{"id":40457,"date":"2017-10-08T09:00:05","date_gmt":"2017-10-08T07:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40457"},"modified":"2024-09-24T08:26:43","modified_gmt":"2024-09-24T06:26:43","slug":"von-fixsternen-und-fahrrinnen-ein-diskussionsbeitrag-zur-rolle-der-spd-aus-anlass-des-25-todestags-von-willy-brandt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40457","title":{"rendered":"Herta D\u00e4ubler-Gmelin: Ein Diskussionsbeitrag zur Rolle der SPD aus Anlass des 25. Todestags von Willy Brandt."},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171008_dg_1.png\" alt=\"Herta D&auml;ubler-Gmelin\" title=\"Herta D&auml;ubler-Gmelin\"><\/div><p>Herta D&auml;ubler-Gmelin, fr&uuml;here Justizministerin und Stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion hat den NachDenkSeiten den folgenden Essay &uuml;berlassen.<\/p><div style=\"clear:right;\"><\/div><p><!--more--><br>\n<strong>Von Fixsternen und Fahrrinnen<\/strong><\/p><p><strong>Von Herta D&auml;ubler-Gmelin<\/strong><\/p><p>Ein Diskussionsbeitrag zur Rolle der SPD aus Anlass des 25. Todestags von Willy Brandt.<\/p><p>&bdquo;Wer &uuml;bers Meer f&auml;hrt, tut gut daran, den Fixstern und die Fahrrinne im Blick zu haben&ldquo;. Diese Bemerkung, mit der Willy Brandt 1963 als Regierender B&uuml;rgermeister und Vorsitzender des Direktoriums der Freien Universit&auml;t Berlin seinen Bericht &uuml;ber seine Politik einleitete, habe ich mir gemerkt. Sie hat mir eingeleuchtet. Seine Art, Politik zu machen, hat viele von uns in den nachfolgenden Jahrzehnten gepr&auml;gt. Unsere eigenen Erfahrungen haben dann best&auml;tigt, dass gerade Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten gut daran tun, ja geradezu verpflichtet sind, unsere Vision von einer friedlichen, freien und gerechten Gesellschaft immer vor Augen zu haben, unsere politischen Entscheidungen daran zu messen, sich nicht vom Kurs zu entfernen und zugleich, auf der Analyse der Gegebenheiten aufbauend, die Unterst&uuml;tzung der demokratischen &Ouml;ffentlichkeit zu suchen. <\/p><p>Brandts Worte damals bezogen sich, mitten im Kalten Krieg, kurz nach dem Mauerbau auf die Frage, ob der Berliner Regierende B&uuml;rgermeister die Einladung des Ostberliner Russischen Botschafters zu Gespr&auml;chen zu einem lokalen Passierscheinabkommen f&uuml;r Westberliner Rentnerinnen und Rentner annehmen solle. Bundeskanzler Adenauer und die in Berlin mitregierende CDU lehnten das entschieden ab. Willy Brandt mit seiner Vision der friedlichen &Uuml;berwindung von Mauer und Stacheldraht in Berlin, Deutschland und Europa sagte zu. Er hatte auch verstanden, dass der Zusammenhalt der Familien in Berlin wichtig war, dass wenigstens den &auml;lteren Berlinern ein Besuch bei ihren Familien im Ostteil der Stadt erm&ouml;glicht werden sollte. <\/p><p>Brandts Entscheidung war politisch riskant, erforderte Mut. Seine Regierung zerbrach an dieser Frage. Neuwahlen wurden n&ouml;tig. Brandts Entscheidung zahlte sich aus: Die Orientierung an seiner Vision und die praktische Entscheidung f&uuml;r den Zusammenhalt Berliner Familien wurde verstanden und unterst&uuml;tzt: Brandt konnte mit eigener Mehrheit regieren. Das war der Beginn der Passierscheinabkommen. Ein erster Schritt. <\/p><p>Auch sp&auml;ter war Brandts Politik durch die Verbindung der praktischen Verbesserung des Lebens der Menschen und sozialdemokratischer Vision