{"id":40846,"date":"2017-10-31T09:00:06","date_gmt":"2017-10-31T08:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40846"},"modified":"2018-12-30T17:41:23","modified_gmt":"2018-12-30T16:41:23","slug":"der-fall-santiago-maldonado-oder-der-dreckflecken-in-united-colors-of-benetton","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40846","title":{"rendered":"Der Fall Santiago Maldonado oder: der Dreckflecken in \u201cUnited Colors of Benetton\u201d"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171031_01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Nach einem Polizeieinsatz vom 1. August 2017 gegen Stra&szlig;enblockaden der Mapuche-Ethnie in der in der Ortschaft Cushamen, im argentinischen Patagonien, galt bis zum vergangenen 18. Oktober 2017 der 28-j&auml;hrige, nicht-indigene Tattoo-K&uuml;nstler Santiago Maldonado als verschollen. Sein fast dreimonatiges Verschwinden l&ouml;ste weltweiten Protest aus und rief die Menschenrechts-Organisation der Vereinten Nationen auf den Plan. Widerspr&uuml;chliche Angaben und geheim gehaltene, von der Justiz beschlagnahmte Handy-Fotos der argentinischen Gendarmerie von ihrem Einsatz sowie Zeugenaussagen, die die Festnahme Maldonados und seine Abf&uuml;hrung in einem Polizeifahrzeug attestierten, veranlassten argentinische Menschenrechts-Organisationen sowie Teile der einheimischen Medien zum Vorwurf, Maldonado sei wohl &bdquo;der erste Verschwundene der Regierung Macri&ldquo; &ndash; eine akzeptable Verd&auml;chtigung einer Gesellschaft, die von der Ermordung und dem Verschwinden von 30.000 Gegnern der mehrfach verurteilten Milit&auml;rdiktatur gezeichnet ist. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nDie Todesumst&auml;nde Maldonados liegen wortw&ouml;rtlich im dunklen Fleck der Kriminalistik. Forensiker wollen bis Ende November seine Todesursache erkl&auml;ren. Seine Leiche wurde auf dem Fluss Chubut treibend gefunden, jedoch an einem Abschnitt, den die Beh&ouml;rden vorher mehrmals durchforstet hatten &ndash; eine Inszenierung? <\/p><p><strong>Der schwelende Mapuche-Konflikt<\/strong><\/p><p>Hintergrund der Trag&ouml;die ist der sogenannte &bdquo;Mapuche-Konflikt&ldquo;, der sich in Argentinien vor allem gegen den italienischen Modekonzern Benetton richtet.<\/p><p>Die gr&ouml;&szlig;te indigene Volksgemeinschaft Chiles, mit rund einer Million Menschen, fordert seit mehr als einem Jahrhundert die Wiederherstellung des durch Conquista und Kolonisierung zerst&ouml;rten <em>Wallmapu<\/em>, das als &bdquo;umgebendes Land&ldquo; beschriebene Urterritorium der Ethnie, dessen Ausma&szlig;e allerdings unter Historikern sehr umstritten sind. Jedenfalls verlor der Hauptstamm der Mapuches in Chile um 1860 gesamt Araukanien mit 32.000&nbsp;km&sup2;, w&auml;hrend das Ahnenland der argentinischen Mapuches gegen 1903 von mehr als einer Million ha auf 100.000 ha zerst&uuml;ckelt wurde und sich heute auf ganze 12.500 ha beschr&auml;nkt, auf denen rund 26.000 Menschen ihr Dasein fristen.<\/p><p>Die unter Pr&auml;sident Salvador Allende von der Pinochet-Diktatur zunichte gemachten Landkonzessionen und die jahrzehntelange Verschleppung versprochener Verhandlungen &uuml;ber Territorial-Reparationen und politische Autonomie durch die demokratischen Nachfolge-Regierungen f&ouml;rderten die Herausbildung eines militanten Fl&uuml;gels der Mapuches.