{"id":40748,"date":"2017-10-25T10:14:41","date_gmt":"2017-10-25T08:14:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40748"},"modified":"2017-11-10T07:53:50","modified_gmt":"2017-11-10T06:53:50","slug":"aber-der-putin-so-der-stossseufzer-in-gut-informierten-kreisen-des-westens-sie-sollten-putins-valdai-rede-lesen-um-ihr-urteil-zu-ueberpruefen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40748","title":{"rendered":"\u201eAber der Putin!\u201c So der Sto\u00dfseufzer in \u201egut informierten\u201c Kreisen des Westens. Sie sollten Putins Valdai-Rede lesen, um ihr Urteil zu \u00fcberpr\u00fcfen."},"content":{"rendered":"<p>Beim Valdei Club h&auml;lt der russische Pr&auml;sident regelm&auml;&szlig;ig eine eher grunds&auml;tzliche Rede. Hier ist sie <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ChGYW0MHW_s\">als Video mit Untertiteln in Deutsch<\/a> und <a href=\"http:\/\/npr.news.eulu.info\/2017\/10\/22\/valdai-club-2017-putins-gesamte-rede-in-deutschem-wortlaut\/\">hier verschriftet in deutscher &Uuml;bersetzung<\/a>. Weiter unten finden Sie den kompletten Wortlaut der Rede. Wichtige Passagen und Stichworte sind <strong>fett geschrieben<\/strong>. Das ist unser kleiner Service f&uuml;r die schnelle Lekt&uuml;re. Warum bieten wir das an? <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6312\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-40748-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171101_Putins_Valdai_Rede_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171101_Putins_Valdai_Rede_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171101_Putins_Valdai_Rede_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171101_Putins_Valdai_Rede_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=40748-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171101_Putins_Valdai_Rede_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"171101_Putins_Valdai_Rede_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Klar: die NachDenkSeiten-Redaktion h&auml;lt die Verst&auml;ndigung des Westens mit Russland f&uuml;r eine zentrale Aufgabe zur Sicherung des Friedens in Europa und in der Welt. Deshalb auch die Anregung an Skeptiker, diese Rede wie vielleicht auch fr&uuml;here zu lesen und mit den Reden westlicher Politiker zu vergleichen. <\/p><p><strong>Man muss lange suchen, bis man Einlassungen anderer f&uuml;hrender Politiker findet, die so offen &uuml;ber den Zustand der Welt referieren. Einige interessante Punkte will ich vorweg ansprechen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Putin beklagt die mangelnde Verl&auml;sslichkeit der Partner bei wichtigen Absprachen und Abkommen. Besonders interessant sind seine Anmerkungen zu den Vereinbarungen zu den Nuklear- und Chemiewaffen. Putin schildert, untermauert mit Zahlen, die Unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit bei der Bereitschaft, das jeweilige Potenzial inspizieren und kontrollieren zu lassen.<\/li>\n<li>Bei diesem Thema wie auch beim Thema Globalisierung und den aus Putins Sicht zuwider laufenden Sanktionen wird sichtbar, dass und wie sehr sich die russische Seite vom Westen betrogen f&uuml;hlt.<\/li>\n<li>Der russische Pr&auml;sident beklagt die Doppelmoral des Westens.<\/li>\n<li>Putin sieht die Welt ver&auml;ndert &ndash; vor allem den Umgang unter den M&auml;chtigen. Man k&ouml;nne sich auf Abreden nicht mehr verlassen. Egoismus pr&auml;ge auch den Umgang unter jenen, die &bdquo;im Wettbewerb um einen Platz in der globalen Hierarchie&ldquo; stehen. Dieser Wettbewerb habe sich versch&auml;rft.<\/li>\n<li>Wichtige internationale Institutionen wie die UNO seien ausgeh&ouml;hlt.<\/li>\n<li>Man merkt auch an dieser Rede, dass der Umgang des Westens mit den Chancen, die sich nach dem Ende der Sowjetunion 1990 ergeben h&auml;tten, quasi traumatische Spuren hinterlassen hat.<\/li>\n<\/ul><p>Wir nehmen diese Rede des russischen Pr&auml;sidenten in unsere Rubrik &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27937\">N&uuml;tzliche Dokumente<\/a>&ldquo; auf. Wenn Ihnen &auml;hnlich interessante Einlassungen anderer Zeitgenossen\/Innen auffallen, dann schicken Sie uns diese bitte.<\/p><p><strong>Der Wortlaut der Rede des russischen Pr&auml;sidenten Putin beim Valdei Club 2017, gehalten am 19.10.2017<\/strong> (Gefettet von den NDS):<br>\n&nbsp;<br>\nVielen Dank. Ich bin mir nicht sicher wie optimistisch mein Vortrag klingen wird, aber ich wei&szlig;, dass Sie in den letzten Tagen sehr lebhafte Diskussionen gef&uuml;hrt haben. <strong>Ich werde versuchen<\/strong>, wie es mittlerweile &uuml;blich geworden ist, <strong>Ihnen zu sagen was ich &uuml;ber einige Themen denke<\/strong>. Nehmen Sie es bitte nicht &uuml;bel, wenn ich etwas sage, was bereits gesagt wurde, da ich nicht alle Diskussionen verfolgt habe.