{"id":41043,"date":"2017-11-13T11:26:00","date_gmt":"2017-11-13T10:26:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41043"},"modified":"2017-11-14T10:26:55","modified_gmt":"2017-11-14T09:26:55","slug":"kinderarmut-reaktionen-auf-den-artikel-von-helga-spindler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41043","title":{"rendered":"Kinderarmut  &#8211; Reaktionen auf den Artikel von Helga Spindler"},"content":{"rendered":"<p>Frau Spindler hat in einem Beitrag auf den Nachdenkseiten eine Analyse der &ouml;konomischen Situation von armen Familien, in denen dann zwangsl&auml;ufig arme Kinder leben, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40989\">vorgenommen<\/a>. Dazu bringen wir unter A einen Beitrag von <strong>Anette Sorg<\/strong> und unter B zwei Leserbriefe, die sich kritisch mit Frau Spindlers Text und ihren Berechnungen auseinandersetzen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6224\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-41043-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171113_Kinderarmut_Reaktionen_auf_Helga_Spindler_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171113_Kinderarmut_Reaktionen_auf_Helga_Spindler_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171113_Kinderarmut_Reaktionen_auf_Helga_Spindler_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171113_Kinderarmut_Reaktionen_auf_Helga_Spindler_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=41043-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171113_Kinderarmut_Reaktionen_auf_Helga_Spindler_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"171113_Kinderarmut_Reaktionen_auf_Helga_Spindler_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><ol type=\"A\">\n<li><strong>Ein anderer Blick auf Kinderarmut von Anette Sorg<\/strong><br>&nbsp;\n<p>Leider gelingt es mir bei diesem Thema nicht, die Helikopterposition einzunehmen und eine n&uuml;chterne, mit Abstand betrachtete, m&ouml;glichst neutrale Sicht einzunehmen. Sicher hat das auch etwas mit unterschiedlichen Erfahrungswelten zu tun.<\/p>\n<p>Dabei wehre ich mich nicht dagegen, mir Zahlen und Relationen und Vergleiche anzuschauen, um eine Lage einsch&auml;tzen zu k&ouml;nnen. Dies ist aber nur der erste Schritt, dem ein zweiter folgen muss.<\/p>\n<p>Frau Spindler stellt die berechtigte Frage:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Aber wann hat eine Familie zu wenig Geld, wann hat sie viel zu wenig Geld und wann hat sie genug Geld (oder eine kostenlose oder bezuschusste geldwerte Infrastruktur)?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Alles halb so wild?<\/strong><\/p>\n<p>Ich gestehe, dass die Darstellung von Frau Spindler optisch erst einmal beruhigt. Wer sich aber damit zufriedengibt, geht genau der Botschaft auf den Leim, die uns Politiker und sogenannte Experten in Talk-Shows einzutrichtern versuchen: Ist ja alles nicht so schlimm, damit kann man doch auskommen!<\/p>\n<p>Marcus Kl&ouml;ckner hat das &bdquo;Schweigen der Eliten&ldquo; zu diesem brisanten Thema in einem Artikel <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40864\">auf den NachDenkSeiten beklagt<\/a> und, wie Frau Spindler auch, die Kinderarmut mit der Elternarmut in Verbindung gebracht: &bdquo;Wer auf politischer Seite nicht erkennen will, dass die Armut der Kinder in erster Linie mit der Armut der Eltern zu tun hat, betreibt eine Politik der gespaltenen Zunge.