{"id":41366,"date":"2017-12-01T13:11:25","date_gmt":"2017-12-01T12:11:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41366"},"modified":"2017-12-13T15:32:59","modified_gmt":"2017-12-13T14:32:59","slug":"der-bitcoin-hype-und-die-verantwortung-der-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41366","title":{"rendered":"Der Bitcoin-Hype und die Verantwortung der Medien"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170719-bargeld-01.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>H&auml;tte es 1637 bereits unsere heutigen Medien gegeben, h&auml;tte die WELT ihren Lesern sicher den Kauf von Tulpenzwiebeln empfohlen, die BILD ihren Lesern erkl&auml;rt, wo man diese kaufen kann und auf focus.de h&auml;tte ein &bdquo;Tulpen-Experte&ldquo; ausf&uuml;hren d&uuml;rfen, warum es vollkommen gerechtfertigt ist, dass Tulpenzwiebeln zum Preis mehrerer Luxush&auml;user gehandelt werden. Wenige Tage sp&auml;ter platzte damals die Blase, die niederl&auml;ndische <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tulpenmanie\">Tulpenmanie<\/a> war vorbei und eine Tulpe kostete wieder so viel wie eine Tulpe. Die Tulpenmanie der Gegenwart ist der Bitcoin-Hype. Es ist keine Frage ob, sondern nur wann die Blase platzt; eine Blase wohlgemerkt, die ohne die stetige Befeuerung durch bestimmte Medien nie entstanden w&auml;re. Doch selbst heute treiben viele deutsche &bdquo;Qualit&auml;tsmedien&ldquo; ihre Leser noch in die Spekulation mit sogenannten &bdquo;Kryptow&auml;hrungen&ldquo;. Das ist verantwortungslos und sch&auml;big. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9686\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-41366-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171204_Der_Bitcoin_Hype_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171204_Der_Bitcoin_Hype_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171204_Der_Bitcoin_Hype_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171204_Der_Bitcoin_Hype_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=41366-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171204_Der_Bitcoin_Hype_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"171204_Der_Bitcoin_Hype_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171201-Bitcoin-01.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171201-Bitcoin-01-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p><strong>Sind Bitcoins Geld? Nein. Sind Bitcoins eine W&auml;hrung? Nein. Sind Bitcoins ein Zahlungsmittel?<\/strong> In der Theorie schon, jedoch nicht in der Praxis. <strong>Und was sind Bitcoins dann?<\/strong> Ein extrem volatiles Spekulationsobjekt, dem &ndash; anders als bei den holl&auml;ndischen Tulpen &ndash; noch nicht einmal ein realer Wert entgegensteht. Eine Tulpe sieht im Vorgarten oder in der Vase zumindest nett aus, ein Bitcoin ist nur eine sinnlose Aneinanderreihung von digitalen Bits und Bytes, eine Recheneinheit ohne praktischen Nutzwert. Viel interessanter ist, dass viele &bdquo;Fans&ldquo; dieser &bdquo;Kryptow&auml;hrungen&ldquo; da ganz anderer Meinung sind und eine recht esoterisch anmutende Geschichte rund um diese Recheneinheiten entworfen haben, die sich interessanterweise in vielen Punkten mit der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10361\">Gold-Hysterie vor einigen Jahren<\/a> deckt und auch oft von den gleichen Akteuren in den gleichen Medien angeheizt wird. Da viele Leser &ndash; zum Gl&uuml;ck  &ndash; keine Ber&uuml;hrungspunkte mit dem Thema haben, beginnen wir mit einer kleinen Einf&uuml;hrung.