{"id":4116,"date":"2009-08-07T13:55:10","date_gmt":"2009-08-07T11:55:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4116"},"modified":"2014-01-23T16:12:55","modified_gmt":"2014-01-23T15:12:55","slug":"der-alt-neoliberale-alexander-ruestow-waere-heute-wohl-in-der-einschaetzung-steinbruecks-ein-linksradikaler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4116","title":{"rendered":"Der Alt-Neoliberale (!) Alexander R\u00fcstow w\u00e4re heute wohl in der Einsch\u00e4tzung Steinbr\u00fccks ein Linksradikaler &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&hellip; schreibt der NDS-Freund und Fach- und Studienkollege Gerhard Kilper nach Lekt&uuml;re meines Beitrags <a href=\"?p=4114\">&bdquo;Makro&ouml;konomie kommt bei der SPD nicht vor&ldquo;<\/a> eine Mail mit anh&auml;ngendem Zitat von R&uuml;stow. Der Text von R&uuml;stow ist f&uuml;r viele unserer Leser direkt brauchbar &ndash; f&uuml;r Diskussionen mit anderen, f&uuml;r eigene Reden, etc. Deshalb die Weidergabe von Mail und Anhang. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p>Lieber Herr M&uuml;ller, vielen Dank f&uuml;r Ihre &hellip; aufschlussreiche Kommentierung von Steinmeiers\/Steinbr&uuml;cks Wahlprogramm.<br>\nWie sehr speziell Steinbr&uuml;ck&nbsp; in Sachen Makro&ouml;konomie intellektuell &bdquo;unterbelichtet&ldquo; ist, sieht man an seiner neoliberalen Sicht der Lohnnebenkosten als Teil einer Art betriebswirtschaftlichen &bdquo;Zuschlagskalkulation&ldquo; (was Sie dankenswerterweise im letzten Teil Ihres Aufsatzes belegen).<br>\nDie fast unbegreifliche Verschiebung der politischen Koordinaten &ndash; die Mutierung der SPD zur Arbeitgeber-Klassenkampfpartei in Sachen Wirtschafts- und Finanzpolitik &ndash; zeigt sich auch sehr anschaulich am im Januar 1959 in Bad Godesberg gehaltenen Referat des Alt-Neoliberalen (!) Alexander R&uuml;stow (ver&ouml;ffentlicht in Hrsg. K&uuml;lp\/Schreiber, &bdquo;Soziale Sicherheit&ldquo;, Neue Wissenschaftliche Bibliothek Wirtschaftswissenschaften, Kiepenheuer&amp;Witsch, K&ouml;ln 1971, S. 23 ff). R&uuml;stow w&auml;re heute wohl in der Einsch&auml;tzung Steinbr&uuml;cks ein Linksradikaler&hellip; Ich f&uuml;ge Ihnen relevante Redeteile in w&ouml;rtlicher Zitierung unten an, Ihr GK.<\/p><\/blockquote><p>Vorweg noch eine Bitte an die marxistisch Geschulten unter unseren Lesern: nicht gleich beim ersten Satz von R&uuml;stow die Borsten ausfahren. Die darauf folgenden Aussagen werden auch Ihre Zustimmung finden.<\/p><p><strong>W&ouml;rtliche Zitierung von Ausz&uuml;gen aus R&uuml;stows Godesberger Referat vom Januar 1959:<\/strong><br>\n<strong>Punkt 1, R&uuml;stow zur Lohnpolitik, S. 23 f.<\/strong><\/p><blockquote><p>An die Stelle der marxistischen Irrlehre von der Ausbeutung und dem Mehrwert ist nun neue national&ouml;konomische Einsicht getreten, die von der allergr&ouml;&szlig;ten Wichtigkeit ist, n&auml;mlich die Einsicht, dass der Lohn f&uuml;r den Unternehmer nicht nur ein Kostenbestandteil ist, sondern zugleich die Kaufkraft darstellt, mit der seine eigenen Produkte gekauft werden. Wenn man das wei&szlig;, ergibt sich eine vollkommen andere Perspektive f&uuml;r die Lohnpolitik. Unter dem alten Klassenkampfgesichtspunkt war es so, dass f&uuml;r die Unternehmer der Lohn nicht niedrig genug und f&uuml;r die Arbeiter nicht hoch genug sein k&ouml;nnte: zwei diametral entgegen gesetzte, unvers&ouml;hnliche Standpunkte, eine ausgesprochene Klassenkampfsituation! Wenn man aber den anderen Gesichtspunkt zugrunde legt, so steht es ganz anders; dann gibt es ein Lohnoptimum, das sowohl f&uuml;r den Arbeiter wie f&uuml;r den Unternehmer das Erstrebenswerte darstellt.<br>\nDass die moderne Wissenschaft diese grunds&auml;tzliche Einsicht erarbeitet hat, ist ein gro&szlig;es und weittragendes Verdienst. Leider ist sie noch nicht so weit, dass sie zahlenm&auml;&szlig;ig angeben k&ouml;nnte, wo unter den verschiedenen Verh&auml;ltnissen dieses Optimum der Lohnh&ouml;he liegt. Aber allein schon das Bewusstsein, dass es ein solches Optimum gibt und dass dieses Optimum f&uuml;r Arbeitgeber und Arbeitnehmer das gleich ist, dass es also die Aufgabe der Lohnpolitik ist, gemeinsam diesen f&uuml;r alle richtigen Punkt zu finden, &auml;ndert in dem Ma&szlig;e wie es sich durchsetzt&hellip; das ganze Klima der Lohnverhandlungen &hellip;<\/p><\/blockquote><p><strong>Punkt 2, R&uuml;stow zur Sozialpolitik<\/strong><\/p><blockquote><p>&hellip; Auch die Sozialquote kann f&uuml;r den Klassenk&auml;mpfer nicht hoch genug sein, und die Gegenseite hat dann nat&uuml;rlich umgekehrt ein Interesse daran, sie m&ouml;glichst niedrig zu halten. In Wirklichkeit steht es aber so, dass es auch in der Sozialpolitik ein Optimum gibt, an dem alle Beteiligten interessiert sind. Denn w&auml;hrend man fr&uuml;her glauben konnte und es zum Teil auch so war, dass die Kosten der Sozialpolitik von den Unternehmern getragen wurden, sind ja heute die Summen, um die es sich handelt, viel zu hoch, um das zu erm&ouml;glichen, vielmehr wird der weitaus gr&ouml;&szlig;te Teil des Sozialaufwandes direkt und indirekt von den Arbeitern selbst getragen. Denn auch der Teil, der formell als Unternehmerbeitrag gezahlt wird, geht ja in Wirklichkeit vom Lohn ab; um so viel, wie der Unternehmer an Sozialbeitragen zahlen muss, kann er an Lohn weniger zahlen. Auch das geht also auf Kosten der Arbeiter &hellip;<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip; schreibt der NDS-Freund und Fach- und Studienkollege Gerhard Kilper nach Lekt&uuml;re meines Beitrags <a href=\"?p=4114\">&bdquo;Makro&ouml;konomie kommt bei der SPD nicht vor&ldquo;<\/a> eine Mail mit anh&auml;ngendem Zitat von R&uuml;stow. 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