{"id":41374,"date":"2017-12-03T11:00:05","date_gmt":"2017-12-03T10:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41374"},"modified":"2018-12-30T16:10:26","modified_gmt":"2018-12-30T15:10:26","slug":"zara-der-heimliche-klassenkampf-im-jackenfutter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41374","title":{"rendered":"ZARA \u2013 Der heimliche Klassenkampf im Jackenfutter"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171203-ZARA-01_.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Kunden der Modemarke Zara in Istanbul zogen in den vergangenen Wochen ungew&ouml;hnliche Etiketten aus ihren Einkaufstaschen. Ihr Text lautete: &bdquo;Ich habe dieses Kleidungsst&uuml;ck, das Sie kaufen, hergestellt, wurde aber nicht daf&uuml;r bezahlt&rdquo;. Die Nachricht sorgte f&uuml;r Schlagzeilen rund um die Welt, von <em>Associated Press<\/em> (Unpaid Turkish Garment Workers Tag Zara Items to Seek Help &ndash; 03.11.2017), &uuml;ber <em>Bento-Spiegel Online<\/em> (In Zara-Klamotten sind Hilferufe von N&auml;hern versteckt &ndash; 07.11.2017) bis hin zu lateinamerikanischen Medien (Compran ropa en Zara&hellip; con etiquetas de protesta &ndash; <em>El Universal<\/em>, Mexiko, 05\/11\/2017). Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEs ist nicht das erste Mal, dass die Modemarke f&uuml;r negative &Uuml;berschriften sorgt. Von Bangladesch &uuml;ber S&uuml;dafrika bis Brasilien und Chile steht der Zara-Mutterkonzern Inditex seit mindestens sechs Jahren wegen stets wiederholter arbeits- und umweltrechtlicher Vergehen weltweit unter Beschuss.<\/p><p>Der Schmuggel der Protest-Etiketten in die Kleidungsst&uuml;cke ist zugleich genial und Ausdruck von Verzweiflung. Zum einen entpuppt er sich als subversive Lachnummer der Underdogs in den globalen Luxusl&auml;den, zum anderen verweist er auf die von Konzernen skrupellos ausgenutzte Rechtlosigkeit der Arbeiter und die Ohnmacht von Gewerkschaften in den Billiglohn-Enklaven der internationalen Bekleidungsindustrie.<\/p><p>Vor der Aktion mit den Etiketten hatten 140 Betroffene ihre aussichtslose Lage in einer&nbsp;<a href=\"http:\/\/dignitex.org\/zara-mango-next-punto-mira-dejar-sin-salarios-140-personas-trabajadoras-turquia\">Online-Petition<\/a> beschrieben und in den sozialen Netzwerken zur Unterst&uuml;tzung einer Kampagne von N&auml;herinnen und N&auml;hern des t&uuml;rkischen Auftragsunternehmens Bravo Tekstil aufgefordert. Bravo wirkte in der T&uuml;rkei als Vermittlungs-Agentur von Teilzeitarbeiterinnen und -arbeitern an die Weltmarken Zara, Mango und Next, doch ihre Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer machten sich Mitte 2016 mit unbekanntem Aufenthalt davon und prellten die N&auml;herinnen und N&auml;her von Zara-Klamotten um mehrere Monatsgeh&auml;lter, womit die Verantwortung der spanischen Modemarke zufiel.<\/p><p>Zara konterte, der Konzern habe &bdquo;alle vertraglichen Verpflichtungen&ldquo; gegen&uuml;ber Bravo erf&uuml;llt und willigte erst unter massivem Druck des internationalen Gewerkschafts-Dachverbandes IndustrieALL ein, mit Mango und Next einen &bdquo;H&auml;rtefonds&ldquo; einzurichten, der die betrogenen Arbeiterinnen und Arbeiter entsch&auml;digen soll. Das erkl&auml;rte Zara, nachdem es die Klagen der Betroffenen ein ganzes Jahr hatte schmoren lassen.