{"id":4114,"date":"2009-08-06T09:24:41","date_gmt":"2009-08-06T07:24:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4114"},"modified":"2014-01-23T16:13:40","modified_gmt":"2014-01-23T15:13:40","slug":"makrooekonomie-kommt-bei-der-spd-nicht-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4114","title":{"rendered":"Makro\u00f6konomie kommt bei der SPD nicht vor"},"content":{"rendered":"<p>Die klammheimliche Hoffnung hatte ich noch, die SPD k&ouml;nnte sich ihrer guten Tage umfassender wirtschaftspolitischer Kompetenz entsinnen und damit auch zum politischen Anker von Arbeitnehmern und jenen Unternehmen werden, die auf eine gute Konjunktur und Besch&auml;ftigungspolitik angewiesen sind. Ich habe den <a href=\"upload\/pdf\/090803_Deutschlandplan.pdf\">Deutschlandplan &bdquo;Die Arbeit von morgen&ldquo; &ndash; Politik f&uuml;r das n&auml;chste Jahrzehnt [PDF &ndash; 231 KB]<\/a> durchsucht. Weder da noch in den <a href=\"upload\/pdf\/090803_Kernbotschaften_Deutschlandplan.pdf\">Kernbotschaften [PDF &ndash; 64 KB]<\/a> noch in der <a href=\"http:\/\/www.frankwaltersteinmeier.de\/aktuelles\/reden\/detail\/090803_dplan_rede.html\">Rede Steinmeiers<\/a> fand ich einen ausreichenden Hinweis auf dieses wichtige Thema. Deshalb erg&auml;nze ich die <a href=\"?p=4108\">Analyse von Wolfgang Lieb<\/a> um einige Anmerkungen. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nDie SPD hat 1969 die Kanzlerschaft mit Willy Brandt auch deshalb errungen, weil sie im Vorfeld zwischen Dezember 1966 und September 1969 bewiesen hat, dass sie etwas von Konjunkturpolitik versteht. Schiller und die Sozialdemokraten nannten das damals Globalsteuerung. Sie haben die Union bei der Regierungsbildung der gro&szlig;en Koalition im Dezember 1966 daf&uuml;r gewonnen, beim Versuch mitzumachen, eine Rezession durch aktive Besch&auml;ftigungspolitik zu &uuml;berwinden. Sie haben es damals innerhalb von zwei Jahren geschafft. Es gibt keinen Grund, die bew&auml;hrten Instrumente nicht wieder anzuwenden. Aber in Steinmeiers Reden und Papieren wird sichtbar, dass die SPD sich nicht einmal ihrer Erfolge erinnert:<\/p><p>Ich habe mithilfe der Suchfunktion das 52-Seiten-Papier &bdquo;Die Arbeit von morgen&ldquo; durchsucht: <\/p><ul>\n<li>Beim Wort Makro: Fehlanzeige. <\/li>\n<li>Beim Wort Globalsteuerung: Fehlanzeige. <\/li>\n<li>Beim Wort Konjunkturpolitik: Fehlanzeige. <\/li>\n<li>Beim Wort Geldpolitik: Fehlanzeige.<\/li>\n<li>Beim Wort Zins, also auch alle Kombinationen mit Zins: Fehlanzeige.<\/li>\n<li>Beim Wort Investitionsprogramm: einmal erw&auml;hnt mit R&uuml;ckblick auf die vergangenen Programme.<\/li>\n<li>Beim Wort Konjunktur &hellip;, also in Kombination als Konjunkturprogramm und Konjunkturpaket: siebenmal erw&auml;hnt. Davon einmal mit der Behauptung, die Investitionen in Bildung w&uuml;rden zum wichtigsten Konjunkturprogramm. Genau das zeigt, dass die Autoren den Charakter von Makropolitik nicht wirklioch verstanden haben und die Besch&auml;ftigung damit abwehren. Das Wort Konjunkturprogramm\/-Paket wird denn noch f&uuml;nfmal im R&uuml;ckblick auf die vergangenen Programme erw&auml;hnt. Nichts nach vorn. Vielleicht abgesehen von der einzigen Bemerkung, dass Weiterbildung in allen Konjunkturphasen n&ouml;tig sei. Das hat aber auch nichts mit Konjunkturpolitik zu tun.