{"id":4110,"date":"2009-08-05T09:53:48","date_gmt":"2009-08-05T07:53:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4110"},"modified":"2014-01-23T16:16:04","modified_gmt":"2014-01-23T15:16:04","slug":"ein-paar-tipps","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4110","title":{"rendered":"Ein paar Tipps"},"content":{"rendered":"<p>Es folgen ein Filmtipp und zwei Buchtipps. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\n<strong>1. Filmtipp: &bdquo;1984&ldquo; <\/strong><br>\nARD, Do, 06.08.09 | 00:55 Uhr<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/programm.daserste.de\/pages\/programm\/detail.aspx?id=VK0Sa8CYgvaREr32khiK%2BQ%3D%3D\">ARD: Richard Burton &ndash; 25. Todestag (5.8.): &ldquo;1984&rdquo;<\/a><\/p><p><strong>2. Ein neues Buch von Sascha Adamek und Kim Otto: Sch&ouml;n Reich. Steuern zahlen die anderen. Wie eine ungerechte Politik den Verm&ouml;genden das Leben vers&uuml;&szlig;t. M&uuml;nchen 2009. Euro 17,95<\/strong><br>\nDas Buch hat eine direkte Aktualit&auml;t durch die Ausschaltung der Steuerfahnder in Frankfurt gewonnen. Seine Grundthese widerspricht diametral der herrschenden Meinungsmache, die Bundesrepublik sei ein &bdquo;Verteilungsstaat&ldquo;. Dieses Westerwellesche Glaubensbekenntnis ist einer jener m&ouml;glichen totalen Manipulationen, von denen ich u.a. in <a href=\"?page_id=4078\">&bdquo;Meinungsmache&ldquo;<\/a> berichte. Eine genauere Besprechung des Buches und ein Link auf einen Film dazu bei  Youtube folgt im Anhang.<\/p><p><strong>3. Wie gegenw&auml;rtig Meinungsbeeinflussung entgegen den Fakten in unserem Alltag &uuml;blich ist, belegt auch ein anderes Buch, das ich mir gerade angesehen habe: Hans Weiss: Kuba &ndash; Nachrichten von der Schurkeninsel. Episoden aus einem Feldzug f&uuml;r die Freiheit. Frankfurt 2009.<\/strong><br>\nDas Bild Kubas wird nicht vor allem von den Fakten sondern von Meinungsbildungskampagnen gemacht. Diese Erkenntnis ist nicht unbedingt f&uuml;r alle neu, f&uuml;r manche aber schon und von Hans Weiss gut dokumentiert und beschrieben.<\/p><p><strong>Anhang:<\/strong><\/p><p><strong>Besprechung von Adamek und Otto: Sch&ouml;n Reich<\/strong><\/p><p><strong>Abschied von einer gerechten Besteuerung der B&uuml;rger<\/strong><\/p><p>Ausgangspunkt des Buchs ist die gro&szlig;e Finanz- und Wirtschaftskrise, die die Autoren den Spekulationsgesch&auml;ften und der Renditegier von Wirtschaftsmanagern anlasten. Die Hunderte Milliarden schweren Rettungspakte, z.B. f&uuml;r das Bankensystem, werden derzeit und noch in den kommenden Jahrzehnten die Steuerzahler abstottern &ndash; zumindest diejenigen, die so ehrlich oder &bdquo;dumm&ldquo; sind, in Deutschland ihre Steuern zu zahlen. Die Krux sei nicht, dass nur Reformen alleine das Steuersystem gerechter gestalten k&ouml;nnen. Otto und Adamek rechnen auch vor, dass, w&uuml;rden die geltenden Steuergesetze nur konsequent angewendet, der Staat schon saniert w&auml;re: Auf 72 Milliarden Euro sch&auml;tzen sie die j&auml;hrlichen Steuerausf&auml;lle durch M&auml;ngel in der Finanzverwaltung.