<\/p><p>Dem au&szlig;enstehenden Publikum erscheint es als unfassbar, dass Amancio Ortega &ndash; gr&ouml;&szlig;ter Modeh&auml;ndler der Welt, Europas reichster Mann mit einem Privatverm&ouml;gen von mindestens 72,7 Milliarden Euro und Zara-Eigent&uuml;mer &ndash; es fertig bringt, t&uuml;rkische Arbeiter zu lumpigen Monatsgeh&auml;ltern von h&ouml;chstens 1.647 T&uuml;rkischer Lire (umgerechnet 380 Euro) zu n&ouml;tigen, w&auml;hrend im gleichen Zeitraum der Marktwert seines Inditex-Konzerns an den internationalen B&ouml;rsen die schwindelerregende Summe von 97 Milliarden Euro erreichte.<\/p><p><strong>Der Aufstieg des &bdquo;armen Amancio&ldquo; zum Archetypen des Geldschacherers<\/strong><\/p><p>Im nordwest-spanischen St&auml;dtchen Arteixo, mit seinen knapp 30.000 Einwohnern, wird &uuml;ber das Wohlergehen einer hunderttausendfachen Armee von Zara-Angestellten auf 5 Kontinenten entschieden. Hier, unweit von A Coru&ntilde;a, der Provinzhauptstadt Galiciens, dirigiert der Verwaltungssitz des Mutterkonzerns Inditex die Geschicke von nahezu 200.000 Arbeiterinnen und Arbeitern in den Hinterh&ouml;fen der armen Welt und der Bedienung von 7.405 Zara-L&auml;den auf den Luxusmeilen der Konsumgesellschaft.<\/p><p>Der Konzern geh&ouml;rt dem aus dem kastilischen L&eacute;on zugewanderten Amancio Ortega, dem als reichsten Mann Europas auch der Mythos vom &bdquo;Aufstieg des armen Jungen&ldquo; zum wiederholten Rang-Ersten auf der j&auml;hrlichen Forbes-Liste der Superreichen angedichtet wird.<\/p><p>Der heute 81-j&auml;hrige Sohn eines Eisenbahnarbeiters wurde 1936 kurz vor Beginn des spanischen B&uuml;rgerkrieges geboren und wuchs in &auml;rmlichen Verh&auml;ltnissen auf &ndash; so arm, dass das Familieneinkommen nie bis zum Monatsende reichte und nach Darstellung von Ortegas Biografin Covadonga O&rsquo;Shea zu peinlichen Zwischenf&auml;llen, wie der Verweigerung einer Kreditverl&auml;ngerung f&uuml;r seine Mutter im benachbarten Kr&auml;merladen, f&uuml;hrte, was ihn angeblich als Kleinkind zeichnete und heute noch besch&auml;me.<\/p><p>Der &Uuml;berlieferung zufolge versprach sich der junge Ortega, seine eigene Familie solle nie mehr unter Armut leiden, er verlie&szlig; konsequenterweise die Schule und erhielt eine Bedienungsstelle in einem Hemdladen. Von Textilladen zu Textilladen will der vielfache Milliard&auml;r seine Erfahrungen als Verk&auml;ufer gesammelt haben, bis er es Anfang der 1960-er Jahre wagte, mit Familienmitgliedern und seiner zuk&uuml;nftigen Frau Rosalia Mera eine eigene, bescheidene Textilfabrik zu gr&uuml;nden.<\/p><p>Hinter der Marke <em>Zara<\/em> verbirgt sich jedoch kaum ein magischer Geheimcode f&uuml;r den Gesch&auml;ftserfolg, eher jedoch eine plumpe Ab&auml;nderung des urspr&uuml;nglichen Firmennamens &bdquo;Zorba&ldquo;, zu dem Ortega nach einem Kinobesuch in dem Filmklassiker inspiriert wurde, jedoch wegen einem gleichnamigen Schuhladen in der Umgebung zugunsten von &bdquo;Zara&ldquo; verworfen wurde.