{"id":41556,"date":"2017-12-13T09:01:41","date_gmt":"2017-12-13T08:01:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41556"},"modified":"2018-12-30T16:09:07","modified_gmt":"2018-12-30T15:09:07","slug":"argentinien-haftbefehl-gegen-ex-praesidentin-cristina-kirchner-der-iran-die-welthandelskonferenz-und-die-feindbilder-mauricio-macris","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41556","title":{"rendered":"Argentinien \u2013 Haftbefehl gegen Ex-Pr\u00e4sidentin Cristina Kirchner, der Iran, die Welthandelskonferenz und die Feindbilder Mauricio Macris"},"content":{"rendered":"<p>Am vergangenen 7. Dezember erlie&szlig; der argentinische Bundesrichter Claudio Bonadio Haftbefehl gegen Ex-Pr&auml;sidentin Cristina Fern&aacute;ndez de Kirchner wegen angeblicher Justizbehinderung in den seit mehr als zwanzig Jahren andauernden Ermittlungen &uuml;ber den Anschlag auf das j&uuml;dische Gemeindezentrum AMIA, der 1994 mindestens 80 Todesopfer und mehrere hundert Verletzte forderte. Der Urteilsverk&uuml;ndung folgte die unerwartete, scharfe Kritik des ehemaligen US-amerikanischen Generalsekret&auml;rs von Interpol, Ronald Noble, der Bonadios Begr&uuml;ndung als &bdquo;F&auml;lschung&ldquo; bezeichnete. Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171213-Cristina-Kirchner.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><br>\n<!--more--><br>\nAls autorit&auml;re Parallelhandlung lie&szlig;en argentinische Medien am Vorabend der seit dem 11. Dezember in Buenos Aires tagenden Welthandelskonferenz (WTO) eine &bdquo;schwarze Liste&ldquo; der Macri-Regierung mit den Namen 63 kritischer, internationaler NGO-Vertreter, darunter vor allem Attac, durchsickern, die die Grundlage f&uuml;r den Entzug der Konferenz-Akkreditierung, dem Einreiseverbot und der Zwangsdeportation in zwei F&auml;llen bildete. Als Demonstration nackter Staatsgewalt gingen dem die bisher <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40846\">unaufgekl&auml;rte Todesursache des Aktivisten Santiago Maldonado<\/a> und am 26. November die Hinterr&uuml;cks-Erschie&szlig;ung des 27-j&auml;hrigen Mapuche-Arbeiters Rafael Nahuel durch die argentinische Polizei an den Ufern des patagonischen Mascardi-Sees voraus. <\/p><p>Die Vermutung liegt nahe, dass die gewaltbesetzten und medial inszenierten Handlungen der Regierung Macri von der hoffnungslos missratenen Wirtschaftspolitik, der Unf&auml;higkeit, das gesunkene U-Boot San Juan zu bergen und von neuen Anschl&auml;gen auf die Sozialrechte &ndash; wie der geplanten &bdquo;Reform&ldquo; des Rentensystems &ndash; ablenken soll, mit deren skrupellosen Einschnitten Einsparungen von rund 5 Milliarden Euro im Regierungsetat 2018 angepeilt sind. Zur aussichtslosen Wirtschafts- und Sozialpolitik z&auml;hlte 2017 eine Inflationsrate von 17,5 Prozent, mehr als 250.000 Entlassungen seit der Amts&uuml;bernahme Macris vor zwei Jahren und die rasante Zunahme einer unbezahlbaren Auslandsverschuldung in H&ouml;he von ca. 260 Milliarden Euro, deren Tilgung nach Angaben von Finanzminister Luis Caputo gegenw&auml;rtig 58 Prozent des Bruttoinlandsprodukts schluckt.<\/p><p><strong>Die haneb&uuml;chenen Ermittlungen &uuml;ber den Fall AMIA<\/strong><\/p><p>Ist Santiago de Chile die gr&ouml;&szlig;te Diaspora hunderttausender Pal&auml;stinenser fern ihrer Heimat, so gilt das benachbarte Buenos Aires nach New York mit 200.000 Nachkommen von Fl&uuml;chtlingen vor sukzessiven Pogromen in Europa als das zweitgr&ouml;&szlig;te j&uuml;dische Domizil au&szlig;erhalb Israels. In den 1990er Jahren fiel diese gro&szlig;e j&uuml;dische Gemeinde zwei Terroranschl&auml;gen zum Opfer, beide w&auml;hrend der Amtszeit von Pr&auml;sident Carlos Menem. Am 17. M&auml;rz 1992 wurden durch einen Sprengstoffanschlag auf die israelische Botschaft in Buenos Aires 22 Menschen get&ouml;tet und 242 verletzt.