{"id":41330,"date":"2017-11-29T08:43:16","date_gmt":"2017-11-29T07:43:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41330"},"modified":"2026-01-27T11:13:31","modified_gmt":"2026-01-27T10:13:31","slug":"es-war-das-erklaerte-ziel-auf-die-entwicklung-der-westlichen-laender-einfluss-zu-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41330","title":{"rendered":"\u201eEs war das erkl\u00e4rte Ziel, auf die Entwicklung der westlichen L\u00e4nder Einfluss zu nehmen\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171129_kaethner.jpg\" alt=\"Arne K&auml;thner\" title=\"Arne K&auml;thner\"><\/div><p><strong><a href=\"https:\/\/ekvv.uni-bielefeld.de\/pers_publ\/publ\/PersonDetail.jsp?personId=52373804\">Arne K&auml;thner<\/a><\/strong> ist Doktorand an der Universit&auml;t Bielefeld und forscht zu einer Gruppe, die selten in der &Ouml;ffentlichkeit Erw&auml;hnung findet: Die Mont P&egrave;lerin Society (MPS). In der ZDF-Satire-Sendung &bdquo;Die Anstalt&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40964\">vom 7. November<\/a> haben sich die Kabarettisten dieses neoliberalen Elitezirkels der besonderen Art angenommen und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40767\">Aufkl&auml;rungsarbeit<\/a> geleistet. Im Interview mit den NachDenkSeiten erkl&auml;rt K&auml;thner, was es mit der MPS auf sich hat und beleuchtet vor allem ihre Anfangszeit und ihr Wirken in den jungen Jahren der Bundesrepublik.<br>\nK&auml;thner sagt, dass es sicherlich kein Problem sei, wenn Eliten sich auch hinter verschlossenen T&uuml;ren austauschten, aber problematisch werde dieser Austausch dann, wenn die Auffassung vertreten werde, man sei alleine im Besitz der Wahrheit.  &bdquo;Die Strategie der Neoliberalen war&ldquo;, sagt K&auml;thner, &bdquo;ganz gezielt &uuml;ber Mittelsm&auml;nner in Medien, Wirtschaft und Politik, die eigenen Positionen weiter zu streuen und so die &ouml;ffentliche Meinung zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen.&ldquo; Das Interview f&uuml;hrte <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3740\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-41330-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171129_Der_Einfluss_von_Mont_Pelerin_Society_auf_westliche_Laender_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171129_Der_Einfluss_von_Mont_Pelerin_Society_auf_westliche_Laender_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171129_Der_Einfluss_von_Mont_Pelerin_Society_auf_westliche_Laender_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171129_Der_Einfluss_von_Mont_Pelerin_Society_auf_westliche_Laender_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=41330-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171129_Der_Einfluss_von_Mont_Pelerin_Society_auf_westliche_Laender_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"171129_Der_Einfluss_von_Mont_Pelerin_Society_auf_westliche_Laender_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr K&auml;thner, was ist die <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=UHlfcUT2izk\">Mont P&egrave;lerin Society<\/a>?<\/strong><\/p><p>Die Mont P&egrave;lerin Society wurde 1947 als Zusammenschluss von Intellektuellen ins Leben gerufen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in den westlichen L&auml;ndern eine liberale Gesellschaftsordnung etablieren wollten. Ihr geh&ouml;rten urspr&uuml;nglich Wissenschaftler ganz unterschiedlicher Disziplinen an, neben &Ouml;konomen, auch Philosophen, oder Historiker. Viele von ihnen kannten sich bereits aus der Zwischenkriegszeit und hatten beispielsweise im deutschen <em>Verein f&uuml;r Socialpolitik<\/em> zusammengewirkt, wie Ludwig von Mises, Friedrich von Hayek, Wilhelm R&ouml;pke und Walter Eucken. Heute wird die MPS oftmals als <em>der<\/em> neoliberale Think Tank schlechthin angesehen.