{"id":40353,"date":"2017-09-28T14:21:00","date_gmt":"2017-09-28T12:21:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40353"},"modified":"2017-09-28T17:22:04","modified_gmt":"2017-09-28T15:22:04","slug":"heftige-kritische-und-wohlwollende-reaktionen-zum-thema-volksentscheid-einige-interessante-leser-mails","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40353","title":{"rendered":"Heftige, kritische und wohlwollende Reaktionen zum Thema Volksentscheid. Einige interessante Leser-Mails."},"content":{"rendered":"<p>Danke f&uuml;r die vielen Mails auf den Beitrag: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40332\">Sind Volksentscheide das Gelbe vom Ei? Bringen Sie uns wirklich weiter? Sehr fraglich.<\/a> Zum Teil sehr lehrreich. Gerade von mehreren Mails von Kennern der Schweizer Verh&auml;ltnisse k&ouml;nnte man lernen, dass Volksabstimmungen auch uns in Deutschland weiterbringen k&ouml;nnten. Das hatte ich im Text selbst schon angedeutet: &bdquo;Die M&ouml;glichkeit, Volksentscheide zu beantragen, w&uuml;rde mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Belebung der &ouml;ffentlichen Debatte in Deutschland beitragen.&ldquo;  Die jahrelange Beobachtung von systematischer Meinungsmache f&uuml;hrt allerdings zur Skepsis, dass auch Volksentscheide zum Spielball jener werden k&ouml;nnten, die &uuml;ber viel Geld und publizistische Macht verf&uuml;gen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nManche Leserinnen und Leser im Umfeld von Mehr Demokratie e.V. waren betroffen von der kritischen Frage in der &Uuml;berschrift des Textes. Sie haben aber leider &uuml;bersehen, dass ich den Newsletter von Mehr Demokratie e.V. zitiert und den Link zum Unterschreiben genannt hatte. Dort war zu lesen: <a href=\"http:\/\/www.volksentscheid.n2g09.com\/l\/338956372\/c\/0-15b77-695174-15es\">Jetzt hier klicken und f&uuml;r bundesweite Volksentscheide unterschreiben!<\/a>. Das ist doch ein klares Signal f&uuml;r die Offenheit der NachDenkSeiten gegen&uuml;ber dem Anliegen f&uuml;r mehr Volksentscheide. Aber &uuml;ber Risiken und Nebenwirkungen nachdenken und diskutieren &ndash; das darf man ja wohl noch?!<\/p><p>Der Beitrag von gestern hatte einen Haken, auf den einige Kenner der Schweizer Situation hingewiesen haben: Das am Sonntag gescheiterte Vorhaben zur Rentenreform ist nicht so positiv zu beurteilen, wie ich das gesehen habe. Ich habe mich, entgegen meiner sonstigen Skepsis, auf die Information und Wertung des Vorhabens durch meine Regionalzeitung verlassen. Offensichtlich darf man die Skepsis gegen&uuml;ber unseren etablierten Medien nie begraben. Auch dazu finden Sie im Anhang Leserbriefe.<\/p><p>&Uuml;brigens und nur am Rande: Einige Leser haben sich auch &uuml;ber die kritische Anmerkung am Ende meines Textes zum Treffen der Verantwortlichen von Mehr Demokratie e.V. mit dem Bundespr&auml;sidenten ge&auml;rgert. Da kann ich nicht helfen. Auf den NachDenkSeiten haben wir mit vielen Informationen auf die aus unserer Sicht kritische Rolle des Politikers Steinmeier bei der Agenda 2010, beim Putsch in der Ukraine, bei der Wiederbelebung der Konfrontation mit Russland, bei der Militarisierung der Politik und bei vielen anderen Gelegenheiten hingewiesen. &ndash; &bdquo;Kann man Steinmeier trauen?,  so haben wir am <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21804\">22. Mai 2014 gefragt<\/a>. Das war einer von vielen Beitr&auml;gen &uuml;ber die Rolle des jetzigen Bundespr&auml;sidenten. Auf der Basis dieser intensiven Besch&auml;ftigung mit dem politischen Wirken des jetzigen Bundespr&auml;sidenten darf man bezweifeln, ob das Treffen der Vertreter\/innen von Mehr Demokratie e.V. mit diesem Politiker ein Grund zur Freude ist.<\/p><p><strong>Eine kleine Auswahl von Leser Mails zum Thema:<\/strong><\/p><p>Betr.: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40332\">Sind Volksentscheide das Gelbe vom Ei? Bringen Sie uns wirklich weiter? Sehr fraglich.<\/a><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller,<\/p><p>zum oben genannten Thema muss ich Ihnen nun doch kurz einen Hinweis zukommen lassen.<\/p><p>Als im Ausland lebender Schweizer konnte ich selbst an diesem Volksentscheid teilnehmen. Bei mehreren Aufenthalten in der Schweiz in den letzen Monaten habe ich die Debatte um die Rentenreform teilweise vor Ort mitverfolgt. <\/p><p>Ihre Warnung vor Volksentscheiden als Allheilmittel sehe ich ebenfalls als absolut wert f&uuml;r eine offene Diskussion, insbesondere mit den von Ihnen aufgef&uuml;hrten Gefahren durch Einflussnahme seitens m&auml;chtiger Interessen.