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171031_02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>In Chile sitzen Dutzende junge, gewaltbereite Mapuches zum Teil seit Jahren in Untersuchungshaft, die wegen schwer nachweisbaren Brandanschl&auml;gen auf Bauernh&ouml;fe und Lkws wei&szlig;er Siedler, vor allem aber auf Anlagen gro&szlig;er Forstunternehmen mit dem nach wie vor in Kraft befindlichen &bdquo;Antiterrorismus&ldquo;-Gesetz General Augusto Pinochets bestraft werden sollen, w&auml;hrend die Macri-Regierung in Argentinien den Mapuche-F&uuml;hrer Facundo Jones Huala mit &auml;hnlichen Anklagemotiven verhaften lie&szlig;. Vor wenigen Wochen an einem Andenpass beschlagnahmte Waffen, die angeblich von Huala an die militanten Stammesgenossen in Chile durch die Grenze geschmuggelt wurden, wirkten als Alarmsignal auf die Pr&auml;sidenten Chiles und Argentiniens, Michelle Bachelet und Mauricio Macri, die zu einer Krisensitzung und der Absprache von Polizei- und Geheimdienst-Eins&auml;tzen &ouml;stlich und westlich der Anden zusammentrafen. <\/p><p>Skandal&ouml;s sind allerdings die gigantischen, privaten Landaneignungen im argentinischen Patagonien, von einzelnen Historikern auch als <em>Usurpation<\/em> bezeichnet.<\/p><p>Im vergangenen Jahrhundert wurden in Argentinien 15,88 Millionen Hektar indianisches Urterritorium mit den Ausma&szlig;en Tunesiens an Ausl&auml;nder vergeben, davon 77 Prozent an europ&auml;ische und US-amerikanische Unternehmen und Einzelpersonen wie George Soros, Rock-Caf&eacute;-Besitzer Joe Lewis, CNN-Begr&uuml;nder Ted Turner, den &bdquo;esoterischen&rdquo; und &auml;u&szlig;erst repressiv auftretenden Buchautor Ashley Carrithers und an die &ouml;sterreichische Gruppe Gernot Langes-Swarovski. Gr&ouml;&szlig;ter Landbesitzer Patagoniens aller Zeiten ist mit 1,1 Millionen Hektar der italienische Modekonzern Benetton, der im Mittelpunkt der Trag&ouml;de um Santiago Maldonado steht. <\/p><p><strong>Die Anf&auml;nge: The Wild Bunch und die &bdquo;Argentinian Southern Land Company Ltd&ldquo;<\/strong><\/p><p>&bdquo;Ich verlie&szlig; die Zwischenlandung in Trelew, mit Kurs auf Comodoro Rivadavia in Patagonien. Dort fliegt man &uuml;ber eine Landschaft, die verbeult ist wie ein alter Kessel. Kein anderer Boden, nirgendwo, zeigt sich so eindrucksvoll ausgelaugt. Die Winde, die durch eine Aush&ouml;hlung der Anden schie&szlig;en, ballen sich in einem schmalen Korridor mit einhundert Kilometern Breite in Richtung Atlantik zusammen und fegen alles leer bei ihrem Durchzug&hellip;&ldquo;.<\/p><p>So beschreibt Antoine de Saint Exup&eacute;ry &ndash; franz&ouml;sischer Dichter, Journalist, Luftfahrt-Pionier und Autor des weltweit renommierten Romans &bdquo;Der Kleine Prinz&ldquo; &ndash; in seiner Erinnerungsschrift &bdquo;Vol de Nuit&ldquo; den Einweihungsflug des Luftpostdienstes Aeroposta Argentina, als er 1929 &uuml;ber die patagonischen Weiten gleitet, die sich, mehr als die doppelte Fl&auml;che Deutschlands, &uuml;ber 700.000 Quadratkilometer zwischen dem Rio Negro im Norden, der Magallanes-Stra&szlig;e am Ende der Welt, den Anden im Westen und dem Atlantik im Osten ausbreiten. <\/p><p>Knappe drei&szlig;ig Jahre davor landete etwa 6.000 Fu&szlig; unter ihm, in Cholila, zwischen Esquel und El Mait&eacute;n, ein nicht minder sagenumwobenes Team, oder gegenwartsnahe formuliert: eine kriminelle Vereinigung, genannt &bdquo;Wild Bunch&ldquo; &ndash; der &bdquo;wilde Haufen&ldquo;. Der hatte nach mehreren &Uuml;berf&auml;llen auf US-amerikanische Postz&uuml;ge und Banken rund 152.640 Dollar erbeutet und sich mit falschen Papieren in das von der amerikanischen Justiz unvermutete und unzug&auml;ngliche, argentinische Patagonien abgesetzt; zuerst Robert LeRoy Parker (alias Butch Cassidy) mit seiner Geliebten Ethel Place, und Harry Longabaugh (alias Sundance Kid), denen ab 1901 in den USA untergetauchte Bandenmitglieder folgten.