{"id":40686,"date":"2017-10-23T09:00:42","date_gmt":"2017-10-23T07:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40686"},"modified":"2017-10-25T07:32:55","modified_gmt":"2017-10-25T05:32:55","slug":"in-lohn-ohne-brot-wenn-arbeit-nicht-vor-armut-schuetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40686","title":{"rendered":"In Lohn ohne Brot \u2012 Wenn Arbeit nicht vor Armut sch\u00fctzt"},"content":{"rendered":"<p>F&uuml;r die allermeisten Menschen ist Arbeit die wichtigste Einnahmequelle, um aus eigener Kraft den Lebensunterhalt zu bestreiten. Umso problematischer ist es, wenn immer mehr Erwerbsarbeiten auf Grund eines zu geringen Umfangs oder zu schlechter Entlohnung (nicht selten ist auch beides der Fall) die eigene Existenz oder die der Lebensgemeinschaft, in der man sich befindet, nicht sichern kann. Wenn trotz Arbeit die Armut droht, dann wird es h&ouml;chste Zeit, die schlechte Jobqualit&auml;t als treibende Kraft in den Blick zu nehmen. Von <strong>Markus Kr&uuml;semann<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40686#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6411\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-40686-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171024_In_Lohn_ohne_Brot_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171024_In_Lohn_ohne_Brot_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171024_In_Lohn_ohne_Brot_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171024_In_Lohn_ohne_Brot_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=40686-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171024_In_Lohn_ohne_Brot_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"171024_In_Lohn_ohne_Brot_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Arbeits- oder Erwerbsarmut liegt nach der heute &uuml;blichen Definition vor, wenn (vereinfacht gesagt) eine erwerbst&auml;tige Person in einem Haushalt lebt, dessen verf&uuml;gbares Einkommen weniger als 50 Prozent des Medianeinkommens (des mittleren Einkommens) aller Haushalte betr&auml;gt. Weil man aber (nicht nur) in der amtlichen Berichterstattung den harten und unbequemen Begriff Armut lieber vermeiden m&ouml;chte, spricht man heutzutage lieber von der etwas heiterer stimmenden Armutsgef&auml;hrdung, die dann bei weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens beginnt. Pech nur f&uuml;r die Sch&ouml;nf&auml;rber, dass die der &Ouml;ffentlichkeit pr&auml;sentierten Zahlen zur Armutsgef&auml;hrdung oft als Armutsquote ausgewiesen werden.<\/p><p>Die exakte Berechnung von Armutsgef&auml;hrdungsquoten ist &uuml;brigens komplizierter, denn auf der Basis des Haushaltsnettoeinkommens wird f&uuml;r jedes Haushaltsmitglied ein bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen ermittelt, das sog. &Auml;quivalenzeinkommen. Am Ende kommen je nach Haushaltssituation unterschiedliche Armutsschwellen zustande, was ja auch Sinn macht, denn eine Familie mit zwei Kindern etwa ist auf ein viel h&ouml;heres Haushaltseinkommen angewiesen als ein Ein-Personen-Haushalt. Nach Ergebnissen des Mikrozensus lag die Schwelle zur Armutsgef&auml;hrdung (60 % vom bundesweiten Median des &Auml;quivalenzeinkommens) f&uuml;r Alleinstehende im Jahr 2016 bei <a href=\"http:\/\/www.amtliche-sozialberichterstattung.de\/Tabellen_Excel\/A2%20Schwellen.xlsx\">969 Euro<\/a>, bei einem Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren hingegen bei 2.035 Euro im Monat (netto). <\/p><p><strong>Erwerbsarmut hat zugenommen<\/strong><\/p><p>Anhand der Mikrozensusdaten haben die Statistiker beim Statistischen Bundesamt die Anteile armutsgef&auml;hrdeter Menschen f&uuml;r unterschiedliche Bev&ouml;lkerungsgruppen bestimmt. In der Gruppe der Erwerbst&auml;tigen lag der Anteil der von Armut Bedrohten 2016 bundesweit bei 7,7 Prozent. Zwar bewegt sich dieser Wert seit f&uuml;nf Jahren auf kaum ver&auml;ndert hohem Niveau, doch gab es im Ost-West-Vergleich auff&auml;llige Verschiebungen. So ist der Anteil der von Erwerbsarmut bedrohten Erwerbst&auml;tigen in den alten Bundesl&auml;ndern (ohne Berlin) in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. In den ostdeutschen Bundesl&auml;ndern dagegen hat sich die Verdienstsituation nach 2013 verbessert.