{"id":41242,"date":"2017-11-25T11:25:01","date_gmt":"2017-11-25T10:25:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41242"},"modified":"2017-12-01T10:56:38","modified_gmt":"2017-12-01T09:56:38","slug":"nachtrag-lesermail-zum-artikel-bomben-und-granaten-aus-abgereichertem-uran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41242","title":{"rendered":"Nachtrag: Lesermail zum Artikel \u201eBomben und Granaten aus abgereichertem Uran\u201c."},"content":{"rendered":"<p>Am 16. November ver&ouml;ffentlichten wir einen Artikel zum genannten Thema von Klaus-Dieter Kolenda: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41095\">Was die &bdquo;Guten&ldquo; bis heute verheimlichen: Sie haben Bomben und Granaten aus abgereichertem Uran eingesetzt<\/a>. Dazu erreichten den Autor und die NachDenkSeiten-Redaktion eine E-Mail mit direktem Bezug zum in dieser Sache besonders engagierten Professor G&uuml;nther. Da das Thema von den etablierten Medien unter der Decke gehalten wird und die Politik selbstverst&auml;ndlich davon nichts wissen will, ver&ouml;ffentlichen wir einen ersten Nachtrag von Klaus-Dieter Kolenda. Ein zweiter wird folgen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Nachtrag: Lesermail zu meinem am 16. 11. 2017 erschienenen Artikel &bdquo;Bomben und Granaten aus abgereichertem Uran&ldquo;.<\/strong><br>\nVon <em>Klaus-Dieter Kolenda<\/em><\/p><p>In diesem Artikel berichte ich &uuml;ber den verbrecherischen Einsatz dieser verheimlichten Massenvernichtungswaffen in den Kriegen des Westens 1991 und 2003 im Irak, aber auch 1995 in Bosnien und 1999 in Serbien und im Kosovo. <\/p><p>Ein wesentlicher Teil des Artikels ist eine posthume W&uuml;rdigung von Prof. Siegwart-Horst G&uuml;nther, einem deutschen Arzt, der schon 1991 Zusammenh&auml;nge zwischen der im Irakkrieg verwendeten Uranmunition von Seiten der USA und ihrer Alliierten und dem geh&auml;uften Auftreten von Leuk&auml;mien, Krebserkrankungen und Missbildungen bei Kindern vermutete und dann als Erster bewiesen hat, dass die zur&uuml;ckgebliebenen Geschossh&uuml;lsen auf den Schlachtfeldern, mit denen die Kinder dort spielten, aus abgereichertem Uran bestanden und radioaktiv strahlten. Damit hatte er den Beweis erbracht, dass es sich bei den von ihm beobachteten geh&auml;uften schweren Erkrankungen und Missbildungen bei den Kindern im Irak um strahlungsbedingte Sch&auml;den handeln k&ouml;nnte. <\/p><p>Dar&uuml;ber hat er anschlie&szlig;end die &Ouml;ffentlichkeit in vielen L&auml;ndern in Vortr&auml;gen, Zeitungsartikeln, Rundfunk- und Fernsehinterviews unterrichtet. Er erhielt weltweite Anerkennung f&uuml;r dieses Engagement und wurde mit vielen Preisen und Ehrentiteln ausgezeichnet. So erhielt er 2007 in Salzburg den bedeutenden &bdquo;Nuclear Free Future Award&ldquo; in der Kategorie &bdquo;Aufkl&auml;rung&ldquo;. In Deutschland wird sein mutiges humanistisches Wirken aber bis heute von den Mainstream-Medien weitgehend  totgeschwiegen.                                                                                                        <\/p><p>Auf meinen Artikel erhielt ich eine Reihe Zuschriften, &uuml;ber die ich mich gefreut habe. Eine erscheint mir besonders interessant, weil sie ein authentisches Bild von Siegwart-Horst G&uuml;nther aus der Sicht eines ehemaligen Nachbarn vermittelt, sodass ich sie in leicht gek&uuml;rzter Form den Nachdenkseiten-Lesern bekannt machen m&ouml;chte.<\/p><blockquote><p>\nHallo Herr Kolenda!<\/p>\n<p>Ich las gestern Ihren Artikel in den Nachdenkseiten bez&uuml;glich der DU-Munition.<\/p>\n<p>Sie schrieben sehr richtig: &ldquo;Aus den mir zur Verf&uuml;gung stehenden Informationen habe ich den Schluss gezogen, dass Prof. G&uuml;nther ein selbstloser, mitf&uuml;hlender und mutiger Mensch und ein vorbildlicher Arzt und Wissenschaftler gewesen ist, der sich um die Gesundheit der Menschen verdient gemacht hat.&rdquo;<\/p>\n<p>Wieso kann ich das best&auml;tigen? Hierzu eine kleine ungew&ouml;hnliche Geschichte, die wir als Familie pers&ouml;nlich erlebt haben.