<\/p><p>Den ersten Zara-Laden weihte Ortega 1975 in A Coru&ntilde;a ein, dem erst zehn Jahre sp&auml;ter die Gr&uuml;ndung der Inditex-Gruppe folgte. Den ersten internationalen Zara-Store au&szlig;erhalb Spaniens er&ouml;ffnete Inditex 1988 in der portugiesischen Stadt Oporto und startete dann den Aufbau der Zara-Handelskette mit zwei weiteren L&auml;den in den USA (1989) und Frankreich (1990). Dem folgte in den 1990-er Jahren eine sorgf&auml;ltige Expansionsstrategie, die sich nicht von geografischen Kriterien ablenken lie&szlig;, sondern von pr&auml;ziser Marktbeobachtung durch Fernbeauftragte gesteuert war. Der aufkeimende Konzern expandierte nicht geografisch, sondern von der preiswerten Damen- und Herrenbekleidung vor allem zu Accessoire- und Schuh-Angeboten. <\/p><p>Mitte der 1990-er Jahre kam Zara nach Mexiko, erweiterte sprunghaft in Richtung Griechenland, Belgien und Schweden, denen Venezuela (1998), Russland, Malaysia und Irland folgten. Ab 2003 kamen China, Marokko, Estland, Ungarn und Rum&auml;nien an die Reihe, ein Jahr sp&auml;ter die Philippinen, Costa Rica und Indonesien. Von S&uuml;dkorea (2008) und Indien (2010) sprang die Marke 2011 nach S&uuml;dafrika und Australien und wagte sich nach tausendfachen Ladener&ouml;ffnungen rund um den Globus in als &auml;rmlich geltende, links- und rechtsregierte Republiken wie Nicaragua und Paraguay.<\/p><p>Den R&uuml;cken gest&auml;rkt durch die immense Kapital-Akkumulation im Textilgesch&auml;ft legte Ortega mit Immobilien-Spekulationen, Autohandel und Finanzen zu, die dem Privatverm&ouml;gen mit Banco Pastor und Investmentfonds weitere Milliarden zuschanzten. Das lukrative Immobiliengesch&auml;ft begann in den Hauptgesch&auml;ftsstra&szlig;en Madrids &ndash; Paseo de la Castellana, Serrano, Recoletos, Ortega y Gasset &ndash; und Barcelonas und weitete sich im vergangenen Jahrzehnt unter Aufsicht von Ortegas &bdquo;Pontegadea&ldquo;-Gesellschaft auf Paris, Berlin, Rom, Lissabon und London aus.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171203-ZARA-02_.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p><strong>Zara Deutschland<\/strong><\/p><p>Das Zara-Gesch&auml;ft in Deutschland begann im Oktober 1999 mit der Er&ouml;ffnung der ersten Laden-Filiale in K&ouml;ln, der bis 2014 &uuml;ber 64 sogenannte Station&auml;rgesch&auml;fte in 45 deutschen St&auml;dten folgten. Medienberichten zufolge soll Zara bereits 2006 mit einem damaligen Umsatz von 6,74 Milliarden Euro&nbsp;die schwedische Konkurrenzgruppe Hennes &amp; Mauritz als umsatzst&auml;rkstes Bekleidungsunternehmen auf dem deutschen Markt abgel&ouml;st haben.<\/p><p>Zun&auml;chst operierte das Unternehmen als 50\/50-Joint-Venture von Inditex mit der deutschen Otto-Gruppe, die sich schrittweise und 2010 endg&uuml;ltig von ihrem verbliebenen 22-Prozent-Anteil l&ouml;ste und an Ortega verkaufte. In Deutschland geriet Zara 2014 in die Schlagzeilen, als die Ladenkette ein schwarz-wei&szlig;-gestreiftes Kindershirt mit einem gelben Stern in ihren Schaufenstern ausstellte, das sofort Assoziationen an die H&auml;ftlingskleidung von KZ-Insassen weckte und nach Protesten als Massenware von Zara zerst&ouml;rt wurde. <\/p><p>Zufall oder provozierter Zwischenfall? Offenbar scheinen Weltkonzerne einen besonderen Reiz daran zu finden, das Erinnerungsverm&ouml;gen der Kundschaft mit Produkten zu testen, die die Ethik herausfordern, verletzen und die Medien auf den Plan rufen. So j&uuml;ngst geschehen mit einem Amazon-T-Shirt, das f&uuml;r die Gefangenen-&bdquo;Entsorgung&rdquo; aus Hubschraubern der Pinochet-Diktatur &uuml;ber dem offenen Meer warb. Unter lautem Protest zog Amazon das T-Shirt ein, scheute jedoch keine neue Provokation mit dem <a href=\"https:\/\/www.amazon.com\/Answer-1917-Augusto-Pinochet-T-Shirt\/dp\/B071X2YWL4\">Augusto-Pinochet-T-Shirt<\/a>, das den 100. Geburtstag der Russischen Revolution mit dem Staatsterror Augusto Pinochets konterkarieren soll.