<\/p><p>Zun&auml;chst m&ouml;chte ich Herrn Karzai, Herrn Ma, Hernn Tojem unsere Kollegen und alle unsere Freunde willkommen hei&szlig;en. Ich kann viele bekannte Gesichter im Publikum sehen. Willkommen zum Valdai Club Treffen. <strong>Traditionell geht es in diesem Forum darum, die dringlichen weltpolitischen und wirtschaftlichen Fragen zu diskutieren.<\/strong><\/p><p>Diesmal haben die Organisationen, wie bereits erw&auml;hnt, eine ziemlich schwierige Herausforderung f&uuml;r die Teilnehmer in&nbsp;Angriff genommen, <strong>n&auml;mlich &uuml;ber den Horizont hinauszublicken und dar&uuml;ber nachzudenken, wie die kommenden Jahrzehnte f&uuml;r Russland und die internationale Gemeinschaft aussehen k&ouml;nnten<\/strong>. Nat&uuml;rlich ist es unm&ouml;glich, alles vorherzusehen und alle Chancen und Risiken, denen wir gegen&uuml;berstehen zu ber&uuml;cksichtigen.<\/p><p>Wir m&uuml;ssen aber die wichtigsten Trends verstehen und sp&uuml;ren, Antworten auf die Fragen, die uns die Zukunft stellen wird, suchen und diese werden sicher noch mehr aufwerfen. Das Tempo der Entwicklungen ist so schnell, dass wir auf sie st&auml;ndig und schnell reagieren m&uuml;ssen. Die Welt ist in eine Zeit des schnellen Wandels eingetreten. Dinge, die noch vor kurzer Zeit als fantastisch oder unerreichbar bezeichnet wurden, sind Realit&auml;t geworden und geh&ouml;ren zum Alltag. Qualitativ neue Prozesse entfalten sich gleichzeitig &uuml;ber alle Bereiche hinweg. Das rasante &ouml;ffentliche Leben in verschiedenen L&auml;ndern und die technologische Revolution sind mit dem Wandel auf der internationalen B&uuml;hne verbunden.<\/p><p><strong>Der Wettbewerb um einen Platz in der globalen Hierarchie versch&auml;rft sich<\/strong>. Doch viele alte Rezepte f&uuml;r &bdquo;Global Governance&ldquo;, Konfliktbew&auml;ltigung und nat&uuml;rliche Widerspr&uuml;che sind nicht mehr anwendbar, scheitern oft und neue sind noch nicht ausgearbeitet.<\/p><p><strong>Nat&uuml;rlich stimmen die Interessen der Staaten nicht immer &uuml;berein, im Gegenteil. Das ist normal und nat&uuml;rlich<\/strong>. Das war immer schon so. Die f&uuml;hrenden M&auml;chte haben unterschiedliche geopolitische Strategien und Sichtweisen f&uuml;r die Welt. <strong>Dies ist das unver&auml;nderliche Wesen der internationalen Beziehungen, die auf der Ausgewogenheit zwischen Kooperation und Wettbewerb basieren. Wenn dieses Gleichgewicht gest&ouml;rt wird, wenn die Einhaltung und sogar das Bestehen universeller Verhaltensregeln in Frage gestellt wird&hellip; wenn Interessen um jeden Preis durchgesetzt werden, dann werden Konflikte unberechenbar und gef&auml;hrlich und f&uuml;hren zu gewaltsamen Konflikten. Unter solchen Umst&auml;nden und einem solchen Rahmen kann kein einziges wirkliches internationales Problem gel&ouml;st werden, und die Beziehungen zwischen den L&auml;ndern verkommen einfach.<\/strong><\/p><p><strong>Die Welt wird weniger sicher.<\/strong> Anstelle von Fortschritt und Demokratie wird radikalen Elementen und extremistischen Gruppen, die die Zivilisation ablehnen und sie in die uralte Vergangenheit, in Chaos und Barbarei zu st&uuml;rzen suchen, freie Hand gelassen.<\/p><p>Die Geschichte der letzten Jahre veranschaulicht dies ziemlich klar.<\/p><p>Es gen&uuml;gt wenn man sieht, <strong>was im Nahen Osten geschehen ist<\/strong>, wo einige Player versucht haben, das Land nach ihrem Geschmack umzugestalten und ihm ein ausl&auml;ndisches Entwicklungsmodell durch von au&szlig;en inszenierte Putschversuche oder einfach mit Waffengewalt aufzuzwingen. <strong>Anstatt gemeinsam an der &Uuml;berwindung der Situation zu arbeiten und dem Terrorismus einen wirklichen Schlag zu versetzen, simulieren einige unserer Kollegen einen Kampf gegen ihn und tun alles in ihrer Macht Stehende, um das Chaos in dieser Region dauerhaft zu machen.<\/strong><\/p><p>Einige denken immer noch, dass es m&ouml;glich ist, dieses Chaos zu steuern. Inzwischen gibt es einige positive Beispiele aus j&uuml;ngster Zeit. Wie sei vermutlich erwartet haben, beziehe ich mich auf die Erfahrung Syriens. Sie zeigt, dass es eine Alternative zu einer solchen arroganten und zerst&ouml;rerischen Politik gibt. Russland stellt sich gemeinsam mit der rechtm&auml;&szlig;igen syrischen Regierung und anderen Staaten der Region gegen Terroristen und handelt auf der Grundlage des V&ouml;lkerrechts. Ich muss sagen, dass diese Ma&szlig;nahmen und die Fortschritte nicht ohne Schwierigkeiten waren. In der Region gibt es viele Meinungsverschiedenheiten. Aber wir haben uns mit Geduld gest&auml;rkt und arbeiten, unter Abw&auml;gung aller Schritte und Worte, mit allen Beteiligten dieses Prozesses unter Ber&uuml;cksichtigung ihrer Interessen zusammen.<\/p><p>Unsere Fortschritte, deren Ergebnisse erst k&uuml;rzlich von unseren Kolleginnen und Kollegen in Frage gestellt wurden, geben uns jetzt &ndash; ich sage es vorsichtig &ndash; Hoffnung. Sie haben sich als sehr wichtig, korrekt, professionell und p&uuml;nktlich erwiesen.