{"id":41139,"date":"2017-11-19T11:00:03","date_gmt":"2017-11-19T10:00:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41139"},"modified":"2018-12-30T16:12:03","modified_gmt":"2018-12-30T15:12:03","slug":"ecuador-die-ungeahnte-wende-des-neuen-leninismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41139","title":{"rendered":"Ecuador \u2013 Die ungeahnte Wende des neuen \u201cLeninismus\u201d"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171119_e1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Argentinien und Peru w&auml;hlten zwischen 2015 und 2016 konservative Pr&auml;sidenten, in Brasilien st&uuml;rzte eine korrupte Clique eine demokratisch gew&auml;hlte Staatschefin und riss die Macht an sich und sollten die Umfragezahlen stimmen, wird Chile ebenfalls am 19. November ein zweites Mal den neoliberalen und vielf&auml;ltiger Korruption verd&auml;chtigten Multimilliard&auml;r Sebastian Pi&ntilde;era zum Staatschef w&auml;hlen. In diesem Kontext f&auml;llt kleinen lateinamerikanischen L&auml;ndern wie Bolivien, Ecuador und Uruguay die Rolle der politischen Leuchtt&uuml;rme zur Erinnerung an jenes eineinhalb Jahrzehnt lateinamerikanischer Prosperit&auml;t und bescheidener Einkommensumverteilung zu, die immerhin im kontinentalen Ma&szlig;stab zig Millionen S&uuml;damerikanern den Ausstieg aus der Armut erm&ouml;glichte. Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nUnter massivem medialen Beschuss der konservativen Opposition, am Ende seiner zehnj&auml;hrigen Amtszeit, bangte allerdings Ecuadors Pr&auml;sident Rafael Correa, und mit ihm  seine Mitte-links-Partei <em>Alianza Pa&iacute;s<\/em> (&ldquo;B&uuml;ndnis f&uuml;r das Land&rdquo; &ndash; kurz AP genannt), um die Kontinuit&auml;t nicht nur der sozialen Integrationsprogramme (siehe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=37106\">Artikel vom 21. Februar 2017<\/a>), sondern auch der im B&uuml;ndnis mit den ehemaligen sozialdemokratischen Regierungen Brasiliens, Argentiniens und Venezuelas begonnenen lateinamerikanischen Integration unter dem Vorzeichen einer von den USA unabh&auml;ngigen Au&szlig;enpolitik.<\/p><p>Mit einem sehr knappen Vorsprung von weniger als 3 Prozent (51,16 Prozent zu 48,84 Prozent) gelang dem AP-Pr&auml;sidentschaftskandidaten Lenin Moreno schlie&szlig;lich in der Stichwahl vom 2. April 2017 der Sieg &uuml;ber seinen konservativen Herausforderer Guillermo Lasso. Als Moreno jedoch am darauffolgenden 24. Mai sein Mandat antrat, war der Hausfrieden mit seinem Vorg&auml;nger und Wahlhelfer Rafael Correa beendet.<\/p><p>In der Partei war es n&auml;mlich ein offenes Geheimnis, dass nicht Moreno &ndash; der von 2007 bis 2013 als Correas Vize amtierte &ndash; sondern sein Nachfolger Jorge Glas des Pr&auml;sidenten favorisierter Nachfolge-Kandidat war. Glas unterlag jedoch in parteiinterner Abstimmung gegen Moreno, musste allerdings weiterhin als dessen Vize akzeptiert werden, so der Kompromiss. Doch nur bis zum vergangenen 2. August. Da entlie&szlig; der frischgebackene Pr&auml;sident seinen Vize, der seit dem 3. Oktober 2017 wegen Korruptionsanklage in Untersuchungshaft sitzt.