{"id":40701,"date":"2017-10-22T10:00:03","date_gmt":"2017-10-22T08:00:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40701"},"modified":"2017-10-20T14:22:44","modified_gmt":"2017-10-20T12:22:44","slug":"hinweise-der-woche-35","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40701","title":{"rendered":"Hinweise der Woche"},"content":{"rendered":"<p>Am Wochenende pr&auml;sentieren wir Ihnen einen &Uuml;berblick &uuml;ber die lohnenswertesten Beitr&auml;ge, die wir im Laufe der vergangenen Woche in unseren Hinweisen des Tages f&uuml;r Sie gesammelt haben. Nehmen Sie sich ruhig auch die Zeit, unsere werkt&auml;gliche Auswahl der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=19\">Hinweise des Tages<\/a> anzuschauen. Wenn Sie auf &ldquo;weiterlesen&rdquo; klicken, &ouml;ffnet sich das Angebot und Sie k&ouml;nnen sich aussuchen, was Sie lesen wollen. (JB)<br>\n<!--more--><br>\nHier die &Uuml;bersicht; Sie k&ouml;nnen mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert:<\/p><ol>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40701#h01\">EU-Gipfel: R&uuml;ckendeckung f&uuml;r die &bdquo;Nuklearoption&ldquo; in Spanien<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40701#h02\">Macrons Verm&ouml;genssteuer: Der Staat verzichtet auf 3,2 Milliarden<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40701#h03\">Mord im Steuerparadies Malta &ndash; Legal, illegal, lukrativ<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40701#h04\">Ungleichheit bei Einkommen und Arbeitsentgelten nimmt zu<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40701#h05\">Mehr Sozialstaat wagen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40701#h06\">Ungleichheit, politisch gewollt<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40701#h07\">Monopoly in Prenzlauer Berg &ndash; Was geschieht, wenn die Mittelschicht verdr&auml;ngt wird?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40701#h08\">Prof. Raffke_h&uuml;schen &ndash; stets zu Diensten<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40701#h09\">Ein Vorsto&szlig; zur &bdquo;Entlastung&ldquo; der Arbeitgeber beim Mindestlohn &ndash; ein Vorgeschmack auf das, was von einer Jamaika-Koalition sozialpolitisch zu erwarten ist?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40701#h10\">Hilfe, Nazis! Wie die deutsche &Ouml;ffentlichkeit die neuen Rechten gross macht<\/a><\/li>\n<\/ol><p><em><strong>Vorbemerkung:<\/strong> Urspr&uuml;nglich hatten wir geplant, in unserer Wochen&uuml;bersicht auch auf die lohnenswertesten redaktionellen Beitr&auml;ge der NachDenkSeiten zu verweisen. Wir haben jedoch schnell festgestellt, dass eine daf&uuml;r n&ouml;tige Vorauswahl immer damit verbunden ist, Ihnen wichtige Beitr&auml;ge vorzuenthalten. Daher m&ouml;chten wir Ihnen raten, am Wochenende doch einfach die Zeit zu nutzen, um sich unsere Beitr&auml;ge der letzten Wochen (noch einmal) anzuschauen. Vielleicht finden Sie dabei ja noch den einen oder anderen Artikel, den es sich zu lesen lohnt. Wenn Sie diese &Uuml;bersicht f&uuml;r hilfreich halten, dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&ouml;glichkeit der schnellen Information hin.