<\/li>\n<li>Beim Wort Binnennachfrage: sechsmal erw&auml;hnt. Immerhin. Hier unterscheidet sich der Text positiv von Merkels Verkl&auml;rungen der Exportweltmeisterschaft.<\/li>\n<\/ul><p>Aber auch diese Textteile lassen nicht erkennen, dass Steinmeier und die SPD wirklich begriffen haben, wie wichtig die Wiederentdeckung der makro&ouml;konomischen Steuerung w&auml;re.<\/p><p>Das ist wirklich schrecklich. Denn die Wiederentdeckung w&auml;re sachlich richtig gewesen. Wie will man denn sonst mit den Einbr&uuml;chen bei den Auftragseing&auml;ngen der Unternehmen fertig werden. Um mit Karl Schiller, dem ehemaligen Bundeswirtschaftsminister,  zu fragen: wie anders will man denn die Talsohle mit Bravour durchschreiten. Steinmeier hat sein Programm bei einer Einrichtung vorgestellt, die mit dem Namen Schiller verbunden ist. Aber von dessen &ouml;konomischen Vorstellungen hat weder er noch sein designierter Finanz- und Wirtschaftsminister Steinbr&uuml;ck etwas gelernt.<\/p><p>Steinmeier selbst hat offenbar wenig Ahnung von Wirtschaftspolitik. Er war fr&uuml;her ein gro&szlig;er Anh&auml;nger der verwegenen Vorstellung, wenn man die Lohnnebenkosten senken w&uuml;rde, dann ginge es aufw&auml;rts mit der Wirtschaft. Und er glaubte, mit Hartz IV und der Agenda 2010 die Wirtschaft beleben zu k&ouml;nnen. Ich hatte ehrlich gehofft, dass er und die SPD-F&uuml;hrung unter dem Eindruck der Erfahrung mit einer massiv einbrechenden Konjunktur in den Jahren 2007-2009 endlich eingesehen h&auml;tten, dass sie sich der fr&uuml;heren sozialdemokratischen Meinungsf&uuml;hrerschaft und Kompetenz erinnern m&uuml;ssten. Nichts davon. Konjunkturpolitik als Aufgabe kommt in diesem langen Papier nicht vor. Es wird auch nicht wirklich gesagt, mit welchen Instrumenten die 4 Millionen Arbeitspl&auml;tze geschaffen werden sollen. Es wird nicht wahrgenommen, dass daf&uuml;r angesichts der desolaten Auftragslage und des schwindenden Konsums weitere konjunkturelle Anst&ouml;&szlig;e n&ouml;tig sind. Die SPD &uuml;berl&auml;sst dieses wichtige Politikfeld der Linkspartei. Diese erscheint heute in Deutschland dank Lafontaines Einfluss als einzige Partei mit makro&ouml;konomischer Kompetenz.<\/p><p>Das Defizit Steinmeiers ist in der &ouml;ffentlichen Diskussion auch angesprochen worden. Im Heute Journal Interview vom 3. August zum Beispiel hat Frau Slonka zurecht nach den Instrumenten gefragt, mit denen die 4 Millionen Arbeitspl&auml;tze geschaffen werden sollen.<\/p><p>Wenn Steinmeier und die SPD-F&uuml;hrung die sozialdemokratische gute Tradition der Entdeckung der Globalsteuerung aufgenommen h&auml;tten, dann k&ouml;nnten sie auch offensiv mit den kritisierenden Behauptungen umgehen, bis zum Jahre 2020 sei der Zuwachs von 4 Millionen Arbeitspl&auml;tze nicht zu schaffen. Dann w&uuml;ssten sie, dass man mit einer expansiven Konjunktur- und Geldpolitik in viel k&uuml;rzeren Zeitr&auml;umen viele Arbeitspl&auml;tze neu schaffen kann. Das ist nicht nur zwischen 1966 und 1968 bewiesen worden. Das haben die Verantwortlichen in anderen vergleichbaren L&auml;ndern auch in den neunziger Jahren bewiesen: in Schweden, in Gro&szlig;britannien, in &Ouml;sterreich, in den USA.