<\/p><p>Jedenfalls, mit jenem &bdquo;Startkapital&ldquo; zum heutigen Wert von ca. 4,3 Millionen Dollar erreichte das Delinquenten-Trio rechtzeitig Argentinien zum Schlussakt der ersten, gro&szlig;en Landverteilung an Ausl&auml;nder in Patagonien. Nach Beratungen mit George Newbery, amerikanischer Vizekonsul in Argentinien, kauften die Bunch-F&uuml;hrer eine 1.600 Hektar gro&szlig;e Ranch im Scho&szlig;e einer paradiesischen Landschaft an den Andenh&auml;ngen, gute 1.800 Kilometer s&uuml;dwestlich von Buenos Aires und mindestens 650 Kilometer von der n&auml;chsten Bahnlinie entfernt, wo es keinen  Telegrafenposten gab, ergo die amerikanische Privatdetektei Pinkerton sie nicht orten konnte, und lie&szlig;en sich offiziell als Viehz&uuml;chter nieder.<\/p><p>Wer erinnert sich nicht an die Fahrradszene mit Paul Newman und Katharine Ross in der flimmernden Hollywood-Inszenierung <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1IbStIb9XXw\">Butch Cassidy &amp; The Sundance Kid von 1969<\/a>, romantisch untermalt mit &bdquo;Rain drops keep falling on my head&ldquo;?<\/p><p>Was der Film allerdings wegen Drehbuch-Recherchedefiziten nicht zeigte, war der respekterheischende Stand der Bande in der Umgebung. So soll der frischgebackene Gouverneur von Chubut, Dr. Julio Lezana, im M&auml;rz 1904 das Tal besucht haben und als Gast des wilden Haufens zur Gitarrenbegleitung des Sundance mit <em>Se&ntilde;ora<\/em> Ethel, der charmanten und anziehenden Frau der Outlaws, eine Samba getanzt haben. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171031_03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Gleichwohl fand eine andere Version als Begr&uuml;ndung f&uuml;r die Ansiedlung der Bankr&auml;uber in Cholila Einzug in die Geschichtsschreibung. Ram&oacute;n Minieri, argentinischer Autor und Investigativ-Journalist, unterstellt in seinem Buch &bdquo;Ese ajeno sur &ndash;  Un dominio brit&aacute;nico de un mill&oacute;n de hect&aacute;reas en la Patagonia&ldquo; (Dieser fremde S&uuml;den &ndash; Eine britische Dom&auml;ne von einer Million Hektar in Patagonien, 2006), LeRoy Parker, Ethel Place und Harry Longabaugh h&auml;tten auch als Wachmannschaft der 1889 in London gegr&uuml;ndeten &ldquo;The Argentinian Southern Land Company Ltd&ldquo; (ASLCo) gedient. &bdquo;Der amerikanische Anwalt Arthur Preston war ein Cousin Frank Prestons, Generalmanager der Company, und diente als Br&uuml;cke zur Anheuerung Butch Cassidys &hellip; Die Beziehung ging anscheinend zu Bruch, als Cassidy der Company 1.500 K&uuml;he stahl. Das wollten die Engl&auml;nder nicht hinnehmen&ldquo;, so <a href=\"http:\/\/appnoticias.com.ar\/app\/historia-de-la-compania-de-tierras-del-sud-argentino-o-como-se-privatizaron-las-tierras-que-hoy-tiene-benettonpor-claudio-garcia\/\">Minieri<\/a>. <\/p><p><strong>&bdquo;Ein Meile Land f&uuml;r jeden Indianerhoden!