{"id":40693,"date":"2017-10-21T11:00:03","date_gmt":"2017-10-21T09:00:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40693"},"modified":"2018-12-30T17:42:37","modified_gmt":"2018-12-30T16:42:37","slug":"bolivien-der-rohstoff-kapitalismus-des-evo-morales-und-der-aufstieg-der-ausgestossenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40693","title":{"rendered":"Bolivien \u2013 Der Rohstoff-Kapitalismus des Evo Morales und der Aufstieg der Ausgesto\u00dfenen"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171021-Bolivien-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>S&uuml;damerika h&auml;ngt wirtschaftlich im Schlepptau, doch Bolivien boomt. In den zw&ouml;lf Jahren der Regierung Evo Morales wurde der Energiesektor in kluger und effizienter Weise nationalisiert, der Gewinnanteil des Staates an der Erd&ouml;l- und Gasf&ouml;rderung von 16,8 Prozent auf 50 bis 82 Prozent erh&ouml;ht und die extreme Armut mit daraus finanzierten, sozialen Umverteilungsprogrammen von 38,2 Prozent auf 16,8 Prozent gesenkt. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nMit nachhaltigem Wirtschaftswachstum, das die UN-Wirtschaftskommission f&uuml;r Lateinamerika und die Karibik (Cepal) f&uuml;r 2017 mit 4,0 Prozent prognostiziert, geh&ouml;rt Bolivien mit kleineren Karibik-Staaten wie Panam&aacute; (5,6 Prozent) und der Dominikanischen Republik (5,3 Prozent) zu den Spitzenreitern des Bruttoinlandsprodukts (&bdquo;Cepal ratifica un crecimiento econ&oacute;mico del 4% para Bolivia en 2017&ldquo; &ndash; Los Tiempos, 03.08.2017), was sich &auml;u&szlig;erst positiv auf die Besch&auml;ftigungslage auswirkte, denn mit 4,1 Prozent erzielte das Andenland auch die niedrigste Arbeitslosenquote Lateinamerikas. <\/p><p>Zusammengenommen nicht wenig f&uuml;r ein Land, in dem die soziale Ungleichheit zwischen den superreichen 10 Prozent und den &bdquo;&uuml;brigen&ldquo; 90 Prozent der Bev&ouml;lkerung seit dem Amtsantritt Morales&acute; vom 128-fachen auf das zwar nach wie vor ungerechte, doch erstaunliche 37-fache Mehreinkommen abgebaut wurde. <\/p><p>Verbalradikal wie Hugo Ch&aacute;vez, doch in der &Ouml;konomie ein Pragmatiker wie der brasilianische Ex-Pr&auml;sident Luis In&aacute;cio Lula da Silva, zelebriert Evo Morales Ayma, bolivianischer Staatschef seit Januar 2006, den Erfolg seines &bdquo;extraktiven Kapitalismus&ldquo;, wenngleich in riskanter Abh&auml;ngigkeit von der Preisachterbahn der internationalen Rohstoffb&ouml;rsen. <\/p><p>Ferner &uuml;berraschte der ehemalige Gewerkschaftsf&uuml;hrer der Coca-Bauern seine Landsleute mit einem nicht weniger relevanten Rekord: die politische Stabilit&auml;t, ein Ph&auml;nomen mit Seltenheitswert in Bolivien. <\/p><p>Von 1825 bis 2005 wurde das Land von 83 Pr&auml;sidenten mit einer durchschnittlichen Amtszeit von maximal zwei Jahren regiert, von denen die meisten durch Staatsstreiche verjagt wurden. Morales und seine Partei &bdquo;Bewegung f&uuml;r den Sozialismus&ldquo; (MAS) belebten jedoch auch die Demokratie mit 47 Volksabstimmungen in weniger als 12 Regierungsjahren; eine in der Geschichte der Anden-Republik nie zuvor erlebte, direkte politische Mitsprache und Mitwirkung ihrer B&uuml;rger.<\/p><p>Auf den Punkt gebracht: W&auml;hrend der Amtszeit Evo Morales&acute; findet eine Art Neugr&uuml;ndung der Republik Bolivien statt, die sich seit der 2009 angenommenen, neuen Verfassung &bdquo;Plurinationaler Staat Bolivien&ldquo; nennt. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171021-Bolivien-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p><strong>Indigenes &bdquo;empowerment&ldquo;<\/strong><\/p><p>Am 18. Dezember 2005 wurde der politische Aktivist und ehemalige Gewerkschaftsf&uuml;hrer der Coca-Bauern Boliviens, Evo Morales Ayma, mit 53,7 Prozent gegen 28,6 Prozent der Stimmen seines Herausforderers Jorge Quiroga zum ersten Mal in der 200-j&auml;hrigen Geschichte der Republik Boliviens als Vertreter der indigenen Mehrheit zum Staatspr&auml;sidenten gew&auml;hlt. Am 21. Januar 2006 war er in der mythologischen Aymara-Hauptstadt Tiwanaku w&auml;hrend einer Zeremonie f&uuml;hrender Aymara-Priester mit dem Ehrentitel Jacha Mallku (Gro&szlig;er Condor) zur h&ouml;chsten F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeit der indigenen V&ouml;lker vereidigt worden. <\/p><p>Als er am Tag darauf in La Paz seine Antrittsansprache h&auml;lt, ruft er zu einer Schweigeminute f&uuml;r die &bdquo;M&auml;rtyrer der Befreiung&rdquo; auf. Was als pathetische &Uuml;berziehung missverstanden werden konnte, offenbarte sich rasch als Schl&uuml;sselbegriff seines Mandats: das Konzept der &bdquo;Entkolonialisierung&rdquo;.<\/p><p>&bdquo;&hellip;Wir sind hier, um unsere Geschichte zu &auml;ndern, die indigene Bewegung ist kein Zugest&auml;ndnis von irgendjemandem. Niemand hat sie uns geschenkt, sie ist das Bewusstsein unseres Volkes&ldquo;, betont er bei dieser Gelegenheit. <\/p><p>Folgerichtig gelingt es der Parlamentsmehrheit, angef&uuml;hrt von Morales&acute; Partei &bdquo;Bewegung f&uuml;r den Sozialismus&ldquo; (MAS), nach der massiven Zustimmung durch ein Referendum 2009 eine neue Verfassung zu verabschieden. Artikel 9 der neuen Charta greift den Entkolonialisierungsbegriff auf und fordert die Gr&uuml;ndung einer Gesellschaft &bdquo;ohne Diskriminierung oder Ausbeutung, mit vollkommener sozialer Gerechtigkeit und der Festigung plurinationaler Identit&auml;ten&ldquo;. <\/p><p>Der Verfassungstext erhebt den Anspruch der indigenen Mehrheit, das Land als Staat der<br>\nsozialen Einheit und des pluralen Gemeinschaftsrechts &bdquo;wiederzuentdecken&ldquo; und neu zu gr&uuml;nden. Morales und die neue Verfassung sprachen den 60 Prozent der Bolivianer indigener Identit&auml;t aus dem Herzen und sie sicherten ihm massive Unterst&uuml;tzung. Im Jahr 2008 hatte er das Abberufungsreferendum gewonnen, dem 2009 und 2014 seine Wiederwahl zum Pr&auml;sidenten mit ann&auml;hernd 60 Prozent der Stimmen folgte.<\/p><p><strong>El Alto &ndash; Sozialer Aufstieg und &bdquo;Aymara-Bourgeoisie&ldquo;<\/strong><\/p><p>Hochburg der Morales-Anh&auml;ngerschaft ist die &uuml;ber der administrativen Hauptstadt La Paz auf 4.000 Metern &uuml;ber dem Meeresspiegel ragende Trabantensiedlung El Alto, die hunderttausenden vom Anden-Hochland zugewanderten Aymaras als Schlafstadt diente.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171021-Bolivien-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Mit knapp einer Milllion Einwohnern ist El Alto seit Mai 2014 mit La Paz durch ein umweltfreundliches Seilbahn-System der &ouml;sterreichisch-schweizerischen Gruppe Doppelmayr verbunden, was als &bdquo;Begegnung zweier Welten&ldquo; bezeichnet wird, n&auml;mlich zwischen den ehemaligen, indigenen Underdogs und den glitzernden Wohnbezirken der wohlhabenden, wei&szlig;en Upperclass und ihren Einkaufszentren.<\/p><p>Nicht nur hatte die Seilbahn eine beachtliche Entlastung des nahezu kollabierenden Busverkehrs zur Folge, sie kann auch als Parabel des sozialen Wandels und als Emblem des neuen Aymara-Bewusstseins gedeutet werden. Zum Fahrpreis von umgerechnet 35 Cent f&uuml;r 75.000 Fahrg&auml;ste pro Linie und Tag bef&ouml;rdern die f&uuml;nf Seilbahnlinien seitdem 2,7 Millionen Fahrg&auml;ste im Jahr, von denen in El Alto 85 Prozent keinen eigenen PKW besitzen.