<\/p><p><strong>Oder nehmen Sie ein anderes Beispiel &ndash; der Clinch um die koreanische Halbinsel.<\/strong> Ich bin sicher, dass Sie heute ausf&uuml;hrlich auf dieses Thema eingegangen sind.<\/p><p>Ja, <strong>wir verurteilen die von Nordkorea durchgef&uuml;hrten Atomtest unmissverst&auml;ndlich<\/strong> und stehen uneingeschr&auml;nkt im Einklang mit den Resolutionen des UN-Sicherheitsrates zu Nordkorea. Kollegen, ich m&ouml;chte dies unterstreichen, damit es keine willk&uuml;rliche Auslegung gibt. Wir erf&uuml;llen alle Resolutionen des UN-Sicherheitsrates. <strong>Dieses Problem kann nat&uuml;rlich nur im Dialog gel&ouml;st werden. Wir sollten Nordkorea nicht in die Enge treiben, mit Gewalt bedrohen, mit unversch&auml;mten Unh&ouml;flichkeiten oder Beleidigungen begegnen.<\/strong><\/p><p>Ob man nun das nordkoreanische Regime mag oder nicht, wir d&uuml;rfen nicht vergessen, dass die Demokratische Volksrepublik Korea ein souver&auml;ner Staat ist. <strong>Alle Streitigkeiten m&uuml;ssen zivilisiert beigelegt werden. Russland hat einen solchen Ansatz immer bevorzugt. Wir sind der festen &Uuml;berzeugung, dass selbst die komplexesten Knoten &ndash; sei es die Krise in Syrien oder Libyen, die koreanische Halbinsel oder etwa die Ukraine &ndash; nicht abgeschnitten, sondern gel&ouml;st werden m&uuml;ssen.<\/strong><\/p><p><strong>Die Situation in Spanien zeigt deutlich, wie fragil Stabilit&auml;t auch in einem prosperierenden und etablierten Staat sein kann.<\/strong> Wer h&auml;tte noch vor kurzem erwartet, dass die Diskussion &uuml;ber den Status Kataloniens, die eine lange Geschichte hat, zu einer akuten politischen Krise f&uuml;hren w&uuml;rde? <strong>Die Position Russlands dazu ist bekannt. Alles, was dort geschieht, ist eine innere Angelegenheit Spaniens<\/strong> und muss auf der Grundlage des spanischen Rechts im Einklang mit demokratischen Traditionen geregelt werden. Wir sind uns bewusst, dass die F&uuml;hrung des Landes Schritte in diese Richtung unternimmt. <strong>Im Falle Kataloniens haben wir erlebt, dass die Europ&auml;ische Union und eine Reihe anderer Staaten einstimmig die Bef&uuml;rworter der Unabh&auml;ngigkeit verurteilt haben.<\/strong><\/p><p>Sie wissen, in diesem Zusammenhang komme ich nicht umhin festzustellen, dass man fr&uuml;her h&auml;tte &uuml;ber dieses Thema nachdenken m&uuml;ssen. Was, niemand war sich diesen jahrhundertealten Meinungsverschiedenheiten bewusst?<\/p><p>Doch das waren sie, nicht wahr? Nat&uuml;rlich waren sie das. <strong>Doch irgendwann haben sie tats&auml;chlich den Zerfall einiger Staaten in Europa begr&uuml;&szlig;t, ohne ihre Freude dabei zu verbergen. Warum waren sie so gedankenlos, angetrieben von fl&uuml;chtigen politischen Erw&auml;gungen und ihrem Wunsch, ihren gro&szlig;en Bruder in Washington zu erfreuen &ndash; ich sage es ganz offen -, die Sezession des Kosovo&hellip; bedingungslos zu unterst&uuml;tzen und damit &auml;hnliche Prozesse in anderen Regionen Europas und der Welt zu provozieren?<\/strong><\/p><p>Sie erinnern sich vielleicht daran, dass, als die <strong>Krim<\/strong> auch ihre Unabh&auml;ngigkeit erkl&auml;rte und dann &ndash; nach dem Referendum &ndash; <strong>ihre Entscheidung, Teil Russlands zu werden, aus irgendeinem Grund nicht begr&uuml;&szlig;t wurde.<\/strong><\/p><p>Jetzt haben wir Katalonien. Ein &auml;hnliches Problem gibt es auch in einer anderen Region, in Kurdistan. Vielleicht ist diese Liste nicht vollst&auml;ndig. Aber wir m&uuml;ssen uns fragen, was werden wir tun? Wie sollen wir uns verhalten? <strong>Es stellt sich heraus, dass einige unserer Kollegen denken, es g&auml;be &bdquo;gute&ldquo; K&auml;mpfer f&uuml;r Unabh&auml;ngigkeit und Freiheit, und es gibt &bdquo;Separatisten&ldquo;, die nicht berechtigt sind, ihre Rechte zu verteidigen, auch nicht mit Hilfe demokratischer Mechanismen.<\/strong> Wie wir immer in &auml;hnlichen F&auml;llen sagen, stellt eine solche <strong>Doppelmoral &ndash; und das ist ein anschauliches Beispiel f&uuml;r Doppelmoral &ndash;&nbsp; eine ernste Gefahr f&uuml;r die stabile Entwicklung Europas<\/strong> und anderer Kontinente sowie f&uuml;r die Weiterentwicklung der Integrationsprozesse weltweit dar.<\/p><p>Die <strong>Verfechter der Globalisierung<\/strong> versuchten uns einst zu <strong>&uuml;berzeugen, dass die universelle wirtschaftliche Wechselbeziehung eine Garantie gegen Konflikte und geopolitische Rivalit&auml;t sei<\/strong>. Leider ist das nicht passiert. Dar&uuml;ber hinaus wurde die Natur der Widerspr&uuml;che immer komplizierter, mehrschichtiger und nichtlinearer. Zwar ist die Vernetzung ein hemmender und stabilisierender Faktor, <strong>aber wir erleben auch immer mehr Beispiele daf&uuml;r, wie die Politik die wirtschaftlichen und marktwirtschaftlichen Beziehungen grob st&ouml;rt.