<\/p><p><strong>Die ungerechte Besteuerung von Verm&ouml;genden und normalen Arbeitnehmern<\/strong><\/p><p>Otto und Adamek begleiten einen Multimillion&auml;r aus dem feinen Taunus nach Cannes oder zur Bootsmesse nach D&uuml;sseldorf und beschreiben seine steuerlichen Abzugm&ouml;glichkeiten. Der Multimillion&auml;r  schafft es, lediglich ein Einkommen von 26.000 Euro zu versteuern, und am Ende gerade mal 2.300 Euro Steuern zu zahlen &ndash; im Jahr und v&ouml;llig legal. Wie macht er das?  Er kann vieles als Betriebsausgaben absetzen sogar einen Fitnesstrainer oder eine Jacht, weil das Finanzamt nur selten genau hinschaut. Das sind keine Ausnahmen: die Autoren beschreiben wie auch Brautkleider oder Thailandurlaube als Dienstausgaben deklariert werden.<\/p><p>Seine H&auml;user kauft der Million&auml;r billig. Nach zehn Jahren ist ihr Wert gestiegen und dann verkauft er diese steuerfrei. Da verdient er schon einmal 500.000 Euro, ohne einen Cent Steuer zu zahlen. Andererseits begleiten die Autoren eine Kinderkrankenschwester, die zusammen mit ihrem Mann veranlagt wird und von 2.800 Euro brutto nur 1.200 Euro mit nach Hause nehmen kann. Zusammen mit ihrem Mann zahlt sie sieben Mal so viel Steuern wie der Million&auml;r. Arbeitnehmer m&uuml;ssen, so die Autoren, hierzulande immer gr&ouml;&szlig;ere finanzielle Belastungen schultern; Einkommensmillion&auml;re, verm&ouml;gende Unternehmer und Selbstst&auml;ndige hingegen profitierten weiterhin von einem Steuersystem, das den Gedanken an eine gerechte Besteuerung l&auml;ngst aufgegeben habe. Die tolldreisten Steuertricks einiger besonders skrupelloser Unternehmer in dem Buch zeigen nicht nur die Ohnmacht oder auch die Tr&auml;gheit des deutschen Fiskus&rsquo; &ndash; sie dokumentieren auch, wie sich gerade so genannte Leistungstr&auml;ger von eben der Gesellschaft verabschieden, die die Grundlage ihres komfortablen Lebens bildet. <\/p><p><strong>Der desolate Zustand der Steuerverwaltung<\/strong><\/p><p>Finanzbeamte, Betriebspr&uuml;fer und Steuerfahnder k&ouml;nnen es schon lange nicht mehr aufnehmen mit &bdquo;gewitzten Unternehmern und Selbstst&auml;ndigen, mit cleveren Wirtschaftsanw&auml;lten und Steuerberatern&ldquo;. Wie auch &ndash; haben Finanzbeamte im Schnitt 210 Minuten Zeit f&uuml;r die Veranlagung eines Million&auml;rs (inklusive sechs Anlagen), beim normalen Steuerzahler verringere sich das Zeitbudget auf l&auml;cherliche 16 Minuten. Die Autoren haben mit Insidern auch aus der Finanzverwaltung gesprochen, die von grotesken Zust&auml;nden berichten. Vorgesetzte rufen so genannte &bdquo;Durchwinkwochen&ldquo; aus, f&uuml;r die die Dienstanweisung lautet, alle Angaben ohne Pr&uuml;fung zu &uuml;bernehmen, um die Zielvorgaben zu erf&uuml;llen. Das Chaos, das dar&uuml;ber hinaus die elektronische Finanzverwaltung regelm&auml;&szlig;ig anrichtet, steht noch auf einem anderen Blatt. Die Finanz&auml;mter sind untereinander nicht vernetzt, viele Computerprogramme vollkommen veraltet und viele Beamte haben nicht einmal einen Internetzugang. Da werden besonders f&auml;hige Beamte und hoch spezialisierte Steuerfahnder von Pr&uuml;fungen bestimmter Unternehmen pl&ouml;tzlich abgezogen oder gar in den Vorruhestand versetzt. Pr&uuml;fer, die j&auml;hrlich im Schnitt f&uuml;r Steuernachzahlungen von 1,5 Millionen Euro sorgen, werden nicht nur nicht zus&auml;tzlich eingestellt, sogar viele vorhandene Planstellen bleiben unbesetzt. In einer Steuerfahndungsstelle in M&uuml;nchen bleiben 90 Prozent der Anzeigen gegen Steuers&uuml;nder unbearbeitet. Diese Beh&ouml;rde ist auch f&uuml;r den Starnbergersee zust&auml;ndig, wo besonders viele Million&auml;re wohnen.