&ldquo; Zuvor schon hatte Marcus Kl&ouml;ckner ein Interview mit Lars Sch&auml;fer und Martin Debener <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40844\">zum Thema gef&uuml;hrt<\/a>. Die Fachreferenten &bdquo;Armut und Grundsicherung&ldquo; beim Parit&auml;tischen in NRW haben in diesem Gespr&auml;ch auf Elemente der Armut hingewiesen, die bei n&uuml;chterner Zahlenbetrachtung gerne &uuml;bersehen werden, und die ich um weitere Elemente erg&auml;nzt habe:<\/p>\n<p><strong>Dramatischer als Zahlen versuchen, glauben zu machen?<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Armut verhindert weitestgehend &bdquo;Aufstieg durch Bildung&ldquo;,. das bedeutet: Armut wird famili&auml;r weitervererbt<\/li>\n<li>Armut wirkt sich auf die Gesundheit, das Wohnen und die soziale Teilhabe der Betroffenen aus (z.B. <a href=\"https:\/\/www.armutskongress.de\/armutskongress-2016\/dokumentation\/doku\/ak\/fachforum-armut-macht-krank-soziale-ursachen-und-gegenstrategien\/\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/karriere\/2016-07\/kinderarmut-eltern-einkommen-klassenfahrten-bildung\">hier<\/a>)<\/li>\n<li>Die gesetzliche Konstruktion der sogenannten Bedarfsgemeinschaften (= Mithaftung) im Hartz IV-System (Beispiel von Martin Debener: In einer Hartz-IV-Familie lebt eine 16-j&auml;hrige Tochter und ihr 20-j&auml;hriger Bruder. Der Bruder vers&auml;umt mehrere Termine im Jobcenter und bekommt alle Leistungen inkl. Mietanteil gestrichen. Nat&uuml;rlich setzen die Eltern ihn meistens trotzdem nicht vor die T&uuml;r. Unter dem Druck, der in dieser Familie herrscht, leiden auch die Bildungschancen der Tochter.) versch&auml;rft oftmals die ohnehin schon angespannte finanzielle Lage in einkommensschwachen Familien<\/li>\n<li>Die Kinder von Gut- und Spitzenverdiener\/innen profitieren mit steigendem Einkommen von den steuerlichen Kinderfreibetr&auml;gen. Diese wirken sich aufgrund des progressiven Steuersystems bei den h&ouml;chsten Einkommen am st&auml;rksten aus. Aktuell betr&auml;gt die maximale Entlastung aufgrund der Freibetr&auml;ge gut 290 Euro monatlich (also rund 100 Euro mehr als das Kindergeld f&uuml;r das erste und zweite Kind). Zus&auml;tzlich k&ouml;nnen Bezieher\/innen hoher Einkommen ihre Ausgaben f&uuml;r h&auml;usliche Kinderbetreuung und\/oder f&uuml;r Privatschulen steuersparend absetzen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Armutsforscher Prof. Dr. Stefan Sell zum Bildungs- und Teilhabepaket, zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts und seine L&ouml;sungsvorschl&auml;ge<\/strong><\/p>\n<p>Hilfreich ist es, sich beim Thema Kinderarmut auf dem <a href=\"https:\/\/aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de\/2016\/04\/82.html\">Blog des Armutsforschers Prof Dr. Stefan Sell<\/a> umzuschauen. Hier geben wir auszugsweise &Auml;u&szlig;erungen und Verlinkungen zum Thema Kinderarmut wieder: <a href=\"http:\/\/www.aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de\/2014\/10\/11-kinderarmut.html\">Die Kinder und die Armut ihrer Eltern. Nat&uuml;rlich auch Hartz IV, aber nicht nur. Sowie die Frage: Was tun und bei wem?