{"id":40592,"date":"2017-10-13T17:17:00","date_gmt":"2017-10-13T15:17:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40592"},"modified":"2017-10-16T08:53:56","modified_gmt":"2017-10-16T06:53:56","slug":"oesterreich-das-rechts-autoritaere-staatsprojekt-von-sebastian-kurz-vor-dem-durchbruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40592","title":{"rendered":"\u00d6sterreich:  Das rechts-autorit\u00e4re Staatsprojekt von Sebastian Kurz vor dem Durchbruch?"},"content":{"rendered":"<p>Glaubt man den Umfragen, wird Sebastian Kurz von der &Ouml;VP die Wahlen am Sonntag in &Ouml;sterreich gewinnen.  Er will tiefe Einschnitte in die sozialen Rechte einer breiten Mehrheit vornehmen, um die Profitchancen einiger Weniger zu verbessern. Doch der Neoliberalismus hat l&auml;ngst an Zugkraft verloren. Um dennoch zum Ziel zu kommen, verfolgt Kurz ein rechts-autorit&auml;res Staatsprojekt. Von <strong>Lukas Obernd&ouml;rfer<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40592#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><br>\nAls Sebastian Kurz in diesem Mai die konservative &ouml;sterreichische Volkpartei (&Ouml;VP) &uuml;bernahm, setzte er ein Durchgriffsrecht des Parteivorsitzenden auf Wahlprogramm und Kandidatenliste durch. Zuvor war die &Ouml;VP aufgrund der politischen Krise in &Ouml;sterreich in den Umfragen auf 20% abgest&uuml;rzt. <\/p><p>Seither zieht Kurz einen akribisch vorbereiteten Plan durch. &Auml;hnlich wie Emmanuel Macron versucht er sich als <a href=\"http:\/\/mosaik-blog.at\/kurz-oevp-kern-macron-alternative\/\">charismatische F&uuml;hrungsfigur<\/a> zu inszenieren, die entschlossen in der eigenen Partei durchgreift und von einer modernen Bewegung getragen ist, die sich gegen das &bdquo;Establishment&ldquo; richtet.<\/p><p>Dazu geh&ouml;rte es, aufgrund der ausgezeichneten Beliebtheitswerte alles auf die Person Kurz zu fokussieren. Inhalte und die &Ouml;VP, immerhin seit drei&szlig;ig Jahren ohne Unterbrechung an der Regierung und daher nicht unbedingt Ausdruck von Modernit&auml;t und Innovativit&auml;t, versuchte Kurz hingegen m&ouml;glichst zu verbergen.<\/p><p><strong>Gro&szlig;e Einschnitte statt neoliberale Salamitaktik<\/strong><\/p><p>Dennoch ist im Wahlkampf deutlich geworden, wof&uuml;r das Projekt Kurz &ouml;konomisch steht: Er will den Bruch mit der sozialpartnerschaftlich eingebetteten Neoliberalisierung, die &Ouml;sterreich seit Mitte der 1980-er Jahre gepr&auml;gt hat.<\/p><p>Statt einem schrittweisen Umbau geht es um das Setzen tiefer Einschnitte, welche die M&ouml;glichkeit, aus dem Besitz von Kapital Profite zu erzielen, und den Zwang, seine Arbeit verkaufen zu m&uuml;ssen, drastisch erh&ouml;hen soll.<\/p><p>Aus dem Wahlprogramm der Liste Kurz und durch Aussagen seines Umfeldes lassen sich folgende zentrale Ma&szlig;nahmen ableiten: <\/p><ul>\n<li>Flexibilisierung der Arbeitszeit: Es soll m&ouml;glich werden, dass auch 12 Stunden pro Tag und 60 Stunden in der Woche gearbeitet <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/photo.php?fbid=1483523931743212&amp;set=a.205950212833930.45645.100002568588413&amp;type=3&amp;theater\">werden muss<\/a>. <\/li>\n<li>Hartz IV soll weitgehend auch in &Ouml;sterreich <a href=\"https:\/\/www.die95prozent.at\/sebastian-kurz-projekt-abrissbirne\/\">umgesetzt werden<\/a>.