{"id":41456,"date":"2017-12-07T08:25:39","date_gmt":"2017-12-07T07:25:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41456"},"modified":"2026-01-27T11:13:12","modified_gmt":"2026-01-27T10:13:12","slug":"atlantik-bruecke-nicht-legitimierte-privatpersonen-nehmen-einfluss-auf-die-politik-deutschlands-und-den-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41456","title":{"rendered":"Atlantik-Br\u00fccke: Nicht-legitimierte Privatpersonen nehmen Einfluss auf die Politik Deutschlands und den USA"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171207_zetsche.jpg\" alt=\"Anne Zetsche\" title=\"Anne Zetsche\"><\/div><p>Die Atlantik-Br&uuml;cke ist ein &bdquo;ehrenwerter Verein&ldquo;. Dar&uuml;ber waren sich Claus Kleber, der Chef des ZDF &bdquo;Heute Journals&ldquo;, und Noch-Au&szlig;enminister Sigmar Gabriel trotz <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41057\">einiger Differenzen zuvor<\/a> im &lsquo;Polit-Talk&rsquo; bei Maybrit <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/politik\/maybrit-illner\/der-unfassbare-praesident-was-hat-trump-veraendert-sendung-vom-9-november-2017-100.html\">Illner<\/a> (ab Minute 57:20) einig. <a href=\"https:\/\/www.atlantik-bruecke.org\/\">Atlantik-Br&uuml;cke<\/a>? Was ist das? Wer sich nicht gerade mit Elitezirkeln und Elitenetzwerken auseinandersetzt, d&uuml;rfte als Zuschauer bei der Unterhaltung, in der Kleber etwas von Vorw&uuml;rfen und Verschw&ouml;rungstheorien sagte, mit den Schultern gezuckt haben. Die Moderatorin, sonst oft bem&uuml;ht, die Zuschauer &lsquo;mitzunehmen&rsquo; und Unverst&auml;ndliches aufzukl&auml;ren, hielt sich mit einer Erl&auml;uterung zur <a href=\"https:\/\/lobbypedia.de\/wiki\/Atlantik-Br%C3%BCcke\">Atlantik-Br&uuml;cke<\/a> zur&uuml;ck. Das ist auch der Historikern <strong>Anne Zetsche<\/strong> aufgefallen. <a href=\"http:\/\/www.jfki.fu-berlin.de\/faculty\/history\/persons\/Post-Docs\/Zetsche\/index.html\">Zetsche<\/a>, die als Gastwissenschaftlerin am John-F.-Kennedy-Institut der Freien Universit&auml;t Berlin arbeitet, hat zur Atlantik-Br&uuml;cke ihre Doktorarbeit verfasst. Im Interview mit den NachDenkSeiten gibt sie einen Einblick in ihre Forschungsarbeit und zeigt auf, dass die Atlantik-Br&uuml;cke nicht einfach nur ein Verein ist, bei dem es um Kaffeekr&auml;nzchen geht. Das Interview f&uuml;hrte <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8193\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-41456-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171207_Atlantik_Bruecke_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171207_Atlantik_Bruecke_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171207_Atlantik_Bruecke_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171207_Atlantik_Bruecke_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=41456-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171207_Atlantik_Bruecke_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"171207_Atlantik_Bruecke_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Frau Zetsche, Sie haben Ihre Doktorarbeit &uuml;ber die Atlantik-Br&uuml;cke geschrieben.<\/strong><br>\n<strong>Was ist die Atlantik-Br&uuml;cke?