{"id":41095,"date":"2017-11-16T09:17:46","date_gmt":"2017-11-16T08:17:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41095"},"modified":"2019-04-01T07:47:46","modified_gmt":"2019-04-01T05:47:46","slug":"was-die-guten-bis-heute-verheimlichen-sie-haben-bomben-und-granaten-aus-abgereichertem-uran-eingesetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41095","title":{"rendered":"Was die \u201eGuten\u201c bis heute verheimlichen: Sie haben Bomben und Granaten aus abgereichertem Uran eingesetzt."},"content":{"rendered":"<p>Im Jugoslawien-Krieg zum Beispiel. Auch im ersten Irakkrieg 1991 haben die USA und ihre Alliierten Massenvernichtungswaffen in Form von vielen Tonnen Bomben und Granaten aus abgereichertem Uran eingesetzt. Der Einsatz von Uranwaffen im ersten Irakkrieg wurde von den USA und Gro&szlig;britannien zun&auml;chst geleugnet, bis der ehemalige US-Justizminister Ramsay Clark 1997 die verbrecherischen Praktiken des Pentagons mit seiner Streitschrift mit dem Titel &bdquo;Metal of Dishonor&ldquo; offengelegt hat. Die meisten Zeitgenossen haben davon nichts erfahren, weil es in den Leitmedien seit langer Zeit kein Thema ist. Deshalb ver&ouml;ffentlichen wir einen ausf&uuml;hrlichen Bericht des Mediziners Klaus-Dieter Kolenda. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6328\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-41095-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171117_Die_sogenannten_Guten_und_Bomben_aus_abgereichertem_Uran_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171117_Die_sogenannten_Guten_und_Bomben_aus_abgereichertem_Uran_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171117_Die_sogenannten_Guten_und_Bomben_aus_abgereichertem_Uran_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171117_Die_sogenannten_Guten_und_Bomben_aus_abgereichertem_Uran_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=41095-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171117_Die_sogenannten_Guten_und_Bomben_aus_abgereichertem_Uran_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"171117_Die_sogenannten_Guten_und_Bomben_aus_abgereichertem_Uran_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Bomben und Granaten aus abgereichertem Uran.<\/strong><br>\n<strong>&Uuml;ber den Einsatz dieser verheimlichten Massenvernichtungswaffen und den Arzt, der als Erster auf ihre Folgen hingewiesen hat<\/strong><br>\n<em>Von Klaus-Dieter Kolenda<\/em><\/p><p><em>Der folgende Text m&ouml;chte aus der Sicht eines Mediziners &uuml;ber den verheimlichten Einsatz von Uranwaffen in den j&uuml;ngsten Kriegen des Westens informieren und soll dar&uuml;ber hinaus eine W&uuml;rdigung des deutschen Arztes, Prof. Siegwart-Horst G&uuml;nther, sein. Dieser hat mehrere Jahrzehnte im Nahen und Mittleren Osten als Hochschullehrer gewirkt und war der Erste, der &uuml;ber den Einsatz dieser Massenvernichtungswaffen und ihre Folgen im Irak, aber auch in Bosnien, Serbien und im Kosovo, die &Ouml;ffentlichkeit unterrichtet hat.<\/em><\/p><p>Viele politisch interessierte Zeitgenossen kennen die Bilder aus dem Weltsicherheitsrat der UNO, die aus dem Jahre 2003 kurz vor dem zweiten Irakkrieg stammen und zeigen, wie der US-amerikanische Au&szlig;enminister Colin Powell mit einem kleinen durchsichtigen R&ouml;hrchen in der Hand demonstriert, dass der Beweis unwiderruflich erbracht sei: Der Irak ist im Besitz von Massenvernichtungswaffen! Das war die Begr&uuml;ndung und Rechtfertigung f&uuml;r den bald darauf beginnenden v&ouml;lkerrechtswidrigen zweiten Angriffskrieg gegen den Irak, der dieses Land v&ouml;llig zerst&ouml;rt und eine verelendete Bev&ouml;lkerung mit mehr als 1 Million toter Zivilisten und vielen hunderttausend verwundeten und kranken Menschen zur&uuml;ckgelassen hat [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. Heute wissen wir, dass diese Begr&uuml;ndung eine ungeheuerliche L&uuml;ge war. <\/p><p>Was Colin Powell verschwiegen hat und die meisten Zeitgenossen bis heute nicht erfahren haben, weil es in den Leitmedien seit langer Zeit kein Thema mehr ist: Schon im ersten Irakkrieg 1991 haben die USA und ihre Alliierten zum ersten Mal Massenvernichtungswaffen in Form von vielen Tonnen Bomben und Granaten aus abgereichertem Uran (englisch: depleted uranium, abgek&uuml;rzt: DU), auch Uranwaffen oder Uranmunition genannt, eingesetzt [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]. <\/p><p>DU ist ein billiges Abfallprodukt der Atomindustrie bei der Herstellung atomarer Brennst&auml;be aus Uran 235, enth&auml;lt aber noch etwa 60 Prozent der Radioaktivit&auml;t des urspr&uuml;nglichen Uranerzes auf Grund seines Gehaltes an vor allem Uran 238, einem langsam zerfallenden Alpha-Strahler mit einer Halbwertszeit von 4,5 Milliarden Jahren [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]. <\/p><p>Wenn DU in den menschlichen Organismus gelangt, ist es doppelt gef&auml;hrlich: Als Schwermetall ist es giftig und als Alpha-Strahler sch&auml;digt es mit seiner Strahlenwirkung die Gewebszellen in der Lunge und den &uuml;brigen Organen. Beim Einsatz von Uranwaffen, zum Beispiel gegen Panzer und Stahlbetonbauten, werden die getroffenen Ziele nicht nur in Sekunden zur Explosion gebracht, sondern ein Teil des Urangeschosses entz&uuml;ndet sich auf Grund der hohen Temperaturen durch die Reibungshitze und es entsteht ein Aerosol, das hei&szlig;t ein Metallgas, das aus mikroskopisch kleinen Partikeln DU besteht und das von den Menschen, die dem ausgesetzt sind, &uuml;ber die Atmung, aber auch &uuml;ber Nahrung und Trinkwasser, aufgenommen werden kann.<\/p><p>Der Einsatz von Uranwaffen im ersten Irakkrieg wurde von den USA und Gro&szlig;britannien aber zun&auml;chst geleugnet, bis der ehemalige US-Justizminister Ramsay Clark 1997 die verbrecherischen Praktiken des Pentagons mit seiner Streitschrift mit dem Titel &bdquo;Metal of Dishonor&ldquo; (w&ouml;rtlich &uuml;bersetzt: Metall der Unehre, damit ist abgereichertes Uran gemeint) offen gelegt hat [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]. <\/p><p>Im zweiten Irakkrieg 2003 sollen es dann mindestens 2000 Tonnen Uranmunition gewesen sein, die gegen Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, Bunker und Bauwerke aus Stahlbeton abgeschossen wurden. Das hat zu den Folgen gef&uuml;hrt, die von Frieder Wagner in seinen beiden Dokumentarfilmen, &bdquo;Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra&ldquo; aus dem Jahre 2003 und &bdquo;Deadly Dust- Todesstaub: Uranmunition und die Folgen&ldquo; aus 2007, so eindringlich aufgezeigt werden [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>][<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]. Sehr informativ und eindrucksvoll ist auch der Dokumentarfilm &bdquo;Leiser Tod im Garten Eden&ldquo; von Karin Leukefeld und Markus Matzel aus dem Jahre 2016 [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]. Alle genannten Filme k&ouml;nnen &uuml;ber YouTube aufgerufen und angesehen werden.<\/p><p><strong>Uranwaffen- ein Tabu-Thema in Deutschland<\/strong><\/p><p>Claus Biegert, freiberuflicher Autor, Rundfunkjournalist und Filmemacher, hat in einem lesenswerten Buchbeitrag, der 2015 erschienen ist, beschrieben, wie das Thema Uranwaffen aus den Medien verschwand [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]. <\/p><p>Im Januar 2001 hat der Journalist Siegesmund von Ilsemann, langj&auml;hriger Milit&auml;rexperte des &bdquo;Spiegel&ldquo;, die letzte Ver&ouml;ffentlichung zu diesem Thema geschrieben, die zu einer gro&szlig;en Mediendebatte f&uuml;hrte. Der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping geriet unter Druck, weil Vorw&uuml;rfe erhoben wurden, dass Uranwaffen auch im v&ouml;lkerrechtswidrigen Krieg gegen Serbien und im Kosovo 1999 eingesetzt worden seien. Minister Scharping rechtfertigte den Einsatz und erkl&auml;rte w&ouml;rtlich:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Uran wird als Metall, nicht als strahlendes Material verwendet. Deshalb haben auch alle Untersuchungen ergeben, dass die Strahlung aus diesem Uran unterhalb der nat&uuml;rlichen Umwelteinfl&uuml;sse liegt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Claus Biegert hat diese Erkl&auml;rung des Ministers treffend kommentiert:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Uran, das nicht strahlen soll, strahlt auch nicht! Der Minister als Magier&ldquo; [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>].<\/p><\/blockquote><p>Scharping stellte darauf einen Arbeitsstab zusammen, der die Ungef&auml;hrlichkeit der Uranmunition best&auml;tigen sollte. Zum Leiter wurde Theo Sommer, der ehemalige Chefredakteur und Herausgeber der &bdquo;Zeit&ldquo;, ernannt. Weitere Mitglieder waren ein Redakteur der &bdquo;FAZ&ldquo;, ein Vertreter der &bdquo;Deutschen Gesellschaft f&uuml;r Ausw&auml;rtige Politik&ldquo; und eine Reihe hoher Milit&auml;rs. Auf Wissenschaftler glaubte man offensichtlich verzichten zu k&ouml;nnen. Der Arbeitsstab kam zu dem gew&uuml;nschten Ergebnis, das dann im Sommer 2001 in der &bdquo;Zeit&ldquo; in einem Artikel von Gero von Randow mit dem Titel &bdquo;Die Blamage der Alarmisten&ldquo; ver&ouml;ffentlicht wurde. Seitdem wird das Thema in den &uuml;berregionalen Leitmedien und der Regionalpresse in Deutschland bis auf seltene Ausnahmen nicht mehr aufgegriffen [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]. Im Gegensatz dazu haben sich aber  alternative Online-Medien wie zum Beispiel die &bdquo;Nachdenkseiten&ldquo; mit dieser Thematik befasst und auch ausf&uuml;hrliche Dokumentationen dazu ver&ouml;ffentlicht [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_7\">7<\/a>] und [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>].