{"id":41496,"date":"2017-12-11T10:00:39","date_gmt":"2017-12-11T09:00:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41496"},"modified":"2019-04-25T15:14:18","modified_gmt":"2019-04-25T13:14:18","slug":"unsere-imperiale-lebensweise-rezension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41496","title":{"rendered":"Unsere imperiale Lebensweise &#8211; Rezension"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Imperiale Lebensweise&ldquo; &ndash; so nennen die beiden Politologen Ulrich Brand (Professor an der Universit&auml;t Wien) und Markus Wissen (Professor an der Hochschule f&uuml;r Wirtschaft und Recht Berlin) den f&uuml;r unsere Gesellschaft typischen Lebensstil. Und so hei&szlig;t auch <a href=\"https:\/\/www.oekom.de\/nc\/buecher\/gesamtprogramm\/buch\/imperiale-lebensweise.html\">ihr Buch<\/a>, das den Untertitel &bdquo;Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus&ldquo; hat. <strong>Udo Brandes<\/strong> hat es f&uuml;r die NachDenkSeiten gelesen.<br>\n<!--more--><br>\nMit dem Begriff &bdquo;Imperiale Lebensweise&ldquo; wollen die Autoren sichtbar machen und ins Bewusstsein rufen, dass wir uns unsere Lebensweise nur leisten k&ouml;nnen, weil wir deren zerst&ouml;rerische Folgen f&uuml;r Mensch und Natur &bdquo;externalisieren&ldquo;. Das hei&szlig;t: Wir muten sie anderen L&auml;ndern und Gesellschaften zu &ndash; und k&ouml;nnen so die desastr&ouml;sen Folgen dieser Lebensweise ausblenden. Diese imperiale Lebensweise basiere auf Ungleichheit, Macht und Herrschaft sowie mitunter auch auf Gewalt, die sie gleichzeitig auch hervorbringe. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Kerngedanke des Begriffs ist, dass das allt&auml;gliche Leben in den kapitalistischen Zentren wesentlich &uuml;ber die Gestaltung der gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse und Naturverh&auml;ltnisse andernorts erm&ouml;glicht wird: &uuml;ber den im Prinzip unbegrenzten Zugriff auf das Arbeitsverm&ouml;gen, die nat&uuml;rlichen Ressourcen und die Senken &ndash; also jene &Ouml;kosysteme, die mehr von einem bestimmten Stoff aufnehmen, als sie selbst an ihre Umwelt abgeben (wie Regenw&auml;lder und Ozeane im Fall von CO2) &ndash; im globalen Ma&szlig;stab&ldquo; (S. 43).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Wir selbst verursachen die Fl&uuml;chtlingsbewegungen<\/strong><\/p><p>Eine Folge der imperialen Lebensweise seien die weltweiten Fl&uuml;chtlingsbewegungen. Aber genau dieser Aspekt werde systematisch bei der Fl&uuml;chtlingsdebatte ausgeblendet. So werde oft der Klimawandel als Fluchtursache behandelt. Tats&auml;chlich seien die Zusammenh&auml;nge aber anders: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wasserkonflikte &ndash; in vielen Teilen der Welt scheinbar die zwangsl&auml;ufige Folge einer im Zuge des Klimawandels zunehmenden Trockenheit &ndash; werden als Resultat der Zerst&ouml;rung kleinb&auml;uerlicher Produktionsweisen verstehbar, wie sie von agrarindustriellen Unternehmen des globalen Nordens im Einklang mit den Interessen lokaler und nationaler Eliten des globalen S&uuml;dens betrieben wird. Und als eine Ursache der &ndash; mangels anerkannter Fluchtgr&uuml;nde oft als &rsquo;illegal&rsquo; gebrandmarkten &ndash; Migration afrikanischer Kleinbauern nach Europa ger&auml;t die EU-Agrar- und Au&szlig;enhandels in den Blick, die mit dem Export hoch subventionierter Agrarprodukte nach Afrika dortige M&auml;rkte und Einkommensm&ouml;glichkeiten zerst&ouml;rt&ldquo; (S. 12).