{"id":41487,"date":"2017-12-10T10:00:46","date_gmt":"2017-12-10T09:00:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41487"},"modified":"2018-12-30T16:09:48","modified_gmt":"2018-12-30T15:09:48","slug":"argentinien-staatsgeheimnis-und-militaerische-mutmassungen-ueber-den-untergang-des-u-bootes-san-juan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41487","title":{"rendered":"Argentinien \u2013 Staatsgeheimnis und milit\u00e4rische Mutma\u00dfungen \u00fcber den Untergang des U-Bootes San Juan"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171210-Argentinien-01-.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Die Trag&ouml;die um das argentinische U-Boot ARA San Juan vertieft und verstrickt sich im Gewirr der Widerspr&uuml;che und des Staatsgeheimnisses. Am vergangenen 30. November, 15 Tage nach dem spurlosen Abtauchen des von den Nordseewerken in Emden 1985 an Argentinien verkauften deutschen U-Boots vom Typ TR 1700, mit elektrischem Batterieantrieb, erkl&auml;rte Kapit&auml;n Enrique Balbi, Pressesprecher der argentinischen Marine, die Hoffnung f&uuml;r begraben, dass die 44 Besatzungsmitglieder noch am Leben seien und teilte die Einstellung der Rettungsaktion mit, an der sich immerhin 14 L&auml;nder mit einem beachtlichen Aufgebot von Flugzeugen, Schiffen und Unterwasser-Ortungstechnologie beteiligten, jedoch bisher erfolglos. Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer Rettungsaktion f&uuml;r die U-Boot-Besatzung hatten sich u.a. Brasilien, die USA, Peru, Gro&szlig;britannien, Kolumbien, Norwegen, Frankreich, Uruguay, Deutschland, Italien, Spanien und Russland angeschlossen. Russland entsandte eine Antonov An-124-Maschine mit einem ferngesteuerten Tauchboot &ldquo;Panther plus&rdquo;, au&szlig;erdem das ozeanographische Forschungsschiff &ldquo;Yantar&rdquo;, ausger&uuml;stet mit zwei Fahrzeugen, die in Meerestiefen von bis zu 6.000 Metern absinken k&ouml;nnen. <\/p><p>Nachdem das internationale Geschwader 1 Million Seemeilen zur&uuml;ckgelegt und das untersuchte Gebiet im S&uuml;datlantik in einer Tiefe von 300 Metern ohne positive Ergebnisse aufgerastert hatte, habe die argentinische Marine sich zur &Auml;nderung des SAR-Such-und Rettungs-Protokolls entschieden. Fortan, so Balbi, werde die Marine sich allein auf die Wiederfindung des U-Bootes konzentrieren und er entband das internationale Geschwader von der weiteren Hilfe. Sollte sich jedoch herausstellen, dass das U-Boot mehr als 500 Meter tief auf dem Meeresgrund liege, m&uuml;ssten s&auml;mtliche Operationen eingestellt werden.<\/p><p><strong>Auf Geheimmission?<\/strong><\/p><p>Nach einer umfangreichen General&uuml;berholung, zwischen 2007 und 2014, war das San-Juan-U-Boot erst seit zwei Jahren wieder in Betrieb.<\/p><p>Die offizielle Version f&uuml;r das Verschwinden des U-Boots st&uuml;tzt sich auf die letzte Radioverbindung mit dem Schiff, bei der am Sp&auml;tabend des 14. November ein Brand an Bord gemeldet wurde, der durch Eindringen von Meereswasser durch den Schnorchel zwar einen Kurzschluss einzelner Antriebsbatterien verursacht, jedoch nicht die Weiterreise behindert habe. Der letzte Kontakt des 45-j&auml;hrigen U-Boot-Kapit&auml;ns Pedro Mart&iacute;n Fern&aacute;ndez wurde um 07:30 Uhr am 15. November protokolliert, als sich die San Juan auf halber R&uuml;ckfahrt von Ushuaia (Feuerland) zum Marine-St&uuml;tzpunkt Mar del Plata befand, circa 240 Seemeilen (432 km) vom Golf von San Jorge, am Festland, entfernt. <\/p><p>Mit anderen Worten: Das U-Boot navigierte 40 Seemeilen au&szlig;erhalb der argentinischen 200-Meilen-Zone in internationalen Gew&auml;ssern und damit knapp an der Grenze zur maritimen Sperrzone rund um die 595,3 Seemeilen vom Festland entfernten und von Gro&szlig;britannien milit&auml;risch schwer bewachten Malwinen-Falkland-Inseln, um deren Besitz es 1982 zu einem verheerenden Krieg zwischen Argentinien und dem NATO-Land gekommen war.<\/p><p>Jedoch wenige Stunden nach Fern&aacute;ndez&acute; letztem Lebenszeichen registrierten Sonarger&auml;te ein &bdquo;explosionsartiges Ereignis&rdquo; auf dem vorgegebenen Unterwasser-Kurs des U-Bootes, das die argentinische Marine best&auml;tigte.