{"id":40857,"date":"2017-11-02T08:58:59","date_gmt":"2017-11-02T07:58:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40857"},"modified":"2019-03-11T13:49:35","modified_gmt":"2019-03-11T12:49:35","slug":"balfour-erklaerung-eine-multiple-zeitbombe-ein-essay-von-heiko-flottau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40857","title":{"rendered":"Balfour-Erkl\u00e4rung \u2013 eine multiple Zeitbombe. Ein Essay von Heiko Flottau."},"content":{"rendered":"<p>Heute vor 100 Jahren hat der britische Au&szlig;enminister Balfour in einer nach ihm benannten Erkl&auml;rung den Juden eine &ldquo;Heimstatt&rdquo; in Pal&auml;stina versprochen. Die Folgen sind noch heute sichtbar. &bdquo;In der Balfour-Erkl&auml;rung b&uuml;ndelten sich &hellip; ganz verschiedene Str&ouml;mungen: Angst vor j&uuml;discher Zuwanderung, britische imperiale Politik, Kampf gegen den Bolschewismus und ein fr&uuml;her christlicher, nichtj&uuml;discher Zionismus.&ldquo; So der Journalist und Nahostexperte <strong>Heiko Flottau<\/strong> [<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40857#foot_*\" name=\"note_*\">*<\/a>] im folgenden Essay mit interessanten Informationen. Sehr lesenswert. Albrecht M&uuml;ller<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_383\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-40857-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171102_Balfour_Erklaerung_eine_multiple_Zeitbombe_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171102_Balfour_Erklaerung_eine_multiple_Zeitbombe_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171102_Balfour_Erklaerung_eine_multiple_Zeitbombe_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171102_Balfour_Erklaerung_eine_multiple_Zeitbombe_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=40857-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171102_Balfour_Erklaerung_eine_multiple_Zeitbombe_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"171102_Balfour_Erklaerung_eine_multiple_Zeitbombe_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Vor 100 Jahren erkl&auml;rte der britische Au&szlig;enminister Lord Arthur Balfour, sein Land werde die Gr&uuml;ndung einer j&uuml;dischen &bdquo;Heimstatt&ldquo; in Pal&auml;stina bef&uuml;rworten.<\/strong><\/p><p>Es war ein denkw&uuml;rdiges Dokument, das der britische Au&szlig;enminister Balfour vor einhundert Jahren, am 2. November 1917, an seinen adeligen Kollegen, den j&uuml;dischen Bankier Lord Rothschild, richtete. Die Regierung Seiner Majest&auml;t, schrieb Balfour, sehe &bdquo;mit Wohlwollen&ldquo; die Errichtung einer &bdquo;Heimstatt&ldquo; f&uuml;r das j&uuml;dische Volk in Pal&auml;stina. Allerdings, schrieb Balfour weiter, d&uuml;rfe nichts unternommen werden, was die b&uuml;rgerlichen und religi&ouml;sen Rechte der einheimischen, nichtj&uuml;dischen Gemeinschaften beeintr&auml;chtigen k&ouml;nne.  &bdquo;Ich w&auml;re Ihnen dankbar&ldquo;, beschlie&szlig;t Balfour seinen Brief, &bdquo;wenn Sie diese Erkl&auml;rung der Zionistischen F&ouml;deration zur Kenntnis bringen w&uuml;rden.&ldquo;<\/p><p>Diese Erkl&auml;rung des britischen Lords hat sich als multiple Zeitbombe erwiesen, die im Nahen Osten seit einhundert Jahren immer wieder f&uuml;r Z&uuml;ndstoff sorgt. Denn seit 1917 gilt die Balfour-Erkl&auml;rung sozusagen als Rechtsgrundlage f&uuml;r die Gr&uuml;ndung eines j&uuml;dischen Staates. Sie hatte indessen gravierende M&auml;ngel, die allerdings im Zeitalter des Imperialismus, in dem europ&auml;ische M&auml;chte die Welt unter sich aufteilten, als vernachl&auml;ssigenswert erachtet wurden. Einmal: die Einheimischen, oft herablassend als Eingeborene bezeichnet, waren nicht gefragt worden und werden bis auf den heutigen Tag nicht befragt. Und: Anfang 1917 gab es noch einen osmanischen Vielv&ouml;lkerstaat. Und dessen Sultan, Abd&uuml;lhamid II., hatte unmissverst&auml;ndlich erkl&auml;rt, eine &bdquo;Vivisektion&ldquo; seines Reiches, das seine Untertanen mit viel Blut erk&auml;mpft h&auml;tten, werde es nicht geben.