<\/strong><\/p><p><strong>In j&uuml;ngster Zeit gab es Warnungen, dass dies inakzeptabel, kontraproduktiv und zu verhindern sei. Jetzt tun diejenigen, die solche Warnungen gemacht haben, das alles selbst. Einige verschweigen nicht einmal, dass sie mit politischen Vorw&auml;nden ihre rein kommerziellen Interessen vertreten. So zielt beispielsweise das j&uuml;ngste Sanktionspaket des US-Kongressen offen darauf ab, Russland von den europ&auml;ischen Energiem&auml;rkten zu verdr&auml;ngen und Europa dazu zu zwingen, teureres Fl&uuml;ssiggas aus den USA zu kaufen<\/strong>, obwohl das Ausma&szlig; seiner Produktion noch zu gering ist. Es wird versucht uns Hindernisse zu schaffen, die unsere Bem&uuml;hungen behindern, neue Energierouten &ndash; South Stream und Nord Stream &ndash; zu schaffen, auch wenn die Diversifizierung der Logistik wirtschaftlich effizient, f&uuml;r Europa vorteilhaft und seine Sicherheit f&ouml;rdernd ist.<\/p><p>Lassen sie mich das wiederholen: <strong>Es ist nur nat&uuml;rlich, dass jeder Staat seine eigenen politischen, wirtschaftlichen und sonstigen Interessen hat. Die Frage ist, mit welchen Mitteln sie gesch&uuml;tzt oder durchgesetzt werden. In der modernen Welt ist es unm&ouml;glich, einen strategischen Gewinn auf Kosten andere zu erzielen. Eine solche Politik, die auf Selbstbewusstsein, Egoismus und Exzeptionalismus beruht bringt weder Respekt noch wahre Gr&ouml;&szlig;e. Es wird nat&uuml;rliche und gerechtfertigte Ablehnung und Widerstand hervorgerufen. Infolgedessen werden wir Weiterhin Spannungen und Unstimmigkeiten erleben, anstatt zu versuchen, gemeinsam eine sichere und stabile internationale Ordnung aufzubauen<\/strong> &hellip; und die technologischen, &ouml;kologische, klimatischen und humanit&auml;ren Herausforderungen anzugehen, vor denen die gesamte Menschheit heute steht.<\/p><p>Kollegen, wissenschaftlicher und technologischer Fortschritt, Roboterisierung und Digitalisierung f&uuml;hren bereits heute zu tiefgreifenden wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und auch Wertewandel. Uns er&ouml;ffnen sich damit bisher unvorstellbare Chancen. Gleichzeitig m&uuml;ssen wir aber auch Antworten auf viele Fragen finden. Welchen Platz werden die Menschen im Dreieck &bdquo;Mensch-Maschine- Natur &bdquo;einnehmen&ldquo;? Welche Ma&szlig;nahmen, werden von Staaten ergriffen, die aufgrund von Klima- und Umweltver&auml;nderungen keine Bedingungen f&uuml;r ein normales Leben haben? Wie wird die Besch&auml;ftigung im Zeitalter der Automatisierung erhalten bleiben? Wie wird der Hippokratische Eid interpretiert, wenn &Auml;rzte &uuml;ber F&auml;higkeiten verf&uuml;gen, die allm&auml;chtigen Zauberern &auml;hnlich sind?<\/p><p>Und wird die menschliche Intelligenz am Ende die F&auml;higkeit verlieren, k&uuml;nstliche Intelligenz zu kontrollieren? Wird die k&uuml;nstliche Intelligenz eine von uns abh&auml;ngige Entit&auml;t werden?<\/p><p>Fr&uuml;her haben wir bei der Bewertung der Rolle des Einflusses von L&auml;ndern &uuml;ber die Bedeutung des geopolitischen Faktors, die Gr&ouml;&szlig;e des Territoriums eines Landes, seine milit&auml;rische Macht und seine Ressourcen gesprochen. Nat&uuml;rlich sind diese Faktoren auch heute noch von gro&szlig;er Bedeutung. Aber jetzt gibt es noch einen anderen Faktor &ndash;&nbsp; den wissenschaftlichen und technologischen Faktor, der zweifellos auch von gro&szlig;er Bedeutung ist und dessen Bedeutung erst im Laufe der Zeit zunehmen wird.<\/p><p>Es ist auch klar, dass selbst die allerneueste Technologie allein nicht in der Lage sein wird, eine nachhaltige Entwicklung zu gew&auml;hrleisten. <strong>Eine harmonische Zukunft ist ohne soziale Verantwortung, ohne Freiheit und Gerechtigkeit, ohne die Achtung traditioneller ethischer Werte und der Menschenw&uuml;rde nicht m&ouml;glich.<\/strong><\/p><p><strong>Andernfalls wird die &bdquo;mutige neue Welt&ldquo; nicht zu einer Welt des Wohlstands und der neuen Chancen, sondern zu einer Welt des Totalitarismus, der Kasten, Konflikte und gr&ouml;&szlig;eren Spaltungen. Die wachsende Ungleichheit w&auml;chst bereits heute von Menschen und ganzen Nationen zu Gef&uuml;hlen der Ungerechtigkeit und Entbehrung heran. Und das Ergebnis ist die Radikalisierung, der Wille, die Dinge in jeder erdenklichen Weise zu ver&auml;ndern, bis hin zur Gewalt.<\/strong><\/p><p>Das ist &uuml;brigens bereits in vielen L&auml;ndern und auch in unserem Land Russland geschehen. Erfolgreiche technologische und industrielle Durchbr&uuml;che f&uuml;hrten zu dramatischen Umw&auml;lzungen und revolution&auml;ren St&ouml;rungen. <strong>Es geschah alles, weil das Land es vers&auml;umt hat, die soziale Uneinigkeit anzusprechen und die klaren Ungleichgewichte in der Gesellschaft rechtzeitig zu &uuml;berwinden.