<\/p><p>Die vor 25 Jahren vom Obersten Gerichtshof Argentiniens angeordneten Ermittlungen verliefen bis Ende 2017 ergebnislos. Die parallel dazu in Israel vorgenommenen Untersuchungen des Geheimdienstes Mossad wurden niemals publik gemacht. Im M&auml;rz 2010 fand Daniel Gazit, israelischer Botschafter in Argentinien, in einer Presse-Erkl&auml;rung eine lapidare Erkl&auml;rung f&uuml;r die Einstellung des Verfahrens in seiner Heimat: Man habe die T&auml;ter des Anschlags &bdquo;eliminiert&rdquo;. Fall erledigt.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171213-Amia-nach-dem-Attentat.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Jedoch, mit 85 Toten, mehr als 300 Verletzten, der Besch&auml;digung und Zerst&ouml;rung von 400 Geb&auml;uden und Gesch&auml;ften war der am 18. Juli 1994 mit einer Autobombe ver&uuml;bte Terroranschlag auf das j&uuml;dische Gemeinschaftszentrum AMIA in Buenos Aires das verheerendste Attentat in der lateinamerikanischen Geschichte der vergangenen Jahrzehnte. Und wieder versickerten die sich &uuml;ber 23 Jahre hinwegschleppenden Ermittlungen im dunklen Fleck der Machenschaften. Keinem einzigen Beschuldigten wurde bisher die Tat einwandfrei nachgewiesen.<\/p><p>Je tiefer allerdings die Rechercheure in die vielverzweigten Senken des Attentats abstiegen, umso mehr mussten sie sich von systematischer Verschleierung der Aufkl&auml;rung durch in- und ausl&auml;ndische Ermittlungsbeh&ouml;rden &uuml;berzeugen und zugeben, der Fall AMIA stelle so manchen klassischen Politkrimi aus der erlesenen Feder eines John Le Carr&eacute; l&auml;cherlich in den Schatten.<\/p><p>Zu den Hauptakteuren der Ermittlungen geh&ouml;ren zweifellos der Staat Iran und der von j&uuml;dischen Einwanderern abstammende argentinische Staatsanwalt Alberto Nisman. Als erstes Ergebnis der argentinischen Justiz-Ermittlungen waren zun&auml;chst mehrere iranische Diplomaten als Drahtzieher und hohe Regierungsmitglieder in Teheran als Auftraggeber des Attentats beschuldigt und ein internationaler Haftbefehl gegen sie erlassen worden. <\/p><p>Doch wurde auch eine Gruppe der argentinischen Polizei beschuldigt, logistische und operative Unterst&uuml;tzung f&uuml;r den Anschlag geleistet zu haben, und jahrelang als &bdquo;&ouml;rtliche connection&rdquo; des Falles bezeichnet. Dazu geh&ouml;rte auch der Autoh&auml;ndler Carlos Telleld&iacute;n, dem der Renault-Trafic-Lieferwagen geh&ouml;rte, der als Bombenwagen f&uuml;r die Durchf&uuml;hrung des Attentats verwendet wurde.<\/p><p><strong>&ldquo;Argenleaks&rdquo;: Staatsanwalt Nisman im Dienst einer internationalen Intrige<\/strong><\/p><p>Gleichwohl nahm der Prozess 12 Jahre nach dem Anschlag eine &uuml;berraschende Wende, als durchsickerte, dass der mit der Sache beauftragte Richter Juan Jos&eacute; Galeano 400.000 US-Dollar Schmiergeld an Telleld&iacute;n gezahlt hatte, damit dieser eine Aussage gegen die angeblich involvierten Polizisten aufrechterhalte. Galeano wurde im Handumdrehen aus dem Fall entlassen, die argentinische Justiz entschied sich f&uuml;r die Annullierung s&auml;mtlicher Urteile, die Beschuldigten wurden 2006 freigesprochen.<\/p><p>Ihrerseits hatte die iranische Regierung jahrelang eine Beteiligung am Attentat bestritten und der argentinischen Justiz die Kooperation verweigert, weshalb im September 2007 der damals amtierende, progressive Pr&auml;sident N&eacute;stor Kirchner den Iran vor den Vereinten Nationen wegen mangelnder Zusammenarbeit scharf verurteilt und den Fortgang der Ermittlungen durch Staatsanwalt Alberto Nisman ermutigt hatte.