{"id":4103,"date":"2009-07-31T09:44:03","date_gmt":"2009-07-31T07:44:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4103"},"modified":"2014-01-27T11:20:49","modified_gmt":"2014-01-27T10:20:49","slug":"interessenskollisionen-und-eigeninteressen-als-systemisches-risiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4103","title":{"rendered":"Interessenskollisionen und Eigeninteressen als \u201esystemisches Risiko\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wie das Handelsblatt berichtet, befanden sich sowohl die Bundesbank als auch die Finanzaufsichtsbeh&ouml;rde BaFin bei den Entscheidungen &uuml;ber die Rettung der Hypo Real Estate in einem <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/hre-skandal-belastet-bundesbank;2438630\">&bdquo;schweren Interessenkonflikt&ldquo;<\/a> . Die Bundesbank selbst hatte n&auml;mlich noch im September 2008 (!) rund 2,3 Milliarden bei der HRE angelegt. Neben Bundesbankpr&auml;sident Weber und BaFin-Pr&auml;sident Sanio hatten auch andere an den <a href=\"upload\/pdf\/090730%20_protokoll_hre.pdf\">Gespr&auml;chen vom 26.09 bis 28.09.2009 zur Rettung der HRE Beteiligten [PDF &ndash; 1.9 MB]<\/a>, so etwa Martin Blessing von der Commerzbank, Josef Ackermann von der Deutschen Bank oder die Vertreter der HypoVereinsbank erhebliche Eigeninteressen. Wenn also die Vertreter dieser Institutionen nun vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss auftreten und wie Sanio das <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/weltfinanzsystem-stand-am-abgrund;2438831\">&bdquo;Weltfinanzsystem am Abgrund&ldquo;<\/a> sahen oder wie Commerz-Chef Blessing die Entscheidungen der Bundesregierung <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/blessing-stuetzt-regierung-vor-hre-ausschuss;2438500\">unterst&uuml;tzen<\/a>, dann d&uuml;rften sie vor allem die Eigeninteressen ihrer H&auml;user vertreten haben. Dass f&uuml;r sie die Pleite der HRE ein &bdquo;systemisches Risiko&ldquo; darstellte, ist nur nahe liegend. Ihre Aussagen vor dem Untersuchungsausschuss, sind deshalb nichts anderes als parteilich. Eine objektive Aufkl&auml;rung ist von solchen Zeugen nicht zu erwarten. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Geradezu grob fahrl&auml;ssig muss man die Anlage von 2,3 Millarden durch die Bundesbank (darunter offenbar auch Pensionsr&uuml;ckstellungen der BaFin selbst)  bei der HRE bewerten &ndash; wohlgemerkt noch nach der Lehmann-Pleite und kurz bevor zur Rettung der HRE vom Bund Milliardenbetr&auml;ge abgepresst wurden. <\/p><p>Entweder war die Bundesbank &bdquo;nicht so schrecklich gut informiert, oder auf ihr Urteil ist wenig Verlass&ldquo; kommentiert Frank M. Drost gleichfalls im <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/handelsblatt-kommentar\/fragwuerdiges-investment-der-bundesbank;2438510\">Handelsblatt<\/a>. Schon in ihrem Pr&uuml;fbericht vom 24. 06.2009 habe n&auml;mlich die Bundesbank zahlreiche M&auml;ngel bei der HRE aufgespie&szlig;t und die Ordnungsm&auml;&szlig;igkeit der Gesch&auml;ftsorganisation als &bdquo;nicht gegeben&ldquo; angesehen und ein Liquidit&auml;tsrisiko erkannt. Wer, wenn nicht die (neben der BaFin) f&uuml;r die Bankenaufsicht verantwortlich Bundesbank h&auml;tte also das Risiko dieser Anlage erkennen m&uuml;ssen.<\/p><p>Noch problematischer ist allerdings die Interessenkollision, in die die Bundesbank mit dieser Anlage bei der HRE geraten ist: n&auml;mlich den Konflikt zwischen dem eigenen Interesse an der Rettung von Anlagen als Treuh&auml;nder ihrer Anleger und ihrer Funktion als neutrale, vom Staat per Gesetz beauftragte Bankenaufsicht. <\/p><p>Die Bundesbank bestreitet einen solchen Konflikt zwischen Ihrer (staatlichen) Aufsichtsfunktion und ihrer Rolle als Treuh&auml;nder von Anlagen, weil sie das Geld im Auftrag von Bund und L&auml;ndern angelegt und sich strikt nach deren Vorgaben gerichtet habe. Sie sei in den Anlageaussch&uuml;ssen, mit denen die Kapitaldeckung von Pensionsanspr&uuml;chen im &ouml;ffentlichen Dienst verwaltet wird, nicht stimmberechtigt, hei&szlig;t es in der <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1\/Doc~E0841F30E975A48DBA8F6F7CA63BA5232~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlenews\">FAZ<\/a> .