{"id":4060,"date":"2009-07-12T19:54:36","date_gmt":"2009-07-12T17:54:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4060"},"modified":"2014-01-27T12:03:48","modified_gmt":"2014-01-27T11:03:48","slug":"asymmetrie-zu-lasten-von-spd-und-linker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4060","title":{"rendered":"Asymmetrie zu Lasten von SPD und Linker"},"content":{"rendered":"<p>Staunend stehen jetzt einige Zeitgenossen vor den Umfrageergebnissen der SPD und der Linkspartei &ndash; zwischen 20 und 25 % f&uuml;r die SPD und um die 10 % f&uuml;r die Linkspartei und zusammen mit den Gr&uuml;nen kaum &uuml;ber 40 %, das ist nicht gerade berauschend. Dann geht die Ursachensuche los. Ein typisches Beispiel ist der Beitrag bei Zeit.de von Matthias Geis mit dem Verlangen <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2009\/29\/01-SPD\">&bdquo;Gerechtigkeit f&uuml;r die SPD!&ldquo;<\/a> (Siehe Anlage 1.) Da wird nach objektiven Gr&uuml;nden gesucht und im konkreten Fall auch noch als Erfolg der SPD reklamiert, was zumindest zwei Gr&uuml;nde f&uuml;r ihren Niedergang waren: die Agenda 2010 und die Beteiligung an milit&auml;rischen Operationen au&szlig;erhalb des NATO-Bereichs. Die wichtigste Ursache, die Medienbarriere f&uuml;r die SPD, sobald sie etwas linker tickt, und f&uuml;r die Linkspartei in fast schon aggressiver Form, wird nicht thematisiert. Neuestes Beispiel f&uuml;r Letzteres: die Ank&uuml;ndigung des Sommerinterviews mit Lafontaine bei Berlin direkt am Abend des 12. 7. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nWer in der Linkspartei noch nicht begriffen hat, dass ihre Umfrage-Schwierigkeiten am allerwenigsten mit innerem Streit oder mit sonstigem Radikalismus oder gar mit Lafontaine zu tun haben, der sollte sich die <a href=\"http:\/\/berlindirekt.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/9\/0,1872,7602985,00.html\">Ank&uuml;ndigung dieses Interviews<\/a> anschauen. In Anlage 2 ist der Text wiedergegeben, weil man dessen nicht sicher sein kann, dass der Link &uuml;ber l&auml;ngere Zeit funktioniert.<\/p><p>Diese Vorank&uuml;ndigung ist seit dem 9. Juli, also seit Donnerstag im Netz. Sie ist keine n&uuml;chterne Vorank&uuml;ndigung sondern ein klares Tendenzst&uuml;ck. Der Text enth&auml;lt nahezu alle Elemente der Kampagne gegen Lafontaine und die Linkspartei: die Behauptung vom Linksruck, der Populismus Vorwurf, der Niedergang bei den Umfragen, die Aufbauschung von Kritik von innen, immer mit der gleichen Person, n&auml;mlich Brie usw..<\/p><p>Der Text ist von einem freien Mitarbeiter des ZDF, von <a href=\"http:\/\/www.xing.com\/profile\/martin_schmidt210\">Martin Schmidt<\/a> geschrieben. Es w&auml;re kein Wunder, wenn es sich dabei um eine Person handelt, die auch Public Relations St&uuml;cke schreibt.<\/p><p>&Uuml;berhaupt scheint mir die Kampagne gegen die Linkspartei wie auch gegen die Linke in der SPD so gut geplant und implementiert, dass ich nicht daran glaube, dass dies ohne Public Relations-Agenturen, ihre Hinterm&auml;nner und viel Geld im Hintergrund abl&auml;uft.