<\/strong><\/p><p><strong>Die Revolution ist immer das Ergebnis eines Verantwortungsdefizits bei denen die die &uuml;berholte Ordnung der Dinge bewahren, einfrieren wollen, die eindeutig ge&auml;ndert werden muss<\/strong> &hellip; auch bei denen, die danach streben, die Ver&auml;nderung zu beschleunigen, indem sie auf zivile Konflikte und zerst&ouml;rerische Widerst&auml;nde zur&uuml;ckgreifen.<\/p><p>In diesem Jahr wenden wir uns den Lehren vor einem Jahrhundert zu, n&auml;mlich der <strong>russischen Revolution von 1917<\/strong>. Dann sehen wir, wie zweideutig ihre Ergebnisse waren, wie eng die negativen und, das m&uuml;ssen wir anerkennen, die positiven Folgen dieser Ereignisse miteinander verflochten sind.<\/p><p>Fragen wir uns: <strong>War es nicht m&ouml;glich, einen evolution&auml;ren Weg zu gehen, anstatt eine Revolution zu durchlaufen? H&auml;tten wir uns nicht durch allm&auml;hliche und konsequente Vorw&auml;rtsbewegung entwickeln k&ouml;nnen, statt auf Kosten der Zerst&ouml;rung unserer Staatlichkeit und des unerbittlichen Zerfalls von Millionen Menschenleben?<\/strong> Doch das weitgehend utopische Sozialmodell und die Ideologie,&nbsp;die der neugebildete Staat zun&auml;chst nach der Revolution von 1917 zu implementieren versuchte war ein m&auml;chtiger Motor der Transformation auf der ganzen Welt (das ist ganz klar und muss auch anerkannt werden). Er f&uuml;hrte zu einer gro&szlig;en Aufwertung der Entwicklungsmodelle und f&uuml;hrte zu Rivalit&auml;t und Konkurrenz, deren Nutzen, so w&uuml;rde ich sagen, gr&ouml;&szlig;tenteils von dem Westen genossen wurde.<\/p><p><strong>Ich meine damit nicht nur die geopolitischen Siege nach dem Kalten Krieg. Viele westliche Errungenschaften des 20. Jahrhunderts waren eine Antwort auf die Herausforderung der Sowjetunion<\/strong>. Ich spreche von der Anhebung des Lebensstandards, der Bildung einer starken Mittelschicht, der Reform des Arbeitsmarktes und des sozialen Bereichs, der F&ouml;rderung der Bildung, der Gew&auml;hrleistung der Menschenrechte, einschlie&szlig;lich der Rechte von Minderheiten und Frauen, der &Uuml;berwindung der Rassentrennung, die, wie Sie sich erinnern werden, vor wenigen Jahrzehnten in vielen L&auml;ndern, einschlie&szlig;lich der Vereinigten Staaten, eine besch&auml;mende Praxis war.<\/p><p><strong>Nach den radikalen Ver&auml;nderungen, die sich in unserem Land und weltweit um die Wende der 1990er Jahre vollzogen, ergab sich eine wirklich einzigartige Chance, ein wahrhaft neues Kapitel&nbsp; in der Geschichte aufzuschlagen. Ich meine die Zeit nach dem Ende der Sowjetunion. Leider wurden unsere westlichen Partner nach der Teilung des geopolitischen Erbes der Sowjetunion von der Gerechtigkeit ihrer Sache &uuml;berzeugt und erkl&auml;rten sich zu den Siegern des Kalten Krieges, wie gerade erw&auml;hnte und begannen sich offen in die Angelegenheiten souver&auml;ner Staaten einzumischen und Demokratie zu exportieren, so wie die sowjetische F&uuml;hrung damals versucht hatte, die sozialistische Revolution in den Rest der Welt zu exportieren.<\/strong><\/p><p><strong>Wir wurden mit der Umverteilung von Einflusssph&auml;ren und er NATO-Erweiterung konfrontiert. &Uuml;berheblichkeit f&uuml;hrt unweigerlich zu Fehlern. Das Ergebnis war bedauerlich. Zweieinhalb Jahrzehnte wurden verschwendet, viele verpasste Gelegenheiten und eine schwere Last des gegenseitigen Misstrauens.<\/strong> Das globale Ungleichgewicht hat sich dadurch nur noch versch&auml;rft. Wir h&ouml;ren zwar Erkl&auml;rungen dar&uuml;ber, dass wir uns f&uuml;r die L&ouml;sung globaler Probleme engagieren, aber in der Tat sehen wir immer mehr Beispiele f&uuml;r Egoismus.<\/p><p><strong>Alle internationalen Institutionen, die darauf abzielen, Interessen zu harmonisieren und eine gemeinsame Agenda zu formulieren, werden ausgeh&ouml;hlt grundlegende multilaterale internationale Vertr&auml;ge und kritisch wichtige bilaterale Abkommen abgewertet.<\/strong><\/p><p>Mir wurde erst vor wenigen Stunden gesagt, dass der US-Pr&auml;sident etwas &uuml;ber Social Media &uuml;ber die russisch-amerikanische Zusammenarbeit im wichtigen Bereich der <strong>nuklearen Zusammenarbeit<\/strong> gesagt hat. Dies ist in der Tat der wichtigste Bereich der Interaktion zwischen Russland und den Vereinigten Staaten, wenn man bedenkt, dass Russland und die Vereinigten Staaten eine besondere Verantwortung gegen&uuml;ber der Welt als die beiden gr&ouml;&szlig;ten Atomm&auml;chte tragen.<\/p><p><strong>Ich m&ouml;chte aber die Gelegenheit nutzen, etwas ausf&uuml;hrlicher &uuml;ber die Ereignisse der letzten Jahrzehnte in diesem wichtigen Bereich zu sprechen, um ein vollst&auml;ndiges Bild zu vermitteln.<\/strong> Es dauert h&ouml;chstens zwei Minuten.<\/p><p>In den 90er Jahren wurden mehrere wichtige bilaterale Abkommen unterzeichnet. Das erste, das Nunn-Luger-Programm, wurde am 17. Juni 1992 unterzeichnet. Das zweite, der HEU-LEU-Vertrag, wurde am 18. Februar 1993 unterzeichnet. Hochangereichertes Uran wurde in niedrig angereichertes Uran umgewandelt, daher HEU-LEU. Die Projekte im Rahmen des ersten Abkommens konzentrierten sich auf die Modernisierung der Kontrollsysteme, die Kontrolle und den physischen Schutz von Kernmaterial, die Demontage und Verschrottung von U-Botten und thermo-elektrischen Generatoren f&uuml;r Radioisotope.