{"id":40840,"date":"2017-10-30T11:51:00","date_gmt":"2017-10-30T10:51:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40840"},"modified":"2017-10-31T08:20:21","modified_gmt":"2017-10-31T07:20:21","slug":"salonlinke-in-die-produktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40840","title":{"rendered":"Salonlinke in die Produktion!"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171030_02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Gerade wenn man denkt, der unselige innerlinke Grabenkampf zur Einwanderungspolitik sei an seinem Tiefpunkt angekommen, legt das Neue Deutschland noch einmal eine neue Schippe im Niveaulimbo auf. Diesmal schl&auml;gt ND-Redakteur Robert Meyer <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1068309.debatte-in-der-linken-es-gibt-keine-deutsche-arbeiterklasse.html?sstr=deutsche|arbeiter\">wortstark und argumentationsschwach um sich<\/a> und kl&auml;rt die Leser des ehemaligen Zentralorgans der Regierungspartei des Arbeiter- und Bauernstaates auf, dass es so etwas wie eine &bdquo;deutsche Arbeiterklasse&ldquo; doch &uuml;berhaupt nicht gibt. Stattdessen f&uuml;hrt Meyer eine globale &bdquo;Klasse der Besitzlosen&ldquo; ins Feld. Und wer bei der Einwanderungsdebatte die gesonderten Interessen der deutschen Arbeiter heraushebe, argumentierte auf &bdquo;zweiter Ebene&ldquo; rassistisch &ndash; so wie  Sahra Wagenknecht. Es ist zum Haare raufen. Kennen Salonlinke wie Meyer Arbeiter wirklich nur aus TV-Dokus? Oder ist auch dies nur ein hilfloser Versuch, eine politische Alternative links der &bdquo;radikalen Mitte&ldquo; durch d&uuml;mmliche politisch-korrekte Phrasen zu desavouieren? Von <strong>Jens Berger<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7840\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-40840-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171030_Salonlinke_in_die_Produktion_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171030_Salonlinke_in_die_Produktion_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171030_Salonlinke_in_die_Produktion_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171030_Salonlinke_in_die_Produktion_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=40840-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171030_Salonlinke_in_die_Produktion_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"171030_Salonlinke_in_die_Produktion_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Robert Meyer hat sich einen launigen Rahmen f&uuml;r seine Ausf&uuml;hrungen herausgesucht. Bereits in der Einleitung stellt er seinen Lesern folgenden Satz vor: &bdquo;Sozialstaat und unbegrenzte Zuwanderung funktioniert nicht zusammen&ldquo;. Anhand dieser Aussage, die er als rassistisch einstuft, stellt er dann fest, dass sie theoretisch ja von den Spitzenvertretern s&auml;mtlicher im Bundestag vertretenen Parteien stammen k&ouml;nnte. Ei der Daus! Sahra Wagenknecht sagt zur Zuwanderung potentiell dasselbe wie Alexander Gauland? Das kann man in diesem konkreten Fall nur hoffen, da diese Aussage, die &uuml;brigens von Jens Spahn stammt, eine Binse ist. Nat&uuml;rlich w&uuml;rde der Sozialstaat unter einer unbegrenzten Zuwanderung leiden. Und dass es vor allem die sozial Schwachen sind, die bei den gegebenen Verh&auml;ltnissen am meisten zu leiden h&auml;tten, sollte vor allem innerhalb der politischen Linken eigentlich unumstritten sein. Die NachDenkSeiten hatten diesen Zusammenhang schon zu Beginn der aktuellen &bdquo;Fl&uuml;chtlingsdebatte&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27774\">sehr klar formuliert<\/a>. <\/p><p>Um was es ihm eigentlich konkret geht, l&auml;sst Meyer lieber au&szlig;en vor. Er stiftet lieber Verwirrung, indem