{"id":4129,"date":"2009-08-14T20:39:27","date_gmt":"2009-08-14T18:39:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4129"},"modified":"2014-11-25T10:05:12","modified_gmt":"2014-11-25T09:05:12","slug":"callcenters-eine-windige-branche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4129","title":{"rendered":"Callcenters, eine windige Branche"},"content":{"rendered":"<p>F&uuml;r eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall haben sich Arbeitnehmer in der Vergangenheit vehement eingesetzt. 1956 erk&auml;mpften Besch&auml;ftigte der Metallindustrie nach 114 Tagen Streik einen Tarifvertrag, der beinhaltete dass Arbeiterinnen und Arbeitern der Lohn bei Krankheit f&uuml;r eine bestimmte Zeitdauer weiter gezahlt wird. Damit wurde der Grundstein f&uuml;r die heutigen tarifvertraglichen und gesetzlichen Regelungen f&uuml;r eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gelegt. (<a href=\"http:\/\/bundesrecht.juris.de\/bundesrecht\/entgfg\/gesamt.pdf\">&bdquo;Gesetz &uuml;ber die Zahlung des Arbeitsentgelts an Feiertagen und im Krankheitsfall&ldquo; [PDF &ndash; 18 KB]<\/a>). Das Gesetz war den Arbeitgebern von Anfang an ein Dorn im Auge. Es gab zahllose Versuche die Regelung zu umgehen oder zu unterlaufen. Ein g&auml;ngiges Mittel sind Ausschlussregelungen in Arbeitsvertr&auml;gen. Eine besonders dreiste Klausel hat sich das Callcenter &bdquo;Bestseller&ldquo; f&uuml;r seine Arbeitsvertr&auml;ge ausgedacht: Es wird monatlich wird ein Gesundheitsbonus gezahlt, dieser Bonus, der 25 Prozent des Gehalts ausmacht, wird aber schon ab dem ersten Krankheitstag vollst&auml;ndig gestrichen. Eine ehemalige Mitarbeiterin dieses Callcenters hat nun dagegen geklagt. In erster Instanz hat das Arbeitsgericht M&uuml;nchen der Kl&auml;gerin eine Zahlung von lediglich 100 Euro zugesprochen. Am 11.08. 2009 entschied die Revisionsinstanz, das Landesarbeitsgericht M&uuml;nchen, in m&uuml;ndlicher Verhandlung, dass der Kl&auml;gerin der Anspruch auf den vollen Gesundheitsbonus f&uuml;r zwei Monate zusteht, das Callcenter &bdquo;Bestseller&ldquo; wurde verurteilt 900 Euro plus Zinsen an die Beklagte zu zahlen. Der Richter bewertete den Anteil des Gesundheitsbonus an den Gesamtbez&uuml;gen von 25 Prozent als extrem hoch. Allerdings wurde eine Revision dieses Urteils zugelassen (Az.: 8 Sa 131\/09). Von Christine Wicht<br>\n<!--more--><br>\nDie Kl&auml;gerin Sabine Beineke war bereits l&auml;ngere Zeit arbeitslos als sie sich bei &bdquo;Bestseller&ldquo; vorstellte. Es blieb ihr kaum eine andere Wahl als diese Arbeit anzunehmen. Beinekes ausschlie&szlig;liche T&auml;tigkeit war Outbound-Telefonieren, also Kunden anrufen um ein Produkt zu verkaufen. Das beklagte Callcenter &bdquo;Bestseller&ldquo; (<a href=\"http:\/\/www.Bestseller.com\">www.Bestseller.com<\/a>), in dem je nach Projekt ca. 40-50 so genannte Agents (Mitarbeiter) t&auml;tig sind, bedient nur Kunden aus der IT-Branche. Es ist kein integraler Bestandteil eines Unternehmens, sondern ein so genanntes freies Callcenter, das keiner Tarifbindung unterliegt. Kleinere IT-Firmen, ohne eigenen Vertrieb, erteilen &bdquo;Bestseller&ldquo; Auftr&auml;ge deren Produkte zu verkaufen. Beispielsweise erteilen Firmen den Auftrag zu einer Kampagne, ein Produkt bis zu einem gewissen Zeitpunkt zu einem Sonderpreis an Kunden zu verkaufen. In dem Unternehmen arbeiten &uuml;berwiegend Frauen, der Bildungsstand der Besch&auml;ftigten ist weit gef&auml;chert und reicht vom ungelernten Mitarbeiter bis zum Akademiker. Je nach Projekt werden auch Agents aus dem jeweiligen professionellen Umfeld angestellt, die mit Mentalit&auml;t und Sprache der Kunden vertraut sind. <\/p><p><strong>Arbeitsbedingungen im Call Center &bdquo;Bestseller&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die Agents erhalten Vollzeitvertr&auml;ge &uuml;ber 40 Wochenstunden und haben einen Achtstundentag. Der Lohn setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen: Das Grundgehalt der Kl&auml;gerin betrug 1800 Euro, hinzu kam der so genannte Gesundheitsbonus, der nur dann ausgezahlt wird, wenn der Agent keinen einzigen Tag im Monat krank war und einer Leistungspr&auml;mie in H&ouml;he von maximal 300 Euro, die aber nach Aussage von Beineke de facto nicht zu erreichen ist. Die Kl&auml;gerin war im Dezember 2006 und im Januar 2007 krank, ihr Arbeitsverh&auml;ltnis ist seit dem 15.11.2007 beendet. <\/p><p>Im Vertrag war geregelt, dass die komplette Pr&auml;mie nur dann ausbezahlt wird, wenn der Arbeitnehmer keinen Fehltag hat. &bdquo;Bestseller&ldquo; gestattet &bdquo;gro&szlig;z&uuml;giger Weise&ldquo;, Krankheitstage mit Urlaubstagen auszugleichen, vertraglich sind 24 Urlaubstage zugesichert. Wenn jemand &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum krank ist, und keine Lohneinbu&szlig;e hinnehmen will oder kann, wird auf diese Weise unter Umst&auml;nden der gesamte Jahresurlaub f&uuml;r den Ausgleich verzehrt. &bdquo;Bestseller&ldquo; bezahlt kein 13. Gehalt, kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld oder sonstige Sonderzahlungen, die Probezeit betr&auml;gt 6 Monate. &Uuml;berstunden werden nicht geleistet, da auch die Kunden in der Regel nur zu B&uuml;rozeiten zu erreichen sind, um 17.45 h ist die Arbeitszeit beendet. <\/p><p>Ein Gro&szlig;teil der Besch&auml;ftigten von &bdquo;Bestseller&ldquo; hat Zeitarbeitsvertr&auml;ge. Die Gr&uuml;ndung eines Betriebsrats setzt bekanntlich ein Mindestma&szlig; an Stabilit&auml;t und Solidarit&auml;t der Besch&auml;ftigten voraus. Dies gestaltet sich &auml;u&szlig;erst schwierig, wenn ein Gro&szlig;teil Zeitarbeitskr&auml;fte sind und die Fluktuation sehr hoch ist. Meist kommen die Agents aus einer Bewerbungsphase und bewerben sich aufgrund der ungen&uuml;genden Arbeitsbedingungen weiter und sind oft nicht l&auml;nger als ein paar Monate im Callcenter t&auml;tig. <\/p><p>Angst und Druck sind sehr hoch, Solidarit&auml;t kann in diesem Klima nicht gedeihen, es verschwindet Kollegialit&auml;t. Das Arbeitsklima ist enorm angespannt, telefoniert wird in Gro&szlig;raumb&uuml;ros, die L&auml;rmbelastung ist sehr hoch. Es gibt keine Zwischenw&auml;nde, wodurch die Mitarbeiter einer permanenten &Uuml;berwachung ausgesetzt sind. Obendrein sind die Gespr&auml;chsvorgaben (35 Entscheide pro Tag) sehr hoch gesetzt und somit das Erlangen der Leistungspr&auml;mie (von maximal 300 Euro) fast unm&ouml;glich. Des Weiteren m&uuml;ssen sich die Agents schikan&ouml;sen Spielregeln unterwerfen, die sie unterschreiben m&uuml;ssen, dazu geh&ouml;rt beispielsweise, dass es untersagt ist, eine Wasserflasche auf dem Tisch zu platzieren. Man k&ouml;nnte auch von Willk&uuml;rkriterien sprechen, die bei unliebsamen Mitarbeiterinnen eine K&uuml;ndigung