<\/p><p><strong>Die Amerikaner haben &ndash; und bitte beachten sie hier, das ist keine geheime Information, nur wenige sind sich dessen bewusst &ndash; 620 &Uuml;berpr&uuml;fungsbesuche in Russland unternommen, um die Einhaltung der Abkommen zu &uuml;berpr&uuml;fen.<\/strong><\/p><p><strong>Sie besuchten die heiligsten Heiligt&uuml;mer des russischen Kernwaffenkomplexes<\/strong>, n&auml;mlich die Unternehmen, die sich mit der Entwicklung von nuklearen Sprengk&ouml;pfen und Munition sowie waffenf&auml;higem Plutonium und Uran besch&auml;ftigten.<\/p><p>Die Vereinigten Staaten erhielten Zugang zu allen streng geheimen Einrichtungen in Russland. Au&szlig;erdem war das Abkommen im Grunde genommen einseitig. Im Rahmen des zweiten Abkommens haben die Amerikaner 170 weitere Besuche in unseren Anreicherungsanlagen unternommen und dabei die am meisten abgeschotteten Bereiche wie Misch- und Lagereinrichtungen besucht.<\/p><p><strong>Die m&auml;chtigste nukleare Anreicherungsanlage der Welt- das Uraler Elektrochemische Kombinat &ndash; verf&uuml;gte sogar &uuml;ber einen permanenten amerikanischen Beobachtungsposten.<\/strong> In den Werkst&auml;tten diese Kombinats, in denen die amerikanischen Spezialisten t&auml;glich zur Arbeit gingen, wurden direkt feste Arbeitspl&auml;tze geschaffen.<\/p><p>Die R&auml;ume, in denen sie in diesen streng geheimen russischen Einrichtungen sa&szlig;en, hatten amerikanische Flaggen, wie immer. Dar&uuml;ber hinauswurde eine Liste von &uuml;ber 100 amerikanischen Fachleuten aus 10 verschiedenen US-Organisationen erstellt, die jederzeit und ohne Vorank&uuml;ndigung berechtigt waren, zus&auml;tzliche Inspektionen durzuf&uuml;hren.<\/p><p><strong>Das alles dauerte 10 Jahre. Im Rahmen dieses Abkommens wurden in Russland 500 Tonnen waffenf&auml;higes Uran aus dem milit&auml;rischen Verkehr genommen, was in etwa 20.000 nuklearen Sprengk&ouml;pfen entspricht. Das HEU-LEU-Prgramm ist zu einer der wirksamsten Abr&uuml;stungsma&szlig;nahmen in der Geschichte der Menschheit geworden &ndash; ich sage das mit vollem Vertrauen.<\/strong><\/p><p>Jeder Schritt auf russischer Seite wurde von amerikanischen Fachleuten genauestens &uuml;berwacht zu einer Zeit, als sich die Vereinigten Staaten auf einer sehr viel bescheidenere Reduzierungen ihres nuklearen Arsenals beschr&auml;nkten, und zwar auf reiner Kulanz-Basis. <strong>Unsere Spezialisten besuchten auch Unternehmen des US-Nuklearwaffenkomplexes, aber nur auf Einladung und unter den von der US-Seite festgelegten Bedingungen. Wie sie sehen, hat die russische Seite eine beispiellose Offenheit und ein beispielloses Vertrauen demonstriert.<\/strong><\/p><p><strong>&Uuml;brigens &ndash; und dar&uuml;ber werden wir wahrscheinlich sp&auml;ter noch sprechen &ndash; ist es auch allgemein bekannt, was wir am Ende erhalten haben: V&ouml;llige Vernachl&auml;ssigung unserer nationalen Interessen, Unterst&uuml;tzung des Separatismus im Kaukasus, milit&auml;rische Aktionen unter Umgehung des Sicherheitsrate, wie die Bombardierung Jugoslawiens und Belgrads, die Verlegung von Truppen in den Irak und so weiter. Das ist leicht verst&auml;ndlich: Nachdem der Zustand des Atomkomplexes, der Streitkr&auml;fte und er Wirtschaft gesehen worden war, schien das V&ouml;lkerrecht &uuml;berfl&uuml;ssig zu sein.<\/strong><\/p><p><strong>In den 2000er Jahren trat unsere Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten in eine neue Phase einer wahrhaft gerechten Partnerschaft ein.<\/strong> Sie war gepr&auml;gt vom Unterzeichnen einer Reihe strategischer Vertr&auml;ge und Abkommen &uuml;ber die friedliche Nutzung der Kernenergie, die in den USA als 123-Abkommen bezeichnet werden. <strong>Doch die US-Seite hat 2014 praktisch einseitig die Arbeiten innerhalb ihres Rahmens eingestellt.<\/strong> Die Situation um das &bdquo;Plutonium Management and Disposition Agreement&ldquo; (PMDA) vom 20. August 2000 (unterzeichnet in Moskau) und vom 1. September (in Washington) ist verwirrend und alarmierend.<\/p><p>Gem&auml;&szlig; dem Protokoll zu diesem Abkommen sollten die Seiten gegenseitig Schritte unternehmen, um waffenf&auml;higes Plutonium irreversibel in Mischoxid (MOX)-Brennelemente umzuwandeln und in Kernkraftwerken zu verbrennen, so dass es nicht f&uuml;r milit&auml;rische Zwecke verwendet werden konnte. &Auml;nderungen dieser Methode waren nur mit Zustimmung beider Seiten gestattet. Dies ist in der Vereinbarung und Protokolle zu ihr geschrieben.<\/p><p>Was hat Russland getan? Wir entwickelten diesen Brennstoff, bauten eine Anlage f&uuml;r die Massenproduktion und, wie wir im Vertrag zugesichert hatten, bauten wir eine BN-800-Anlage, die es uns erm&ouml;glichte, diesen Brennstoff sicher zu verbrennen.