<\/p><p>Als zweiter Regelversto&szlig; paarte sich zum unverst&auml;ndlichen Kurs von ARA San Juan die Meldung, anstatt der maximal zul&auml;ssigen 37 bef&auml;nden sich 44 Besatzungsmitglieder an Bord. Als 7 irregul&auml;re Mitfahrer seien 6 Kampftaucher und ein Geheimdienst-Agent der Marine zugestiegen, erz&auml;hlte der Bruder eines der 37 Besatzungsmitglieder (Submarino argentino llevaba m&aacute;s tripulantes de lo permitido &ndash; Telesur, 26.11.2017).<\/p><p><strong>Spannungen mit Gro&szlig;britannien eskalieren<\/strong><\/p><p>Doch weder erkl&auml;rte die Marine die gef&auml;hrliche &Uuml;berbesetzung in dem engen Boot, noch weshalb ARA San Juan so weit vom Festland entfernt, am Rande der kontinentalen Plattform gesteuert wurde, wo eine bedrohliche, 6 Kilometer tiefe Schlucht in die Abgr&uuml;nde des st&uuml;rmischen S&uuml;datlantik f&uuml;hrt.<\/p><p>&bdquo;Die Marine gibt nicht alles bekannt, was sie wei&szlig;&rdquo;, erkl&auml;rte der einflussreichen, konservativen, argentinischen Tageszeitung La Naci&oacute;n im <em>off the record<\/em> ein hoher Beamter, der an der Suchaktion des U-Boots beteiligt war (Buscan determinar qu&eacute; indicaciones recibi&oacute; el submarino &ndash; La Naci&oacute;n, 03.12.2017). Die f&uuml;r die Aufkl&auml;rung der mysteri&ouml;sen Umst&auml;nde angerufene Bundesrichterin Marta Y&aacute;&ntilde;ez signalisierte ferner ein Misstrauen zwischen Regierung und Marine: &bdquo;Was durchgesickert ist, scheint einige Leute in der Marine und im Verteidigungsministerium zum Handeln bewegt zu haben, weil sie vorgeben, der Unfall sei Staatsgeheimnis, oder weil sie sich gegenseitig widersprechen, was das Handeln der Justiz wiederum nicht sonderlich leichtmacht&rdquo;.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171210-Argentinien-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171210-Argentinien-02-small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Was die Streitmacht und die Regierung nicht zugeben wollten und die offiziellen Medien nicht ausreichend recherchierten ist, dass das San-Juan-U-Boot von einem spannungsgeladenen Milit&auml;rman&ouml;ver vom Feuerland zur&uuml;ckkehrte. &bdquo;Die Zerst&ouml;rer der argentinischen Marine sind mit Exocet-Raketen ausger&uuml;stet und werden im Rahmen des Man&ouml;vers (Anm.: das schrottreife) ARA &acute;Somellera&acute; mit diesen Raketen versenken. Zum ersten Mal nach 20 Jahren feuerte die Marine im Jahr 2016 von einem MEKO-360-Zerst&ouml;rer Exocet-Raketen ab, um die ARA &acute;Krause&acute; zu versenken&ldquo;, feierte Anfang November ein den Streitkr&auml;ften nahestehender Blog (La Flota de Mar despliega su esplendor en Ushuaia &ndash; Poder&iacute;o Militar, 09.11.2017).<\/p><p>Gemeint war die &Uuml;bung &bdquo;Etapa del Mar III&ldquo; (&bdquo;Meeresetappe III&ldquo;), die in den ersten Novembertagen in Ushuaia abgehalten wurde und zwar &bdquo;im Kontext der bestehenden Spannungen mit Gro&szlig;britannien&hellip;, nachdem letztgenanntes Land die Durchf&uuml;hrung eines Rapier-Raketentests auf den Falklandinseln ank&uuml;ndigte&ldquo;, erkl&auml;rte Poder&iacute;o Militar. Der zwischen dem 30. Oktober und dem 03. November geplante britische Test war wiederum eine Reaktion auf den argentinischen Kauf von 6 franz&ouml;sischen Kampfjets (Falklands Islands to be protected by &pound;78m missile shield after Argentina signs contract to buy new fighter jets &ndash; Mail Online, 22.11.2017).<\/p><p>Das argentinische Au&szlig;enministerium lehnte die britischen Absichten in aller Sch&auml;rfe mit der seit rund 200 Jahren vorgetragenen Begr&uuml;ndung ab, die geplanten Tests seien auf vom Vereinigten K&ouml;nigreich illegitim besetzten argentinischen Territorium geplant. Gro&szlig;britannien respektiere keinerlei Resolutionen der Vereinten Nationen und anderer internationaler Organisationen, die beide L&auml;nder seit vielen Jahren dazu auffordern, Verhandlungen wieder aufzunehmen, um eine friedliche und endg&uuml;ltige L&ouml;sung des Souver&auml;nit&auml;tsstreits herbeizuf&uuml;hren. Die bestehenden Spannungen eskalieren damit erneut.