{"id":40690,"date":"2017-10-20T13:31:45","date_gmt":"2017-10-20T11:31:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40690"},"modified":"2017-10-27T10:38:12","modified_gmt":"2017-10-27T08:38:12","slug":"die-kommerzialisierung-des-fernsehens-hat-die-deutsche-kultur-um-vieles-mehr-veraendert-als-hunderttausende-von-fluechtlingen-das-schaffen-koennten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40690","title":{"rendered":"Die Kommerzialisierung des Fernsehens hat die \u201edeutsche Kultur\u201c um vieles mehr ver\u00e4ndert, als Hunderttausende von Fl\u00fcchtlingen das schaffen k\u00f6nnten."},"content":{"rendered":"<div style=\"margin: 0 0 15px 15px; float: right;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/autor_mueller-1.jpg\" alt=\"Albrecht M&uuml;ller\" title=\"Albrecht M&uuml;ller\"><\/div><p>Von deutscher &bdquo;Kultur&ldquo; zu sprechen, ist ziemlich verwegen. Dennoch spielt das Wort im Denken und Reden mancher, die sich &uuml;ber die Folgen des Zuzugs von Fl&uuml;chtlingen und anderen Einwanderern Gedanken machen, eine Rolle. Da ist zum Beispiel in einer Mail an die NDS vom &bdquo;Niedergang der mitteleurop&auml;ischen und deutschen Kultur&ldquo; die Rede, so in Erinnerung an Cem &Ouml;zdemirs Einlassung &uuml;ber die &bdquo;deutsche Kultur&ldquo; aus Currywurst und Bier. Ich kann die Sorgen um den Niedergang mancher wertvollen Eigenheiten durchaus verstehen. Aber es gibt hausgemachte Ver&auml;nderungen und Zerst&ouml;rungen dessen, was man die Kultur unseres Landes und Volkes nennen k&ouml;nnte, die um vieles gravierender sind. Dazu z&auml;hlt vor allem die Kommerzialisierung und auch die Vermehrung der Fernseh- und H&ouml;rfunkprogramme und die Ausbreitung der elektronischen Kommunikation und damit gleichzeitig die Verringerung der personalen Kommunikation. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8003\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-40690-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171020_Kommerzialisierung_und_die_deutsche_Kultur_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171020_Kommerzialisierung_und_die_deutsche_Kultur_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171020_Kommerzialisierung_und_die_deutsche_Kultur_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171020_Kommerzialisierung_und_die_deutsche_Kultur_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=40690-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171020_Kommerzialisierung_und_die_deutsche_Kultur_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"171020_Kommerzialisierung_und_die_deutsche_Kultur_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Ab 1984, dem Beginn des Kommerzfunks, wurde die &bdquo;Kultur&ldquo; unseres Landes und der hier lebenden Deutschen deutlich ver&auml;ndert.<\/strong><\/p><p>Daf&uuml;r ein paar Belege:<\/p><ul>\n<li>Die &Ouml;ffentlich-Rechtlichen Sender, bis dahin immerhin ein gewisser Hort von Pluralit&auml;t und Information, haben sich im Kampf um die Einschaltquoten mit den kommerziellen Sendern in Programm und Informationsgehalt angepasst. Das hat die Basis einigerma&szlig;en demokratischer Willensbildung und damit ein wichtiges Element unserer politischen &bdquo;Kultur&ldquo; massiv besch&auml;digt.<\/li>\n<li>Die Ausbreitung der kommerziellen Programme ist mit Kommerz, Werbung, noch mehr Werbung und der &Ouml;ffnung f&uuml;r noch mehr Gewalt und vor allem auch eine gewaltt&auml;tige Sprache verbunden. Das kann man harmlos finden oder sogar wollen. Dann sollte man aber nicht so tun, als w&uuml;rde die &bdquo;Kultur&ldquo; Mitteleuropas vor allem von Fl&uuml;chtlingen bedroht.<\/li>\n<li>Die Dauer der Fernsehnutzung und der Nutzung elektronischer Medien anderer Art ist messbar angestiegen. In der folgenden Abbildung wird sichtbar, dass zu Beginn der Kommerzialisierung die durchschnittliche Fernsehdauer pro Tag bei 121 Minuten lag, 2015 dann bei 208 Minuten. Es waren 2 Stunden und sind jetzt gut dreieinhalb Stunden.