<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie unseren Lesern etwas mehr zu MPS sagen? Was muss man wissen, wenn man verstehen will, was es mit der Mont P&egrave;lerin Society auf sich hat?<\/strong><\/p><p>Die Mitglieder der MPS sahen sich als einen exklusiven Zirkel von intellektuellen Vordenkern, die verhindern wollten, dass die verf&uuml;hrbaren &bdquo;Massen&ldquo; sich kollektivistischen Ideen hingaben. Vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Zusammenbruchs in den 30er Jahren, den politischen Umw&auml;lzungen und dem erstarkten Kommunismus in der Sowjetunion, sahen sie die &bdquo;zivilisatorischen&ldquo; Werte der westlichen Welt in Gefahr, wie es im Gr&uuml;ndungsdokument der MPS hie&szlig;.<\/p><p>Demgegen&uuml;ber sollte die Vereinigung eine neue, liberale Gesellschaftskonzeption f&uuml;r die westlichen L&auml;nder entwickeln und diese in den K&ouml;pfen der Menschen verankern. Es war das erkl&auml;rte Ziel, auf die Entwicklung der westlichen L&auml;nder Einfluss zu nehmen und den Kurs hin zu einer liberalen Marktwirtschaft zu lenken.<br>\nDie MPS sollte daf&uuml;r die konzeptionelle Vorarbeit leisten. Sie diente als Plattform f&uuml;r den internen Austausch und trat fast nie &ouml;ffentlich in Erscheinung. Stattdessen sollten alle Mitglieder selbst &uuml;ber Ver&ouml;ffentlichungen und Vortr&auml;ge in ihre jeweiligen Gesellschaften hineinwirken.<\/p><p><strong>Die MPS ist also ein ziemlich komplexes Gebilde. Kann man das so sagen?<\/strong><\/p><p>Es w&auml;re jedenfalls zu einfach, die MPS als Geheimbund oder eine neoliberale Verschw&ouml;rergruppe abzustempeln. Die Existenz der Gesellschaft wurde zu keinem Zeitpunkt geheimgehalten, auch wenn die Teilnahme nur Mitgliedern und geladenen G&auml;sten offen stand. Die Ansichten der Teilnehmer waren durchaus unterschiedlich, f&uuml;hrten zu einigen Konflikten und auch Austritten. Heftig gestritten wurde beispielsweise &uuml;ber den Umfang von Sozialleistungen oder die Rolle des Staates gegen&uuml;ber der Wirtschaft. Auch forderten einige Mitglieder ein st&auml;rkeres &ouml;ffentliches Auftreten der Gesellschaft und eine direkte Ansprache der &Ouml;ffentlichkeit.. Dennoch gab es einen zentralen gemeinsamen Nenner: den &uuml;ber den Preismechanismus geregelten Markt.<\/p><p><strong>Sie setzen sich in Ihrer Forschung nun mit einem bestimmten Teil der MPS auseinander. N&auml;mlich einer deutschen Gruppe innerhalb der MPS. Was ist das f&uuml;r eine Gruppe?<\/strong><\/p><p>In der MPS gab es von Beginn an eine starke deutsche Fraktion; dazu z&auml;hlten beispielsweise Walter Eucken, Franz B&ouml;hm, Wilhelm R&ouml;pke und Alexander R&uuml;stow. Heute werden diese Personen h&auml;ufig als Vertreter des &bdquo;Ordoliberalismus&ldquo; bezeichnet &ndash; auch, um sie von dem abzugrenzen, was man heute unter Neoliberalismus versteht.<\/p><p><strong>Kurz: Ordoliberalismus? K&ouml;nnen Sie das kurz f&uuml;r unsere Leser erkl&auml;ren?<\/strong><\/p><p>Die Vertreter des Ordoliberalismus haben dem Staat durchaus eine wichtige Rolle beim Setzen der Rahmenordnung f&uuml;r die Wirtschaft zugebilligt. Statt zahlreicher tempor&auml;rer Eingriffe in die Wirtschaft sollte ein klarer gesetzlicher Rahmen geschaffen werden, in dem sich der Wettbewerb frei entfalten sollte.<br>\nAllerdings: heute wie damals sind diese Namen Teil der begriffspolitischen Auseinandersetzung und des Ringes um Deutungshoheit. Der Sprachgebrauch damals war entgegengesetzt zum heutigen: die deutschen Teilnehmer bezeichneten sich selbst als Neoliberale und wurden auch von den Medien so bezeichnet, w&auml;hrend die Gruppe um Hayek und von Mises als Anh&auml;nger eines veralteten Konzepts des Laissez-faire-Liberalismus von Alexander R&uuml;stow als &bdquo;Pal&auml;oliberale&ldquo; abgestempelt wurden.