{"id":41163,"date":"2017-11-20T10:47:58","date_gmt":"2017-11-20T09:47:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41163"},"modified":"2017-11-21T07:46:57","modified_gmt":"2017-11-21T06:46:57","slug":"gedanken-zum-scheitern-der-jamaica-gespraechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41163","title":{"rendered":"Gedanken zum Scheitern der Jamaika-Gespr\u00e4che"},"content":{"rendered":"<p>NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser werden Erkl&auml;rungen und Nachrichten zum Thema verfolgt haben. Im Anhang 2 sind die Erkl&auml;rungen von Merkel und Seehofer und Lindner aufgelistet. Siehe auch <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41155#h01\">Hinweis Nummer 1 von heute<\/a>. Hier nun ein paar Bemerkungen zu Auff&auml;lligkeiten und Chancen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4023\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-41163-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171120_Gedanken_zum_Scheitern_der_Jamaika_Gespraeche_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171120_Gedanken_zum_Scheitern_der_Jamaika_Gespraeche_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171120_Gedanken_zum_Scheitern_der_Jamaika_Gespraeche_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171120_Gedanken_zum_Scheitern_der_Jamaika_Gespraeche_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=41163-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171120_Gedanken_zum_Scheitern_der_Jamaika_Gespraeche_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"171120_Gedanken_zum_Scheitern_der_Jamaika_Gespraeche_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><ol type=\"a\">\n<li>Insbesondere die Gr&uuml;nen stellen fest, dass die FDP-F&uuml;hrung von Anfang an das Scheitern der Gespr&auml;che einkalkuliert hat, zugespitzt: geplant hat. Das ist wohl richtig. Aber dem w&auml;re hinzuzuf&uuml;gen:<\/li>\n<li>Die Gr&uuml;nen haben das von Anfang an gewusst und haben ihre Strategie auf diesen Fall eingestellt: Sie haben sehr fr&uuml;h Zugest&auml;ndnisse gemacht bzw. haben immer wieder laut betont, sie seien in Vorleistung gegangen. Das konnte man harmlos verstehen als einen Appell an die anderen, sich auch zu bewegen. Aber so harmlos ist Politik nicht. Die Gr&uuml;nen haben mit ihren angeblichen Zugest&auml;ndnissen und den Erkl&auml;rungen dazu die Basis f&uuml;r ihre aktuelle Argumentation nach der Aufk&uuml;ndigung der Gespr&auml;che durch die FDP geschaffen. Clever gedacht. Vorausgesetzt, Sie durchschauen das Spiel nicht.<\/li>\n<li>Wer etwas von Vernunft und Verantwortung h&auml;lt, kann die FDP f&uuml;r ihr Verhalten nicht belohnen. Immerhin sind jetzt schon acht Wochen seit der Wahl vergangen und es ist mindestens vier Wochen sondiert worden. Vier Wochen sondieren, ohne ernsthaft zu einem Ergebnis kommen zu wollen &ndash; das vertr&auml;gt ein Land nicht gut. Deshalb w&auml;re es angebracht, die Sympathie f&uuml;r die FDP auf null fallen zu lassen und diese Einsch&auml;tzung auch bis zur n&auml;chsten Wahl durchzuhalten.<\/li>\n<li>Auch auf null fallen lassen k&ouml;nnte man die Sympathie f&uuml;r unsere Hauptmedien. Sie haben n&auml;mlich die Jamaika-Verhandlungen mit Engelsgeduld und Leisetreterei begleitet. Das war typisch. Denn die am Jamaika-Tisch sitzenden b&uuml;rgerlichen Interessen entsprachen ungef&auml;hr auch dem, was Journalistinnen und Journalisten und die Medieneigent&uuml;mer sowieso gerne h&auml;tten.