{"id":40804,"date":"2017-10-29T11:00:43","date_gmt":"2017-10-29T10:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40804"},"modified":"2018-12-30T17:41:59","modified_gmt":"2018-12-30T16:41:59","slug":"pablo-nerudas-fahrer-annaeherungen-an-manuel-araya-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40804","title":{"rendered":"Pablo Nerudas Fahrer &#8211; Ann\u00e4herungen an Manuel Araya, Teil 1"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171029-Nerudas-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>San Antonio, Chile, im Sommer 2013. Eine Autostunde von Santiago entfernt klebt die achtzigtausend Einwohner z&auml;hlende Hafenstadt an den steilen H&auml;ngen, die sich vom Vorland der Anden in den Pazifik st&uuml;rzen. Ihr Anblick ist nicht bezaubernd, in Chile kontrastieren die atemberaubenden Naturlandschaften mit der erb&auml;rmlichen Stumpfsinnigkeit der Stadtbaukunst. Mit seinem Meer wellblech&uuml;berdachter Sperrholzh&auml;uschen wird San Antonio von einer sonderbaren Misch&auml;sthetik aus Wildwest und sowjetischem Dorfwesen am arktischen Wendekreis gepr&auml;gt.  Ein Essay von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIch komme aus Brasilien, um mich mit Cosme Caracciolo zu treffen. Als ehemaliger Fischer in der dritten Generation und Gewerkschaftsf&uuml;hrer soll er die Dreharbeiten zum Dokumentarfilm &bdquo;Camarada Oc&eacute;ano &ndash; Gef&auml;hrte Ozean&rdquo; beraten, der die weltweit verzweifelte Lage der kleingewerblichen Fischer, insbesondere aber den Widerstand der chilenischen <em>Artesanales<\/em> schildern soll, wie die nicht-industriellen Fischer in der spanischen Sprachwelt genannt werden.<\/p><p>Monate zuvor schrieb ich ihm, der Filmtitel sei im &Uuml;brigen eine Versanleihe aus der &bdquo;Ode an das Meer&rdquo;, ein elegisches Gedicht seines Landsmanns und Literatur-Nobelpreistr&auml;gers Pablo Neruda.<\/p><p>Wir sitzen nun am langen K&uuml;chentisch Caracciolos und kartieren die Drehorte. Mein Blick streift das ausgebleichte, doch episch anmutende Familienfoto an der K&uuml;chenwand, das den jungen Caracciolo, seinen Bruder und ihren Vater an Bord des schiefen, h&ouml;lzernen Fischkutters mit dem Raubvogelnamen &bdquo;Halc&oacute;n&rdquo; (Falke) und einem in voller Bootsbreite, vier Meter langen, erbeuteten gestreiften Marlin stolz zu F&uuml;&szlig;en abbildet. <\/p><p>Caracciolo erhebt sich, schreitet in das Wohnzimmer und greift eine Harpune, die als Andenken an der Decke h&auml;ngt, und erz&auml;hlt: &bdquo;Mein Vater belehrte uns, dass man niemals einen Marlin die Harpune ungefragt in den Leib jagen sollte. Vorher sollten wir ihn um Entschuldigung und dazu um Genehmigung bitten!&ldquo;. Der Fischer unterdr&uuml;ckt eine Erinnerungstr&auml;ne mit einem Schmunzeln. <\/p><p>Ob denn Hemingway in San Antonio gelebt habe, frage ich, das h&auml;tte eine Szene aus &bdquo;Der alte Mann und das Meer&rdquo; sein k&ouml;nnen!  Wir lachen.<\/p><p><strong>Pablo Nerudas Fahrer<\/strong><\/p><p>&bdquo;Apropos Neruda!&ldquo;, wirft Caracciolo pl&ouml;tzlich ein, springt nochmal auf, kehrt mit sibyllinischem Blick an den Tisch zur&uuml;ck und &uuml;berreicht mir ein Buch: &bdquo;El doble asesinato de Neruda&ldquo; (Die zweifache Ermordung Nerudas), Santiago de Chile, 2012.