<\/p><p>War die Atmosph&auml;re zwischen Moreno und dem in Belgien weilenden Ex-Pr&auml;sidenten bereits deutlich aufgeheizt, so hauen sich seitdem beide eine kaum erbauliche Medienschlacht gegenseitig um die Ohren, die tiefe Risse in das einzige sozial orientierte politische B&uuml;ndnis Ecuadors zieht und eine Destabilisierung herbeif&uuml;hren kann, die der ultrakonservativen Opposition in die H&auml;nde spielt. Von Anbeginn war Morenos Bef&uuml;rchtung, Correa werde ihm &uuml;ber die Ma&szlig;e in die Regierungsgesch&auml;fte hineinreden, woraufhin der mit der belgischen P&auml;dagogin Anne Malherbe Gosseline verheiratete Ex-Pr&auml;sident sich in die Heimat der Ehefrau zur&uuml;ckzog und seit Jahresmitte in Europa als Vortragsredner und wissenschaftlicher Kursleiter auftritt.<\/p><p>Versch&auml;rfend kam Ende August der R&uuml;cktritt von Morenos wichtigstem politischen Berater, Correa-Verb&uuml;ndeten und ehemaligem Wirtschafts-, Au&szlig;en- und Verteidigungsminister, Ricardo Pati&ntilde;o, hinzu. Der R&uuml;cktritt war nicht diskret, sondern mit einer ger&auml;uschvollen Pressekonferenz angek&uuml;ndigt, auf der Pati&ntilde;o sich energisch dar&uuml;ber beschwerte, dass den von Correa initiierten Reformen &ndash; genannt <em>Revoluci&oacute;n Ciudadana<\/em> (B&uuml;rgerrevolution) &ndash; seit dem Amtsantritt Morenos nicht die &bdquo;geb&uuml;hrliche Anerkennung&rdquo; gezollt werde. Ferner protestierte der vielf&auml;ltige Ex-Minister gegen Morenos Kampagne gegen die Korruption, die zweifellos bek&auml;mpft werden m&uuml;sse, die man als Ph&auml;nomen jedoch nicht verallgemeinern solle.<\/p><p>&bdquo;Wir wollen uns frei f&uuml;hlen, die Errungenschaften zu verteidigen, deshalb m&uuml;ssen wir uns von dieser Regierung zur&uuml;ckziehen&rdquo;, erkl&auml;rte Pati&ntilde;o und signalisierte eine Offensive zum Schutz der Regierung Correa gegen einseitige Korruptionsvorw&uuml;rfe.<\/p><p><strong>Morenos &bdquo;Leninismus&ldquo; oder: die Gr&uuml;nde des Zerw&uuml;rfnisses<\/strong><\/p><p>Der seit einem halben Jahr amtierende Pr&auml;sident f&uuml;hrt verschiedene Gr&uuml;nde f&uuml;r seinen Bruch mit Urg&ouml;nner Correa an; Scheingr&uuml;nde, die seine Kritiker mit dem Verweis auf seinen Vornamen als den &ldquo;neuen leninistischen Kurs&rdquo; in Ecuador ironisieren.<\/p><p>Moreno beschuldigte Correa r&uuml;ckwirkend der Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftsindikatoren, insbesondere der zunehmenden Auslandsverschuldung, die j&uuml;ngst mit 40 Milliarden Euro in die H&ouml;he schoss, und r&uuml;gte seinen Vorg&auml;nger daf&uuml;r, trotz Einbruch des internationalen &Ouml;lpreises und des verheerenden Erdbebens in Manab&iacute;, 2016 &bdquo;zu viel Geld&ldquo; ausgegeben zu haben.<\/p><p>Moreno ergriff jedoch auch mutige Ma&szlig;nahmen. Er r&auml;umte zum Beispiel der gr&ouml;&szlig;ten indigenen Organisation des Landes ein Darlehen mit 100-j&auml;hriger Laufzeit zur Selbstverwaltung von L&auml;ndereien ein, die Correa w&auml;hrend seiner Amtszeit den Ureinwohnern verweigert hatte und damit eine politische Brunnenvergiftung riskiert hatte, auf deren H&ouml;hepunkt die Indigenen seinen R&uuml;cktritt verlangten.<\/p><p>Der hart austeilende Ex-Pr&auml;sident h&auml;lt vielmehr die R&uuml;gen und die Neuentscheidungen seines Nachfolgers f&uuml;r eine hinterlistige Attacke. &bdquo;Der jetzigen Regierung waren s&auml;mtliche Zahlen zu Verschuldung und Verbindlichkeiten bekannt, sie sind im &Uuml;brigen &ouml;ffentlich&ldquo;, donnerte der Ex-Pr&auml;sident auf Twitter zur&uuml;ck (Rafael Correa usa Twitter para responder a Lenin Moreno &ndash; Metro Ecuador, 01.08.2017).