<\/a><\/p>\n<p>Zum <strong>Bildungs- und Teilhabepaket<\/strong> zitiert Stefan Sell den Pr&auml;sidenten des <a href=\"http:\/\/dksb.de\/\">Deutschen Kinderschutzbundes<\/a> Heinz Hilgers:<\/p>\n<blockquote><p>\n&raquo;Das Bildungs- und Teilhabepaket stigmatisiert Kinder, weil es sie immer wieder dazu zwingt, sich in Schule und Freizeit als arm zu outen. Hinzu kommt, dass die einzelnen Leistungen in ihrer H&ouml;he bereits bei der Einf&uuml;hrung nicht ausreichend waren und seitdem nie erh&ouml;ht wurden&ldquo;, so Hilgers weiter. Das werde insbesondere am Beispiel des Schulbedarfes deutlich: &bdquo;Eine Schulerstausstattung, die wir auf der Grundlage von Informationsbl&auml;ttern von Schulen zusammengestellt haben, kostet &uuml;ber 200 Euro. Das ist mehr als doppelt so viel als vom Bildungs- und Teilhabepaket vorgesehen.&laquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Weiter meint Stefan Sell:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Diese ern&uuml;chternden Befunde k&ouml;nnen nicht wirklich &uuml;berraschen. Das h&auml;ngt eben auch zusammen mit der Entstehungsgeschichte und den Konstruktionsmerkmalen des BuT: Das &bdquo;Bildungs- und Teilhabepaket&ldquo; (BuT) als eine Konsequenz aus dem <a href=\"http:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2010\/02\/ls20100209_1bvl000109.html\">Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 9. Februar 2010 &hellip;<\/a><\/p>\n<p>Die damalige Bundesregierung hat die vom Bundesverfassungsgericht eindringlich geforderte Ber&uuml;cksichtigung der Bildungsbedarfe der Kinder in Reaktion auf das Urteil in einen eigenen Strang, aus dem dann das BuT entstanden ist, verlagert&hellip; .Es wurde damals darauf hingewiesen, dass mit dem Setzen auf Sach- und Dienstleistungen und der Nicht-Abbildung in den Geldleistungen ein &bdquo;Paradigmenwechsel&ldquo; vorgenommen wurde &ndash; aber das ist an sich nicht zutreffend, denn die Dreiz&uuml;gigkeit von Geld-, Sach- und Dienstleistungen war schon im&nbsp;alten Sozialhilferecht nach dem BSHG ein Wesenselement auf der Leistungsseite und wir kennen dies auch im neuen Grundsicherungsrecht. Die Nutzung des Instruments Sachleistungen war im alten Sozialhilferecht sogar erheblich intensiver und aufgrund der st&auml;rkeren Einzelfallorientierung auch fallspezifischer.<\/p>\n<p>Der eigentliche &bdquo;<strong>Paradigmenwechsel<\/strong>&ldquo;, f&uuml;r den das BuT steht, kann man so zuspitzen: Dem ganzen Ansatz liegt vor allem ein generelles Misstrauen gegen die Eltern der betroffenen Kinder in der Grundsicherung zugrunde. Er basiert auf der Annahme, dass die Eltern zus&auml;tzliches Geld im Regelsatz der Kinder zweckentfremden beispielsweise f&uuml;r den Konsum von Alkohol oder Tabak oder der Anschaffung eines neuen Flachbildschirms. Dergestalt in Kollektivhaft genommen wurde allen Eltern die Kompetenz f&uuml;r und der Anspruch auf eine autonome Mittelverwendung entzogen.<\/p>\n<p>Es sollte darauf hingewiesen werden, dass das <a href=\"http:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2010\/02\/ls20100209_1bvl000109.html\">Urteil des BVerfG vom 9. Februar 2010<\/a> selbst entscheidende Hinweise gegeben hat, wie eine eigentlich <strong>&bdquo;richtige&ldquo; L&ouml;sung aussehen k&ouml;nnte<\/strong> bzw. m&uuml;sste. Es muss besonders hervorgehoben werden, dass das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil ganz offensichtlich von dem &bdquo;Normalfall&ldquo; einer Abbildung des Bedarfs der Kinder im Sozialgeld f&uuml;r diese ausgegangen ist, solange es keine fl&auml;chendeckende institutionelle Regelung der Bedarfsdeckung mit einer entsprechend