bzw. Pr&auml;mienk&uuml;rzung begr&uuml;nden k&ouml;nnen. <\/p><p><strong>Das Panoptikum-Prinzip<\/strong><\/p><p>Die Agents werden regelm&auml;&szlig;ig zu Gespr&auml;chen zum Teamleiter gebeten und oftmals mit unredlichen Methoden unter Druck gesetzt. Um die Leistungen anzuspornen wird ihnen z.B vorgehalten, dass andere Kolleginnen weitaus erfolgreicher seien, was aber h&auml;ufig nicht der Tatsache entspricht. Die Teamleiter (sitzen bei &bdquo;Bestseller&ldquo; ebenfalls im Gro&szlig;raumb&uuml;ro) und meinen &uuml;ber die Qualit&auml;t der Telefonate urteilen zu k&ouml;nnen, was jedoch aufgrund des hohen L&auml;rmpegels kaum m&ouml;glich ist. H&auml;ufig wird auch das Argument der Kundenzufriedenheit vorgeschoben, um Arbeitsdruck zu erzeugen. &bdquo;Bestseller&ldquo; bestreitet so genannte Quality Monitorings (offenes und verdecktes Abh&ouml;ren der Gespr&auml;che, Tastatur- und Mausbenutzung) durchzuf&uuml;hren. <\/p><p><strong>Arbeitnehmerrechte werden ausgehebelt<\/strong><\/p><p>Arbeitnehmerrechte werden mit Vertragsklauseln geschickt ausgehebelt. In Fall von Sabine Beineke wurde ein niedriges Grundgehalt angesetzt und eine 25%ige Bonuszahlung als Sonderzahlung deklariert. &bdquo;Bestseller&ldquo; ist anscheinend davon ausgegangen, dass hier &sect; 4a Entgeltfortzahlungsgesetz, K&uuml;rzung von Sonderverg&uuml;tung, greift, konnte sich damit aber in zweiter Instanz nicht durchsetzen.  <\/p><p>Auf der Startseite des Callcenters &bdquo;CallOn&ldquo;, ist das Nietzsche-Zitat zu lesen: &bdquo;Niemand wei&szlig;, was er kann, wenn er es nicht versucht&ldquo;. Sabine Beineke hat versucht gegen die arbeitnehmerfeindlichen Praktiken eines Callcenters vorzugehen und sie hat gewonnen. Wer k&auml;mpft kann verlieren, wer aber nicht k&auml;mpft, hat schon verloren.<\/p><p><strong>Gute Arbeit in Callcentern &ndash; Vision oder Illusion?<\/strong><\/p><p>Der Fall Sabine Beineke wirft ein Schlaglicht auf die Callcenter-Branche, angesichts von weit &uuml;ber 400.000 Besch&auml;ftigten auf diesem Arbeitsfeld hat sich die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in den letzten Jahren intensiv mit den Arbeitsbedingungen, die dort herrschen, besch&auml;ftigt. Dar&uuml;ber will ich aus Anlass dieses Streits, den ich im Gerichtssaal verfolgt habe, berichten:<\/p><p>ver.di weist darauf hin, das der Zusammenhang zwischen Stress und anderen Folgen psychisch belastender Arbeitsbedingungen einerseits, mangelnden Gestaltungsm&ouml;glichkeiten der eigenen Arbeitsbedingungen und fehlenden Entscheidungsspielr&auml;umen andererseits, arbeitsmedizinisch nachgewiesen ist. Laut Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft ist in der Callcenter-Branche das sog. Ressourcenmanagement weit verbreitet, also das Aufstellen von Kennzahlen f&uuml;r Produktivit&auml;t, Leistung, Gespr&auml;chsdauer, Qualit&auml;t usw. mit ausf&uuml;hrlichem Reporting und Controlling.<br>\nProzesse w&uuml;rden nach first und second level (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Support_(Dienstleistung)\">problemorientierte, vertriebsorientierte Beratungst&auml;tigkeita<\/a>) organisiert, Besch&auml;ftigte nach &bdquo;skills&ldquo; (Kompetenz der F&auml;higkeiten), Projekte und Priorit&auml;ten eingestuft. Hier stelle sich jedoch oft die Frage, ob die Kenngr&ouml;&szlig;en zur Erfolgsmessung richtig gew&auml;hlt sind, von den Agents beeinflusst werden k&ouml;nnen und dauerhaft gesunde Arbeit erm&ouml;glichen (vgl. dazu den Beitrag von Anita Liebholz im Heft <a href=\"http:\/\/besondere-dienste.verdi.de\/callcenter\">&bdquo;Gute Arbeit in Callcentern &ndash; Vision oder Illusion&ldquo;<\/a>, auf S. 18).