<\/li>\n<li>Das Scheitern der Verhandlungen signalisiert auch ein Scheitern von Angela Merkel. Das betonte Dankesch&ouml;n des CSU-Vorsitzenden Seehofer bei den Erkl&auml;rungen der beiden Parteivorsitzenden ist wie das Pfeifen im Walde. Er dankt und lobt Angela Merkel f&uuml;r ihre Verhandlungsf&uuml;hrung, weil er sie in die n&auml;chste Runde, entweder zu Neuwahlen oder zu einer Minderheitsregierung, retten will. In beiden F&auml;llen w&auml;re ein Verzicht auf Angela Merkel als Spitzenkandidatin sehr riskant. Das w&uuml;rde auch der CSU bei den im n&auml;chsten Jahr anstehenden Landtagswahlen schaden.<\/li>\n<li>Insgesamt kann man froh sein, dass eine Versammlung von b&uuml;rgerlich gepr&auml;gten Politikerinnen und Politikern, wie das die Jamaika-Koalition ins Haus gebracht h&auml;tte, gescheitert ist. Das w&auml;re mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Regierung geworden, die die ohnehin schon vernachl&auml;ssigten lohnabh&auml;ngig arbeitenden Menschen und vor allem jene, die in prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen oder gar in Arbeit auf Abruf arbeiten m&uuml;ssen, noch mehr vernachl&auml;ssigt h&auml;tte.<\/li>\n<li>Die SPD hat sich der gro&szlig;en Koalition schon am Wahlabend verweigert und sie setzt diese Strategie fort und hofft darauf, dass sich das bei potentiellen Neuwahlen auszahlt. Auch bei vielen Leserinnen und Lesern der NachDenkSeiten wird diese Strategie vermutlich f&uuml;r richtig gehalten. Ich habe schon direkt nach der Wahl in einem Beitrag f&uuml;r die NachDenkSeiten begr&uuml;ndet, warum ich es f&uuml;r strategisch falsch halte, nicht einmal zu Gespr&auml;chen bereit zu sein. (Siehe hier: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40369\">Vom kollektiven Wahn der &bdquo;Die-Groko-ist-schuld-an-der-Niederlage&ldquo;-Erz&auml;hler und den Folgen f&uuml;r unser Land: Eine schlimme Koalition steht ins Haus.<\/a>)  Damals war schon klar, dass die SPD-F&uuml;hrung mit Schulz an der Spitze die Tatsache, eine gro&szlig;e Koalition eingegangen zu sein, f&uuml;r das schlechte Wahlergebnis von 20,5 % verantwortlich macht. Das war eine fantastisch gelungene Ausrede. Die meisten Zeitgenossen sind darauf wohl auch hereingefallen. Dass die SPD-F&uuml;hrung jetzt bei diesem Alibi bleibt, ist verst&auml;ndlich, denn nur so kann sie sich in die n&auml;chste Runde retten. Verantwortungsvoll ist das nicht und es wird sich auch nicht f&uuml;r die SPD auszahlen. Denn genau an diesem Mangel an Verantwortungsbereitschaft wird die Wahlstrategie der Gegner, von FDP &uuml;ber CDU\/CSU bis zu den Gr&uuml;nen, ansetzen.<\/li>\n<li>Mit der Absage an jedes Gespr&auml;ch &uuml;ber eine Regierungsbeteiligung hat die SPD vermutlich schon ihr vom Wahltag bis heute unver&auml;ndertes Schweigen zu den Koalitionsverhandlungen von Jamaika eingeleitet. Sie wird auch jetzt nicht viel dazu zu sagen haben.<\/li>\n<li>Auch programmatisch hat sie sich nicht auf diesen Fall vorbereitet. Die einschl&auml;gigen Papiere von Schulz und auch von Scholz sind j&auml;mmerlich d&uuml;rftig.<\/li>\n<li>Wenn die SPD sich die T&uuml;r zur Mitsprache offengehalten h&auml;tte, dann h&auml;tte sie jetzt der CDU\/CSU oder auch der CDU\/CSU ein inhaltliches politisches Angebot machen k&ouml;nnen, das genau darauf zielt, die b&uuml;rgerlich konservative Konstellation der Jamaika-Verhandler zu korrigieren. Ein Vorschlag f&uuml;r die Elemente eines solchen Angebots zur politischen Zusammenarbeit in einer neuen Koalition und zugleich die Basis des Programms f&uuml;r eine m&ouml;glicherweise anstehende neue Bundestagswahl findet sich in Anlage 1. Vermutlich wieder mal Perlen vor die S&auml;ue.