<\/p><p>Alexander R&uuml;stow wurde in den 50er Jahren als Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM) auch zu einem zentralen Akteur in Deutschland. Unter R&uuml;stows Leitung griff die ASM mittels Ver&ouml;ffentlichungen, Flugschriften und Vortragsveranstaltungen in den &ouml;ffentlichen Diskurs um die Ausgestaltung der Gesellschaftsordnung ein. Ziel war es, sowohl auf die &ouml;ffentliche Meinung einzuwirken, also auch Einfluss auf einzelne Gesetzgebungsverfahren zu nehmen. Heute w&uuml;rde man sagen: ein klassischer Think Tank.<\/p><p><strong>Dieser Think Tank ist aber in der &Ouml;ffentlichkeit als auch in der Forschung noch ziemlich unbekannt, oder?<\/strong><\/p><p>Und das obwohl im wissenschaftlichen Beirat der ASM fast alle namhaften deutschen Vertreter des Neoliberalismus versammelt waren und den halbj&auml;hrlichen Vortragsveranstaltungen w&auml;hrend der 50er Jahre gro&szlig;e mediale Aufmerksamkeit zuteil wurde.<\/p><p>Allerdings konnte die ASM nach dem Tod ihres Spiritus Rektor Alexander R&uuml;stow im Juni 1963 nicht mehr eine so starke &ouml;ffentliche Wirkung entfalten. Auch innerhalb der neoliberalen Kreise geriet die ASM ins Hintertreffen und sp&auml;ter wurden ganz neue Think Tanks gegr&uuml;ndet wie beispielsweise der Kronberger Kreis und die Stiftung Marktwirtschaft Anfang der 80er. Die ASM gibt es allerdings noch heute. Sie kann mittlerweile wieder auf einen breiten Kreis von liberal gesinnten Wirtschaftswissenschaftlern zur&uuml;ckgreifen und veranstaltet regelm&auml;&szlig;ig Tagungen oder auch Doktorandenforen.<\/p><p><strong>Wie gro&szlig; sch&auml;tzen Sie den Einfluss dieses Think Tanks ein?<\/strong><\/p><p>Einfluss ist nat&uuml;rlich immer schwierig zu messen. Die M&ouml;glichkeiten der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft in den 50er Jahren waren jedenfalls sehr gro&szlig;. An den zweimal j&auml;hrlich stattfindenden &ouml;ffentlichen Tagungen haben zwischen 300 und 600 Personen teilgenommen, darunter zahlreiche Mitglieder des Bundestages, hohe Ministeriumsvertreter und Minister, sowie eine ganze Reihe von Unternehmern und Journalisten. Au&szlig;erdem besa&szlig; Alexander R&uuml;stow gute Kontakte zu hohen Repr&auml;sentanten der Republik wie den Bundespr&auml;sidenten Theodor Heuss und Heinrich L&uuml;bke, allen voran aber nat&uuml;rlich zum Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard, der die Aktionsgemeinschaft lange als Ehrenmitglied unterst&uuml;tzt hat.<br>\nDie Strategie der Neoliberalen, wichtige Leute aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung sowie der Presse f&uuml;r die ASM zu interessieren, ist jedenfalls gegl&uuml;ckt. Davon zeugen die zahlreichen Berichte in Zeitungen und Verbandsbl&auml;ttern, aber auch die Reaktionen aus Politik und Wirtschaft.<\/p><p><strong>In Ihrer Doktorarbeit setzen Sie sich vor allem auch mit der Sprache, das hei&szlig;t mit den Begriffen auseinander, die der Think Tank gepr&auml;gt hat.<\/strong><br>\n<strong>Was ist darunter zu verstehen?<\/strong><\/p><p>Die in diesen Think Tanks aktiven Wissenschaftler waren sich der Bedeutung von Sprache im Diskurs und dem Gewicht von einzelnen Worten sehr deutlich bewusst. Sie hatten nicht nur eine klare Strategie f&uuml;r die Verbreitung ihrer Ideen, sondern entwickelten auch begriffspolitische Strategien. F&uuml;r die Begr&uuml;ndung von politischen Entscheidungen braucht es fast immer den R&uuml;ckgriff auf bestimmte erstrebenswerte Ziele, die in einzelnen Termini zum Ausdruck gebracht werden.<\/p><p><strong>Um welche Begriffe geht es?<\/strong><\/p><p>Zentrale Begriffe im liberalen Gedankengeb&auml;ude sind beispielsweise die Termini Freiheit, Selbstverantwortung, Selbsthilfe, Eigentum, Rechtsstaatlichkeit und so weiter.