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171213-Alberto-Nisman.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Bereits zwei Monate sp&auml;ter, am 7. November 2007, schaltete Nisman Interpol in den Fall ein. Er erkl&auml;rte, hinreichende Beweise f&uuml;r die Schuld von f&uuml;nf hochrangigen iranischen Regierungsmitgliedern zu besitzen, forderte aber mit eitler &Uuml;berziehung sogleich auch die Verhaftung von keinem anderen als Ali A. H. Rafsanjani, dem iranischen Staatsoberhaupt zur Zeit des Anschlags. Wie zu erwarten, verweigerte die iranische Regierung auch die Auslieferung der Angeklagten.<\/p><p>Als Nachfolgerin ihres Ehemannes wiederholte Pr&auml;sidentin Cristina Fern&aacute;ndez de Kirchner 2009 die Beschwerde und forderte von der iranischen Regierung die Auslieferung der beschuldigten Beamten. Diesmal willigte der Iran zur Bildung eines &bdquo;gemeinsamen Rechtsausschusses mit Argentinien&rdquo; ein. Nach weiteren vier Jahren Wartezeit schlug Cristina Kirchner 2013 ein Memorandum vor, das von der argentinischen Regierung unterzeichnet und vom Parlament bewilligt wurde. Kernst&uuml;ck des Memorandums war die Bildung einer internationalen Kommission zur Wahrheitsfindung im Fall AMIA. Weder kam es zur Bildung der Kommission, noch trat das Memorandum in Kraft. Es wurde f&uuml;r verfassungswidrig erkl&auml;rt, weil es niemals vom Iran ratifiziert wurde.<\/p><p>Vom medialen Mainstream mittlerweile vom Staats- zum <em>Staranwalt<\/em> aufgebaut, jedoch beachtlichem politischen Druck seitens der ultrakonservativen F&uuml;hrungen der &ouml;rtlichen j&uuml;dischen Gemeinden DAIA und AMIA, vor allem jedoch der Botschaften der USA und Israels ausgesetzt, ging Nisman im Januar 2015 dazu &uuml;ber, Pr&auml;sidentin Cristina Fernandez und Au&szlig;enminister Hector Timerman, selbst j&uuml;discher Herkunft, zu unterstellen, mit dem Iran &bdquo;eine Vereinbarung zum Schutz der Verantwortlichen getroffen zu haben&rdquo;.<\/p><p>In sich &uuml;berschlagenden Interviews beschuldigte Nisman die Exekutive, ein Spiel abgekartet zu haben, &bdquo;um iranische Spuren im AMIA-Fall auszuradieren&rdquo; und an ihrer Stelle einen angeblichen &bdquo;Handelsaustausch&rdquo; zwischen beiden L&auml;ndern zu setzen. Ministerpr&auml;sident Jorge Capitanich wies damals die Vorw&uuml;rfe Nismans als &bdquo;absurd und l&auml;cherlich&rdquo; zur&uuml;ck. Wenige Tage sp&auml;ter wurde der geschiedene Nisman in seiner Wohnung mit einem Kopfschuss tot aufgefunden.<\/p><p>Wie erneut zu erwarten war, &uuml;berst&uuml;rzten sich die Medien mit gewagten Mutma&szlig;ungen dar&uuml;ber, ob der Staatsanwalt nicht im Auftrag der Regierung Kirchner umgebracht worden sei. Obwohl Staatsanw&auml;ltin Viviana Fein, die den Fall elf Monate lang untersuchte, versichert hatte, dass es f&uuml;r einen Mord keine Beweise g&auml;be, entschied der neu beauftragte Staatsanwalt Eduardo Taiano Mitte vergangenen Novembers, dass Nisman sehr wohl umgebracht worden sei. F&uuml;r den Zweifelsfall ordnete Richter Juli&aacute;n Ercolini jedoch die Fortsetzung der Ermittlungen an.<\/p><p>Was war dran an den Anschuldigungen Nismans gegen Kirchner und Timerman? Hinweise sind dem 2011 in Buenos Aires erschienenen Buch &ldquo;Argenleaks&rdquo; des argentinischen Journalisten und Schriftstellers Santiago O&rsquo;Donnell zu entnehmen.