZ auf makro&ouml;konomischer Ebene China mit seinen Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;ssen und seinen gehorteten Dollars eine der zentralen Ursachen f&uuml;r die Finanzkrise. <\/p><p>Eine zweite makro&ouml;konomische Ursache der aufkommenden Krise sei <em>&bdquo;die lange Phase niedriger Realzinsen in der ersten H&auml;lfte dieses Jahrzehnts&ldquo;<\/em> gewesen.<\/p><p>Die Niedrigzinspolitik der USA aber auch in Europa und Japan h&auml;tten:<\/p><ol>\n<li>einen Kreditboom ausgel&ouml;st, da sie die Kreditaufnahme verbilligten.<\/li>\n<li>den Barwert der Ertr&auml;ge aus Verm&ouml;gen erh&ouml;ht, was den Preisen von Verm&ouml;genswerten Auftrieb verlieh.<\/li>\n<li>Dadurch h&auml;tte sich ein falsches Anreizgef&uuml;ge in der Verm&ouml;gensverwaltungsbranche herausgebildet. Finanzinstitute m&uuml;ssten (!) n&auml;mlich relativ hohe Nominalrenditen erzielen, weil sie sich mit ihren Produkten oftmals langfristig binden m&uuml;ssten:<br>\n<em>Wenn die Zinsen auf ein ungew&ouml;hnlich niedriges Niveau sinken, kann es schwieriger werden, die zugesagten (!) Renditen zu erwirtschaften. Dann werden die Finanzinstitute entsprechend h&ouml;here Risiken eingehen, um ihre Rendite- und Gewinnvorgaben trotzdem erreichen zu k&ouml;nnen. Bei niedrigen Zinsen werden also h&ouml;here Risiken eingegangen.<\/em><\/li>\n<\/ol><p>Die BIZ folgt dem typischen Mythos der monetaristischen Wirtschaftsvision: wenn die Zinsen niedrig sind, wird mehr gezockt. Alan Greenspan der Chef der Fed ist also der S&uuml;ndenbock f&uuml;r Finanzkrise und nicht etwa die Zocker im Finanzkasino. Der Staat ist also wieder einmal an allem B&ouml;sen schuld und nicht der Markt. &Uuml;ber die Deregulierungspolitik Greenspans verliert die BIZ kein Wort. Die Banker waren die Opfer und die Bankenaufsicht und damit auch die BIZ tragen an der Krise keine Verantwortung. <\/p><p>Zurecht nennen Heiner Flassbeck und Friedericke Spiecker diese Schuldverlagerung einen <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/wirtschaftswunder\/index.php?op=ViewArticle&amp;articleId=1648&amp;blogId=16\">&bdquo;grandiosen Unsinn&ldquo;<\/a>. Das Gegenteil sei richtig: Wenn die Zinsen niedrig sind, w&uuml;rden Finanzanlagen gegen&uuml;ber Sachinvestitionen eher unattraktiver. Potenzielle Investoren steckten ihr Geld lieber in Sachanlagen, als dass sie es zur Bank tr&uuml;gen:<br>\n&bdquo;Angenommen, jemand will mit Gewalt 20 Prozent Rendite auf sein Eigenkapital erzielen und hat ein vielversprechendes Projekt vor Augen, dessen Gesamtrendite bei f&uuml;nf Prozent liegt. Sind die Notenbankzinsen niedrig, muss er sein Eigenkapital weniger mit Fremdkapital hebeln &ndash; also weniger Risiko eingehen &ndash; als wenn der Zinssatz hoch ist. Greenspan hat mit seiner Zinspolitik also genau das Gegenteil dessen getan, was ihm unterstellt wird. Dass er dar&uuml;ber hinaus falsch lag in seinem blinden Vertrauen auf das Funktionieren der Marktkr&auml;fte, ist zwar richtig, hat aber mit seiner Zinspolitik nichts zu tun&ldquo;, schreiben Flassbeck\/Spiecker in der FTD.<\/p><p>Albrecht M&uuml;ller weist richtigerweise darauf hin, dass die Spekulationen mit Subprime-Hypotheken und CDOs auch m&ouml;glich gewesen w&auml;ren, wenn die Zinsen der Fed bei 2, 3 oder gar 4% gelegen h&auml;tten. Die Scheinprofite, also Ackermanns 25%, waren doch so hoch, dass es auf so kleine Zinsdifferenzen gewiss nicht angekommen w&auml;re. Der Einfluss der Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank werde gemessen am Einfluss der spekulativen Elemente &ndash; also  die Ausweitung der Derivate, Verbriefungen und andere Elemente von Casino und Kettenbrief -v&ouml;llig &uuml;bersch&auml;tzt. <\/p><p>War eigentlich Greenspan auch an den Machenschaften in Deutschland oder in England beteiligt?