<\/p><p><strong>Armutsgef&auml;hrdungsquoten von Erwerbst&auml;tigen (in Prozent gemessen am Bundesmedian)<\/strong><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171023_Arbeitsarmut-.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171023_Arbeitsarmut-small-.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><br>\nQuelle: Statistisches Bundesamt, Ergebnisse des Mikrozensus<\/p><p>Die seit M&auml;rz f&uuml;r 2014 vorliegenden Daten aus der &bdquo;Europ&auml;ischen Gemeinschaftsstatistik &uuml;ber Einkommen und Lebensbedingungen&ldquo; (EU-SILC) weisen allerdings h&ouml;here Werte aus. Demnach ist die Armutsgef&auml;hrdungsquote von Erwerbst&auml;tigen in Deutschland zwischen 2007 und 2014 um 2,3 Prozent auf <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Publikationen\/Thematisch\/EinkommenKonsumLebensbedingungen\/LebeninEuropa\/EinkommenLebensbedingungen2150300157004.pdf?__blob=publicationFile\">9,7 Prozent<\/a> gestiegen. Das ist ein betr&auml;chtlicher und beunruhigender Anstieg. Unter den EU-Mitgliedsl&auml;ndern weisen nur Estland und Bulgarien h&ouml;here Steigerungsraten f&uuml;r diesen Zeitraum aus.<\/p><p>Die unterschiedlichen Armutsquoten erkl&auml;ren sich aus abweichenden Messverfahren. Zwar wird auch bei EU-SILC die 60-Prozentschwelle (60 % vom nationalen Median des &Auml;quivalenzeinkommens eines Haushalts nach Sozialleistungen) zu Grunde gelegt, doch werden nur jene Personen im Alter von 16 bis 64 Jahren als Besch&auml;ftigte erfasst, die zumindest in <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/statistics-explained\/index.php\/EU_statistics_on_income_and_living_conditions_(EU-SILC)_methodology_-_in-work_poverty\">sieben Monaten des jeweiligen Referenzjahres<\/a> erwerbst&auml;tig waren. <\/p><p><strong>Jobqualit&auml;t beeinflusst die Erwerbsarmutsgef&auml;hrdung<\/strong><\/p><p>Unter den Gr&uuml;nden daf&uuml;r, dass es, je nach Messung, zwischen knapp acht und zehn Prozent der Erwerbst&auml;tigen nicht gelingt, durch Arbeit ein armutsfestes Haushaltseinkommen zu erzielen, spielt die Art der Erwerbst&auml;tigkeit, mithin die Jobqualit&auml;t, eine zentrale Rolle. Denn wie anders ist es zu erkl&auml;ren, dass die Zahl der Erwerbst&auml;tigen in Deutschland seit vielen Jahren st&auml;ndig ansteigt, die Arbeitslosenquote sinkt und dennoch Erwerbsarmut auf dem Vormarsch ist? Wenn das signifikante Besch&auml;ftigungswachstum der vergangenen Jahre von einem wachsenden Anteil an &bdquo;working poor&ldquo; begleitet wird, dann sind offensichtlich Jobs entstanden, deren Arbeitsumfang oder Entlohnung (oder beides) zu niedrig sind, um Existenzen zu sichern. <\/p><p><em><strong>Niedrigl&ouml;hne:<\/strong><\/em> Zu den Treibern von Erwerbsarmut ist in erster Linie der politisch aufgebl&auml;hte Niedriglohnsektor zu z&auml;hlen. Zwar gibt es keine direkte Wenn-Dann-Beziehung, wonach Niedrigl&ouml;hne unvermittelt in die Erwerbsarmut f&uuml;hren (dazu weiter unten mehr). Dennoch ist statistisch klar erwiesen, und eine <a href=\"http:\/\/www.research.mbs.ac.uk\/ewerc\/Portals\/0\/docs\/gendersocial\/ILO%20Paper%202011%20-%20CWES28.pdf\">ILO-Analyse<\/a> vorwiegend europ&auml;ischer und US-amerikanischer Studien zur Niedriglohnbesch&auml;ftigung hat dies k&uuml;rzlich erneut best&auml;tigt (S. 47f.), dass Niedrigl&ouml;hne das Erwerbsarmutsrisiko deutlich erh&ouml;hen.