<\/p><p>Er fragt mich, ob ich den Mann kenne, auf den sich der Untertitel &ndash; &bdquo;Mit dem Zeugnis Manuel Arayas&ldquo; &ndash; beziehe. Nein, den h&ouml;rte ich zum ersten Mal. Caracciolo mimt den Geheimnisw&auml;rter, greift zum Telefon und trifft eine Verabredung. <\/p><p>Eine halbe Stunde sp&auml;ter tritt der fleischgewordene Buchheld zur T&uuml;r herein: Ein &auml;lterer Herr mittlerer Statur, gepflegte Glatze, gekleidet in dunkelblauem Anzug, Schlips und schneewei&szlig;em Kragen. Sein gebr&auml;unter Teint lie&szlig;e den prahlerischen Sonnenurlaub der Gutsituierten vermuten. <\/p><p>Die Personifizierung des Bilderbuch-Kavaliers gr&uuml;&szlig;t er mit extempor&auml;rer Verbeugung: <em>&bdquo;Manuel Araya Osorio, &iexcl;es un gusto conocerlo!&rdquo;<\/em>. Er klopft Caracciolo demonstrativ auf die Schulter: Ihm habe er seine pl&ouml;tzliche Popularit&auml;t zu verdanken! <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171029-Nerudas-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Der Fischer l&auml;chelt verlegen, wiegelt ab. Na ja, es stimme wohl, dass er Araya dem chilenischen Korrespondenten der mexikanischen Wochenzeitung &bdquo;Proceso&rdquo; vorgestellt habe, die sich als erstes Medium f&uuml;r Arayas Geschichte interessierte. Die Reportage sei &uuml;brigens an diesem Tisch entstanden, an dem wir jetzt Platz nahmen; ihr folgte das Buch.<\/p><p>Araya setzt sich und weiht mich in seine Geschichte ein. Vierzig Jahre lang habe er davor gewarnt, Pablo Neruda sei nicht am Prostata-Krebs gestorben, sondern ermordet worden &ndash; er wisse es genau! Als die Reportage mit seinem Zeugnis um die Welt ging, da kam der Stein ins Rollen &ndash; nun werde Neruda exhumiert!  <\/p><p>Bis zum Todestag des Nobelpreistr&auml;gers war Manuel Araya sein Fahrer und Leibw&auml;chter. Nun ist er die Schl&uuml;sselfigur der Ermittlungen der chilenischen Justiz &uuml;ber dessen wahrlich nebul&ouml;se Todesumst&auml;nde.<\/p><p>Unser Vorstellungsgespr&auml;ch dauerte eine halbe Stunde, dann musste der angehende Siebzigj&auml;hrige sich beeilen, er hatte noch die ganze, lange Nacht vor sich &ndash; &bdquo;Taxi fahren, zur Aufbesserung der Rente!&ldquo;, knurrt er mit ver&auml;chtlichem Schmunzeln und verschwindet.<\/p><p><strong>Arayas gro&szlig;er Tag<\/strong><\/p><p>Isla Negra, April 2013.<\/p><p>Nach anderthalb Jahre langen Nachforschungen ordnete Richter Mario Carroza vom Appellationsgericht Santiago im April 2013 die Exhumierung der sterblichen Reste Ricardo Neftal&iacute; Reyes Basoaltos, der sich den K&uuml;nstler-Alias Pablo Neruda zugelegt hatte, an. <\/p><p>Zuerst in einer Leihgruft bestattet, war er auf dem Allgemeinen Friedhof in Santiago einmal umgebettet worden. Erst siebzehn Jahre sp&auml;ter wurden die Urnen des Dichters und Matilde Urrutias, seiner 1985 verstorbenen, dritten Ehefrau, im Garten hinter ihrem Haus, in Isla Negra, zusammengef&uuml;hrt. <\/p><p>Manuel Araya lud mich zur feierlichen Enterdigung ein, mit einem kompletten Drehteam fuhren wir nach Isla Negra. Als nun der flaggengeschm&uuml;ckte Sarg Nerudas aus der Gruft gehoben und wieder im keimfreien Transporter des gerichtsmedizinischen Instituts von Santiago verschwand, f&uuml;hlte der ehemalige Fahrer einen Stich in der linken Brust. Doch er frohlockte &ndash; Endlich hatte er es geschafft!<\/p><p>Am Eingang der &bdquo;Fundaci&oacute;n Pablo Neruda&ldquo; gab er eine improvisierte Pressekonferenz. Als <em>persona non grata<\/em> in der Stiftung durfte er ihre R&auml;umlichkeiten auch an seinem gro&szlig;en Tag nicht nutzen &ndash; eine Fehde, so betagt und unverdaulich wie des Poeten Tod, in der aber seine Verwandten und sein Fahrer am gleichen Strang ziehen.<\/p><p>&bdquo;<em>Don<\/em> Pablo wurde ermordet!&rdquo;, pointierte er.