gepr&auml;gt: Die Grundwerte von Freiheit und Frieden, von Gleichheit und Solidarit&auml;t, gerade auch von Offenheit f&uuml;r Europa und die Notwendigkeit, menschenw&uuml;rdige Lebensbedingungen auch den armen Menschen zu erm&ouml;glichen, pr&auml;gten seine Politik. Er machte Politik verst&auml;ndlich, die SPD erkennbar und pr&auml;gte den &ouml;ffentlichen Diskurs gegen viele Widerst&auml;nde. <\/p><p>Und heute? Obwohl viele Verantwortliche in der SPD-F&uuml;hrung Willy Brandt und seine Politik pers&ouml;nlich erlebt haben, sucht man bei ihnen vergeblich nach einer Vision. Bei Vielen von ihnen vermisst man nicht nur die Antwort auf die Frage, wie die durch sozialdemokratische Grundwerte gepr&auml;gte Gesellschaft im 21. Jahrhundert aussehen soll und was h e u t e politisch getan werden muss, damit unsere Kinder und Enkel in einer friedlichen, freien, gerechten Gesellschaft mit Lebensm&ouml;glichkeiten f&uuml;r alle Menschen in einer m&ouml;glichst heilen Natur leben k&ouml;nnen. Manche ihrer Reden und Entscheidungen lassen sogar jedes Verst&auml;ndnis f&uuml;r diese Frage vermissen. Das hat sich als verh&auml;ngnisvoll erwiesen. Es reicht eben nicht aus, nur Pragmatismus zu beschw&ouml;ren, nirgendwo anecken zu wollen. Sogar Helmut Schmidt, der wegen vieler Eigenschaften zurecht bewundert wurde, musste erleben, dass seine sp&ouml;ttische Maxime, wer Visionen wolle, solle zum Psychiater gehen, nur einige Jahre getragen hat, dass seine Politik gleichzeitig die &Ouml;ffentlichkeit und ihre Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Sozialdemokraten verlor und schlie&szlig;lich in eine schwarz-gelbe Koalition m&uuml;ndete. <\/p><p>In der anschlie&szlig;enden Oppositionszeit der 80-er Jahre hat sich die SPD an ihre spezifische Aufgabe erinnert und ihre &uuml;berkommene gesellschaftspolitische Vision auf wichtigen Feldern pr&auml;zisiert: Eines davon war damals und ist bis heute die Umsetzung der sozialdemokratischen Verhei&szlig;ung von der Gleichstellung der Frauen in unserer Gesellschaft. Die politischen Konzepte zur Realisierung dieses Verfassungsgebots wurden damals erarbeitet, dann ernstlich in Angriff genommen. Der Weg war bekanntlich die Quote. Sie durchzusetzen, war schwierig und erforderte Mut, da nicht nur zur&uuml;ckgebliebene Konservative und die durch CDU\/CSU und FDP ma&szlig;geblich beeinflusste Medien&ouml;ffentlichkeit, sondern viele meist m&auml;nnliche SPD-Mitglieder die Quote als h&ouml;chst l&auml;stig, ja als bedrohlich empfanden. Der Versuch, eine ganze Frauengeneration der SPD als &bdquo;Quo-tenfrauen&ldquo;, sprich: unt&uuml;chtig, l&auml;cherlich zu machen und so herabzuw&uuml;rdigen, hat viele verletzt und fand lange Zeit hindurch Resonanz. Nachdem es aber gelungen war, die Mehrheit der SPD mit einem klugen Konzept von der Quote zu &uuml;berzeugen, musste die konservative Konkurrenzpartei nachziehen. Das tat sie, allerdings erst 10 Jahre sp&auml;ter. Heute ist die Quote auch in der &Ouml;ffentlichkeit als wirksames und notwendiges Mittel zur Einbeziehung der Frauen in die Entscheidungsprozesse in Politik und Wirtschaft anerkannt &ndash; als Markenzeichen der SPD, das mitgeholfen hat, den Wahlerfolg Ende der 90-er Jahre vorzubereiten.