<\/p><p>Nach einer <a href=\"http:\/\/www.iaq.uni-due.de\/iaq-report\/2017\/report2017-06.php\">Datenauswertung des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ)<\/a> hatten 22,6 Prozent aller abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten in Deutschland im Jahr 2015 f&uuml;r einen Stundenlohn unterhalb der Niedriglohnschwelle gearbeitet. Betroffen waren und sind nicht nur die notorisch schlecht verdienenden MinijobberInnen und die ebenfalls tendenziell schlechter entlohnten Teilzeitkr&auml;fte. Bei den Vollzeitjobs sind Niedrigl&ouml;hne &auml;hnlich weit verbreitet. Laut <a href=\"https:\/\/statistik.arbeitsagentur.de\/Statistikdaten\/Detail\/201612\/iiia6\/beschaeftigung-entgelt-entgelt\/entgelt-d-0-201612-xls.xlsm\">Entgeltstatistik der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit<\/a> hatte Ende 2016 jede f&uuml;nfte Vollzeitkraft zu den Geringverdienern gez&auml;hlt. Das waren &uuml;ber 4,1 Millionen. <\/p><p><em><strong>Atypische Besch&auml;ftigung:<\/strong><\/em> Neben den Niedriglohnjobs sind vor allem die Arbeitsangebote jenseits des Normalarbeitsverh&auml;ltnisses problematisch. Diese atypisch genannten Besch&auml;ftigungsformen haben <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/atyp\/D.pdf\">seit 2003 nahezu stetig zugenommen<\/a>. Damit sind sie f&uuml;r einen Gro&szlig;teil der quantitativ positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt verantwortlich, denn das gern gepriesene Jobwunder beruht vor allen Dingen auf der <a href=\"https:\/\/www.miese-jobs.de\/chroniken\/30-06-17\/\">Zunahme atypischer und damit oft eben auch schlechter bezahlter und prek&auml;rer Arbeit<\/a>. Die Erosion des Normalarbeitsverh&auml;ltnisses (unbefristete sozialversicherungspflichtige Vollzeitbesch&auml;ftigung jenseits der Leiharbeit) hat zur Ausweitung der Arbeitsarmut kr&auml;ftig beigetragen, denn neben den Niedrigl&ouml;hnern haben auch die atypisch Besch&auml;ftigten ein deutlich h&ouml;heres Erwerbsarmutsrisiko.<\/p><p>In ihrem <a href=\"https:\/\/www.eurofound.europa.eu\/sites\/default\/files\/ef_publication\/field_ef_document\/ef1725en.pdf\">Bericht zur Erwerbsarmut in der EU<\/a> hat ein Forscherteam der EU-Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (<a href=\"https:\/\/www.eurofound.europa.eu\/de\/about-eurofound\">Eurofound<\/a>) einen klaren Zusammenhang zwischen der Zunahme atypischer Besch&auml;ftigungsformen in den EU-L&auml;ndern und den wachsenden Anteilen der von Erwerbsarmut Bedrohten aufgezeigt. Vor allem die unfreiwillig in Teilzeit und die befristet Besch&auml;ftigten sind in Deutschland wie in fast allen anderen EU-Mitgliedsl&auml;ndern &uuml;berdurchschnittlich stark von Erwerbsarmut betroffen.<\/p><p>Versch&auml;rfend kommt hinzu, dass es vor allem die sowieso schon am Arbeitsmarkt Benachteiligten sind, die sich mit atypischen und oft prek&auml;ren Jobs begn&uuml;gen m&uuml;ssen. Wissenschaftler am Deutschen Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) haben die Einkommens- und Besch&auml;ftigungsentwicklung nach Einkommensgruppen differenziert betrachtet, indem sie <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/documents\/publikationen\/73\/diw_01.c.560977.de\/17-27-1.pdf\">Einkommensschichten und Erwerbsformen<\/a> aufeinander bezogen haben. Dabei zeigte sich, dass der Besch&auml;ftigungsaufbau und der R&uuml;ckgang der Erwerbslosigkeit f&uuml;r einzelne Einkommensgruppen sehr unterschiedliche Effekte hatten. W&auml;hrend die oberen Einkommensschichten vermehrt auf gute, gut bezahlte und gut abgesicherte Jobs zugreifen konnten, hielt der Arbeitsmarkt f&uuml;r Erwerbssuchende und Erwerbst&auml;tige der unteren Einkommensschichten &uuml;berdurchschnittlich oft nur Niedriglohnjobs oder