<\/p><p>Dass alternative digitale Zahlungsmittel durchaus sinnvoll sein k&ouml;nnten, zeigt <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39234\">der Blick<\/a> auf die aktuellen digitalen Zahlungsmittel wie Kreditkarten oder Online-Bezahldienste. Diese Dienste werden von einigen wenigen gro&szlig;en Akteuren des Finanzsystems kontrolliert und erheben in der Regel recht hohe Geb&uuml;hren, die von den H&auml;ndlern in die Verkaufspreise eingerechnet und vom Kunden so mitbezahlt werden. So fallen bei Kreditkartenzahlungen zwischen 0,8% und 5,0% an Geb&uuml;hren an. Bei Onlinediensten wie PayPal sind sogar Geb&uuml;hren bis 10% m&ouml;glich. Interessant ist jedoch, dass &bdquo;Kryptow&auml;hrungen&ldquo; gerade in diesem Punkt keine Alternative darstellen. Bei Bitcoin liegt die Transaktionsgeb&uuml;hr aktuell bei rund 20 Dollar und eine Transaktion dauert mindestens 10 Minuten. Beides ist technisch bedingt. Um eine Transaktion in der sogenannten &bdquo;Blockchain&ldquo;, der transparenten Riesen-Datenbank, in der alle Bitcoin-Transaktionen, die jemals get&auml;tigt wurden, abgespeichert sind, festzuhalten, ist einiges an Rechenleistung n&ouml;tig. F&uuml;r die Abwicklung einer einzelnen Transaktion sind alleine <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/technology\/2017\/nov\/27\/bitcoin-mining-consumes-electricity-ireland\">rund 300 KWh elektrischen Stroms<\/a> n&ouml;tig &ndash; so viel wie ein deutscher Drei-Personen-Haushalt im Schnitt pro Monat(!) verbraucht. So gesehen sind die Transkationen sogar noch g&uuml;nstig und liegen auch nur deshalb bei rund 20 Dollar, weil die Serverfarmen meist im l&auml;ndlichen Raum Chinas stehen, wo der Strom sehr g&uuml;nstig ist. Oder um es anders zu formulieren: Bei der Bezahlung mit Visa kassiert ein amerikanischer Finanzdienstleister ein paar Cent, bei der Bezahlung mit Bitcoins kassiert am Ende ein chinesisches Kohlekraftwerk einige Dollar und die CO2-Bilanz wird gleich mit verdorben. Und das soll eine sinnvolle Alternative sein?<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171201-Bitcoin-02.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171201-Bitcoin-02-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Das gesamte Bitcoin-System <a href=\"https:\/\/digiconomist.net\/bitcoin-energy-consumption\">hat einen Stromverbrauch<\/a> von 30,6 Terawattstunden pro Jahr &ndash; das liegt oberhalb vom Gesamtverbrauch von Staaten wie Irland, Nigeria und Marokko. Sie werden jetzt sicher denken: &bdquo;Das ist doch irre!&ldquo; Und damit haben Sie auch vollkommen Recht. &bdquo;Kryptow&auml;hrungen&ldquo; &aacute; la Bitcoin sind kein sinnvolles alternatives Zahlungsmittel, sondern der komplette Irrsinn. Daher wundert es auch nicht, dass die durchschnittliche Transaktionsgr&ouml;&szlig;e bei mehr als 13 Bitcoins liegt &ndash; das sind bei aktuellem Kurs rund 130.000 US$. Damit kauft sich niemand seinen Burger oder seinen Kaffee im Restaurant um die Ecke und dies sind auch keine Spenden f&uuml;r Wikileaks, sondern wir haben es hier mit Spekulation in sehr gro&szlig;em Stile zu tun.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171201-Bitcoin-03.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171201-Bitcoin-03-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p><strong>Wer braucht Bitcoins, wenn sie denn als normales Zahlungsmittel nicht taugen?<\/strong> Was anfangs eher als technische Machbarkeitsstudie von einigen Nerds in Japan und den USA begann, fand recht schnell Gefallen in einem ganz anderen Sektor: Dem Onlinehandel mit illegalen G&uuml;tern und Dienstleistungen. Auch wenn die &bdquo;Blockchain&ldquo; komplett transparent ist, so ist es f&uuml;r die Beh&ouml;rden (egal ob es sich um Strafverfolgung, Steuerbeh&ouml;rden oder Au&szlig;enhandels- und Devisenkontrolle handelt) nicht einfach, herauszufinden, wer hinter den Transaktionen steckt. Daher eignen sich &bdquo;Kryptow&auml;hrungen&ldquo; auch recht gut f&uuml;r den Handel mit Waffen, Kinderpornographie, illegalen Drogen oder Dienstleistungen wie Auftragsmord oder Menschenhandel. Dieser Sektor war es dann auch, der aus dem Nerd-Hobby Bitcoin ein international gehandeltes Gut machte. Wer beispielsweise Heroin &uuml;ber eine Plattform im Darknet anbietet und es per Post an den K&auml;ufer verschickt, kann sich den Kaufpreis nat&uuml;rlich nicht per Bank&uuml;berweisung oder PayPal bezahlen lassen. F&uuml;r solche Zwecke sind Bitcoins wie gemacht. So entstand die erste gr&ouml;&szlig;ere Nachfrage nach Bitcoins au&szlig;erhalb der Nerd-Szene.