<\/p><p>Auch Kritiker verstehen nicht, wieso Moreno ob seiner Anschuldigungen das gleiche Wirtschaftsteam in seiner Regierung weiter unbeschadet wirken l&auml;sst. In den Augen Correas sind die Vorhaltungen seines Nachfolgers &bdquo;eine Show&ldquo;, ein Nebelschleier, der in Wahrheit von &bdquo;gef&auml;hrlichen Freundschaften&ldquo; mit Erzfeinden der AP &ndash; zum Beispiel mit dem in Panama im Exil lebenden Ex-Pr&auml;sidenten Abdal&aacute; Bucaram (1996-1997) &ndash; ablenken soll.<\/p><p>W&auml;hrend seiner Amtszeit hatte der Ex-Pr&auml;sident ausgerechnet wegen seiner In-Schutz-Nahme von Jorge Glas und Lenin Moreno gegen die Attacken von Bucar&aacute;ms Movimiento Fuerza Ecuador (Bewegung Kraft Ecuador &ndash; FE) eine langandauernde Fehde mit den Konservativen ausgetragen. Nun aber sollen nach Morenos Gespr&auml;chen mit den gleichen Kr&auml;ften FE-Funktion&auml;re hochrangige Posten in der staatlichen Elektrizit&auml;tsgesellschaft CNEL bekleiden. &bdquo;Wenn die <em>Alianza Pa&iacute;s<\/em> dazu schweigt, ist es wohl besser f&uuml;r diejenigen, die keinen Zynismus dulden, gleich einzupacken&rdquo;, machte sich Correa Luft und drohte, seine Partei zu verlassen (Rafael Correa habla de separaci&oacute;n de Alianza Pa&iacute;s &ndash; Metro Ecuador, 02.08.2017).<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171119_e2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p><strong>Der Machtkampf<\/strong><\/p><p>Correas Reaktion signalisiert die Bef&uuml;rchtung, seine Partei werde von Morenos neuem politischen Kurs aufgeweicht.<\/p><p>Drei Monate sp&auml;ter kam es zum Eklat: Am 31. Oktober setzte die linke AP-Fraktion Moreno als Parteivorsitzenden ab, auf dessen Platz Ricardo Pati&ntilde;o gew&auml;hlt wurde. Pati&ntilde;o begr&uuml;ndete die Ma&szlig;nahme mit der Beleidigung der Parteimitglieder, die von Moreno als treue &bdquo;Schafe&rdquo; Correas beschimpft worden seien. Doch schon am darauffolgenden Tag annullierte ein Gericht f&uuml;r Strafgarantien in Quito die Entscheidung und verordnete dem Nationalen Wahlrat (CNE), au&szlig;er Moreno keinen anderen Namen als Parteif&uuml;hrer von <em>Alianza Pa&iacute;s<\/em> zuzulassen.<\/p><p>Morenos neueste Wette in seinem Distanzierungsversuch von Correa soll den Ex-Pr&auml;sidenten mit einem harten Schlag treffen. Mit einer f&uuml;r die Jahreswende 2017\/2018 geplanten Volksbefragung &uuml;ber sieben strategische Punkte sollen die Ecuadorianer entscheiden, ob die von der Nationalversammlung im Dezember 2015 gebilligte Klausel zur Wiederwahl ehemaliger Pr&auml;sidenten per Verfassungs&auml;nderung auf unbestimmte Zeit annulliert werden soll. Die Initiative macht deutlich, dass Moreno damit Correas eventueller Wiederaufstellung als Pr&auml;sidentschaftskandidat f&uuml;r das Jahr 2021 einen Strich durch die Rechnung machen m&ouml;chte.<\/p><p>Gleichwohl ist der letzte Schlagabtausch im Machtkampf um die Partei und die politische Marschrichtung in Ecuador noch l&auml;ngst nicht ausgefochten. In einer w&auml;hrend Morenos Absetzung verabschiedeten AP-Resolution wurde Ex-Pr&auml;sident Rafael Correa &ndash; der die Partei-Ehrenpr&auml;sidentschaft auf Lebenszeit besitzt &ndash; zum &bdquo;Umstrukturierungsprozess&ldquo; der Organisation eingeladen.