atypische Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse bereit. <\/p><p><strong>Mit &bdquo;F&ouml;rdern und Fordern&ldquo; ins verstetigte Elend<\/strong><\/p><p>Auch wenn Arbeitslosigkeit weiterhin ein noch gr&ouml;&szlig;eres Armutsrisiko darstellt, die Zeiten, in den man die Menschen nur in Arbeit bringen musste, um ihre Existenz zu sichern, sie sind lange vorbei. Schlimmer noch: Die staatliche Arbeitsf&ouml;rderung, mit der Arbeitslose wieder in Arbeit gebracht werden sollen, hat ma&szlig;geblichen Anteil daran, dass prek&auml;re Jobs und Erwerbsarmut florieren. <\/p><p>WissenschaftlerInnen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung haben einen direkten <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_wsi_report_36_2017.pdf\">Zusammenhang zwischen Erwerbsarmut und den Ma&szlig;nahmen der aktivierenden Arbeitsmarktpolitik<\/a> feststellen k&ouml;nnen. Die hinter dem Slogan &bdquo;F&ouml;rdern und Fordern&ldquo; stehende &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/politik\/schroeder-will-drueckebergern-ans-geld-aid-1.1819139\">Hauptsache Arbeit<\/a>&ldquo;-Ideologie mit ihren rigiden Zumutbarkeitsregeln und den Sanktionsdrohungen setzt die Menschen unter Druck und zwingt sie, nahezu jede (auch unqualifizierte und schlecht entlohnte) Arbeit anzunehmen. Wenn Erwerbssuchende auf diese Weise in prek&auml;re Besch&auml;ftigung geschickt werden, so wandeln sich arbeitslose arme Haushalte zu erwerbst&auml;tigen armen Haushalten. Mit W&uuml;rde und Existenzsicherung hat solche Arbeitsvermittlung nichts mehr am Hut. <\/p><p><strong>Der Lebenszusammenhang ist entscheidend<\/strong><\/p><p>Auch wenn die Jobqualit&auml;t eine zentrale Ursache f&uuml;r die Erwerbsarmut darstellt, am Ende entscheidet erst der individuelle Lebenszusammenhang, in dem Erwerbst&auml;tige sich befinden, ob das erzielte Arbeitseinkommen zu einem Leben jenseits der Armut reicht. Der oben bereits angef&uuml;hrte Verweis auf das Haushaltseinkommen macht deutlich, dass Erwerbsarmut nicht allein Resultat einer schlechten und zu niedrigen Entlohnung sein muss. Es gibt weitere Gr&uuml;nde, warum eine abh&auml;ngige Besch&auml;ftigung nicht existenzsichernd sein kann. So kann etwa die oft zur Erl&auml;uterung herangezogene Arztgattin ganz bequem und abgabebeg&uuml;nstigt per Minijob das Haushaltseinkommen aufbessern. Doch w&auml;hrend sie, wenn es schlecht l&auml;uft, allenfalls im Ruhestand in die Armutsfalle tappt, sind Alleinerziehende oder kinderreiche Haushalte mit EinzelverdienerIn selbst bei halbwegs gut bezahltem Vollzeitjob oft auf staatliche Transferleistungen angewiesen, von der ausk&ouml;mmlichen Altersrente gar nicht zu reden. Nach Angaben des vom Familienministerium herausgegebenen <a href=\"https:\/\/www.bmfsfj.de\/blob\/119524\/f51728a14e3c91c3d8ea657bb01bbab0\/familienreport-2017-data.pdf\">Familienreports 2017<\/a> sind rund 44 Prozent der Alleinerziehenden armutsgef&auml;hrdet, wobei die fehlende wie auch die geringe Erwerbst&auml;tigkeit und die Erwerbst&auml;tigkeit zu Niedrigl&ouml;hnen eine ma&szlig;gebliche Rolle spielen. &Auml;hnlich schwierig ist die Lage in Familien mit drei oder mehr Kindern. Im Jahr 2015 waren laut Familienreport 25 Prozent von ihnen armutsgef&auml;hrdet.