<\/p><p><strong>Ich m&ouml;chte betonen, dass Russland alle seine Verpflichtungen erf&uuml;llt hat.<\/strong><\/p><p><strong>Was haben unsere amerikanischen Partner getan? Sie begannen mit dem Bau einer Anlage am Savannah River Site.<\/strong> Dessen urspr&uuml;nglicher Preis lag bei 4.86 Milliarden Dollar, aber sie gaben fast 8 Milliarden aus, brachten den Bau zu 70 Prozent fertig und legten dann das Projekt auf Eis. Unseres Wissens nach umfasst der Budgetantrag f&uuml;r 2018 jedoch 270 Millionen US-Dollar f&uuml;r die Schlie&szlig;ung und Stilllegung dieser Anlage.<\/p><p>Wie &uuml;blich stellt sich die Frage: Wo ist das Geld? Wahrscheinlich gestohlen. Oder sie haben sich bei der Planung ihrer Konstruktion verrechnet. Solche Dinge passieren. Sie passieren hier allzu oft. Aber daran sind wir nicht interessiert, das ist nicht unsere Angelegenheit. <strong>Uns interessiert, was mit Uran und Plutonium geschieht. Was ist mit der Entsorgung von Plutonium? Eine Verd&uuml;nnung und Einlagerung des Plutoniums wird vorgeschlagen. Dies widerspricht jedoch v&ouml;llig dem Geist und Wesen des Abkommens und garantiert vor allem nicht, dass die Verd&uuml;nnung nicht in waffenf&auml;higes Plutonium zur&uuml;ckverwandelt wird. All das ist sehr bedauerlich und verwirrend.<\/strong><\/p><p><strong>Das N&auml;chste. Russland ratifizierte vor mehr als 17 Jahren den Vertrag &uuml;ber das umfassende Verbot von Nuklearversuchen. Die USA haben dies noch nicht getan.<\/strong> Eine kritische Masse von Problemen baut sich in der globalen Sicherheit auf. Bekanntlich haben sich die Vereinigten Staaten 2002 aus dem ABM-Vertrag zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen zur&uuml;ckgezogen.<\/p><p><strong>Und obwohl sie selbst Initiatoren der Chemiewaffen-Konvention waren, sie haben dieses Abkommen selbst in die Wege geleitet, aber sie kommen ihren Verpflichtungen nicht nach.<\/strong><\/p><p>Sie sind bis heute der einzige und gr&ouml;&szlig;te Besitzer dieser Form der Massenvernichtungswaffe. Dar&uuml;ber hinaus haben die USA die Frist f&uuml;r die Beseitigung ihrer chemischen Waffen von 2007 auf 2023 verl&auml;ngert.<\/p><p>Es sieht nicht korrekt aus f&uuml;r eine Nation, die behauptet, ein Verfechter der Nichtverbreitung und Kontrolle zu sein. In Russland hingegen wurde der Prozess am 27. September dieses Jahres abgeschlossen. Damit hat unser Land einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der internationalen Sicherheit geleistet.<\/p><p><strong>&Uuml;brigens, die westlichen Medien zogen es vor, still zu bleiben und es nicht zu erw&auml;hnen, obwohl es irgendwo in Kanada eine fl&uuml;chtige Erw&auml;hnung gab, aber das war es, sonst herrschte weitestgehend Stille.<\/strong> W&auml;hrend das Arsenal der Sowjetunion an chemischen Waffen ausgereicht h&auml;tte, das Leben auf dem Planeten mehrfach zu zerst&ouml;ren.<\/p><p>Ich glaube, es ist an der Zeit, eine &uuml;berholte Agenda aufzugeben. Ich beziehe mich auf das, was war. Zweifellos sollten wir nach vorne schauen, wir m&uuml;ssen aufh&ouml;ren, zur&uuml;ckzublicken. Ich spreche dar&uuml;ber, um die Ursachen der sich gegenw&auml;rtig gestaltenden Situation zu verstehen.<\/p><p>Es ist h&ouml;chste Zeit f&uuml;r eine offene Diskussion in der globalen Gemeinschaft und nicht nur f&uuml;r eine Gruppe von Auserw&auml;hlten, die angeblich die w&uuml;rdigsten und fortgeschrittensten sind sondern f&uuml;r Vertreter verschiedener Kontinente, kultureller und historischer Traditionen, politischer und wirtschaftlicher Systeme.<\/p><p>In einer sich wandelnden Welt k&ouml;nnen wir es uns nicht leisten, unflexibel zu sein, uns abzuschotten oder nicht in der Lage zu sein, klar und schnell zu reagieren. Verantwortung f&uuml;r die Zukunft &ndash; das ist es, was uns eint, gerade in Zeiten wie den heutigen, in denen sich alles schnell ver&auml;ndert.<\/p><p>Nie zuvor besa&szlig; der Mensch eine solche Macht wir heute. Die Macht &uuml;ber Natur, Raum, Kommunikation und die eigene Existenz. Diese Macht ist jedoch diffus: ihre Elemente liegen in der H&auml;nden von Staaten, Konzernen, &ouml;ffentlichen und religi&ouml;sen Vereinigungen und sogar einzelnen B&uuml;rger.<\/p><p>Alle diese Elemente in einer einzigen, effektiven und &uuml;berschaubaren Architektur zusammenzuf&uuml;hren, ist keine leichte Aufgabe. Dazu bedarf es harter, m&uuml;hsamer Arbeit. Und Russland ist bereit mit allen interessierten Partnern teilzunehmen.<\/p><p><strong>Kollegen, wie sehen wir die Zukunft der internationalen Ordnung und des globalen Governance-Systems?<\/strong>&nbsp;Zum Beispiel im Jahr 2045, Wenn die UNO ich hundertj&auml;hriges Jubil&auml;um feiert? Seine Entstehung ist zu einem Symbol daf&uuml;r geworden, dass die Menschheit trotz allem in der Lage ist, gemeinsame Verhaltensregeln zu entwickeln und zu befolgen. Wenn diese Regeln nicht befolgt wurden, f&uuml;hrte diese unweigerlich zu Krisen und anderen negativen Folgen.