&nbsp;<\/p><p>Aber &ndash; Vorsicht!<\/p><p>Ausgerechnet die schweizer Abstimmung &uuml;ber die dortige Rentenreform als Paradebeispiel anzuf&uuml;hren f&uuml;r einen Volksentscheid, der von m&auml;chtigen Interessen &ndash; in diesem Fall die SVP &ndash; beeinflusst zum Scheitern gebracht wurde, k&ouml;nnte ein Fehler sein. Nur weil die SVP gegen diese Reform war, heisst das noch lange nicht, dass es sich um eine gute Reform handelte. Wo doch die SVP diese Reform ablehnte, weil sie ihr nicht weit genug reichte. In Wirklichkeit ist die Reform n&auml;mlich ein Versuch, die Lasten im schweizer Rentensystem ebenso mehr auf die Schultern der unteren Einkommensschichten zu verschieben, wie &auml;hnliches in Deutschland schon l&auml;ngst gelungen ist. Das Reformvorhaben war selbst vom Hauptverantwortlichen, dem Bundesrat&nbsp;Alain Berset, als nicht perfekt bezeichnet worden, aber eben immerhin besser als nichts. Die Panikmache, die in der Schweiz seitens der Unterst&uuml;tzer betrieben wurde, lief nach den gleichen Methodiken ab, wie hier in Deutschland: Baldige Pleite der Rentenkassen wegen des demografischen Wandels &ndash; 2031 (!!!) soll der schweizer Rentenfonds zahlungsunf&auml;hig sein. Immer die selbe Leier (siehe z.B. Beitrag von Gerd Bosbach ver&ouml;ffentlicht unter anderem <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/gbosbach_demogr.pdf\">bei den Nachdenkseiten<\/a>)<\/p><p>Die Zustimmung zur Rentenreform war zun&auml;chst hoch, br&ouml;ckelte aber mehr und mehr, je mehr dar&uuml;ber debattiert wurde. Und zwar nicht, weil den Schweizern, wie f&uuml;r die SVP, die Reform nicht weit genug ging, sondern mehr wegen der darin verborgenen sozialen Ungerechtigkeiten. Insgesamt wurde die Sinnigkeit dieser Reform in Frage gestellt. Es ist den Unterst&uuml;tzern nicht einmal gelungen, mit der Gleichstellungskarte zu punkten. Rentenalter f&uuml;r die Frauen anheben? Konter &ndash; warum nicht Rentenalter f&uuml;r die M&auml;nner senken.<\/p><p>Entschuldigen Sie bitte, wenn ich kritisiere, aber die zitierten Beitr&auml;ge aus &bdquo;Ihren&ldquo; Tageszeitungen werden dem Thema nicht im entferntesten gerecht. Die Beitr&auml;ge in Zeit, Spiegel etc. zu diesem Thema sind nahezu identisch, immer der gleiche Tenor. Es handelt sich vermutlich um &uuml;berarbeitete Agenturmeldungen. Keiner der Journalisten hat eigene Recherche betrieben. Es ist also eher davon auszugehen, dass man sich dar&uuml;ber emp&ouml;ren will, dass der schweizer B&uuml;rger die Frechheit besessen hat, was ihm nat&uuml;rlich als Dummheit ausgelegt wird, sich gegen eine von oben verordnete Rentenreform zu entscheiden. Dieses Beispiel darf nach neoliberaler Denkart auf keinen Fall Schule machen. Und Vorsicht Falle: die Gegner sind raffiniert. In den deutschen Medien wird so getan, als w&auml;re es ein verderbtes Projekt der Rechten, das diese &bdquo;kluge&ldquo; Reform zu Fall gebracht hat. Erinnern wir uns: einige der schlimmsten S&uuml;ndenf&auml;lle sozialer Einschnitte durch Reformen wurden in Deutschland von Linken Regierungen get&auml;tigt. Oder denken Sie an Sara Wagenknecht, die bei leisester Kritik an der Migrationspolitik sofort in die AFD-Ecke gestellt wird. Das ist eine Taktik, die schon oft aufgegangen ist. In der Schweiz ging das diesmal nicht durch, aber es wird weiter heftig daran gearbeitet.<\/p><p>Entschuldigen Sie bitte, wenn ich hier die Facetten des F&uuml;r und Wider der schweizer Rentenreform nicht im Detail auff&uuml;hre. Das w&auml;re jetzt doch recht aufwendig. Es ging mir mehr darum, Ihnen einen Wink zu geben, dass es ein Fehler sein k&ouml;nnte, eine Kritik am Volksentscheid am Thema schweizer Renten aufzuh&auml;ngen.<\/p><p>Beste Gr&uuml;sse,&nbsp;<br>\nFlorian Linse<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Zu dem Beitrag: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40332\">Sind Volksentscheide das Gelbe vom Ei? Bringen Sie uns wirklich weiter? Sehr fraglich.<\/a><\/p><p>Hallo Freunde von den Nachdenkseiten, <\/p><p>als Mitglied von Mehr Demokratie war ich &uuml;ber diesen Beitrag und seine negative &Uuml;berschrift zun&auml;chst einmal emp&ouml;rt. Als Leser der Nachdenkseiten habe ich inzwischen aber das Nachdenken recht gut gelernt. Ja, es stimmt, Volksabstimmungen m&uuml;ssen nicht grunds&auml;tzlich zu klugen Entscheidungen f&uuml;hren, aber das ist bei Parlamentsentscheidungen nicht anders. Nur, dass das Volk sich dann nicht so &uuml;berfahren und bevormundet f&uuml;hlt. Au&szlig;erdem k&ouml;nnen Volksentscheidungen nach einer gewissen Zeit wieder korrigiert werden (ist in der Schweiz auch schon geschehen). Und im &uuml;brigen gilt, was Albrecht M&uuml;ller richtig feststellt: &bdquo;<strong>Die M&ouml;glichkeit, Volksentscheide zu beantragen, w&uuml;rde mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Belebung der &ouml;ffentlichen Debatte in Deutschland beitragen.