{"id":40801,"date":"2017-10-28T11:00:04","date_gmt":"2017-10-28T09:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40801"},"modified":"2026-01-27T11:23:55","modified_gmt":"2026-01-27T10:23:55","slug":"niemals-aufgeben-immer-fuer-recht-und-gerechtigkeit-kaempfen-auch-gegen-buergermeister-und-oberbuergermeister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40801","title":{"rendered":"\u201eNiemals aufgeben. Immer f\u00fcr Recht und Gerechtigkeit k\u00e4mpfen, auch gegen B\u00fcrgermeister und Oberb\u00fcrgermeister.\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171005_melzer.jpg\" alt=\"Abraham Melzer\" title=\"Abraham Melzer\"><\/div><p>Ist der Begriff Antisemitismus ein Kampfbegriff? Eindeutig ja, sagt <strong>Abraham Melzer<\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. Melzer, dessen j&uuml;dische Eltern vor den Nationalsozialisten fliehen mussten, geht davon aus, dass bestimmte Personengruppen gezielt den Begriff Antisemitismus einsetzen, um Kritik an Israel zu verhindern. Wie Melzer, der als Verleger seit vielen Jahren j&uuml;dische Themen der &Ouml;ffentlichkeit zug&auml;nglich macht, im Interview erkl&auml;rt, ist er selbst aufgrund seiner Israelkritik dem Vorwurf des Antisemitismus ausgesetzt. &bdquo;Das ist doch absurd&ldquo;, sagt Melzer.<br>\nDas Interview f&uuml;hrte <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6887\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-40801-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171028_Abraham_Melzer_Niemals_aufgeben_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171028_Abraham_Melzer_Niemals_aufgeben_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171028_Abraham_Melzer_Niemals_aufgeben_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171028_Abraham_Melzer_Niemals_aufgeben_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=40801-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171028_Abraham_Melzer_Niemals_aufgeben_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"171028_Abraham_Melzer_Niemals_aufgeben_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Melzer, Sie haben gerade ein Buch mit dem Titel &bdquo;Die Antisemiten-Macher&ldquo; ver&ouml;ffentlicht. Warum dieser Titel? Schlie&szlig;lich l&auml;sst sich sagen: Es gibt doch reale Antisemiten. Warum soll es Menschen geben, die Antisemiten &bdquo;machen&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Ich wei&szlig;, das klingt erstmal merkw&uuml;rdig, aber so ist es. Es gibt Leute, die haben ein Interesse daran, jeden, der die Politik Israels kritisiert, als Antisemiten zu brandmarken. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kritik an Israel nun berechtigt oder unberechtigt ist &ndash; nebenbei bemerkt: Kritik darf auch unberechtigt sein. Es geht immer darum, die Israel-Kritiker in die antisemitische Ecke zu stellen. Gegen diese Form, einen kritischen Diskurs niederzumachen, k&auml;mpfe ich seit 20 Jahren.<\/p><p><strong>Was sind denn die Kennzeichen der &bdquo;Antisemiten-Macher&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Dazu eine kleine Anekdote. Der ber&uuml;hmte israelische Journalist und Publizist Amos Elon, der leider vor einigen Jahren verstorben ist, hat in seinen Memoiren etwas Interessantes geschrieben.<\/p><p>Elon fragte einen israelischen Botschafter in Washington, der sein Amt beendet hat und nach Israel zur&uuml;ckgekommen ist, was sein gr&ouml;&szlig;ter Erfolg in den USA war. Er sagte, sein gr&ouml;&szlig;ter Erfolg sei es gewesen, daf&uuml;r zu sorgen, dass Antizionismus und Antisemitismus gleichgesetzt werden. <\/p><p>Antizionismus ist eine Ideologie. Also wie Kommunismus, Sozialismus, Kapitalismus, Faschismus.<br>\nMan kann f&uuml;r diese Ideologien oder gegen sie sein. Aber diese Ideologien d&uuml;rfen Gegenstand von Diskussionen sein. Antisemitismus ist Rassismus. Mit Rassisten kann und braucht man nicht zu diskutieren. Das ist des Pudels Kern. <\/p><p>Ich aber, der aus einem j&uuml;dischen Haus kommt, der in Israel aufgewachsen ist, der in der israelischen Armee gedient hat, der als Verleger seit Jahren j&uuml;dische Themen verlegt und aus dem Hebr&auml;ischen &uuml;bersetzt, werde als Antisemit bezeichnet, weil ich die israelische Politik kritisiere. Das ist doch absurd.