<\/p><p>Im &Uuml;brigen stelle, so ver.di, ein Bericht zum Thema &Uuml;berwachung und Privatsph&auml;re am Arbeitsplatz, (herausgegeben vom britischen Institut f&uuml;r die Rechte der Arbeitnehmer) fest, dass der zunehmende Gebrauch von Technologien zur Beobachtung von Besch&auml;ftigten deren psychische und physische Gesundheit beeintr&auml;chtige. Intensive Telefon- und Video&uuml;berwachung, Abfangen von E-mails und die Kontrolle von Internetzug&auml;ngen sowie st&auml;ndige Updates der Leistungsberichte k&ouml;nnen von simpler Unzufriedenheit zu Stress und Depressionen f&uuml;hren, ebenso wie zu zahlreichen physischen Problemen wie RSI (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Repetitive_Strain_Injury_Syndrom\">repetitive strain injuries<\/a>) und chronischen Kopfschmerzen. Auch die AOK Rheinland\/Hamburg geht in ihrem Gesundheitsbericht &uuml;ber Callcenter-Besch&auml;ftigte auf diese Problematik ein und fordert derartige Verhaltens- und Leistungskontrollen weitestgehend abzubauen. <\/p><p><strong>Gute Arbeit im Call Center?<\/strong><\/p><p>Auf Grundlage des DGB INDEX Gute Arbeit  wurde im Fr&uuml;hjahr 2009 eine Umfrage unter ver.di-Mitgliedern aus 13 unternehmensungebundenen Callcentern durchgef&uuml;hrt, die in einem Sonderdruck 7\/2009 unter dem Thema: Gute Arbeit in Callcentern &ndash; Vision oder Illusion?&ldquo; ver&ouml;ffentlicht wurde. Die Ergebnisse k&ouml;nnen zwar nicht als repr&auml;sentativ bezeichnet werden, jedoch geben die Zahlen einen &Uuml;berblick, wie die befragten Besch&auml;ftigten ihre Arbeit einsch&auml;tzen:<br>\n80 % der Teilnehmerinnen  waren weiblich und 20 % m&auml;nnlich, es beteiligten sich 25%  Singles, 7 % Alleinerziehende sowie 17 % der Teilnehmenden, die Pflegeverpflichtungen haben. Die Befragung brachte zum Vorschein, dass die einzelnen Callcenter Standorte zwischen 90 und 1.100 Besch&auml;ftigte haben.<br>\nBei der allgemeinen Auswertung von Arbeitsverh&auml;ltnissen nach dem DGB-INDEX hatten 13% der Besch&auml;ftigten in 2008 das Urteil &bdquo;Gute Arbeit&ldquo; abgegeben, 55 % das Urteil &bdquo;Mittelm&auml;&szlig;ige Arbeit&ldquo; sowie 32 % das Urteil &bdquo;Schlechte Arbeit&ldquo;. Bei den R&uuml;ckl&auml;ufern aus den Callcentern fiel diese Beurteilung wesentlich negativer aus: nur 3% urteilten &bdquo;Gute Arbeit&ldquo;, 14% &bdquo;Mittelm&auml;&szlig;ige Arbeit und 83 % beurteilten ihre T&auml;tigkeit als &bdquo;Schlechte Arbeit&ldquo;.<\/p><p>&Auml;hnlich negative Beurteilungen gab es auch bei der Auswertung weiterer Fragestellungen: 88 % vermissen die Anerkennung ihrer Arbeit, 78 % der sich an der Umfrage Beteiligten f&uuml;hlen sich leer und ausgebrannt nach der Arbeit und nur 9,7 % sp&uuml;ren eine Verbundenheit mit dem eigenen Unternehmen. In einer weiteren Frage bejahten 82,8 %, dass sie einen Arbeitgeberwechsel f&uuml;r m&ouml;glich halten, nur 6 % schlossen dies aus.