&ldquo;: die milit&auml;rische &bdquo;Flurbereinigung&ldquo; Patagoniens<\/strong><\/p><p>Die Handlung findet auf dem <em>Puelmapu<\/em> (&bdquo;&ouml;stliches Land&ldquo;) statt, wie die Angeh&ouml;rigen der rund 25.000 z&auml;hlenden Menschen der Mapuche-Ethnie das argentinische Nord-Patagonien noch heute nennen. Zur Legitimierung ihres Territorialanspruchs erkl&auml;ren sie sich als <em>pueblo originario<\/em> (Urvolk) der Gegend, doch dar&uuml;ber gibt es Kontroversen. <\/p><p>Die argentinischen Mapuches sind nicht autochthon. Von massiver Versklavung bedroht &ndash; erst durch die aus dem n&ouml;rdlichen Peru nach S&uuml;den vordringenden Inkas, anschlie&szlig;end durch die spanischen Konquistadoren &ndash; drangen sie ab dem fr&uuml;hen 17. Jh. aus Chile durch Andenp&auml;sse nach Osten in Richtung Atlantik vor, womit die Unterwerfung und <em>Mapuchisierung<\/em> der ostpatagonischen Tehuelche-und Ranquele-Kulturen begann.<\/p><p>Nach dem Arauco-Krieg (1656) weiteten die Mapuches ihre Anwesenheit im n&ouml;rdlichen Patagonien und in der Pampa mit der Errichtung sogenannter <em>F&uuml;talmapu<\/em>-Konf&ouml;derationen, ihren entsprechenden <em>Aillarehues<\/em> (Provinzverb&auml;nden) und <em>Lovs<\/em> (Clans) aus. Ihre Dominanz festigte sich w&auml;hrend des 18. Jh. mit der kulturellen Assimilierung der argentinischen Tehuelches, der Ausweitung der <em>Mapudungun<\/em>-Sprache und des 1784 konstituierten Parlaments von Lonquilmo, mit dessen Vorsitzenden, Mapuche-H&auml;uptling Callfilqui, die Spanier 1790 den gro&szlig;en Friedensvertrag zelebrierten.<\/p><p>Mit der Unabh&auml;ngigkeit Argentiniens (1816) und Chiles (1818) von Spanien war dem Frieden mit den patagonischen V&ouml;lkern bald ein Ende gesetzt. Die neuen, <em>kreolischen<\/em> Oligarchien trachteten nach Ausweitung der Landwirtschaft und territorialer Herrschaft. Zwischen Anden und Pazifik, erkl&auml;rte die neugegr&uuml;ndete Republik Chile die Mapuche-Vertr&auml;ge mit den Spaniern f&uuml;r null und nichtig und &uuml;berzog Araukanien mit einem Vernichtungskrieg, der zwischen 1861 und 1883 das Mapuche-Volk von 500.000 auf die H&auml;lfte dezimierte. <\/p><p>Auf der Ostseite der Anden rief der argentinische General Julio A. Roca 1878 die sogenannte <em>Campan&atilde; del Desierto<\/em> (W&uuml;sten-Kampagne) aus, ein Feldzug der &bdquo;Flurbereinigung&ldquo; gegen die indianischen St&auml;mme Patagoniens, der &Uuml;berlegungen einer ethnischen S&auml;uberung folgte.<\/p><p>Im Grunde beabsichtigte Rocas Vorsto&szlig; die erstmalige Besetzung und territoriale Kontrolle Patagoniens. Als Anlass f&uuml;r den Feldzug diente allerdings ein &Uuml;berfall im Jahr 1872 von 6.000 Mapuches unter F&uuml;hrung von H&auml;uptling Calfucur&aacute; auf die St&auml;dte General Alvear, Veinticinco de Mayo und Nueve de Julio in der nord&ouml;stlich gelegenen La Pampa, bei dem 300 Siedler get&ouml;tet und 200.000 St&uuml;ck Vieh geraubt und durch Andenp&auml;sse nach Chile verkauft wurden. Wie Historiker George V. Rauch in seinen Untersuchungen festhielt (<em>The Argentine Military and the Boundary Dispute With Chile, 1870-1902<\/em> &ndash; Greenwood Publishing Group, 1999, S. 47), war den chilenischen Beh&ouml;rden allerdings die Herkunft des Viehs bekannt, doch stimmten sie dem Raub und dem Handel zu, um ihren Einfluss auf Patagonien zu st&auml;rken, was die politische Atmosph&auml;re mit Argentinien weiter anheizte.<\/p><p>Rocas Vorgehen wird von verschiedenen Autoren als &bdquo;Genozid&ldquo; bezeichnet, historische Augenzeugenberichte attestieren tats&auml;chlich Massenhinrichtungen und himmelschreiende Perversionen. Nach den Jagden auf die Urv&ouml;lker sollen Soldaten f&uuml;r jedes Paar Indianer-Hoden mit Landvergabe belohnt worden sein, so Eduardo Galeano in &bdquo;Die offenen Adern Lateinamerikas&ldquo; (S.74.), w&auml;hrend die ins Land geholten Briten 1 Pfund Sterling f&uuml;r jeden Indianer-Kopf boten (Osvaldo Bayer, in &bdquo;Patagonia Rebelde&ldquo;, S. 260, Ed. Planeta, Argentinien, 2002).