{"id":41596,"date":"2017-12-15T11:10:49","date_gmt":"2017-12-15T10:10:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41596"},"modified":"2026-01-27T11:13:06","modified_gmt":"2026-01-27T10:13:06","slug":"nsu-v-leute-haben-maennliche-kinder-graumelierten-herren-aus-hoeheren-kreisen-zugefuehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41596","title":{"rendered":"NSU: V-Leute haben \u201em\u00e4nnliche Kinder graumelierten Herren aus h\u00f6heren Kreisen zugef\u00fchrt\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Ist der Verfassungsschutz ein Sicherheitsrisiko? Davon geht der Politikwissenschaftler <strong>Hajo Funke<\/strong> aus. In einem zweiteiligen Interview mit den NachDenkSeiten analysiert der Rechtsextremismusforscher die Rolle des Verfassungsschutzes im Fall des <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=nsu\">Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU)<\/a> und &auml;u&szlig;ert sich zu anderen F&auml;llen mit Terrorbezug, wie etwa dem Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback oder dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Ein Interview von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5279\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-41596-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171215_NSU_V_Leute_Kinder_und_graumelierte_Herren_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171215_NSU_V_Leute_Kinder_und_graumelierte_Herren_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171215_NSU_V_Leute_Kinder_und_graumelierte_Herren_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171215_NSU_V_Leute_Kinder_und_graumelierte_Herren_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=41596-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171215_NSU_V_Leute_Kinder_und_graumelierte_Herren_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"171215_NSU_V_Leute_Kinder_und_graumelierte_Herren_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Funke, Sie haben gerade ein Buch mit dem Titel &bdquo;Sicherheitsrisiko Verfassungsschutz&ldquo; verfasst. Ein ziemlich provokanter Titel, oder?<\/strong><\/p><p>Nein, einer zur Sache. Das Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz hat durch einen massiven Einsatz von V-Leuten sehr viel &uuml;ber die NSU-T&auml;ter und ihr Umfeld gewusst. Aber bis heute legt das Bundesamt keine Rechenschaft dar&uuml;ber ab, was es wann gewusst hat und wie es die zust&auml;ndigen Polizeidienststellen informiert hat. Das gilt, wie ich zeige, auch f&uuml;r den Breitscheid-Attent&auml;ter Anis Amri. Das Amt will dar&uuml;ber auch keine Rechenschaft ablegen, sondern sich vorbehalten, n&ouml;tige Informationen weiterzugeben oder auch nicht.<\/p><p><strong>Ein merkw&uuml;rdiges Verhalten.<\/strong><\/p><p>Die Gefahr eines Willk&uuml;rverhaltens entsteht. Wir stehen vor einer Blackbox. Dies zerst&ouml;rt, wie ich aus Gespr&auml;chen mit Zust&auml;ndigen wei&szlig;, das Vertrauen auch der kooperierenden Verfassungsschutz&auml;mter und vor allem aber der Polizei und erst recht der &Ouml;ffentlichkeit. Das Kernproblem des Verfassungsschutzes besteht darin, dass es keiner zureichenden demokratischen Kontrolle unterliegt. Mein Pl&auml;doyer in dem Buch ist, nicht nur auf einer vern&uuml;nftigen Fachaufsicht zu bestehen, sondern auf einer parlamentarisch verabredeten unabh&auml;ngigen Kontroll-Instanz, die jederzeit gleich einem Gericht Zugang zum Amt hat und es kontrollieren kann.<\/p><p><strong>Ihr Buch handelt zu einem gro&szlig;en Teil vom Fall NSU, aber Sie gehen auch auf andere Terroranschl&auml;ge und F&auml;lle ein, die sich in der Vergangenheit in der Bundesrepublik zugetragen haben. Gibt es so etwas wie ein wiederkehrendes Muster an Auff&auml;lligkeiten im Zusammenhang mit der Arbeit der Ermittlungsbeh&ouml;rden, wenn es um Terroranschl&auml;ge und terroristische Gruppierungen geht? Anders gesagt: Immer wieder scheint der Verfassungsschutz, also jene Beh&ouml;rde, die doch eigentlich das Land und die B&uuml;rger vor Terror sch&uuml;tzen sollte, negativ aufzufallen. Wie sehen Sie das?