<\/p><p><strong>Callcenter &ndash; wachsender Dienstleistungssektor<\/strong><\/p><p>Nach Angaben von Ver.di waren im Jahr 2007 ca. 420.000 Besch&auml;ftigte im Callcenter-Bereich t&auml;tig, prognostiziert wird f&uuml;r die n&auml;chsten Jahre eine Zahl von bis zu 500.000 Besch&auml;ftigten bundesweit. Somit sind die Besch&auml;ftigten in Callcentern keine Randgruppe mehr. Zu den gr&ouml;&szlig;ten Arbeitgebern geh&ouml;ren &bdquo;arvato direct services&ldquo; (Bertelsmann), &bdquo;walter services Holding GmbH&ldquo;, &bdquo;D+S Europe AG&ldquo;, &bdquo;Quelle Contact GmbH&ldquo;, &bdquo;SNT Deutschland AG&ldquo;. Hamburg ist unter Ber&uuml;cksichtigung interner Callcenter die bundesweite Hochburg in dieser Dienstleistungsbranche. Insgesamt sollen ca. 240 Unternehmen in Hamburg t&auml;tig sein. Handel, Finanzdienstleister und Firmen aus der IT- und Telekommunikationsbranche bilden dabei den Schwerpunkt. Eine Aktion der Gewerkschaft zur Verbesserung der Arbeits- und Entlohnungsbedingungen in Callcentern wurde unterst&uuml;tzt von dem Journalisten und Autor G&uuml;nter Wallraff, der, undercover, f&uuml;r einen Tag ohne Bezahlung zur Probe, in dem Callcenter &bdquo;CallOn&ldquo;, t&auml;tig war und anschlie&szlig;end eine zeitlang bei &bdquo;ZIU-International&ldquo;, eine Firma, die im &Uuml;brigen auch in den Internetstellenanzeigen der Arbeitsagentur zu finden ist. Hier hat Wallraff Ausz&uuml;ge des Jugendschutzgesetzes an Kneipiers, Wirte und Imbissbudenbesitzer per Barnachnahme f&uuml;r 69 Euro am Telefon verkauft. Sp&auml;ter hat er &uuml;ber die Arbeitsbedingungen <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2007\/22\/Guenter-Wallraff?page=5\">berichtet<\/a>. Im Juli 2009 haben Ver.di und die Ettlinger Firma &bdquo;Walter Services Administration GmbH&ldquo;, die an 15 Standorten in Deutschland 8000 Menschen besch&auml;ftigt, branchenweit den ersten Entgelttarifvertrag f&uuml;r Callcenter-Besch&auml;ftigte geschlossen, nach welchem ein Kundenbetreuer r&uuml;ckwirkend zum 1. Mai einen Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde erhalten soll. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis Ende Dezember 2010. &Uuml;blicherweise werden in dieser Branche Stundenl&ouml;hne von 5,50 bis 6,80 Euro gezahlt. Bislang ist &bdquo;Walter services&ldquo; das einzige Callcenter in Deutschland mit einem Rahmentarifvertrag. Laut Information von Helge Biering, Projektsekret&auml;r Callcenter in Sachsen, ist ein Branchentarifvertrag wie bei Leih- und Zeitarbeitsfirmen in der Callcenter-Branche momentan nicht m&ouml;glich, da sich keiner der existierenden Verb&auml;nde (&bdquo;DDV -Deutscher Dialogmarketing Verband e.V.&ldquo; und &bdquo;CCF &ndash; CallCenter Forum Deutschland e.V.&ldquo;) als tariff&auml;hig einstuft. <\/p><p><strong>Kein guter Lohn f&uuml;r gute Arbeit<\/strong><\/p><p>60.9% der Befragten teilten mit, dass ihr Gehalt nicht zum Leben ausreiche, bei 38,3% reichte es gerade so aus. Dies best&auml;tigte eine ver.di-Umfrage von 2007, nach welcher 79% der Befragten angaben, dass ihr Einkommen nicht ausreiche. Damals gaben 51% an, dass sie auf einen Zweitjob angewiesen seien. Bei 23% der R&uuml;ckmeldung kam zum Vorschein, dass zus&auml;tzlich zum Einkommen staatliche Leistungen in Anspruch genommen werden. Die Befragten berichten von miesen Arbeitszeiten, Hungerl&ouml;hnen, hohen Anforderungen und h&auml;ufigen Kontrollen. F&uuml;r Ver.di ist es absolut inakzeptabel, dass viele der Besch&auml;ftigten in Callcentern unter Arbeitsbedingungen t&auml;tig sind, die denen des