{"id":41424,"date":"2017-12-05T10:26:57","date_gmt":"2017-12-05T09:26:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41424"},"modified":"2017-12-06T07:54:59","modified_gmt":"2017-12-06T06:54:59","slug":"alles-paletti-nachdenken-ueber-gesellschaft-und-wirtschaft-mit-dem-fokus-schulbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41424","title":{"rendered":"Alles paletti? Nachdenken \u00fcber Gesellschaft und Wirtschaft mit dem Fokus &#8230; Schulbildung"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland ist stolz auf seine Ingenieure, Entdecker und Freigeister, es gibt einige herausragende Pers&ouml;nlichkeiten. Wir haben aber eigentlich das Potential f&uuml;r viel mehr Kreativit&auml;t. Das wird uns jedoch abtrainiert. Zunehmend sind andere auch schneller als wir, versuchen nur halbausgereifte Sachen und beherrschen die F&auml;higkeit, auf komplexe Herausforderungen entsprechend zu reagieren. Auf vernetztes Denken wird in unseren Schulen niemand konsequent vorbereitet, dort geht es haupts&auml;chlich um Wissensvermittlung. Ver&auml;nderung ist m&ouml;glich: Es gibt weltweite Initiativen dies zu &auml;ndern, mit Bildung f&uuml;r eine nachhaltige Entwicklung. Von <strong>J&ouml;rg Knebusch<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41424#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2170\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-41424-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171205_Gesellschaft_und_Wirtschaft_mit_Fokus_Schulbildung_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171205_Gesellschaft_und_Wirtschaft_mit_Fokus_Schulbildung_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171205_Gesellschaft_und_Wirtschaft_mit_Fokus_Schulbildung_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171205_Gesellschaft_und_Wirtschaft_mit_Fokus_Schulbildung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=41424-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171205_Gesellschaft_und_Wirtschaft_mit_Fokus_Schulbildung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"171205_Gesellschaft_und_Wirtschaft_mit_Fokus_Schulbildung_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>In unserem Landkreis gab es bisher bis auf eine konfessionell gebundene Grundschule keine alternative Bildungsangebote und nun haben sich in den letzten Monaten gleich 3 Initiativen zur Gr&uuml;ndung von alternativen Schulen gebildet. Ist das reiner Zufall? Sind das &bdquo;nur&ldquo; Aktivit&auml;ten von ewigen Alternativos, Systemgegnern und Utopisten? Nein! Es sind ganz normale Eltern, Lehrer, Unternehmer &ndash; Menschen, die sich Ihre Gedanken &uuml;ber die aktuelle Situation unserer Gesellschaft im Hinblick auf sich vollziehende gravierende Umw&auml;lzungen und die notwendigen nachhaltigen Reaktionen machen.<\/p><p>Befinden Sie sich im Moment im Wohlf&uuml;hlmodus? Meinen Sie, so wie es gerade l&auml;uft, sind wir f&uuml;r die Herausforderungen der Zukunft richtig aufgestellt? Dann lesen Sie bitte nicht weiter.<\/p><p>F&uuml;r alle anderen: Am 18. September 2015 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Agenda 2030, eine &Uuml;bereinkunft aller 193 Mitgliedsstaaten mit&nbsp;17 globalen Zielen f&uuml;r nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs)&nbsp;mit 169 Unterzielen. Sie gilt seit dem 1. Januar 2016 und dient sozusagen als Gebrauchsanweisung f&uuml;r eine bessere Welt. Haben Sie davon schon etwas geh&ouml;rt? Wieso eigentlich nicht? Anscheinend gab es Wichtigeres ;-)<\/p><p>Die Agenda 2030 benennt f&uuml;nf Dimensionen, auf die gleicherma&szlig;en&nbsp;abgezielt&nbsp;werden muss:<br>\nden Menschen, den Planeten, Wohlstand und Frieden und eine globale Partnerschaft (englisch:&nbsp;People, Planet, Prosperity, Peace, Partnership &ndash; &bdquo;5 Ps&ldquo;). Die Vision der Agenda 2030 ist der gesunde Mensch, der in Frieden in einer gerechten Gesellschaft lebt, umgeben von einer intakten Umwelt &ndash; &uuml;berall in der Welt.