<\/p><p>Eine Erkl&auml;rung f&uuml;r das Schweigen der Leitmedien &uuml;ber den Einsatz von Uranwaffen und dessen Folgen sei, meint Claus Biegert, dass m&auml;chtige Institutionen kein Interesse an einer Diskussion des Themas haben, denn das internationale Recht sieht vor: F&uuml;r die Beseitigung von Kriegsmaterial, vergifteten B&ouml;den und Wasser sind die Verursacher verantwortlich. F&uuml;r zivile Opfer m&uuml;ssten sie sich vor dem<br>\nInternationalen Gerichtshof verantworten. Eine &Auml;chtung der Uranwaffen schm&auml;lere nicht nur die Gewinne der Waffen- und Transportindustrie, sondern sie werfe auch Fragen der Entsch&auml;digung auf, die nicht vorgesehen waren [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>].<\/p><p><strong>Was meint die Wissenschaft zu diesem Thema?<\/strong><\/p><p>Journalisten und Wissenschaftler, die sich mit der Tabu-Erkl&auml;rung des Themas Uranwaffen nicht abfinden wollen, m&uuml;ssen immer wieder erleben, dass ihnen vorgeworfen wird, sie w&uuml;rden einer &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorie&ldquo; aufsitzen. Das ist ein Totschlagargument und bedeutet, dass die so Beschuldigten entweder naiv sind oder keine Ahnung von der Materie haben. Claus Biegert und auch Frieder Wagner ist es so gegangen und Prof. G&uuml;nther ebenfalls. Deshalb wollen wir uns ansehen, was heute die Wissenschaft zum Thema Uranwaffen zu sagen hat.   <\/p><p>Zu diesem Thema liegt seit 2012 eine Brosch&uuml;re mit einem Report der deutschen Sektionen der &bdquo;Internationalen &Auml;rzte f&uuml;r die Verh&uuml;tung des Atomkrieges\/ &Auml;rzte in sozialer Verantwortung&ldquo; (IPPNW) und der &bdquo;Internationalen Koalition zur &Auml;chtung von Uranwaffen&ldquo; (ICBUW) vor [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]. Dieser umfangreiche Report mit dem Titel &bdquo;Die gesundheitlichen Folgen von Uranmunition. Die gesellschaftliche Debatte um den Einsatz einer umstrittenen Waffe&ldquo; basiert auf 275 Literaturhinweisen und Anmerkungen und macht deutlich, dass aus &auml;rztlicher und politischer Sicht allein ein Verbot von Uranwaffen die einzige Konsequenz aus den zahlreichen vorgestellten und kritisch bewerteten wissenschaftlichen Forschungen, Feldstudien und Rechtsexpertisen &uuml;ber dieses Thema sein kann, um weiteres Leid von Zivilbev&ouml;lkerungen und Milit&auml;rpersonal zu verhindern und die Verseuchung unserer Umwelt &uuml;ber Millionen Jahre so gering wie m&ouml;glich zu halten.<\/p><p>In der Zusammenfassung hei&szlig;t es auf Seite 56 bis 57 dieser Brosch&uuml;re [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>], dass der Report unter anderem belegt:<\/p><p>Uranmunition unterscheidet in ihrer Mittel- und Langzeitwirkung nicht zwischen Kombattanten und Zivilisten.<\/p><p>Inkorporiertes DU wirkt als Schwermetall chemotoxisch und als radioaktive Substanz radiotoxisch. Die chemischen und die Strahleneffekte ergeben einen Wirkungscocktail, bei dem oft nicht eindeutig zugeordnet werden kann, ob die Ursachen von der giftigen Wirkung des Schwermetalls oder von der Alpha-Strahlung des Urans herr&uuml;hren.<\/p><p>Fest steht allerdings: Die beiden Schadwirkungen- Chemo- und Radiotoxizit&auml;t- verhalten sich synergistisch, das hei&szlig;t, sie verst&auml;rken im menschlichen K&ouml;rper gegenseitig ihre spezifischen Zerst&ouml;rungs- und Ver&auml;nderungskr&auml;fte.<\/p><p>Uranwaffen sch&auml;digen den K&ouml;rper in vielf&auml;ltiger Weise und gef&auml;hrden nicht nur die exponierten Personen, sondern auch ihre sp&auml;ter gezeugten Kinder. Die h&auml;ufigsten Gesundheitssch&auml;den sind: Chromosomensch&auml;den, die die Ursache f&uuml;r Missbildungen und Krebs sind, Sch&auml;digung der Nieren und des Nervensystems, angeborene Fehlbildungen, transgenerationelle Effekte, das hei&szlig;t, sch&auml;digende Effekte k&ouml;nnen auch die Kindeskinder betreffen, und Fertilit&auml;tsst&ouml;rungen, das sind St&ouml;rungen der Fruchtbarkeit bei M&auml;nnern und Frauen.<br>\nDie Gefahr, an Krebs zu erkranken, nimmt bei mit DU- exponierten Personen sehr deutlich zu.<\/p><p>Abgereichertes Uran, das im Skelett gespeichert und in den Lymphknoten oder in der Lunge angesammelt wurde, verbleibt &uuml;ber Jahre bis Jahrzehnte im K&ouml;rper. In den K&ouml;rper eingedrungene DU-Splitter geben ihre giftigen Wirkstoffe und Strahlen lebenslang ab.<\/p><p>DU wird beim Aufprall teilweise zu einem Aerosol. Darunter versteht man ein Gemisch aus festen und fl&uuml;ssigen Schwebeteilchen in einem Gas. Die kleinsten Teilchen sind nur wenige Nanometer (Millionstel Millimeter) gro&szlig;. Die dadurch bedingten Umweltfolgen sind  mannigfaltig. Durch Wind und Wiederaufwirbelungen, zum Beispiel beim Pfl&uuml;gen, verteilt sich das Aerosol auf einer gr&ouml;&szlig;eren Fl&auml;che.                                                    <\/p><p>Bei einer Treffergenauigkeit der uranhaltigen Waffen von ca. 10 % liegen viele Geschosse unerkannt bis zu einem Meter tief unter der Erde. Je nach Bodenbeschaffenheit wird die toxische Wirkung entweder &bdquo;verkapselt&ldquo; oder es werden weitere Erdschichten oder das Grundwasser von Kontamination bedroht. Wetterbedingte Erosionen sind langfristig eine zus&auml;tzliche Gefahr.<\/p><p>Die Dekontamination muss gro&szlig;fl&auml;chig erfolgen. Sie ist schwierig, aufwendig und teuer und gelingt in der Regel nicht vollst&auml;ndig.<\/p><p>F&uuml;r die betroffenen Staaten wie Nationen auf dem Balkan oder im Irak, aber auch f&uuml;r die Verwenderstaaten und die Weltgemeinschaft, stellt der Report weiter unter anderem fest: <\/p><p>Die betroffenen Staaten m&uuml;ssen von den kriegf&uuml;hrenden Parteien schnell umfassende Informationen &uuml;ber den Einsatz von DU-Munition erhalten und die betroffene Bev&ouml;lkerung muss &uuml;ber die Risiken von DU-Munition informiert und im praktischen Umgang mit verseuchten Materialien geschult werden. <\/p><p>Die Verursacherstaaten und die Weltgemeinschaft sind in der Pflicht, die Gefahren f&uuml;r die Zivilbev&ouml;lkerung und ihre Leiden so gering wie m&ouml;glich zu halten, dies schlie&szlig;e auch fiskalische, das hei&szlig;t, die Staatskasse betreffende Verantwortung f&uuml;r die Verwenderstaaten nachdr&uuml;cklich ein.<\/p><p>Um das Ausma&szlig; der gesundheitlichen Folgen des Einsatzes von DU-Munition einsch&auml;tzen zu k&ouml;nnen, sind unabh&auml;ngige epidemiologische Forschungen notwendig, die in erster Linie von den Verwenderstaaten zu finanzieren sind.<br>\nWeiterhin ist der Aufbau eines Fehlbildungs- und Krebsregisters von gro&szlig;er Bedeutung, da ohne solche Register die Vergleichsgr&ouml;&szlig;en f&uuml;r wissenschaftliche Studien in den betroffenen Regionen fehlen. <\/p><p>Im vorliegenden Report wird auch das V&ouml;lkerrecht daraufhin untersucht, ob die bestehenden zwischenstaatlichen Vertr&auml;ge beziehungsweise das Gewohnheitsrecht ein Verbot von DU-Munition erm&ouml;glichen. Obwohl sich die gro&szlig;e Mehrheit der UNO-Mitglieder f&uuml;r ein Verbot von Uranwaffen ausgesprochen hat, sind uranhaltige Waffen ebenso wie Atomwaffen derzeit ja leider noch nicht explizit verboten.<\/p><p>Nach Meinung der Autoren des Reports k&ouml;nnte jedoch schon heute auf Grund der Bestimmungen des Humanit&auml;ren V&ouml;lkerrechts und speziell des Zusatzprotokolls I zu den Genfer Abkommen f&uuml;r ein Verbot von Uranwaffen argumentiert werden, denn  das Zusatzprotokoll verbietet Angriffe &bdquo;..bei denen Kampfmethoden oder -mittel angewendet werden, deren Wirkungen nicht entsprechend den Vorschriften dieses Protokolls begrenzt werden k&ouml;nnen&ldquo;. Grunds&auml;tzlich verboten ist eine Kriegsf&uuml;hrung, die nicht zwischen Kombattanten und Zivilpersonen unterscheidet beziehungsweise die Umwelt sch&auml;digt. Mit dieser Argumentation setzt sich seit Jahren der Berliner V&ouml;lkerrechtler Prof. Manfred Mohr, einer der Autoren des Reports und Sprecher der ICBUW, f&uuml;r eine &Auml;chtung von Uranwaffen ein [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>].<\/p><p>Die ICBUW Deutschland teilt auf ihrer Website mit, dass die UN-Generalversammlung der Vereinten Nationen die anhaltenden Bef&uuml;rchtungen &uuml;ber Gesundheitsrisiken von abgereichertem Uran anerkennt. Das Plenum der UN-Generalversammlung verabschiedete am 5. Dezember 2016 eine neue <a href=\"http:\/\/reachingcriticalwill.org\/images\/documents\/Disarmament-fora\/1com\/1com16\/resolutions\/L63.pdf\">Resolution<\/a> zu Uranwaffen mit 151 zu 4 Stimmen bei 28 Enthaltungen. Die Resolution ist die sechste angenommene Resolution seit 2007 [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>].<\/p><p>Obwohl eine &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit der Staaten f&uuml;r die Resolution stimmte, enthielt sich eine kleine Minderheit. Rund die H&auml;lfte davon sind EU- Mitgliedsstaaten, die zuvor durch das EU-Parlament <a href=\"http:\/\/www.uranmunition.org\/europaeisches-parlament-draengt-eu-regierungen-die-un-resolution-ueber-abgereichertes-uran-zu-unterstuetzen\/\">zur Zustimmung aufgefordert<\/a> worden waren. Deutschland, das die Resolution bis 2014 unterst&uuml;tzte, wurde von der ICBUW f&uuml;r seine Bem&uuml;hungen kritisiert, die Sprache der Resolution zu schw&auml;chen und andere Staaten zur Enthaltung zu bewegen. Wie gew&ouml;hnlich wurde die Resolution von den USA, dem Vereinigten K&ouml;nigreich, Frankreich und Israel abgelehnt. Die erste Abstimmungsrunde &uuml;ber die Resolution fand nur wenige Tage nach dem Eingest&auml;ndnis der USA statt, dass sie <a href=\"http:\/\/www.uranmunition.org\/us-militaer-setzte-in-syrien-uranwaffen-ein\/\">DU-Munition in Syrien eingesetzt<\/a> haben [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>].