<\/p><p>In meinem Untersuchungszeitraum geht es aber h&auml;ufig auch um &bdquo;soziale&ldquo; Begrifflichkeiten. In den 40er und 50er Jahren waren Forderungen nach &bdquo;sozialer Gerechtigkeit&ldquo; und &bdquo;sozialer Sicherheit&ldquo; sehr pr&auml;sent. Im Kampf mit dem ideologischen Rivalen auf der Linken konnten sich die Verfechter des Neoliberalismus nicht einfach als Gegner von &bdquo;Gerechtigkeit&ldquo; verkaufen. Stattdessen musste man versuchen, wie es Hayek auf der ersten Tagung der Mont P&egrave;lerin Society erkl&auml;rte, einen Platz f&uuml;r diese Werte im liberalen Gedankengeb&auml;ude zu finden. Man hat also versucht, sich selbst als Verfechter von Gerechtigkeit zu pr&auml;sentieren &ndash; allerdings war das Verst&auml;ndnis von Gerechtigkeit nat&uuml;rlich ein anderes. So wurde nicht darum gerungen, ob eine &bdquo;gerechte&ldquo; Gesellschaft erstrebenswert sei, sondern was unter &bdquo;Gerechtigkeit&ldquo; zu verstehen ist.<\/p><p><strong>Wie sieht es aus, wenn solche Begriffe im Sinne der MPS ideologisch aufgeladen werden?<\/strong><\/p><p>Begriffe sind immer mit Bedeutung aufgeladen. Deshalb spricht man im Englischen auch eher von &bdquo;concepts&ldquo;, also eher &bdquo;Konzepten&ldquo;. Die Bedeutung eines Begriffs oder Konzepts steht nicht unverr&uuml;ckbar fest, sondern kann unterschiedlich ausgelegt, mit Bedeutung gef&uuml;llt oder umgedeutet werden. Bei diesen Begriffsk&auml;mpfen geht es folglich um die Deutungshoheit &uuml;ber den Inhalt &ndash; nicht zuletzt, weil daraus politische Forderungen abgeleitet werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Beispielsweise wird der Begriff &bdquo;Gerechtigkeit&ldquo; in einem sozialen Verst&auml;ndnis oftmals mit Forderungen nach Teilhabe und dem Abbau von Ungleichheit verbunden. Demgegen&uuml;ber wird von neoliberalen Akteuren soziale Ungleichheit nicht nur akzeptiert, sondern sogar als Voraussetzung f&uuml;r Gerechtigkeit pr&auml;sentiert. Mit dem Argument, dass es gerechter sei, die Leistung des Einzelnen zu w&uuml;rdigen, sprich, finanziell zu belohnen. So werden dann die Begriffe Gerechtigkeit und Leistung sprachlich und gedanklich verkn&uuml;pft.<\/p><p><strong>Wie bewerten Sie denn den Einfluss der Mont P&egrave;lerin Society, aber auch generell von Elitenzirkeln und Think Tanks, im Hinblick auf die Demokratie? Anders gefragt: Was bedeutet es f&uuml;r eine Demokratie, wenn sozusagen die &lsquo;Matrix&rsquo; (bzw. die Ideologie), die die Grundlage f&uuml;r das politische Denken und Handeln bildet, innerhalb hochgradig elit&auml;rer und machtelit&auml;rer Zirkel ausgearbeitet wurde, zu denen eben der Gro&szlig;teil der B&uuml;rger keinen Zugang, also auch kein Mitrederecht hat?<\/strong><br>\n<strong>Ist da nicht eine schwere Schieflage im demokratischen System zu erkennen?<\/strong><\/p><p>Das ist nat&uuml;rlich zweischneidig. Ein intellektueller oder akademischer Austausch &ndash; auch hinter verschlossenen T&uuml;ren wie bei der MPS &ndash; ist ja zun&auml;chst nicht zu beanstanden. Der freie Austausch und das Ringen um eine gute Gesellschaftsordnung m&uuml;ssen ja gerade in einer Demokratie m&ouml;glich sein.<\/p><p>Problematisch ist nat&uuml;rlich die Vorstellung, man sei im Besitz der einzig g&uuml;ltigen Sichtweise und Interpretation der Fakten; und vor allem, man m&uuml;sse diese den weniger Informierten beibringen. Die Strategie der Neoliberalen war, ganz gezielt &uuml;ber Mittelsm&auml;nner in Medien, Wirtschaft und Politik die eigenen Positionen weiter zu streuen und so die &ouml;ffentliche Meinung zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen. Dabei sahen sich die Mitglieder der MPS selbst als &bdquo;origin&auml;re Denker&ldquo; oder &bdquo;Aristokraten des Gemeinsinns&ldquo;, wie es R&ouml;pke einmal formulierte. Der Rest der Gesellschaft bestand aus Mittelsm&auml;nnern (secondhand dealers in ideas) und der gro&szlig;en &bdquo;Masse&ldquo;. Das ist ein ganz klarer Top-Down-Ansatz, der auch zu keinem Zeitpunkt einen Austausch mit &bdquo;unteren Ebenen&ldquo; vorsah oder gar eine Chance f&uuml;r eine Revision der eigenen Ansichten zulie&szlig;.