<\/li>\n<li>Das im europ&auml;ischen Vergleich relativ strenge Mietrecht soll durch Einschr&auml;nkung bzw. Aufhebung des <a href=\"https:\/\/www.die95prozent.at\/sebastian-kurz-die-neuen-spender\/\">Richtwertsystem &bdquo;marktkonform&ldquo;<\/a> gestaltet werden. <\/li>\n<li>Koppelung des Pensionsantrittsalter an die <a href=\"http:\/\/www.kleinezeitung.at\/politik\/innenpolitik\/5162390\/Pensionsreform_Kurz-zu-Pensionen_Wer-rechnen-kann-weiss-das-geht\">Lebenserwartung<\/a>.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Steuersenkung f&uuml;r die oberen 5% finanziert durch ein Sparpaket f&uuml;r die breite Masse<\/strong><\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus schl&auml;gt Sebastian Kurz eine Steuerreform f&uuml;r die &bdquo;hart arbeitenden Leistungstr&auml;ger&ldquo; vor. Entlastung breiter Massen? Nein. Profitieren werden von seinem Vorschlag vor allem die Bezieher von hohen Einkommen. Denn die untere H&auml;lfte der Erwerbsbev&ouml;lkerung profitiert von der vorgeschlagenen Senkung der Steuers&auml;tze nicht, da sie aufgrund von geringen L&ouml;hnen, Teilzeit oder Arbeitslosigkeit gar keine Steuern zahlt. <\/p><p>Weil Kurz dem nicht entgegenwirkt (z.B. durch Negativsteuern) und oben keine entschlossene Deckelung vorsieht, profitierten die Gro&szlig;en absolut am meisten. Das wird deutlich, wenn man seine Vorschl&auml;ge anhand von Berufsgruppen verdeutlicht: F&uuml;r die teilzeitbesch&auml;ftige Supermarkt-Kassiererin oder Kellnerin gibt es nichts, f&uuml;r einen Koch gerade mal 115 Euro, w&auml;hrend ein Arzt oder der Leiter einer Bankfiliale pro Jahr mit 870 bzw. 1580 Euro mehr nach Hause gehen w&uuml;rde.<\/p><p>Noch eindeutiger im Sinne der oberen 5% sind seine Vorschl&auml;ge im Bereich der Steuern f&uuml;r gr&ouml;&szlig;ere Unternehmen (AGs und GmbHs). Im Fall von nicht-entnommenen Gewinnen soll die Steuer f&uuml;r sie ganz entfallen. Kosten: <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/2000063657291\/OeVP-Senkung-der-Unternehmenssteuer-kostet-vier-Milliarden\">4 Milliarden Euro<\/a>.<\/p><p>Insgesamt will Sebastian Kurz die Abgabenquote von <a href=\"https:\/\/www.sebastian-kurz.at\/cache\/images\/assets.contentful.com\/i520qwheh9j7\/5nWxKlq3viUYE2s66aKYsC\/87bda573668de37b11c33f86cb51bce8\/Programm_Teil_1.pdf\">43% auf 40% senken<\/a>. Das sind 14 Milliarden Euro, ein gigantisches Ausma&szlig;, das sich nur durch K&uuml;rzungen bei der &ouml;ffentlichen und sozialen Infrastruktur finanzieren l&auml;sst. Zur Verdeutlichung: Das ist mehr, als die Republik &Ouml;sterreich f&uuml;r das gesamte Bundespersonal ausgibt und beinahe der Betrag, der f&uuml;r alle Krankenh&auml;user <a href=\"https:\/\/kontrast.at\/kurz-ueber-sein-wahlprogramm-die-friseurin-und-der-kellner-bekommen-nichts-selbstredend\/\">aufgewendet wird<\/a>.<\/p><p>Doch &uuml;ber dieses K&uuml;rzungsprogramm f&uuml;r breite Massen spricht Kurz nicht. Umso mehr aber dar&uuml;ber, dass er den &bdquo;Zuzug in das Sozialsystem stoppen will&ldquo;.  