<\/p><p>Bekannt f&uuml;r seinen Volksmarkt formierte sich in El Alto in den vergangenen Jahren eine sogenannte &bdquo;neue Wirtschaftselite&rdquo;. Nico Tassi, in Gro&szlig;britannien ausgebildeter Sozialethnologe und Aymara-Experte, erkl&auml;rt das Neureichen-Ph&auml;nomen mit dem Auftritt &bdquo;von Volksgruppen, die sich innerhalb des globalen kapitalistischen Kreislaufs unter pers&ouml;nlichem Einsatz an einer &Ouml;konomie beteiligen, aus der sie historisch ausgeschlossen waren&rdquo;. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171021-Bolivien-07.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Der pers&ouml;nliche Einsatz h&auml;ngt jedoch sehr davon ab, wie die Akteure untereinander agieren. So werden beispielsweise Manager der gr&ouml;&szlig;ten Banken des Landes als G&auml;ste zu einschl&auml;gigen Aymara-Feierlichkeiten eingeladen, womit &bdquo;Bruderschaften&ldquo; oder kumpelhafte Bindungen hergestellt werden, die allerdings kaum etwas mit der traditionellen Beziehung zwischen Kunden und Lieferanten zu tun haben.<\/p><p>Erwiesen ist andererseits, dass der Massenimport von chinesischer Billigware wohl ein entscheidender Hebel f&uuml;r den Aufstieg der indigenen Wirtschaftselite war, die sich in El Alto mit dem neuen Aymara-Baustil des Stararchitekten Freddy Mamani &auml;sthetische Eigendenkm&auml;ler setzt.<\/p><div style=\"float: right; margin : 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171021-Bolivien-06.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>In La Paz ist die &bdquo;Aymara-Bourgeoisie&ldquo; nicht nur an den als &bdquo;Cholets&rdquo; genannten, farbenfrohen Bauten mit einheimischen Motiven, sondern auch am boomenden PKW-Handelsmarkt, der rasanten Akquirierung von Luxuswohnungen in teuren Stadtvierteln und an der stetigen Erweiterung ihrer Handelsketten erkennbar, die f&uuml;r <a href=\"https:\/\/theculturetrip.com\/south-america\/bolivia\/articles\/from-rags-to-riches-meet-the-new-bolivian-upperclass-who-have-overcome-poverty\/\">Schlagzeilen in internationalen Medien<\/a> sorgte.<\/p><p>In seiner Studie mit dem Titel &bdquo;Kohle ohne Kohle erzeugen&rdquo; weist Tassi darauf hin, dass sich die Bankeinlagen der Aymara-Elite zwischen 2004 und 2012 von 2,5 Milliarden Dollar auf rund 10 Milliarden Dollar vervierfacht haben, w&auml;hrend im gleichen Zeitraum ihr Kreditportfolio von 2,4 Milliarden Dollar auf 7,6 Milliarden Dollar <a href=\"http:\/\/www.probdes.iiec.unam.mx\/numeroenpdf\/185_v47\/10res_Parra.pdf\">anstieg (PDF)<\/a>.<\/p><p><strong>Das Dilma-Rousseff-Syndrom oder wie lange h&auml;lt das Klassenb&uuml;ndnis?<\/strong><\/p><p>&bdquo;Affe!&rdquo;, &bdquo;M&ouml;chtegern-Diktator!&rdquo; und &bdquo;Seine Exzellenz, der M&ouml;rder&ldquo;&rdquo;.<br>\nMit rassistischen und diffamierenden Beschimpfungen wie diesen wurde Pr&auml;sident Evo Morales noch vor einem Jahrzehnt in Santa Cruz, der landwirtschaftlichen Hochburg und Hauptstadt des <em>Oriente<\/em> genannten &ouml;stlichen Landesteils, bezeichnet.  <\/p><p>Bis vor wenigen Jahren vermieden auch Aymaras und Quechuas, die Kern-Ethnien Boliviens, die <em>Plaza de Armas<\/em>, den Hauptplatz von Santa Cruz, mit ihrer bunten Trachtenkleidung zu passieren. Es war nicht ungew&ouml;hnlich, dass wei&szlig;e Krawallmacher sie festhielten und ihnen Gewalt antaten. Selbstverst&auml;ndlich waren sie die Gr&uuml;ndungsv&ouml;lker in diesen Breitengraden, jedoch galten sie 500 Jahre lang als die dunkelh&auml;utigen, armen <em>Underdogs<\/em>.