<\/p>\n<p>Im Jahr 1990 sind wir (meine Frau, meine beiden Kinder und ich) nach Hellersdorf gezogen. Wir haben dort eine 4-Zimmer-Wohnung bekommen. Bei der Abholung der Schl&uuml;ssel stand ein alter Mann vor mir, bei dem ich dachte, dass er wohl eher dem armen Teil der Bev&ouml;lkerung angeh&ouml;rt. Leise, unauff&auml;llig und sehr bescheiden gekleidet.<\/p>\n<p>Wir haben dann mitbekommen, dass er die Wohnung &uuml;ber uns hatte. Mit der Zeit merkten wir, dass er praktisch nie zu Hause und auch allein stehend war. Ab und zu stand sein alter beigefarbener Mercedes vor der T&uuml;r. Dass er alleine in einer 4-Zimmer-Wohnung wohnte, hat uns damals schon sehr gewundert!<\/p>\n<p>Diese Zeit war in der DDR die Zeit des Erneuerns und Renovierens und das blieb auch f&uuml;r Hellersdorf nicht aus. Eines Tages hat der &auml;ltere Herr bei uns geklingelt, sich als Siegwart G&uuml;nther vorgestellt und gefragt, ob wir die Betreuung seiner Wohnung &uuml;bernehmen k&ouml;nnten, da er sehr viel unterwegs sei. Wir haben das nat&uuml;rlich gerne &uuml;bernommen.<\/p>\n<p>Wir lernten also zun&auml;chst einmal mehr die Wohnung als den Wohnungsinhaber kennen, in der wir w&auml;hrend der Rekontruktionsma&szlig;nahmen anwesend waren. Die Einrichtung der Wohnung passte zu unserem Eindruck, den wir von Herrn G&uuml;nther hatten. Sehr, sehr spartanisch und bescheiden. Was uns allerdings auffiel, war, dass sehr viele kleinere orientalische Gegenst&auml;nde, zum Beispiel viele Vasen, herumstanden. Wir vermuteten dann, dass er wohl viel in diesem Erdteil unterwegs gewesen ist, konnten aber mit seinem Namen nichts anfangen.<\/p>\n<p>Mit der Zeit lernten wir Herrn G&uuml;nther aber dann n&auml;her kennen und er erz&auml;hlte unter anderem von seiner T&auml;tigkeit als Arzt im Irak. Wir halfen ihm zum Beispiel anfangs beim Sammeln von Stofftieren f&uuml;r die Kinder im Krankenhaus in Bagdad und gelegentlich brachte ich ihn dann zum Bahnhof Zoo und half beim Tragen.<\/p>\n<p>Er f&uuml;hrte uns dann langsam an das Thema DU-Munition heran, indem er uns seine ersten Fotos aus dem Irak zeigte. So viel Elend haben wir bis dahin nicht gesehen. Bis heute bekomme ich das Bild nicht aus dem Kopf von einer Frau mit Kind auf dem Arm, welches sich in einem mehrere Etagen tiefen Bunker in die Wand gebrannt hatte. Da war nichts mehr als diese &ldquo;Kohlezeichnung&rdquo;! Er erz&auml;hlte, wenn er im Krankenhaus Visite machte und einmal die Runde rum war, war wieder ein Kind gestorben! F&uuml;r uns als DDR-B&uuml;rger tat sich hier eine unfassbare Welt auf!<\/p>\n<p>Jedenfalls lernten wir ihn besser kennen, ohne jedoch wirklich zu erfahren, wer da vor uns sa&szlig;. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen und unsere Infos blieben nur die aus seinen Erz&auml;hlungen. Die allerdings haben uns m&auml;chtig zum Staunen gebracht. Da war das Schmuggeln der Munition im Diplomatengep&auml;ck, seine Verhaftung in der Uni, als er die Munition untersuchen lassen wollte, der Staufenberg-Fall, der Anschlag auf ihn selbst mit einem Auto in St. Peter-Ording und vieles Weitere.<\/p>\n<p>Wir wurden von ihm auch mit Scripten seiner Schriften versorgt. Leider muss ich heute mit starkem Bedauern sagen, dass wir davon nichts mehr erhalten haben.<br>\nWir haben ganz einfach nicht seine Bedeutung erkannt und alle Unterlagen von ihm nicht mit der n&ouml;tigen Gewissenhaftigkeit behandelt. Damals erz&auml;hlte er uns auch vom &ldquo;Gelben Kreuz&rdquo;, dessen Gr&uuml;nder er war und seiner Funktion. Das kannten wir bis dahin auch nicht.<\/p>\n<p>F&uuml;r uns, als nicht gerade reiseerfahrene DDR-B&uuml;rger, hinterlie&szlig;en seine Erz&auml;hlungen nat&uuml;rlich einen bleibenden Eindruck. Auch die Stationen aus seinem Leben, die er uns ganz langsam unterbreitete, haben uns schwer beeindruckt.