<\/p><p>Die Augen der Journalisten und der Fernsehkameras fest im Visier seiner eigenen wiederholte er seine &uuml;ber Jahrzehnte heruntergebetete Litanei vom Dichter-Mord. Achtmal hatte er in diesen vier Jahrzehnten &bdquo;seine Partei&rdquo;, die Kommunistische Partei Chiles, auf den Verdacht angesprochen, doch nur Kopfsch&uuml;tteln geerntet. <\/p><p>&bdquo;Ich war schon mal so weit, alles aufzugeben, doch jetzt werde ich beruhigt sterben k&ouml;nnen!&rdquo;, seufzte er. Das klang etwas pathetisch, doch nicht minder ironisch: Mit der Exhumierung des Nobelpreistr&auml;gers hatte der arme Landarbeiter-Spross die Neuschreibung der Geschichte seines Landes erzwungen &ndash; nun aus der Perspektive der Verlierer. <\/p><p>Ein verbl&uuml;ffender, alarmierender Zufall hatte Richter Mario Carroza hellh&ouml;rig gestimmt, bevor er die Ermittlungen in der &bdquo;Causa Neruda&rdquo; aufnahm: in der gleichen Klinik erlag 1982 Ex-Staatspr&auml;sident Eduardo Frei Montalva einem erwiesenen Giftanschlag mit Senfgas. Sechs T&auml;ter, darunter zwei &Auml;rzte, wurden angeklagt und verhaftet.<\/p><p><strong>Der fiktive Postmann und der leibhaftige Fahrer<\/strong><\/p><p>Nach der Exhumierung Nerudas begannen die Dreharbeiten f&uuml;r den Dokumentarfilm &bdquo;Gef&auml;hrte Ozean&rdquo;, in dessem Mittelpunkt die Familienchronik Cosme Caracciolos steht.   <\/p><p>Ich brauchte einen Produktionswagen f&uuml;r das Team und n&auml;herte mich sch&uuml;chtern mit der Frage an Araya, ob er uns f&uuml;r eine Woche als Fahrer mit dem Leihwagen einer seiner Br&uuml;der zum markt&uuml;blichen Tagessatz bedienen k&ouml;nne. Zu meinem Erstaunen sagte er sofort zu. So ehrte mich Pablo Nerudas Fahrer als mein Filmset-Chauffeur.<\/p><p>P&uuml;nktlicher als die Engl&auml;nder kutschierte er uns eine Woche lang im Toyota, von einem Fischerdorf zum anderen, am Pazifik entlang.<\/p><p>Seine knapp ein Jahr lange Verbindung mit dem Nobelpreistr&auml;ger ist der des Romanhelden Mario Jim&eacute;nez in Antonio Sk&aacute;rmetas Erz&auml;hlung &bdquo;Mit brennender Geduld&rdquo; (1985) beispiellos &auml;hnlich: Jim&eacute;nez ist der Postillon auf dem Drahtesel, der als Mario Ruoppolo in der Filmbearbeitung Michael Radfords &bdquo;Der Postmann&rdquo; (Il Postino,1994) von Isla Negra auf die Insel Salina im Tyrrhenischen Meer verpflanzt wird. <\/p><p>Sk&aacute;rmetas Erz&auml;hlung gipfelt mit dem Sturz Allendes, Nerudas Tod und Jim&eacute;nez&acute; Verhaftung durch die Schergen Pinochets. Der Epilog passt auf Manuel Arayas Schicksal wie die Faust aufs Auge, man muss vermuten, Nerudas Fahrer habe Sk&aacute;rmeta inspiriert. <\/p><p>Nun sitzt der leibhaftige Araya hinter dem Steuer wie der Sendbote aus dem Reich der Legende. Er scheint monothematisch fixiert auf seine Verbindung mit dem Nobelpreistr&auml;ger, doch sein Ged&auml;chtnis ist eine Fundgrube reich an Anekdoten aus den letzten Monaten im Leben seines weltbekannten Dienstherrn. <\/p><p>Mit <em>Due&ntilde;a<\/em> Matilde, Nerudas dritter Ehefrau, kam er ganz und gar nicht klar, besser: sie mit ihm nicht. Sie verabscheute die Armen und behandelte Don Pablos Bedienstete als Underdogs, tadelt Araya. Anders die Beziehung des <em>Compa&ntilde;ero<\/em> Neruda zu ihm: Die Armut als gemeinsame &bdquo;Jugendgef&auml;hrtin&rdquo; habe ihre enge Freundschaft geschmiedet. <\/p><p>Arayas Eltern waren arme <em>Campesinos<\/em> vom Hinterland San Antonios. Als Kinder befremdete ihn und seine zw&ouml;lf Geschwister, wie sich ihr Vater von halb sechs in der Fr&uuml;he bis abends um neun bei der Feldarbeit