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171021-Bolivien-05.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Gleichwohl trat 2014, nach der zweiten Wiederwahl Morales&acute;, die unvermeidliche Wende ein. In der gleichen Stadt, wo er bis 2005 nicht landen durfte &ndash; weil sofort nach Bekanntwerden, dass sich das Pr&auml;sidentenflugzeug Santa Cruz n&auml;herte, militante Gruppen der extremen Rechten den Flughafen mit Androhung von Repressalien umstellten &ndash; wurde der indianische Pr&auml;sident pl&ouml;tzlich von einer jubelnden Menschenmenge empfangen.<\/p><p>Unerwartetes Lob erntete Morales nun auch von Julio Roda, Vorsitzender der machtvollen Landwirtschaftskammer Ost-Boliviens (CAO), und vom Bolivianischen Institut f&uuml;r Au&szlig;enhandel (IBCE). &bdquo;Obwohl der General <em>(sic!)<\/em> ein gro&szlig;er, pers&ouml;nlicher Freund war, glaube ich, dass Pr&auml;sident Evo &hellip; und auch Vizepr&auml;sident Alvaro Garcia Linera sich f&uuml;r die Landwirte stark eingesetzt haben&ldquo;, erkl&auml;rte Roda und w&uuml;rdigte die spektakul&auml;ren Gewinne der Viehz&uuml;chter und Soja-Exporteure dank der F&ouml;rderung durch die Regierung des indigenen Sozialisten Evo Morales. Immerhin, so Roda, habe der bolivianische Osten 2015 nicht weniger als zwei Millionen Tonnen Getreide f&uuml;r den Gegenwert von einer Milliarde Dollar exportiert und damit 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaftet (&bdquo;Productores reconocen que Evo hizo mucho por Santa Cruz&ldquo; &ndash; El Mundo, 26.06.2016).<\/p><p>Damit man sich ein Bild von der Vergangenheit der wei&szlig;en Gro&szlig;grundbesitzer-Oligarchie von Santa Cruz machen kann, der Evo Morales als Staatschef notgedrungen die Hand zum Gru&szlig; anbieten muss, sei erkl&auml;rt, wen Roda mit &bdquo;General&ldquo; und Freund meinte. Es war Diktator Hugo Banzer Su&aacute;rez, dem aus Santa Cruz stammenden Enkel des Osnabr&uuml;cker Einwanderers Georg Banzer, der sich als General 1971 an die Macht putschte, sein erstes Pr&auml;sidentenmandat mit drakonischer Gewaltanwendung bis 1978 aus&uuml;bte und seine  zweite Amtszeit (1997-2001) durch regul&auml;re Wahlen erlangte<\/p><p>Menschenrechts-Organisationen sch&auml;tzten, dass w&auml;hrend Banzers erster Amtsperiode 150 politische Gefangene entf&uuml;hrt wurden und f&uuml;r ewig von der Bildfl&auml;che verschwanden; allem Anschein nach ermordet wurden. Jahre nach Banzers Tod (2002) wurden in La Paz Folterzellen und menschliche Skelette in den Kellern des sp&auml;teren Innenministeriums gefunden (Hidden cells reveal Bolivia&rsquo;s dark past &ndash; BBC, 05.03.2009).<\/p><p>Indes macht das Lob Rodas deutlich, dass mit Morales alle gewonnen haben, selbstverst&auml;ndlich auch die alteingesessenen Gro&szlig;grundbesitzer und die Banken. Dass nun mindestens 60 Prozent der Bolivianer soziale Mobilit&auml;t und materiellen Aufstieg erfahren und eine neue, sogenannte &bdquo;Aymara-Bourgeoisie&ldquo; die politische, gesellschaftliche und kulturelle B&uuml;hne betreten hat, ist dieser mit allen vorangegangenen Milit&auml;rdiktaturen verb&uuml;ndeten Oligarchie allerdings ein Dorn im Auge.