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Anlage 1:<\/strong><br>\n<strong>9-Punkte-Papier<\/strong><br>\n<strong>Programmatischer Vorschlag der SPD f&uuml;r eine m&ouml;gliche Zusammenarbeit:<\/strong><\/p><ol>\n<li>Auf allen relevanten politischen Feldern &ndash; Arbeitsmarktpolitik, Besch&auml;ftigungspolitik, Steuerpolitik &ndash; muss die Lage der Lohnabh&auml;ngigen und insbesondere der prek&auml;r Besch&auml;ftigten deutlich verbessert werden. Arbeit auf Abruf, Leiharbeit, und sonstige Formen der &uuml;blich gewordenen G&auml;ngelung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern muss bek&auml;mpft werden und vor allem muss durch eine aktive Besch&auml;ftigungspolitik das Angebot an Arbeitspl&auml;tzen erh&ouml;ht werden. Die Hintergrund&uuml;berlegung: Es stimmt nicht, dass es allen Menschen in Deutschland gut geht. Einem gro&szlig;en Teil geht es nicht gut. Die L&ouml;hne m&uuml;ssen steigen.<\/li>\n<li>Dazu passt ein umfassendes Programm zur Erneuerung der Infrastruktur.<\/li>\n<li>Die Privatisierung &ouml;ffentlicher Leistungen und &ouml;ffentlicher Unternehmen war in vielen Bereichen der falsche Weg. Deshalb keine weiteren Privatisierungen und R&uuml;ckf&uuml;hrung wichtiger Bereiche in &ouml;ffentliche Verantwortung. Das gilt f&uuml;r Wasser, Post, Energie, auch f&uuml;r Telekommunikation und vor allem auch f&uuml;r soziale Dienstleistungen und die Wohnungswirtschaft. St&auml;rkung des sozialen Wohnungsbaus.<\/li>\n<li>R&uuml;ckbesinnung auf die Sozialstaatlichkeit der Bundesrepublik Deutschland. Das hat Konsequenzen zum Beispiel f&uuml;r die Regelung der Altersvorsorge. Wir konzentrieren alle Mittel auf die St&auml;rkung der Gesetzlichen Rente zum Beispiel.<\/li>\n<li>Starke Akzente bei Umwelt- und Naturschutz und gegen Klimawandel. Soweit die bisher im Kontext von Jamaika verhandelten Ver&auml;nderungen in der Agrarpolitik vern&uuml;nftig und &ouml;kologisch fortschrittlich sind, sollten sie aufgegriffen werden.<\/li>\n<li>Keine Erh&ouml;hung der R&uuml;stungsausgaben, stattdessen Abr&uuml;sten und R&uuml;ckzug der Bundeswehr aus milit&auml;rischen Interventionen.<\/li>\n<li>Verst&auml;ndigung mit Russland unter Einbeziehung der osteurop&auml;ischen und s&uuml;dosteurop&auml;ischen Partner. Schluss mit den Sanktionen.<\/li>\n<li>Bei aller Freundschaft mit den USA: wir sind nicht weiter bereit, die Milit&auml;rbasis f&uuml;r ihre Milit&auml;rpolitik und ihre Politik der Regime Changes zu sein. Deshalb m&uuml;ssen wir in Verhandlungen dar&uuml;ber eintreten, die vertraglichen Bindungen f&uuml;r diese Politik zu l&ouml;sen. Dabei k&ouml;nnte sich herausstellen, dass wir diese Freiheit gar nicht haben. Dann w&auml;re die mangelnde Souver&auml;nit&auml;t allerdings ein wichtiges Thema f&uuml;r den n&auml;chsten Bundestagswahlkampf.<\/li>\n<li>Die Kriege der USA und des Westens sind eine der Hauptgr&uuml;nde daf&uuml;r, dass Millionen Menschen ihre Heimat verlassen und fliehen m&uuml;ssen. Auch deshalb sind wir gegen diese Kriege. Wir werden fliehenden Menschen weiterhin helfen, im Rahmen dessen, was wir leisten k&ouml;nnen, und im Rahmen unserer Rechtsordnung.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Anlage 2:<\/strong><\/p><ul>\n<li><strong>Erkl&auml;rungen von Merkel, Seehofer und Lindner<\/strong><br>\n<strong><a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/politik\/berlin-direkt\/merkel-zu-jamaika-100.html\">Merkel bedauert Scheitern von Jamaika<\/a><\/strong><br>\n<strong><a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/politik\/berlin-direkt\/merkel-zu-jamaika-100.html\">Erkl&auml;rungen von Merkel und Seehofer<\/a><\/strong><\/li>\n<li><strong>Erkl&auml;rung von Lindner FDP<\/strong><br>\n<a href=\"https:\/\/www.fdp.de\/bildung_besser-nicht-regieren-als-falsch\">Besser nicht regieren, als falsch<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser werden Erkl&auml;rungen und Nachrichten zum Thema verfolgt haben. Im Anhang 2 sind die Erkl&auml;rungen von Merkel und Seehofer und Lindner aufgelistet. 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