<\/p><p>Die Beispiele zeigen, dass Menschen auf unterschiedliche Wege in die Erwerbsarmut geraten: 1. durch ein niedriges Erwerbseinkommen in Verbindung mit (daf&uuml;r) zu geringen Ressourcen des Gesamthaushalts und 2. durch eine Haushaltskonstellation, in der das gesamte Haushaltseinkommen trotz eines an sich armutsfesten Erwerbseinkommens unterhalb der Armutsgrenze liegt. Steigende Lebenshaltungskosten, verursacht etwa durch <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/14_110740.htm\">stark gestiegene Aufwendungen f&uuml;r die Wohnungsmiete<\/a> tun ihr &Uuml;briges, dass viele Armutsgef&auml;hrdete regelm&auml;&szlig;ig feststellen m&uuml;ssen, dass am Ende des erarbeiteten Geldes noch zu viel Monat &uuml;brig ist. <\/p><p>So sehr es letztlich auf den Haushaltszusammenhang ankommt, mit Niedrigl&ouml;hnen, Minijobs oder kleiner Teilzeit ist niemand gut beraten. Ein Skandal ist es aber (bei aller Fragw&uuml;rdigkeit des traditionellen Ein-Ern&auml;hrer-Modells), dass Haushalte eine Existenz unterhalb der Grenze zur Armutsgef&auml;hrdung f&uuml;hren m&uuml;ssen, obwohl zumindest eine Person in Vollzeit erwerbst&auml;tig ist. Der Verweis auf eine dann eben zu niedrige Erwerbsbeteiligung im Haushalt verf&auml;ngt hier nicht, es sei denn, man k&uuml;ndigt offen das insgeheim l&auml;ngst gebrochene Versprechen der Sozialen Marktwirtschaft auf, das da hie&szlig;, Wohlstand f&uuml;r alle (mit Arbeit als zentralem Inklusionsmodus). De facto ist dieses (fr&uuml;her auch Rheinischer Kapitalismus genannte) Wirtschaftsmodell l&auml;ngst zerst&ouml;rt worden. Heute k&ouml;nnen sp&auml;tkapitalistische L&auml;nder wie Deutschland nicht mal mehr die blo&szlig;e Existenzsicherung durch Arbeit garantieren. Und der Wohlstand? Der hat sich l&auml;ngst in die oberen Etagen verfl&uuml;chtigt.<\/p><p>Unterdessen wird unverdrossen weiter gearbeitet, wenn es sein muss, und <a href=\"http:\/\/www.iab.de\/de\/informationsservice\/presse\/presseinformationen\/kb2217.aspx\">es muss immer h&auml;ufiger sein<\/a>, auch nach Feierabend im Nebenjob. Jeder ist schlie&szlig;lich seines eigenen Gl&uuml;ckes Schmied und harte Arbeit hat noch niemandem geschadet. Wie es scheint, ist die Arbeitsgesellschaft noch lange nicht am Ende. Im Lutherjahr b&ouml;te sich darob ein Nachdenken &uuml;ber die protestantische (Leistungs-) Ethik an. Aber das ist wieder eine andere Geschichte <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Markus Kr&uuml;semann<\/strong> ist Soziologe am Institut f&uuml;r Regionalforschung, G&ouml;ttingen und Betreiber des Infoportals <a href=\"http:\/\/www.miese-jobs.de\">miese-jobs.de<\/a>.<\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/e1d33a0870f347aea4229d013f48b841\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F&uuml;r die allermeisten Menschen ist Arbeit die wichtigste Einnahmequelle, um aus eigener Kraft den Lebensunterhalt zu bestreiten. Umso problematischer ist es, wenn immer mehr Erwerbsarbeiten auf Grund eines zu geringen Umfangs oder zu schlechter Entlohnung (nicht selten ist auch beides der Fall) die eigene Existenz oder die der Lebensgemeinschaft, in der man sich befindet, nicht<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40686\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[147,141,107,167,132],"tags":[2113,882,745,817,868,288,309,307,528],"class_list":["post-40686","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitslosgigkeit","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-audio-podcast","category-familienpolitik","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-alleinerziehende","tag-armutsgefaehrdung","tag-erwerbstaetige","tag-jobwunder","tag-mikrozensus","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-repressionen","tag-sanktionen","tag-soziale-marktwirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40686","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40686"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40686\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40741,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40686\/revisions\/40741"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40686"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40686"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40686"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}