<\/p><p>In der Kurzfassung, in den &bdquo;Kernbotschaften&ldquo; &bdquo;Die Arbeit von morgen&ldquo; gibt es einen Schl&uuml;ssel zur Erkl&auml;rung des Unverm&ouml;gens, auf gute Erfahrungen zur&uuml;ckzugreifen. Da hei&szlig;t es, &bdquo;nur mit neuen Ideen&ldquo; k&ouml;nne man es schaffen, dass die Krise nicht in eine lang anhaltende Schw&auml;chephase mit vielen 100-Tausenden zus&auml;tzlichen Arbeitslosen einm&uuml;ndet. Steinmeier selbst beruft sich auffallend auch in diesem Zusammenhang auf Willy Brandts Wort, jede neue Zeit br&auml;uchte ihre eigenen neuen Antworten. Der arme Willy Brandt wird hier zur Festigung einer grandiosen Fehleinsch&auml;tzung missbraucht. Denn die Beobachtungen der Konjunkturforschung &uuml;ber Multiplikatoreffekt und Acceleratoreffekt beispielsweise sind zeitlos. Was soll da der Hinweis auf neue Zeiten und neue Antworten?<\/p><p>Man merkt bei Steinmeier, dass er Jurist ist und das juristische Denken verinnerlicht hat und deshalb nicht begreift, dass Wirtschaftspolitik ihre eigenen Instrumente braucht und dass es h&ouml;chste Zeit ist, alle m&ouml;glichen Instrumente zu nutzen: die St&auml;rkung der Wettbewerbsf&auml;higkeit, eine moderne Industrie- und Forschungspolitik und die Globalsteuerung beziehungsweise Makropolitik. Wie kann man ein so langes Papier schreiben und diese wichtige Seite einer guten Wirtschaftspolitik schlicht vergessen.<\/p><p>Des R&auml;tsels L&ouml;sung ist vermutlich der Einfluss von Peer Steinbr&uuml;ck. Dieser grandiose Darsteller zum eigenen Wohl, <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:Mangelnde-Weitsicht-Steinbr%FCck-der-Bundespatzmeister\/548795.html\">Steinbr&uuml;ck, der &ldquo;Bundespatzmeister&rdquo; wie ihn Financial Times Deutschland nennt<\/a>, dieser verdienstvolle Diener der Finanzwirtschaft und teuerste Finanzminister aller Zeiten soll ja zus&auml;tzlich zum Finanzministerium auch das Wirtschaftsministerium &uuml;bernehmen, so jedenfalls die Konstellation in Steinmeiers Kompetenzteam. Steinbr&uuml;ck hat schon als Ministerpr&auml;sident von Nordrhein-Westfalen zu erkennen gegeben, dass er konjunkturelle Bewegungen nicht sieht und von Konjunkturpolitik nichts h&auml;lt. Er hat diese Haltung, die ich &ndash; mit Verlaub &ndash; ignorant nenne, im Sp&auml;twinter 2008, also immerhin ein dreiviertel Jahr nach dem Zusammenbruch der Industriekreditbank IKB und mit deutlichen Zeichen eines konjunkturellen Einbruchs, mit markigen Steinbr&uuml;ck-Worten bekr&auml;ftigt. Ich zitiere zum Beleg aus einer Rede in Frankfurt, die im Kapitel 12 von <a href=\"?page_id=4080\">&bdquo;Meinungsmache&ldquo;<\/a> zum Beleg der &bdquo;Inkompetenz in der Wirtschaftspolitik&ldquo; auch zitiert und kommentiert ist.<br>\nIn dieser Rede (siehe unten Anhang) polemisiert Steinbr&uuml;ck gegen Konjunkturprogramme. Ein gutes halbes Jahr sp&auml;ter, im November 2008, hat er dann das erste Konjunkturpaket und im Januar 2009 das zweite Konjunkturpaket mitbeschlossen. Er hat dies offensichtlich halbherzig getan. Und er hat vermutlich seine Position in das Papier &bdquo;Arbeit von morgen&ldquo; eingebracht.