{"id":41292,"date":"2017-11-27T16:31:48","date_gmt":"2017-11-27T15:31:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41292"},"modified":"2017-11-29T07:44:47","modified_gmt":"2017-11-29T06:44:47","slug":"christian-lindner-unser-joerg-haider","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41292","title":{"rendered":"Christian Lindner \u2013 \u201eunser\u201c J\u00f6rg Haider"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171127-lindner-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Nehmen Sie Christian Lindner eigentlich ab, dass er die Jamaika-Sondierungen wegen inhaltlicher Differenzen hat platzen lassen? Schon der Gedanke daran ist recht am&uuml;sant. Machtmensch Lindner verfolgt zwar eine Ideologie, aber eigentlich ist doch er selbst das Programm seiner Partei, die schon den Wahlkampf voll und ganz auf den Parteichef zugeschnitten hat. Und Lindner will mehr. Er will schon bald &bdquo;auf Augenh&ouml;he&ldquo; mit den Mitbewerbern von Union und SPD sein. Ein Vorhaben, das er offenbar vor allem am rechten Rand verwirklichen will. Auch wenn es viele Beobachter sicher noch nicht wahrhaben wollen: Christian Lindner ist &bdquo;unser&ldquo; erster rechtspopulistischer Politiker mit Zukunft; er ist &bdquo;unser&ldquo; J&ouml;rg Haider. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7905\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-41292-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171128_Christian_Lindner_unser_Joerg_Haider_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171128_Christian_Lindner_unser_Joerg_Haider_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171128_Christian_Lindner_unser_Joerg_Haider_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171128_Christian_Lindner_unser_Joerg_Haider_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=41292-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171128_Christian_Lindner_unser_Joerg_Haider_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"171128_Christian_Lindner_unser_Joerg_Haider_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Dass Christian Lindner noch gro&szlig;e Ziele hat, ist offensichtlich. Seit dem fr&uuml;hen Tod des ehemaligen Parteichefs Westerwelle, dem Abtritt der Generation Br&uuml;derle und dem Aufstieg der Lindner-Konkurrenten <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/philipp-roesler-auf-chinesischer-mission-15283420.html\">R&ouml;sler<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/daniel-bahr-wird-vorstand-bei-allianz-tochter-a-1121707.html\">Bahr<\/a> in sicherlich exquisit bezahlte Jobs in der Privatwirtschaft, ist die FDP de facto eine Lindner-Partei, deren Programm eine untergeordnete Rolle spielt und die bereits den Wahlkampf ganz auf ihren jungen Chef zugeschnitten hatte. Kein Wunder, da das klassische Programm der FDP nicht mehr ihr Alleinstellungsmerkmal ist. Mit dem Drang in die neue, neoliberale Mitte hat ein breites Spektrum von SPD &uuml;ber CDU\/CSU bis hin zu den Gr&uuml;nen neoliberale Kernforderungen adaptiert und mit dem Neuzugang AfD ist der Bundestag sogar um eine weitere waschechte neoliberale &bdquo;Ultrapartei&ldquo; reicher. Auf diesem Feld ist &ndash; zumindest aus Sicht der Wahlkampfstrategen &ndash; nicht mehr viel zu gewinnen. Also wirbt man mit dem jungen Parteichef mit Dreitagebart und offenem Hemd und