<\/p><p>Kinder wurden ihren Eltern entrissen und in Buenos Aires zwangsadoptiert, M&uuml;tter und alleinstehende Indianerfrauen als Domestiken von der wei&szlig;en Oligarchie versklavt, die M&auml;nner vom Milit&auml;r zwangseingezogen, in improvisierten KZs interniert oder erschossen. Aus 15.000 eingekesselten Techuelches, Ranqueles und Mapuches wurden Bedienstete oder Gefangene, mit dem Verbot, Kinder zu bekommen. Als Kr&ouml;nung des Feldzugs beschlagnahmte General Roca dann pers&ouml;nlich 30.000 Hektar indigenes Land.<\/p><p><strong>Die Aufteilung der Beute<\/strong><\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171031_05.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Der Oligarchie in Buenos Aires war bewusst, dass Patagonien seit dem Beginn der Kolonisierung Argentiniens im 16. Jh. als wei&szlig;er Fleck auf der Landkarte galt. Also erlie&szlig; die Regierung Nicol&aacute;s Avellaneda das Einwanderungs- und Siedlungsgesetz von 1876, womit europ&auml;ischen Siedlern erobertes, nun als staatlich deklariertes Land mit 2 Pesos je Hektar angeboten wurde. Um die Ansiedlung von Ausl&auml;ndern attraktiver zu gestalten, vergab diese Konzession jedoch die ersten 100 ha kostenlos. Als Gegenleistung verlangte Argentinien Investitionen wie die Urbarmachung des Landes bzw. die schrittweise Aufzucht von Rinderherden.<\/p><p>Als es zur Aufteilung der Beute kam, wurden f&uuml;nfzehn Jahre sp&auml;ter 900.000 ha des historischen Indianer-Territoriums der britischen ASLCo als L&ouml;wenanteil in den Hals geworfen. Artikel 3 des 1891 ge&auml;nderten Landvergabe- und Siedlungsgesetzes kam den internationalen Siedlungs-Unternehmen noch einen Schritt entgegen: F&uuml;r jede neue Ansiedlung europ&auml;ischer Bauern und Landarbeiter erhielten die Firmen bis zu 80.000 ha kostenloses Neuland. <\/p><p>Wie Minieri berichtet, wurden die meisten Landerwerbe jedoch erschwindelt. Schon 1892 wurden ausl&auml;ndische Siedlungsbeauftragte vorstellig und erkl&auml;rten der Regierung, die Konzessions-Bedingungen, n&auml;mlich die l&auml;ndliche Bewirtschaftung, angeblich deshalb nicht erf&uuml;llen zu k&ouml;nnen, &bdquo;weil die Siedler nicht kommen wollen&ldquo;. Mit fadenscheinigen Begr&uuml;ndungen wurde argumentiert, die B&ouml;den seien zu trocken oder zu weit entfernt, es g&auml;be keine Transportmittel usw. Wenn die Siedlungs-Inspekteure auftauchten, warnten sich die Firmen gegenseitig und liehen sich die wenigen K&uuml;he und Schafe untereinander aus, um angebliche Investitionen zu tarnen. <\/p><p>Die Engl&auml;nder wussten jedoch genau Bescheid: Informationen sichern Machtvorsprung. Der getarnte britische Vagabund und Argentinien-Reisende George Musters schickte seine Landbeschreibungen an die Royal Geographic Society, die sie im Handumdrehen an britische &bdquo;Investoren&ldquo; vermittelte. Au&szlig;erdem waren die britischen Landkarten weitaus genauer als die der Argentinier. Auf diese Weise kam es zur Bildung der &bdquo;Argentinian Southern Land Company Ltd&ldquo;. ASLCo blieb bis 1975 in Patagonien aktiv.<\/p><p>Der internationale Preiseinbruch der Schafwolle f&uuml;hrte jedoch zu sukzessiven Landverk&auml;ufen, die 1975 schlie&szlig;lich zum Gesamtverkauf des Unternehmens an die Grade Western Company Limited, mit Sitz in Luxemburg und im Besitz der argentinischen Unternehmer Men&eacute;ndez, Ochoa und Paz, gipfelte, die ASLCo in &bdquo;Compa&ntilde;&iacute;a Argentina de Tierras del Sud&ldquo; umbenannten.