erforderlichen l&auml;ndergesetzlichen Absicherung gibt &ndash; und dieser Hinweis ist auch vor dem Hintergrund der Verhinderung einer &bdquo;Legendenbildung&ldquo; zu verstehen, dass die politisch Verantwortlichen in Berlin behaupten, sie h&auml;tten aufgrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichts gar keine andere Wahl gehabt als den Weg &uuml;ber ein separates &bdquo;Bildungspaket&ldquo; f&uuml;r die Kinder im Grundsicherungsbezug zu gehen. Dies belegt der folgende <strong>Passus aus der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts<\/strong> in aller Deutlichkeit:<\/p>\n<p>&bdquo;Vor allem ist ein altersspezifischer Bedarf f&uuml;r Kinder einzustellen, welche die Schule besuchen. Wie bereits ausgef&uuml;hrt macht die Zust&auml;ndigkeit der L&auml;nder f&uuml;r das Schul- und Bildungswesen die f&uuml;rsorgerechtliche Ber&uuml;cksichtigung dieses Bedarfs nicht entbehrlich. Die Zust&auml;ndigkeit der L&auml;nder betrifft &uuml;berdies den personellen und sachlichen Aufwand f&uuml;r die Institution Schule und nicht den individuellen Bedarf eines hilfebed&uuml;rftigen Sch&uuml;lers. Der Bundesgesetzgeber k&ouml;nnte erst dann von der Gew&auml;hrung entsprechender Leistungen absehen, wenn sie durch landesrechtliche Anspr&uuml;che substituiert und hilfebed&uuml;rftigen Kindern gew&auml;hrt w&uuml;rden. Dann k&ouml;nnte eine einrichtungsbezogene Gew&auml;hrung von Leistungen durch die L&auml;nder, zum Beispiel durch &Uuml;bernahme der Kosten f&uuml;r die Beschaffung von Lernmitteln oder durch ein kostenloses Angebot von Nachhilfeunterricht, durchaus ein sinnvolles Konzept jugendnaher Hilfeleistung darstellen, das gew&auml;hrleistet, dass der tats&auml;chliche Bedarf gedeckt wird. Solange und soweit dies jedoch nicht der Fall ist, hat der Bundesgesetzgeber, der mit dem Sozialgesetzbuch Zweites Buch ein Leistungssystem schaffen wollte, welches das Existenzminimum vollst&auml;ndig gew&auml;hrleistet, daf&uuml;r Sorge zu tragen, dass mit dem Sozialgeld dieser zus&auml;tzliche Bedarf eines Schulkindes hinreichend abgedeckt ist.&ldquo; &nbsp;(BVerfG, <a href=\"http:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2010\/02\/ls20100209_1bvl000109.html\">1 BvL 1\/09 vom 9.2.2010<\/a>, Absatz-Nr. 197).<\/p>\n<p>Gelandet sind wir hinsichtlich des &ldquo;Bildungs- und Teilhabepakets&rdquo; in einer Welt der kleinkr&auml;merischen Zuweisung von &uuml;beraus &uuml;berschaubaren Geldmitteln f&uuml;r Sportvereine und andere bezuschussungsf&auml;higen Aktivit&auml;ten&hellip;\n<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Stefan Sell: Der Einfluss des Familienhintergrunds auf die Humankapitalentwicklung der Menschen ist doppelt so stark wie der Einfluss aller Bildungseinrichtungen<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de\/2015\/03\/14-kinderarmut.html\">Kinderarmut. Leider nichts Neues. Ein weiteres Update zu den auseinanderlaufenden Lebenslinien der Kinder. Und zugleich eine ern&uuml;chternde Relation: 2 zu 1.