<\/p><p>Nur, diese Vivisektion (= ein operativer Eingriff am lebenden Organismus) hatten ein Jahr zuvor der britische Diplomat Mark Sykes und sein franz&ouml;sischer Kollege Francois Georges-Picot l&auml;ngst beschlossen. In ihrem ber&uuml;chtigten Geheimabkommen hatten die beiden Diplomaten das Schicksal des Osmanischen Reiches bereits besiegelt: es sollte, de facto, unter den kommenden Siegerm&auml;chten des ersten Weltkrieges aufgeteilt werden, Pal&auml;stina war f&uuml;r einen j&uuml;dischen Staat vorgesehen.  Und: Dass die Rechte der Einheimischen beachtet werden m&uuml;ssten, wie Balfour schrieb, war schon zur Zeit der Abfassung des Briefes nichts als eine sch&ouml;ne, aber absolut gegenstandslose Floskel.  Denn zun&auml;chst einmal wird das Wort Araber in der Balfour-Erkl&auml;rung nicht ein einziges Mal erw&auml;hnt. Diese Einheimischen wurden n&auml;mlich dadurch definiert, was sie nicht waren, sie waren nicht etwa Araber, sondern &bdquo;einheimische, nichtj&uuml;dische Gemeinschaften&ldquo;. Dem j&uuml;dischen Volk indessen bescherte die Erkl&auml;rung mehr als eine Heimstatt, n&auml;mlich einen Staat. Eine Heimstatt w&auml;re ein Gebilde gewesen,  in welchem sowohl die Einheimischen als auch die Zuwanderer identische Rechte haben w&uuml;rden.  Der heute existierende Staat Israel aber nimmt sich das Recht, &uuml;ber die &bdquo;Nichtjuden&ldquo;, also &uuml;ber die Araber, unumschr&auml;nkt zu herrschen. Zudem ist dieses Israel wohl der einzige Staat auf der Welt, der seine Grenzen bis heute nicht definiert hat. Noch immer befindet sich dieser Staat in Expansion.<\/p><p>Anders als Lord Balfour in seinem Brief an Lord Rothschild geschrieben hatte, lagen die Rechte der &bdquo;Nichtjuden&ldquo;, also die Rechte der Araber, in keiner Weise im Interesse der britischen Imperialmacht. In einem Memorandum an die Regierung Seiner Majest&auml;t erkl&auml;rte derselbe Balfour am 11.August 1919: &bdquo;In Pal&auml;stina denken wir nicht daran, die Rechte der gegenw&auml;rtigen Bev&ouml;lkerung zu konsultieren &hellip; Die vier Gro&szlig;m&auml;chte sind dem Zionismus verpflichtet. Und der Zionismus ist &ndash; zu Recht oder zu Unrecht, im Guten wie im Schlechten &ndash; in jahrhundertealten Traditionen verwurzelt, in gegenw&auml;rtigen Notwendigkeiten, in zuk&uuml;nftigen Hoffnungen. All dies ist von ungleich gr&ouml;&szlig;erer Bedeutung als die W&uuml;nsche und Vorurteile von 700 000 Arabern, welche jetzt dieses alte Land bewohnen.&ldquo;<\/p><p>Das Interesse der Briten an der Gr&uuml;ndung einer j&uuml;dischen &bdquo;Heimstatt&ldquo; in Pal&auml;stina war durchaus eigenn&uuml;tzig &ndash; und keineswegs philosemitsch. Seit etwa 1900 waren 100 000 Juden aus dem Zarenreich nach England gefl&uuml;chtet, gegen diese Immigration formierte sich manifester Widerstand in der Bev&ouml;lkerung. Zudem lag die Gr&uuml;ndung eines von Gro&szlig;britannien abh&auml;ngigen j&uuml;dischen Staates im Interesse der britischen imperialen Politik: ein solcher Staat konnte als westliche Festung zur Sicherung des Suezkanals und als Sicherung des Weges zu den indischen Kolonien dienen. <\/p><p>Auch galt ein zu gr&uuml;ndender j&uuml;discher Staat auf dem Territorium des ehemaligen Osmanischen Reiches als Waffe im Kampf gegen den aufkommenden Bolschewismus. Winston Churchill schrieb 1920, die Juden h&auml;tten der Welt das Beste gegeben &ndash; das Christentum &ndash; und g&auml;ben ihr nun das Schlechteste &ndash; den Bolschewismus; alle f&uuml;hrenden Sozialisten, besonders in Ru&szlig;land, seien j&uuml;disch, au&szlig;er Lenin. Man m&uuml;sse diese Gefahr bek&auml;mpfen, indem man im Judentum die Neigung zum Sozialismus durch einen gesunden Nationalismus ersetze &ndash; den Zionismus.