<\/em><\/p><ol>\n<li><a name=\"h01\"><\/a><strong>EU-Gipfel: R&uuml;ckendeckung f&uuml;r die &bdquo;Nuklearoption&ldquo; in Spanien<\/strong><br>\nMerkel stellt sich hinter Premier Rajoy. Auch beim Brexit und in der T&uuml;rkei-Frage mischte sich Merkel ein &ndash; allerdings ganz anders, als erwartet<br>\nDie ganz hei&szlig;en Eisen stehen traditionell nicht auf dem Programm des EU-Gipfels. Auch der Herbstgipfel, der am Donnerstag in Br&uuml;ssel begann, machte da keine Ausnahme. Kanzlerin Angela Merkel und die 27 anderen &bdquo;Leader&ldquo; sprachen &uuml;ber Gott und die Welt. Brexit, Migration, Verteidigung, Handel, digitale Wirtschaft, Iran und Nordkorea haben es auf die offizielle Agenda geschafft. Doch die gr&ouml;&szlig;te Krise, die Europa gerade umtreibt, stand nicht auf der Tagesordnung. Den Konflikt zwischen Katalonien und Spanien hatte Gipfelchef Donald Tusk sorgf&auml;ltig ausgespart. [&hellip;]<br>\nRajoy m&ouml;chte offenbar Artikel 155 der spanischen Verfassung anwenden, was in Br&uuml;ssel als &bdquo;Nuklearoption&ldquo; gehandelt wird, also als gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche Eskalationsstufe.<br>\nVerk&uuml;nden m&ouml;chte er seine Entscheidung aber erst am Samstag, also einen Tag nach dem EU-Gipfel. Dieses Timing d&uuml;rfte kein Zufall sein. Denn so kann Rajoy die EU, die ohnehin schon fast geschlossen hinter ihm steht, noch effektiver vor seinen Karren spannen. Nun kann er den Katalanen nicht nur damit drohen, dass sie nach einer Sezession in Europa isoliert w&auml;ren &ndash; kein EU-Staat w&auml;re bereit, ein unabh&auml;ngiges Katalonien anzuerkennen.<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/EU-Gipfel-Rueckendeckung-fuer-die-Nuklearoption-in-Spanien-3865892.html\">Eric Bonse auf Telepolis<\/a>\n<p><strong>dazu: Die EU m&uuml;sste in Spanien vermitteln<\/strong><br>\nDie EU muss zwischen Madrid und Barcelona vermitteln &ndash; und zwar schnell. Absurd ist, dass die Krise in Spanien zwar brisant, aber gerade durch die EU zu l&ouml;sen w&auml;re.<br>\nDie EU-Spitze muss den Konflikt und die Interessen der Katalanen ernst nehmen, wenn sie in einer R&uuml;ckkehr zu einem Flickenteppich kleiner Nationalstaaten nicht die Zukunft Europas sieht. Erkennt Madrid, dass die EU die zwei bis drei Millionen spanienkritischen Katalanen nicht mehr als &bdquo;Separatisten&ldquo; verunglimpft, wird es Gespr&auml;chen mit Barcelona zustimmen &ndash; auch dann, wenn die Anwendung des umstrittenen Verfassungsartikels 155 die Zwangsverwaltung Kataloniens eingeleitet hat. Denn die ist auf Dauer sowieso nur Symbol, im Zweifel reichen daf&uuml;r 4000 Bundesbeamten, ja auch die Armee nicht: Oder sollen streikende Polizisten, Staatsdiener und Hafenarbeiter mit Waffengewalt zur Arbeit gezwungen werden? Wer eine Union &ndash; also Einheit &ndash; will, sollte das gerade dann beweisen k&ouml;nnen, wenn diese zu zerrei&szlig;en droht. Weil die n&ouml;tigen Instrumente da sind, ist selbst nach diesem Donnerstag noch Zeit.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/kampf-um-katalonien-die-eu-muesste-in-spanien-vermitteln\/20480786.html\">Tagesspiegel<\/a>\n<\/p><\/li>\n<li><a name=\"h02\"><\/a><strong>Macrons Verm&ouml;genssteuer: Der Staat verzichtet auf 3,2 Milliarden<\/strong><br>\nRein rechnerisch &ndash; und darin sind sich alle einig &ndash; l&auml;uft Macrons Reform der Verm&ouml;genssteuer auf ein Fazit hinaus, das bekannt ist: &bdquo;Es profitieren haupts&auml;chlich die Reichen.