<\/p><p>Weitere Felder der Pr&auml;zisierung waren damals &bdquo;Arbeit und Umwelt&ldquo;, dieser mit dem Namen Volker Hauff verbundene erste Anlauf zu nachhaltiger Ressourcenschonung, zum Schutz der Umwelt vor Zerst&ouml;rung und zum Ausstieg aus der unverantwortlichen Atomenergie. Es ging darum, diese Ziele politisch mit der Ver&auml;nderung von Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbinden, um Arbeit und damit W&uuml;rde zu sichern, und von der Ver&auml;nderung betroffenen Menschen die Angst vor Verlust und Unsicherheit zu nehmen. Auch die Erarbeitung der Konzepte zur Mitgestaltung Europas und der Nord-S&uuml;dbeziehungen durch die Zusammenarbeit der sozialdemokratischen Parteien haben den Wahlerfolg 1998 mit vorbereitet. Es zahlte sich aus, dass unsere Vision von einer zukunftsf&auml;higen Gesellschaft, die klare Analyse der Realit&auml;t und die Bereitschaft, die SPD&ndash;Gremien mit Neuem zu konfrontieren, wichtige Grundlagen f&uuml;r die Konzepte waren, die zun&auml;chst die Unterst&uuml;tzung der SPD-Mitglieder und dann die der &Ouml;ffentlichkeit gefunden haben. <\/p><p>Die Zeit der Schr&ouml;derschen Kanzlerschaft allerdings folgte dann wieder ganz anderen Maximen: Der neoliberale Zeitgeist mit seiner Verachtung einer inklusiven starken Demokratie, mit seinem Abr&uuml;cken von der Rolle des Staates und der wachsenden Verg&ouml;tterung des Einflusses der wirtschaftlich M&auml;chtigen, der Unternehmen, denen der Staat zu dienen habe, hatte l&auml;ngst auch Viele in der SPD-F&uuml;hrung fasziniert. Nach dem unr&uuml;hmlichen Abgang des damaligen Vorsitzenden wuchs deren Mehrheit. Kaum mehr in Erinnerung sind die richtigen Entscheidungen der SPD in der rot-gr&uuml;nen Regierung gegen den verh&auml;ngnisvollen Irak-Krieg, f&uuml;r den Ausstieg aus der Atomenergie, f&uuml;r die F&ouml;rderung erneuerbarer Energien oder auch f&uuml;r die Einf&uuml;hrung der Lebenspartnerschaft. Pr&auml;gend f&uuml;r die Einstellung vieler Menschen zur SPD bis heute ist vielmehr die Bevorzugung der Verm&ouml;genden und gro&szlig;er Unternehmen und die Liberalisierung des Finanzsektors und vor allem die Agenda 2010 in der zweiten Schr&ouml;der-Amtszeit mit all ihren Fehlern. Die wurden nicht dem gr&uuml;nen Koalitionspartner, sondern der SPD angelastet. Dieser zentrale Versto&szlig; gegen die sozialdemokratischen Grundwerte von Gerechtigkeit und W&uuml;rde der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten und der Arbeitslosen r&auml;cht sich bis heute, obwohl manches Detail der damaligen Entscheidungen heute l&auml;ngst ver&auml;ndert worden ist. Erwartet wird eben nicht allein das stillschweigende Abr&uuml;cken, sondern die klare Aussage der SPD, dass es sich bei der Agenda 2010 um ein verh&auml;ngnisvolles neoliberales Abweichen vom Kurs, um eine Absage an die sozialdemokratische Vision von einer gerechten Gesellschaft gehandelt hat. <\/p><p>Auch das zeigen die letzten Bundestagswahlen. Dass sie nicht noch schlechter f&uuml;r die SPD ausgefallen sind, ist nur dem unglaublich intensiven Einsatz vieler Wahlk&auml;mpferinnen und Wahlk&auml;mpfer zu verdanken. Die Zeit der gro&szlig;en Koalition hat sich f&uuml;r die SPD nicht ausgezahlt. Grund daf&uuml;r ist keineswegs allein die machtbewusste Rolle der Kanzlerin, die freilich mit ihrer uneitlen Art Manche f&uuml;r sich eingenommen hat. Entscheidend war auch nicht die Rolle der SPD als Juniorpartner. Die SPD wird vielmehr nicht um die Erkenntnis herumkommen, dass ihre Repr&auml;sentanten in den letzten Regierungsjahren keine eigenst&auml;ndige gesellschaftspolitische