<\/p><p>Offenbar ist eine zu genaue Pr&uuml;fung der verm&ouml;genden Bev&ouml;lkerungsschichten politisch gar nicht gewollt, vermuten die Autoren, etwa um einen Umzug in ein anderes Bundesland zu verhindern.<\/p><p>So berichten Otto und Adamek von einer internen Dienstanweisung aus Mecklenburg-Vorpommern. In dieser ist zu lesen, dass &bdquo;Steuerpflichtige (&hellip;) m&ouml;glichst wenig behelligt werden sollen (unb&uuml;rokratisches Verhalten, das hei&szlig;t weitgehender Verzicht auf Belege und unn&ouml;tige Kontrollen). Als Grund wird angegeben, den Unternehmen im Land gehe es nicht gut, die Konkurrenz sei gro&szlig;. Es ist mitunter brisantes Material, das den Autoren zugespielt wurde und hier meist anonymisiert ver&ouml;ffentlicht wird.<\/p><p><strong>Steuerflucht leicht gemacht <\/strong><\/p><p>Otto und Adamek beschreiben auch, wie die Verm&ouml;genden mit ganz einfachen Tricks ihr Geld ins Ausland transferieren und dabei von den deutschen Banken unterst&uuml;tzt werden. Dazu sprachen sie mit Bankangestellten in Frankfurt, Z&uuml;rich und Singapur. Diese erz&auml;hlen, wie die Banken &uuml;ber Nummerkonten das Geld ihrer Kunden ins Ausland schaffen und dort gewinnbringend und steuerfrei anlegen. Steuerfahndern berichten von einem Steuerfl&uuml;chtigen, der eine Stiftung in Luxemburg gr&uuml;ndete und gleichzeitig eine Briefkastenfirma auf den Kaimaninseln, der er sein Haus in Deutschland verkaufte. Die Mietzahlungen werden von Deutschland aus nun offiziell jeden Monat an die Briefkastenfirma &uuml;berwiesen und von dort aus an die Luxemburger Stiftung. Dort kann sich das Geld dann steuerfrei vermehren. Die Autoren haben auch die Z&ouml;llner an der Grenze zur Schweiz besucht. Diese berichten von Million&auml;ren, die ihr Geld in Windeln und Kosmetikkoffern &uuml;ber die Grenze bringen. Oft finden die Z&ouml;llner Hinweise auf Schwarzgeld auf Nummerkonten in der Schweiz in Millionenh&ouml;he &ndash; etwa Kontoausz&uuml;ge. Fr&uuml;her haben sie solche Funde dem zust&auml;ndigen Finanzamt gemeldet. Eine interne Anweisung des Finanzministeriums verbietet es jetzt den Z&ouml;llnern, diese Daten weiterzugeben. Die Begr&uuml;ndung: Datenschutz. Das ist wirklich absurd. Bei Hartz vier Empf&auml;ngern wird jedes Konto &uuml;berpr&uuml;ft. Hingegen d&uuml;rfen bei Million&auml;ren Kontoausz&uuml;ge von Nummernkonten mit Schwarzgeld in der Schweiz nicht gemeldet werden. <\/p><p>Das Autorenduo bel&auml;sst es aber nicht bei Dokumentation und Analyse der desolaten Situation. Mit dem Wirtschaftsprofessor Lorenz Jarass pr&auml;sentieren sie einen ausgewiesenen Finanzexperten, der ganz konkrete und schnell umsetzbare Vorschl&auml;ge unterbreitet. Er gibt z.B. an, wie das Stopfen von Steuerschlupfl&ouml;chern, die Besteuerung von Einnahmen aus ausl&auml;ndischen Beteiligungen, die Einf&uuml;hrung einer Verm&ouml;genssteuer und Mindestbesteuerungen aussehen k&ouml;nnten.<\/p><p>Und hier der Link zum Film:<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YJJOBpY8PyQ\">YouTube<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es folgen ein Filmtipp und zwei Buchtipps. 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