er ein Zitat zur generellen Zuwanderung mit der unseligen Debatte um die &bdquo;Obergrenze&ldquo; f&uuml;r Fl&uuml;chtlinge in einen Topf wirft, um dann selbstgerecht festzustellen, man solle doch lieber &bdquo;m&ouml;glichst vielen Menschen helfen&ldquo;. Da hat der gute Robert es den b&ouml;sen Andersdenkenden aber gezeigt. Doch was soll das Ganze? Meyer wirft Zuwanderung und Fl&uuml;chtlingsthematik in einen Topf, gibt ein paar Prisen Selbstgerechtigkeit hinzu, r&uuml;hrt kr&auml;ftig um und fertig ist der Debattenbrei. Doch so einfach sollte man ihn damit nicht wegkommen lassen. Drehen wir das Spiel doch einmal um. <\/p><p>Von welchem Politiker stammt der Vorschlag, man solle bei Einwanderungswilligen nach einem Jahr eine Pr&uuml;fung der Integrationserfolge vornehmen und dann entscheiden, ob eine Aufenthaltsgenehmigung erteilt wird oder ob der Einwanderungswillige wieder abgeschoben wird? Wahrscheinlich w&uuml;rden Meyer und Co. nun etwas von &bdquo;purem, neoliberalem N&uuml;tzlichkeitsrassismus&ldquo; fabulieren und &uuml;berlegen, welchem CSU- oder AfD-Politiker man dieses Zitat zuschreiben k&ouml;nnte. Doch oh Wunder, dieses Zitat stammt von niemand anderem als Katja Kipping und fiel bei einer Rede zur Integrationspolitik beim DIW <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/de\/diw_01.c.560777.de\/publikationen_veranstaltungen\/veranstaltungen\/veranstaltungsreihen\/berliner_reden_zur_integrationspolitik\/berliner_reden_zur_integrationspolitik.html\">vor wenigen Wochen<\/a> (ab 25:20). Dieser Gedanke, der offenbar aus einem Entwurf stammt, der nun bei der Konferenz der Fraktionsvorsitzenden aller Landtagsfraktionen der Linkspartei liegt, ist ja auch keinesfalls falsch; unverst&auml;ndlich ist nur, dass Soziologen, Philosophen und Journalisten im Neuen Deutschland und der taz bei solchen Zitaten immer wieder Sahra Wagenknecht in die N&auml;he der AfD r&uuml;cken, w&auml;hrend ihr Darling Katja v&ouml;llig &bdquo;ungestraft&ldquo; die rosarote Echokammer des Berliner juste milieu verlassen darf. Offenbar geht es gar nicht um die Einwanderungsdebatte, sondern um die Machtfrage innerhalb der Linkspartei.<\/p><p>Abseits der Grabenk&auml;mpfe stellen sich hier jedoch noch weitere Fragen zum Aufsatz von Meyer, die ein unbequemes Bild auf die Geistes- und Gef&uuml;hlswelt einer selbstgef&auml;lligen linken Intelligenzija wirft, die sich in den Szenevierteln Berlins eingenistet hat und die Bodenhaftung schon lange verloren hat. Dies wird beispielsweise bei Meyers Feststellung deutlich, es gebe doch gar keine &bdquo;deutsche Arbeiterklasse mehr&ldquo;; er spricht stattdessen lieber von einer globalen Klasse der Besitzlosen. Dieser geistige Kurzschluss ist an Arroganz kaum zu &uuml;bertreffen. Sicher f&uuml;r einen ND-Redakteur, der wahrscheinlich allem Weltlichen abgeschworen hat, in einer &uuml;berf&uuml;llten WG in Kreuzberg wohnt, mit Gleichgesinnten im Biomarkt vegane Leckereien kauft und &ouml;kologisch korrekt mit dem schicken Rennrad durch die Stadt f&auml;hrt, mag das kleine Gl&uuml;ck der VW-Bandarbeiter, Dachdeckergesellen oder Krankenschwestern &bdquo;spie&szlig;ig&ldquo; wirken. Ihr langweiliges Reihenhaus, ihre &ouml;kologisch verheerende Familienkutsche und dann auch noch der sinnlose Kugelgrill, mit dem diese Menschen Leichenteile von K&uuml;hen r&ouml;sten &hellip;. nein, so was geht ja gar nicht. Als Strafe droht diesen Menschen, die laut Meyer bereits den &bdquo;Geist der Konkurrenz-, N&uuml;tzlichkeits-, und Verwertungslogik atmen&ldquo;, dann auch eine Eingruppierung in die &bdquo;Klasse&ldquo; der Besitzlosen. &Uuml;berfl&uuml;ssig zu erw&auml;hnen, dass die betroffenen Menschen &uuml;ber Meyer und seine ulkige