<\/p><p><strong>&bdquo;Bloody Colors of Benetton!&ldquo;<\/strong><\/p><p>Mit diesem Namen erwarb der italienische Modekonzern Benetton 1991 zun&auml;chst die 900.000 ha von Men&eacute;ndez&acute;, Ochoas und Paz&acute; Grade Western Company Limited. Auf dem gigantischen Landbesitz grasen 280.000 Schafe, die 1.300 Tonnen Wolle im Jahr produzieren, ferner eine Rinderherde mit 16.000 St&uuml;ck Vieh, nebst dem Anbau von 8.500 ha Sojabohnen-Pflanzungen, 24.600 ha Ponderosa-Kiefern, 4.600 ha Murrayana-Kiefern und 1.100 ha Futteranbau mit Sprinklerbew&auml;sserung.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171031_04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Doch Luciano Benetton interessierte sich zunehmend auch daf&uuml;r, was unter der Erdoberfl&auml;che zu Geld gemacht werden kann und betreibt eine Mega-Bergbau-Gesellschaft namens Minsud mit Sitz in Toronto, die in den argentinischen Provinzen San Juan, R&iacute;o Negro, Chubut und Santa Cruz 80.000 ha Bergbaukonzessionen ausbeutet.<\/p><p>Das Problem Luciano Benettons ist, dass seine Schafe und K&uuml;he, seine Soja und Kiefern auf einem Boden gedeihen, den die Mapuches als ihren beanspruchen. Doch Ronald McDonald, Enkel von Schotten, die nach Patagonien kamen, um Schafe zu z&uuml;chten, und &ouml;rtlicher Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer Benettons, regt sich auf. Er sieht das ganz anders: &ldquo;Das ist doch so, als w&uuml;rde ich jetzt in Inverness, in Schottland, auftauchen und sagen, gebt mir gef&auml;lligst das Land meiner Vorfahren zur&uuml;ck&rdquo;. Nein, so geht das nicht. <\/p><p>Weil das nicht so geht, beschloss Pr&auml;sident Macri als eine seiner ersten Amtshandlungen, das 2011 von seiner Vorg&auml;ngerin Cristina Fern&aacute;ndez de Kirchner verabschiedete Gesetz zur scharfen Begrenzung ausl&auml;ndischer Landk&auml;ufe wieder zu &bdquo;flexibilisieren&ldquo;.<\/p><p>In diesem irrationalen Tauziehen verlor Santiago Maldonado sein Leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171031_01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Nach einem Polizeieinsatz vom 1. August 2017 gegen Stra&szlig;enblockaden der Mapuche-Ethnie in der in der Ortschaft Cushamen, im argentinischen Patagonien, galt bis zum vergangenen 18. Oktober 2017 der 28-j&auml;hrige, nicht-indigene Tattoo-K&uuml;nstler Santiago Maldonado als verschollen. Sein fast dreimonatiges Verschwinden l&ouml;ste weltweiten Protest aus und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40846\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,178],"tags":[1692,965,2098,669,1917,2196,1792,1311,2199,421],"class_list":["post-40846","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-landerberichte","category-ressourcen","tag-agrarwirtschaft","tag-argentinien","tag-bachelet-michelle","tag-chile","tag-genozid","tag-indigene-voelker","tag-kolonialismus","tag-landgrabbing","tag-macri-mauricio","tag-polizei"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40846","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40846"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40846\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48115,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40846\/revisions\/48115"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40846"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40846"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40846"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}