<\/p>\n<p>Was f&uuml;r uns sehr auff&auml;llig bei ihm war, war seine Menschlichkeit und Kinderliebe. Wenn er bei uns klingelte, hat er sich als erstes nach dem Befinden unserer Kinder erkundigt. Mitunter hat er ihnen kleine Mitbringsel von seinen Reisen mitgebracht.<\/p>\n<p>Besonders bei mir blieben seine Berichte in Erinnerung, wie er in den Irak kam, da es damals keine direkten M&ouml;glichkeiten f&uuml;r Zivilisten (zum Beispiel Fl&uuml;ge) gab. Er fuhr dann teilweise 24 Stunden mit dem Taxi  bis zum Flughafen im Nachbarland. Da hat mich sehr beeindruckt, da er ja nicht mehr der J&uuml;ngste war.<\/p>\n<p>Er lud uns ein, ihn in seinem Wohnort an der Nordsee zu besuchen. Wir waren dann zwischen Weihnachten und Silvester bei ihm. Diesmal war der Eindruck noch tiefer, da das Haus mit Gegenst&auml;nden aus dem Orient voll war. Total &ldquo;von den Socken&rdquo; waren wir aber, als er uns die Glasvitrine im Flur zeigte, wo er seine ganzen Ehrungen aufbewahrte. Hier sahen wir zum ersten Mal auch Fotos von ihm und Albert Schweizer. Ich glaube auch, mich an ein Bild mit ihm und der Queen erinnern zu k&ouml;nnen. Er hat also nicht geprahlt, sondern wir bekamen nur tr&ouml;pfchenweise mit, was f&uuml;r ein (ber&uuml;hmter) Mensch er war. Auch die nicht mehr genutzte Praxis seiner Frau im Haus zeigte er uns, wobei er nur sagte, dass seine Familie mittlerweile woanders wohnt. Mehr haben wir aus dieser Seite seines Lebens nicht erfahren.<\/p>\n<p>Ich kann ihn wirklich noch vor meinem geistigen Auge in mitten seiner Reisemitbringsel in seinem Wohnzimmer sitzen sehen. Wie er uns sehr ruhig und gefasst aus seinem Leben erz&auml;hlte. Und wie sehr er die Kriege verabscheute und die Menschen mochte. Und wie er nicht fassen konnte, wieso man Menschen, und speziell Kindern in anderen L&auml;ndern, so etwas antun kann (erst den Krieg und dann das Streichen der Medizinlieferungen)!<\/p>\n<p>Heute aber kann ich sagen, dass ich doch in gewisser Weise stolz darauf bin, ihn gekannt zu haben. Und das nicht nur aus Schriften oder dem Internet, sondern ganz privat. W&uuml;rde es &uuml;berwiegend Menschen wie ihn geben, w&auml;re das Thema Krieg l&auml;ngs aus der Welt.<\/p>\n<p>Wir, seine ehemaligen Nachbarn aus Hellersdorf, werden ihn jedenfalls sicher nie mehr vergessen!!!<\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/hippokrates.ch\/paragon\/siegwart-horst-guenther\/\">Foto der folgenden Website der &bdquo;Hippokratischen Gesellschaft Schweiz&ldquo;<\/a> stammt sehr wahrscheinlich aus dem Wohnzimmer in seinem Wohnort an der Nordsee. So sehe ich ihn auch heute noch vor mir!<\/p>\n<p>Es gr&uuml;&szlig;t sie herzlich<br>\n<em>Unterschrift<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 16. November ver&ouml;ffentlichten wir einen Artikel zum genannten Thema von Klaus-Dieter Kolenda: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41095\">Was die &bdquo;Guten&ldquo; bis heute verheimlichen: Sie haben Bomben und Granaten aus abgereichertem Uran eingesetzt<\/a>. Dazu erreichten den Autor und die NachDenkSeiten-Redaktion eine E-Mail mit direktem Bezug zum in dieser Sache besonders engagierten Professor G&uuml;nther. Da das Thema von den etablierten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41242\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[103,171],"tags":[2228,641,304,631],"class_list":["post-41242","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leserbriefe","category-militaereinsaetzekriege","tag-guenther-siegwart-horst","tag-irak","tag-kriegsverbrechen","tag-uranmunition"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41242","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41242"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41242\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":41278,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41242\/revisions\/41278"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41242"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41242"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41242"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}