<\/p><p>Und schlie&szlig;lich gab es im Vereinigten K&ouml;nigreich seit langem einen christlichen Zionismus. So begann zum Beispiel Anthony Ashley Cooper, der siebte Earl of Shaftesbury, im Jahr 1840 die Idee zu verbreiten, Juden wieder in Pal&auml;stina anzusiedeln. Der Earl nannte die Juden &bdquo;Gottes altes Volk&ldquo;, er glaubte an die Wiederkehr des Messias und propagierte die These, es sei  christliche Pflicht, Juden nach Pal&auml;stina zur&uuml;ckzubringen. <\/p><p>In der Balfour-Erkl&auml;rung b&uuml;ndelten sich also ganz verschiedene Str&ouml;mungen: Angst vor j&uuml;discher Zuwanderung, britische imperiale Politik, Kampf gegen den Bolschewismus und ein fr&uuml;her christlicher, nichtj&uuml;discher Zionismus.<\/p><p>Welchen ideologischen oder politischen &Uuml;berbau man auch heranziehen mag: die Balfour-Erkl&auml;rung beruhte  auf dem selbst gesetzten Recht der Kolonialmacht Gro&szlig;britannien, das allerdings im V&ouml;lkerrecht keinerlei Grundlage hatte. Als sie 1917 ver&ouml;ffentlicht wurde, gab es noch einen international anerkannten Osmanischen Vielv&ouml;lkerstaat, auf dessen Territorium Pal&auml;stina lag. Weder das Land noch seine Bewohner unterlagen der Rechtssprechung und der Souver&auml;nit&auml;t der Imperialmacht Gro&szlig;britannien.  In der Balfour-Erkl&auml;rung habe, so formulierte es 1957 die &bdquo;American Bar Association&ldquo;, die Vertretung der amerikanischen Rechtsanw&auml;lte, &bdquo;ein Land feierlich einem anderen Volk das Land eines Dritten&ldquo; versprochen. Der Friede, der dann nach dem Ersten Weltkrieg f&uuml;r den Nahen Osten geschlossen wurde,  entpuppte sich als ein &bdquo;Frieden, der jeden Frieden beendet&ldquo;, wie der k&uuml;rzlich verstorbene britische Historiker David Fromkin sein wegweisendes Buch nannte. <\/p><p>Indessen, nicht alle Juden strebten nach staatlicher Souver&auml;nit&auml;t in Pal&auml;stina.  Norman Bentwich etwa, unter dem britischen Pal&auml;stinamandat f&uuml;r einige Zeit Generalstaatsanwalt in Pal&auml;stina, schrieb 1919: &bdquo;Staatliche Souver&auml;nit&auml;t ist nicht essentiell f&uuml;r die nationale Idee der Juden.&ldquo; Aber die Geschichte Pal&auml;stinas verlief  nach einem anderen Muster. Als 1948 die j&uuml;dische &bdquo;Heimstatt&ldquo; mit milit&auml;rischen Mitteln zu einem Nationalstaat gemacht wurde, flohen in zwei Kriegen (1948 und 1967) &uuml;ber eine Million Araber aus ihrer angestammten Heimat. Die Folge: der j&uuml;dische Nationalismus, geboren in den europ&auml;ischen Nationalstaaten des 19.Jahrhunderts, erzeugte arabischen Nationalismus.  Aus den Arabern Pal&auml;stinas, aufgewachsen im osmanischen Vielv&ouml;lkerstaat, wurden national gesinnte Pal&auml;stinenser. <\/p><p>Urspr&uuml;nglich war die &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit der in Pal&auml;stina ans&auml;ssigen Menschen, Juden und arabische Muslime und arabische Christen, antizionistisch eingestellt. Der britische Verwalter Pal&auml;stinas, Sir Louis Bols, kabelte im M&auml;rz 1920 an die Regierung in London, dass 90 Prozent der Bev&ouml;lkerung Pal&auml;stinas  eine massive j&uuml;dische Zuwanderung ablehnten. &bdquo;Die Opposition umfasst alle Moslems und Christen und einen nicht unbetr&auml;chtlichen Teil der Juden. Ich m&ouml;chte deutlich erkl&auml;ren, dass eine solche Politik mit Sicherheit eine Revolution hervorrufen wird.  