Vision deutlich gemacht haben. Richtig, sie haben kleine Ver&auml;nderungen bei den Renten erreicht und &uuml;ber Gerechtigkeit geredet. Ja, es gab auch Erfolge, z. B. die Einf&uuml;hrung des Mindestlohns. Wer allerdings meinte, daraus wieder die Ausrichtung der Politik auf den sozialdemokratischen Fixstern ablesen zu k&ouml;nnen, wurde durch merkw&uuml;rdige Vorschl&auml;ge wie den zum Tarifeinheitsgesetz oder zur Leiharbeitsregelung sofort wieder frustriert. Und dann vollends zur&uuml;ckgesto&szlig;en durch das geradezu vors&auml;tzlich sch&auml;digende Verhalten des Wirtschaftsministers und der &uuml;brigen SPD-F&uuml;hrung beim Umgang mit Griechenland oder der Europ&auml;ischen Freihandelspolitik: Sch&auml;ubles EU- Politik, deren fatale Auswirkungen in Griechenland und anderen s&uuml;dlichen EU-L&auml;ndern die der Agenda 2010 in Deutschland weit in den Schatten stellen, hat diese SPD mitgetragen und unterst&uuml;tzt. Dasselbe gilt f&uuml;r die demokratie- und rechtsstaatsunvertr&auml;gliche Freihandelspolitik der neoliberal ausgerichteten EU- Kommission mit ihrer gezielten Vertiefung der bestehenden erschreckend breiten Kluft zwischen einflussreichen Reichen und abgeh&auml;ngten Armen. Zwar hat der SPD-Parteirat unter dem heilsamen Druck aus der Zivilgesellschaft gl&uuml;cklicherweise doch noch einen vern&uuml;nftigen Beschluss gefasst. Mehr als links zu blinken, war freilich nicht drin: die beschlossenen Forderungen sind bis heute folgenlos geblieben. <\/p><p>Was folgt daraus? Es macht wenig Sinn, den mit 100 % der Stimmen des Parteitags zum Parteivorsitzenden gew&auml;hlten Martin Schulz zum alleinigen Pr&uuml;gelknaben zu machen. Er hat gek&auml;mpft bis zuletzt, freilich nach seinem fulminanten Start, der klare Visionen und auch Wege dorthin versprach und auf begeisterte Zustimmung stie&szlig;, auch gravierende Fehler gemacht: Schr&ouml;der als Hauptredner zum Parteitag einzuladen, machte die n&ouml;tige Distanzierung von der Agenda 2010 unm&ouml;glich und war ein Fehler. Sich in die Runde der Gro&szlig;en Koalition hineinziehen zu lassen, war ein zweiter Fehler, der jede Fortf&uuml;hrung seiner eingangs gesetzten richtigen Signale unglaubw&uuml;rdig machte. Der Wahlausgang war zu erwarten und hat gezeigt: So eine SPD wird weder gebraucht noch gewollt. Oder gew&auml;hlt. Das alles sind aber nicht allein die Fehler von Martin Schulz.<\/p><p>Vielmehr muss die SPD jetzt eine Entscheidung treffen: Macht sie weiter wie bisher, ist der Weg in die v&ouml;llige Bedeutungslosigkeit vorgezeichnet: Sie mag den einen oder anderen guten Detailvorschlag wiederholen, das aber wird k&uuml;nftig weder ihre Bedeutung, noch ihre Glaubw&uuml;rdigkeit st&auml;rken. <\/p><p>N&ouml;tig ist ein neuer Aufbruch, der mit einer klaren Analyse der Rolle der SPD in der heutigen Zeit beginnen muss. Und mit der &Uuml;berzeugung, dass sozialdemokratische Grundwerte, dass unsere Politik f&uuml;r Frieden und Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit gebraucht wird, ja wichtiger ist denn je, bei uns, aber auch in Europa und in der globalisierten Welt. Ohne die wirkungsvolle Politik der sozialen und &ouml;kologischen Transformation sind Menschenrechtsverletzungen, soziale Unruhen, Konflikte, Fl&uuml;chtlingskrisen und Kriege in steigender Zahl und das Ende unserer demokratischen Gesellschaften absehbar. Will die SPD nach mehr als eineinhalb