abplagte. Die Dem&uuml;tigung wollte er als Erwachsener nicht auf sich nehmen und er war gerade vierzehnj&auml;hrig, als er von Julieta Campusano, einer legend&auml;ren Senatorin der KP, als Patenkind adoptiert und nach Santiago mitgenommen wurde. Bald sorgte Campusano in der Partei f&uuml;r seine Ausbildung in Techniken des Personenschutzes und politischen Protokolls, die Fahrerausbildung geh&ouml;rte dazu. <\/p><p>Mit der Wahl Allendes gelang der KP 1970 der Aufstieg zur Regierungspartei. <\/p><p>Araya, knapp 25, diente nun u.a. als Chauffeur und Leibw&auml;chter des stellvertretenden Staatssekret&auml;rs Daniel Vergara &ndash; einer jener &bdquo;f&uuml;nfzig Wackeren&rdquo;, ermahnt er, die an der Seite Allendes am Morgen des 11. September 1973 den Regierungspalast La Moneda gegen Pinochets brutalen &Uuml;berfall bis zur letzten Patrone verteidigten.<\/p><p><strong>Beim &bdquo;Kapit&auml;n&rdquo; von Isla Negra<\/strong><\/p><p>Manuel Araya d&uuml;rfte die st&auml;ndige Wiederholung seiner Geschichte verst&auml;ndlicherweise auf den Geist gehen, denke ich, w&auml;hrend er weitererz&auml;hlt. Immerhin hat er sie seit Ermittlungsbeginn im &bdquo;Fall Neruda&rdquo; einer Schar von Journalisten offenbart. Nein, nein! Es sei ihm ein Vergn&uuml;gen, kokettiert der Gentleman, denn bei jedem Wiederk&auml;uen fiele ihm l&auml;ngst Vergessenes pl&ouml;tzlich wieder ein!<\/p><p>Auf einer langen, geraden Fahrbahnstrecke fragt er das Team, ob wir w&uuml;ssten, warum Neruda von Allende 1971 als Botschafter nach Paris geschickt worden war. Weil er die chilenische Kultur so gut vertrat? Araya lacht lauthals. Falsch! Allende tat Nerudas Frau Matilde einen Gefallen, die sich bei ihm &uuml;ber die geheime Liebesaff&auml;re ihres Ehemannes mit ihrer Nichte beschwerte und den Pr&auml;sidenten bat, ihn elegant aus Chile zu entfernen.<\/p><p>Doch im November 1972 war Neruda &uuml;bereilt aus Paris nach Isla Negra zur&uuml;ckgekehrt. Wieso ausgerechnet jetzt, wo er doch Literatur-Nobelpreistr&auml;ger und in aller Munde war, fragten ihn seine Freunde. Nun, er wolle wieder die salzige Luft schnuppern, die hier auf den die K&uuml;ste ums&auml;umenden schwarzen Felsen klebt, erkl&auml;rte er abwiegelnd. In Wahrheit qu&auml;lten ihn sein Prostata-Krebs und die Sorge um Freund Allende, dem in Chile und von Richard Nixon der Umsturz angedroht war. <\/p><p>In Nerudas Memoiren und einzelnen Biografien hatte ich gelesen, dass er den Isla-Negra-Strand 1939 w&auml;hrend eines Ausritts entdeckt und dem pensionierten spanischen Schiffskapit&auml;n und Alt-Anarchisten, Eladio Sobrino, abgekauft habe. <em>Don<\/em> Eladio nannte die Idylle &bdquo;Las Gaviotas&rdquo;, soviel wie &ldquo;M&ouml;venblick&rdquo;. Neruda wiederum d&uuml;rstete es nach dem abgeschiedenen Territorium der Poesie. Er nannte den Strandflecken seine &bdquo;Insel&rdquo; und erkl&auml;rte sich selbst zum &bdquo;Kapit&auml;n&ldquo; &ndash; die schwarzen Felsen erkl&auml;rten das &Uuml;brige. <\/p><p>Das ganze Anwesen hatte in drei Jahrzehnten die Umrisse eines Schiffes erhalten. Der n&auml;rrische Poet sammelte abgewrackte Fischerboote, Schiffsmasten, Anker, Bullaugen und mystische Meereswesen. In Isla Negra f&uuml;hlte er sich endlich wie der Kapit&auml;n im Titel seines homonymischen Gedichtbands &bdquo;Die Verse des Kapit&auml;ns&ldquo;, eine 1952 anonym in Capri verfasste Sammlung l&uuml;sterner Kompositionen, die er Matilde Urrutia widmete, mit der er seine zweite Ehefrau, die argentinische Kunstmalerin Delia del Carril, betrogen hatte. <\/p><p>Manuel