nicht mehr mit ausgelutschten Slogans von mehr Netto vom Brutto und Leistung, die sich wieder lohnen muss. So hat man vor zehn Jahren Neoliberalismus verkauft. <\/p><p>Christian Lindners Ego ist mindestens ebenso gro&szlig; wie die legend&auml;ren 18%-Aufkleber unter der Sohle von Guido Westerwelle und Christian Lindner hat es gelernt &ndash; oder besser &bdquo;hat es lernen m&uuml;ssen&ldquo; &ndash; in langfristigen Kategorien zu denken. W&auml;hrend Merkels &Auml;ra sich dem Ende neigt, SPD-Kandidaten traditionell nur eine sehr geringe Amtszeit haben, Gr&uuml;ne ohnehin st&auml;ndig rotieren und Heckensch&uuml;tzen innerhalb der Linkspartei eine zu starke Fokussierung auf die De-Facto-Frontfrau Wagenknecht bislang stets zu verhindern wussten, kann der erst 38j&auml;hrige Linder auch schon mal f&uuml;r die n&auml;chsten oder gar &uuml;bern&auml;chsten Wahlen taktieren. Und Lindner denkt in gr&ouml;&szlig;eren Kategorien als 10%. Er will seine Partei &bdquo;auf Augenh&ouml;he&ldquo; zu den <a href=\"https:\/\/makroskop.eu\/2017\/11\/kein-konzept-keine-zukunft\/\">zwei Gro&szlig;en hieven<\/a> und das will er offensichtlich mit Hilfe der k&uuml;nftigen Ex-AfD-W&auml;hler erreichen. Ein Plan, der durchaus aufgehen k&ouml;nnte.<\/p><p>In Deutschland hie&szlig; es beim Thema &bdquo;Rechtspopulismus&ldquo; stets, wir h&auml;tten bis dato lediglich Gl&uuml;ck gehabt, dass es bei uns keine charismatische Figur gibt, die von den Medien geliebt wird und die rechtspopulistische Klaviatur so gekonnt spielen kann, dass niemand merkt, was dort eigentlich so verf&uuml;hrerisch klingt. Wenn auch &bdquo;wir&ldquo; hier einen J&ouml;rg Haider h&auml;tten, k&ouml;nne auch in Deutschland niemand daf&uuml;r garantieren, dass es hier rechts der Union noch 20% oder gar 30% Stimmen geben k&ouml;nnte. Offenbar hat kaum jemand gemerkt, dass wir diese Situation schon heute haben: AfD und FDP haben zusammen 23%, nur dass nur wenige Beobachter diese beiden Parteien zusammenfassen. Wieso eigentlich?<\/p><p>Die linksliberalen Positionen des alten B&uuml;rgerrechte-Fl&uuml;gels der FDP vertreten heute die Gr&uuml;nen. Die FDP ist im Kern neoliberal, die AfD ebenfalls. AfD-Frontfrau Alice Weidel k&ouml;nnte als Ex-Goldman-Sachs- und Ex-Allianz-Global-Investors-Managerin und Mitglied der Hayek-Gesellschaft ohne weiteres auch bei der FDP Karriere machen und zwischen Lindners Position bei der Asylthematik und den Positionen der AfD passt auch kaum ein Blatt. Als letztes Alleinstellungsmerkmal hat die AfD indes noch ihren &bdquo;Schmuddelfl&uuml;gel&ldquo; rund um den Ewiggestrigen Bj&ouml;rn H&ouml;cke, der jedoch in der eigenen Partei ebenfalls schwer in der Kritik ist &ndash; sehr zur Freude der FDP.<\/p><p>Gro&szlig;e Teile der FDP, aber auch der AfD, sind ja nicht per se fremdenfeindlich. Gegen Unternehmensberater aus der T&uuml;rkei, Chirurgen aus dem Iran, IT-Ingenieure aus Bangladesch oder Investmentbanker aus Nigeria haben weder die AfD noch die FDP etwas. Wir haben es hier eher mit einem &bdquo;N&uuml;tzlichkeitsrassismus&ldquo; zu tun, der freilich in der beim W&auml;hler besonders beachteten Asylfrage besonders deutlich zu Tage tritt und sich sehr gut eignet, auch die Stimmen &uuml;berzeugter Rassisten f&uuml;r sich zu gewinnen, ohne gleichzeitig im b&uuml;rgerlichen oder gar liberalen Lager allzu viele Stimmen zu verlieren. Diese F&auml;higkeit beherrscht ein Christian Lindner recht gut, er ist nun einmal ein &bdquo;moderner Rechtspopulist&ldquo;.