Asylberechtige sollen die ersten 5 Jahre nur noch 560 Euro Mindestsicherung <a href=\"https:\/\/www.sebastian-kurz.at\/cache\/images\/assets.contentful.com\/i520qwheh9j7\/5nWxKlq3viUYE2s66aKYsC\/87bda573668de37b11c33f86cb51bce8\/Programm_Teil_1.pdf\">erhalten<\/a>. Und auch unter dieser &Uuml;berschrift verstecken sich K&uuml;rzungen f&uuml;r alle: Denn er will die Deckelung der Mindestsicherung f&uuml;r Familien auf <a href=\"https:\/\/www.sebastian-kurz.at\/cache\/images\/assets.contentful.com\/i520qwheh9j7\/5nWxKlq3viUYE2s66aKYsC\/87bda573668de37b11c33f86cb51bce8\/Programm_Teil_1.pdf\">1500 Euro<\/a>. Gesamtersparnis 56 Millionen Euro: Ein Siebzigstel dessen, was er gr&ouml;&szlig;eren Unternehmen an Steuern schenken will. <\/p><p><strong>Wer steht hinter Sebastian Kurz?<\/strong><\/p><p>Hinter dem Projekt Kurz stehen vor allem die exportorientierten Kapitalfraktionen, die in den letzten Jahren beobachten konnten, was im Anschluss an die Krise in anderen <a href=\"http:\/\/blog.arbeit-wirtschaft.at\/die-spaltung-der-lohnabhaengigen-durch-die-zurueckdraengung-der-kollektivvertraege\/\">EU-Staaten durchgesetzt werden konnte<\/a>.<\/p><p>Zerschlagung des Sozial- und Arbeitsrechts, Durchl&ouml;cherung der Kollektivvertr&auml;ge und Ausweitung der Arbeitszeit, oft durchgesetzt durch <a href=\"https:\/\/rechtsvergleichung.univie.ac.at\/fileadmin\/user_upload\/Rechtsvergleich_Verschraegen\/Verschraegen\/MitarbeiterInnen\/Lukas_Oberndorfer\/Oberndorfer__Europa_und_Frankreich_im_Ausnahmezustand__prokla_4-2017.pdf\">Notverordnungen oder dem Ausnahmezustand<\/a>, lie&szlig;en die L&ouml;hne teilweise bis zu einem <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5083115\/\">Drittel fallen<\/a>. Davon will nun auch die Exportwirtschaft in &Ouml;sterreich profitieren. <\/p><p>Unter den Spendern der Liste Kurz finden sich aber auch auffallend viele <a href=\"https:\/\/www.die95prozent.at\/sebastian-kurz-wer-seine-spender-sind-und-was-sie-wollen\/\">Immobilienbesitzer<\/a>. Das verwundert nicht. Denn das Investment in Immobilien ist durch die Mietpreisentwicklung zu einem &auml;u&szlig;erst lukrativen Feld geworden. Einer noch besseren Verwertung steht aber das im europ&auml;ischen Vergleich relativ strenge Mietrecht entgegen.<\/p><p>Niemand verk&ouml;rpert die sich im Projekt Kurz artikulierenden Kapitalfraktionen besser als Stefan Pierer, der der &Ouml;VP rund eine halbe Million Euro spendete. Als Boss des Motorrad- und Fahrzeugherstellers KTM geh&ouml;rt er mit 860 Millionen Privatverm&ouml;gen zu den <a href=\"https:\/\/www.trend.at\/wirtschaft\/100-reichste-oesterreicher-ranking-8211300\">f&uuml;nfzig Reichsten in &Ouml;sterreich<\/a>. 172 Millionen davon hat er in Immobilien angelegt. Wird das Projekt Kurz realisiert, kann er als Unternehmer und Vermieter mit gigantischen Gewinnen rechnen.<\/p><p>Dass es sich hier nicht um einen Einzelfall handelt, sondern sich im Projekt Kurz strukturell zunehmend ungleiche Verm&ouml;gens- und Produktionsverh&auml;ltnisse verdichten, l&auml;sst sich an einer j&uuml;ngst ver&ouml;ffentlichten <a href=\"https:\/\/wien.arbeiterkammer.at\/interessenvertretung\/wirtschaftswissenschaften\/Die_verborgenen_Super-Reichen.html\">Studie zeigen<\/a>: Dem reichsten 1% geh&ouml;rt mehr als die H&auml;lfte des Verm&ouml;gens in &Ouml;sterreich. Das Projekt Kurz steht f&uuml;r einen Staat in ihrem Interesse.    <\/p><p><strong>Neoliberale Politik in der Krise<\/strong><\/p><p>Doch im Anschluss an die Weltwirtschaftskrise ist der Neoliberalismus, die mit ihm verwobene globale und europ&auml;ische Ordnung und die sie st&uuml;tzende politische Elite selbst in eine <a href=\"http:\/\/rechtsvergleichung.univie.ac.at\/fileadmin\/user_upload\/Rechtsvergleich_Verschraegen\/Verschraegen\/MitarbeiterInnen\/Lukas_Oberndorfer\/L.Oberndorfer__Hegemoniekrise_in_Europa_-_Am_Weg_zu_einem__autorit%C3%A4ren_Wettbewerbsetatismus__in_Forschungsgurppe_Staatsprojekt_Europa__Hrsg___Die_EU_in_der_Krise__2012.pdf\">Hegemoniekrise<\/a> geschlittert. <\/p><p>W&auml;hrend sich dies in den s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;ndern in massiven sozialen Bewegungen und neuen linken Parteien ausdr&uuml;ckte, artikuliert sich dies im Norden in einer diffusen <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/2000043053813\/Oliver-Nachtwey-Wir-leben-in-einer-Abstiegsgesellschaft\">Abstiegsangst<\/a>, die vor allem rechtspopulistische Kr&auml;fte nutzen konnten.<\/p><p>In diesem Umfeld l&auml;sst sich eine offen neoliberale Politik, im Interesse der obersten 5%, nicht mehr so leicht durchsetzen wie zuvor &ndash; zumindest dann nicht, wenn dabei die bisherigen Strategien verfolgt werden.<\/p><p>Genau das thematisiert ein j&uuml;ngst <a href=\"https:\/\/cms.falter.at\/falter\/2017\/09\/19\/projekt-ballhausplatz\/\">durchgesickertes Strategiepapier der &Ouml;VP<\/a>, in dem es hei&szlig;t: &bdquo;Einzige M&ouml;glichkeit in dieser Situation erfolgreich zu sein, ist eine Position einzunehmen, die diese Stimmung bedient: Anders sein &ndash; Anti-Establishment&ldquo;.  <\/p><p>Niemand hat das besser verstanden und umgesetzt als Sebastian Kurz: Sp&auml;testens im <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1035779.der-lange-sommer-der-migration.html\">Sommer der Migration<\/a> l&ouml;ste er sich von einer konservativen Position mit liberalen Einsprengseln und &uuml;bernahm eine rechtspopulistische Erz&auml;hlung, die sich f&uuml;r eine Politik der Abschottung auch durch Aufhebung von Grundrechten stark macht und versucht, den vor allem <a href=\"http:\/\/www.interkulturellewoche.de\/hefteintrag\/2013\/wer-offen-ist-kann-mehr-erleben\/was-ist-antimuslimischer-rassismus-handreichung-der\">anti-muslimischen Rassismus<\/a> zur Durchsetzung ihrer Politik zu nutzen. <\/p><p>Nichts bringt das besser auf den Punkt als die von Kurz im Wahlkampf mantrenhaft wiederholte Formel von der durch ihn geschlossenen Westbalkanroute, in der noch seine <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article150933461\/Es-wird-nicht-ohne-haessliche-Bilder-gehen.html\">Aussage<\/a> vom Beginn des Jahres 2016 nachschwingt: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article150933461\/Es-wird-nicht-ohne-haessliche-Bilder-gehen.html\">Es wird nicht ohne h&auml;ssliche Bilder gehen.<\/a>&ldquo;<\/p><p>Diese Strategie macht die von der FP&Ouml; in langwierigen Auseinandersetzungen errungene rechte und offen rassistische Hegemonie in &Ouml;sterreich f&uuml;r die &Ouml;VP nutzbar. Der Preis: Umsetzung von freiheitlicher Politik &ndash; allerdings im b&uuml;rgerlichen Gewand, was Kurz auch f&uuml;r W&auml;hler attraktiv macht, die sich so nicht (mehr) f&uuml;r eine Stimme f&uuml;r die extreme Rechte rechtfertigen m&uuml;ssen.    <\/p><p><strong>Staatsprojekt: Umbau der Republik<\/strong><\/p><p>Das wird Kurz aller Voraussicht nach zum n&auml;chsten Regierungschef machen. Doch wer die oben skizzierten &ouml;konomischen Ma&szlig;nahmen durchsetzen will, braucht ein Staatsprojekt: Nur wer bereit ist, die dazu im Wege stehenden Grundkonstanten der zweiten Republik in &Ouml;sterreich und der Zivilgesellschaft umzusto&szlig;en, kann die Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse ausreichend verschieben, um der Politik f&uuml;r eine kleine Minderheit zum Erfolg zu verhelfen.<\/p><p>Dieses Projekt ist mit der Sozialdemokratie, die f&uuml;r den sozialpartnerschaftlich eingebetteten Neoliberalismus steht, nicht umzusetzen. Im Anschluss an die Krise war sie unverzichtbar, um die Banken- und Eurorettung reibungslos zu erm&ouml;glichen. Doch der &Uuml;bergang von der neoliberalen Salamitaktik zum Setzen gro&szlig;er Einschnitte ist mit ihr nicht zu haben: Immer noch kommen rund ein &frac14; ihrer Abgeordneten aus der Gewerkschaft.<\/p><p>Wesentlich war ihr Beitrag auch, um einen nationalen Konsens zu schmieden: Nicht der neoliberale Kapitalismus bedroht unsere Sicherheit, sondern Asylbewerber, die daher durch Lager von Europa fernzuhalten sind. Gestritten wird eigentlich nur noch dar&uuml;ber, ob daf&uuml;r besser <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2017-08\/sebastian-kurz-oesterreich-fluechtlinge-eu-aussengrenzen\">Libyen<\/a> oder der <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/2000061198179\/Kern-und-Doskozil-wollen-EU-Asylsystem-mit-Verfahrenszentrum-im-Niger\">Niger<\/a> geeignet sind. Nichts brachte das besser auf den Punkt als die letzte TV-Konfrontation zwischen Christian Kern und Sebastian Kurz. Nachdem beide Kandidaten ihre Position zu Asyl- und Migration dargelegt hatten, stellte die Moderation fest: &bdquo;<a href=\"http:\/\/tvthek.orf.at\/profile\/Konfrontationen\/13887744\/Konfrontation-Christian-Kern-SPOe-Sebastian-Kurz-OeVP\/13949019\">Das ist ja sch&ouml;n. Ich habe das Gef&uuml;hl sie k&ouml;nnen sich gegenseitig zustimmen.<\/a>&ldquo;<\/p><p><strong>Jetzt hat die Sozialdemokratie ihre Schuldigkeit getan und kann gehen<\/strong><\/p><p>Der nahezu ideale Partner f&uuml;r Kurz ist daher die FP&Ouml;. Das gilt umso mehr, als dass der Anteil der b&uuml;rgerlichen Burschenschafter<br>\n unter den FP&Ouml;-Abgeordneten noch nie so hoch war: Betrug er unter Schwarz-Blau I noch 15%, steht er <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/2000058914899\/Wahrheit-Tochter-der-Zeit?_blogGroup=1\">heute bei 45%<\/a>. Das hat neben einer noch rechtsextremeren Positionierung auch Wirkung auf die Klassenzusammensetzung. Selbst Claus P&aacute;ndi von der Krone <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/lukas.oberndorfer\/posts\/1447023918726547?pnref=story\">stellte j&uuml;ngst fest<\/a>: &ldquo;Die FP&Ouml; ist eine zerrissene Partei, weil sie sich auf der Funktion&auml;rsebene aus Notaren, Hausbesitzern und Industriellen zusammensetzt, sie aber auf die Stimmen der kleinen Leute angewiesen ist.