<\/strong><\/p><p>Ich bin w&auml;hrend meiner Studien zu diesem Komplex erstaunt gewesen, wie sich folgendes Muster gleicht: Verfassungssch&uuml;tzer setzen Verbindungsleute oder Gew&auml;hrsleute aus den jeweiligen Szenen ein und erkl&auml;ren sp&auml;ter, wenn sie &uuml;berhaupt zu einer Erkl&auml;rung gen&ouml;tigt werden, dass ihnen der oder jener aus dem Ruder gelaufen sei. Danach sind die Verfassungssch&uuml;tzer bestrebt, entweder diese Person zur&uuml;ckzuziehen oder &ndash; viel h&auml;ufiger &ndash; die Aktivit&auml;ten dieser Person zu verdecken, auch systematisch zu vertuschen oder im schlimmsten Fall fallen zu lassen.<\/p><p><strong>Bevor wir n&auml;her auf den NSU eingehen, lassen Sie uns zuerst die grundlegenden Auff&auml;lligkeiten n&auml;her betrachten. Wie sehen die &bdquo;blinde Flecken&ldquo; in der Arbeit der Ermittlungsbeh&ouml;rden aus?<\/strong><\/p><p>&bdquo;Blinde Flecken&ldquo; resultieren meines Erachtens daraus, dass man nicht wirksam offen ermittelt, selbst nicht in einem so schwerwiegenden Fall wie der NSU-Terrorserie. Ich glaube, mit anderen, vor allem auch den Nebenkl&auml;gern im M&uuml;nchner Prozess, in dem Buch zeigen zu k&ouml;nnen, wie wiederholt, ja systematisch von dem Ermittlungsansatz &ndash;  es handele sich um rechtsterroristische Taten &ndash; abgesehen wurde, selbst, als dies &bdquo;die Spatzen von den D&auml;chern pfiffen&ldquo;. Da ich vom damaligen Pr&auml;sidenten des Bundeskriminalamts Ende 2011 gebeten wurde, auf der Jahrestagung des BKA zum Rechtsextremismus vorzutragen, traf ich einen angesehenen Beamten des BKA, den ich auf einer internationalen Konferenz kennengelernt hatte, wieder; er teilte mir mit, er habe jahrelang seinen Kollegen in der Nachbarabteilung zugerufen: &bdquo;Guckt doch mal nach rechts!&ldquo; &ndash; und nur ein Grinsen geerntet.<\/p><p><strong>Welche blinden Flecken und Problemstellen sind Ihnen bei Ihrer Recherchearbeit noch aufgefallen?<\/strong><\/p><p>Noch mehr hat mich &uuml;berrascht, mit wie viel Vorurteilen und Abwertungen die Opfer und ihre Familienangeh&ouml;rigen nach den Morden und Attentaten behandelt wurden. Offenkundig hat sich durch die Einseitigkeit der Ermittlungen die Abwehr gegen&uuml;ber der t&uuml;rkischen Minderheit noch verst&auml;rkt. Ermittler sprachen von einer Mauer des Schweigens und meinten nicht sich, sondern die deutsch-t&uuml;rkischen Familienmitglieder, die sie nach Beteiligung an Morden, Drogengesch&auml;ften und &Auml;hnlichem befragten.<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie die grundlegende Problematik einmal an anderen terroristischen F&auml;llen beispielhaft verdeutlichen? Nehmen wir das <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33409\">Oktoberfest-Attentat<\/a>.<\/strong><\/p><p>Wie im Fall des Nagelbombenattentats in der K&ouml;lner Keupstra&szlig;e 2004 ein terroristischer Akt strikt verneint wurde, wurde in Windeseile im Fall des Oktoberfestattentats 1980 eine These in die &Ouml;ffentlichkeit gebracht: Das war der Einzelt&auml;ter Gundolf K&ouml;hler. Dies, obwohl unmittelbar danach Zeugen beschrieben, dass im unmittelbaren Vorfeld des Attentats mehrere mit dem angeblichen Einzelt&auml;ter im Gespr&auml;ch miteinander waren und sich gestritten haben. Wichtige Asservate wurden vor der Zeit vernichtet &ndash; unter anderem eine der Leiche des angeblichen Einzelt&auml;ters nicht zugeordnete Hand. Dies alles wurde so sehr unter den Teppich gekehrt, dass sich die Bundesanwaltschaft noch 35 Jahre danach, also vor wenigen Jahren, gen&ouml;tigt sah, die Ermittlungen wiederaufzunehmen und doch nicht ernsthaft genug voranzutreiben.<\/p><p><strong>Wie sieht es mit dem <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39496\">Fall Buback<\/a> aus?