Manchesterkapitalismus &auml;hneln. Faire Entlohnung und die Durchsetzung von Tarifl&ouml;hnen k&ouml;nnten ein Schritt zu besserer Arbeitsqualit&auml;t sein. Dazu geh&ouml;rten aber auch die Abschaffung der st&auml;ndigen Kontrollen, die von den Besch&auml;ftigten als enorme Belastung empfunden werden. Wenn &uuml;berhaupt Leistungsbemessung durch Kennzahlen, so ver.di, dann m&uuml;ssten diese genau gepr&uuml;ft werden. Die starken Belastungen am Arbeitsplatz werden auch durch die Auswertung der Antworten zu  einer weiteren Frage deutlich: So gaben 61,7 % der Befragten an, dass sie ihren Job nicht bis zur Rente aus&uuml;ben k&ouml;nnen, nur 19,1 % halten dies f&uuml;r m&ouml;glich.<\/p><p><strong>ver.di gelangt zu folgendem Fazit:<\/strong><\/p><p>Durch diese Umfrageergebnisse wird deutlich, dass es  mindestens zwei Handlungsnotwendigkeiten gibt: <\/p><ul>\n<li>zum Ersten den Versuch, die Entgelte und weitere Leistungen &uuml;ber tarifvertragliche Regelungen abzusichern und zu verbessern und<\/li>\n<li>zum Zweiten im betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz den Besch&auml;ftigten und betrieblichen Interessenvertretungen Unterst&uuml;tzungsangebote zu unterbreiten, damit sie ihre Rechte und M&ouml;glichkeiten noch besser kennen lernen und anschlie&szlig;end auch durchsetzen k&ouml;nnen.<\/li>\n<li>Des Weiteren vertritt ver.di die Ansicht, dass die Rahmenbedingungen zur Durchf&uuml;hrung der Gespr&auml;che, Rechte und Pflichten der Beteiligten, Formulare, Verfahren im Konfliktfall in einer Betriebsvereinbarung mit einem Betriebsrat geregelt werden k&ouml;nnen. Ein Ansatzpunkt zur Verbesserung der F&uuml;hrungskr&auml;ftequalit&auml;t sei die Integration entsprechender Themen in die Mitarbeiterbefragung.<\/li>\n<\/ul><p>Zum Weiterlesen: <a href=\"http:\/\/www.dgb-index-gute-arbeit.de\/downloads\/publikationen#2009\">www.dgb-index-gute-arbeit.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F&uuml;r eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall haben sich Arbeitnehmer in der Vergangenheit vehement eingesetzt. 1956 erk&auml;mpften Besch&auml;ftigte der Metallindustrie nach 114 Tagen Streik einen Tarifvertrag, der beinhaltete dass Arbeiterinnen und Arbeitern der Lohn bei Krankheit f&uuml;r eine bestimmte Zeitdauer weiter gezahlt wird. Damit wurde der Grundstein f&uuml;r die heutigen tarifvertraglichen und gesetzlichen Regelungen f&uuml;r eine Lohnfortzahlung<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4129\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,184,149],"tags":[502,232,311,288,281,503],"class_list":["post-4129","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-ueberwachung","category-gesundheitspolitik","tag-arvato","tag-bertelsmann","tag-callcenter","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-verdi","tag-wallraff-guenter"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4129","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4129"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4129\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20230,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4129\/revisions\/20230"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4129"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4129"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4129"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}