<\/strong>&ldquo; Letztlich also zu mehr Demokratie und das wollen wir doch &ndash; oder?<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nHeidemarie Wegener, Osterode<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>&hellip;<\/p><p>Ihrem Urteil &uuml;ber die direkte Demokratie in der Schweiz aufgrund der AHV-Abstimmung vom letzten Sonntag muss ich widersprechen.<\/p><p>Als JA-Stimmende haben meine Frau und ich zwar &bdquo;verloren&ldquo;, f&uuml;hlen uns aber nicht als endg&uuml;ltige Verlierer, weil<\/p><ul>\n<li>die Vorlage ein nicht perfekter Kompromiss war zwischen Mitte-Links und Rechtsb&uuml;rgerlich<\/li>\n<li>die rechtsb&uuml;rgerliche FDP und SVP der AHV schaden wollen zugunsten privater Pensionskassen, d.h., grosse Gewinne der Versicherungen<\/li>\n<li>das Volk den Braten gerochen hat und die Vorlage bachab geschickt hat<\/li>\n<li>das Volk in der Vergangenheit auch schon Steuersenkungen, eine 6. Ferienwoche, neue Kampfflugzeuge u.a. abgelehnt hat<\/li>\n<li>die B&uuml;rger des neu gegr&uuml;ndeten Kantons Jura damals einer Steuererh&ouml;hung zugestimmt hatten<\/li>\n<\/ul><p>Die Schweizer sind es gewohnt, dass es manchmal mehrere Anl&auml;ufe braucht, bis die L&ouml;sung stimmt. Bei der AHV dauerte es damals rund 23 Jahre, bis sie 1949 eingef&uuml;hrt wurde. Zugegeben, die M&uuml;hlen mahlen manchmal langsam, aber i.d.R. mahlen sie gut, d.h., das Volk ist oft kl&uuml;ger, als es manchem Politiker lieb ist. Meine Frau und ich haben wochenlang diskutiert, abgewogen und uns schlussendlich f&uuml;r das &bdquo;kleinere &Uuml;bel&ldquo; entschieden.<\/p><p>Wenn ich mir dagegen anschaue, wie manchmal im Bundestag wichtige Gesch&auml;fte im Eiltempo gegen das Interesse des Volkes abgesegnet wurden, sozusagen bei Nacht und Nebel, dann w&uuml;rde ich unser System als erheblich besser beurteilen. Der Bundestag war doch lediglich ein Kanzlerwahlverein und ein willf&auml;hriger Abstimmverein. Ich habe mich mehrmals f&uuml;r diesen Verein fremdgesch&auml;mt; da herrscht doch eine kaum noch zu &uuml;berbietende Arroganz und Volksverachtung. Und weil das so ist, sind die Zust&auml;nde in Deutschland so wie sie sind. Die deutschen Bl&auml;tter, die mit einer gewissen H&auml;me &uuml;ber unsere Abstimmung berichten, haben sich meines Wissens in der Vergangenheit nicht mit ad&auml;quater Beflissenheit &uuml;ber die deutsche Politik ausgelassen. Entweder wissen sie es nicht besser, oder sie geh&ouml;ren zu den Hofberichterstattern und nicht zur vierten Gewalt. Was wir dringend brauchen ist eine <strong>freie Presse<\/strong>, nicht zu Verwechseln mit Pressefreiheit.<\/p><p>Ich hoffe, lieber Herr M&uuml;ller, Sie k&ouml;nnen meinem Standpunkt Verst&auml;ndnis entgegenbringen.<\/p><p>Mit herzlichen Gr&uuml;ssen<br>\nXaver Sch.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Hallo Herr M&uuml;ller, <\/p><p>ob Volksentscheide das Gelbe vom Ei sind, wage ich auch nicht zu beurteilen, allerdings ist Ihre Skepsis in diesem Fall aus meiner Sicht nicht verst&auml;ndlich. <\/p><p>Aus folgenden Gr&uuml;nden: <\/p><p>Wenn es den Publizisten m&ouml;glich ist Volksentscheide nach Ihrem Willen zu manipulieren, wie leicht muss es dann erst sein eine ungleich kleinere Anzahl von Abgeordneten um den Finger zu wickeln.<\/p><p>Vor allem, wenn wie in Deutschland der Bundestag zu gro&szlig;en Teilen von Lobbyisten bev&ouml;lkert wird. <\/p><p>Im Gegensatz dazu ergeben sich f&uuml;r mich als W&auml;hler ungeahnte M&ouml;glichkeiten durch einen Volksentscheid.<br>\nIch kann &uuml;ber verschiedene Kan&auml;le, meine Argumentation mit anderen Teilen.<br>\nWerbung in eigener Sache machen und &Uuml;berzeugungsarbeit leisten.<br>\nDas ist ohne Volksentscheide nicht m&ouml;glich. <\/p><p>Abschlie&szlig;end f&auml;llt mir auf, dass ich, mit den von Ihnen gelieferten Informationen zu dem Rententhema auch dagegen gestimmt h&auml;tte.<br>\nWobei ich zugeben muss die n&auml;heren Umst&auml;nde in der Schweiz nicht zu kennen. <\/p><p>Und zwar aus folgenden Gr&uuml;nden (sehr verk&uuml;rzt): <\/p><p>Eine Verl&auml;ngerung der Lebensarbeitszeit erscheint aus meiner Sicht nicht sinnvoll zu sein.