\n<\/p><\/blockquote><p>Das Konzept der imperialen Lebensweise steht in der Tradition von Antonio Gramsci. Denn die Autoren gehen davon aus, dass sich eine von massiven Interessenskonflikten und Widerspr&uuml;chen durchzogene Gesellschaftsformation wie die kapitalistische nur erhalten kann, wenn sie im Alltagsverstand verankert ist und als quasi &bdquo;nat&uuml;rlich&ldquo; wahrgenommen wird. Wenn wir es also ganz selbstverst&auml;ndlich hinnehmen und erst gar nicht mehr dar&uuml;ber nachdenken, dass wir uns verschiedenste Konsumg&uuml;ter nur leisten k&ouml;nnen, weil sie andernorts auf Basis von Ausbeutung und Umweltsch&auml;den produziert wurden.<\/p><p><strong>Klassenkampf mit dem SUV<\/strong><\/p><p>Beispielhaft wird dies an der Automobilit&auml;t und insbesondere der enormen Verbreitung sogenannter SUVs (Sport Utility Vehicles), dieser Mischung aus Gel&auml;ndewagen und Limousine, untersucht:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Im Gel&auml;ndewagen- und SUV-Boom manifestieren sich die imperiale Lebensweise und ihre tendenzielle Verallgemeinerung auf eine besonders anschauliche Weise. SUVs sind &auml;u&szlig;erst ressourcen- und emissionsintensiv. Sie sind schwerer, haben einen h&ouml;heren Luftwiderstand, sind meist st&auml;rker motorisiert &ndash; und verbrauchen daher mindestens 25% Treibstoff mehr als konventionelle Flie&szlig;- und Stufenheckfahrzeuge. (&hellip;.) Aufgrund ihrer Gr&ouml;&szlig;e nehmen SUVs mehr &ouml;ffentlichen Raum in Anspruch als andere PKW. Und schlie&szlig;lich ist bei einem Unfall mit SUV-Beteiligung das Risiko, get&ouml;tet oder schwer verletzt zu werden, f&uuml;r die Insassen eines kleineren PKW deutlich h&ouml;her als f&uuml;r die Insassen des SUV. Auch f&uuml;r Fu&szlig;g&auml;nger ist das Risiko, bei einem Zusammensto&szlig; mit einem SUV schwer oder lebensbedrohlich verletzt zu werden, h&ouml;her als bei einem Zusammensto&szlig; mit einen kleinerem Auto&ldquo; (S. 126).\n<\/p><\/blockquote><p>Trotzdem w&uuml;rden ausgerechnet soziale Klassen mit h&ouml;herem Einkommen, die sich durch ein vergleichsweise h&ouml;heres Umweltbewusstsein auszeichnen, SUV fahren. Wie passt das zusammen? <\/p><p>Die Autoren interpretieren dies als Ausdruck von Konkurrenz und R&uuml;cksichtslosigkeitsverhalten, das typisch sei f&uuml;r den sozialen Charakter, der im konkurrenzorientierten Kapitalismus produziert werde:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der SUV wirkt aufgrund seiner materialen Eigenschaften verst&auml;rkend auf jene von zunehmender Konkurrenz und R&uuml;cksichtslosigkeit gepr&auml;gten sozialen Verh&auml;ltnisse zur&uuml;ck, deren Produkt er ist. Dies tut er, indem er die ihm entsprechende Subjektivit&auml;t selbst mit hervorbringt&ldquo; (S. 129).\n<\/p><\/blockquote><p>Dies veranschaulichen sie sehr sch&ouml;n mit einem Zitat aus der Reportage des Journalisten Jan Stremmel von der S&uuml;ddeutschen Zeitung, der einen Selbstversuch mit einem SUV machte: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Nach zwei Tagen hat der Wagen gewonnen. Ich zimmere die A 9 runter, linke Spur, da schert ein silberner Kombi vor mir ein. In den R&uuml;ckspiegel gucke ich zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr. Wer 225 Kilometer pro Stunde f&auml;hrt, muss nicht mit vielen &Uuml;berraschungen von hinten rechnen. Aber vor mir mit 150 in die &Uuml;berholspur ziehen? Ich knurre, obwohl ich nie knurre. Ich ziehe den Hebel f&uuml;r die Lichthupe, obwohl ich nie die Lichthupe bet&auml;tige. Ich bin ein r&uuml;cksichtsloser Arsch. Das Auto hat gesiegt&ldquo; (S. 129-139).