<\/p><p><strong>Missachtung der Makro&ouml;konomie &ndash; Desaster f&uuml;r die SPD und Steilvorlage f&uuml;r die Union<\/strong><\/p><p>Das ist ein Desaster f&uuml;r die SPD. Es ist ein Desaster f&uuml;r jenen Teil der deutschen Wirtschaft, der jetzt dringend weitere konjunkturbelebende Ma&szlig;nahmen statt Bankenrettungsschirme br&auml;uchte. Es ist ein Desaster f&uuml;r die Arbeitnehmer und die Gewerkschaften, die so auf absehbare Zeit nicht aus der Position der Schw&auml;che auf dem Arbeitsmarkt herauskommen. Weil es immer mehr gibt, die Arbeit anbieten, als solche, die Arbeit nachfragen. Mit Steinbr&uuml;cks Ignoranz f&uuml;r Makro&ouml;konomie bleiben sie am k&uuml;rzeren Hebel. Dass Gewerkschaften nicht zur Wahl der SPD aufrufen, ist so gut zu verstehen.<\/p><p>Auf die SPD h&auml;tte man die Hoffnung setzen m&uuml;ssen, die Nutzung aller wirtschaftspolitischen Instrumente einschlie&szlig;lich der makro&ouml;konomischen Instrumente wieder zu entdecken. Von der Union oder der FDP kann man dies nicht erwarten. Aber: Bei der Bundestagswahl k&ouml;nnte es f&uuml;r die SPD noch desolater werden, wenn eine dieser Parteien, wenn vor allem die Union in der Person des Bundeswirtschaftsministers oder der Bundeskanzlerin entdecken w&uuml;rden, welches Potenzial f&uuml;r Kompetenzzuwachs in der Wiederentdeckung der Makro&ouml;konomie liegt. Wenn ich Stratege der Union w&auml;re, w&uuml;rde ich genau dies empfehlen und damit die SPD unter die 20% dr&uuml;cken.<\/p><p><strong>P.S.: Noch drei Bemerkungen zu anderen Elementen des Steinmeierprogramms:<\/strong><\/p><ol>\n<li><strong>Neue Arbeitspl&auml;tze in der Logistik &ndash; Ist das sinnvoll?<\/strong><br>\nIch war einmal Vorsitzender einer Arbeitsgruppe Verkehrsvermeidung der SPD-Bundestagsfraktion. Bis heute halte ich es mit vielen umweltbewussten Menschen f&uuml;r sinnvoll und notwendig, nicht mehr Verkehr sondern weniger Verkehr zu erzeugen. Deshalb ist es geradezu seltsam, wenn genau in diesem Sektor nun zus&auml;tzliche Arbeitspl&auml;tze geschaffen werden sollen. Eher haben wir es auch hier mit einem Konversionsproblem zu tun, wenn wir zum Beispiel regionale Wirtschaftsr&auml;ume weiter entwickeln wollen statt &uuml;ber immer weitere Entfernungen Waren hin und her zu transportieren.<\/li>\n<li><strong>Gibt es wirklich einen so massiven Mangel an Breitbandnetzen?<\/strong><br>\nEs ist richtig, dass es immer noch Bereiche in Deutschland gibt, die nicht ausreichend mit Breitbandnetzen versorgt sind. Aber ob die Unterversorgung reicht, um daraus einen der gro&szlig;en Punkte eines Programms f&uuml;r das n&auml;chste Jahrzehnt zu machen, halte ich f&uuml;r zweifelhaft.<\/li>\n<li><strong>Warum so wenig Mut bei den Vorschl&auml;gen zur Finanzierung der k&uuml;nftigen Lasten?<\/strong><br>\nBei meiner Recherche im Papier von Steinmeier habe ich eingegeben: Verm&ouml;gensteuer &ndash; Fehlanzeige. Ich habe eingegeben: Spitzensteuersatz. Er soll wieder auf 47 % angehoben werden. Das ist wenig angesichts der Tatsache, dass meines Wissens der Einkommensteuersatz noch bei Kohl bei 53 % lag. Wo will man denn die Mittel herholen, wenn es darum geht, die von Merkel und Steinbr&uuml;ck &uuml;bernommenen Lasten, genauer gesagt: uns aufgeb&uuml;rdeten Lasten, zur Rettung der mit ihnen befreundeten Banker und Versicherungskonzerne abzuzahlen?