<\/strong><\/p><p>In meiner Doktorarbeit habe ich die Geschichte der Atlantik-Br&uuml;cke und ihrer Schwesterorganisation American Council on Germany (ACG) von 1949 bis 1974 und ihre Rolle in den deutsch-amerikanischen Beziehungen untersucht. Die Atlantik-Br&uuml;cke war und ist ein Organ der transatlantischen Elitenvernetzung und &ndash;koordination, wobei sie auch im nationalen bzw. innenpolitischen Bereich wichtige vermittelnde und integrierende Funktionen hat. So bringt sie eben die Arbeitgeberseite mit den Gewerkschaften zusammen und auch Politiker*innen aller etablierten Parteien.<\/p><p><strong>Wie kam es dazu, dass Sie sich mit der Atlantik-Br&uuml;cke &uuml;berhaupt so intensiv besch&auml;ftigen wollten?<\/strong><\/p><p>Meine Recherchen zur Atlantik-Br&uuml;cke habe ich bereits w&auml;hrend meines Magistrastudiums begonnen, als ich auf der Suche nach einem Thema f&uuml;r meine Abschlussarbeit war. Ich habe damals ein Buch &uuml;ber die RAF gelesen. In einem Kapitel ging es um einige prominente Opfer, die entweder Mitglied der Atlantik-Br&uuml;cke waren oder ihr zumindest nahestanden. In der gleichen Zeit erz&auml;hlte jemand, dass die Atlantik-Br&uuml;cke auch Kees van der Pijl (&bdquo;The Making of an Atlantic Ruling Class&ldquo;) umtreibt bzw. er auf der Suche nach Literatur &uuml;ber diese Organisation ist. Da habe ich erst einmal mit einer ganz banalen Onlinerecherche angefangen und landete zun&auml;chst nur auf Webseiten, die wohl eher von Anh&auml;ngern von Verschw&ouml;rungstheorien betrieben werden. Auf etwas wirklich Brauchbares bin ich nicht gesto&szlig;en, aber ich war angefixt. Tats&auml;chlich hatte die Arbeit &uuml;ber die Atlantik-Br&uuml;cke und den American Council on Germany in weiten Teilen etwas von Investigativ-Journalismus. Beide Organisationen verf&uuml;gen nach eigenen Angaben &uuml;ber keine Archive. Ich wollte nun aber einfach mehr und genaueres &uuml;ber diesen Verein wissen, der in Berlin am Kupfergraben residiert in direkter Nachbarschaft zur Berliner Wohnung der Kanzlerin, der so viele prominente Politiker*innen und Konzernchefs zu seinen Mitgliedern z&auml;hlt, &uuml;ber den aber so wenig bekannt ist. Obwohl, zum 50-j&auml;hrigen Bestehen hat die Atlantik-Br&uuml;cke ja eigens eines ihrer Mitglieder, Ludger K&uuml;hnhardt, beauftragt, ihre Geschichte zu schreiben (&bdquo;Atlantik-Br&uuml;cke: F&uuml;nfzig Jahre deutsch-amerikanische Partnerschaft 1952-2002&ldquo;). <\/p><p><strong>Worauf haben Sie sich in Ihrer Arbeit konzentriert?<\/strong><\/p><p>Nun zun&auml;chst hat mich interessiert, wer diese Organisation mit welchen Absichten gegr&uuml;ndet hat, wer ihre Mitglieder waren, wie sie sich finanziert hat und was sie eigentlich gemacht hat. Dann hat mich interessiert, welche Rolle die Atlantik-Br&uuml;cke und der ACG in den deutsch-amerikanischen Nachkriegsbeziehungen gespielt haben. Waren sie mit verantwortlich f&uuml;r die relativ schnelle Ann&auml;herung der ehemals verfeindeten Nationen und dann entstehenden Partnerschaft zwischen der Bundesrepublik und den Vereinigten Staaten, die ja noch heute Bestand hat? Dar&uuml;ber hinaus hat mich aber auch der soziologische Aspekt interessiert, also die Zusammensetzung der Mitglieder. Es ist also auch eine Elitestudie geworden, die zeigt, wie eng private, nicht demokratisch legitimierte Pers&ouml;nlichkeiten mit &ouml;ffentlichen Amtstr&auml;gern, Politikern und Diplomaten zusammengearbeitet und somit die internationalen Beziehungen mitgestaltet haben. <\/p><p><strong>Manchmal kann es sinnvoll sein, an die Anf&auml;nge zur&uuml;ckzugehen, oder?