<br>\nUnsere Produktivit&auml;t steigt kontinuierlich.<br>\nUns wird irgendwann mal die Arbeit ausgehen, bzw. wir haben jetzt schon zuviele Menschen mit zu wenig Arbeit.<br>\nDie Arbeit sollte besser verteilt werden (nicht nur national sondern international).<br>\nDie Lebensarbeitszeit sollte verk&uuml;rzt werden. <\/p><p>Eine Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer belastet die unteren Einkommensgruppen &uuml;berproportional.<br>\nHier sollte die Finanzierung &uuml;ber alle Einzahler proportional zum gesamten Einkommen vorgenommen werden. <\/p><p>Vielen Dank f&uuml;r die NachDenkSeiten! <\/p><p>Gru&szlig;<br>\nMichael K&ouml;ster<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<\/p><p>Ihr Beitrag &ldquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40332\">Sind Volksentscheide das Gelbe vom Ei? Bringen sie uns wirklich weiter? Sehr fraglich.<\/a>&rdquo; l&auml;sst mich ziemlich sprachlos zur&uuml;ck. In meinen Augen haben Sie damit einen ziemlichen faux pas hingelegt und offenbaren gro&szlig;e Unkenntnis und mangelnde Besch&auml;ftigung mit dem Thema direkte Demokratie.<\/p><p>Ihre erste Frage ist &uuml;berfl&uuml;ssig, denn selbst die Bef&uuml;rworter von Volksabstimmungen (VA) behaupten nicht, diese seien das &ldquo;Gelbe vom Ei&rdquo;. Und eine Antwort auf Ihre zweite Frage &ndash; &ldquo;Bringen sie uns wirklich weiter?&rdquo; &ndash; h&auml;ngt schlicht davon ab, was man unter &ldquo;Weiterbringen&rdquo; genau versteht. Bewertet man dieses nur nach den Abstimmungsergebnissen, wie sie es ja mit dem Verweis auf die Rentenabstimmung in der Schweiz konkret tun, so wird es eine Bewertung entsprechend der eigenen politischen Pr&auml;ferenz. Dann m&uuml;ssten Sie eigentlich auch gegen Wahlen sein, denn seit rund 15 Jahre wird ganz anders gew&auml;hlt und regiert, als was die NachDenkSeiten unter &ldquo;Weiterbringen&rdquo; verstehen.<\/p><p>Der erste Schritt zur objektiven Einordnung von VA besteht darin, diese genau wie Wahlen nicht als Mittel f&uuml;r ein bestimmtes Ergebnis, sondern als ergebnisneutrales, demokratisches Instrument zur Willensbildung und Mehrheitsfindung anzusehen. VA sind auch von einem &uuml;berwiegend konservativen Abstimmungsverhalten gepr&auml;gt und der Gro&szlig;teil der Vorlagen wird abgelehnt. D.h. der Sinn von VA erschlie&szlig;t sich nicht, indem man einzig auf die Ergebnisse schaut. Entscheidend ist vielmehr der Initiativ- und Diskussionsprozess, der eben auch unabh&auml;ngig von dem von Ihnen immer wieder kritisierten Meinungs- und Entscheidungsmonopol der Parteien und Eliten angesto&szlig;en werden kann. Es geht um m&ouml;gliche Themensetzung aus der Gesellschaft heraus! Und es ist auch keine Zwangsl&auml;ufigkeit, dass immer das gro&szlig;e Geld gewinnt, was ja der &ldquo;eigentliche Grund f&uuml;r [Ihre] Skepsis&rdquo; ist. Wenn Sie sich mit dem Thema tiefer besch&auml;ftigt h&auml;tten, w&uuml;rden Sie dies wissen. Au&szlig;erdem betrifft die Macht des Geldes auch Wahlen. (So ist es. Und bei welchen gro&szlig;en gesellschaftspolitischen und finanzpolitischen Entscheidungen hat das Gro&szlig;e Geld nicht gewonnen? = Zwischenbemerkung A. M.)<\/p><p>Informieren Sie sich bitte zu dem gesamten Themenkomplex VA. Ihr Beitrag verr&auml;t jedem Kundigen Ihre Unkenntnis. Umso schlimmer, Ihre geradezu arrogante Unterstellung, die Mitarbeiter von <em>Mehr Demokratie e.V.<\/em> seien Naivlinge:<\/p><p><em>&ldquo;Dass sich die Initiatoren des neuen Vorsto&szlig;es f&uuml;r mehr Volksentscheide, die Verantwortlichen von Mehr Demokratie e.V., dann auch noch dar&uuml;ber freuen, dass sie von Bundespr&auml;sident Steinmeier empfangen worden sind, zeugt von einer gewissen Ahnungslosigkeit dieser Initiatoren.&rdquo;<\/em><\/p><p>Den Verein gibt es seit mittlerweile 20 Jahren. Und die Zunahme von VA auf kommunaler- und Landesebene geht in gro&szlig;en Teilen auf dessen Engagement und Expertise zur&uuml;ck. Er ist die Nummer Eins in DE bzgl. Wissen und Aktivit&auml;t zu VA. Desto deplazierter Ihr letzter Satz.<\/p><p>Letztendlich bekunden Sie auch ein seltsamen Demokratieverst&auml;ndnis, wenn Sie Volkssouver&auml;ntit&auml;t ohne VA denken k&ouml;nnen. Wie geht das? VA auf Bundesebene w&auml;ren &uuml;berhaupt erst die Berechtigung, in DE von einer Demokratie sprechen zu k&ouml;nnen, im Gegensatz zu der jetzt bestehenden blo&szlig; demokratisch gebildeten Repr&auml;sentation.