&ldquo; Interessant ist die Verpackung des Geschenks aus dem Elys&eacute;epalast. &bdquo;Ich mag den Neid nicht&ldquo;, sagte Macron am Montagabend zur Kontroverse &uuml;ber die neue ISF (imp&ocirc;t de solidarit&eacute; sur la fortune), die auf Deutsch mit &bdquo;Solidarit&auml;tssteuer auf das Verm&ouml;gen&ldquo; wiedergegeben werden kann. (&hellip;) Der alles &uuml;berragende Vorteil liegt allerdings bei den Personen mit Finanzverm&ouml;gen, das k&uuml;nftig nicht mehr unter die Verm&ouml;gensteuer f&auml;llt. In Frankreich besitzen etwa 300.000 Haushalte ein Verm&ouml;gen, das h&ouml;her als 2 Millionen Euro ist, der Anteil der Finanzanlagen betr&auml;gt bei ihnen 70 Prozent und bei den Superreichen 90 Prozent. Der H&ouml;chststeuersatz f&uuml;r Einkommen aus &bdquo;Dividenden und Zinsen&ldquo; betr&auml;gt 30 Prozent, bei Geh&auml;ltern und Einkommen betr&auml;gt er 55 Prozent, weshalb Piketty die Verm&ouml;genssteuerreform und andere Steuergeschenke auf Gesamtkosten von mehr als 5 Milliarden Euro sch&auml;tzt. F&uuml;r ihn ist das ein Fehler &bdquo;historischen Ausma&szlig;es&ldquo;.<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Macrons-Vermoegenssteuer-Der-Staat-verzichtet-auf-3-2-Milliarden-3863931.html\">Telepolis<\/a>\n<\/li>\n<li><a name=\"h03\"><\/a><strong>Mord im Steuerparadies Malta &ndash; Legal, illegal, lukrativ<\/strong><br>\nDie ermordete maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia hat zu Steuertricks recherchiert. Niedrige Steuern sind das Gesch&auml;ftsmodell des Landes. [&hellip;]<br>\nMalta ist eigentlich ein armes Land. Die wichtigste Branche ist der Tourismus, und au&szlig;erdem befindet sich noch Europas zweitgr&ouml;&szlig;te Werft auf der Insel. Um zus&auml;tzliche Einnahmen zu generieren, setzt Malta daher auf das Konzept &bdquo;Briefkastenfirmen&ldquo;.<br>\nDas Angebot ist verlockend: Malta verlangt eine K&ouml;rperschaftssteuer von nur rund 5 Prozent. Da lohnt es sich f&uuml;r internationale Konzerne, eine Tochter in Malta zu gr&uuml;nden.<br>\nMehr als 1.600 deutsche Unternehmen haben sich eine Filiale in Malta zugelegt. Dazu geh&ouml;ren etwa BASF, die Autovermietung Sixt, der D&uuml;ngelmittelhersteller K + S, aber auch der Flughafenbetreiber Fraport, der mehrheitlich dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt geh&ouml;rt.<br>\nDer Trick ist immer der gleiche: Die Gewinne werden nach Malta verlagert, indem die Tochterfirma fiktive Kosten berechnet &ndash; sei es f&uuml;r Patente, Lizenzen oder Kreditzinsen. Wie die maltesische Tageszeitung &bdquo;Malta Today&ldquo; berechnet hat, wurden 2015 Unternehmensgewinne in H&ouml;he von vier Milliarden Euro durch Malta geschleust. Normalerweise w&auml;ren darauf Steuern von etwa 1,7 Milliarden Euro entfallen &ndash; doch der maltestische Staat begn&uuml;gte sich mit 250 Millionen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Mord-im-Steuerparadies-Malta\/!5455716\/\">Ulrike Herrmann in der taz<\/a>\n<\/li>\n<li><a name=\"h04\"><\/a><strong>Ungleichheit bei Einkommen und Arbeitsentgelten nimmt zu<\/strong><br>\nAuch wenn manche j&uuml;ngere Studie eher eine Stagnation feststellen will, ist der langfristige Trend doch eindeutig: Die Ungleichheit bei den Einkommen insgesamt wie auch bei den Entgelten abh&auml;ngig Besch&auml;ftigter nimmt zu. Ein kurzer &Uuml;berblick. [&hellip;]<br>\nDass sich die Schere bei den verf&uuml;gbaren Einkommen weiter ge&ouml;ffnet hat, liegt auch an einer abnehmenden Wirksamkeit der staatlichen Umverteilung (Anselmann\/Kr&auml;mer 2012; Schratzenstaller 2013; Schmid\/Stein 2013). Unter anderem haben verschiedene steuerpolitische Beschl&uuml;sse die umverteilende Wirkung des Steuer- und Abgabensystems reduziert. W&auml;hrend man hohe Einkommen tendenziell entlastete, wurden kleine und mittlere Einkommen im Zeitverlauf immer st&auml;rker belastet. So hat insbesondere