<\/strong><\/p><p>Ja, sicher, nach Ursachen und Urspr&uuml;ngen zu forschen, ist f&uuml;r mich ein Antrieb als Historikerin. Ich habe mich schon gefragt, warum die Gefolgschaft Deutschlands gegen&uuml;ber den Vereinigten Staaten (und Schr&ouml;ders Absage an Bush in Sachen Irak-Krieg ist die Ausnahme und damit die Best&auml;tigung der Regel) quasi ein ungeschriebenes Gesetz ist? Und wenn Sie sich mit den Ressentiments der Deutschen gegen&uuml;ber den Amerikanern seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert besch&auml;ftigen, die Bestand hatten bis in die Nachkriegszeit, dann ist es eben keine naturgegebene Entwicklung, dass Deutsche und Amerikaner Partner im Kalten Krieg wurden. Es ist schon beachtlich, wie schnell die Amerikaner bereit waren, sich quasi mit den Deutschen zu vers&ouml;hnen, sie von Feinden zu Freunden oder doch wenigstens Partnern wurden. Die geopolitischen Erkl&auml;rungen f&uuml;r die Entstehung des Kalten Krieges und die damit verbundene Blockbildung sind bekannt. Doch erkl&auml;ren sie nicht, wie sich auf gesellschaftlicher und individueller Ebene Ablehnung, Abscheu und Ressentiments wandeln. R&uuml;ckblickend d&uuml;rfen wir nicht untersch&auml;tzen, welche Abscheu viele Amerikaner den Deutschen entgegengebracht haben, sp&auml;testens seit immer mehr Details &uuml;ber den Holocaust und den Krieg im Osten bekannt wurden. Trotzdem wurde das Feindbild recht schnell ausgetauscht und an die Stelle der Deutschen traten die Russen. Auch ist nicht zu untersch&auml;tzen, wie skeptisch politische Eliten, aber auch die &Ouml;ffentlichkeit in den USA gegen&uuml;ber den Deutschen war. Die Ansicht, dass die Deutschen quasi genetisch zu Militarismus neigen und autorit&auml;tsh&ouml;rig und damit schlicht nicht f&uuml;r die Demokratie gemacht, war weit verbreitet. Die Deutschen mochten die Amerikaner den sowjetischen Besatzern vorziehen. Doch hie&szlig; das nicht, dass sie vorbehaltlos gegen&uuml;ber ihnen waren. Die Ansicht, dass die Amerikaner alle kultur- und anstandslose Zeitgenossen waren und die Ablehnung der USA als Hort des entgrenzten Kapitalismus und ungez&uuml;gelten Individualismus waren in allen Bev&ouml;lkerungsteilen zu finden und kein herausstechendes Merkmal von Sozialdemokraten und Kommunisten.<\/p><p><strong>Was haben Sie in Ihrer Forschung festgestellt?<\/strong><\/p><p>Die Atlantik-Br&uuml;cke und der ACG waren Schl&uuml;sselakteure f&uuml;r das Initiieren und Gestalten transatlantischer Elitenetzwerke im Kalten Krieg. Als integrative Bestandteile dichter transnationaler privat-staatlicher Netzwerke haben sie verschiedene Funktionen in Bezug auf die westdeutsch-amerikanischen Beziehungen von den 1950er bis in die 1970er Jahre inne gehabt. So haben sie einerseits &Ouml;ffentlichkeitsarbeit f&uuml;r die junge Bundesrepublik in den Vereinigten Staaten gemacht, also geholfen, das neue Image eines jungen, demokratischen Staates zu pr&auml;gen. Gleichzeitig haben sie aber auch in Deutschland geholfen, amerikanische Politik zu vermitteln und zu erkl&auml;ren. Dar&uuml;ber hinaus waren Mitarbeiter beider Organisationen auch als informelle Diplomaten t&auml;tig; haben bei Konflikten vermittelt und sich als Politikberater bet&auml;tigt. Ihre Aktivit&auml;ten finanzierten sie aus einem Mix aus &ouml;ffentlichen und privaten Geldern. Auf deutscher Seite unterst&uuml;tzte sie &uuml;ber viele Jahre das Bundespresseamt und das Ausw&auml;rtige Amt und auf amerikanischer Seite die Ford Foundation (dazu <a href=\"http:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/14794012.2014.990737?scroll=top&amp;needAccess=true\">ausf&uuml;hrlicher<\/a>). Insbesondere f&uuml;r die Atlantik-Br&uuml;cke waren aber die zahlungskr&auml;ftigen Vertreter der Industrie in den Reihen ihrer Mitglieder die wichtigsten Finanziers, die letztlich auch geholfen haben, die amerikanische Partnerorganisation &uuml;ber Wasser zu halten. Die westdeutschen Vertreter von Wirtschaft und Industrie hatten ein ungleich gr&ouml;&szlig;eres Interesse an guten Beziehungen mit den Vereinigten Staaten als die Amerikaner.<\/p><p><strong>Was noch?<\/strong><\/p><p>Drei zentrale nachhaltige Entwicklungen haben die beiden Organisationen durch ihre jahrelange Arbeit angesto&szlig;en und mitgestaltet. Erstens haben sie dazu beigetragen, einen verl&auml;sslichen und nachhaltigen &uuml;berparteilichen au&szlig;enpolitischen Konsens (Deutschlands Westintegration, Nato-Mitgliedschaft) zu etablieren, dessen Kern die guten deutsch-amerikanischen Beziehungen sind. Um das zu erreichen, musste sich die westdeutsche Sozialdemokratie vom Anti-Militarismus, Neutralismus und Sozialismus verabschieden. An dieser Entwicklung hatten transatlantische Elitennetzwerke einen nicht geringen Anteil. Zweitens in ihrer Rolle als Eliten-Koordinatoren haben die beiden Organisationen dabei geholfen, den Konsens &uuml;ber die transatlantische Partnerschaft abzusichern, indem sie ihn auch Wirtschaftskreisen in Deutschland und den USA vermittelt haben. Drittens haben sie ihre zahlreichen Verbindungen und Beziehungen zu Medienvertretern und Wissenschaftlern genutzt, um diesen Konsens auch im &ouml;ffentlichen Diskurs zu verankern.<\/p><p><strong>Wie bewerten Sie die Atlantik-Br&uuml;cke? Was gilt es kritisch zu sehen?<\/strong><\/p><p>Die Idee zur Gr&uuml;ndung der Atlantik-Br&uuml;cke und des ACG entstand schon wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die zentralen Gr&uuml;ndungsfiguren waren Amerikaner und Deutsche. Unter ihnen war Eric Warburg, ein deutsch-j&uuml;discher Banker, dessen Familie 1938 enteignet wurde und in die USA emigrierte. Dort nahm er die amerikanische Staatsb&uuml;rgerschaft an; kehrte aber in den 1950er Jahren nach Deutschland zur&uuml;ck. Christopher Emmet war ein wohlhabender New Yorker Intellektueller und politischer Aktivist, der vor dem Zweiten Weltkrieg lange in Deutschland gelebt hatte. Auf deutscher Seite geh&ouml;rten zu diesem Kreis die Journalistin und sp&auml;tere Herausgeberin der Wochenzeitung DIE ZEIT Marion Gr&auml;fin D&ouml;nhoff und der Hamburger Kaufmann und CDU-Politiker Erik Blumenfeld. Diese vier sind mit dem Anspruch angetreten, zwei Organisationen zu etablieren, die sich f&uuml;r Vers&ouml;hnung und die Entwicklung guter und freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschen und Amerikanern und vielleicht noch wichtiger zwischen der neu gegr&uuml;ndeten Bundesrepublik und den Vereinigten Staaten einsetzen. Diese vier Personen waren auf beiden Seiten des Atlantiks gut vernetzt und haben so einen Beitrag geleistet, auf beiden Seiten Vorurteile abzubauen. Die Organisationen haben einen Anteil