<\/p><p>Correa k&ouml;nnte bald nach Ecuador zur&uuml;ckkehren. Dann k&ouml;nnte es allerdings hei&szlig; zugehen.<\/p><p><strong>Das brasilianische Drehbuch: Der Schatten von Odebrecht und der USA<\/strong><\/p><p>Pr&auml;sident Lenin Morenos Verhalten deutet darauf hin, dass ihm ein Gespenst weiche Knie macht. Es ist der Schatten von Odebrecht, jenes von deutschen Ur-Einwanderern gegr&uuml;ndeten, brasilianischen Gro&szlig;bau-Konzerns, dessen l&auml;nder&uuml;bergreifende, systemische Korruption seit zwei Jahren von Staatsanw&auml;lten von S&uuml;d- bis Mittelamerika untersucht wird und dessen Vorstandsvorsitzender Marcelo Odebrecht zu 19 Jahren Haft verurteilt wurde und in Brasilien hinter Gittern sitzt.<\/p><p>Symptomatisch ist, kaum war Moreno gerade 12 Tage im Amt, als er am 5. Juni eine sogenannte &bdquo;Anti-Korruptionsfront&ldquo; ausrief. Als Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte er an, dem Staat &bdquo;mangelt es an Aufsicht&rdquo;. Im Handumdrehen verhaftete die ecuadorianische Polizei eine Personengruppe &ndash; darunter einen Verwandten von Vizepr&auml;sident Glas &ndash; die der Involvierung in die Odebrecht-Bestechungen hoher Regierungsbeamter beschuldigt wurde.<\/p><p>Symptomatisch ist ferner, dass die ersten Korruptions-Anschuldigungen gegen hohe ecuadorianische Beamte w&auml;hrend der Pr&auml;sidentschafts-Wahlkampagne Morenos von den konservativen Medien geschaltet wurden und erfahrene Beobachter sofort an die Medienkampagne gegen die Wiederwahl von Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff mit dem gleichzeitigen Auftakt des sogenannten &bdquo;Unternehmens Waschanlage&ldquo; der brasilianischen Justiz im angeblichen Kampf gegen die Korruption im &Ouml;lkonzern Petrobras erinnerten.<\/p><p>Die Anklagen von Ecuadors Staatsanw&auml;lten und Richtern stammen n&auml;mlich, wie zuvor in Brasilien, gr&ouml;&szlig;tenteils von den Justizbeh&ouml;rden der USA. Der Odebrecht-Konzern &ndash; der Autobahnen, Wasserkraftwerke und H&auml;fen baute, jedoch auch in der Atom-, ferner in der chemischen, petrochemischen und in der Waffenindustrie t&auml;tig ist und bis 2016 weltweit mehr als 120.000 Mitarbeiter besch&auml;ftigte &ndash; hat 2016 den Einsatz von mehr als einer Dreiviertelmilliarde Euro Bestechungsgelder zugegeben.<\/p><p>Mehr als ein Jahrzehnt lang, so das U.S. Departement of Justice (DOJ), h&auml;tten Odebrecht und das Tochterunternehmen Braskem eine Gesch&auml;ftseinheit mit dem Namen &bdquo;Structured Operations&rdquo; betrieben, die f&uuml;r die Schmierung von Regierungsbeamten auf drei Kontinenten &ndash; darunter Ecuador, Argentinien, Mexiko, Kolumbien, Angola, Dominikanische Republik, Peru, Panama, Venezuela, Mosambik und Guatemala &ndash; geschaffen war und nach Angaben des DOJ ein Bestechungsvolumen von 788 Millionen Dollar erreicht haben soll.<\/p><p>Folgerichtig verklagte das DOJ an einem Bundesgericht im New Yorker Brooklyn den Odebrecht-Konzern wegen schweren Versto&szlig;es gegen die US-Gesetze zur Bestechungs-Bek&auml;mpfung. Die Angeklagten bekannten sich daf&uuml;r schuldig, von 2003 bis 2016 Bestechungsgelder in H&ouml;he von mehreren hundert Millionen Dollar an Regierungsbeamte und Funktion&auml;re staatlicher Unternehmen gezahlt zu haben, womit der Konzern mit Aufpreisen zum Schaden von Regierungen und staatlichen Konzernen Gewinne in H&ouml;he von 1,9 Milliarden Dollar erzielte.