<br>\nDie BIZ beteiligt sich an der auch in Deutschland so beliebten Schuldverlagerung, wonach das &Uuml;bel vor allem von den USA ausgegangen sei und bei uns die Grunds&auml;tze des ehrenwerten Kaufmanns hochgehalten worden w&auml;ren. (Siehe zu dieser Falschbehauptung: <a href=\"?p=3599\">Die Verflechtung der Politik mit dem Casino-Betrieb der Finanzwirtschaft ist enger und &auml;lter als wir denken &ndash; wir zahlen schon seit 2000 f&uuml;r die Wettschulden<\/a>)<\/p><p><strong>Als mikro&ouml;konomische Ursachen<\/strong> f&uuml;r die Finanzkrise nennt die BIZ:<br>\n<em>Probleme im Zusammenhang mit den Anreizen, methodische M&auml;ngel bei der Messung, Bepreisung und Kontrolle von Risiken einerseits und Unzul&auml;nglichkeiten bei den betrieblichen Kontrollinstanzen andererseits sowie Vers&auml;umnisse im Bereich der Regulierung.<\/em><\/p><p>Die Ausf&uuml;hrungen dazu lesen sich wie die Verteidigungsrede eines Hauptangeklagten vor dem Schwurgericht: <\/p><ul>\n<li>Die Verbraucher (also die kleinen Kapitalanleger) h&auml;tten sich zu wenig um ihre Finanzgesch&auml;fte gek&uuml;mmert und die Bev&ouml;lkerung habe eben ein zu geringes Finanzwissen.<\/li>\n<li>Die Manager von Finanzinstituten f&uuml;hlten sich bem&uuml;&szlig;igt, im Interesse der Aktion&auml;re die Eigenkapitalrendite zu erh&ouml;hen und bauten deshalb die Fremdfinanzierung aus.<\/li>\n<li>Die Verg&uuml;tungsmodelle h&auml;tten den Managern einen Anreiz geboten auf kurzfristige Ertr&auml;ge zu setzen.<\/li>\n<li>F&uuml;r die Rating-Agenturen habe es falsche Anreize gegeben und sie seien einfach &uuml;berfordert gewesen.<\/li>\n<li>Die Risikomessung mit den modernen statistischen Instrumenten h&auml;tten Vorf&auml;lle, zu denen es nur selten komme, nicht genug einkalkuliert.<\/li>\n<li>Die risikomindernden Strategien auf den Schuldtitelm&auml;rkten h&auml;tten pl&ouml;tzlich eine risikoerh&ouml;hende Wirkung entfaltet, aus Risikominderung sei Risikokonzentration geworden.<\/li>\n<li>Aus strukturellen und aus verhaltenspsychologischen Gr&uuml;nden h&auml;tten das mittlere und das oberste Management weder die richtigen Fragen gestellt noch auf die richtigen Personen geh&ouml;rt.<\/li>\n<li>F&uuml;r die Finanzinstitute sei es relativ leicht gewesen bestimmte Gesch&auml;fte der Kontrolle der Aufsicht zu entziehen.<\/li>\n<li>Die Folgen der L&ouml;cher im regulatorischen Rahmen seien vielen schlicht nicht klar gewesen.<\/li>\n<li>Letztlich habe so gut wie niemand geahnt, dass die US-Verm&ouml;genswerte, die in der ganzen Welt erworben wurden, sich als toxisch herausstellen w&uuml;rden.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Fazit der BIZ:<\/strong> <em>Es erstaunt nicht, dass Regierungsvertreter und Marktteilnehmer die Warnzeichen weitgehend ignorierten.<\/em><\/p><p>Alle sind schuld, alle sind Opfer und niemand konnte das Ungl&uuml;ck ahnen. Niemand tr&auml;gt Verantwortung und schon gar nicht die BIZ. (Siehe auch die <a href=\"upload\/pdf\/090629_Ansprache_Generaldirektor.pdf\">Ansprache des Generaldirektors der BIZ Jaime Caruana [PDF &ndash; 72 KB]<\/a>)<\/p><p>Wer eine solche exkulpierende Krisenanalyse hat, von dem sind auch L&ouml;sungen zur Krisenbew&auml;ltigung und zur k&uuml;nftigen Vermeidung solcher selbst gemachter Krisen nicht zu erwarten. Kapitel VII &bdquo;Der Weg zu einem krisensicheren Finanzsystem &ndash; Risiken und Chancen&ldquo; ist dementsprechend &auml;u&szlig;erst d&uuml;rftig.<\/p><p>Der Text ist teilweise kabarettreif, deswegen will ich dem interessierten Leser Passagen daraus nicht vorenthalten:<\/p><ul>\n<li><em>Erstens hat die Krise das verzerrte Anreizgef&uuml;ge f&uuml;r Verbraucher, Finanzspezialisten und Ratingagenturen offengelegt.