zumindest am Aufweichen anti-amerikanischer Einstellungen in westdeutschen Elitenkreisen nach dem Zweiten Weltkrieg. In den USA hat der ACG stark dazu beigetragen, ein neues Image der Deutschen zu etablieren. Die Deutschen sind trotz ihrer Vergangenheit demokratief&auml;hig. Das sind sicherlich positive Aspekte des Wirkens dieser Organisationen. Ich denke, dass die Etablierung einer einigerma&szlig;en stabilen Nachkriegsordnung und eines demokratischen politischen Systems in der BRD erst die Voraussetzungen geschaffen hat, dass die n&auml;chste Generation sich ernsthaft der wirklichen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands stellen konnte.<\/p><p>Was ich allerdings kritisch sehe, ist der Charakter des gemeinsamen Projekts. Es war eben ein transatlantisches Eliteprojekt. Es hatte keinen emanzipatorischen, progressiven Anspruch. Die Ann&auml;herung, die Vernetzung zwischen Amerikanern und Deutschen, die von der Atlantik-Br&uuml;cke und dem ACG betrieben wurde, schlie&szlig;t weite Bev&ouml;lkerungsteile aus. Mitglieder waren gr&ouml;&szlig;tenteils Vorstandsvorsitzende gro&szlig;er Konzerne und Banken und Politiker; zu einem geringeren Teil Journalisten (wobei Marion D&ouml;nhoff bis in die 1970er Jahre hinein die einzige Frau in den Reihen der Atlantik-Br&uuml;cke war) in leitenden Positionen der Leitmedien. Die Veranstaltungen der beiden Organisationen erm&ouml;glichen und f&ouml;rdern den privilegierten Zugang zu politischen Entscheidungstr&auml;ger*innen f&uuml;r Vertreter aus der Wirtschaft und Medienleuten. &Uuml;ber diese Zirkel k&ouml;nnen also schon seit den 1950er Jahren demokratisch nicht-legitimierte Privatpersonen Einfluss auf die Politik Deutschlands und der USA nehmen. Aufgrund der besonderen Mischung der Mitglieder fungierten die beiden Organisationen auch als Lobbyorganisationen (deep lobbying) f&uuml;r die transatlantische Partnerschaft\/ Gefolgschaft und f&uuml;r die Nato.<\/p><p><strong>Vor kurzem hat der Chef des ZDF-&bdquo;Heute Journals&ldquo;, Claus Kleber, bei Maybrit Illner &uuml;ber seine Mitgliedschaft in der Atlantik-Br&uuml;cke gesprochen. Sowohl er als auch Noch-Au&szlig;enminister Sigmar Gabriel sind zu dem Ergebnis gekommen: Ein ehrenwerter Verein. Die Moderatorin hakte auch nicht weiter nach. Ist es wirklich so einfach?<\/strong><\/p><p>Ich fand es ehrlich gesagt auch erstaunlich, dass nicht einmal in einem Nebensatz erkl&auml;rt wurde, was die Atlantik-Br&uuml;cke ist. Jeden englischen Begriff, der im Laufe der Sendung fiel, hat Frau Illner &uuml;bersetzt. Bei der Erw&auml;hnung der Atlantik-Br&uuml;cke hat es offenbar gereicht, dass Herr Gabriel, Herr Kleber und Frau Illner Bescheid wussten. Wobei ich mir sehr sicher bin, dass auch Bernhard Mattes (Pr&auml;sident der AmCham Deutschland) und Erik Kirschbaum (US-Journalist) den Verein kennen oder gar Mitglied sind. Und auch Frau Domscheit-Berg ist er vermutlich ein Begriff. Schlie&szlig;lich ist auch ihr Fraktionskollege Stefan Liebich Mitglied in der Atlantik-Br&uuml;cke (Stichwort integrative Funktion). Ich glaube aber nicht, dass alle Zuschauer wussten, worum es in den folgenden Minuten ging. Nun als ehrenhaft verstehen sich Mitglieder und Mitarbeiterinnen der Atlantik-Br&uuml;cke, weil sie sich ja um die Verst&auml;ndigung zwischen L&auml;ndern und Menschen einsetzen. Die Frage ist ja aber, wenn das