Klassenlogik noch nicht einmal lachen w&uuml;rden. <\/p><p>Da ist er wieder &ndash; der vielleicht <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1067607.debatte-in-der-linken-getrennte-lebenswelten.html?sstr=baron\">un&uuml;berbr&uuml;ckbare Gegensatz<\/a> zwischen den &bdquo;Gef&uuml;hlslinken&ldquo; des urbanen Bildungsb&uuml;rgertums und der klassischen Linken mit ihren Wurzeln in der Arbeiterbewegung, die einander nicht mehr verstehen. Dabei w&auml;re es doch eigentlich ganz einfach, da ein wenig Nachhilfe zu betreiben. Getreu dem RTL-Erfolgsmotto k&ouml;nnten das Neue Deutschland und die taz doch einen &bdquo;Intellektuellentausch&ldquo; veranstalten. <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1066535.der-rassismus-im-lafonknechtschen-wagentainment.html\">Stephan Lessenich<\/a> darf dann zwei Wochen als M&uuml;llwerker in Frankfurt\/Oder Erfahrungen sammeln, <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/Archiv-Suche\/!5455168\/\">Thomas Seibert<\/a> kann seine empirischen Grundlagen als Maurer in Gelsenkirchen auf dem Bau erweitern und f&uuml;r <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1068309.debatte-in-der-linken-es-gibt-keine-deutsche-arbeiterklasse.html?sstr=deutsche|arbeiter\">Robert Meyer<\/a> k&ouml;nnte sich ein Praktikum in der Produktion bei Salzgitter Stahl anbieten, wo er auch gleich einmal recherchieren kann, warum 5.000 Fl&uuml;chtlinge auf 100.000 Einwohner f&uuml;r eine klassische Arbeiterstadt vielleicht doch ein Problem darstellen <a href=\"http:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/niedersachsen\/braunschweig_harz_goettingen\/Salzgitters-Problem-mit-den-Syrern,syrer164.html\">k&ouml;nnten<\/a>. Und wenn die Salonlinken ein wenig Empathie f&uuml;r ihre Mitmenschen ohne Abitur, WG-Zimmer und Rennrad entwickeln, die au&szlig;erhalb der Echokammer Berlin leben, dann kann die politische Linke auch endlich mit der eigentlichen Debatte anfangen.  Vorher macht das wohl keinen Sinn.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/eacdd0c3f1da4e068ec05aa395ce605b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171030_02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Gerade wenn man denkt, der unselige innerlinke Grabenkampf zur Einwanderungspolitik sei an seinem Tiefpunkt angekommen, legt das Neue Deutschland noch einmal eine neue Schippe im Niveaulimbo auf. Diesmal schl&auml;gt ND-Redakteur Robert Meyer <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1068309.debatte-in-der-linken-es-gibt-keine-deutsche-arbeiterklasse.html?sstr=deutsche|arbeiter\">wortstark und argumentationsschwach um sich<\/a> und kl&auml;rt die Leser des ehemaligen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40840\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,195,165,123,183],"tags":[1952,1055,753,1343,1602,973,826,632,340],"class_list":["post-40840","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-die-linke","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","tag-abschiebung","tag-fluechtlinge","tag-integration","tag-kipping-katja","tag-nuetzlichkeitsrassismus","tag-neues-deutschland","tag-rassismus","tag-wagenknecht-sahra","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40840","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40840"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40840\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40850,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40840\/revisions\/40850"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40840"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40840"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40840"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}