<\/p><p>Das erinnert voll an die Kampagne gegen die SPD in den Jahren 1970-1972. Damals hat die SPD offensiv auf die Medienbarriere hingewiesen und die Hinterm&auml;nner und das dahinter steckende Geld offen gelegt. Ich begreife immer noch nicht, warum die Linke dies heute nicht leistet. Ich bin gespannt, ob der Vorstand der Linkspartei irgendwann etwas zu diesem St&uuml;ck von Herrn Schmidt verlautbart. Wann legt die Linkspartei endlich das Spiel auch der &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender offen. Das ZDF ist in weiten Teilen nur noch ein Kampagnen Medien.<\/p><p>Und wann endlich begreift die SPD, dass die Medien ihr allenfalls im Vorfeld von Wahlen sch&ouml;ne Augen machen. Wenn es ernst wird wie jetzt vor der Wahl am 27. September, dann erkennen die Medienmacher deutlich ihre Interessen. Diese sind bei Schwarzgelb noch besser aufgehoben als bei der rechtsgewirkten SPD. Sicher ist sicher.<\/p><p><strong>Anlage 1<\/strong><\/p><p>DIE ZEIT, 09.07.2009 Nr. 29 &nbsp; &nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Wahlkampf<br>\nGerechtigkeit f&uuml;r die SPD!<\/strong><br>\n<em>Von Matthias Geis<\/em><\/p><p>Den Genossen droht bei der Wahl ein Debakel. Das haben sie nicht verdient. Eine Ehrenrettung<\/p><p>In Gro&szlig;britannien steht die Labour-Partei vor einer historischen Niederlage. Sie hat das Land mit L&uuml;gen in einen falschen Krieg gef&uuml;hrt und ist nun hauptverantwortlich f&uuml;r eine Spesenaff&auml;re, die das politische System ersch&uuml;ttert. Cool Britannia war gestern, heute ist das Land in schlechter Verfassung. Der Absturz f&uuml;r Labour ist also plausibel und gerecht.<br>\nAuch der SPD droht im Herbst eine historische Niederlage. Die &Ouml;ffentlichkeit beginnt schon einen Haken zu machen hinter das Wahlergebnis, die Union diskutiert bereits &uuml;ber Ministerposten. Die Umfragen prognostizieren der SPD nicht nur den Machtverlust, sondern ein dem&uuml;tigendes Ergebnis, das schlechteste der Nachkriegsgeschichte. Selbst den Rang einer Volkspartei k&ouml;nnte sie verlieren. Das alles ist nicht plausibel und nicht gerecht, eher schon aberwitzig.<br>\nWeder hat die SPD Deutschland in das Irak-Abenteuer hineingezogen, noch hat sie sich durch eine Spesenaff&auml;re unm&ouml;glich gemacht. Im Gegenteil: Das Land, das sich anschickt, die Genossen in die Marginalisierung zu entlassen, ist nach elf Jahren sozialdemokratischer Regierung &ouml;kologischer, liberaler, moderner, &ouml;konomisch stabiler und entspannter als vor ihrem Machtantritt im Jahre 1998. Die Republik hat der SPD einiges zu verdanken.<br>\nQulle: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2009\/29\/01-SPD\">ZEIT ONLINE<\/a><\/p><p><strong>Anlage 2<\/strong><\/p><p>Sommerinterviews<\/p><p><strong>Polit-Taktierer links drau&szlig;en<br>\nOskar Lafontaine an der Spitze der Linken<\/strong><br>\n<em>von Martin Schmidt<\/em><\/p><p>&Ouml;ffentlich eine Einheit, intern stark zerrissen: Die Linkspartei sucht im Superwahljahr nach der eigenen Linie. An der Spitze driftet Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine immer st&auml;rker nach links &ndash; das Gegensteuern einiger Genossen blieb ohne Erfolg.