<\/p><p>Dass die Bundesbank nicht stimmberechtigt ist, mag wohl zutreffen, aber hei&szlig;t das auch, dass man als Treuh&auml;nder seinen Kunden nicht abraten kann, dass sie eine hochriskante Anlage bet&auml;tigen? Wie h&auml;tte die Bundesbank dagestanden, wenn sie kaum eine Woche nach der Anlage ihren Auftraggebern h&auml;tte mitteilen m&uuml;ssen, dass das Geld leider weg ist, weil die HRE pleite ist? Eine d&uuml;nnere Ausrede h&auml;tte dem Bundesbankpr&auml;sidenten kaum einfallen k&ouml;nnen. <\/p><p>Dieses Eigeninteresse an der (staatlichen) Rettung der HRE hatten aber nicht nur die Bundesbank und (zur Verteidigung ihres Versagens) auch die BaFin, sondern auch die meisten anderen Beteiligten, die an dem Krisenwochenende in Frankfurt, die Bundesregierung mit der Drohung erpressten, &bdquo;der Tod des deutschen Bankensystems&ldquo; (<a href=\"upload\/pdf\/090708_protokoll_hre.pdf\">Protokoll der BaFin [PDF &ndash; 1.9 MB]<\/a>) stehe bevor.<\/p><p>Wie man einer in der &bdquo;Zeit&ldquo; ver&ouml;ffentlichten Aufstellung der Bundesbank entnehmen konnte, hatte n&auml;mlich die Deutsche Bank rund 1 Milliarde Kredite und die Commerzbank rund 1,4 Milliarden Kredite und <a href=\"?p=4092#h05\">an die HRE vergeben<\/a> . Der Commerzbank sitzt aus der &Uuml;bernahme der Dresdner Bank zus&auml;tzlich ja nach wie vor die Allianz im Nacken und dieser Versicherer hatte rund 5,6 Milliarden bei der HRE liegen. Blessing und Ackermann hatten also gleichfalls Eigeninteressen an der Rettung und waren keinesfalls nur kompetente Ratgeber der Kanzlerin oder des Finanzministers, als die sie sich gerne darstellen wollen. Noch viel mehr trifft dies auf die Vertreter der HypoVereinsbank in der Frankfurter Runde zu, gegen&uuml;ber deren &bdquo;Mutter&ldquo;, die Unicredit, die HRE mit rund 3 Milliarden verschuldet war. Gerade die HypoVereinsbank musste ein besonderes Interesse an der Risiko&uuml;bernahme des Staates haben. Die Gr&uuml;ndung der HRE ging ja vor allem auf die Auslagerung schlechter Risiken gerade aus der HypoVereinsbank zur&uuml;ck, damit diese Bank f&uuml;nf Jahre zuvor risikofrei an die italienische Bank UniCreditGroup verkauft werden konnte. Die HypoVereinsbank h&auml;tte bis einen Tag vor der Rettung durch den Steuerzahler am 28. September f&uuml;r Anspr&uuml;che (Risiken) <a href=\"?p=3743\">der HRE<\/a> gehaftet. <\/p><p>Da sa&szlig;en sie nun alle in einem Boot und bangten in der Frankfurter Krisenrunde um ihre eigenen Verluste und um die anderer Banken. Vor allem mussten die Banker ihre vorausgegangenen Gesch&auml;fte und die Bankenaufsicht ihre Vers&auml;umnisse (oder ihre Unf&auml;higkeit) bei der Kontrolle der Banken vertuschen. Wer wundert sich da noch &uuml;ber die Horrorszenarien, die da von Bankern und Bankenaufsicht an die Wand gemalt wurden, um den Bund und damit den Steuerzahler ins Boot zu ziehen, damit die HRE vor dem Untergang gerettet werden konnte. Wenn aber nur Leute mit den gleichen Interessen kollaborieren, kann es nur zu einer L&ouml;sung zu Lasten <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/_em_cms\/_globals\/print.php?em_ssc=MSwwLDEsMCwxLDAsMSww&amp;em_cnt=1853896&amp;em_loc=3623&amp;em_ref=\/in_und_ausland\/politik\/doku_und_debatte\/&amp;em_ivw=wir_debat\">Dritter, der Masse der Steuerzahler kommen<\/a>.<\/p><p>Das &bdquo;systemische Risiko&ldquo; entpuppt sich mehr und mehr als ein System mit dem die Banker und die Bankenaufsicht den Staat erpressten und ihr systematisches Versagen auf den Steuerzahler abw&auml;lzen konnten. <\/p><p>&bdquo;Weltuntergang des Finanzsystems&ldquo;, &bdquo;Weltfinanzsystem am Abgrund&ldquo; (Sanio), &bdquo;Untergangsstimmung&ldquo; (Weber), &bdquo;Tod des deutschen Bankensystems&ldquo; (Ackermann) das war die Drohkulisse und die Banker tun heute so, als h&auml;tten sie &ndash; falls das Horrorszenario real war &ndash; damit nichts zu tun. Sie spielen sich sogar noch als Retter der Nation und als Wahrer der Interessen der Steuerzahler auf. <\/p><p>Der Staat darf nun schon f&uuml;r &uuml;ber 100 Milliarden allein f&uuml;r die HRE gerade stehen und Deutschland regt sich nicht etwa &uuml;ber die Banker und die Bankenaufsicht auf, sondern &uuml;ber eine l&auml;ppische Dienstwagenaff&auml;re.<\/p><p>Ein erschreckendes Beispiel daf&uuml;r, wie die Bev&ouml;lkerung hinters Licht gef&uuml;hrt wird und mit welchen plumpen Tricks die Medien dabei mitspielen die Menschen vor den wirklichen Skandalen abzulenken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie das Handelsblatt berichtet, befanden sich sowohl die Bundesbank als auch die Finanzaufsichtsbeh&ouml;rde BaFin bei den Entscheidungen &uuml;ber die Rettung der Hypo Real Estate in einem <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/hre-skandal-belastet-bundesbank;2438630\">&bdquo;schweren Interessenkonflikt&ldquo;<\/a> . 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