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171201-Bitcoin-04.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171201-Bitcoin-04-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Etwas sp&auml;ter kam dann die Umgehung von Kapitalverkehrskontrollen als zweites Standbein hinzu. Zeitweise wurden mehr als 95% aller Bitcoin-Transaktionen in China get&auml;tigt und das hat seinen Grund. Korruption sowie s&auml;mtliche Formen von Finanzkriminalit&auml;t werden in China sehr hart bestraft und hinzu kommt, dass der Umtausch der chinesischen W&auml;hrung Renminbi in frei konvertierbare W&auml;hrungen streng reguliert ist. Wer also einige Tausend Yuan Schwarzgeld hat, hat also nicht nur ein echtes Problem, dieses Geld in den legalen Kreislauf zu bringen, sondern ein noch gr&ouml;&szlig;eres Problem, dieses Geld ins Ausland zu bekommen. Auch daf&uuml;r sind &bdquo;Kryptow&auml;hrungen&ldquo; nat&uuml;rlich eine ideale L&ouml;sung. Man gibt seine Yuan &uuml;ber Mittelm&auml;nner den Betreibern von <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2017\/09\/13\/business\/bitcoin-mine-china.html\">Serverfarmen<\/a>, die mit einem gigantischen Energieaufwand &bdquo;frische&ldquo; Bitcoins &bdquo;sch&ouml;pfen&ldquo;, die der Auftraggeber dann im Ausland in jede beliebige W&auml;hrung eintauschen kann. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis die chinesische Regierung massiv gegen diese Serverfarmen vorgeht. Die &bdquo;Bitcoinb&ouml;rsen&ldquo; des Landes wurden bereits <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/maerkte\/devisen-rohstoffe\/staats-verbot-verpufft-chinas-bitcoin-boersen-weichen-ins-ausland-aus\/20546884.html\">verboten<\/a>.<\/p><p>Von dieser &bdquo;dunklen Seite&ldquo; des Bitcoin liest und h&ouml;rt man in Deutschland jedoch nur sehr wenig. Stattdessen wird mit viel Bohei und noch mehr Esoterik aus dem Bitcoin ein &bdquo;besseres Geld&ldquo; gemacht. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik, da Bitcoin und Co. keine einzige Geldfunktion erf&uuml;llen. Sie taugen (s.o.) als Zahlungsmittel nichts und sind zudem von keinem Akteur[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] als &bdquo;gesetzliches Zahlungsmittel&ldquo; anerkannt. Von einer Wertaufbewahrungsfunktion kann auch nicht wirklich die Rede sein. Schon morgen kann der Wert bei Null liegen, es gibt keine wie auch immer geartete Wertsicherung im System der &bdquo;Kryptow&auml;hrungen&ldquo;. Und von einer Wertmessfunktion kann bei derlei volatilen Recheneinheiten schon gar keine Rede sein. Bekam man vor zehn Jahren zwei Laib Brot f&uuml;r einen Bitcoin, so waren es vor einem Jahr zweihundert Laib und heute  sind es gut f&uuml;nftausend Laib Brot. Solche rasanten &bdquo;Wertentwicklungen&ldquo; kennt man sonst &ndash; wenn auch umgekehrt &ndash; nur aus Zeiten der Hyperinflation. Bitcoin und Co. als besseres Geld zu bezeichnen, ist daher einfach nur gaga.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171201-Bitcoin-05.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171201-Bitcoin-05-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Warum steigt der Kurs dann derart rasant? Ein besonderes Feature von Bitcoin ist, dass die Menge nur mit einem exponentiell steigenden Rechen- und damit auch Energieaufwand gesteigert werden kann und systembedingt irgendwann einmal Schluss ist. Es gibt zur Zeit nur rund 16,7 Millionen Bitcoins und wie bei allen Spekulationsobjekten bildet sich der Preis ganz simpel nach Angebot und Nachfrage. Wenn die Nachfrage das Angebot &uuml;bersteigt, geht der Preis nun mal nach oben; erst Recht, wenn der Markt so klein ist wie der Markt f&uuml;r &bdquo;Kryptow&auml;hrungen&ldquo;. Und hier kommt vor allem der Hype ins Spiel, um den rasanten Kursanstieg der letzten Monate zu verstehen.