<\/p><p>Fl&uuml;gel-Gepr&uuml;gel auf Parteitagen &ndash; viele Journalisten haben gerade den offenen Streit unter Parteikollegen besonders gern, liefert er doch Material f&uuml;r die gro&szlig;en Schlagzeilen. Mitte Juni trafen die Linken in Berlin zusammen, um ihr Wahlprogramm zu verabschieden und eigentlich deuteten alle Vorzeichen auf angriffslustige Genossen. Schuld war der stets g&auml;rende Kampf Realos gegen Fundis, Pragmatiker gegen Dogmatiker. <\/p><p><strong>&ldquo;Verhungerte Reformer&rdquo;<\/strong><\/p><p>&ldquo;Othodoxe, Linksradikale oder Kommunisten&rdquo;, als solche bezeichnet Carl Wechselberg den Gro&szlig;teil seiner Ex-Genossen, mit denen er keinen gleichen politischen Nenner mehr sieht. Wechselberg, selbst Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus, hat daher im Mai sein Parteibuch abgegeben. &ldquo;Ich sehe die Linke in einer fundamental-oppositionellen Ecke. Sie betreiben intensiven Protest an den Verh&auml;ltnissen, aber sie beantworten die Frage nicht, wie es weitergehen soll&rdquo;, formulierte er seinen Frust &uuml;ber die Ausrichtung seiner ehemaligen Partei. Vor allem die Mitglieder in Ostdeutschland, die mehrheitlich zum realpolitischen Zentrum der Linken z&auml;hlen, machen der Parteispitze &auml;hnliche Vorw&uuml;rfe. Sie f&uuml;hlen sich nicht ausreichend ernst genommen.<\/p><p>&ldquo;Gregor Gysi l&auml;sst die Reformer in Ostdeutschland am langen Arm verhungern&rdquo;, klagte die s&auml;chsische Landtagsabgeordnete Ingrid Mattern. Sie warnt im &ldquo;Focus&rdquo; vor einer &ldquo;feindlichen &Uuml;bernahme&rdquo; durch Oskar Lafontaine und dessen Gefolgsleute. Doch der ehemalige Chef der SPD hat sich in der Linkspartei l&auml;ngst eine Art des Machtmonopols gesichert, wei&szlig; auch Carl Wechselberg: &ldquo;Diese programmatische Ausrichtung auf scharfen Protest, auf eine gro&szlig;e politische Distanz zur SPD, das Bem&uuml;hen sich aus deren W&auml;hlerklientel zu bedienen und die systemkritische Anklage an den Kapitalismus &ndash; all das tr&auml;gt eindeutig die politische Handschrift von Oskar Lafontaine&rdquo;, sagte er im Interview mit &ldquo;Berlin direkt&rdquo;.<\/p><p><strong>Wahlziel in Gefahr<\/strong><\/p><p>Keine der wichtigen Entscheidungen geht an Lafontaines Schreibtisch vorbei. Wenn er sein Veto einlegt, wandern Antr&auml;ge fast unausweichlich in den Papierkorb. &ldquo;Lafontainismus&rdquo; nennt das der Linke-Vordenker Andr&eacute; Brie. Er beschrieb den Parteichef und Fraktionsvorsitzenden im &ldquo;Spiegel&rdquo; als &ldquo;unbestrittenen Parteif&uuml;hrer&rdquo;, der seinen eigenen Basta-Stil in der Linken etabliert habe. &ldquo;Oskar Lafontaine braucht kein Programm. Er hat eines, er ist eines&rdquo;, so Brie weiter. Er selbst passte jedoch offensichtlich nicht dazu. Der Europaabgeordnete Brie war den Genossen zu EU-freundlich und scheiterte mit seiner Kandidatur f&uuml;r einen Listenplatz f&uuml;r die Europawahl.<br>\nParteichef und Bundestagsfraktionschef in einem: Oskar Lafontaine hat die Partei mit einem radikalen Auftreten im F&uuml;nf-Parteien-System etabliert. Niemand zweifelt ernsthaft daran, dass der Sprung ins Parlament im September wieder gelingt. Dennoch schleicht sich Unruhe in die roten Reihen. Die Umfragewerte sind seit langer Zeit wieder nur noch einstellig, zehn Prozent plus X gelten als Ziel. 7,5 Prozent der Stimmen bei der Europawahl vor einem Monat &ndash; auch das war f&uuml;r viele Parteimitglieder deutlich zu wenig. In den Zeiten der Wirtschaftskrise vertrauen die Deutschen wohl doch dem Altbekannten, zum Fruste derer, die endlich die Chance sehen, den Kapitalismus ein f&uuml;r alle mal zu &uuml;berwinden.