<\/strong><\/p><p>Der Mord an Siegfried Buback im April 1977 ist durch die ausgezeichneten Recherchen seines Sohnes Michael Buback, die Prozessbeobachtungen von Thomas Moser und die eindr&uuml;ckliche Rekonstruktion der Rolle von Verena Becker durch Wolfgang Kraushaar noch bis in die j&uuml;ngste Zeit von hoher &ouml;ffentlicher Aufmerksamkeit. Dass auch hier die T&auml;ter nicht einwandfrei festgestellt worden sind, d&uuml;rfte, so die These des kundigen Michael Buback, auch damit zu tun haben, dass Verena Becker, eine der mutma&szlig;lichen Tatbeteiligten, geheime Informantin des Verfassungsschutzes war. Die Indizien, die Michael Buback zusammengetragen hat, sprechen eindeutig f&uuml;r ihre Tatbeteiligung. Und doch wurden Hinweise in ihre Richtung nicht angemessen bearbeitet, zum Teil unterdr&uuml;ckt. Michael Buback d&uuml;rfte Recht haben: &bdquo;Die Einhaltung von sch&uuml;tzenden Zusagen wird als h&ouml;heres Gut eingestuft als die Kl&auml;rung von Morden.&ldquo; F&uuml;r ihn, Sohn des ermordeten Siegfried Buback, ist diese Erkenntnis schlicht &bdquo;bitter&ldquo;. Und sie belegt, dass es keine restlose Aufkl&auml;rung im Fall Buback gibt, obwohl man dies beteuert hat.<\/p><p><strong>Und aktuell, Stichwort Amri und der Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz?<\/strong><\/p><p>Das schlimmste Attentat im Auftrag des IS, das in Deutschland durchgef&uuml;hrt wurde und bei dem zw&ouml;lf Menschen ermordet wurden, h&auml;tte definitiv verhindert werden k&ouml;nnen, wenn Polizei und nationale und internationale Geheimdienste ihren Job gemacht h&auml;tten. Stattdessen wurde Anis Amri im Wortsinn laufen gelassen. Noch einmal belegt dies die am 12. Dezember ausgestrahlte rbb-Dokumentation. Anis Amri war mindestens &bdquo;Nachrichtenmittler&ldquo; f&uuml;r verschiedene Nachrichtendienste und wurde offenkundig zur Aussp&auml;hung von IS-Komplexen im In- und Ausland systematisch gebraucht. Angesichts der Systematik der Ermittlungsfehler und grob falscher Einsch&auml;tzungen seiner Gefahr &uuml;ber einen langen Zeitraum hinweg spricht alles daf&uuml;r, dass verschiedene Geheimdienste von ihrer rechtsstaatlich nicht legitimen &bdquo;Kompetenz&ldquo; Gebrauch gemacht haben, f&uuml;r sich (und andere) die Ermittlungen zu unterbrechen.<\/p><p>Anders ist das pl&ouml;tzliche Desinteresse &ndash; verbunden mit der These, er sei nicht mehr gef&auml;hrlich &ndash; nicht zu verstehen. Das Gemeinsame Terrorabwehrzentrum, in dem verschiedene nationale und internationale (!) Geheimdienste im Fall Amri beteiligt waren, hat dies zugelassen, obwohl es einmal zur Pr&auml;vention gef&auml;hrlicher Terror-Taten eingesetzt worden ist. Es ist ein beachtliches und beabsichtigtes Desaster &ndash; mit unabsehbaren Folgen f&uuml;r die Legitimit&auml;t des Rechtsstaats und nicht zuletzt f&uuml;r die Re-Traumatisierung der Angeh&ouml;rigen und Opfer des Breitscheidattentats, das am 19.12.2017 ein Jahr her ist. Was wir hier haben, sind Ermittlungsblockaden w&auml;hrend der Vorbereitung des Attentats und Vertuschungen danach &ndash;  wie im NSU-Komplex, nur nicht &uuml;ber 20 Jahre, sondern innerhalb von zw&ouml;lf Monaten in x-facher Verdichtung.<\/p><p><strong>Aber wir wollten uns in dem Interview vor allem auf den NSU konzentrieren. Waren Sie eigentlich &uuml;ber die Abgr&uuml;nde in dem Fall &uuml;berrascht?<\/strong><\/p><p>In der Tat. Ich war &uuml;berrascht. Und das &uuml;ber die gesamte Zeitstrecke: Ich habe als einfacher Gast an dem ersten und zweiten Untersuchungsausschuss des Bundestags teilgenommen und war Sachverst&auml;ndiger in sechs Landtagsaussch&uuml;ssen. Bis heute best&uuml;rzt mich das Verhalten des Landesamtes f&uuml;r Verfassungsschutz in Th&uuml;ringen, als es in den neunziger Jahren den Spitzen-V-Mann des Landesamts Tino Brandt unterst&uuml;tzt hat und ihm absoluten Quellenschutz garantiert hat, obwohl er teils mithilfe dieses Amts die damals bundesweit gef&auml;hrlichste Gewaltorganisation des Neonazismus, den Th&uuml;ringer Heimatschutz, aufgebaut hat. Ungehindert, sodass sich dieser Heimatschutz immer weiter radikalisiert hat, bis sich ein Teil entschlossen hat, als nationalsozialistischer Untergrund eine Kette an Morden zu begehen.