<\/p><p>Daher muss man auch beim Begriff &bdquo;Rechtspopulismus&ldquo; differenzieren. Es gibt den autorit&auml;ren, den &bdquo;alten&ldquo; Rechtspopulismus, der einen starken Staat vorsieht, den in Europa zum Beispiel Marine Le Pen und Viktor Orb&aacute;n vertreten. Und es gibt den neoliberalen &ndash; oft sogar libert&auml;ren &ndash; Rechtpopulismus, f&uuml;r den z.B. Geert Wilders oder die &bdquo;Freiheitlichen&ldquo; in &Ouml;sterreich stehen, die seit J&ouml;rg Haider eine politische Gr&ouml;&szlig;e sind. Interessanterweise werden diese neoliberalen Rechtspopulisten von den Medien und der Gesellschaft keinesfalls so sehr ausgegrenzt wie die alten Rechtspopulisten, die nicht so viel von M&auml;rkten halten, die st&auml;rker als Staaten sind.  <\/p><p>J&ouml;rg Haider war der erste Rechtspopulist in der Nachkriegszeit, der im deutschsprachigen Raum mit Charisma und &bdquo;Schm&auml;h&ldquo; daherkam und von den Medien nicht so einfach in die &bdquo;Nazi-Schublade&ldquo; gepackt werden konnte. Der deutsche Haider hei&szlig;t Christian Lindner. Lindners Ziel scheint es nun zu sein, mit Hilfe der Stimmen der AfD-W&auml;hler aus der FDP eine deutsche FP&Ouml; zu machen, die bald auch auf Augenh&ouml;he mit dem einzig denkbaren Koalitionspartner ist. <\/p><p>F&uuml;r dieses Vorhaben w&auml;re eine &bdquo;Jamaika-Koalition&ldquo; &ndash; zusammen mit den &bdquo;Gutmenschen&ldquo; der Gr&uuml;nen &ndash; nat&uuml;rlich kontraproduktiv; vor allem dann, wenn die AfD sich aus der Opposition heraus profilieren kann. So gesehen war der Bruch der Sondierungen eigentlich logisch. Und er war auch noch ganz im Sinne Lindners Strategie, da es sich mittlerweile vor allem im AfD-Milieu durchaus herumgesprochen hat, dass die FDP bei den Sondierungsverhandlungen sogar die CSU rechts &uuml;berholt hat.<\/p><p>Und nun geht es Richtung Schwarz-Rot. Ein weiterer wichtiger Schritt f&uuml;r Lindners Traum. Der eigentliche Gewinner einer gro&szlig;en Koalition ist n&auml;mlich Christian Lindner. Er kann sich als oppositioneller deutscher &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2017\/48\/politiker-typen-moderne-christian-lindner-sebastian-kurz\">Politiker neuen Typs<\/a>&ldquo; profilieren und der ohnehin gesellschaftlich ge&auml;chteten AfD die W&auml;hler abnehmen. Und wenn 2021 erneut auf Bundesebene gew&auml;hlt wird, k&ouml;nnte er bereits auf Augenh&ouml;he mit der Union sein, die dann wom&ouml;glich mit Karl-Theodor zu Guttenberg einen weiteren &bdquo;Politiker neuen Typs&ldquo; als Kanzlerkandidaten aufstellt. Und wer sich jetzt noch abseits der Internetkommentarbereiche sch&auml;mt, &ouml;ffentlich zuzugeben, die AfD gew&auml;hlt zu haben, kann schon bald stolz darauf sein, zur modernen Elite der FDP-W&auml;hler zu geh&ouml;ren.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/b87b051cd2e74388872946ff2b340597\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171127-lindner-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Nehmen Sie Christian Lindner eigentlich ab, dass er die Jamaika-Sondierungen wegen inhaltlicher Differenzen hat platzen lassen? Schon der Gedanke daran ist recht am&uuml;sant. 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