&rdquo;<\/p><p>F&uuml;r welche Interessen die FP&Ouml; wirklich steht, wurde auch im j&uuml;ngst pr&auml;sentierten Wirtschaftsprogramm der FP&Ouml; offenkundig, das sich nahezu 1:1 mit den Positionen der Industriellenvereinigung und dem &ouml;konomischen Projekt von Sebastian Kurz <a href=\"http:\/\/mosaik-blog.at\/fpoe-wirtschaftsprogramm-strache-wahlen\/\">deckt<\/a>. <\/p><p>Und auch beim Umbau der Republik besteht gro&szlig;e &Uuml;bereinstimmung: Entscheidende Schw&auml;chung der <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/2000058708534\/FPOe-Chef-Strache-gegen-Pflichtmitgliedschaft-bei-Kammern\">Arbeiterkammer<\/a>, Teilprivatisierung des <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/2000056657617\/OeVP-Amon-ueber-ORF-Privatisierung-Muss-man-sich-anschauen\">&ouml;ffentlichen Rundfunks<\/a>, Einschr&auml;nkung des <a href=\"http:\/\/mosaik-blog.at\/sobotka-demonstrationsrecht-verfassungswidrigkeit\/\">Demonstrationsrechts<\/a>, um Kritik m&ouml;glichst zu unterbinden. <\/p><p>Und die von Kurz und Strache geforderte &bdquo;<a href=\"https:\/\/kurier.at\/politik\/inland\/oevp-chef-sebastian-kurz-und-oekonomen-praesentieren-zahlen-zur-steuerentlastung\/269.369.524\">Trockenlegung der F&ouml;rderungss&uuml;mpfe<\/a>&ldquo; zielt darauf, kritische zivilgesellschaftliche Projekte im Bereich Kunst, alternativer Medien, Integration, sowie der M&auml;dchen- und Frauenpolitik auszuhungern.<\/p><p><strong>Gefahren, Widerspr&uuml;che und der Widerstand<\/strong>  <\/p><p>Doch das rechts-autorit&auml;re Staatsprojekt von Kurz und Strache steckt auch voller Widerspr&uuml;che. Um die hinter ihnen stehenden gesellschaftlichen Kr&auml;fte zu befriedigen, reicht ein Abrundungsprojekt &agrave; la Angela Merkel, in dem bereits massiv neoliberalisierte Verh&auml;ltnisse geschickt verwaltet werden, nicht aus. <\/p><p>Die daf&uuml;r notwendigen massiven Angriffe auf die sozialen Rechte breiter Massen werden zumindest nach einer gewissen Zeit deutlich machen, dass die Segregation der Sozialsysteme bei weitem nicht ausreicht, um die massiven Geschenke f&uuml;r Reiche und Industrielle zu finanzieren.<\/p><p>Das geht mit der Bedrohung einher, dass sich das rechts-autorit&auml;re Staatsprojekt immer weiter versch&auml;rft, denn der Rassismus und die Versicherheitlichung <a href=\"https:\/\/rechtsvergleichung.univie.ac.at\/fileadmin\/user_upload\/Rechtsvergleich_Verschraegen\/Verschraegen\/MitarbeiterInnen\/Lukas_Oberndorfer\/Oberndorfer__Europa_und_Frankreich_im_Ausnahmezustand__prokla_4-2017.pdf\">scheinen die zunehmend letzten und damit umso gef&auml;hrlichere Stabilit&auml;tsreserven des Neoliberalismus<\/a> zu sein.<\/p><p>Dieser Entwicklung gilt es einen politischen Antirassismus entgegenzusetzen und diesen mit der sozialen Frage zu verkn&uuml;pfen. Die gesellschaftliche Linke in &Ouml;sterreich steht daher vor der Herausforderung, zwei Strategien wirkm&auml;chtig zu kommunizieren: 1)Nur wenn wir uns spalten lassen, k&ouml;nnen sie ihre Politik gegen die 95% durchsetzen. 2) Die Bedingung f&uuml;r die qualitative und dauerhafte Verbesserung unserer Lebensverh&auml;ltnisse ist das gute Leben f&uuml;r Alle.<\/p><p>Ein Vorteil in der gegenw&auml;rtigen Konstellation ist, dass noch nie schon so fr&uuml;h so klar war, dass es auf eine &Ouml;VP-FP&Ouml;-Regierung hinausl&auml;uft und an welchen Ma&szlig;nahmen geplant wird. Das geht mit der Chance einher, dass auch der gesellschaftlichen Linken Zeit bleibt, am Aufbau von tragf&auml;higen und popul&auml;ren Strukturen zu arbeiten, die in der Lage sind, nicht nur Widerstand zu leisten, sondern auch Alternativen aufzuzeigen. Dabei wird es darauf ankommen, ob es gelingt, Vertrauen und enge B&uuml;ndnisse zwischen den einzelnen Teilen der gesellschaftlichen Linken zu schaffen.