alles so ehrenhaft ist, warum macht die Atlantik-Br&uuml;cke so ein Geheimnis um ihre Mitglieder? Es m&uuml;ssten sich ja alle sehr geehrt f&uuml;hlen, dort Mitglied sein zu d&uuml;rfen. Interessanter fand ich Claus Klebers Reflex, Verschw&ouml;rungstheoretiker heranzuziehen, die in der Atlantik-Br&uuml;cke, der Trilateralen Kommission, den Bilderbergen eine geheime Weltregierung sehen. <\/p><p><strong>Warum? <\/strong><\/p><p>Damit wird jegliche konstruktive und kritische Auseinandersetzung mit diesen Eliteorganisationen sofort diskreditiert. Gern werden die Veranstaltungen der Atlantik-Br&uuml;cke zu Kaffeekr&auml;nzchen verkl&auml;rt, die keinerlei Einfluss auf irgendetwas haben. Warum gibt es sie dann? Ein weiteres Argument, das Herr Kleber anbrachte, nirgends w&uuml;rde die USA sch&auml;rfer kritisiert als auf solchen Veranstaltungen, greift viel zu kurz und bleibt an der Oberfl&auml;che. Gewiss treffen dort verschiedene Argumente und Positionen aufeinander, aber immer nur in einem festen vorgegebenen Rahmen. Dass die Nato weiterhin erhalten werden muss, dass Deutschland st&auml;rker aufr&uuml;sten muss, das wird nicht hinterfragt. F&uuml;r meine Doktorarbeit habe ich auch die von Atlantik-Br&uuml;cke und ACG seit 1959 organisierten Deutsch-amerikanischen Konferenzen untersucht. Nicht-&ouml;ffentlich wurden dort alle zwei Jahre weltpolitische Probleme und auch Fragen der deutsch-amerikanischen Beziehungen diskutiert; der Vietnam-Krieg allerdings nicht.<\/p><p><strong>Wie sehen Sie die Mitgliedschaft von Journalisten in der Atlantik-Br&uuml;cke?<\/strong><\/p><p>Ich sehe das durchaus kritisch und frage mich auch, warum Journalisten das machen. Ist das nur Teil ihrer Hintergrundrecherchen? Wollen sie wissen, wie die Eliten ticken? Aber warum verlassen sie dann nie oder nur selten den abgesteckten Diskursrahmen, wenn sie &uuml;ber transatlantische Fragen berichten? Sehr zu empfehlen, ist zu diesem Thema die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17471\">Studie<\/a> des Leipziger Journalismusforschers <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31990\">Uwe Kr&uuml;ger<\/a>, die sich kritisch mit der Frage auseinandersetzt, welchen Einfluss die Elitekreise auf Journalisten der Leitmedien haben. <\/p><p><em>Anmerkung der Redaktion: <a href=\"http:\/\/www.transatlanticperspectives.org\/entry.php?rec=133\">Hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.transatlanticperspectives.org\/entry.php?rec=156\">hier<\/a> findet sich ein Einblick in die Arbeit von Anne Zetsche. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171207_zetsche.jpg\" alt=\"Anne Zetsche\" title=\"Anne Zetsche\"\/><\/div>\n<p>Die Atlantik-Br&uuml;cke ist ein &bdquo;ehrenwerter Verein&ldquo;. Dar&uuml;ber waren sich Claus Kleber, der Chef des ZDF &bdquo;Heute Journals&ldquo;, und Noch-Au&szlig;enminister Sigmar Gabriel trotz <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41057\">einiger Differenzen zuvor<\/a> im &lsquo;Polit-Talk&rsquo; bei Maybrit <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/politik\/maybrit-illner\/der-unfassbare-praesident-was-hat-trump-veraendert-sendung-vom-9-november-2017-100.html\">Illner<\/a> (ab Minute 57:20) einig. <a href=\"https:\/\/www.atlantik-bruecke.org\/\">Atlantik-Br&uuml;cke<\/a>? Was ist das? 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