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171205-anstiftung-01-.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171205-anstiftung-01-small-.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Wenden wir uns nun speziell dem 4. Ziel-Komplex &bdquo;Hochwertige Bildung&ldquo; zu, wo im Unterziel 4.7 steht: &bdquo;Bis 2030 sicherstellen, dass alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur F&ouml;rderung nachhaltiger Entwicklung erwerben, unter anderem durch Bildung f&uuml;r nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Lebensweisen &hellip;&ldquo;<\/p><p>Die UNESCO hat f&uuml;r diesen Ziel-Komplex Bildung bereits ein Umsetzungsprogramm entwickelt. 2015 fiel der Startschuss f&uuml;r das UNESCO-Weltaktionsprogramm &bdquo;Bildung f&uuml;r nachhaltige Entwicklung&ldquo; (BNE). Das f&uuml;nfj&auml;hrige Programm (2015-2019) zielt darauf ab, langfristig eine systemische Ver&auml;nderung des Bildungssystems zu bewirken und Bildung f&uuml;r nachhaltige Entwicklung vom Projekt in die Struktur zu bringen. Die Bundesregierung beteiligt sich am Weltaktionsprogramm, das federf&uuml;hrende Ressort ist das&nbsp;Bundesministerium f&uuml;r Bildung und Forschung&nbsp;(BMBF).<\/p><p>Irina Bogota, die Generaldirektorin der UNESCO schreibt im Vorwort der Roadmap zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms &bdquo;Bildung f&uuml;r nachhaltige Entwicklung&ldquo;: &bdquo;Die komplexen globalen Herausforderungen der heutigen Zeit verlangen Antworten, die in unserem kollektiven Verst&auml;ndnis von Menschlichkeit verwurzelt sind. Ich bin davon &uuml;berzeugt, dass die vor uns liegenden Risiken und Chancen einen Paradigmenwechsel erfordern, den nur Bildung in unseren Gesellschaften hervorrufen kann.&ldquo;<\/p><p>Im Weltaktionsprogramm BNE hei&szlig;t es dann<\/p><blockquote><p>\nLehren und Lernen soll auf interaktive Weise und mit dem Fokus auf die Lernenden gestaltet werden, um forschendes, aktionsorientiertes und transformatives Lernen zu erm&ouml;glichen.\n<\/p><\/blockquote><p>Wie soll das umgesetzt werden?<\/p><blockquote><p>\nF&ouml;rderung von Kernkompetenzen wie kritisches und systematisches Denken, kollaborative Entscheidungsfindung und die &Uuml;bernahme von Verantwortung f&uuml;r aktuelle und zuk&uuml;nftige Generationen.\n<\/p><\/blockquote><p>Was soll das bewirken?<\/p><blockquote><p>\nLernende jeden Alters in allen Lernumgebungen in die Lage versetzen, sich selbst und die Gesellschaft, in der man lebt, zu ver&auml;ndern.\n<\/p><\/blockquote><p>Wieso lesen wir davon nichts? Ist es nicht gewollt, dass die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung kritisch, kreativ und systematisch denken lernt und in allen Lebenslagen in die Lage versetzt wird, sich und die Gesellschaft zu ver&auml;ndern? Soll unser Bildungssystem nur brave, flei&szlig;ige &bdquo;Abarbeiter&ldquo; f&uuml;r die Industrie hervorbringen?