<\/p><p>Ein Jahr zuvor erhielt O&rsquo;Donnell in London von Julian Assange ein explosives Pendrive mit hunderten gehackten Geheimberichten der USA, einige davon &uuml;ber den Fall AMIA. &bdquo;Die (US)-Botschaft sagte ihm, was er tun musste&rdquo;, erkl&auml;rte O&rsquo;Donnell der offiziellen argentinischen Nachrichtenagentur (CAUSA AMIA &ndash; &ldquo;Nisman iba a la embajada de Estados Unidos y le dec&iacute;an que hab&iacute;a que acusar a Ir&aacute;n&rdquo; &ndash; TELAM, 15.01.2015).<\/p><p>Den US-Dokumenten ist einwandfrei zu entnehmen, dass Staatsanwalt Nisman mehrmals zur amerikanischen Botschaft ging, wo ihm gesagt wurde, der Iran m&uuml;sse in den Ermittlungen in der Causa AMIA unbedingt angeklagt werden. Nisman unterrichtete die Botschaft im Vorfeld dar&uuml;ber, was er vorhatte, und die Botschaft sagte ihm, was er zu tun hatte. Zum Beispiel: weder eine verd&auml;chtige &bdquo;syrische Schiene&rdquo; oder die &bdquo;lokale Polizei-Connection&ldquo; zu untersuchen, weil diese Str&auml;nge vom eigentlichen Ziel ablenken w&uuml;rden, sondern sich auf die Anklage der Iraner zu konzentrieren.<\/p><p>Mit Verweis auf die gehackten US-Berichte zitiert O&rsquo;Donnell eine anekdotische Episode. Die Abh&auml;ngigkeit und US-H&ouml;rigkeit Nismans sei so weit gegangen, dass er bei einer Gelegenheit vergessen hatte, die US-Beh&ouml;rden von seiner Absicht der Verhaftung des ehemaligen Pr&auml;sidenten Carlos Menem zu informieren. Weshalb er von der Botschaft &uuml;ber die Ma&szlig;en ger&uuml;gt wurde und sich deshalb mehrmals besch&auml;mt entschuldigte und versprach, &bdquo;so etwas werde sich nicht mehr wiederholen&rdquo;.<\/p><p>Assange machte O&acute;Donnell auf das unversch&auml;mte Ausma&szlig; der Abh&auml;ngigkeit Nismans aufmerksam. Mit seinen Beschl&uuml;ssen unter dem Arm suchte der Staatsanwalt mehrmals die Botschaft auf und bat diese darum, seine Entw&uuml;rfe zu &uuml;berarbeiten und zu korrigieren. In einem Fall kam er mit zwei Seiten Papier daher, die Botschaft f&uuml;gte ihre &bdquo;Korrekturen&rdquo; ein, Nisman schrieb den Vorgang ins Reine, kehrte mit insgesamt neun Seiten zur Botschaft zur&uuml;ck &ndash; erst dann wurde sein Pl&auml;doyer im Fall AMIA &bdquo;bewilligt&ldquo;.<\/p><p>O&rsquo;Donnell erz&auml;hlt, nach der Ver&ouml;ffentlichung von &bdquo;Argenleaks&ldquo; sei er von Nisman vorgeladen worden. Zu seiner &Uuml;berraschung habe ihm der Staatsanwalt zugetragen, er erhielte seine Informationen von Jaime Stiusso, bis Ende 2014 amtierender Chef des Geheimdienstes. &bdquo;Er sagte mir, Stiusso sorge f&uuml;r die &Uuml;bermittlung s&auml;mtlicher Informationen, weil er derjenige war, der Kontakt zu den Geheimdiensten der USA und Israels pflegte&ldquo;. Die Geheimberichte wurden von der Regierung der Vereinigten Staaten anerkannt. Niemand hat sie jemals dementiert, auch nicht Vilma Martinez, damals amtierende US-Botschafterin in Argentinien, und ihre Chefin, Hillary Clinton, musste sich entschuldigen.<\/p><p>Ob blau&auml;ugig oder von der iranischen Attentats-Beteiligung &uuml;berzeugt, wiederholte Pr&auml;sidentin Kirchner den Fehler ihres 2010 verstorbenen Vorg&auml;ngers und Ehemanns mit der Ermutigung Nismans, den Fall vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen. Das war genau die Karte der das Spiel beherrschenden Geheimdienste CIA und Mossad, die seit geraumer Zeit das AMIA-Attentat als Argumentationswaffe gegen eine angebliche &bdquo;iranische Expansion in Lateinamerika&ldquo; nutzten. Das Gespenst war von Joseph Humire,  Direktor des &ldquo;Center for a Secure Free Society&rdquo; in Washington, mit seinem Buch <a href=\"https:\/\/www.amazon.com\/Irans-Strategic-Penetration-Latin-America\/dp\/1498505988\">Iran&rsquo;s Strategic Penetration of Latin America<\/a> in die Welt gesetzt, wiederholt und unkritisch selbst von Cristina Kirchner zitiert worden.