<\/p><p>S&auml;mtliche Schneeballsysteme an den B&ouml;rsen funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Zuerst verschachern Insider untereinander die Papiere (bei Bitcoin besser &bdquo;Recheneinheiten&ldquo;), erzeugen dabei Transaktionsvolumina und treiben den Preis in die H&ouml;he. Dann wird die PR-Trommel ger&uuml;hrt, willf&auml;hrige Finanzjournalisten in halbseidenen Medien &aacute; la Focus Money und unz&auml;hlige Spekulanten in Internetforen geben esoterische Weisheiten von sich und setzen absurd hohe Kursziele, die dann auch erreicht werden, wenn Otto Normalverbraucher so dumm ist und in den Markt einsteigt. Nur von wem kauft Otto Normalverbraucher? Von den Insidern, den Profis und ihren Handlangern. Und wenn die ihren wertlosen Plunder zu Phantasiepreisen verkauft haben, sind nur noch die Ottos im Markt und kurze Zeit sp&auml;ter, wenn die ersten Ottos verkaufen wollen, implodiert der Markt, da es keine neuen K&auml;ufer mehr gibt. Wann dieser Zeitpunkt beim Bitcoin erreicht ist, ist jedoch eine offene Frage. Noch scheinen immer mehr Ottos in die Spekulation getrieben zu werden und die kommen sicher zu einem Gro&szlig;teil auch aus Deutschland. &bdquo;Stupid German Money&ldquo; ist nicht nur an der Wall Street bereits ein stehender Begriff.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171201-Bitcoin-06.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171201-Bitcoin-06-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Hierzulande gibt es kaum ein Nachrichtenportal, das in dieser Woche nicht den Hype um die Bitcoins, die nun erstmalig die 10.000-US$-Marke gerissen haben, mitgemacht hat. Auf Focus.de durfte der &bdquo;Experte&ldquo; Thorsten Polleit <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/experten\/polleit\/geld-der-zukunft-kann-bitcoin-zu-einer-waehrung-werden-die-geldtheorie-sagt-ja_id_7752351.html\">erkl&auml;ren<\/a>, dass Bitcoins &bdquo;laut Geldtheorie&ldquo; zu einer echten W&auml;hrung werden k&ouml;nnen. Polleit ist freilich in &bdquo;der Szene&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20407\">kein Unbekannter<\/a>. Der selbsternannte &bdquo;Chef&ouml;konom&ldquo; eines Goldhandelshauses hat jedoch von Geldtheorie ungef&auml;hr so viel Ahnung wie mein Hund von der Hermeneutik. Vollends vom Glauben f&auml;llt man auch ab, wenn man sich den &bdquo;Gastartikel&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/experten\/kryptowaehrung-bitcoins-sind-das-bessere-geld_id_7849896.html\">von einem gewissen Aaron Koenig<\/a> zum Thema auf focus.de einmal durchliest. Das ist immerhin eine Steigerung, war Koeing doch fr&uuml;her noch Autor des rechtsradikalen PI-Blogs. Nun ist er laut Autoreninfo &bdquo;in der Bitcoin-Wirtschaft engagiert&ldquo;, also ein Insider. Warum eine derart skurrile Person auf Focus.de Leser in Finanzprodukte treiben darf, von denen er anscheinend selbst profitiert, bleibt derweil im Raum stehen. 1637 h&auml;tten sicher Tulpenberater bei Focus.de schreiben d&uuml;rfen.<\/p><p>Kaum besser berichtet erwartungsgem&auml;&szlig; die WELT &uuml;ber das Thema. Dazu muss man wissen, dass die WELT neben dem Focus bzw. Focus Money die mit Abstand schlechteste Finanzredaktion in der deutschen Presselandschaft hat. Eine &Uuml;bersicht der <a href=\"https:\/\/www.google.com\/search?q=welt.de+papiergeld+bitcoin&amp;safe=off&amp;client=safari&amp;rls=en&amp;biw=1920&amp;bih=996&amp;ei=9zchWvzeFsaBUZ2fuLgM&amp;start=0&amp;sa=N\">Meldungen zum Thema<\/a> zeigt ferner, dass die WELT-&bdquo;Experten&ldquo; es vor allem auf die Klientel abgesehen haben, die schon beim Thema &bdquo;Gold&ldquo; in spekulative Anlagen getrieben wurde. Das Motto ist immer das gleiche. &bdquo;Das Papiergeldsystem droht zu implodieren&ldquo;. &bdquo;Retten sie ihr Verm&ouml;gen&ldquo;. &bdquo;Bald wird Bank A, B, C oder Fonds X, Y, Z ins Bitcoin-Gesch&auml;ft einsteigen, Amazon, Ebay oder sonstwer Bitcoins akzeptieren und dann wird der Kurs erst richtig durch die Decke gehen&ldquo;. Das ist (s.o.) die Stufe PR. Stellt sich die Frage, ob die &bdquo;Experten&ldquo; selbst schon an Otto Normalverbraucher verkauft haben oder noch nicht.