die rot-gr&uuml;ne Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schr&ouml;der (SPD) die Progressivit&auml;t der pers&ouml;nlichen Einkommensbesteuerung reduziert, wovon hohe Einkommen insbesondere nach der Jahrtausendwende &uuml;berdurchschnittlich profitierten. Mit der im Jahr 2009 eingef&uuml;hrten Abgeltungssteuer deckelte man die relative H&ouml;he der Besteuerung von Kapitaleinkommen. Eine Verm&ouml;gensteuer wurde in Deutschland schon seit Ende der 1990er Jahre gar nicht mehr erhoben. Zugleich hat man die Umsatzsteuers&auml;tze mehrfach erh&ouml;ht, was relativ zum Einkommen insbesondere niedrige und mittlere Einkommen sowie Lohn- und Transfereinkommen traf (Schratzenstaller 2013). Insgesamt stieg die durchschnittliche Besteuerung (durch direkte und indirekte Steuern) der zehn Prozent mit dem geringsten bedarfsgewichteten Haushaltsbruttoeinkommen zwischen 1998 und 2015 von 17,7 Prozent auf 23,1 Prozent. Die durchschnittliche Besteuerung der reichsten zehn Prozent hingegen ging im genannten Zeitraum von 33,5 Prozent auf 31,2 Prozent zur&uuml;ck, die des reichsten Hundertstels sogar von 44,4 Prozent auf 39,6 Prozent (Bach\/Beznoska\/Steiner 2016). Von dieser Politik konnten die oberen drei Dezile profitieren, w&auml;hrend die unteren sieben Dezile durchschnittlich st&auml;rker besteuert wurden.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.blickpunkt-wiso.de\/post\/2038\">Patrick Schreiner auf Blickpunkt WiSo<\/a>\n<\/li>\n<li><a name=\"h05\"><\/a><strong>Mehr Sozialstaat wagen<\/strong><br>\nWilly Brandt wird heute wohl kaum zitiert werden, wenn die Jamaika-Partner zu ihren ersten Sondierungsgespr&auml;chen zusammenkommen. Was bedauerlich ist, denn der legend&auml;re Satz des ersten SPD- Kanzlers der Bundesrepublik, &bdquo;wir wollen mehr Demokratie wagen&ldquo;, w&auml;re auch eine gute Richtschnur f&uuml;r Union, FDP und Gr&uuml;ne. In Abwandlung der legend&auml;ren Brandt&rsquo;schen Worte aus dem Jahr 1969 muss die neue Regierung n&auml;mlich &bdquo;mehr Sozialstaat wagen&ldquo;.<br>\nDenn hinter dem Land liegen gut zwei Jahrzehnte, in denen dieser Sozialstaat teilweise bis zur Unkenntlichkeit deformiert wurde. Und am Ende dieser gut 20 Jahre neoliberaler Reformwut sitzt nun eine rechtspopulistische Partei im Bundestag, die ihren Aufstieg nicht nur den Sorgen vor zu vielen Fremden im Land zu verdanken hat. Viele AfD-W&auml;hler treibt auch die Angst um, in sozialen Notlagen nicht mehr vom Staat aufgefangen zu werden.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.nordbayern.de\/politik\/mehr-sozialstaat-wagen-1.6762069\">N&uuml;rnberger Nachrichten<\/a>\n<\/li>\n<li><a name=\"h06\"><\/a><strong>Ungleichheit, politisch gewollt<\/strong><br>\nSeit der Wiedervereinigung hat die Ungleichheit stark zugenommen. Das ist keine Folge &ouml;konomischer Gesetzm&auml;&szlig;igkeiten, sondern das Ergebnis politischer Rahmensetzungen.<br>\nWeil die Arbeit immer anspruchsvoller wird, &uuml;berbieten die Unternehmen sich gegenseitig, um gut ausgebildete Besch&auml;ftigte zu bekommen. Geringqualifizierte haben das Nachsehen und die Einkommensunterschiede nehmen zu. So erkl&auml;ren sich die meisten Wirtschaftswissenschaftler die Zunahme der Ungleichheit. Doch das ist wenig &uuml;berzeugend, stellen Gerhard Bosch und Thorsten Kalina vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) fest. Nach ihrer Analyse kann der bereits seit den 1970er-Jahren abnehmende Umfang einfacher Arbeit nicht den gut zwei Jahrzehnte sp&auml;ter einsetzenden