<\/p><p>Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch noch, dass auf nationaler Ebene Gerichte sowohl in Italien als auch in Gro&szlig;britannien in der j&uuml;ngeren Vergangenheit Soldaten beziehungsweise deren Angeh&ouml;rigen Entsch&auml;digungen daf&uuml;r zugesprochen haben, dass die Soldaten im Einsatz abgereichertem Uran ausgesetzt gewesen waren. In den USA verharrt die Rechtsprechung auf dem Stand, dass grunds&auml;tzlich keine Entsch&auml;digung f&uuml;r im Milit&auml;rdienst erlittene Gesundheitssch&auml;den gew&auml;hrt wird [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>].<\/p><p>Zum Abschluss dieses Kapitels soll noch auf eine epidemiologische Studie aufmerksam gemacht werden, die im Jahre 2010 in der in Basel herausgegebenen renommierten wissenschaftlichen Zeitschrift &bdquo;International Journal of Environmental Research and Public Health&ldquo; erschienen ist und die zu dem Ergebnis kommt, dass die Region von Fallujah im Irak, die 2004 stark umk&auml;mpft gewesen ist, in 2005 bis 2008 eine h&ouml;here Rate an Krebs, Leuk&auml;mie und Kindersterblichkeit aufgewiesen hat als Hiroshima und Nagasaki im ersten Jahr nach dem Atombombenabwurf [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>][<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>].<\/p><p><strong>Wer war Siegwart-Horst G&uuml;nther?<\/strong><\/p><p>Siegwart-Horst G&uuml;nther war ein deutscher Arzt, der Zusammenh&auml;nge zwischen der im Irakkrieg verwendeten Uranmunition von Seiten der USA und ihrer Alliierten und dem geh&auml;uften Auftreten von Leuk&auml;mien, Krebserkrankungen und Missbildungen bei S&auml;uglingen und Kleinkindern schon 1991 vermutet und als Erster bewiesen hat, dass die zur&uuml;ckgebliebenen Geschossh&uuml;lsen auf den Schlachtfeldern, mit denen die Kinder dort spielten, aus abgereichertem Uran bestanden und radioaktiv strahlten. <\/p><p>Prof. Siegwart-Horst G&uuml;nther verstarb nach langer und schwerer Krankheit im Januar 2015 in einem Alten- und Pflegeheim in meiner Heimatstadt Husum an der Nordsee mit fast 90 Jahren und ist dort begraben worden. In der regionalen Zeitung erschien eine Traueranzeige von seinem Freundeskreis. Ansonsten wurde sein Tod von den Medien totgeschwiegen. Es ist eine Schande, dass sein Tod den regionalen und &uuml;berregionalen Medien keine Redaktionszeile wert gewesen ist!<\/p><p>Er hat uns aber zum Gl&uuml;ck ein Buch hinterlassen, das spannend und lesenswert ist und autobiographische Skizzen von der Zeit seiner Kindheit und Jugend an bis in die Zeit nach dem zweiten Irakkrieg Anfang der 2000er Jahre enth&auml;lt [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>]. Und es gibt die zwei oben erw&auml;hnten ersch&uuml;tternden Dokumentarfilme von Frieder Wagner, die auf YouTube leicht aufgerufen werden k&ouml;nnen, so dass man jederzeit auf dem Monitor oder der Leinwand Prof. G&uuml;nther erleben kann [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>][<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]. <\/p><p>Siegwart-Horst G&uuml;nther wurde 1925 in einem Dorf in der N&auml;he von Halle an der Saale geboren. Die Mutter war aus Polen geb&uuml;rtig und stammte aus einer polnisch-j&uuml;dischen Familie. Wegen ihrer Herkunft gab es famili&auml;re Auseinandersetzungen zwischen den Eltern, die auch das weitere Leben des Jungen gepr&auml;gt haben. Der Vater, Lehrer an einer einklassigen Dorfschule, war streng konservativ und nationalistisch eingestellt. Seit 1931 waren beide Eltern in der NSDAP, ab 1935 begann eine Parteikarriere des Vaters, der stellvertretender Gauleiter von Halle wurde.<\/p><p>1931 erfolgte die Einschulung und 1935 der Wechsel an die Oberrealschule in Halle. Wegen Schulproblemen wechselte er dann 1939 an die Dr. Karl-Peters-Schule, die &bdquo;Reichskolonialschule&ldquo;, nach Berlin-Pankow, wo er bei einer Tante lebte. Er hatte dort eine gl&uuml;ckliche Zeit bis zu seinem Abitur 1941. Hier wurde auch sein Interesse f&uuml;r fremde L&auml;nder geweckt. <\/p><p>1942 absolvierte er den Reichsarbeitsdienst, meldete sich anschlie&szlig;end mit 18 Jahren als Kriegsfreiwilliger und wurde als Offizier an der Ostfront eingesetzt, wo er mehrfach schwer verwundet wurde. Nach seiner Wiederherstellung kam er als Kurier im Bendler-Block (Kommando des Ersatzheeres in Berlin) zum Einsatz. <\/p><p>Nach dem fehlgeschlagenen Stauffenberg-Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde er verhaftet, mehrere Wochen im Gestapo-Gef&auml;ngnis inhaftiert und danach in das KZ Buchenwald eingewiesen, wo er wegen seines schlechten Gesundheitszustands die Befreiung im April 1945 im Krankenrevier erlebte.