Jahrhunderten auch in unserer globalisierten Welt ihre politische Kraft entfalten, so muss sie diese Herausforderung, diese Rolle annehmen. Allerdings bedeutet das, sie braucht neben der Vision auch den Mut, die F&auml;higkeit und den Willen, die bisher bequemen Pfade zu verlassen und sich zu &ouml;ffnen. Und die Beendigung der stromlinienf&ouml;rmigen Anpassung vieler ihrer Mandatstr&auml;gerinnen und Mandatstr&auml;ger. <\/p><p>Nur einige &Uuml;berlegungen zu wichtigen Grundvoraussetzungen. Klimawandel: Die SPD muss ab jetzt die Tatsache &ouml;ffentlich zur Grundlage ihrer politischen Arbeit machen, dass bestenfalls noch 2 Legislaturperioden f&uuml;r politische Entscheidungen zur Verf&uuml;gung stehen, weil danach der Klimawandel nicht mehr gesteuert werden kann. Das macht vielen Menschen Angst, deshalb sprechen Politiker das ungern an. Genau hier ist die SPD gefordert. Ihre Aufgabe muss es sein, die vielen klugen Vorschl&auml;ge und K&ouml;pfe, die es ja bei uns gibt, zusammen zu bringen, das Bed&uuml;rfnis der Menschen nach Sicherheit, nach Arbeit und W&uuml;rde einzubeziehen und daraus politische Konzepte zu erarbeiten. Die muss sie dann zun&auml;chst in der SPD und dann in der &Ouml;ffentlichkeit auch gegen starke Widerst&auml;nde mehrheitsf&auml;hig machen. Vieles l&auml;sst sich heute nur in Kooperation mit den Parteien anderer Staaten und Regionen erarbeiten und durchsetzen. Auch das geh&ouml;rt dazu und muss jetzt vorbereitet werden. <\/p><p>Zum Zweiten muss die SPD endlich laut und deutlich sagen, dass unsere Kinder und Enkel die Welt um 2050 mit rund 10 Milliarden Menschen teilen m&uuml;ssen, die alle in W&uuml;rde leben und arbeiten wollen. Wer Frieden und Freiheit, demokratische Verh&auml;ltnisse f&uuml;r unsere Kinder und Enkel will, muss jetzt sagen, dass diese nur m&ouml;glich sind, wenn h e u t e eine Politik entwickelt wird, die den Ressourcenverbrauch stoppt, Wiederverwertung und Kreislaufwirtschaft zum Normalfall macht. Hier ist die SPD gefordert: Sie kann und muss Konzepte entwickeln und mehrheitsf&auml;hig machen, auch wenn eingefahrene Wege und Gewinninteressen mancher Wirtschaftsunternehmen dagegenstehen. Ihre Konzepte m&uuml;ssen aufzeigen, dass und wie die Wirtschafts-, Arbeits- und Lebensweise in den Industriel&auml;ndern ver&auml;ndert werden muss und kann, um auch k&uuml;nftigen Generationen ein lebenswertes Leben zu sichern. Dass dieses Leben anders sein wird, aber nicht schlechter.<\/p><p>Diese SPD-Politik nimmt Menschen Angst und schafft Vertrauen, weil Viele l&auml;ngst sp&uuml;ren, dass &Auml;nderungen kommen, aber bef&uuml;rchten, zu Verlierern, noch weiter abgeh&auml;ngt zu werden. Angst treibt W&auml;hler in die F&auml;nge politischer Verf&uuml;hrer &ndash; jedenfalls das sollten alle Sozialdemokraten aus der Geschichte gelernt haben. <\/p><p>Aber: Kann die heutige SPD diesen Aufbruch leisten? Wird sie die Rolle annehmen, die ihrer Tradition und ihren Werten entspricht, also den Fixstern Willy Brandts wieder zum Leuchten bringt? Das w&uuml;rde sie endlich wieder von den anderen Parteien unterscheiden. Manche bezweifeln das, weil nicht nur der Mut, sondern auch die Bereitschaft zu &Ouml;ffnung, zu ehrlicher Analyse und zu unbequemem Engagement fehle. Ich halte die Erneuerung f&uuml;r leistbar. Allerdings wird die Blaupause und die Arbeitsplanung daf&uuml;r durch den heutigen Partei- und Fraktionsvorstand