Verfall der Stundenl&ouml;hne von Ungelernten erkl&auml;ren. Au&szlig;erdem h&auml;tten die Verdienstunterschiede zwischen gleich Qualifizierten ebenfalls deutlich zugenommen, wie verschiedene Studien zeigen. Vor allem ignoriere die &ouml;konomische Standardtheorie den Einfluss von ver&auml;nderten Machtverh&auml;ltnissen und Arbeitsmarktinstitutionen. Bosch und Kalina argumentieren, dass die Zunahme der Ungleichheit in erster Linie auf die Schw&auml;chung des Tarifsystems zur&uuml;ckgeht. Sie identifizieren sechs Faktoren, die dessen ausgleichende Funktion geschw&auml;cht haben:<br>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171019-hdt-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/110980_110985.htm\">B&ouml;ckler Impuls<\/a>\n<p><strong>dazu: &bdquo;Wir verschenken Milliarden!&ldquo; &ndash; Ergebnisse der deutschen Teilstudie des Forschungsprojekts &bdquo;Tax Justice &amp; Poverty&ldquo;<\/strong><br>\nDie deutsche Teilstudie wurde durchgef&uuml;hrt mit einem Schwerpunkt auf Bayern und Unterst&uuml;tzung der Bayerischen Staatsministerien f&uuml;r Finanzen, Inneres und Justiz. Nach Wissen des Verfassers ist dies die erste qualitativ-sozialwissenschaftliche Studie in Deutschland, deren Schwerpunkt sowohl erlaubte als auch inoffizielle Interviews unter Mitarbeitenden von Steuer- und Strafverfolgungsbeh&ouml;rden sind. Der Buchtitel geht beispielsweise zur&uuml;ck auf ein Gespr&auml;ch mit einem bayerischen Finanzbeamten: Als dieser einer Umsatzsteuertrickserei in H&ouml;he von etwa 1 Million Euro auf die Spur kam und die Abteilungsleitung bat, n&auml;here Untersuchungen anstellen zu d&uuml;rfen, wurde dies abgelehnt mit dem Hinweis auf die knappen Ressourcen der Abteilung: Eine Pr&uuml;fung h&auml;tte etwa zur Folge, dass man mit der regul&auml;ren Bearbeitung von Steuerf&auml;llen in Verzug k&auml;me. Dies kommentierte der Beamte mit dem Ausruf: &bdquo;Das Geld liegt auf der Stra&szlig;e und wir d&uuml;rfen es nicht aufheben. Wir verschenken Milliarden!&ldquo; Ein Einzelfall? Laut dem Bayerischen Obersten Rechnungshof entgehen allein Bayern pro Jahr &bdquo;mindestens eine Milliarde Euro&ldquo; durch Umsatzsteuerbetrug (Jahresbericht 2011).<br>\nDie Studie belegt zun&auml;chst bereits anderweitig bekannte Sachverhalte mit Daten des bayerischen Hintergrunds: Das Auseinanderdriften von Arm und Reich, das Unwissen der Beh&ouml;rden &uuml;ber das Ausma&szlig; von Verm&ouml;gen bei den Superreichen, die &Uuml;berlastung von Steuerverwaltungen mit der Folge, dass die Pr&uuml;fzyklen von Gro&szlig;betrieben und Million&auml;ren immer l&auml;nger werden sowie weitere Belege daf&uuml;r, dass vieles davon politisch gewollt ist:<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/steuergerechtigkeit.blogspot.de\/2017\/10\/wir-verschenken-milliarden-ergebnisse.html\">blog steuergerechtigkeit<\/a>\n<\/p><\/li>\n<li><a name=\"h07\"><\/a><strong>Monopoly in Prenzlauer Berg &ndash; Was geschieht, wenn die Mittelschicht verdr&auml;ngt wird?<\/strong><br>\nIn Prenzlauer Berg, dem Sehnsuchtsort gut situierter &Ouml;ko-Gro&szlig;st&auml;dter, beschleunigen sich die Umw&auml;lzungen: Wie in einem Versuchslabor l&auml;sst sich dort beobachten, was passiert, wenn sich die Wucht des Immobilienbooms, internationales Finanzkapital und der Hype um den Szene-Kiez gegenseitig verst&auml;rken.