<\/p><p>Zur Umsetzung dieser Strategie wurden dann Think Tanks wie die ASM gegr&uuml;ndet. Und diese bed&uuml;rfen &ndash; aller Unabh&auml;ngigkeitsbeteuerungen zum Trotz &ndash; nat&uuml;rlich auch finanzieller Unterst&uuml;tzung. Die ASM pflegte in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten enge Kontakte mit dem <em>Markenverband und der Arbeitsgemeinschaft Selbstst&auml;ndiger Unternehmer<\/em> (ASU), die sich heute &bdquo;Die Familienunternehmer&ldquo; nennt &ndash; also durchaus finanzkr&auml;ftigen Akteuren. Und auch die Tagungen der Mont P&egrave;lerin Society wurden immer mithilfe von privaten Finanziers aus dem jeweiligen Gastland bestritten. Diese Unternehmen hatten nat&uuml;rlich ein spezifisches Interesse, die Arbeit der ASM oder die MPS zu unterst&uuml;tzen. Wenn man ganz genau hinsieht, kann man auch erkennen, in welchen Bereichen dann Zugest&auml;ndnisse an die Sponsoren gemacht wurden; oft auch nur dadurch, dass zum Beispiel etwas nicht gesagt wurde.<\/p><p>Und das ist auch heute noch, glaube ich, das Hauptproblem. Es gibt heute ja unz&auml;hlige Stiftungen, Think Tanks und andere Gebilde, die mit Veranstaltungen und Ver&ouml;ffentlichungen in den gesellschaftlichen Diskurs eingreifen und versuchen, diesem eine bestimmte Richtung zu geben. F&uuml;r die Demokratie sehr problematisch ist, dass man sich mit entsprechenden Finanzmitteln mediale Aufmerksamkeit, Werbefl&auml;chen und ja auch wissenschaftliche Unterst&uuml;tzung einkaufen kann, w&auml;hrend die eigentliche Agenda hinter solchen Aktivit&auml;ten im Unklaren belassen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171129_kaethner.jpg\" alt=\"Arne K&auml;thner\" title=\"Arne K&auml;thner\"\/><\/div>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/ekvv.uni-bielefeld.de\/pers_publ\/publ\/PersonDetail.jsp?personId=52373804\">Arne K&auml;thner<\/a><\/strong> ist Doktorand an der Universit&auml;t Bielefeld und forscht zu einer Gruppe, die selten in der &Ouml;ffentlichkeit Erw&auml;hnung findet: Die Mont P&egrave;lerin Society (MPS). In der ZDF-Satire-Sendung &bdquo;Die Anstalt&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40964\">vom 7. November<\/a> haben sich die Kabarettisten dieses neoliberalen Elitezirkels<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41330\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,209,129,205,11],"tags":[1998,442,374,441,2225,1950,2026,690,2224,2223,382,687,924],"class_list":["post-41330","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-interviews","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-strategien-der-meinungsmache","tag-anstalt","tag-eigenverantwortung","tag-eliten","tag-freiheit","tag-leistungsgerechtigkeit","tag-marktwirtschaft","tag-mont-pelerin-society","tag-neusprech","tag-ordoliberalismus","tag-ruestow-alexander","tag-think-tanks","tag-ungleichheit","tag-von-hayek-friedrich-august"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41330","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41330"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41330\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":89400,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41330\/revisions\/89400"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41330"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41330"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41330"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}