<\/p><p><strong>Pablo Isla, der Konzern-Reinwascher<\/strong><\/p><p>Im Jahr 2011 trat Amancio Ortega aus Altersgr&uuml;nden von seinem Posten als weltweiter Inditex-Chef zur&uuml;ck und &uuml;berlie&szlig; die Konzernleitung seinem langj&auml;hrigen Berater Pablo Isla. <\/p><p>Unter massivem Druck internationaler Umweltverb&auml;nde, allen voran Greenpeace, leitete der Bankier Isla die &Auml;ra der sogenannten &bdquo;Umweltvertr&auml;glichkeit&ldquo; des Unternehmens ein. &Uuml;ber Jahre hinweg hatte sich der Konzern der Freisetzung gef&auml;hrlicher Chemikalien in der Produktion &ndash; zum Beispiel bei der Stoff-F&auml;rbung &ndash; und der gesundheitssch&auml;digenden Verseuchung von Zara-Erzeugnissen schuldig gemacht. Mit einem Memorandum (Zara Commits to Detox after Greenpeace Dressing down &ndash; <em>Businessgreeen<\/em>, 30.11.2012) verpflichtete Isla Inditex dazu, bis 2020 s&auml;mtliche toxischen Wirkstoffe und Mischpr&auml;parate aus der Produktion und dem Verkauf zu verbannen. Ferner verb&uuml;rgte sich Isla f&uuml;r die Einf&uuml;hrung eines umwelteffizienten Speichermodells, das bis 2020 die Emissionen um 30 Prozent und den Wasserverbrauch um 50 Prozent reduzieren soll.<\/p><p>Edle Absichten, doch der &bdquo;sozialvertr&auml;gliche&ldquo; Umbau des Zara-Imperiums bleibt weiter auf der Strecke.<\/p><p><strong>Billige Kulis in Bangladesch, Sklavenarbeit in Brasilien&hellip;<\/strong><\/p><p>Zaras mittlerweile gel&uuml;ftetes Marktgeheimnis ist die F&auml;higkeit, schnell preiswerte Modeartikel zu produzieren, zu recyclen und neu zu gestalten, was angesichts des Versorgungsimperativs seiner mehr als 7.400 L&auml;den den Zugriff auf ein immenses Heer von &ouml;rtlich verf&uuml;gbaren Teilzeit-Arbeitskr&auml;ften erforderlich macht.<\/p><p>Die Zahlen der weltweiten Inditex-Besch&auml;ftigten schwankten in den vergangenen Jahren zwischen 162.450 (<em>El Diario<\/em>, 28.12.2012) und 137.000 (<em>Vox Populi<\/em>, 08.04.2015) Arbeiterinnen und Arbeitern, doch 50 Prozent der globalen Belegschaft war Ende 2013 bereits entlassen. Daher hatten nur 70.000 Angestellte Anspruch auf die Zuschlagspr&auml;mie, die Inditex bei Gewinnzuwachs verspricht, berichtete der spanische Journalist Mario Moratalla (Inditex, rey del trabajo temporal: la mitad de su plantilla no llega a los 2 a&ntilde;os de antig&uuml;edad &ndash; <em>Vox Populi<\/em>, 08.04.2015).<\/p><p>Andere spanische Recherchen ermittelten, dass rund 45 Prozent (625 von 1.398) Inditex-Lieferanten asiatischer Herkunft sind. Die &ouml;rtlich beauftragten Gro&szlig;lieferanten werden zur Herstellung von mindestens 20.000 Kleidungsst&uuml;cken im Jahr und zur Einhaltung eines Verhaltenskodex&acute; und der Produktions-Vorgaben des Hauptsitzes in Arteixo verpflichtet, der ein globales Lieferanten-Netzwerk in mehr als 40 L&auml;ndern dirigiert. Doch &bdquo;wird weder in Bangladesch noch in anderen L&auml;ndern offengelegt, welche &ouml;rtlichen Firmen f&uuml;r das Unternehmen t&auml;tig sind. Zara ver&ouml;ffentlicht weder die Namen seiner Lieferanten noch die Bedingungen seiner Auftrags-Agenten&ldquo;, kommentierte Cristina G. Bolinches bereits vor f&uuml;nf Jahren (Asia, la misteriosa f&aacute;brica de Inditex &ndash; <em>El Diario<\/em>, 28\/11\/2012).