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171021-Bolivien-04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Am 26. Oktober 2019 ist die n&auml;chste Pr&auml;sidentschaftswahl f&auml;llig. Am Tag darauf soll Evo Morales seinen Stuhl r&auml;umen und f&uuml;r ewig seinen Hut nehmen. So w&uuml;nschen es Santa Cruz und die konservative wei&szlig;e Minderheit im Lande und hecken bereits zwei Jahre davor aus, wie eine vierte Amtszeit des Mannes verhindert werden kann, der Bolivien ein neues Gesicht gab. <\/p><p>Anfang 2016 erlitt Evo Morales allerdings um Haaresbreite eine Niederlage im Referendum &uuml;ber die von ihm beanspruchte dritte Wiederaufstellung zur Pr&auml;sidentschaftswahl. Da das Oberste Verfassungsgericht den Volksentscheid nachtr&auml;glich au&szlig;er Kraft setzte, sieht sich der Pr&auml;sident auch mit erheblicher Gegnerschaft in den eigenen Reihen konfrontiert. Verb&uuml;ndete warnen davor, Morales k&ouml;nne vom sogenannten Dilma-Rousseff-Syndrom, n&auml;mlich der einseitigen Aufk&uuml;ndigung des bestehenden Klassenb&uuml;ndnisses, eingeholt werden.<\/p><p>Nach der politischen Quarant&auml;ne des Wirtschaftswachstums zwischen 2004 und 2010 und der Abfederung der sozialen K&auml;mpfe verlor ein &auml;hnlicher, von Pr&auml;sident Luis In&aacute;cio Lula da Silva mit den herrschenden Klassen in Brasilien ausgehandelter und von seiner Nachfolgerin Dilma Rousseff weitergef&uuml;hrter Pakt Ende 2014 seine Daseinsberechtigung und gipfelte Mitte August 2016 im parlamentarischen Putsch gegen die Staatschefin.<\/p><p>Sobald Engp&auml;sse den Win-Win-Effekt schm&auml;lern, reagieren die konservativen politischen Bl&ouml;cke mit der Androhung von Repressalien und &bdquo;befehlen&ldquo; progressiven Regierungen, keine &Uuml;bersch&uuml;sse mehr zu verteilen. <\/p><p>Auch wenn der seit 2015 anhaltende 22,8-prozentige R&uuml;ckgang der bolivianischen Deviseneinahmen erwiesenerma&szlig;en vom generellen, weltweiten Preiseinbruch der Handelswaren bewirkt wurde, k&ouml;nnte die traditionelle, rechtsgerichtete Elite dies und Morales&acute; Anspruch auf eine vierte Amtsperiode zum Anlass f&uuml;r eine Destabilisierungskampagne nehmen, um sich vorzeitig vom ersten, erfolgreichen indigenen Pr&auml;sidenten zu entledigen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171021-Bolivien-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>S&uuml;damerika h&auml;ngt wirtschaftlich im Schlepptau, doch Bolivien boomt. In den zw&ouml;lf Jahren der Regierung Evo Morales wurde der Energiesektor in kluger und effizienter Weise nationalisiert, der Gewinnanteil des Staates an der Erd&ouml;l- und Gasf&ouml;rderung von 16,8 Prozent auf 50 bis 82 Prozent erh&ouml;ht und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40693\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[124,20,30],"tags":[1692,1815,2186,374,2196,1792,1507,1337,826,1943,687,2128,1464],"class_list":["post-40693","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-demokratie","category-landerberichte","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-agrarwirtschaft","tag-oepnv","tag-bolivien","tag-eliten","tag-indigene-voelker","tag-kolonialismus","tag-morales-evo","tag-oligarchen","tag-rassismus","tag-rousseff-dilma","tag-ungleichheit","tag-verfassung","tag-volksabstimmung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40693","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40693"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40693\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48117,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40693\/revisions\/48117"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40693"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40693"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40693"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}