<\/p><p>In der Hoffnung, dass nach Ihrem leider sehr einseitigen Meinungsartikel noch ein ausgewogenere Betrachtung folgt, verbleibe ich mit besten Gr&uuml;&szlig;en.<\/p><p>H. Matthe&szlig;,&nbsp; Dresden<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller <\/p><p>Ihre Skepsis bez&uuml;glich der M&ouml;glichkeit, dass m&auml;chtige publizistische Akteure den Ausgang von Volksentscheidungen durch Medienkampagnen beeinflussen k&ouml;nnen, teile ich durchaus. Als Mitglied des Vereins von &ldquo;Mehr Demokratie e.V.&rdquo; kann ich Ihnen versichern, dass praktisch allen Mitgliedern (bei denen es sich z.T. auch um gew&auml;hlte Volksvertreter handelt) diese Problematik bewusst ist. <\/p><p>Zwei Fragen m&uuml;ssen in diesem Zusammenhang gestellt werden. <\/p><p>Erstens: welche M&ouml;glichkeiten gibt es, die populistische Vereinnahmung oder die Beeinflussung von Volksentscheiden durch die Partikularinteressen m&auml;chtiger Akteure zu verhindern. Zu diesem Thema macht der Verein sich bereits seit vielen Jahren Gedanken und hat verschiedene Rahmenbedingungen formuliert, um diese Gefahr zumindest zu reduzieren (z.B. Regelungen, die das Ansetzen von Volksentscheiden &ldquo;von oben&rdquo; reglementieren, ein hinreichend gro&szlig;es Zeitfenster f&uuml;r eine &ouml;ffentliche Diskussion bzw. Debatte des zur Abstimmung kommenden Themas sowie verpflichtende Informationsb&ouml;gen, in denen Bef&uuml;rwortern und Gegnern im gleichen Umfang Raum gegeben wird, ihre jeweiligen Argumente darzulegen). <\/p><p>Zweitens: ist es tats&auml;chlich so, dass ein Verzicht auf Volksentscheide und ein Festhalten an einer ausschlie&szlig;lich repr&auml;sentativen (Parteien-)demokratie tats&auml;chlich die bessere und vor allem eine weniger an den Interessen einzelner, m&auml;chtiger Akteure ausgerichtete Politik darstellt? Der in Berlin (und Br&uuml;ssel) grassierende Lobbyismus &ndash; nicht nur neben, sondern auch <strong>*innerhalb*<\/strong> von Regierung (bzw. Kommission) und Parlamenten &ndash; belegt meines Erachtens eher das Gegenteil, mit dem einzigen Unterschied, dass hier nicht die Verleger, sondern andere Interessensvertreter &ndash; massiv und direkt &ndash; Einfluss aus&uuml;ben k&ouml;nnen. Im Falle eines anstehenden Volksentscheids m&uuml;ssten diese Gruppen ihren Einfluss zumindest durch die Finanzierung entsprechender Medienkampagnen aus&uuml;ben (was letztendlich nat&uuml;rlich keinen Hinderungsgrund darstellt). <\/p><p>Mein Fazit: ja, Volkentscheide bergen die Gefahr medienpolitischer Einflussnahme. Diese ist aber &ndash; zus&auml;tzlich zum derzeitigen Lobbyismus &ndash; auch jetzt schon gegeben, nicht nur, um das politische Weltbild von W&auml;hlern zu beeinflussen, sondern auch die Ansichten oder zumindest das Verhalten der politischen Akteure. Man denke nur daran, dass in Deutschland es sich kein noch halbwegs ambitionierter Politiker leisten kann, sich mit der Springerpresse zu &uuml;berwerfen. <\/p><p>Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus, hei&szlig;t es im Grundgesetz (Art. 20, Absatz 2). Und dort steht auch, nicht ohne Grund, nicht nur etwas von Wahlen, sondern explizit auch von Abstimmungen. Das Argument, der Souver&auml;n w&auml;re nicht in der Lage, bestimmte Sachverhalte zu verstehen oder zu leicht zu verf&uuml;hren, stammt in der Regel von Politikern, nicht von Soziologen oder anderen Gesellschaftswissenschaftlern. Von Parlamentariern, die sehr h&auml;ufig &uuml;ber komplexe Sachverhalte abstimmen, die sie selbst nicht durchdrungen haben (k&ouml;nnen), wie z.B. beim Durchpeitschen von 1000seitigen Werken zur Einrichtung eines europ&auml;ischen Rettungsschirms oder die k&uuml;rzlich den Bundestag passierenden Grundgesetz&auml;nderungen zum Thema &ouml;ffentlich-privater Partnerschaften. <\/p><p>Zudem sollte man nicht vergessen: den N&auml;hrboden von Politikverdrossenheit und Populismus stellt ja vor allem die Tatsache dar, dass sich viele B&uuml;rger in der derzeitigen Politik nicht mehr vertreten und geh&ouml;rt f&uuml;hlen &ndash; wer w&uuml;sste das nicht besser als die Macher der Nachdenkseiten? Volksentscheide k&ouml;nnten dem Vormarsch des Populismus zumindest teilweise entgegenwirken. Au&szlig;erdem zwingt es die B&uuml;rger in die Verantwortung: es ist leichter, politische Entscheidungen (und politische Gegner) zu diffamieren, als selbst politische Entscheidungen treffen zu m&uuml;ssen. <\/p><p>Zum Abschluss m&ouml;chte ich mir noch zwei Zitate erlauben: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Ich kenne keinen sichereren Aufbewahrungsort f&uuml;r die gesellschaftliche Macht als das Volk. Wenn wir das Volk f&uuml;r zu unwissend halten, m&uuml;ssen wir es bilden, aber nicht ihm seine Rechte nehmen.