<\/p><p>Interessanter Weise schrieb bereits am 13. Oktober 2014 einmal die Wirtschaftswoche: &bdquo;Endlich durchbrach nun am 6. Mai 2014 in der englischen Tageszeitung &bdquo;The Guardian&ldquo; ein &sbquo;offener Brief&rsquo; an den OECD-Verantwortlichen f&uuml;r Pisa, Andreas Schleicher, mit dem Titel &bdquo;OECD and Pisa tests are damaging education worldwide&ldquo; das unw&uuml;rdige Schweigen &ndash; unterschrieben von &uuml;ber 150 Universit&auml;tsdozenten aus aller Welt.&ldquo; und hebt dann hervor: &bdquo;In den Pisa-Studien und der OECD-Governance ist also keine Bem&uuml;hung zu sehen, nationale Bildungssysteme zu optimieren, sondern die Absicht, weltweit eine globalisierte, standardisierte Bildungspraxis zu installieren. In dieser werden Menschen auf ihren Wert als &bdquo;Humankapital&ldquo; reduziert und die Nationalstaaten haben sich einem globalen Bildungs-Leviathan unterzuordnen. H&ouml;chst fraglich ist, ob diese Zielsetzung und der Weg dahin wohl mit den Bedingungen von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten, V&ouml;lkerrecht und Gemeinwohlf&ouml;rderung vereinbar sind.&ldquo;<\/p><p>Verbl&uuml;ffend und eigentlich v&ouml;llig im Einklang mit der ge&auml;u&szlig;erten Kritik sagt Schleicher bereits 2011, was &bdquo;Schule 2.0&ldquo; f&uuml;r ihn bedeutet: &bdquo;Sie bereitet auf ein gesellschaftliches und berufliches Leben vor, das wir heute noch nicht kennen, auf Technologien, die erst morgen erfunden werden, und hilft, Herausforderungen zu bew&auml;ltigen, von denen wir heute noch nicht wissen, dass es sie gibt.&ldquo; Auch in dem 2012 gehaltenem Vortrag auf einer TED conference &auml;u&szlig;erte er sich &auml;hnlich.<\/p><p>Wie passt das zusammen? Kann Schleicher sich in der OECD mit seinen Ansichten nicht durchsetzen? Wieso misst die OECD in Pisa dann sogenannte Lernertr&auml;ge als Sch&uuml;lerleistungen in Mathematik und in Lesekompetenz und nicht in Kreativit&auml;t und vernetztem Denken? Wer ist denn die OECD eigentlich und was sind ihre Ziele? <\/p><p>Die&nbsp;Organisation f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wird bei Wikipedia wie folgt beschrieben: &bdquo;Laut OECD-Konvention sind die Ziele der Organisation<\/p><ul>\n<li>zu einer optimalen Wirtschaftsentwicklung, hoher Besch&auml;ftigung und einem steigenden Lebensstandard in ihren Mitgliedstaaten beizutragen,<\/li>\n<li>in ihren Mitgliedstaaten und den Entwicklungsl&auml;ndern das&nbsp;Wirtschaftswachstum&nbsp;zu f&ouml;rdern,<\/li>\n<li>zu einer Ausweitung des Welthandels auf&nbsp;multilateraler&nbsp;Basis beizutragen.<\/li>\n<\/ul><p>Die Analysen und Empfehlungen der OECD zur Wirtschaftspolitik der Mitgliedstaaten orientieren sich an einer liberalen, marktwirtschaftlichen und effizienten Wirtschaftsordnung. F&uuml;r die Arbeits- wie f&uuml;r die Produktm&auml;rkte spricht sich die Organisation f&uuml;r den Abbau von Schranken und f&uuml;r mehr Wettbewerb aus.&ldquo;<\/p><p>Auf der Website der OECD steht in der Mission, die man sich gegeben hat, jedenfalls nichts davon, dass man eine nachhaltige Entwicklung der Welt als oberste Pr&auml;misse f&ouml;rdern m&ouml;chte, es geht um das &ouml;konomische und soziale Wohlbefinden der Menschen (im Rahmen und zur Absicherung einer liberalen, marktwirtschaftlichen und effizienten Wirtschaftsordnung). <\/p><p>In ihrem Jahresbericht &bdquo;Bildung auf einen Blick 2017 &ndash; OECD-Indikatoren&ldquo; widmet sich die OECD erstmals auch der Messung der Zielerf&uuml;llung der Bildungsziele aus den 17 Global Goals, h&auml;lt aber an den anderen, althergebrachten Indikatoren f&uuml;r eine &bdquo;erfolgreiche&ldquo; Bildung weiter fest &hellip; so dann eben auch die Kultusminister der L&auml;nder und das mit Lehrmethoden, die zum Teil 100 bis 150 Jahre alt sind. In Baden-W&uuml;rttemberg reagierte man gerade auf die Verschlechterung bei der Pisa-Bewertung im Fach Mathe mit einer Wochenstunde mehr. Sind Sch&uuml;ler mit besseren Pisa-Bewertungen wirklich besser auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet?<\/p><p>Wieso muss sich denn so grundlegend etwas an unserem Bildungssystem &auml;ndern? Was ist das f&uuml;r ein System? Es wurde in der zweiten H&auml;lfte des 19. Jahrhunderts entwickelt, um flei&szlig;ige Fabrik- und Flie&szlig;bandarbeiterInnen sowie gehorsame Soldaten zu &bdquo;produzieren&ldquo;. Die Wirtschaft war auf die Produktion von relativ gut planbaren Mengen gleichartiger Massenartikel ausgerichtet und ben&ouml;tigte brave, funktionierende Arbeiter, die einfache Aufgaben erledigen k&ouml;nnen. Daf&uuml;r war Frontalunterricht, Auswendiglernen, Einzel-Fach-Unterricht die richtige Methode. <\/p><p>Nur hat sich beginnend seit den 1970er Jahren die Welt gravierend ge&auml;ndert &ndash; sie wurde komplexer und schnelllebiger. Und all das spitzt sich mit den Ver&auml;nderungen durch die Digitalisierung immer mehr zu. Jedoch kommt aus unserem Bildungssystem &uuml;berwiegend kein Nachwuchs, der Eigeninitiative, komplexes Denken und Kreativit&auml;t zum Finden und L&ouml;sen der aktuellen Problemstellungen gelernt hat. Auch die Wirtschaft tut sich schwer mit den notwendigen Ver&auml;nderungen &ndash; Machterhalt von alten &bdquo;Alphatieren&ldquo; und zentrierte F&uuml;hrungssysteme mit tiefen Hierarchien verhindern Schnelligkeit und Eigenverantwortung im Umgang mit der immer weiter wachsenden Komplexit&auml;t. Ein Ausweg aus dieser Sackgasse sind verschiedenste Ans&auml;tze aus dem Baukasten von &bdquo;New Work&ldquo;. Dieses hier weiter auszuf&uuml;hren w&auml;re ein eigenes Thema und w&uuml;rde den Rahmen sprengen.<\/p><p>Ich m&ouml;chte mit einem Zitat fortfahren: &bdquo;Wir sind Sch&uuml;ler von heute, die durch Lehrer von gestern in einem System von vorgestern auf&nbsp;die Probleme von &uuml;bermorgen vorbereitet werden sollen.&ldquo;, aus dem Buch &bdquo;Die Schule schw&auml;nzt das Lernen&ldquo;( 2013) von Andreas M&uuml;ller, Bildungsinnovator und Leiter des Insitituts Beatenberg\/Schweiz. <\/p><p>Ist es wirklich so schlimm? Sicherlich hat sich schon punktuell einiges zum Positiven ver&auml;ndert und gibt es heute schon einige neue herausragende &bdquo;Leuchtt&uuml;rme&ldquo;, aber grunds&auml;tzlich gilt immer noch, was George Land in einem Langzeittest festgestellt hat &ndash; dem Menschen wird ein nicht-kreatives Verhalten beigebracht. Land hatte 1968 ca. 1600 Kinder im Alter von 3-5 Jahren auf ihre Kreativit&auml;t getestet, basierend auf einem Test, um f&uuml;r die NASA die kreativsten K&ouml;pfe zu finden. Dann testete er die selben Kinder wieder im Alter von 10 und 15 Jahren. Au&szlig;erdem f&uuml;hrte er diesen Test auch noch an 280.000 Erwachsenen durch, mit folgendem Resultat: im Alter von 5 Jahren waren unglaubliche 98% ideen- oder erfindungsreich, dann mit 10 Jahren schon nur noch 30%, die 15-j&auml;hrigen gerade noch 12% und bei den Erwachsenen waren es noch ganze 2%.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171205-anstiftung-02-.png\" alt=\"\" title=\"\">  <\/p><p>Jetzt k&ouml;nnte man ja auch sagen, ok &ndash; die 2 % sind die Vordenker und alle anderen m&uuml;ssen das Erdachte nur noch ausf&uuml;hren. Werden wir damit die immer gr&ouml;&szlig;er werdenden Herausforderungen unserer Zukunft l&ouml;sen? Ich habe da einige Zweifel. Und wieso sollen wir die Menschheit eigentlich beim kreativen, selbst&auml;ndigen Denken, bei Innovationen bremsen?