<br>\n&bdquo;Man kann in Prenzlauer Berg keine gro&szlig;en Spr&uuml;nge mehr machen, indem man die Miete im Bestand erh&ouml;ht &ndash; da liegen die meisten schon am oberen Ende&ldquo;, sagt Andrej Holm, Stadtsoziologe an der Humboldt-Universit&auml;t, &bdquo;also bleiben nur Neuvermietung oder die Umwandlung in Eigentumswohnungen.&ldquo;<br>\nSchon heute l&auml;gen die Mieten in den angesagten Gegenden bei Preisen um neun Euro, sagt Holm &ndash; bei Neuvermietungen w&uuml;rden schon mal bis zu 16 Euro pro Quadratmeter verlangt. &bdquo;Super-Gentrifizierung&ldquo; ist der Begriff, den Stadtforscher gepr&auml;gt haben, er wurde bisher vor allem auf die Zust&auml;nde in London angewendet.<br>\nInzwischen gibt es auch in Berlin Viertel, in denen die Verdr&auml;ngung Gutverdienende trifft &ndash; Menschen mit kleinerem Einkommen gibt es in Prenzlauer Berg ohnehin kaum noch. In den sanierten Kiezen am Kollwitz- und Helmholtzplatz soll die Akademiker-Quote inzwischen bei 75 Prozent liegen. (&hellip;)<br>\nAber was geschieht mit Vierteln, wo selbst die Mittelschicht nicht mehr mithalten kann?<br>\nIn Teilen von Mitte und Prenzlauer Berg kriegt man eine Vorahnung, Stra&szlig;enz&uuml;ge, die vorwiegend aus Ferienwohnungen zu bestehen scheinen, pastellfarben get&uuml;nchte Airbnb-W&uuml;steneien. Nicht nur die Mieter, auch Gewerbetreibende sind bedroht. So ist zu beobachten, dass so manche originelle Boutique, so manches hippe Caf&eacute; kapituliert, und damit erodiert das, was den Charme von Prenzlauer Berg ausmacht.<br>\nWas dann kommt, sind gro&szlig;e Ketten mit Fast Food oder Konzernmode, weil sonst niemand die hohen Mieten bezahlen kann. Das ist dann die letzte Stufe &ndash; wenn alles aufgewertet ist, kommerzialisiert und ver&ouml;det.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.berliner-zeitung.de\/berlin\/monopoly-in-prenzlauer-berg-was-geschieht--wenn-die-mittelschicht-verdraengt-wird--28580104\">Berliner Zeitung<\/a>\n<\/li>\n<li><a name=\"h08\"><\/a><strong>Prof. Raffke_h&uuml;schen &ndash; stets zu Diensten<\/strong><br>\nWas haben die vom Gesamtverband der deutschen Versicherungen (GDV), oder Einzelgesellschaften wie der AXA, oder j&uuml;ngst der UNION INVEST in die Welt gesetzten &bdquo;wissenschaftlichen Studien&ldquo; gemeinsam?<br>\nSie werden von so gut wie allen Medien (Zeitungen, Magazinen, Fernsehnachrichten) als &bdquo;Expertenaussagen&ldquo; unkritisch &uuml;bernommen. Die einschl&auml;gigen Pressemitteilungen der Versicherungen sind dabei so mundgerecht aufbereitet, dass Texte, Grafiken und regionale Besonderheiten direkt in Medienberichte hineinkopiert werden k&ouml;nnen. Von diesem &bdquo;Service&ldquo; wird, wie es scheint, sehr gerne Gebrauch gemacht.<br>\nMit Journalismus hat das wenig, mit kosteng&uuml;nstiger Public Relation daf&uuml;r umso mehr zu tun.<br>\nJ&uuml;ngstes Beispiel ist der &bdquo;Vorsorgeatlas 2017&ldquo;, herausgegeben von der UNION INVEST, &bdquo;erarbeitet&ldquo; von Prof. Raffelh&uuml;schen. Die genaue Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Studie lohnt nicht. Es reicht schon, wenn man sich die beiden zentralen Behauptungen ansieht: [&hellip;]<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.seniorenaufstand.de\/prof-raffke_hueschen-stets-zu-diensten\/\">Reiner Heyse, auf Seniorenaufstand<\/a>\n<p><em><strong>Anmerkung Albrecht M&uuml;ller:<\/strong> Wir hatten schon dar&uuml;ber berichtet. Dennoch wegen der erweiterten kritischen Anmerkungen lesenswert.<\/em>\n<\/p><\/li>\n<li><a name=\"h09\"><\/a><strong>Ein Vorsto&szlig; zur &bdquo;Entlastung&ldquo; der Arbeitgeber beim Mindestlohn &ndash; ein Vorgeschmack auf das, was von einer Jamaika-Koalition sozialpolitisch zu erwarten ist?