<\/p><p>So k&ouml;nnte die moderne Maske des Projektes Kurz &auml;hnlich schnell wie jene von <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2017-07\/emmanuel-macron-frankreich-praesident-umfrage-unbeliebtheit\">Emmanuel Macron<\/a> fallen und dahinter deutlich werden, wof&uuml;r dieses Staatsprojekt von Sebastian Kurz im Kern steht: Das im Sterben liegende neoliberale Entwicklungsmodell soll mit immer mehr Gewalt und der Spaltung der Gesellschaft &uuml;ber die Runden gerettet und vertieft werden.   <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Lukas Oberndorfer&nbsp;ist Wissenschaftler in Wien und arbeitet zur Frage, wie es seit der Krise in Europa zu einer autorit&auml;ren Wende kommt, die Demokratie und Grundrechte einschr&auml;nkt, um neoliberale Politik zu vertiefen. Seinen zu diesem Thema zuletzt in der&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.prokla.de\/\">PROKLA<\/a>&nbsp;erschienen Beitrag k&ouml;nnt ihr&nbsp;<a href=\"https:\/\/rechtsvergleichung.univie.ac.at\/fileadmin\/user_upload\/Rechtsvergleich_Verschraegen\/Verschraegen\/MitarbeiterInnen\/Lukas_Oberndorfer\/Oberndorfer__Europa_und_Frankreich_im_Ausnahmezustand__prokla_4-2017.pdf\">hier nachlesen<\/a>. Man kann ihm auf&nbsp;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/L_Oberndorfer\">Twitter<\/a>&nbsp;und&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/lukas.oberndorfer\">Facebook<\/a>&nbsp;folgen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Glaubt man den Umfragen, wird Sebastian Kurz von der &Ouml;VP die Wahlen am Sonntag in &Ouml;sterreich gewinnen. Er will tiefe Einschnitte in die sozialen Rechte einer breiten Mehrheit vornehmen, um die Profitchancen einiger Weniger zu verbessern. Doch der Neoliberalismus hat l&auml;ngst an Zugkraft verloren. Um dennoch zum Ziel zu kommen, verfolgt Kurz ein rechts-autorit&auml;res Staatsprojekt.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40592\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,205,125,132,190],"tags":[1740,771,2015,308,380,1055,1918,1785,2187,319,826,312,301,772,278,1207,291,1500],"class_list":["post-40592","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-landerberichte","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-rechte-gefahr","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wahlen","tag-arbeitsbedingungen","tag-oesterreich","tag-oevp","tag-existenzminimum","tag-export","tag-fluechtlinge","tag-fpoe","tag-immobilienwirtschaft","tag-kurz-sebastian","tag-lohnentwicklung","tag-rassismus","tag-reformpolitik","tag-rentenalter","tag-spoe","tag-steuersenkungen","tag-unternehmenssteuer","tag-verteilungsgerechtigkeit","tag-wahlprogramm"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40592","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40592"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40592\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40601,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40592\/revisions\/40601"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40592"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40592"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40592"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}