&rdquo;<br>\nThomas Jefferson, 3. Pr&auml;sident der Vereinigten Staaten von Amerika, 1820\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&ldquo;Das Volk ist f&uuml;r politische Entscheidungen nicht weniger reif als es seine Repr&auml;sentanten sind.&rdquo;<br>\nProf. E.B. Mahrenholz, Bundesverfassungsgericht 1989\n<\/p><\/blockquote><p>Hochachtungsvoll<br>\nRalph Feltens<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller, <\/p><p>danke dass Sie sich nun doch noch einmal zu diesem Thema ge&auml;u&szlig;ert haben und dabei die Gr&uuml;nde f&uuml;r Ihre ablehnende Haltung offen legen. Damit ist der missgl&uuml;ckte Kampagnen-Versuch von Mehr Demokratie zumindest nicht v&ouml;llig nutzlos. <\/p><p>Was Ihre Argumentation betrifft, so finde ich Sie einerseits menschlich gut nachvollziehbar, andererseits enth&auml;lt sie so offensichtliche logische Ungereimtheiten, dass ich mich tats&auml;chlich frage, warum Ihnen selbst das nicht auff&auml;llt. <\/p><p>Zun&auml;chst das konkrete Beispiel: Die Schweizer haben eine wom&ouml;glich sinnvolle Rentenreform abgelehnt. Ich bin nun nicht in der Lage, die Sinnhaftigkeit der Reform auf die Schnelle zu beurteilen. Deshalb will ich mich hier ganz allgemein ausdr&uuml;cken: Sie werden ihre Gr&uuml;nde gehabt haben. M&ouml;glicherweise waren es egoistische Gr&uuml;nde. Allerdings rein egoistisch k&ouml;nnen die Entscheidungsgr&uuml;nde der Schweizer wohl nicht sein, sonst w&uuml;rde der Schweizer Staat nicht funktionieren. In mancherlei Hinsicht m&ouml;gen die Schweizer sogar &uuml;ber ein rationaleres Sozialversicherungssystem verf&uuml;gen als wir in Deutschland. Ob also die Schweiz mit diesem konkreten Entscheid weiter gekommen ist oder nicht, ob sie durch den nun n&ouml;tig werdenden erneuerten Gesetzgebungsprozess weiter kommen wird oder nicht, das bedarf wohl einer genaueren Analyse. In jedem Fall haben die Schweizerinnen und Schweizer ihren parlamentarischen Entscheidungsgremien zu signalisieren vermocht, dass sie so mit diesem konkreten Gesetz nicht einverstanden sind und dass diese es sich bitte noch einmal vornehmen sollen. <\/p><p>Wir in B&uuml;rger in Deutschland k&ouml;nnen das nicht. Sind wir nun dadurch im Vorteil gegen&uuml;ber den Schweizer B&uuml;rgern? Ist dadurch unser Gesetzgebungsprozess besser gesch&uuml;tzt gegen die Einflussnahmen egoistischer Interessengruppen? Wenn Sie einen Augenblick &uuml;ber diese Frage nachdenken m&ouml;chten, kann ich mir die weitere Argumentation eigentlich ersparen. <\/p><p>Wie gesagt, ich verstehe Ihre Vorbehalte sehr gut. Die Einflussnahme durch Lobbyinteressen in der Politik ist ein Problem, dem wir uns stellen m&uuml;ssen. Die Bed&uuml;rfnisse und berechtigten Interessen, gerade die langfristigen Interessen der Mehrheit kommen allzu oft unter die R&auml;der. Die Frage ist, was wirkt dem entgegen, wo ist der Ansatzpunkt. Besteht er darin, Teilhabe an der Gesetzgebung durch die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger zu verhindern? <\/p><p>Nehmen wir als Exempel die Bundestagswahl. 12,6 Prozent f&uuml;r die AfD. Die FDP mit 10,7 Prozent wieder im Bundestag. CDU\/CSU werden sich in der kommenden Legislaturperiode politisch nach rechts bewegen, besonders die CSU wird die rechten Parolen der AfD aufgreifen in der Hoffnung, W&auml;hler vom rechten Rand zur&uuml;ckzugewinnen. Welche Risiken in diesem rein parlamentarischen System &ldquo;schlummern&rdquo; kann man derzeit in einigen osteurop&auml;ischen L&auml;ndern besichtigen. In Frankreich stand das System bereits in diesem Jahr auf der Kippe. In &Ouml;sterreich sieht es auch nicht viel besser aus. Wie wird wohl die Entwicklung in Deutschland weiter gehen? <\/p><p>Dass unsere &ldquo;Blockparteien&rdquo; trotz der nun schon seit L&auml;ngerem offenkundigen Risiken den neoliberalen Dogmen treu geblieben sind und voraussichtlich weiter treu bleiben werden &ndash;&nbsp; wie k&ouml;nnen wir uns das &uuml;berhaupt erkl&auml;ren? K&ouml;nnen wir hier das Wirken egoistischer und sehr finanzkr&auml;ftiger Lobbygruppen der Gro&szlig;industrie, multinationaler Konzerne, superreicher Individuen in seinen Auswirkungen studieren? Ist es nun effektiver eine Bev&ouml;lkerung durch den Einsatz m&ouml;glicherweise manipulierter Medien zu beeinflussen, auf dass sie bei einem