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Unstrittig ist in der Armutsforschung, dass fr&uuml;hes Erleben von Armutslagen einen pr&auml;genden, nicht &uuml;berraschend einen oftmals negativ pr&auml;genden Einfluss auf die Entwicklung der Kinder hat. Bis hin zu zerst&ouml;rerischen Auswirkungen, die sich ein Leben lang bemerkbar machen. Und das ist zum einen f&uuml;r viele kleine Menschen, die dem ausgeliefert sind, ein ganz individuelles Drama &ndash; es ist aber auch f&uuml;r die gesellschaftspolitische Debatte von gro&szlig;er Bedeutung, die seit Jahren zunehmend eingedampft wird auf eine einseitige Verengung auf &ldquo;Chancengerechtigkeit&rdquo;, um die man sich k&uuml;mmern m&uuml;sse, alles andere kommt dann schon von alleine oder aber die Individuen sollen sich nicht beklagen, denn sie hatten ja die Chancen und diese eben nicht genutzt. Vor diesem Hintergrund sind Studien wie die, die von der Bertelsmann-Stiftung nun der &Ouml;ffentlichkeit vorgestellt wurde, von Relevanz, zeigen sie doch in aller Klarheit, dass beispielsweise beim Eintritt in das Schulsystem von Chancengerechtigkeit keine Rede sein kann. <\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich kann das, wenn man es logisch zu Ende denkt, zu erheblichen Frustrationen f&uuml;hren und auch zu einer Blockade weiterer gesellschaftspolitischer Anstrengungen, die Schere wenigstens etwas zu schlie&szlig;en. Es kann aber auch dazu f&uuml;hren, dass man sich gerade nicht &ndash; wie auch in der neuen (Bertelsmann-)Studie empfohlen &ndash; selbst beschneidet und ein wenig mehr Geld f&uuml;r die schwierigeren F&auml;lle fordert oder gar das v&ouml;llig gescheiterte und nur noch als Peinlichkeit zu bezeichnende &ldquo;Bildungs- und Teilhabepaket&rdquo; der Bundesregierung an der einen oder anderen Stelle etwas aufpampert. Man k&ouml;nnte und m&uuml;sste zu ganz anderen, weitaus ambitionierter angelegten Diskussionen kommen &ndash; Kindergrundsicherung einf&uuml;hren, die Kitas und die Schulen, die sich um die abgeh&auml;ngten Kinder k&uuml;mmern, mit einem Vielfachen der Geld- und Personalmittel ausstatten als die, die nur mit &ldquo;Mittelschichtskindern&rdquo; gesegnet sind. Ich h&ouml;re an dieser Stelle auf, denn es zeichnet sich ab, was dem vorangehen muss &ndash; eine echte gesellschaftspolitische Umverteilungsdiskussion. Und das ist derzeit nicht wirklich erkennbar, dass es hierf&uuml;r gro&szlig;e oder &uuml;berhaupt eine Begeisterung gibt in Politik und Gesellschaft.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kindergrundsicherung als L&ouml;sung?<\/strong><\/p>\n<p>Die Forderung nach einer Kindergrundsicherung ist auch von einem B&uuml;ndnis aufgegriffen worden, <a href=\"http:\/\/www.kinderarmut-hat-folgen.de\/\">das vom Deutschen Kinderschutzbund initiiert wurde<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>\n&bdquo;Unserer Gesellschaft sollte jedes Kind gleich viel wert sein &ndash; der Staat muss jedem Kind gleiche Chancen gew&auml;hren. Dies muss sich in Form einer besseren sozialen Infrastruktur und in materieller Teilhabe der Kinder auswirken. Auf keinen Fall darf ein Scheingefecht zwischen Geld und Bildung gef&uuml;hrt werden, da f&uuml;r beides Geld n&ouml;tig ist.&hellip;Ausgehend von verschiedenen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts hat das kindliche Existenzminimum eine hohe Bedeutung, die &uuml;ber seine steuerliche Freistellung hinausgeht. Aktuell betr&auml;gt die H&ouml;he des verfassungsrechtlich notwendigen Existenzminimums 573 Euro monatlich. Es setzt sich aus der H&ouml;he des s&auml;chlichen Existenzminimums (393 Euro) und dem Freibetrag f&uuml;r die Betreuung und Erziehung bzw. Ausbildung (BEA) (180 Euro, vor der Anhebung durch das Konjunkturpaket 2012) zusammen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Leider