<\/p><p>Und wieso ist das eigentlich so? George Land erkl&auml;rt das bildlich so &ndash; unser Bildungswesen funktioniert f&uuml;r das Gehirn so, als ob es laufend die Anweisung erh&auml;lt, Gas und Bremse gleichzeitig zu bet&auml;tigen. Wir sollen Neues lernen, entdecken und entwickeln, erhalten dazu aber laufend einengende Regeln, Verbote und sonstige Vorgaben. Texte, Formeln, Gesetze, L&ouml;sungswege auswendig lernen, Wissensvermittlung und das in Klassenarbeiten wiedergeben &ndash; das ist &uuml;berwiegend die Schulpraxis.<\/p><p>Und wie soll das heute in der Schulpraxis anders funktionieren? Es funktioniert und interessanterweise auch noch ganz anders als von skeptischen Au&szlig;enstehenden erwartet. So haben sich Kinder der Freien Schule Forsmannstrasse in Hamburg in ihren zwei freien Projektstunden f&uuml;r Entdeckungen und Forschungen (ein halbes Jahr lang jede Woche) als selbst gew&auml;hltes Thema nicht mit Pferden, Computerspielen oder Fussball befasst, sondern ziemlich komplexe technische oder Gesellschaftsthemen gew&auml;hlt. Und nun kommt das &Uuml;berraschende: die beste Probleml&ouml;sungskompetenz hatten nicht die eigentlichen Mustersch&uuml;ler, die beim Auswendiglernen f&uuml;r Klassenarbeiten ganz vorne lagen.<\/p><p>Damit sich das nun grundlegend in unserem Bildungssystem &auml;ndert, fordert die Roadmap der UNESCO in insgesamt 5 Handlungsfeldern u.a. <\/p><ol>\n<li>Politische Unterst&uuml;tzung: Integration des BNE-Konzepts in die Politik in den Bereichen Bildung und nachhaltige Entwicklung, um ein g&uuml;nstiges Umfeld f&uuml;r BNE zu schaffen und eine systemische Ver&auml;nderung zu bewirken <\/li>\n<li>Ganzheitliche Transformation von Lern- und Lehrumgebungen: Integration von Nachhaltigkeitsprinzipien in Bildungs- und Ausbildungskontexte<\/li>\n<\/ol><p>&Uuml;brigens soll das BNE-Konzept bis 2019 umgesetzt sein. Es gibt dazu auch eine Meilensteinplanung und seit Juni einen Nationalen Aktionsplan. Im Vorwort dieses Aktionsplanes f&uuml;r Deutschland schreibt Frau Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekret&auml;rin im Bundesministerium f&uuml;r Bildung und Forschung:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir brauchen kreative Ideen, Visionen und Gestaltungsmut f&uuml;r eine nachhaltige Entwicklung.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Weil es vision&auml;re, mutige Menschen gibt, stehen wir, wie ich auch schon eingangs erw&auml;hnt habe, gl&uuml;cklicher Weise nicht mehr beim Punkt Null. Hervorheben m&ouml;chte ich die Initiative &bdquo;Schule im Aufbruch&ldquo;. Diese hat es beispielsweise schon geschafft, f&uuml;r fast 100 Schulen in Deutschland und &Ouml;sterreich eben genau diese Transformation zu einem solchen Bildungssystem anzusto&szlig;en bzw. bereits zu vollenden. Ein herausragendes Beispiel bildet die Evangelische Schule Berlin Zentrum, deren ehemalige Leiterin, Magret Rasfeld, heute der f&uuml;hrende Kopf von &bdquo;Schule im Aufbruch&ldquo; ist. Vier Sch&uuml;lerinnen dieser Schule haben ein begeisterndes Buch &uuml;ber &bdquo;Lernen wie es uns gef&auml;llt&ldquo; geschrieben.<\/p><p>Wieso kennen selbst die meisten Schulleiter das BNE-Konzept nicht? Ein Schulleiter sagte mir nach der Diskussion &uuml;ber &bdquo;Schule im Aufbruch&ldquo;, die Global Goals und die gesellschaftliche Notwendigkeit der Transformation des Bildungssystems, dass er f&uuml;r die Initiative &bdquo;Schule im Aufbruch&ldquo; keine Zeit hat &ndash; er hat schon viele Moden von Lernmethoden kommen und wieder verschwinden sehen und m&uuml;sse sich nun mit dem Thema Autismus befassen.