<\/p><p>Ganz und gar nicht geisterhaft, sondern sehr anschaulich gestaltete sich Schritt f&uuml;r Schritt der Einfluss der USA und Israels auf die argentinische Sicherheitspolitik schon w&auml;hrend der Amtszeit Mauricio Macris als B&uuml;rgermeister von Buenos Aires. Wie seinerzeit Macri, gab auch der gegenw&auml;rtige Sicherheitsminister der Provinz Buenos Aires, Cristian Ritondo, in einer Fernsehsendung zu, der Polizeichef der Hauptstadt, Pablo Bressi, sei von der US-Botschaft vorgeschlagen worden.<\/p><p>Als Macri 2009 die neue Polic&iacute;a Metropolitana aufstellen wollte, ernannte er mit Jorge &bdquo;Fine&ldquo; Palacios einen Mann zum Leiter, der sowohl der Beteiligung am AMIA-Attentat als auch am Skandal &uuml;ber die Abh&ouml;rung politischer Gegner beschuldigt war. Auf diese Nominierung vom privaten TV-Kanal America am 23. November 2009 angesprochen, erkl&auml;rte Macri ungeniert: &bdquo;Wir gingen zur Botschaft der Vereinigten Staaten und Israels und sagten ihnen: &sbquo;Wir wollen, dass Sie uns den besten argentinischen Polizisten empfehlen&acute;. Ohne dass sie sich untereinander abgesprochen h&auml;tten, sagten Amerikaner und Israelis: &ldquo;Herr Palacios&rdquo;. Dem habe jedoch Macri hinzugef&uuml;gt: &bdquo;Es war eine Empfehlung von zwei ausl&auml;ndischen Geheimdiensten&rdquo;, womit selbstverst&auml;ndlich der CIA und der Mossad gemeint waren.<\/p><p><strong>Richter Claudio Bonadio, ein notorischer <em>Outlaw<\/em><\/strong><\/p><p>Am 13. Februar 2015 erkl&auml;rte Bundesrichter Daniel Rafecas die Klage Nismans f&uuml;r nichtig. Rafecas, der wegen verschiedenen Konflikten mit der Mitte-Links-Regierung nicht gerade als Kirchner-Nahestehender gelten darf, bezeichnete es als &bdquo;alarmierend&rdquo;, dass eine &bdquo;ernsthafte Anklage&ldquo; gegen die Pr&auml;sidentin &bdquo;ohne handfeste Beweise&rdquo; erhoben wurde und sprach Cristina Kirchner und ihren Au&szlig;enminister von den Vorw&uuml;rfen frei. Unter massivem Druck der Medien, der neu amtierenden Regierung Macri und der US- und Israel-Lobby in Argentinien wurde Richter Refecas vom Rat der Magistraten die Causa AMIA entzogen.<\/p><p>Fast zwei Jahre sp&auml;ter macht sich jedoch Richter Claudio Bonadio Nismans von der US-Regierung vorgeschriebene Anklage wieder zu eigen und ordnete die Verhaftung der ehemaligen Staatschefin und ihres kranken Au&szlig;enministers H&eacute;ctor Timerman an. Auff&auml;llig ist Bonadios Forderung nach Aufhebung der parlamentarischen Immunit&auml;t Cristina Kirchners, zwei Tage bevor die frisch gew&auml;hlte Senatorin ihren Eid ablegen und ihr Amt antreten sollte.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/171213-Claudio-Bonadio.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Doch wer ist Claudio Bonadio? Im Jahr 2001 war der Richter selbst Mittelpunkt eines skandalumwitterten Mordfalls. Mit sieben Sch&uuml;ssen aus einer Glock-Pistole, Kaliber 40, streckte der bewaffnete Gesetzesh&uuml;ter zwei mutma&szlig;liche Diebe im Alter zwischen 19 und 20 Jahren auf &ouml;ffentlicher Stra&szlig;e nieder, einen von ihnen mit sechs Kugeln, zwei davon t&ouml;dlich in den R&uuml;cken (Perfil: el juez y pistolero Claudio Bonadio &ndash; Agencia Paco Urondo, 22.11.2016).<\/p><p>Nach Angaben der <a href=\"https:\/\/docs.google.com\/spreadsheets\/d\/1mMakuKHQ1uCxV45glyKmYpXNpR6pXPgUbK3MkEw4Z9Y\/edit?usp=sharing\">Website der argentinischen Justiz<\/a> wurde Bonadio seit der Gr&uuml;ndung des Justizrates 75 Mal von diesem Justiz&uuml;berwachungs-Gremium angeklagt. Von den 75 Beschwerden wurden 68 vom Ratsplenum mit Sanktionen beschieden, weitere 7 Verfahren sind Gegenstand weiterer Verhandlungen.