<\/li>\n<\/ul><p>Entwicklung der durchschnittlichen Fernsehdauer pro Tag, Zuschauer ab 14 Jahren, in Minuten. Quelle: Reitze\/Ridder 2011, Engel\/Breunig 2015, S. 312. Bis 1990 nur Darstellung der alten Bundesl&auml;nder. ( <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/system\/files\/dokument_pdf\/1A-Entwicklung-der-durchschnittlichen-Fernsehdauer-pro-Tag.pdf\">Grafik als PDF zum Download<\/a> ) Lizenz:&nbsp;<a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/3.0\/de\/\">cc by-nc-nd\/3.0\/de\/<\/a> (bpb)<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171020-Kommerzialisierung-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171020-Kommerzialisierung-01-small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Bei jungen Menschen, 14-29 Jahre, hat sich die Nutzung von Fernsehen zugunsten des Internets verschoben. Das zeigt die folgende Abbildung:<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171020-Kommerzialisierung-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171020-Kommerzialisierung-02-small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Durchschnittliche t&auml;gliche Nutzungsdauer junger Menschen im Vergleich zur Gesamtbev&ouml;lkerung (2015). Quelle: Engel\/Breunig 2015, S. 312; (&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/system\/files\/dokument_pdf\/2A-Durschschnittliche-taegliche-nutzungsdauer-junger-menschen-im-vergleich-zur-gesamtbevoelkerung.pdf\">Grafik als PDF zum Download<\/a> ) Lizenz:&nbsp;<a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/3.0\/de\/\">cc by-nc-nd\/3.0\/de\/<\/a>&nbsp;(bpb)<\/p><p>Die 14- bis 29-j&auml;hrigen haben 2015 im Durchschnitt 144 Minuten das Fernsehen genutzt und 187 Minuten das Internet. Das macht zusammen 331 Minuten. Darin enthalten sind durchaus Minuten der Kommunikation und nicht alleine des Empfangs von Sendungen. Aber eindeutig ist eine starke Konzentration auf die elektronische Kommunikation festzustellen. 331 Minuten, also f&uuml;nfeinhalb Stunden, elektronische Kommunikation einschlie&szlig;lich des Fernsehens an einem Tag &ndash; wenn das die &bdquo;Kultur&ldquo; des Einzelnen und eines Volkes nicht ver&auml;ndert?!<\/p><p><strong>Die Kommerzialisierung unserer Medien und die Vermehrung der Programme ist nicht vom Himmel gefallen. Sie ist ab 1984 von Seiten der damaligen Regierung Kohl, der Union und FDP massiv mit Geld unterf&uuml;ttert worden. <\/strong><\/p><p>Milliarden DM &ndash; nach meiner Erinnerung mindestens 10 Milliarden DM &ndash; wurden f&uuml;r die Verkabelung in Fernsehverteilnetzen und f&uuml;r das Satellitenfernsehen ausgegeben. Die genauen Daten sind schwer zu ermitteln. Von Anfang an ist vertuscht worden, wie der Steuerzahler und der Geb&uuml;hrenzahler f&uuml;r Post und Telefon f&uuml;r das Vorantreiben der Kommerzialisierung genutzt worden ist. Von Seiten der Regierung wurden in der &ouml;ffentlichen Debatte nur die angeblichen Vorteile verk&uuml;ndet. Der Katzenjammer kam dann einige Zeit sp&auml;ter, als die wahren Konservativen in der Union merkten, was sie ihrer eigenen Welt von Werten, von Familie und Zusammenhalt mit der Kommerzialisierung und Programmvermehrung angetan hatten.<\/p><p>Seit 1978 hatten CDU und CSU zusammen mit den am kommerziellen Fernsehen und H&ouml;rfunk interessierten Firmen und Medienkonzern f&uuml;r die Programmvermehrung und damit f&uuml;r die Kommerzialisierung mobil gemacht. Sie haben die Regierung Schmidt der Technologiefeindlichkeit geziehen, weil diese nicht bereit war, &ouml;ffentliches Geld in technisch uninteressante Fernsehverteilnetze zu stecken. <\/p><p>Damals hat die Planungsabteilung des Bundeskanzleramtes, deren Leiter ich war, dem Bundeskanzler vorgeschlagen, kein Geld f&uuml;r die Verkabelung von elf St&auml;dten auszugeben, wie es die Union und der von ihr vereinnahmte SPD-Postminister Gscheidle forderten. Wir hatten uns in der Welt, zum Beispiel in den USA und in Belgien, wo die Verkabelung schon fortgeschritten war, umgesehen. Wir hatten mit sozialwissenschaftlichen Studien mit Hilfe des Sinus-Instituts in Heidelberg ermittelt, was die Erwartungen und Bef&uuml;rchtungen der Menschen sind, wenn nicht mehr nur drei Fernsehprogramme, sondern