allein kaum erfolgreich erstellt werden k&ouml;nnen, weil der mehrheitlich noch zu stark in der bisherigen Bequemlichkeit gefangen ist. Wer die Erneuerung wirklich will, sollte, ob nun als Parteivorsitzender, Fraktionsvorsitzende oder Verantwortliche in den L&auml;ndern oder Gemeinden z&uuml;gig Au&szlig;enstehende aus der Zivilgesellschaft mit ihren guten Ideen und Projekten einladen. Die gibt es, gerade auch solche, die politisch Einflussreichen nicht nach dem Munde reden. Danach kann der Prozess der Erneuerung, der Entwicklung und der Umsetzung von politischen Konzepten abgestimmt beginnen. <\/p><p>Anmerkung Albrecht M&uuml;ller:<\/p><p>Herta D&auml;ubler-Gmelins Text ist ein sinnvoller und anregender Beitrag f&uuml;r die Diskussion um die Zukunft des fortschrittlichen Teils unserer Gesellschaft, im konkreten Fall der SPD. Im Anschreiben an mich schrieb Herta D&auml;ubler-Gmelin: &bdquo;Wir sehen in der Tat einiges unterschiedlich &ndash; vieles jedoch nicht.&ldquo; So ist es. <\/p><p>Vieles kann ich in der Tat unterschreiben. So zum Beispiel ihr klares Votum zur Agenda 2010. Anderes nicht und Wichtiges fehlt: Zum Beispiel der Hinweis auf die dringende Notwendigkeit, wieder die friedenspolitische Kompetenz zu erringen und die Zustimmung zu Kriegen zu beenden. Zum Beispiel w&auml;re die Zusammenarbeit aller Kr&auml;fte auf der linken Seite notwendig. Mit der auch von Herta D&auml;ubler-Gmelin gepflegten Legende vom &bdquo;unr&uuml;hmlichen Abgang&ldquo; des damaligen SPD-Vorsitzenden Lafontaine wird das nur schwer m&ouml;glich sein. <\/p><p>Wie auch immer: Die NachDenkSeiten bilden gerne ein Forum daf&uuml;r, die k&uuml;nftige Strategie f&uuml;r die R&uuml;ckeroberung des linken Einflusses auf unsere Politik und Gesellschaft zu debattieren. Das ist eine Einladung auch an andere Autoren. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171008_dg_1.png\" alt=\"Herta D&auml;ubler-Gmelin\" title=\"Herta D&auml;ubler-Gmelin\"><\/div>\n<p>Herta D&auml;ubler-Gmelin, fr&uuml;here Justizministerin und Stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion hat den NachDenkSeiten den folgenden Essay &uuml;berlassen.<\/p>\n<div style=\"clear:right;\"><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[212,191,161],"tags":[1550,700,423,329,354,284,2182,895,1156,1185,317,2155,397,411,1193,278,1393,291],"class_list":["post-40457","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gedenktagejahrestage","category-spd","category-wertedebatte","tag-agenda-2010","tag-atomausstieg","tag-austeritaetspolitik","tag-brandt-willy","tag-daeubler-gmelin-herta","tag-deregulierung","tag-erneuerbare-energie","tag-freihandel","tag-leiharbeit","tag-marktkonforme-demokratie","tag-mindestlohn","tag-opportunismus","tag-ostpolitik","tag-schroeder-gerhard","tag-schulz-martin","tag-steuersenkungen","tag-tarifeinheit","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40457","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40457"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40457\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121795,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40457\/revisions\/121795"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40457"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40457"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40457"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}