<\/p><p>Zur Begr&uuml;ndung seines Haftbefehls gegen Cristina Kirchner und Timerman unterstellte Bonadio, die bis Ende 2015 amtierende Regierung habe Interpol um die Aufhebung der internationalen Fahndung nach den beschuldigten Iranern ersucht und sich somit des &bdquo;Landesverrats&ldquo; strafbar gemacht. Diese Behauptung rief Ronald Noble, ehemaliger, US-amerikanischer Generalsekret&auml;r von Interpol, auf den Plan. Energisch <a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/81962-la-resolucion-de-bonadio-es-falsa-y-enganosa\">beschwerte sich Noble<\/a> &uuml;ber die Fake News, die von verschiedenen argentinischen Medien verbreitet worden waren.<\/p><p>&bdquo;In Bezug auf Interpol und den roten Alarm im Fall AMIA ist der Bericht von Richter Bonadio falsch, irref&uuml;hrend und unvollst&auml;ndig&rdquo;, protestierte der ehemalige US-Polizist. Demnach gab es weder von Au&szlig;enminister Hector Timerman noch von irgendeiner Person aus Argentinien Aufforderungen dazu, die Fahndung nach den angeklagten Iranern einzustellen. &bdquo;Wie kommt er dazu, zu behaupten, dass ich nicht unparteiisch bin, weil ich eine Freundschaft mit Hector Timerman pflege, wo ich doch noch freundschaftlichere Beziehungen zu Alberto Nisman unterhielt, den ich w&auml;hrend seines Urlaubs in Punta del Este in Uruguay besuchte? Richter Bonadio hat einen voreingenommenen Beschluss gefasst. Seine falschen Schl&uuml;sse behaupten, Argentinien und Interpol h&auml;tten eine geheime Vereinbarung getroffen, die Warnstufe Rot in der Fahndung aufzuheben&hellip; In diesem Sinne m&uuml;sse der Gerichtsbeschluss Bonadios &bdquo;v&ouml;llig verneint werden&rdquo;, erkl&auml;rte Noble.<\/p><p>&ldquo;Es ist ein gro&szlig;er juristischer Unfug, das Ziel dieser gerichtlichen Verfolgung ist es, die Oppositionsf&uuml;hrer im Parlament einzusch&uuml;chtern, sie wollen ein unterw&uuml;rfiges Parlament&rdquo;, erkl&auml;rte Cristina Kirchner beim Verlassen des Gerichts. Bonadio ist zweifellos desavouiert, die Regierung Mauricio Macri verh&auml;lt sich bedeckt, doch war dies nicht der letzte Zug im neoliberalen <em>Lawfare<\/em>, n&auml;mlich der aus Brasilien bekannten Kriminalisierung und Abstrafung fortschrittlicher Politiker.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen 7. Dezember erlie&szlig; der argentinische Bundesrichter Claudio Bonadio Haftbefehl gegen Ex-Pr&auml;sidentin Cristina Fern&aacute;ndez de Kirchner wegen angeblicher Justizbehinderung in den seit mehr als zwanzig Jahren andauernden Ermittlungen &uuml;ber den Anschlag auf das j&uuml;dische Gemeindezentrum AMIA, der 1994 mindestens 80 Todesopfer und mehrere hundert Verletzte forderte. Der Urteilsverk&uuml;ndung folgte die unerwartete, scharfe Kritik des<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41556\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,20,11],"tags":[965,681,1276,901,365,951,1557,930,2007,2006,2199,588,312,325,1556],"class_list":["post-41556","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-strategien-der-meinungsmache","tag-argentinien","tag-assange-julian","tag-attentat","tag-geheimdienste","tag-inflation","tag-iran","tag-israel","tag-justiz","tag-kirchner-cristina","tag-kirchner-nestor","tag-macri-mauricio","tag-personalabbau","tag-reformpolitik","tag-staatsschulden","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41556","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41556"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41556\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48108,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41556\/revisions\/48108"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}