keine guten Aussichten<\/strong><\/p>\n<p>Ich teile allerdings den Pessimismus Professor Sells. Es steht eher zu bef&uuml;rchten, dass erneut halbherzige Scheinl&ouml;sungen, wie das Bildungs- und Teilhabepaket, auf die politische Agenda kommen. Mit einer Jamaica-Koalition, die sich ausschlie&szlig;lich f&uuml;r &bdquo;die Mitte&ldquo; und die Wohlhabenden einsetzen wird, wird es keine substantiellen Verbesserungen geben. Da ist es doch f&uuml;r die b&uuml;rgerliche Mitte <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40989\">beruhigend zu lesen<\/a>, dass man angesichts der H&ouml;he der aktuellen Grundsicherungsleistungen seine Gewissensbisse ganz schnell ad acta legen kann. Oder selbige mit der &Uuml;bernahme eine Patenschaft f&uuml;r ein Kind in der Dritten Welt beruhigen kann. Schlie&szlig;lich geht es uns ja allen gut. H&ouml;rt man. So zum Beispiel auch am 10. November in der Sendung <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/kultur\/aspekte\/aspekte-vom-10-november-2017-100.html\">Aspekte (ab 17:00)<\/a> gleich drei Mal im Gespr&auml;ch mit Juli Zeh.<br>&nbsp;<\/p><\/li>\n<li><strong>Leserbriefe<\/strong><br>&nbsp;\n<ol>\n<li><strong>Ein erster Leserbrief<\/strong><br>&nbsp;\n<p>Verehrte Nachdenkseiten !<\/p>\n<p>Ich kann die Rechnungen, die Frau Spindler in dem Artikel aufgestellt hat,<br>\nNICHT kommentarlos stehen lassen.<\/p>\n<p><strong>DESTATIS ver&ouml;ffentlicht die Armutsschwellen f&uuml;r Deutschland<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/ZahlenFakten\/GesellschaftStaat\/EinkommenKonsumLebensbedingungen\/LebensbedingungenArmutsgefaehrdung\/Tabellen\/EUArmutsschwelleGefaehrdung_SILC.html\">destatis.de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171113-Kinderarmut-01.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171113-Kinderarmut-01-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p>\n<p><strong>Aus 26 800 &euro; j&auml;hrlich errechnen sich 2 333 &euro; monatlich, f&uuml;r 2 Erwachsene und 2 Kinder<\/strong><\/p>\n<p>Jedenfalls NICHT wie bei Helga Spillner zu<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171113-Kinderarmut-02.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n<p><strong>Nach dem Tenor des Textes handelt es sich bei den &ldquo;unterschlagenen 100 &euro;&rdquo;<\/strong> auch &ldquo;nur&rdquo; um marginale 100 &euro;&nbsp; die durch die Freibetr&auml;ge in einem Job aufgefangen werden k&ouml;nnen.<\/p>\n<p><strong>Sehr kritisch betrachte ich<\/strong>, dass die Autorin eine &ldquo;H&ouml;chstmiete in einer teuren Gro&szlig;stadt&rdquo; als &ldquo;Hilfsmittel anzeigt&rdquo;, die Armutsschwelle zu &uuml;berwinden:<\/p>\n<p>Miete ist ein Durchlaufposten, der die Lebensumst&auml;nde NICHT ver&auml;ndert.<br>\nSchlie&szlig;lich ist es kaum Wohlstand, hungernd in einer teuren Wohnung zu sitzen.<\/p>\n<p>Wollte sich die Autorin, oder jeder Andere &uuml;ber die Regels&auml;tze, die hier zur &ldquo;Gro&szlig;z&uuml;gigkeit&rdquo; &ldquo;unserer&rdquo; Republik informieren, dann lege ich <a href=\"https:\/\/aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de\/2017\/11\/von-regelbedarfen-und-armutsschwellen.html\">den Kurzaufsatz<\/a> des Herrn Professor Sell nahe.<\/p>\n<p>Hier ist erkennbar, dass die Regelbedarfe in 2006 noch 46,2 % der Armutsschwelle und 2016 nur noch 41,7 % der Armutsschwelle betragen.<\/p>\n<p>Eine Verringerung um 10 %.