<\/li>\n<li><strong>Die Zuordnung von Einnahmequellen an bestimmte Ausgaben sollte man tunlichst sein lassen<\/strong><br>\nIn der Finanzwissenschaft gibt es ein vern&uuml;nftiges Prinzip: das Non-Affektationsprinzip. Das klingt kompliziert, ist aber ganz einfach. Es besagt, dass man als Steuergesetzgeber und Fiskus einzelne Steuern bitte nicht einzelnen Ausgaben zuordnen sollte. Das ist vern&uuml;nftig wegen der Schwankungen der Steuereinnahmen. Das ist vern&uuml;nftig, weil das Parlament &uuml;ber einen Gesamtetat entscheiden sollte ohne vorherige Festlegungen. Dass die SPD jetzt die Ausgaben f&uuml;r Bildung an den so genanntes Solidarbeitrag der Spitzenverdiener (Erh&ouml;hung des Spitzensteuersatzes) binden will, beweist nur populistisches Gesp&uuml;r und nicht finanzwissenschaftlichen &Uuml;berblick.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Anhang:<\/strong><\/p><p><strong>Auszug aus der Rede des Bundesministers der Finanzen, Peer Steinbr&uuml;ck <a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/nn_54322\/DE\/Presse\/Reden_20und_20Interviews\/081__finanzplatz__deutschland.html\">&bdquo;Finanzplatz Deutschland: Wachstum oder Krise?&rdquo;<\/a> im Rahmen des Colloqiums des Centers for Financial Studies am 28. Februar 2008 in Frankfurt (Main)<\/strong>:<\/p><blockquote><p><strong>Konjunkturprogramm nicht notwendig<\/strong><\/p>\n<p>Meine Damen und Herren,<\/p>\n<p>Bei der Diskussion &uuml;ber die realwirtschaftlichen Auswirkungen der Finanzmarktkrise wird gelegentlich &ndash; unter Verweis auf die Situation in den USA &ndash; &nbsp;lautstark ein Konjunkturprogramm auch f&uuml;r Europa und Deutschland gefordert.<\/p>\n<p>Wie ich bereits vor zwei Wochen im Rahmen einer Regierungskl&auml;rung zu den Finanzm&auml;rkten deutlich gemacht habe, erteile ich dieser Forderung eine klare Absage. Das gilt gleicherma&szlig;en f&uuml;r etwaige zus&auml;tzliche kreditfinanzierte &ouml;ffentliche Ausgabenprogramme als auch f&uuml;r Steuersenkungen auf Pump.<\/p>\n<p>Denn f&uuml;r mich sprechen eine Reihe guter Gr&uuml;nde dagegen:<\/p>\n<p><strong>Erstens<\/strong> haben wir es &ndash; im Unterschied zu den USA &ndash; in Europa und speziell in Deutschland immer noch mit einer starken konjunkturellen Grunddynamik zu tun. Die zudem &ndash; auch das gilt es zu ber&uuml;cksichtigen &ndash; weniger stark als in der Vergangenheit von der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA abh&auml;ngig ist. Dazu tragen insbesondere die&nbsp; dynamisch wachsenden Schwellenl&auml;nder wie China aber auch die Golfregion bei, die die globalen Gewichte zunehmend verschieben. Auch spielen gerade f&uuml;r Deutschland die Absatzm&auml;rkte in Osteuropa eine zunehmend wichtigere Rolle.&nbsp;<br>\nInsgesamt treffen die Finanzmarktturbulenzen auf eine wesentlich robustere deutsche Volkswirtschaft als noch vor einigen Jahren. Auch die stabilen Fundamentaldaten deuten nicht auf eine st&auml;rkere konjunkturelle Abk&uuml;hlung und schon gar nicht auf eine rezessive Entwicklung hin.<br>\nAuf der Basis der jetzt vorliegenden Erkenntnisse rechnet die Bundesregierung f&uuml;r 2008 mit einem gesamtwirtschaftlichen Wachstum von 1,7 Prozent. Auch angesichts der unbestreitbaren Risiken k&ouml;nnten wir damit zufrieden sein. Schlie&szlig;lich l&auml;gen wir damit ziemlich genau beim derzeit gesch&auml;tzten Potenzialwachstum in Deutschland!<\/p>\n<p><strong>Zweitens<\/strong> haben wir keinerlei Veranlassung, unseren bislang so erfolgreichen wirtschafts- und finanzpolitischen Kurs &ndash; die Kombination von dauerhaft wachstumsf&ouml;rderndern Strukturreformen mit einer soliden Haushaltspolitik&nbsp; &ndash; zu verlassen.