Araya f&auml;hrt fort: Wieder daheim, brauchte der Dichter 1972 ein Auto und einen Fahrer. Da stellte Alt-Senatorin Campusano ihrem Freund Neruda ihren Proteg&eacute; vor: Manuel Araya Osorio. Der Dichter berief ihn bald zum &bdquo;Sekret&auml;r&rdquo; &ndash; ein Attribut, mit dem Neruda es nicht so ernst meinte, nannte er doch den G&auml;rtner und den Tischlermeister Jaime Maturana auch seine &bdquo;Sekret&auml;re&rdquo;. Daf&uuml;r durfte ihn Araya im intimeren Umgang bald &bdquo;Pablito&rdquo;, im kumpelhaften politischen Gespr&auml;ch &bdquo;Compa&ntilde;ero Pablo&rdquo; und wenn das Protokoll es erforderte, mit der respektierlichen Form &bdquo;<em>Don<\/em> Pablo&rdquo; anreden.<\/p><p>In Isla Negra stand er jeden Morgen um punkt sieben Uhr auf der Matte, versichert uns Araya. Mit einem gef&uuml;llten Wasserk&uuml;bel musste er zun&auml;chst f&uuml;r die Morgentoilette des Dichters sorgen. Anschlie&szlig;end fuhr er in den Nachbarort Tabo, leerte Nerudas Postfach und kaufte die ersten Tageszeitungen. Am sp&auml;ten Morgen pflegten die ersten G&auml;ste und Besucher einzutreffen, Araya &ouml;ffnete ihnen die T&uuml;r. Danach besorgte er die Eink&auml;ufe und, je nach Terminkalender, fuhr er seinen Dienstherrn an Nachmittagen zu Begegnungen oder einfach nur spazieren. <\/p><p>Befremdliche Vorkommnisse: Mexikos Botschafter Martinez Corbal&aacute;, der Neruda aus den F&auml;ngen Pinochets befreien und nach Mexiko ausfliegen sollte, ging ein und aus in Isla Negra, behauptet aber dennoch, Manuel Araya niemals begegnet zu sein.<\/p><p>Der Poet mochte das gepflegte Auftreten seines Fahrers, der mit seinen zwei Paar Schuhen, zwei Anz&uuml;gen, sechs Oberhemden und sechs Krawatten aus der Not eine Tugend machte.<\/p><p>Geld!<\/p><p>Das Vertrauensverh&auml;ltnis sei so eng gewesen, dass ihn Neruda zur Post schickte, um die Urheberrechte aus seinen Buchlizenzen zu kassieren. Das Geld bekam er aber nicht auf &bdquo;hundertprozentig legalem Wege&rdquo;, oft war es in Pappzylindern oder K&ouml;chern versteckt, die man als Schutzh&uuml;lle f&uuml;r ungerahmte Gem&auml;lde nutzt. <\/p><p>Tja, <em>Don<\/em> Pablo hatte so seine Tricks. Und Macken!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171029-Nerudas-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>San Antonio, Chile, im Sommer 2013. Eine Autostunde von Santiago entfernt klebt die achtzigtausend Einwohner z&auml;hlende Hafenstadt an den steilen H&auml;ngen, die sich vom Vorland der Anden in den Pazifik st&uuml;rzen. Ihr Anblick ist nicht bezaubernd, in Chile kontrastieren die atemberaubenden Naturlandschaften mit der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40804\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,20],"tags":[1344,1276,2156,669,1409,2192,1963],"class_list":["post-40804","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","tag-allende-salvador","tag-attentat","tag-biographie","tag-chile","tag-gifteinsatz","tag-neruda-pablo","tag-pinochet-augusto"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40804","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40804"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40804\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48116,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40804\/revisions\/48116"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40804"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40804"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40804"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}