<\/p><p>Der Trick: Die Gest&auml;ndnisse wurden vom DOJ mit <em>plea bargaining<\/em>, n&auml;mlich einem Prozessabkommen zur Denunziation Dritter gegen Straferm&auml;&szlig;igung ausgehandelt, das seit 2014 systematisch in Brasilien angewendet wird und nach Untersuchungen von kritischen Juristen und Medien mittlerweile skandal&ouml;se Ausma&szlig;e erreicht und als &bdquo;Industrie der Denunziation&ldquo; (<a href=\"https:\/\/jornalggn.com.br\/tag\/blogs\/industria-da-delacao\">ind&uacute;stria da dela&ccedil;&atilde;o<\/a>) bezeichnet werden muss. Mit diesen Kronzeugen-Regelungen erwirkte das DOJ die Verurteilung von Odebrecht zur Zahlung einer Strafe von 3,5 Milliarden Dollar; ein kaum vergleichbarer, drakonischer Wert im Weltma&szlig;stab, womit der Konzern sich angeblich von Anklagen in den USA, der Schweiz und Brasilien befreien sollte.<\/p><p>Ecuador war ein altbew&auml;hrter Kunde des Konzerns, der von Leon Febres-Cordero, Sixto und Duran-Ballen, &uuml;ber Fabi&aacute;n Alarc&oacute;n, Jamil Mahuad und Gustavo Noboa, bis hin zu Alfredo Palacio und Rafael Correa von 8 aufeinanderfolgenden Regierungen Auftr&auml;ge im Wert von 5 Milliarden Dollar erhielt. Correa hatte das brasilianische Unternehmen 2008 w&auml;hrend des Baus des Wasserkraftwerks San Francisco wegen technischen M&auml;ngeln und damit wegen Vertragsbruchs zun&auml;chst des Landes verwiesen, jedoch sp&auml;ter wieder zugelassen.<\/p><p>Nach Angaben des DOJ soll Odebrecht zwischen 2007 und 2016, also w&auml;hrend der Amtsperiode Correas, eine Schmiergeldzahlung in H&ouml;he von 33,5 Millionen Dollar an Regierungsbeamte und Funktion&auml;re des &Ouml;lkonzerns Petroecuador zugegeben haben. Als Folge schaltete sich Generalstaatsanwalt Galo Chiriboga mit dem ecuadorianischen Botschafter in Washington kurz, w&auml;hrend Pr&auml;sidialamts-Sekret&auml;r Alexis Mera erkl&auml;rte, es sei &bdquo;nicht auszuschlie&szlig;en [&hellip;], dass es Zahlungen oder Korruption gegeben habe, wor&uuml;ber die Staatsanwaltschaft mit der Untersuchung beauftragt worden sei&ldquo;.<\/p><p>Ferner ermittelten Ecuadors Staatsanw&auml;lte, dass die Gemeinde Quito w&auml;hrend der Amtsperiode von B&uuml;rgermeister Augusto Barrera das Acciona-Odebrecht-Konsortium mit dem Bau der Schnellstra&szlig;e Ruta Live (Abschnitte 1 und 2) und der Erweiterung der U-Bahn Quitos beauftragt hatte. Dazu kamen weitere 6 Projekte mit einem Auftragswert mehrerer hundert Millionen Dollar.<\/p><p>Das war der Anlass f&uuml;r den konservativen Abgeordneten Diego Salgado, im Dezember 2016 eine Unterschriften-Kampagne zur Amtsenthebung von Vizepr&auml;sident Jorge Glas zu starten, dem er als amtierendem Minister f&uuml;r Strategische Sektoren zur Zeit der Odebrecht-Auftr&auml;ge unterstellte, f&uuml;r die Schmiergeldzahlungen verantwortlich gewesen zu sein. Sch&uuml;tzenhilfe erhielt Salgado von Correas Ex-Minister f&uuml;r Erd&ouml;lf&ouml;rderung, Carlos Pareja Yannuzzelli, alias &ldquo;Capaya&rdquo;.<\/p><p>Angesichts drohender Gerichtsverfahren wegen politischer Einflussnahme, illegaler Vertragsverhandlungen, betr&uuml;gerischer Bereicherung und Veruntreuung hatte sich &ldquo;Capaya&rdquo; im September 2016 nach Miami in die USA abgesetzt, doch schon im Oktober 2016 per E-Mail ein Gnadengesuch an Correa verfasst, der darauf nicht einging, sondern stur auf der Antwort bestand, ob die Vorw&uuml;rfe stimmten.