<\/p><p><strong>Prise Populismus<\/strong><\/p><p>Die Linke reagiert auf den Abw&auml;rtstrend ganz nach dem Geschmack von Chef Lafontaine: Extreme Forderungen gepaart mit einer Prise Populismus. Zu lesen ist dies im neuen Wahlprogramm. Ein Mindestlohn von zehn Euro m&uuml;sse her. Nicht mehr nur auf 435, sondern auf 500 Euro werde man Hartz IV anheben. Alle Privatbanken verstaatlichen, die Bundeswehr raus aus Afghanistan, j&auml;hrlich ein &ouml;ffentliches Investitionsprogramm von 100 Milliarden Euro plus 100 Milliarden Euro f&uuml;r einen Zukunftsfonds &ndash; es sind vor allem diese Anspr&uuml;che, die die Realos an ihrer Partei zweifeln lassen. Auf dem Parteitag blieb ihr erwarteter Aufstand jedoch aus. Wohl auch, weil Lafontaine in seiner Ansprache ungewohnt ruhig blieb, wenig Angriffsfl&auml;che bot. Er zeigte sich als Fachmann des politischen Taktierens, der die direkte Konfrontation mit den Delegierten zu meiden wusste.<br>\nDer Fl&uuml;gel links-au&szlig;en hingegen zeigte sich zufrieden mit dem Parteichef. &ldquo;Er hat die Partei nach links gebracht und ich denke, das ist sehr gut so&rdquo;, sagte Sahra Wagenknecht, Vorstandsmitglied, gegen&uuml;ber &ldquo;Berlin direkt&rdquo;. Sie selbst hat sich in Nordrhein-Westfalen einen guten Listenplatz f&uuml;r die Bundestagswahl gesichert &ndash; pragmatische Genossen blieben oftmals au&szlig;en vor. &ldquo;Wir wollen den Reichen tats&auml;chlich ans Geld, nicht immer nur den Armen&rdquo;, erkl&auml;rte Lafontaine selbst sein Wahlprogramm und f&uuml;gte hinzu: &ldquo;Die anderen wollen das nicht, weil sie das als gef&auml;hrlich oder radikal ansehen. Bitte, dann sind wir radikal.&rdquo;<\/p><p><strong>Ministerpr&auml;sident Lafontaine?<\/strong><\/p><p>Die Bundestagswahl ist derzeit nicht die einzige Baustelle des Parteichefs. Lafontaine tritt f&uuml;r die Linken in seiner Heimat, dem Saarland, als Spitzenkandidat an. 13 Jahre lang agierte er dort von 1985 bis 1998 bereits als Ministerpr&auml;sident, damals f&uuml;r die Sozialdemokraten. Doch auch hier liegt die Linkspartei in der W&auml;hlergunst noch nicht in den erw&uuml;nschten H&ouml;hen. Hoffte man anfangs noch, Ende August gar zur st&auml;rksten Fraktion zu werden, spricht Wahlkampfleiter Dietmar Bartsch mittlerweile in Interviews nur noch von dem Ziel &ldquo;Regierungspartei&rdquo;. <\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/berlindirekt.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/9\/0,1872,7602985,00.html\">Berlin direkt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Staunend stehen jetzt einige Zeitgenossen vor den Umfrageergebnissen der SPD und der Linkspartei &ndash; zwischen 20 und 25 % f&uuml;r die SPD und um die 10 % f&uuml;r die Linkspartei und zusammen mit den Gr&uuml;nen kaum &uuml;ber 40 %, das ist nicht gerade berauschend. Dann geht die Ursachensuche los. 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