<\/p><p>Den Schluss meiner Darlegungen m&ouml;chte ich nun mit ein paar Gedanken zum Thema &bdquo;Mut&ldquo; einleiten. Auf der diesj&auml;hrigen Utopianale mit dem Thema &bdquo;Was wir lernen wollen&ldquo; am 11.\/12. November 2017 in Hannover tauschten wir uns in Dreiergruppen dar&uuml;ber aus, wann und wie wir in unserem Leben schon mal Mut bewiesen hatten und was es so mit dem Mut auf sich hat. Dabei definierte ich f&uuml;r mich Mut als Moment des Verlassen einer Komfortzone, Mut, weil man ein Ziel erreichen will, Mut als &bdquo;ausgeklinkte Sehnsuchtsfeder&ldquo;.<\/p><p>Liebe KultusministerInnen, Staatssekret&auml;rInnen und DezernentInnen, liebe Lehramt-ProfessorInnen und StudentInnen, liebe SchuleiterInnen und LehrerInnen, was macht die Arretierung Ihrer &bdquo;Sehnsuchtsfeder&ldquo; &hellip; haben diese Zeilen sie etwas gelockert? Die UNO, die UNESCO und die Bundesregierung mit dem Nationalen Aktionsplan haben Ziele gesetzt und Wege aufgezeigt. Liebe Eltern, liebe Sch&uuml;lerInnen, es geht um Eure Zukunft bzw. die Eurer Kinder &ndash; steht auf und fordert Ver&auml;nderungen ein. Bildet lokale oder regionale Aktionsgemeinschaften im Zeichen von &bdquo;Schule im Aufbruch&ldquo;, so wie z.B. die B&uuml;rgerinitiative OSIA &ndash; Osnabr&uuml;cker Schulen im Aufbruch.<\/p><p>Ein Vater, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer und B&uuml;rger<\/p><p><strong>Quellen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>un.org &ndash; <a href=\"http:\/\/www.un.org\/sustainabledevelopment\/development-agenda\/\">The Sustainable Development Agenda<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.globalgoals.org\/de\/\">globalgoals.org\/de\/<\/a><\/li>\n<li>un.org &ndash; <a href=\"http:\/\/www.un.org\/depts\/german\/gv-69\/band3\/ar69315.pdf\">Resolution der Generalversammlung, verabschiedet am 1. September 2015<\/a><\/li>\n<li>bne-portal.de &ndash; <a href=\"http:\/\/www.bne-portal.de\/sites\/default\/files\/_2015_Roadmap_deutsch_0.pdf\">UNESCO Roadmap<\/a><\/li>\n<li>bmbf.de &ndash; <a href=\"http:\/\/www.bmbf.de\/files\/Meilensteinplanung.pdf\">UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung f&uuml;r nachhaltige Entwicklung 2015&ndash;2019<\/a><\/li>\n<li>bne-portal.de &ndash; <a href=\"https:\/\/www.bmbf.de\/files\/Nationaler%20Aktionsplan%20BNE%202017.pdf\">Nationaler Aktionsplan Bildung f&uuml;r nachhaltige Entwicklung<\/a><\/li>\n<li>bne-portal.de &ndash; <a href=\"http:\/\/www.bne-portal.de\/sites\/default\/files\/downloads\/2016_04_19_Framework_for_Action_U%CC%88bersetzung_DUK_ohne_Indikatoren_Stand_April_2016%20%281%29_0.pdf\">Bildung 2030 Incheon &ndash; Erkl&auml;rung und Aktionsrahmen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.ggc2030.org\">ggc2030.org<\/a><\/li>\n<li>gcc2030.org &ndash; <a href=\"http:\/\/www.ggc2030.org\/post\/unesco-roadmap-zur-umsetzung-des-weltaktionsprogramms-bildung-fur-nachhaltige-entwicklung\">UNESCO Roadmap zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms BNE<\/a><\/li>\n<li>wiwo.de &ndash; <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/erfolg\/campus-mba\/bildungskatastrophe-das-grosse-zerstoerungswerk-der-oecd\/10830950-all.html\">Bildungskatastrophe &ndash; Das gro&szlig;e Zerst&ouml;rungswerk der