<br>\nDie gegenw&auml;rtig wirksamen Strukturreformen helfen uns auch im aktuell schwieriger werdenden konjunkturellen Fahrwasser, denn sie wirken konjunkturst&uuml;tzend!<br>\nSo wird sich im laufenden Jahr allein der wachstumsf&ouml;rdernde Gesamteffekt aus der Initiative &bdquo;Wachstum, Besch&auml;ftigung und Familienf&ouml;rderung&ldquo;, aus der Absenkung des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung von 4,2 % auf 3,3&nbsp;% sowie aus der Entlastung der Wirtschaft durch die Unternehmensteuerreform auf gut 18 Mrd. &euro; belaufen!<br>\nDas entspricht fast einem Prozent [spitz: 0,75%] unseres Bruttoinlandsproduktes, hat damit also eine vergleichbare Gr&ouml;&szlig;enordnung mit dem in den USA geplanten Konjunkturpaket von 150 Mrd. $ bzw. 1 % des US-BIP&nbsp; &ndash; mit dem wichtigen Unterschied, dass in den USA Rezessionsgefahren bestehen und nicht bei uns!<\/p>\n<p><strong>Drittens<\/strong> w&uuml;rde eine Abkehr vom notwendigen Konsolidierungskurs, nicht nur unserem Ziel der Generationengerechtigkeit zu wider laufen, sondern k&ouml;nnte auch zu &ouml;konomisch gegenl&auml;ufigen Entwicklungen f&uuml;hren.<br>\nDenn eine Lockerung des Konsolidierungskurses k&ouml;nnte auch die europ&auml;ische Geldpolitik &ndash; gerade angesichts des derzeitigen Inflationsdrucks &ndash; zu einer restriktiveren Geldpolitik &ndash; sprich: zu Zinserh&ouml;hungen &ndash; veranlassen. Je nach Ausma&szlig; w&uuml;rden diese die Konjunktur st&auml;rker belasten als ein Konjunkturprogramm beschleunigend wirken k&ouml;nnte!<\/p><\/blockquote><p><strong>Kommentar AM: Ein geballtes B&uuml;ndel von Fehleinsch&auml;tzungen und Vorurteilen.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die klammheimliche Hoffnung hatte ich noch, die SPD k&ouml;nnte sich ihrer guten Tage umfassender wirtschaftspolitischer Kompetenz entsinnen und damit auch zum politischen Anker von Arbeitnehmern und jenen Unternehmen werden, die auf eine gute Konjunktur und Besch&auml;ftigungspolitik angewiesen sind. Ich habe den <a href=\"upload\/pdf\/090803_Deutschlandplan.pdf\">Deutschlandplan &bdquo;Die Arbeit von morgen&ldquo; &ndash; Politik f&uuml;r das n&auml;chste Jahrzehnt [PDF &ndash;<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4114\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[25,191,30],"tags":[1550,299,279,253,252],"class_list":["post-4114","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lohnnebenkosten","category-spd","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-agenda-2010","tag-konjunkturprogramme","tag-spitzensteuersatz","tag-steinbrueck-peer","tag-steinmeier-frank-walter"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4114","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4114"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4114\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20238,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4114\/revisions\/20238"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4114"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4114"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4114"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}