<\/p><p><strong>Warum werden Sie auf diese Weise kritisiert?<\/strong><\/p><p>Es geht darum, Leute wie mich zu diskreditieren, mundtot zu machen. <\/p><p>Ich wurde von unterschiedlichen Veranstaltern angerufen und man hat mich gefragt, ob ich bereit w&auml;re, an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen. Man sagte mir, dass aber auch Herr Broder daran teilnehmen werde. Ich habe nat&uuml;rlich zugesagt, schlie&szlig;lich bin ich bereit, auch mit Henryk Broder zu diskutieren. Aber dann hei&szlig;t es zwei Tage sp&auml;ter: Herr Melzer, es tut uns leid, aber Herr Broder verweigert die Diskussion mit Ihnen.<\/p><p><strong>Was wollen Sie damit sagen?<\/strong><\/p><p>Das war nur ein Beispiel, um aufzuzeigen: Wer mit dem Begriff Antisemitismus um sich wirft, verweigert sich einer sachlichen Diskussion.<\/p><p><strong>Ist Antisemitismus mittlerweile ein Kampfbegriff?<\/strong><\/p><p>Zweifelsfrei, das ist er. Leider haben die Medien mit zu dieser Entwicklung beigetragen. Um nur ein Beispiel anzuf&uuml;hren: Als G&uuml;nter Grass sein Gedicht &uuml;ber Israel ver&ouml;ffentlichte, das in meinen Augen v&ouml;llig harmlos war, hat doch die gesamte Presse Antisemitismus geschrien.<\/p><p><strong>Warum geht die Presse nicht differenzierter mit dem Begriff Antisemitismus um?<\/strong><\/p><p>Sie ist feige. Absolut feige.<\/p><p><strong>Wenn der Begriff auf eine fast schon inflation&auml;re Weise verwendet wird, was bedeutet dies denn f&uuml;r den realen Antisemitismus? Reale Antisemiten gibt es doch leider viele.<\/strong><\/p><p>Die real existierenden Antisemiten freuen sich. Sie r&uuml;cken aus dem Fokus der kritischen &Ouml;ffentlichkeit. Wenn Leute wie G&uuml;nter Grass, Jakob Augstein, Dieter Hallervorden, also wenn schon die Cr&egrave;me de la Cr&egrave;me der kulturellen Elite bisweilen als Antisemiten bezeichnet wird, dann f&uuml;hrt dies dazu, dass man den Begriff und den schlimmen Vorwurf, der mit ihm verbunden ist, nicht mehr ernst nehmen kann.<\/p><p><strong>Nun gab es vor kurzem auch Probleme bei einer Veranstaltung, die Sie in Frankfurt zu Ihrem neuen Buch halten wollten. Was ist da passiert?<\/strong><\/p><p>Die Stadt Frankfurt hat versucht, meine Buchvorstellung zu verhindern, weil sie mir unterstellt, dass ich ein Aktivist der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Boycott,_Divestment_and_Sanctions\">BDS-Bewegung<\/a> bin. Der Magistrat hat zwar beschlossen, dass er BDS-Aktivisten als Antisemiten klassifiziert und ihnen deshalb keine R&auml;ume vermieten wird. Dieser Beschluss ist aber nur ein d&auml;mlicher und absurder Beschluss eines Stadtparlaments und nicht geltendes Recht. Ich habe dagegen eine Einstweilige Verf&uuml;gung erwirkt und konnte meine Buchvorstellung in den gemieteten R&auml;umen durchf&uuml;hren.<\/p><p><strong>Und dann?<\/strong><\/p><p>Die Stadt sch&auml;umte vor Wut und hat der Presse gesagt, dass man die Satzung der Saalbau GmbH, die f&uuml;r die Vermietung von R&auml;umen zust&auml;ndig ist, &auml;ndern wolle. Dann kann der B&uuml;rgermeister Uwe Becker gleich auch versuchen, das Grundgesetz zu &auml;ndern. Damit war aber nichts zu Ende, denn in M&uuml;nchen ist mir dasselbe passiert. Mein Vortrag, der f&uuml;r den 24.10.2017 gebucht war, wurde wenige Tage davor gek&uuml;ndigt. Jetzt versuchen wir, einen Raum im Gasteig in M&uuml;nchen zu buchen. Falls die Stadt sich weigert, dann werden wir klagen.<\/p><p><strong>Welche Lehre ziehen Sie aus diesem Erlebnis?<\/strong><\/p><p>Niemals aufgeben. Immer f&uuml;r Recht und Gerechtigkeit k&auml;mpfen, auch gegen B&uuml;rgermeister und Oberb&uuml;rgermeister.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171005_melzer.jpg\" alt=\"Abraham Melzer\" title=\"Abraham Melzer\"\/><\/div>\n<p>Ist der Begriff Antisemitismus ein Kampfbegriff? Eindeutig ja, sagt <strong>Abraham Melzer<\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. Melzer, dessen j&uuml;dische Eltern vor den Nationalsozialisten fliehen mussten, geht davon aus, dass bestimmte Personengruppen gezielt den Begriff Antisemitismus einsetzen, um Kritik an Israel zu verhindern. 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