<\/strong><br>\nIn der Not gibt man sich auch mit Brosamen zufrieden und sammelt alles auf, was als Hinweis gewertet werden k&ouml;nnte, wohin die Reise einer &bdquo;Jamaika&ldquo;-Koalition gehen wird. Und da erweist es sich als hilfreich, dass es diese Koalitionsformation bereits gibt, in Schleswig-Holstein. Und von dort werden &bdquo;interessante&ldquo; Aktivit&auml;ten vermeldet. Die vielleicht einen Vorgeschmack liefern k&ouml;nnen.<br>\nDabei geht es um den gesetzlichen Mindestlohn. Was war das f&uuml;r eine Schlacht vor und bei seiner Einf&uuml;hrung. Mit harten Bandagen wurde gek&auml;mpft. Und neben dem Spiel mit den angeblichen, mittlerweile bekanntlich widerlegten Jobkiller-&Auml;ngsten wurde auch heftig auf die Tr&auml;nendr&uuml;se des &bdquo;B&uuml;rokratiemonsters&ldquo; gedr&uuml;ckt. Und eigentlich m&uuml;sste man im Oktober 2017 zu dem Ergebnis kommen, dass der &bdquo;Schock&ldquo; des Mindestlohns und die mit ihm verbundenen Auflagen irgendwie Geschichte ist, h&ouml;rt man doch von &bdquo;normalen&ldquo; Unternehmen diesbez&uuml;glich keine massive Kritik mehr, au&szlig;er vielleicht, dass man generell beklagt, dass L&ouml;hne immer Kosten sind und st&ouml;ren. Also k&ouml;nnte man sich anderen Themen widmen, aber nein &ndash; offensichtlich wird die Kritik an bestimmten Bestandteilen des Mindestlohns bzw. seiner Umsetzung weiter vorangetrieben und sie st&ouml;&szlig;t bei dem einen oder anderen Politiker auf einen entsprechenden Resonanzboden. (&hellip;)<br>\nDer ganze Vorgang verweist auf eine hoch konflikt&auml;re Baustelle, die auf uns zukommen wird, wenn es eine &bdquo;Jamaika&ldquo;-Koalition geben wird. Denn Union und FDP wollen an das Arbeitszeitgesetz und die dort normierten Schutzvorschriften heran. Das mit dem Mindestlohn ist da nur ein ganz leichtes L&uuml;ftchen, das man platziert hat, um den Boden zu bereiten.<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de\/2017\/10\/entlastung-der-arbeitgeber-beim-mindestlohn.html\">Aktuelle Sozialpolitik<\/a>\n<p><strong>dazu: 12,20 Euro statt nur den Mindestlohn<\/strong><br>\nUm Mitternacht konnten die Arbeiter auf deutschen Baustellen aufatmen. Nach 14-st&uuml;ndigen Gespr&auml;chen einigten sich die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und die beiden Arbeitgeberverb&auml;nde der Branche in der Nacht zu Mittwoch auf einen neuen Bau-Mindestlohn. &bdquo;Die Verhandlungen standen mehrfach vor dem Scheitern&ldquo;, sagte IG-BAU-Verhandlungsf&uuml;hrer Dietmar Sch&auml;fers. &bdquo;Das h&auml;tte ab 1. Januar einen Mindestlohn von 8,84 Euro bedeutet.&ldquo;<br>\nWie in einem guten Dutzend anderer Wirtschaftszweige auch gilt in der Bauwirtschaft ein Branchenmindestlohn. Er wurde schon 1997, kurz nach Inkrafttreten des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes, erstmals vereinbart. Die Regelung zielte damals vor allem darauf ab, einheimische Bauarbeiter vor aus dem Ausland entsandten Billigarbeitskr&auml;ften zu sch&uuml;tzen &ndash; und deutsche Unternehmen vor ausl&auml;ndischen Konkurrenten, die mit Dumpingl&ouml;hnen die Preise kaputt machen. Da der Bau-Mindestlohn von der Bundesregierung f&uuml;r allgemeinverbindlich erkl&auml;rt wurde, gilt er auch f&uuml;r nicht tarifgebundene Unternehmen und f&uuml;r aus dem Ausland entsandte Arbeiter.