Diese Revolution wird mit Sicherheit die Juden vertreiben &ndash; es sei denn, sie w&uuml;rden von starken milit&auml;rischen Truppen der Mandatsmacht unterst&uuml;tzt.&ldquo;<\/p><p>Der von Bols prophezeite Aufstand brach tats&auml;chlich aus. Von 1936 bis 1939 rebellierten die Araber gegen die massenweise j&uuml;dische Einwanderung und gegen die britische Mandatsmacht. Der Aufstand &ndash; der eigentlich als erste pal&auml;stinensische Intifada charakterisiert werden muss &ndash; wurde niedergeschlagen, weil, wie Sir Louis Bols vorausgesagt hatte, die britische Mandatsmacht die Rebellion milit&auml;risch erstickte. Der britische Premier Neville Chamberlain musste sogar Truppen aus den Kolonien abziehen, um der Lage in Pal&auml;stina Herr zu werden, wie der franz&ouml;sische Historiker  Henry Laurens in seinem f&uuml;nfb&auml;ndigen Monumentalwerk &bdquo;La Question de Palestine&ldquo; berichtet. Milit&auml;risch und damit politisch sei Chamberlain durch die arabische Rebellion geschw&auml;cht worden; diese f&uuml;r Gro&szlig;britannien fatale Lage habe dazu beigetragen, dass Chamberlain im M&uuml;nchner Abkommen vom September 1938 Hitlers Pl&auml;nen, das Sudetenland zu besetzen, keinen Widerstand entgegengesetzt habe. <\/p><p>Dieser von den Arabern als &bdquo;Gro&szlig;er Arabischer Aufstand&ldquo; bezeichnete Kampf beweist, dass die von Lord Balfour proklamierte j&uuml;dische Heimstatt keineswegs mit friedlichen Mitteln zu errichten war.  Einer, der diese Tatsache deutlich aussprach, war ein j&uuml;discher Einwanderer aus Odessa (damals russisches Zarenreich) namens Vladimir Jabotinsky. Im Jahr 1923 ver&ouml;ffentlichte er einen Aufsatz unter dem Titel &bdquo;Die Eiserne Mauer&ldquo;. Jabotinsky, der sich nach seiner Einwanderung den j&uuml;dischen Vornamen Zeev &ndash; Wolf &ndash; gegeben hatte, argumentierte, dass das zionistische Projekt &ndash; anders als es die Briten und auch seine eigenen j&uuml;dischen Landsleute glaubten &ndash; keineswegs ohne milit&auml;rische Bek&auml;mpfung des zu erwartenden arabischen Widerstandes vorangetrieben werden k&ouml;nne. Weil Jabotinsky mit dieser Auffassung die bisherige, jedenfalls &auml;u&szlig;erlich auf Verst&auml;ndigung mit den Arabern ausgerichtete Politik revidierte, gilt er als Begr&uuml;nder des zionistischen &bdquo;Revisionismus&ldquo;.<\/p><p>Jabotinsky war der &ndash; sehr realistischen &ndash; Meinung, dass die Araber ihr Land niemals freiwillig den j&uuml;dischen Siedlern &uuml;berlassen w&uuml;rden. Jabotinsky schreibt: &ldquo;Die Kolonisierung kann nur ein Ziel haben. F&uuml;r die pal&auml;stinensischen Araber ist dieses Ziel unakzeptabel.  Das liegt in der Natur der Sache. &hellip;  Die zionistische Kolonisation, sogar eine h&ouml;chst restriktive, muss entweder aufgegeben oder in Missachtung des Willens der eingeborenen Bev&ouml;lkerung ausgef&uuml;hrt werden. Diese Kolonisierung kann deshalb nur weitergef&uuml;hrt und entwickelt werden unter dem Schutz einer Macht, welche unabh&auml;ngig von der lokalen Bev&ouml;lkerung ist &ndash; durch eine eiserne Mauer, welche die eingeborene Bev&ouml;lkerung nicht durchbrechen kann.&ldquo;<\/p><p>An anderer Stelle schreibt Jabotinsky: &bdquo;Das Ziel des Zionismus ist ein j&uuml;discher Staat. Das Territorium &ndash; beide Seiten des Jordans. Die Methode &ndash; Massenkolonisation. Die L&ouml;sung des Finanzierungsproblems &ndash; eine Nationalanleihe.   Diese vier Grunds&auml;tze k&ouml;nnen ohne internationale Zustimmung nicht verwirklicht werden. Daher ist das Gebot der Stunde &ndash; eine neue politische Kampagne und Militarisierung der Jugend in Eretz Israel und in der Diaspora.