<\/p><p>Unmittelbar nach der Entlassung aus dem KZ als &bdquo;Muselmane&ldquo; (54 kg bei 1,86 m K&ouml;rpergr&ouml;&szlig;e) begann er in der Hungerzeit nach 1945 sein Medizinstudium in Jena und legte dort 1949\/50 das Staatsexamen ab. 1951 arbeitete er nachmittags als Assistenzarzt in der Universit&auml;ts-Frauenklinik in Jena und vormittags im dortigen Physiologischen Institut als Lehrbeauftragter und an einer tierexperimentellen Arbeit zum Thema weibliche Sterilit&auml;t (Unfruchtbarkeit). 1953 erfolgte die Promotion. 1954 wechselte er an das Physiologische Institut der Humboldt Universit&auml;t zu Berlin als Dozent und Vertreter des Institutsleiters, der in den Westen gegangen war. Im selben Jahr erfolgte die Habilitation. 1957 wurde er im Fach Physiologie zum j&uuml;ngsten Medizinprofessor der DDR ernannt.<\/p><p>Im selben Jahr erhielt er einen Ruf an das Physiologische Institut der Universit&auml;t  Kairo und begann dort eine dreij&auml;hrige umfangreiche Lehr- und Forschungst&auml;tigkeit &uuml;ber weibliche Sterilit&auml;t und die weit verbreitete tropische Infektionskrankheit Bilharziose. 1960 bis 1963 war er als ordentlicher Professor f&uuml;r Pathophysiologie und Tropenmedizin an der Universit&auml;t Damaskus t&auml;tig. 1963 bis 1965 hat er in Lambarene\/Gabun bei Albert Schweizer gearbeitet und Forschungsarbeiten &uuml;ber Lepra, Malaria und Elephantiasis durchgef&uuml;hrt. In seinem Buch findet sich eine eindrucksvolle Schilderung der damaligen Verh&auml;ltnisse im Urwaldkrankenhaus in Lambarene, wo er eine sehr intensive und begl&uuml;ckende Zeit verbracht hat.<\/p><p>1966 bis Anfang der 1970er Jahre hat er Studien- und Forschungsaufenthalte in London im Institut f&uuml;r Tropenmedizin und in Glasgow in der Klinik f&uuml;r Dermatologie absolviert. Seine damaligen Arbeiten &uuml;ber die Heilwirkung der Vitamin-A-S&auml;ure bei Psoriasis und Lichen ruber planus, einer relativ h&auml;ufigen Hauterkrankung, wurden f&uuml;r so innovativ eingesch&auml;tzt, dass sie f&uuml;r den Nobelpreis eingereicht wurden. Diesen erhielt Prof. G&uuml;nther aber seiner Meinung nach deshalb nicht, weil er Ostdeutscher war.<\/p><p>Anfang der 1970er Jahre erfolgte eine erneute T&auml;tigkeit in Kairo im Institut f&uuml;r Tropenmedizin, wo er weiter &uuml;ber die Bilharziose forschte und &uuml;ber dieses auch im Nahen und Mittleren Osten sehr weit verbreitete Krankheitsbild ein einschl&auml;giges Fachbuch schrieb.<\/p><p>Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre war er als Chefarzt einer Dermatologischen Klinik in St. Peter-Ording in Schleswig-Holstein t&auml;tig. 1982 wurde er mit der &auml;rztlichen Leitung eines Behandlungszentrums f&uuml;r Psoriasis am Toten Meer in Israel betraut. 1984 wurde ihm dort jedoch gek&uuml;ndigt, weil er aus einer Nazi-Familie stamme. Zu dieser Zeit musste seine Frau in St. Peter-Ording, die dort als niedergelassene &Auml;rztin t&auml;tig war, antisemitische Beschimpfungen und Schmierereien erleiden. Seine Frau sei dem Druck nicht gewachsen gewesen, schreibt Prof. G&uuml;nther, habe sich schlie&szlig;lich von ihm getrennt und sei mit den gemeinsamen Kindern nach S&uuml;ddeutschland gezogen. Nach diesen und einer Reihe weiterer ungl&uuml;cklicher Erfahrungen kehrte Prof. G&uuml;nther Ende der 1980er Jahre in die DDR zur&uuml;ck.<\/p><p>Im Oktober 1990 wurde Prof. G&uuml;nther zu einer neuerlichen &auml;rztlichen und Vortragst&auml;tigkeit in den Irak eingeladen. Nach dem ersten Irakkrieg 1991 machte er dort viele Reisen in St&auml;dte wie Bagdad, Basra und Mossul. Dieser Abschnitt in seinem Buch ist besonders eindringlich. Dabei stellte er fest, dass in den Krankenh&auml;usern, die er besuchte und die er schon aus fr&uuml;heren Zeiten gut kannte, bei Kindern vermehrt Leuk&auml;mien und Krebserkrankungen festzustellen waren, aber auch Missbildungen, die er vorher noch nicht gesehen hatte und die ihn an Tschernobyl erinnerten [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>][<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]. <\/p><p>Er brachte diese erschreckenden Erkrankungen und Gesundheitssch&auml;den mit Geschossen und Geschossh&uuml;lsen in Verbindung, die auf den Schlachtfeldern in gr&ouml;&szlig;erer Zahl verstreut herumlagen und mit denen die Kinder oft spielten und sie dabei zum Beispiel als Puppen anmalten. Um diese Fragen zu kl&auml;ren, verbrachte er mehrere dieser Geschosse im Diplomatengep&auml;ck mit nach Deutschland und lie&szlig; sie in verschiedenen Instituten in Berlin untersuchen. Dabei stellte sich heraus, dass die Geschosse aus strahlendem Uran