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Je schneller desto weniger Zeit<\/strong><\/p><p>Das Paradoxe an solchen Entwicklungen liege darin, dass die M&ouml;glichkeit, Entfernungen schneller zu &uuml;berbr&uuml;cken, keineswegs einen Gewinn an Zeit und Lebensqualit&auml;t bedeuten w&uuml;rde. Dies belegen die Autoren mit einer zwar veralteten Studie von Ivan Illich aus dem Jahre 1975. Aber die dort genannten Relationen d&uuml;rften nach wie vor zutreffen oder heute sogar noch schlimmer ausfallen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der typische amerikanische Mann wendet 1600 Stunden auf, um sich 7500 Meilen fortzubewegen: Das sind weniger als f&uuml;nf Meilen pro Stunde. In L&auml;ndern, in denen eine Transportindustrie fehlt, schaffen die Menschen dieselbe Geschwindigkeit und bewegen sich dabei, wohin sie wollen &ndash; und sie wenden f&uuml;r den Verkehr nicht 28 Prozent, sondern nur 3 bis 8 Prozent ihres gesellschaftlichen Zeitbudgets auf&ldquo; (S. 135).\n<\/p><\/blockquote><p>Die Autoren ziehen aus solchen und anderen Beispielen und Daten folgendes Res&uuml;mee:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ab einem bestimmten Punkt l&auml;sst sich die zeitraubende Geschwindigkeit nur noch unter Potenzierung der Unfallgefahren erh&ouml;hen. Der Wettbewerb nimmt dann andere Formen an: H&ouml;her gelegte, panzergleiche Fahrzeuge befriedigen das Sicherheitsbed&uuml;rfnis ihrer Insassen. Im selben Ma&szlig;e, wie sie spielende Kinder, Fu&szlig;g&auml;ngerInnen, RadfahrerInnen und die Insassen von Kleinwagen gef&auml;hrden. Und neben der H&ouml;chstgeschwindigkeit wird die technische Ausstattung zur Statusfrage, an der sich entscheidet, wer den Zeitverlust in einem (unfallbedingtem) Stau am komfortabelsten gestalten kann&ldquo; (S. 136).\n<\/p><\/blockquote><p>Daran zeige sich ein wichtiges Merkmal der Massenautomobilit&auml;t: &Uuml;ber sie, die Massenautomobilit&auml;t, sickerten die kapitalistischen Prinzipien der Konkurrenz und Nutzenmaximierung in die Poren des Alltags ein. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Massenautomobilismus ist die Konkretisierung eines vollst&auml;ndigen Triumphs der b&uuml;rgerlichen Ideologie auf die Ebene der Alltagspraxis: er begr&uuml;ndet und erh&auml;lt die tr&uuml;gerische Vorstellung, dass sich jedes Individuum <em>auf Kosten aller<\/em> mehr Geltung verschaffen und bereichern kann&ldquo; (S. 136).\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Gr&uuml;ner Kapitalismus ist auch keine L&ouml;sung<\/strong><\/p><p>Was also tun? Wie sieht die Alternative zur imperialen Lebensweise aus? Im sogenannten Gr&uuml;nen Kapitalismus sehen die Autoren keine L&ouml;sung des Problems: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wichtige Annahmen des Leitbildes und der Strategien hin zu einer gr&uuml;nen &Ouml;konomie lauten: Die eigentlichen Innovationen gehen vom &sbquo;Markt&rsquo; aus, der eben nur den richtigen Ordnungsrahmen ben&ouml;tigt. Der Staat setzt die Regeln f&uuml;r den als effizient angenommenen Markt und agiert gegen dessen schlimmste Ausw&uuml;chse oder Krisen, das &sbquo;Marktversagen&rsquo;. Explizit oder implizit wird dabei davon ausgegangen, dass die f&uuml;r n&ouml;tig befundene absolute Reduktion des Ressourcenverbrauchs und der Senkenbelastung (Senken sind beipielsweise Regenw&auml;lder, die global CO2-Belastungen kompensieren; U.B.) machbar sei, ohne die imperiale Lebensweise, die politische &Ouml;konomie des Kapitalismus und die sie tragenden gesellschaftlichen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse infrage zu stellen (S. 149). (&hellip;.) Fakt aber ist, dass es sich bei der Annahme, unter kapitalistischen Verh&auml;ltnissen sei eine Entkoppelung des Wachstums vom Ressourcenverbrauch denkbar, um eine mehr als k&uuml;hne Hoffnung handelt&ldquo; (S. 152).