<\/em><\/li>\n<li><em>Zun&auml;chst spielte eine Rolle, dass sich die Verbraucher zu wenig um ihre Finanzgesch&auml;fte gek&uuml;mmert haben&hellip;<br>\nEin weiterer Faktor ist das allgemein geringe Finanzwissen der Bev&ouml;lkerung&hellip;In ihrer Unwissenheit und da ja finanzielle Aufsichtsstrukturen existierten, setzten die Finanzkunden die<br>\nKomplexit&auml;t des Systems f&auml;lschlicherweise mit dessen Ausgereiftheit gleich und gingen einfach davon aus, dass ihre Anlagen sicher waren, weil ja jemand anders aufpasste &ndash; ein vertrauensw&uuml;rdiger Manager, ein Aktienanalyst, eine Ratingagentur oder eine staatliche Stelle. Doch das war keineswegs der Fall. Das System, auf dessen Ausgereiftheit und Sicherheit die Verbrauchergutgl&auml;ubig setzten, war in Wirklichkeit in unverantwortlicher Weise komplex<br>\nund undurchsichtig.<\/em><\/li>\n<li><em>Hinzu kommt, dass die Manager von Finanzinstituten sich bem&uuml;&szlig;igt sahen, im Interesse der Aktion&auml;re die Eigenkapitalrendite zu erh&ouml;hen &ndash; weshalb sie ihr Fremdfinanzierungsvolumen drastisch ausbauten.<\/em><\/li>\n<li><em>Die Verg&uuml;tungsmodelle boten Managern einen Anreiz mehr, auf kurzfristige Ertr&auml;ge zu setzen und die langfristige Entwicklung au&szlig;er Acht zu lassen&hellip;<\/em><\/li>\n<li><em>Riskante Strategien zahlten sich f&uuml;r Aktieninhaber (wegen der beschr&auml;nkten Haftung) und Portfoliomanager (wegen der Verg&uuml;tungsmodelle) &uuml;berm&auml;&szlig;ig stark aus: Sie partizipierten am Gewinn, w&auml;hrend Verluste allein Sache der Gl&auml;ubiger (oder des Staates!) waren.<\/em><\/li>\n<li><em>Ratings sind teuer und schwer zu erstellen, und sie lassen sich nicht geheim halten. Sobald Informationen &ouml;ffentlich zug&auml;nglich sind, k&ouml;nnen sie ohne Kosten reproduziert werden. In Kenntnis dessen lassen sich die Ratingagenturen ihre Beurteilungen von denen bezahlen, die sie am meisten ben&ouml;tigen, n&auml;mlich den Anleiheemittenten selbst&hellip; Im Endeffekt waren die Ratingagenturen mit der Aufgabe, die Risiken festverzinslicher Wertpapiere zu bewerten und damit die kollektive Sicherheit zu sch&uuml;tzen, &uuml;berfordert und trugen durch die Vergabe unrealistisch hoher Ratings ungewollt zum Aufbau systemweiter Risiken bei.<\/em><\/li>\n<li><em>Entsprechend f&uuml;hrt eine lange Phase relativer Stabilit&auml;t zu der Einsch&auml;tzung, dass die Risiken dauerhaft abgenommen h&auml;tten, wodurch auch die Risikopreise sinken.<br>\nDie Hauptrisiken &ndash; deren Absicherung besonders teuer ist &ndash; stellen Vorf&auml;lle dar, zu denen es nur sehr selten kommt, die sich dann aber massiv auswirken.<\/em><\/li>\n<li><em>Vor der Krise zum Beispiel ging man davon aus, dass global gestreute Kapitalanlagen die Risiken verringern, da sich die Preise nicht in allen Regionen weltweit gleich entwickeln w&uuml;rden. Doch dies erwies sich als falsch &ndash; genau dann, als es besonders wichtig gewesen w&auml;re, dass diese Annahme zutrifft. Wenn die Preise von Verm&ouml;genswerten, die sich zuvor voneinander unabh&auml;ngig (Diversifizierung) bzw. gegenl&auml;ufig (Hedging) entwickelten, auf einmal parallel verlaufen, so entfalten risikomindernde Strategienpl&ouml;tzlich eine risikoerh&ouml;hende Wirkung. Mit den schlechten Zeiten wurden die Korrelationen eng und positiv. Und aus Risikominderung wurde Risikokonzentration.<\/em><\/li>\n<li><em>Eine Schwierigkeit bestand schlie&szlig;lich auch im Hinblick auf die unternehmensinternen Risikokontrollinstanzen. Aus strukturellen und aus verhaltenspsychologischen Gr&uuml;nden haben das mittlere und das oberste Management weder die richtigen Fragen gestellt noch auf die richtigen Personen geh&ouml;rt. Das strukturelle Problem war, dass die Risikomanager nicht regelm&auml;&szlig;ig genug mit den Hauptentscheidungstr&auml;gern in Kontakt kamen, weil sie daf&uuml;r in der Unternehmenshierarchie h&auml;ufig zu weit unten angesiedelt waren. Ohne die Unterst&uuml;tzung der obersten F&uuml;hrungsebene hatten die Aussagen der leitenden Risikomanager aber wenig Gewicht, und es spielte auch keine Rolle, wen sie informierten. Dieses strukturelle Problem wurde durch die Reaktion auf Anweisungen der Risikomanager noch verst&auml;rkt. Deren Aufgabe ist es, andere aufzufordern, gewisse Aktivit&auml;ten einzuschr&auml;nken oder einzustellen. Doch wenn es dabei um profitable Gesch&auml;fte geht, werden Manager und Direktoren diesen Anweisungen schwerlich Geh&ouml;r schenken.