&ldquo;<\/p><p>Prophetische Worte. Die Mauer ist Wirklichkeit geworden. Zuerst bestand sie in einer von den Pal&auml;stinensern nicht zu &uuml;berwindenden milit&auml;rischen Macht. Dann ist tats&auml;chlich eine physische Mauer hinzugekommen &ndash; 759 Kilometer lang, &uuml;berwiegend auf pal&auml;stinensischem Gebiet errichtet, streckenweise als Sperrzaun gebaut, in st&auml;dtischen Siedlungsgebieten, aber aus festem Beton und bis zu acht Meter hoch, mit Wehrt&uuml;rmen verst&auml;rkt. Und: ganz im Sinne von Jabotinsky fordert Premier Benjamin Netanjahu heute die Anerkennung Israels als &bdquo;J&uuml;dischen Staat&ldquo;.  F&uuml;r den t&auml;glichen politischen Diskurs w&uuml;rde dies bedeuten: Wer Israel kritisiert,  m&uuml;&szlig;te sofort mit dem Vorwurf rechnen, antij&uuml;disch zu argumentieren, mithin ein Antisemit zu sein.<\/p><p>Die Geschichte hat Wladimir Jabotinsky noch &uuml;berholt. In seinem Aufsatz &bdquo;Die Eiserne Mauer&ldquo; hatte Jabotinsky im Jahr 1923 immerhin erkl&auml;rt, eine Vertreibung der Araber sei unm&ouml;glich, es werde immer zwei V&ouml;lker in Pal&auml;stina geben. Diese zwei V&ouml;lker &ndash; Pal&auml;stinenser und Juden &ndash; gibt es zwar immer noch. Doch kein anderer als der israelische Historiker Ilan Pappe hat in seinem Buch &bdquo;Die ethnische S&auml;uberung Pal&auml;stinas&ldquo; (deutsch 2007) nachgewiesen, dass Israel 1948 und 1967 eine gro&szlig;fl&auml;chige Vertreibung versucht hat. Und in einem sp&auml;teren  Buch (erschienen 2016) klagt Ilan Pappe, die Pal&auml;stinenser &ndash;  also die  in den Worten Balfours &bdquo;nichtj&uuml;dischen Gemeinschaften&ldquo; &ndash;  lebten  im Westjordanland und im Gazastreifen  im  &bdquo;Biggest Prison on Earth&ldquo;, im gr&ouml;&szlig;ten Gef&auml;ngnis der Welt, wie er sein Werk nennt.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>[<a href=\"#note_*\" name=\"foot_*\">&laquo;*<\/a>] Heiko Flottau war von 1985 bis 1992 und von 1996 bis 2004 Nahostkorrespondent der S&uuml;ddeutschen Zeitung, mit Sitz in Kairo, von 2005 bis 2009 freier Journalist in Kairo.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute vor 100 Jahren hat der britische Au&szlig;enminister Balfour in einer nach ihm benannten Erkl&auml;rung den Juden eine &ldquo;Heimstatt&rdquo; in Pal&auml;stina versprochen. Die Folgen sind noch heute sichtbar. &bdquo;In der Balfour-Erkl&auml;rung b&uuml;ndelten sich &hellip; ganz verschiedene Str&ouml;mungen: Angst vor j&uuml;discher Zuwanderung, britische imperiale Politik, Kampf gegen den Bolschewismus und ein fr&uuml;her christlicher, nichtj&uuml;discher Zionismus.&ldquo; So<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40857\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,88,107,212,20],"tags":[469,1557,1792,1878,835,1926,303,1281,340],"class_list":["post-40857","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-antisemitismus","category-audio-podcast","category-gedenktagejahrestage","category-landerberichte","tag-grossbritannien","tag-israel","tag-kolonialismus","tag-naher-osten","tag-nationalismus","tag-netanjahu-benjamin","tag-palaestina","tag-zionismus","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40857","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40857"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40857\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":50051,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40857\/revisions\/50051"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40857"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40857"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40857"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}