{"id":405,"date":"2004-11-26T17:15:22","date_gmt":"2004-11-26T16:15:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=405"},"modified":"2016-03-22T10:49:12","modified_gmt":"2016-03-22T09:49:12","slug":"medien-und-hochschulen-gehen-mckinseys-hochschulranking-auf-den-leim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=405","title":{"rendered":"Medien und Hochschulen gehen McKinseys \u201eHochschulranking\u201c auf den Leim"},"content":{"rendered":"<p>Obwohl in dem vom SPIEGEL ver&ouml;ffentlichten Ranking nicht die Leistungen der Hochschulen in Forschung und Lehre verglichen wurden (vgl. <a href=\"?p=402\">NachDenkSeiten vom 23.11.04<\/a>) sondern allenfalls welche Studierenden, von welchen Unis am ehesten die Kriterien der Personalauswahl des Personalberaters McKinsey &amp; Co erf&uuml;llen, machen die Medien aus einem zweifelhaften Studentenranking ein Hochschulranking: &bdquo;K&ouml;ln ist mieses Mittelma&szlig;&ldquo; oder &bdquo;Uni-Test: NRW-Hochschulen weit abgeschlagen&ldquo; oder &bdquo;Neues Uni-Ranking macht RWTH-Rektor nachdenklich&ldquo;. Der Trick hat also funktioniert. Kaum einer schaut hinter das Ranking und die meisten glauben, dass damit die Qualit&auml;t der Hochschulen miteinander verglichen wurde. Jetzt suchen die Rektoren nach Methoden, die &bdquo;richtigen&ldquo; Studenten zu bekommen. McKinsey kann seine Hilfe anbieten. Das wird ein gutes Gesch&auml;ft.<br>\n<!--more--><br>\nEs ist wohl keine b&ouml;sartige Unterstellung, wenn man vermutet, dass McKinsey und SPIEGEL &amp; Co mit der Ver&ouml;ffentlichung ihres neuesten &bdquo;Hochschulrankings&ldquo; mindestens drei Kommunikationsziele beabsichtigten:<\/p><ul>\n<li>Erstens wollten die Initiatoren den Wettbewerbsgedanken unter den Hochschulen f&ouml;rdern und sei es auch mit einem noch so zweifelhaften Vergleich. Es wurden ja nicht die Leistungen der Hochschulen in Forschung und Lehre verglichen, sondern zum Vergleich standen, inwieweit die Studierenden an den jeweiligen Hochschulen die Kriterien der Personalauswahl eines Personalberaters erf&uuml;llen.Das k&ouml;nnte man vielleicht noch hinnehmen und als ein Beispiel daf&uuml;r abhaken, worum es jedenfalls der Wirtschaftslobby bei der Verbreitung des Wettbewerbsgedankens eigentlich geht: N&auml;mlich um den Wettbewerb um eine an die Einstellungskriterien gro&szlig;er Unternehmen angepasste Ausbildung von Studierenden &ndash; um Karriereorientierung statt um die F&ouml;rderung von selbst&auml;ndigem Denken und Forschen.<\/li>\n<li>Zweitens wollte man erreichen, dass die Hochschulen ihr Studienangebot st&auml;rker an den Einstellungsstandards von Gro&szlig;unternehmen anpassen. Auch das k&ouml;nnte man noch akzeptieren, wenn diese Standards etwas mit Kreativit&auml;t, innovativem Denken und Gestalten oder mit Verantwortung f&uuml;r Unternehmen und Gesellschaft zu tun h&auml;tten. Und das kann man bei den McKinsey-Standards nachdr&uuml;cklich bestreiten.<\/li>\n<li>Drittens war das Ziel, die Rektoren und Hochschullehrer zu stimulieren, dass sie noch mehr Druck aus&uuml;ben, um &bdquo;ihre&ldquo; Spitzenstudierenden selbst ausw&auml;hlen zu k&ouml;nnen. Da die McKinsey-Kriterien f&uuml;r das Studentenranking, ziemlich kritiklos &uuml;bernommen wurden, darf man unterstellen, dass solche Standards k&uuml;nftig die Auswahl bestimmen werden. Am allersch&ouml;nsten w&auml;re es f&uuml;r McKinsey nat&uuml;rlich, wenn die Hochschulen ihre Auswahlverfahren gleich von dieser Personalberaterfirma abkauften. Das ersparte den Hochschulen eigene &Uuml;berlegungen und br&auml;chte McKinsey einen neuen Markt und eine sch&ouml;ne Stange Geld.