\n<\/p><\/blockquote><p>Ein Beispiel daf&uuml;r sei die aktuelle Debatte um die &ouml;kologische Modernisierung des Autofahrens mit Elektroantrieb:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Zun&auml;chst f&auml;llt auf, dass die Debatte &uuml;ber Elektromobilit&auml;t gleich zwei wichtige Verk&uuml;rzungen aufweist. Erstens wird Elektromobilit&auml;t auf Elektro<em>auto<\/em>mobilit&auml;t reduziert, w&auml;hrend etwa die Zur&uuml;ckdr&auml;ngung des MIV (= Motorisierter Individualverkehr; U.B.) zugunsten von kollektiven Formen der Elektromobilit&auml;t wie Stra&szlig;enbahnen oder Elektrobussen, wenn &uuml;berhaupt nur eine untergeordnete Rolle spielt. Zweitens werden zwar die &ouml;kologischen Vorteile betont, den der Betrieb von Elektroautos gegen&uuml;ber dem von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bietet. Die &ouml;kologischen Kosten ihrer <em>Herstellung<\/em> bleiben jedoch unterbelichtet&ldquo; (S. 143).\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Schieflage habe bereits die Abwrackpr&auml;mie gekennzeichnet, mit der die Bundesregierung in der j&uuml;ngsten Wirtschaftskrise die Autoindustrie st&uuml;tzte. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Hier ging es darum, ein altes gegen ein verbrauchs&auml;rmeres und damit im <em>Betrieb<\/em> &ouml;koeffizienteres neues Auto einzutauschen. &Ouml;kologie und &Ouml;konomie , so wurde suggeriert, w&uuml;rden davon gleicherma&szlig;en profitieren. Die Frage, welcher Material- und Energieaufwand dadurch f&uuml;r die Herstellung von Autos betrieben wurde, die eigentlich keiner brauchte, weil die zu ersetzenden es vermutlich zum gr&ouml;&szlig;ten Teil auch noch taten, wurde nicht gestellt&ldquo; (S. 143).\n<\/p><\/blockquote><p>Bei einer fl&auml;chendeckenden Umstellung des Autoverkehrs auf Elektromobilit&auml;t k&ouml;nne im &Uuml;brigen die Verf&uuml;gbarkeit einiger Metalle wie Platin und Kupfer zum Problem werden. Und beim daf&uuml;r ben&ouml;tigten Lithium sei das Problem, dass der Lithiumabbau mit gravierenden &ouml;kologischen Konsequenzen in den betroffenen Regionen verbunden sei. Eine Mobilit&auml;tswende, die vor allem auf die Senkung von CO2-Emissionen abziele, und nicht gleichzeitig auch die stofflichen Dimensionen der Elektromobilit&auml;t problematisiere, bedeute also, dass sich die &uuml;berproportionale Inanspruchnahme von Material und Energie seitens weniger Beg&uuml;nstigter fortsetze:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die imperiale Lebensweise wird dadurch gerade nicht &uuml;berwunden, sondern durch eine Ver&auml;nderung ihrer energetischen und materialbezogenen Grundlage perpetuiert&ldquo; (S. 145).\n<\/p><\/blockquote><p>Was also ist die konkrete Schlussfolgerung der Autoren? Was muss grunds&auml;tzlich, nicht nur in Bezug auf Automobilit&auml;t in unserer Gesellschaft ver&auml;ndert werden und wie anders gemacht werden? Und hier liegt meines Erachtens eine Schw&auml;che des Buches: Mir fehlen ganz konkrete, klare Aussagen, was anders gemacht, ver&auml;ndert werden muss. Hier bleiben die Autoren mir zu sehr in abstrakten Beschreibungen wie der folgenden stecken:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Eine solidarische Lebensweise muss also die grundlegende Verletzlichkeit des menschlichen und au&szlig;ermenschlichen Lebens anerkennen und Formen des Zusammenlebens schaffen, die nicht auf Prekarisierung vieler oder auch nur einiger Menschen und der gesellschaftlichen Naturverh&auml;ltnisse beruhen&ldquo; (S. 179).