Volksentscheid gegen ihre eigenen Interessen votiert? Oder ist es erfolgversprechender zweigleisig zu verfahren: Beeinflussung der Stimmung in der Bev&ouml;lkerung, um die gesellschaftliche Akzeptanz zu erh&ouml;hen und gleichzeitig direkte Beeinflussung der Entscheidungstr&auml;ger in den Ministerien und Parlamenten? Diese treffen dann ihre im Zweifel auch mal unpopul&auml;ren aber alternativlosen Entscheidungen und die Medien tragen dazu bei, dass der Aufschrei nicht zu gro&szlig; wird und andere Themen auf die Agenda kommen. <\/p><p>Die Beeinflussung der &Ouml;ffentlichkeit ist eine nicht gar so einfache Sache, denn sie l&auml;sst sich nur bis zu einem gewissen Grad verdeckt durchf&uuml;hren. Ein Zweites kommt hinzu: Wenn ich den Leuten noch so geschickt einrede: Ihr m&uuml;sst l&auml;nger arbeiten. Die Reichen sollten m&ouml;glichst keine Steuern zahlen. Haltet euch bei den Lohnforderungen zur&uuml;ck. Altersvorsorge macht ihr besser auf eigene Faust &hellip; Irgendwann merken die Leute, dass sich ihre Situation &uuml;ber die Jahre nicht verbessert, sondern verschlechtert, und sp&auml;testens dann beginnen sie sich zu fragen, warum das wohl so ist. Da kann die Manipulation noch so geschickt sein. <\/p><p>Warum w&auml;hlen also die Menschen vermeintlich gegen ihre eigenen Interessen AfD oder Front National? Unter anderem weil viele und immer mehr jegliches Vertrauen in die b&uuml;rgerlichen Parteien verloren haben. Weil sie denen &ndash; bildlich gesagt &ndash; in die Fresse spucken wollen. Das ist die einzige M&ouml;glichkeit, die unsere rein repr&auml;sentative Demokratie die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern zu lassen scheint. Weil wir das gerade erleben, sollten wir uns fragen: An welcher Stelle k&ouml;nnen wir den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern verbindliche konstruktive M&ouml;glichkeiten an die Hand geben, ihre Interessen zu wahren. Der bundesweite Volksentscheid w&auml;re hier ein konsequenter und &uuml;brigens auch der einzige konsequente Ansatzpunkt. Ja! Wir m&uuml;ssen auf Transparenz von Lobbyinteressen und Einflussnahmen sehr genau achten. Das ist genauso wichtig. <\/p><p>Dass die derzeitige Ausgestaltung unserer repr&auml;sentativen Demokratie auf Bundesebene in eine immer gef&auml;hrlichere Schieflage ger&auml;t, das k&ouml;nnen wir seit Jahren beobachten. Die Konsequenz ist: Es gilt die demokratische Teilhabe der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger effektiv zu verbessern. Letztlich &ndash; unabh&auml;ngig von allen Einfl&uuml;ssen &ndash; ist es die Bev&ouml;lkerung, die am besten beurteilen kann, ob ihre Interessen vertreten werden. Wenn dies nicht der Fall ist, gilt es ein anderes Korrektiv zur Verf&uuml;gung zu haben als Protestwahlen, denn die sind wirklich gef&auml;hrlich, viel gef&auml;hrlicher als einzelne Fehlentscheidungen bei Gesetzesprojekten, und seien sie noch so dumm oder noch so bedauerlich. <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en <\/p><p>Moritz Klingmann <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.bundesweiter-volksentscheid.de\/\">bundesweiter-volksentscheid.de<\/a><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller, <\/p><p>f&uuml;r Ihre Skepsis gegen&uuml;ber Volksentscheiden f&uuml;hren Sie sehr ernst zu nehmende Gr&uuml;nde an. Ja, dies Instrument der B&uuml;rgerbeteiligung, zus&auml;tzlich zu den gelegentlichen Wahlen auf lokaler, Kreis-, Landes- und Bundesebene kann von finanzkr&auml;ftigen Interessenten missbraucht werden. Aber das gilt doch auch f&uuml;r die Wahlen selbst &ndash; auf lokaler Ebene noch am wenigsten! Wir sind uns doch einig, dass die gew&auml;hlten Volksvertreter_innen in der rein repr&auml;sentativen parlamentarischen Demokratie sich keineswegs immer am Gemeinwohl orientieren, nicht wahr? &ndash; Sie haben Prof. Mausfeld nach Landau eingeladen, der eindrucksvoll belegt, dass die parlamentarische Demokratie von ihren Erfindern als eine raffinierte Verschleierung der Herrschaft einer besitzenden Minderheit &uuml;ber die Mehrheit erdacht wurde. War die &ldquo;neue Ostpolitik&rdquo; und deren Best&auml;tigung in der Wahl 1972 nicht im ganz handfesten Interesse wichtiger Industriezweige, die &ldquo;ihrer&rdquo; Partei CDU untreu wurden, weil die SPD mit der &Ouml;ffnung nach Osten deren Interessen besser als eine reaktion&auml;re CDU vertrat?