zehn und mehr zur Verf&uuml;gung stehen. Das waren interessante Studien. Sie ergaben eindeutig, dass damals die Mehrheit ein sensibles Gesp&uuml;r daf&uuml;r hatte, was auf sie und vor allem auf die Familien zukommt. <\/p><p>Der damalige Bundeskanzler Schmidt hat sich am 26. Mai 1978 in der &ouml;ffentlichen Debatte mit einem langen Essay <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/1978\/22\/Plaedoyer-fuer-einen-fernsehfreien-Tag\">in der &bdquo;Zeit&ldquo; engagiert<\/a>. Dieser hatte den provokanten Titel: &bdquo;<strong>Pl&auml;doyer f&uuml;r einen fernsehfreien Tag<\/strong>. Ein Ansto&szlig; f&uuml;r mehr Miteinander in unserer Gesellschaft.&ldquo; Anzumerken ist dazu: der etwas provozierende Haupttitel sollte dazu anreizen, den Essay zu lesen. Das haben auch viele getan. Und es gab erkennbar eine Mehrheit f&uuml;r Vorsicht mit der Programmvermehrung und ihrer Kommerzialisierung.<\/p><p>Wenn man die Sprache der heutigen Debatte um die kulturellen Folgen des Zuzugs von Menschen aus anderen L&auml;ndern benutzt, dann k&ouml;nnte man sagen: der damalige Bundeskanzler hat sich Gedanken &uuml;ber die Kultur in unserem Land gemacht. Und er hat die Sorge ge&auml;u&szlig;ert, dass die Kommerzialisierung und Vermehrung der Fernsehprogramme wichtige Elemente dieser Kultur zerst&ouml;ren w&uuml;rden.<\/p><p><strong>Damals hat sich die Bundesregierung offensichtlich noch um sogenannte &bdquo;weiche&ldquo; Themen gek&uuml;mmert. Es gibt keinen Grund, dies heute nicht auch zu tun. Nur deshalb erinnere ich an diesen Vorgang.<\/strong><\/p><p>Die Position von Schmidt war &uuml;brigens mehrheitsf&auml;hig. Er und seine Mitstreiter bekamen Unterst&uuml;tzung auch aus Kreisen der Union. So geh&ouml;rte zum Beispiel das CDU-Mitglied Bausch, Intendant des S&uuml;ddeutschen Rundfunks, zu einem kleinen Kreis von fachkundigen Mitstreitern. Auch Dr. Hubert Burda z&auml;hlte zu den Gegnern der Kommerzialisierung von Fernsehen und Rundfunk. Aber das hat sich sp&auml;ter ver&auml;ndert.<\/p><p>Schmidt hat seinen Widerstand &uuml;brigens bis zum Ende seiner Regierungszeit im September 1982 durchgehalten. Die Regierung Kohl und insbesondere der damalige Postminister Schwarz-Schilling haben dann alle Hebel in Bewegung gesetzt, um der Kommerzialisierung auch mit &ouml;ffentlichem Geld den Weg zu bereiten. Das war eine mit Steuergeld bewirkte Besch&auml;digung der &bdquo;Deutschen Leitkultur&ldquo;. Das sollten die rechten und konservativen Kreise unseres Volkes mal bedenken, wenn sie sich heute ihre Gedanken &uuml;ber die &bdquo;deutsche Kultur&ldquo; machen. Falls sie sich &uuml;berhaupt Gedanken machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"margin: 0 0 15px 15px; float: right;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/autor_mueller-1.jpg\" alt=\"Albrecht M&uuml;ller\" title=\"Albrecht M&uuml;ller\"\/><\/div>\n<p>Von deutscher &bdquo;Kultur&ldquo; zu sprechen, ist ziemlich verwegen. Dennoch spielt das Wort im Denken und Reden mancher, die sich &uuml;ber die Folgen des Zuzugs von Fl&uuml;chtlingen und anderen Einwanderern Gedanken machen, eine Rolle. Da ist zum Beispiel in einer Mail an die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40690\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,41,161],"tags":[313,1255,1055,295,1588,399],"class_list":["post-40690","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-medienanalyse","category-wertedebatte","tag-oerr","tag-einschaltquote","tag-fluechtlinge","tag-kohl-helmut","tag-private-medien","tag-schmidt-helmut"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40690","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40690"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40690\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40709,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40690\/revisions\/40709"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40690"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40690"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40690"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}