<\/p><p><strong>In den letzten Jahrzehnten gab es jedoch mehrere Versuche, die Rolle dieser Organisationen zu vermindern, zu diskreditieren oder einfach zu kontrollieren.<\/strong> All diese Versuche scheiterten vorhersehbar oder gerieten in eine Sackgasse. <strong>Unserer Meinung nach muss die UNO mit ihrer universellen Legitimit&auml;t das Zentrum des internationalen Systems bleiben. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Autorit&auml;t und Effektivit&auml;t zu erh&ouml;hen. Es gibt heute keine Alternative zur UNO.<\/strong><\/p><p>Was das Vetorecht des Sicherheitsrates betrifft, das auch manchmal in Frage gestellt wird, so k&ouml;nnen Sie sich daran erinnern, dass dieser Mechanismus konzipiert und geschaffen wurde, um eine direkte Konfrontation der m&auml;chtigsten Staaten zu vermeiden als Garantie gegen Willk&uuml;r und R&uuml;cksichtlosigkeit, damit kein einziges Land, auch nicht das einflussreichste, Land, seinen aggressiven Handlungen den Anschein von Legitimit&auml;t verleihen k&ouml;nnte. Nat&uuml;rlich sind die Experten anwesend, seien wir doch ehrlich, und sie wissen, dass die UNO das Handeln der einzelnen Akteure in internationalen Angelegenheiten nachtr&auml;glich legitimiert hat.<\/p><p>Nun, so jedenfalls wird es auch nichts Gutes bringen.<\/p><p>Reformen sind notwendig, das UN-System muss verbessert werden, aber Reformen k&ouml;nnen nur schrittweise und evolution&auml;r sein und nat&uuml;rlich m&uuml;ssen sie von der &uuml;berw&auml;ltigenden Mehrheit der Teilnehmer am internationalen Prozess innerhalb der Organisation selbst und durch einen breiten Konsens unterst&uuml;tzt werden. Die Wirksamkeit der UNO wird durch ihren repr&auml;sentativen Charakter garantiert. Die absolute Mehrheit der souver&auml;nen Staaten der ist darin vertreten.<\/p><p>Die Grundprinzipien der UNO sollten auf Jahre und Jahrzehnte hinaus gewahrt bleiben, denn kein anderes Gebilde ist in der Lage, die ganze Bandbreite der internationalen Politik abzubilden. Heut entstehen neuen einfluss- und Wachstumsmodelle, es entstehen zivilisatorische Allianzen, politische und wirtschaftliche Verb&auml;nde nehmen Gestalt an.<\/p><p>Diese Vielfalt eignet sich nicht zur Vereinigung. Deshalb m&uuml;ssen wir uns um eine Harmonisierung der Zusammenarbeit bem&uuml;hen. Regionale Organisationen in Eurasien, Amerika, Afrika und im asiatisch-pazifischen Raum sollten unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen handeln und ihre Arbeit koordinieren. Jede Organisation hat jedoch das Recht, nach seinen eigenen Vorstellungen und Grunds&auml;tzen zu arbeiten, die seinen kulturellen, historischen und geografischen Besonderheiten entsprechen.<\/p><p>Es ist wichtig, die globale Abh&auml;ngigkeit und Offenheit mit der Wahrung der einzigartigen Identit&auml;t jeder Nation und jeder Region zu verbinden. Wir m&uuml;ssen die Souver&auml;nit&auml;t als Grundlage des gesamten Systems der internationalen Beziehungen respektieren.<\/p><p>Kollegen, egal welche erstaunlichen H&ouml;hen die Technik erreichen kann, Geschichte wird von Menschen gemacht. <strong>Geschichte wird von Menschen gemacht, mit all ihren St&auml;rken und Schw&auml;chen, gro&szlig;en Errungenschaften und Fehlern. Wir k&ouml;nnen nur eine gemeinsame Zukunft haben. Es kann keine separate Zukunft f&uuml;r uns geben, jedenfalls nicht in der modernen Welt. Die Verantwortung daf&uuml;r, dass die Welt konfliktfrei und erfolgreich ist, liegt also bei der gesamten internationalen Gemeinschaft.<\/strong><\/p><p>Wie die vielleicht wissen, findet das 19. Weltfestival der Jugend und Studenten in Sotschi statt. Jugendliche aus Dutzenden von L&auml;ndern interagieren mit Gleichaltrigen und diskutieren &uuml;ber Themen, die sie betreffen. Sie werden nicht durch kulturelle, nationale oder politische Differenzen behindert, und sie alle tr&auml;umen von der Zukunft. Sie glauben, dass ihr Leben, das Leben der j&uuml;ngeren Generationen besser, gerechter und sicherer sein wird. Unsere Verantwortung besteht heute darin, unser Bestes zu tun, damit sich diese Hoffnungen erf&uuml;llen.<\/p><p>Vielen Dank f&uuml;r Ihre Aufmerksamkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Valdei Club h&auml;lt der russische Pr&auml;sident regelm&auml;&szlig;ig eine eher grunds&auml;tzliche Rede. Hier ist sie <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ChGYW0MHW_s\">als Video mit Untertiteln in Deutsch<\/a> und <a href=\"http:\/\/npr.news.eulu.info\/2017\/10\/22\/valdai-club-2017-putins-gesamte-rede-in-deutschem-wortlaut\/\">hier verschriftet in deutscher &Uuml;bersetzung<\/a>. Weiter unten finden Sie den kompletten Wortlaut der Rede. Wichtige Passagen und Stichworte sind <strong>fett geschrieben<\/strong>. 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