[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] &ndash; Was haben wir heute der Macht der Lobbyisten entgegenzusetzen, nachdem wir deren Zielgruppe (Abgeordnete) gew&auml;hlt haben? Wir k&ouml;nnten mit einer Million Demonstrant_innen die Verabschiedung von CETA, TTIP oder &Ouml;PPs nicht verhindern! <\/p><p>Demokratie ohne Demokraten kann nicht funktionieren. Das ist das gro&szlig;e Dilemma &ndash; oder die Herausforderung: Immer mehr Menschen sollten motiviert und so informiert werden, dass sie ihre Interessen wahrnehmen k&ouml;nnen. Sie und viele andere stellen t&auml;glich Material ins Netz, dass dabei hilft. &ldquo;Drohende&rdquo; Volksentscheide k&ouml;nnten auch dazu f&uuml;hren, dass in den Parlamenten wieder um L&ouml;sungen gerungen und nicht nur fertige Positionen gegeneinander gestellt werden. <\/p><p>Wenn ich aus Angst vor der Manipulierbarkeit der W&auml;hler_innen und davor, dass sie sich &ldquo;falsch&rdquo; entscheiden k&ouml;nnten, deren Mitsprache auf die gelegentlich Stimm-Abgabe reduziere, halte ich sie davon ab, sich einzumischen und &ldquo;die da oben&rdquo; daran zu hindern, dass &ldquo;sie ja doch tun, was sie wollen&rdquo;. <\/p><p>Die Journalistin Ute Scheub hat f&uuml;r &ldquo;Mehr Demokratie&rdquo; das B&uuml;chlein &ldquo;Demokratie &ndash; Die Unvollendete. Pl&auml;doyer f&uuml;r mehr Teilhabe&rdquo; verfasst (110 S. im A 5-Format): spannend! <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nVolker Jansen<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Anmerkung A.M: Das ist eine Unterstellung, die au&szlig;er acht l&auml;sst, mit welcher H&auml;rte und mit wie viel Geld damals gerade das Gro&szlig;e Geld und die Wirtschaft in den Wahlkampf eingegriffen hat, um Bundeskanzler Brandt und seine Ost-Politik wieder loszuwerden. Diese Kampagne ist vielf&auml;ltig dokumentiert, unter anderem in Willy W&auml;hlen&rsquo;72 und in einem Taschenbuch mit dem Titel &bdquo;Klassenkampf von oben&ldquo; rororo- aktuell Nr. 1658, und auf den NachDenkSeiten hier 18. Dezember 2013 <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19701\">Der verschwiegene &bdquo;Klassenkampf von oben&ldquo; &ndash; Wir dokumentieren einen politischen Skandal sondergleichen<\/a>.<\/p>\n<p>Dass damals das Gro&szlig;e Geld nicht gesiegt hat, ist einer Art Volksbewegung kombiniert mit einer lebendigen Partei zu verdanken &ndash; und einer Entscheidung bei Wahlen. Ob das mit der Institution Volksabstimmung leichter gewesen w&auml;re? Ob heute bundesweite Volksentscheide helfen, das sollte man weiter pr&uuml;fen und meinetwegen auch ausprobieren. <\/p>\n<p>Ich werde skeptisch, wenn ich daran denke, es w&uuml;rde heutzutage ein Volksentscheid &uuml;ber die Zusammenarbeit mit Putin und Russland in Gang gesetzt. Das Feindbild ist inzwischen durch Meinungsmache, durch systematische Meinungsmache, wieder so festgezurrt, dass sich f&uuml;r mich mit der Einrichtung Volksentscheid leider wenig Hoffnung verbinden l&auml;sst. Aber meinetwegen trotzdem.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Danke f&uuml;r die vielen Mails auf den Beitrag: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40332\">Sind Volksentscheide das Gelbe vom Ei? Bringen Sie uns wirklich weiter? Sehr fraglich.<\/a> Zum Teil sehr lehrreich. Gerade von mehreren Mails von Kennern der Schweizer Verh&auml;ltnisse k&ouml;nnte man lernen, dass Volksabstimmungen auch uns in Deutschland weiterbringen k&ouml;nnten. Das hatte ich im Text selbst schon angedeutet: &bdquo;Die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40353\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,124,103,11],"tags":[1904,1903,418,958,633,1191,1609,338,252,897,1464],"class_list":["post-40353","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-demokratie","category-leserbriefe","category-strategien-der-meinungsmache","tag-direkte-demokratie","tag-gemeinwohl","tag-grundgesetz","tag-medienwirtschaft","tag-politikerverdrossenheit","tag-populismus","tag-rentenreform","tag-schweiz","tag-steinmeier-frank-walter","tag-transparenz","tag-volksabstimmung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40353","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40353"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40353\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40355,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40353\/revisions\/40355"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40353"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40353"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40353"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}