<br>\nEine implizite Sanktion !<\/p>\n<p>mfg juergen kluth<br>&nbsp;<\/p><\/li>\n<li><strong>Noch ein Leserbrief (Ausz&uuml;ge):<\/strong><br>&nbsp;<br>\n<blockquote><p>\n&hellip; &uuml;bel ist mir der Artikel &ldquo;Kinderarmut&nbsp; ist immer Familienarmut, aber wann ist eine Familie armutsgef&auml;hrdet?&rdquo; von Helga Spindler aufgesto&szlig;en. Dachte ich zun&auml;chst erfreut, endlich w&uuml;rde mal&nbsp; jemand den Skandal thematisieren, dass die gr&ouml;&szlig;te Hartz 4 &ndash; Gruppe Alleinerziehende (in der Regel Frauen) sind, so wurde mir rasch bewusst, dass es hier um die &uuml;bliche neoliberale Verharmlosung von Armut geht &ndash; nach dem Motto: anderswo verhungern Arme, so lange das hier nicht der Fall ist, gibt es keinen Grund zur Klage. Das kann ich jeden Tag auf allen etablierten Nachrichtenkan&auml;len h&ouml;ren &hellip; Kein Wort davon, was es bedeutet, in einer statistisch reichen Gesellschaft an vielem nicht teilhaben zu k&ouml;nnen &ndash; und, was f&uuml;r die betroffenen Eltern besonders bitter ist, auch den Kindern die Teilhabe untersagen zu m&uuml;ssen. Soziologische Analysen zeigen, dass Eltern mit geringem Einkommen in der Regel versuchen, dieses geringe Einkommen soweit irgend m&ouml;glich den Kindern zukommen zu lassen und dabei selbst verzichten&nbsp; (vgl. Kathrin Hartmann, Wir m&uuml;ssen leider drau&szlig;en bleiben) &ndash; anders als der Artikel es suggeriert. In meiner logop&auml;dischen Praxis erlebe ich, dass mir alleinerziehende M&uuml;tter sagen, sie k&ouml;nnen zu diesem oder jenem Termin nicht kommen, weil sie da bei der Tafel anstehen m&uuml;ssen (zu erg&auml;nzen w&auml;re: um ihre Kinder satt zu bekommen &ndash; wohlgemerkt, bei der Tafel hat niemand einen Rechtsanspruch darauf, Nahrungsmittel zu erhalten, vgl. das oben zitierte Buch von Kathrin Hartmann).\n<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frau Spindler hat in einem Beitrag auf den Nachdenkseiten eine Analyse der &ouml;konomischen Situation von armen Familien, in denen dann zwangsl&auml;ufig arme Kinder leben, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40989\">vorgenommen<\/a>. Dazu bringen wir unter A einen Beitrag von <strong>Anette Sorg<\/strong> und unter B zwei Leserbriefe, die sich kritisch mit Frau Spindlers Text und ihren Berechnungen auseinandersetzen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41043\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,167,103,145,132],"tags":[792,308,217,214,2081,408,306,218],"class_list":["post-41043","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-familienpolitik","category-leserbriefe","category-sozialstaat","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-bildungspaket","tag-existenzminimum","tag-kinderarmut","tag-regelsatz","tag-sell-stefan","tag-soziale-herkunft","tag-spindler-helga","tag-teilhabe"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41043","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41043"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41043\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":41065,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41043\/revisions\/41065"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41043"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41043"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41043"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}