bestanden. <\/p><p>Das bekam er von den Untersuchungsstellen schriftlich und hatte damit den Beweis, dass es sich bei den von ihm beobachteten geh&auml;uften schweren Erkrankungen und Missbildungen bei den Kindern im Irak um strahlungsbedingte Sch&auml;den handeln k&ouml;nnte. Aber anstatt dass ihm f&uuml;r diese Entdeckung gedankt wurde, musste er sich wegen &bdquo;illegaler Einf&uuml;hrung von gef&auml;hrlichen Stoffen&ldquo; vor Gericht verantworten und wurde zu einer Geldstrafe von 3000 DM verurteilt. <\/p><p>In den Jahren darauf folgte eine rege Vortragst&auml;tigkeit mit Radio- und Fernseh- Interviews weltweit, auch in der UNO, um dieses Kriegsverbrechen bekannt zu machen. Au&szlig;erdem organisierte er verschiedene Hilfsprojekte f&uuml;r die Menschen im Irak. Er erhielt weltweite Anerkennung f&uuml;r dieses Engagement und wurde mit vielen Preisen und Ehrentiteln ausgezeichnet. 2007 erhielt er in Salzburg bei der                  10. Preisverleihung des &bdquo;Nuclear Free Future Awards&ldquo; diesen Preis in der Kategorie &bdquo;Aufkl&auml;rung&ldquo;. Es handelt sich um eine bedeutende internationale Auszeichnung, was   auch darin zum Ausdruck kommt, dass 2016 diesen Preis die &bdquo;Internationale Kampagne zur Abschaffung der Atomwaffen&ldquo; (ICAN) erhielt, die 2017 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. In seiner Dankesrede sagte Prof. G&uuml;nther damals [<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>]:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Als ich 1991, nach dem 1.Golfkrieg entdeckte, dass die Alliierten in diesem f&uuml;r mich v&ouml;lkerrechtswidrigen Krieg Urangeschosse eingesetzt hatten, mit allen ihnen schon damals bekannten schrecklichen Konsequenzen, war ich wegen dieser Ungeheuerlichkeit zutiefst emp&ouml;rt. Krieg ist sowieso eine furchtbare Sache und sollte heute obsolet sein, aber der Einsatz dieser Munition und Bomben aus abgereichertem Uran, ist eine Menschen und Umwelt verachtende Ungeheuerlichkeit.<\/p>\n<p>Sie wissen vielleicht, dass meine Zeit mit Albert Schweitzer mich tief gepr&auml;gt hat. Sein Credo: &ldquo;Ehrfurcht vor dem Leben&rdquo; wurde auch mein Leitmotiv als Mediziner und Mensch. Und ich muss Ihnen sagen: Ich war nie ein sonderlich politischer Mensch, mich interessierten Menschen immer mehr als politisches Pokern. Die Ehrfurcht vor dem Leben ist bei mir erheblich gr&ouml;&szlig;er, als vor &Auml;mtern oder Institutionen. Ich komme<br>\ndaher mit dem Vorwurf gut zurecht, in meiner Naivit&auml;t und Unbedarftheit w&auml;re ich f&uuml;r die eine Seite ein n&uuml;tzlicher Idiot und f&uuml;r die andere Seite ein st&ouml;rrischer Qu&auml;lgeist.<\/p>\n<p>Ich bin Arzt, meine Damen und Herren, mehr nicht!&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>2003 erfolgte ein erneuter Besuch des Irak, aber auch von Bosnien, Serbien und dem Kosovo,  zusammen mit dem Dokumentarfilmer Frieder Wagner. Daraus sind die beiden oben schon vorgestellten Filme entstanden [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>][<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>].<\/p><p>Ich habe erst einige Monate nach seinem Tode in Husum von Siegwart-Horst G&uuml;nther geh&ouml;rt und ihn deshalb nicht mehr pers&ouml;nlich kennenlernen k&ouml;nnen. Ich f&uuml;hre diesen Umstand auf das Tabu zur&uuml;ck, das in den Medien &uuml;ber das Thema Uranwaffen im Allgemeinen und das Wirken von Prof. G&uuml;nther im Besonderen bis heute besteht.<\/p><p>Ich habe mich dann mit den vorliegenden Informationen &uuml;ber ihn besch&auml;ftigt, wozu vor allem seine B&uuml;cher und die Filme von Frieder Wagner geh&ouml;ren. Aus den mir zur Verf&uuml;gung stehenden Informationen habe ich den Schluss gezogen, dass Prof. G&uuml;nther ein selbstloser, mitf&uuml;hlender und mutiger Mensch und ein vorbildlicher Arzt und Wissenschaftler gewesen ist, der sich um die Gesundheit der Menschen verdient gemacht hat. <\/p><p>Als langj&auml;hriges Mitglied der IPPNW bin ich f&uuml;r die Herausgabe des von Kolleginnen, Kollegen und Wissenschaftlern erarbeiteten Reports &uuml;ber die gesundheitlichen Folgen der Uranmunition, aus dem ich in diesem Artikel ausf&uuml;hrlich zitiert habe, dankbar. Es handelt sich um eine beachtenswerte wissenschaftliche Leistung, die eine wichtige aufkl&auml;rende Funktion erf&uuml;llt und f&uuml;r die es derzeit wohl keinen Ersatz gibt. Prof. G&uuml;nther wird in diesem Report zwar mit einem Satz erw&auml;hnt. Ich w&uuml;rde mir jedoch w&uuml;nschen, dass die IPPNW nicht weiter &uuml;ber seine Verdienste schweigt und ihm posthum die Ehre erweist, die er verdient hat, damit er auch in Deutschland bei allen Menschen, die sich f&uuml;r die Bewahrung des Friedens einsetzen, in w&uuml;rdiger Erinnerung bleibt. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Zum Autor:<\/strong> <strong>Klaus-Dieter Kolenda<\/strong>, Jahrgang 1941, Prof. Dr. med., Facharzt f&uuml;r Innere Medizin und Facharzt f&uuml;r Physikalische und Rehabilitative Medizin, war von 1985 bis 2006 Chefarzt einer Rehabilitationsklinik und ist seit &uuml;ber 40 Jahren als medizinischer Gutachter bei den Sozialgerichten in Schleswig-Holstein t&auml;tig. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Artikel und eine Reihe von Fach- und Sachb&uuml;chern &uuml;ber die Pr&auml;vention chronischer Krankheiten verfasst. Zuletzt hat er auch sozialmedizinische und gesundheitspolitische Beitr&auml;ge im Blog &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.maskenfall.de\/\">Maskenfall<\/a>&ldquo; ver&ouml;ffentlicht. (Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Kolenda \/ <a href=\"mailto:klaus-dieter.kolenda@gmx.de\">E-Mail<\/a>)<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Body Count. Opferzahlen nach 10 Jahren. &ldquo;Krieg gegen den Terror&rdquo;- Irak-Afghanistan- Pakistan. Herausgeber: PSR- Physicians for Social<br>\nResponsibility, IPPNW Germany, Physicians for Global Survival. 1. Auflage,  deutsche Version, September 2015<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Claus Biegert: DU: Das t&ouml;dliche K&uuml;rzel. Wie das Thema Depleted Uranium aus den Medien verschwand. In: Ronald Thoden (Hg): ARD &amp; Co. Wie Medien manipulieren. Band 1. Selbrund Verlag 2015, S. 160- 171<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Frieder Wagner: Dokumentarfilm &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ERmabAyg4X0\">Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra<\/a>&ldquo;, Fernsehfassung, 44 min.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Frieder Wagner: Dokumentarfilm &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GTRaf23TCUI\">Deadly Dust- Todesstaub: Uranmunition und die Folgen<\/a>&ldquo;, Langfassung, 90 min.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Karin Leukefeld und Markus Matzel: Dokumentarfilm: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GWLwVGjS2Ng\">Irak: Leiser Tod im Garten Eden.<\/a> Fernsehfassung, 44 min<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] NachDenkSeiten: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36154\">Krieg ohne Ende<\/a> &ndash; Jens Wernicke im Gespr&auml;ch mit Peter Jaeggi<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] NachDenkSeiten: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3799\">Vertuschter Skandal: Die t&ouml;dlichen Wirkungen der Urangeschosse<\/a> &ndash; Wolfgang Lieb<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] NachDenkSeiten: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3769\">Eine Frage der &Auml;chtung<\/a> &ndash; Wolfgang Lieb<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Die gesundheitlichen Folgen von Uranmunition- die gesellschaftliche Debatte um den Einsatz einer umstrittenen Waffe. Ein Report der deutschen Sektionen von IPPNW und ICBUW. 1. Auflage, Dezember 2012<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.uranmunition.org\/\">uranmunition.org<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] uranmunition.org: <a href=\"http:\/\/www.uranmunition.org\/sechste-un-resolution-zu-abgereichertem-uran-du-ignoranz-und-desinteresse-seitens-der-bundesregierung\/\">Sechste UN-Resolution zu abgereichertem Uran (DU) &ndash; Ignoranz und Desinteresse seitens der Bundesregierung<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Busby C, et al. Cancer, <a href=\"http:\/\/www.mdpi.com\/1660-4601\/7\/7\/2828\">Infant Mortality and Birth Sex-Ratio in Fallujah, Iraq 2005-2008<\/a>. Int J Environ Res Public Health 2010, 7 [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>], 2828- 2837<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Siegwart-Horst G&uuml;nther: Zwischen den Grenzen. Mein Leben als Zeitzeuge. Verlag Park am See, Berlin 2006<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Siegwart-Horst G&uuml;nther: Urangeschosse: Schwerbehinderte Soldaten, missgebildete Neugeborene, sterbende Kinder. Mit einem Geleitwort von Tony Benn, Margarita Papandreou &amp;Freimut Seidel. Ahriman Verlag, Freiburg 1996<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Frieder Wagner: Eine Art Nachwort- und eine Hommage. In: Uranbomben. Die verheimlichte Massenvernichtungswaffe. Herausgeber: Frieder Wagner. Kai Homilius Verlag, Berlin 2010, S. 96-100<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jugoslawien-Krieg zum Beispiel. Auch im ersten Irakkrieg 1991 haben die USA und ihre Alliierten Massenvernichtungswaffen in Form von vielen Tonnen Bomben und Granaten aus abgereichertem Uran eingesetzt. 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