<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171203-ZARA-03_.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>In Wahrheit &bdquo;arbeiten in Bangladesch 223.000 Menschen indirekt f&uuml;r Inditex. Es ist das gleiche Land, in dem &hellip; mehr als 100 Arbeiter im Feuer von zwei Textilfabriken ums Leben kamen. Diese Trag&ouml;die hat erneut die mangelnde Arbeitssicherheit im zweitgr&ouml;&szlig;ten Textilherstellerland der Welt hinter China deutlich gemacht&ldquo;, warnte Bolinches. Warum Zara ausgerechnet in Bangladesch gro&szlig;r&auml;umig t&auml;tig ist, liegt auf der Hand: Wie &ouml;rtliche Gewerkschaften nach dem verheerenden Brand verk&uuml;ndeten, betr&auml;gt der Durchschnittslohn eines Textilarbeiters dort ca. 31 Euro im Monat. <em>Textilarbeiterinnen<\/em> sollte richtigerweise angemerkt werden, denn drei von vier N&auml;hern sind in der Regel Frauen.<\/p><p>&bdquo;F&uuml;r Inditex ist der Auftritt in Asien ebenso wichtig wie f&uuml;r H&amp;M, GAP oder C&amp;A. S&auml;mtliche multinationalen Bekleidungsfirmen profitieren von niedrigen Produktionskosten in China, Indien, Pakistan oder Kambodscha, um ihre Wettbewerbsf&auml;higkeit durchzusetzen und ihre Endpreise, insbesondere in Zeiten von Umsatzkrisen, so gering wie m&ouml;glich zu halten&ldquo;, urteilt Bolinches.<\/p><p>Dass &Uuml;berausbeutung, katastrophale Unsicherheit am Arbeitsplatz sowie die Prekarisierung der Arbeitsverh&auml;ltnisse das Fass oft zum &Uuml;berlaufen bringen, verdeutlicht ein von Textilarbeitern ver&uuml;bter Brandanschlag in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, im November 2013. Damals zerst&ouml;rte ein Gro&szlig;brand eine Bekleidungsfabrik, die nach Beh&ouml;rden-Angaben in Gazipur, 40 Kilometer von Dhaka entfernt, u.a. Zara belieferte.<\/p><p>Der Ortega-Konzern bestritt den Zusammenhang, nachdem die Fabrik von aufgebrachten Arbeitern wegen der T&ouml;tung eines ihrer Kollegen durch Polizeisch&uuml;sse in Brand gesteckt worden war. Der Brand forderte zwar keine Todesopfer, war jedoch ein weiteres Glied in der Kette verheerender Katastrophen, wie das Bersten eines Geb&auml;udes im April 2013, bei dem mehr als 1.100 Menschen ums Leben kamen.<\/p><p>Gleichwohl, seit Jahren schiebt Zara sinnbildliche &bdquo;Br&auml;nde&ldquo; mit dem Bauch vor sich her. Was den Kritikern dabei auff&auml;llt, ist, dass trotz dem in Arteixo gepriesenen &bdquo;sozialen Verhaltenskodex&ldquo; der Konzern selten pr&auml;ventiv oder pro-aktiv handelt, sondern in der Regel <em>reagiert<\/em>. Und zwar, wenn die Glanzvitrinen in mediale Scherbenhaufen zerfallen.<\/p><p>Das k&ouml;nnen lautstarke <a href=\"https:\/\/www.equaltimes.org\/zara-y-su-explotacion-laboral-en?lang=en\">Proteste auf den Stra&szlig;en Santiago de Chiles<\/a> gegen gewerkschaftsfeindliches Verhalten und Lohndr&uuml;ckerei sein, wie seit Jahren von der &ouml;rtlichen Zara-Einzelgewerkschaft angeprangert wird, oder sich im Extremfall um die skrupellose Nutzung von Indigenen handeln, die von sogenannten &ldquo;Schleppern&rdquo; aus dem bolivianischen Hinterland illegal nach S&atilde;o Paulo geschmuggelt und unter der Sklaverei &auml;hnlichen Zust&auml;nden als Zara-N&auml;her zu Hungerl&ouml;hnen angeheuert wurden. So geschehen 2011. Wieder bestritt der Konzern seine Mitverantwortung, wurde jedoch von der brasilianischen Justiz Jahre sp&auml;ter zu einer millionenschweren Geldstrafe verurteilt.