<\/p><p>Daraufhin begann &ldquo;Capaya&rdquo; mit der Denunziation weiterer ecuadorianischer Beamter mit Video-Postings, allen voran Jorge Glas, dem er unterstellte, bei Petroecuador habe sich nichts ohne seine Zustimmung als Vizepr&auml;sident Correas bewegt. Die &ldquo;Capaya&rdquo;-Videos sind zweifellos eine Kampagne, wie in Brasilien eine konzertierte Medienschau konzipiert wird: mit Mutma&szlig;ungen in H&uuml;lle und F&uuml;lle, doch kaum harten Beweisen.<\/p><p>Auff&auml;llig ist dabei das Zusammenspiel von Staatsanw&auml;lten und Medien, vom Atlantik bis zum Pazifik. Als den ecuadorianischen Medien und der Justiz die Beweise und Argumente gegen Glas ausgingen, schaltete sich von Rio de Janeiro aus die Tageszeitung <em>O Globo<\/em> ein, die bekanntlich mitverantwortlich ist f&uuml;r den parlamentarischen Putsch gegen Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff und in Brasilien als Sprachrohr rechtsextremer Staatsanw&auml;lte um Richter Sergio Moro im &bdquo;Unternehmen Waschanlage&ldquo; bekannt ist.<\/p><p>Der Transkription eines angeblichen Gespr&auml;chs zwischen dem ehemaligen Generalinspektor Carlos P&oacute;lit und Jos&eacute; Concei&ccedil;&atilde;o dos Santos &ndash; einem ehemaligen Odebrecht-Manager und jetzigem Kronzeugen &ndash; ist zu entnehmen, der Ecuadorianer Jorge Glas habe &bdquo;viel Geld&rdquo; von der brasilianischen Baufirma verlangt. Im Juni 2017 stimmte <em>Alianza Pa&iacute;s<\/em> zum zweiten Mal f&uuml;r die Ausweisung des Odebrecht-Konzerns aus Ecuador.<\/p><p>Der abgesetzte und inhaftierte Vizepr&auml;sident bestreitet jeden Vorwurf, doch bis die Wahrheit ermittelt ist, ist seine Reputation dahin &ndash; siehe Luiz In&aacute;cio Lula da Silva.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171119_e1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Argentinien und Peru w&auml;hlten zwischen 2015 und 2016 konservative Pr&auml;sidenten, in Brasilien st&uuml;rzte eine korrupte Clique eine demokratisch gew&auml;hlte Staatschefin und riss die Macht an sich und sollten die Umfragezahlen stimmen, wird Chile ebenfalls am 19. November ein zweites Mal den neoliberalen und vielf&auml;ltiger<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41139\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,20,127,190],"tags":[1613,2057,2196,930,2145,2209,1943,801,325],"class_list":["post-41139","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-landerberichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-wahlen","tag-brasilien","tag-ecuador","tag-indigene-voelker","tag-justiz","tag-lateinamerika","tag-moreno-lenin","tag-rousseff-dilma","tag-schmiergeld","tag-staatsschulden"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41139","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41139"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41139\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48112,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41139\/revisions\/48112"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41139"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41139"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41139"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}