\n<\/p><\/blockquote><p>Trotzdem bin ich der Meinung, dass dieses Buch wert ist gelesen zu werden. Es enth&auml;lt eine F&uuml;lle interessanter Informationen, Ideen und Sichtweisen. Allein schon der Begriff der &bdquo;imperialen Lebensweise&ldquo; ist ein interessanter Beitrag zur politischen Debatte, weil er in der Tat sichtbar macht und ins Bewusstsein r&uuml;ckt, dass wir uns nur auf Kosten anderer Gesellschaften und L&auml;nder unseren Lebensstil leisten k&ouml;nnen. Und dass die vielen Fl&uuml;chtlinge, die jetzt vor Europas Toren stehen und nach Einlass begehren, in direktem Zusammenhang mit unserer imperialen Lebensweise stehen. Dass wir also nicht weitermachen k&ouml;nnen wie bisher, sondern dass wir grundlegende Fragen stellen m&uuml;ssen. Und zwar auch in Bezug auf Eigentumsverh&auml;ltnisse und die Profitlogik, die immer mehr gesellschaftliche Bereiche pr&auml;gt. Deshalb finde ich es schade, dass die Autoren ihre wertvollen Inhalte in einer oft schwerf&auml;lligen akademischen Sprache pr&auml;sentieren. Dem Buch h&auml;tte es gut getan, wenn es etwas popul&auml;rer und unwissenschaftlicher formuliert worden w&auml;re. Denn seine Inhalte sind es wert, ein gro&szlig;es Publikum zu finden.<\/p><p><strong>Ulrich Brand, Markus Wissen: Imperiale Lebensweise, Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im Globalen Kapitalismus; Oekom-Verlag, M&uuml;nchen 2017, 3. Auflage, 14,95 Euro.<\/strong><\/p><p><strong>Nachtrag zu meiner Rezension des Buches &bdquo;Imperiale Lebensweise&ldquo; von Ulrich Brand und Markus Wissen<\/strong><br>\n&Uuml;ber meine Rezension kam es redaktionsintern zu einer Diskussion. Dabei musste ich feststellen, dass ich einige Fragen aus der Redaktion nur stockend beantworten konnte, obwohl ich das oben genannte Buch gr&uuml;ndlich gelesen habe. Die inhaltlichen Punkte will ich hier jetzt nicht n&auml;her ausf&uuml;hren, weil dies zu weit f&uuml;hren w&uuml;rde. Aber mir ist beim Nachdenken dar&uuml;ber klar geworden, warum mir dies so schwer fiel. Der Grund daf&uuml;r ist etwas, das ich in meiner Rezension schon angesprochen habe, aber noch ziemlich milde formuliert hatte: Eine aufgebl&auml;hte, abstrakte und schwafelige Sprache, die es sehr schwierig macht, den Text zu verstehen und zu erfassen. Leider kann man so eine Sprache h&auml;ufig in B&uuml;chern von Soziologen und Politologen finden. Und im Nachhinein denke ich: Das h&auml;tte ich noch pointierter in meiner Rezension kritisieren sollen. Denn eine solche Sprache ist eine Zumutung f&uuml;r den Leser und hat mehr mit akademischer Selbstbeweihr&auml;ucherung als mit wissenschaftlicher Notwendigkeit zu tun. Und sie steht dem Anliegen des Buches, Anst&ouml;&szlig;e f&uuml;r eine Verbesserung der gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse zu liefern, im Wege. Wer etwas bewegen will, der muss sich einfach und klar ausdr&uuml;cken. Und daran fehlt es mir in dem Buch von Ulrich Brand und Markus Wissen.<\/p><p><em>Udo Brandes<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Imperiale Lebensweise&ldquo; &ndash; so nennen die beiden Politologen Ulrich Brand (Professor an der Universit&auml;t Wien) und Markus Wissen (Professor an der Hochschule f&uuml;r Wirtschaft und Recht Berlin) den f&uuml;r unsere Gesellschaft typischen Lebensstil. 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