<\/em><\/li>\n<li><em>Neben den Schwierigkeiten mit dem Anreizgef&uuml;ge und der Risikomessung besteht die dritte mikro&ouml;konomische Ursache der Krise darin, dass es f&uuml;r die Finanzinstitute relativ leicht war, bestimmte Gesch&auml;fte der Kontrolle der Aufsicht zu entziehen.<\/em><\/li>\n<li><em>Da ein niedrigerer Fremdfinanzierungsanteil aber gleichbedeutend mit geringeren Ertr&auml;gen war, fanden Bankmanager Mittel und Wege, h&ouml;here Risiken einzugehen, ohne die Eigenkapitalquote hinaufsetzen zu m&uuml;ssen &ndash; n&auml;mlich &uuml;ber die Errichtung strukturierter Anlagevehikel. Ganz allgemein hat die Krise gezeigt, dass der Finanzsektor im weiteren Sinne &ndash; die traditionellen Banken und das immer wichtigere parallele Finanzsystem mit Nichtbanken und au&szlig;erbilanziellen Gesellschaften &ndash; weitaus risikoanf&auml;lliger geworden ist.<\/em><\/li>\n<li><em>Die Folgen der L&ouml;cher im regulatorischen Rahmen &ndash; dank denen die Finanzinstitute bestimmte Gesch&auml;fte problemlos der Kontrolle der Aufsichtsinstanzen entziehen konnten &ndash; oder die Konsequenzen des immer gr&ouml;&szlig;eren finanziellen Hebels &ndash; im Zuge der Verlagerung der Kapitalstruktur hin zu mehr Fremdkapital &ndash; waren vielen schlicht nicht klar.<\/em><\/li>\n<li><em>Im Hinblick auf die Gesamtwirtschaft wurde erwartet, dass die anhaltende Preisstabilit&auml;t ausreiche und dass sich Verm&ouml;genspreis- und Kreditboom selbst korrigieren w&uuml;rden. Hinsichtlich der mikro&ouml;konomischen Ebene glaubte man von staatlicher Seite, dass die Investoren die Risiken ihrer Anlagen aus Eigeninteresse im Auge behalten und sich damit quasi selber &uuml;berwachen w&uuml;rden. Aufgrund des engen Fokus auf die beaufsichtigten Finanzinstitute und des Glaubens an die Selbstregulierungskr&auml;fte wurden systemweite Gefahren nicht gen&uuml;gend beachtet.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute stellt die Bank f&uuml;r Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ihren <a href=\"upload\/pdf\/090629_Jahresbericht_Bankenaufsicht.pdf\">79. Jahresbericht [PDF &ndash; 6.6 MB]<\/a> vor. Die BIZ gilt als Bank der Zentralbanken und ist als Forum der internationalen Zusammenarbeit in Geld- und Finanzfragen auch zust&auml;ndig f&uuml;r die Beurteilung und das fr&uuml;hzeitige Erkennen von Finanzkrisen. Insofern m&uuml;sste man erwarten, dass im Jahresbericht dieser wichtigen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4028\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,1,50,205],"tags":[284,292,499],"class_list":["post-4028","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-das-kritische-tagebuch","category-finanzkrise","category-neoliberalismus-und-monetarismus","tag-deregulierung","tag-finanzkasino","tag-handelsbilanz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4028","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4028"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4028\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20317,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4028\/revisions\/20317"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4028"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4028"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4028"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}