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171201-Bitcoin-07.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171201-Bitcoin-07-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Die Legende will es, dass Joseph Kennedy noch rechtzeitig vor dem Schwarzen Freitag seine Aktien abstie&szlig;, als er Aktientipps von seinem Schuhputzer erhielt. &bdquo;Wenn schon Schuhputzer Aktientipps geben, so ist es wohl Zeit, Aktien zu verkaufen&ldquo;, so lautet seitdem ein gefl&uuml;geltes Wort in der Finanzbranche. Die Schuhputzer von heute sind wohl die Redakteure der BILD. Nachdem BILD vorgestern <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/geld\/wirtschaft\/wirtschaft\/so-funktionieren-bitcoins-54008170.bild.html\">seine Leser gro&szlig;<\/a> ins Thema einf&uuml;hrte und erkl&auml;rte, wie und wo man diese Bitcoins bekommt, d&uuml;rfte der Hype wohl seinen H&ouml;hepunkt erreicht haben. Lehnen wir uns zur&uuml;ck und warten ab. Und es komme bitte niemand, der da sagt, dass Focus, Welt, Bild und Co. eine wie auch immer geartete Verantwortung f&uuml;r ihre Leser wahrnehmen w&uuml;rden. Denn das ist Unsinn. Wer sogar meint, eine <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/kryptowaehrung-bitcoin-springt-erstmals-ueber-10-000-dollar-grenze_id_7906263.html\">&bdquo;Eilmeldung&ldquo;<\/a> herausgeben zu m&uuml;ssen, wenn ein komplett synthetisches und ma&szlig;los &uuml;berbewertetes Spekulationspapier eine bestimmte Wertschwelle &uuml;berstiegen hat, der handelt nicht nur verantwortungslos, sondern sch&auml;big.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Japan hat den Bitcoin als &bdquo;Zahlungsmittel&ldquo; eingestuft. Aber auch nur, um Desaster wie den &bdquo;Cyber&uuml;berfall&ldquo; auf die Tokyoter Bitcoinb&ouml;rse <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Mt._Gox\">Mt. Gox<\/a> zu verhindern, bei dem Hacker 2014 nach heutigen Kurs 8,5 Milliarden US$(!) erbeutet haben. Durch die Einstufung als Zahlungsmittel m&uuml;ssen Handelsplattformen sch&auml;rfere Auflagen erf&uuml;llen und andere Sicherheitsstandards einhalten. <\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/879a4f6a82fc4469b12824eb9f43fb3b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/170719-bargeld-01.png\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>H&auml;tte es 1637 bereits unsere heutigen Medien gegeben, h&auml;tte die WELT ihren Lesern sicher den Kauf von Tulpenzwiebeln empfohlen, die BILD ihren Lesern erkl&auml;rt, wo man diese kaufen kann und auf focus.de h&auml;tte ein &bdquo;Tulpen-Experte&ldquo; ausf&uuml;hren d&uuml;rfen, warum es vollkommen gerechtfertigt ist, dass Tulpenzwiebeln<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41366\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,136,134,123,183],"tags":[459,379,2122,840,1032,1760,2231,1779,780,328],"class_list":["post-41366","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-banken-boerse-spekulation","category-finanzen-und-waehrung","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","tag-bild","tag-china","tag-cryptowaehrungen","tag-focus","tag-gold","tag-kriminalitaet","tag-onlinehandel","tag-pr-journalismus","tag-schneeballsystem","tag-welt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41366","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41366"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41366\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":41566,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41366\/revisions\/41566"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41366"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41366"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}