<\/p><p><strong>Staatsgeheimnis n&auml;hrt weitere Mutma&szlig;ungen<\/strong><\/p><p>Fern des medialen Mainstreams wurden unterschiedliche Szenarien als Ursache f&uuml;r die U-Boot-Katastrophe diskutiert, eine davon stellte Verbindungen zu den USA her. Im vergangenen Oktober f&uuml;hrte die 4. Flotte der US-Marine gemeinsam mit der chilenischen Marine das &bdquo;Chilemar VII&ldquo;-Man&ouml;ver durch, das die Rettung gesunkener U-Boot-Besatzungen erprobte. &Auml;hnliche Man&ouml;ver sollten im Anschluss unter dem Codewort &bdquo;Cormor&aacute;n&ldquo; von den USA und Argentinien durchgef&uuml;hrt werden. Die &Uuml;bungen bestanden aus U-Boot-Erkennung und Kampfpraktiken.<\/p><p>Nachdem die geplanten Man&ouml;ver im Senat angenommen worden waren, wurden sie jedoch von der Abgeordnetenkammer nicht ratifiziert, ebenso wenig die geplanten SUB-SAR &Uuml;bungen mit Brasilien, die die Rettung eines U-Boots der ARA SanJuan TR-1700-Klasse zum Gegenstand hatten. Diese Annahme besagt, dass gemeinsame &Uuml;bungen mit der US-Marine, auch mit der Royal Navy durchgef&uuml;hrt wurden, jedoch hinter dem R&uuml;cken des argentinischen Parlaments. W&auml;hrend dieser &Uuml;bungen h&auml;tte ARA San Juan &bdquo;aus Versehen&ldquo; von einem &bdquo;befreundeten&ldquo; Torpedo getroffen worden sein k&ouml;nnen.<\/p><p>Mit Nachdruck wird in Argentinien darauf hingewiesen, dass die USA seit Jahren das s&uuml;damerikanische Land f&uuml;r die Zulassung von drei US-Milit&auml;r-St&uuml;tzpunkten n&ouml;tigen, einer davon auf dem Feuerland.<\/p><p>Eine weitere Hypothese erw&auml;gt die Kollision mit einer alten oder neuen Unterwasser-Mine als &bdquo;Verm&auml;chtnis des Malvinas-Falkland-Krieges&ldquo;. Eine solche Mine k&ouml;nne sich aus ihren Verankerungen und Bojen l&ouml;sen und im Meer verlieren, erkl&auml;rte Vasili Dandikin, Kapit&auml;n der russischen Marine, die durchaus plausible Annahme (Hip&oacute;tesis sobre el ARA San Juan &ndash; Sputnik, 02.12.2017).<\/p><p>Die erste Reaktion der argentinischen Marine war, keine Ursachen-Hypothese w&auml;hrend der Suche nach dem U-Boot auszuschlie&szlig;en, doch vor ein paar Tagen erkl&auml;rte deren Sprecher, Kapit&auml;n Enrique Balbi, &bdquo;es g&auml;be keine Anzeichen externer Angriffe oder von U-Boot-Minen&ldquo;, die die Explosion an Bord verursacht h&auml;tten. Auff&auml;llig ist, dass es jedoch auch umgekehrt keine Beweise daf&uuml;r gibt, dass Minen- oder Abschuss-Hypothesen ausgeschlossen werden sollten.<\/p><p>Als weitverbreitete Annahme, gar Behauptung in der argentinischen Bev&ouml;lkerung, wird ein Torpedoangriff der britischen Royal Navy erw&auml;hnt. Diese Spekulation entspringt dem seit Jahrzehnten schwelenden diplomatischen Konflikt &uuml;ber die Besetzung des Malwinen-Archipels durch Gro&szlig;britannien und der damit verbundenen Militarisierung des S&uuml;datlantiks durch das NATO-Land, dessen atombetriebene und atomar best&uuml;ckte U-Boote ungehindert auf- und abfahren. Was, wenn sich das San-Juan-U-Boot in geheimer Spionage-Mission in der N&auml;he der Malwinen-Falkland-Inseln herumtrieb und von der britischen Marine gejagt und mit Torpedos versenkt wurde?, fragen sich die Menschen.<\/p><p>Bundesrichterin Marta Y&aacute;&ntilde;ez erkl&auml;rte immerhin, sie schlie&szlig;e einen externen Angriff nicht aus. Die Marine habe ja die Pflicht, die Sicherheit der K&uuml;ste zu gew&auml;hrleisten, also k&ouml;nne es sich tats&auml;chlich um eine vertrauliche Mission gehandelt haben. Sie bat die Marine und das Verteidigungsministerium um eine Stellungnahme, erhielt jedoch bis zum vergangenen 2. Dezember keine Antwort.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171210-Argentinien-01-.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Die Trag&ouml;die um das argentinische U-Boot ARA San Juan vertieft und verstrickt sich im Gewirr der Widerspr&uuml;che und des Staatsgeheimnisses. Am vergangenen 30. 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