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/einigung-in-baubranche-12-20-euro-statt-nur-den-mindestlohn\/20470850-all.html\">Handelsblatt<\/a><\/p>\n<p><em><strong>Anmerkung Christian Reimann:<\/strong> W&auml;re es nicht sinnvoll, den gesetzlichen Mindestlohn generell auf so ein Niveau anzuheben? Was in der Bauwirtschaft und weiterer Wirtschaftszweige m&ouml;glich, sollte auch generell m&ouml;glich sein, oder?<\/em>\n<\/p><\/li>\n<li><a name=\"h10\"><\/a><strong>Hilfe, Nazis! Wie die deutsche &Ouml;ffentlichkeit die neuen Rechten gross macht<\/strong><br>\nPrediger, Hysteriker und Sp&ouml;tter dominieren das Feld im Umgang mit rechten Intellektuellen, wie auch die Krawalle an der Frankfurter Buchmesse zeigten. Dabei hilft Nazigeschrei wenig: Sinnvoll w&auml;re inhaltliche Auseinandersetzung.<br>\nIm Umgang mit rechten Intellektuellen dominieren im deutschsprachigen Raum drei Herangehensweisen. Die erste ist die Predigt, die zweite die Hysterie, die dritte der Spott. Auf der Frankfurter Buchmesse liessen sich alle drei in musterg&uuml;ltiger Form beobachten. Ausl&ouml;ser waren Auftritte und Lesungen der Wochenzeitung &laquo;Junge Freiheit&raquo; sowie der Verlage Manuscriptum und Antaios.<br>\nDen Anfang machten die Prediger. Angef&uuml;hrt von Alexander Skipis, dem Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer des B&ouml;rsenvereins, liessen sich Messemitarbeiter dabei filmen, wie sie Schilder hochhielten. &laquo;Gegen Rassismus&raquo; und &laquo;Freiheit und Vielfalt&raquo; stand darauf. Das Sch&ouml;ne an solchen Mottos ist, dass sich jeder darauf verst&auml;ndigen kann. Das Bl&ouml;de ist, dass sich jeder darauf verst&auml;ndigen kann. Wie beim Kirchentag. Rassistisch? &laquo;W&auml;re mir neu&raquo;, schrieb Ellen Kositza, die Grande Dame der neuen Rechten. Vielfalt? Genau die biete man dem Publikum doch mit dem eigenen Programm.<br>\nEs folgten die Hysteriker. Ein Kommunalpolitiker der Satire-Partei &laquo;Die Partei&raquo; wurde bei einem Gerangel zu Boden gebracht. &laquo;Ein Nazi auf mir drauf&raquo;, schrieb er &uuml;ber ein Foto, das er bei Twitter verbreitete. Ein Redaktor der &laquo;Frankfurter Rundschau&raquo; erkl&auml;rte flankierend: &laquo;Anything goes. Selbst &lsaquo;Sieg Heil&rsaquo; auf der Buchmesse.&raquo; Beide Behauptungen verbreiteten sich rasend schnell und wurden auch von Journalisten und Politikern &uuml;bernommen. Am Ende stellte sich heraus, dass der vermeintliche Nazi ein Sicherheitsbeauftragter war, der eingeschritten ist, weil der Kommunalpolitiker selbst aggressiv gedr&auml;ngelt und geschubst hat. F&uuml;r &laquo;Sieg Heil&raquo;-Rufe gibt es bis jetzt keine Belege.<br>\nBleiben die Sp&ouml;tter. Sie schreiben lange Texte dar&uuml;ber, dass sie keine Lust haben, Texte &uuml;ber Rechte zu schreiben. Aber weil gerade einmal wieder alle &uuml;ber die Rechten reden, m&uuml;ssen auch sie die Lekt&uuml;re von Annie Ernaux, Catherine Millet und Christophe Boltanski unterbrechen, um zu erkl&auml;ren, warum diese Leute in Wahrheit irrelevant sind.<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/hilfe-nazis-wie-die-deutsche-oeffentlichkeit-die-neuen-rechten-gross-macht-ld.1322255\">NZZ<\/a>\n<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Wochenende pr&auml;sentieren wir Ihnen einen &Uuml;berblick &uuml;ber die lohnenswertesten Beitr&auml;ge, die wir im Laufe der vergangenen Woche in unseren Hinweisen des Tages f&uuml;r Sie gesammelt haben. Nehmen Sie sich ruhig auch die Zeit, unsere werkt&auml;gliche Auswahl der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=19\">Hinweise des Tages<\/a> anzuschauen. 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