<\/p><p>Damals &uuml;berraschte das Arbeitsministerium die Zara-Auftragsfirma &bdquo;Aha&ldquo;, die 15 Ausl&auml;nder, darunter ein 14-j&auml;hriges M&auml;dchen, in einem der Sklaverei vergleichbaren Zwangsarbeitsverh&auml;ltnis bei S&atilde;o Paulo besch&auml;ftigte. Monate zuvor waren in der Stadt Americana ebenfalls Dutzende von Arbeitern, meist Bolivianer, unter denselben Bedingungen gefangen gehalten worden. Laut Arbeitsrichter Artur Ricardo Costa Trigueiros sei die Entschuldigung inakzeptabel, dass Zara angeblich nicht wissen konnte, was in den beauftragten N&auml;hwerkst&auml;tten vor sich ging. Trigueiros warf dem Konzern &bdquo;bequeme Blindheit&ldquo; vor.<\/p><p>Zara war nur scheinblind. Jahrelang versuchte das Unternehmen, Pr&uuml;fer des Arbeitsministeriums zu behindern und deren Klage mit einer Gegen- oder Nichtigkeitsklage zu annullieren. Nach Ansicht des Richters habe die Modemarke absichtlich ignoriert, was in den Werkst&auml;tten ihrer ausgelagerten Herstellung geschah und obendrein Justizbehinderung begangen, um einer Verurteilung zu entkommen. &ldquo;Zara hat Aha als Vermittler eingesetzt, um ihre offensichtliche Beteiligung an der Ausbeutung von Arbeitskr&auml;ften unter sklaven&auml;hnlichen Bedingungen zu verschleiern&rdquo;, erkl&auml;rte der Richter.<\/p><p>Nach sechsj&auml;hrigem Streit vor brasilianischen Gerichten wurde der spanische Konzern im Mai 2017 zur Zahlung einer Geldstrafe in H&ouml;he von umgerechnet 1,3 Millionen Euro verurteilt. Ferner droht ihm die Eintragung des Firmennamens Zara in das Register sogenannter &bdquo;Schmutz-Unternehmen&rdquo;, die sich besonders als arbeiterfeindliche Firmen hervortun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171203-ZARA-01_.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Kunden der Modemarke Zara in Istanbul zogen in den vergangenen Wochen ungew&ouml;hnliche Etiketten aus ihren Einkaufstaschen. Ihr Text lautete: &bdquo;Ich habe dieses Kleidungsst&uuml;ck, das Sie kaufen, hergestellt, wurde aber nicht daf&uuml;r bezahlt&rdquo;. Die Nachricht sorgte f&uuml;r Schlagzeilen rund um die Welt, von <em>Associated Press<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41374\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,131,132],"tags":[1740,1037,2232,288,950],"class_list":["post-41374","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-oekonomie","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-arbeitsbedingungen","tag-bangladesch","tag-bekleidungsindustrie","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-tuerkei"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41374","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41374"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41374\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48110,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41374\/revisions\/48110"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}