<\/li>\n<\/ul><p>Ob nun gewollt oder nicht: Alle drei Ziele wurden erreicht.<\/p><ul>\n<li>Das Studentenranking wurde von vielen Medien und Hochschulen als Qualit&auml;tsvergleich zwischen den Hochschulen aufgenommen: &bdquo;K&ouml;ln ist mieses Mittelma&szlig;&rsquo;&ldquo; titelt etwa der K&ouml;lner Stadt-Anzeiger-Direkt oder &bdquo;Uni-Test: NRW-Hochschulen weit abgeschlagen&ldquo;, so der K&ouml;lner Stadt-Anzeiger, die Westdeutsche Allgemeine meint, dass die &bdquo;Ruhrgebiets-Universit&auml;ten schlecht&ldquo; abschnitten (alle Zitate vom 23.11.04). Der Wettbewerbsdenken wurde gef&ouml;rdert.<\/li>\n<li>Indem sich die Rektoren auf dieses Ranking einlie&szlig;en, sind sie in die Falle geraten, die Auswahlkriterien von McKinsey f&uuml;r &bdquo;Elite-Studenten&ldquo; als geeignet anzuerkennen.<\/li>\n<li>Die Rektoren fordern ein Auswahlrecht f&uuml;r ihre Studierenden, um beim n&auml;chsten Studierenden-Ranking besser abzuschneiden: RWTH-Rektor Burkhard Rauhut wird in der Aachener Zeitung zitiert: &bdquo;Es trifft sicher zu, dass wir etwas tun m&uuml;ssen, um die richtigen Studenten nach Aachen zu bekommen&ldquo; und der K&ouml;lner Rektor Tassilo K&uuml;pper sieht im K&ouml;lner Stadt-Anzeiger-Direkt den Grund f&uuml;r das schlechte abschneiden seiner Hochschule gegen&uuml;ber der TU M&uuml;nchen darin: &bdquo;Die suchen sich ihre Studenten weitgehend selbst aus. Das ist in K&ouml;ln nicht zugelassen.&ldquo;<\/li>\n<\/ul><p>Die Manipulationsstrategie von McKinsey und SPIEGEL &amp; CO ist also aufgegangen. <\/p><p>Keiner braucht sich mehr selbst Gedanken &uuml;ber die Sache machen, der Wettbewerb wird es schon richten.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl in dem vom SPIEGEL ver&ouml;ffentlichten Ranking nicht die Leistungen der Hochschulen in Forschung und Lehre verglichen wurden (vgl. <a href=\"?p=402\">NachDenkSeiten vom 23.11.04<\/a>) sondern allenfalls welche Studierenden, von welchen Unis am ehesten die Kriterien der Personalauswahl des Personalberaters McKinsey &amp; Co erf&uuml;llen, machen die Medien aus einem zweifelhaften Studentenranking ein Hochschulranking: &bdquo;K&ouml;ln ist mieses Mittelma&szlig;&ldquo;<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=405\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[17,129,11],"tags":[275,420],"class_list":["post-405","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hochschulen-und-wissenschaft","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-strategien-der-meinungsmache","tag-mckinsey","tag-spiegel"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/405","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=405"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/405\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32395,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/405\/revisions\/32395"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=405"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=405"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=405"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}