OECD<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.alumniportal-deutschland.org\">alumniportal-deutschland.org<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.schule-im-aufbruch.de\">schule-im-aufbruch.de<\/a><\/li>\n<li>lernen-im-aufbruch.de &ndash; <a href=\"http:\/\/www.lernen-im-aufbruch.de\/schule-im-aufbruch\/\">Schule im Aufbruch<\/a><\/li>\n<li>creativityatwork.com &ndash; <a href=\"http:\/\/www.creativityatwork.com\/2012\/03\/23\/can-creativity-be-taught\/\">Can Creativity be Taught? Results from Research Studies<\/a><\/li>\n<li>F&ouml;rster &amp; Kreuz, Macht was Ihr liebt, H&ouml;rbuch<\/li>\n<li>TEDx Talks &ndash; <a href=\"https:\/\/youtu.be\/uoGFaJXhnqE\">Changing Education system | Margret Rasfeld | TEDxTUWien<\/a><\/li>\n<li>amazon &ndash; <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/aw\/d\/346631030X\/ref=pd_aw_fbt_14_img_2?ie=UTF8&amp;psc=1&amp;refRID=247FPY95PCHHWF38RHFH\">Schulen im Aufbruch &ndash; Eine Anstiftung<\/a><\/li>\n<li>amazon &ndash; <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/aw\/d\/3813506185\/ref=pd_aw_fbt_14_img_2?ie=UTF8&amp;psc=1&amp;refRID=X92F7C10SJ1V7GCHW8WA\">Wie wir Schule machen: Lernen, wie es uns gef&auml;llt<\/a><\/li>\n<li>youtube &ndash; <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5JrLUEekyM0\">Gehirnforscher Prof. Gerald H&uuml;ther: Quantenphysik und Kommunale Intelligenz<\/a><\/li>\n<li>TEDx Talks &ndash; <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZfKMq-rYtnc\">TEDxTucson George Land The Failure Of Success<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.osia.info\/\">osia.info<\/a><\/li>\n<li>TED &ndash; <a href=\"https:\/\/www.ted.com\/talks\/andreas_schleicher_use_data_to_build_better_schools#t-1198261\">Us data to build better schools<\/a><\/li>\n<li>bildung-wissen.eu &ndash; <a href=\"http:\/\/bildung-wissen.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/offener-brief-schleicher-autoriserte-fassung.pdf\">Offener Brief an Andreas Schleicher, OECD, Paris<\/a><\/li>\n<li>leuphana.de &ndash; <a href=\"http:\/\/www.leuphana.de\/fileadmin\/user_upload\/Forschungseinrichtungen\/infu\/files\/insa_otte\/Schorlemmer_BGW_Forschende_Schule.pdf\">Forschende Schule f&uuml;r nachhaltige Entwicklung<\/a><\/li>\n<li>oecd-ilibrary.org &ndash; <a href=\"http:\/\/www.oecd-ilibrary.org\/education\/pisa-2012-ergebnisse-was-schulerinnen-und-schuler-wissen-und-konnen-band-i-uberarbeitete-ausgabe-februar-2014_9789264208858-de\">PISA 2012 Ergebnisse: Was Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler wissen und k&ouml;nnen (Band I, &Uuml;berarbeitete Ausgabe, Februar 2014)<\/a><\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>J&ouml;rg Knebusch<\/strong> ist promovierter Diplom&ouml;konom, mit einer &uuml;ber 25 j&auml;hrigen interdisziplin&auml;ren und internationalen Berufspraxis &ndash; als Selbst&auml;ndiger, in Familienunternehmen und auch im Gro&szlig;konzern, in letzter Zeit verst&auml;rkt aktiv in Sachen &bdquo;New Work&ldquo; und &bdquo;Schule im Aufbruch&ldquo;.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland ist stolz auf seine Ingenieure, Entdecker und Freigeister, es gibt einige herausragende Pers&ouml;nlichkeiten. Wir haben aber eigentlich das Potential f&uuml;r viel mehr Kreativit&auml;t. Das wird uns jedoch abtrainiert. Zunehmend sind andere auch schneller als wir, versuchen nur halbausgereifte Sachen und beherrschen die F&auml;higkeit, auf komplexe Herausforderungen entsprechend zu reagieren. 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