<\/p><p>Aber es ist nicht nur das Verhalten des Landesamts f&uuml;r Verfassungsschutz in Th&uuml;ringen, sondern auch das Verhalten des Bundesamts in der entscheidenden Phase der Ausdehnung des Th&uuml;ringer Heimatschutzes in der zweiten H&auml;lfte der Neunzigerjahre. Trotz der monatelangen Bitten des BKA, V-Leute nicht weiter zu Brandstiftern werden zu lassen, hatte sich das Bundesamt in der &bdquo;Operation Rennsteig&ldquo; zusammen mit den Th&uuml;ringern entschlossen, noch mehr und systematisch V-Leute anzuwerben und einzusetzen. Auf der Liste der Anzuwerbenden waren &uuml;brigens auch Teile des Trios.<\/p><p><strong>Und nun m&uuml;ssen sich Untersuchungsaussch&uuml;sse des Komplexes annehmen.<\/strong><\/p><p>Der vielleicht beste Untersuchungsausschuss, der erste Untersuchungsausschuss in Sachen NSU in Th&uuml;ringen unter der ausgezeichneten Leitung von Dorothea Marx, hat dar&uuml;ber hinaus herausgefunden, dass der Verdacht auf Sabotage zur Auffindung des NSU-Trios zurecht erhoben wird. Dem Landesamt ist es damals gelungen, alle rechtsstaatlichen Kontrollen zu umgehen. Dies ist einer der Gr&uuml;nde f&uuml;r das ungeheure Ausma&szlig; an neonazistischen Netzwerken und ihrer Gewaltbereitschaft gerade in diesem Land &ndash; &auml;hnlich in Sachsen. Es zeigt, dass wenn man diese Personen und Strukturen l&auml;sst, sie sich ausdehnen und in ihrer Gewaltbereitschaft entgrenzen. Dies einzuhegen, bedarf sehr viel l&auml;ngerer Zeitr&auml;ume und gr&ouml;&szlig;erer Anstrengungen, als es zun&auml;chst zuzulassen.<\/p><p><strong>Wie sieht es mit dem zweiten Untersuchungsausschuss in Th&uuml;ringen aus?<\/strong><\/p><p>Dieser konzentriert sich auf die Verbindungen der Neonazis mit den Gewaltstrukturen der organisierten Kriminalit&auml;t. Sie sind in der Drogenkriminalit&auml;t, aber auch im Menschenhandel und in der Kinderprostitution aktiv (gewesen). Da &ndash; wie sich gezeigt hat &ndash; Neonazis und V-Leute unter anderem m&auml;nnliche Kinder graumelierten Herren aus h&ouml;heren Kreisen zugef&uuml;hrt haben, muss sogar von politischen Erpressungsstrukturen in dieser Zeit ausgegangen werden. Tino Brandt ist wegen vielfacher Kinderprostitutions-Kriminalit&auml;t sp&auml;t verurteilt worden und gegenw&auml;rtig in Haft.<\/p><p>Ich m&ouml;chte aber nochmal auf den Verfassungsschutz eingehen. Hier f&auml;llt besonders das Verhalten des Bundesamts zum Schutz des Spitzen-V-Mannes Ralph Marschner, der &uuml;ber lange Jahre an dem Ort gelebt hat, an dem auch das Trio untergetaucht war: in der gr&ouml;&szlig;eren Kleinstadt Zwickau. Es gibt glaubw&uuml;rdige Zeugen aus dem zweiten Untersuchungsausschuss des Bundestages, die belegen, dass dieser Ralph Marschner mit der gegenw&auml;rtig angeklagten Beate Zsch&auml;pe &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum ein Kuschel-Verh&auml;ltnis hatte und sie sich hinter seinem Computer getroffen haben. Ralph Marschner ist nie angemessen vernommen worden. Mehr noch: Man hat nie versucht, ihn aus der Schweiz nach Deutschland zu bringen, um ihn angemessen, auch vor dem M&uuml;nchener Gericht, zu befragen. Die Bundesanwaltschaft hat es gewagt, dies f&uuml;r nicht erheblich zu halten. Das macht den Eindruck einer Vertuschung der Rolle Ralph Marschners durch die oberste Anklagebeh&ouml;rde der Republik.<\/p><p>&Auml;hnlich der Fall Corelli, der unter nicht zureichend gekl&auml;rten Bedingungen 2014 an einer unerkannten Diabetes mit weniger als 40 Jahren gestorben ist. Corelli war &uuml;ber 20 Jahre eine Spitzenkraft des Bundesamts. Er war so wichtig und die Vertuschungsvermutung so stark, dass sich der erste Untersuchungsausschuss des Bundestages zum NSU-Komplex entschlossen hat, einen eigenen Sonderermittler, den bekannten Staatsanwalt Jerzy Montag, einzusetzen. Sein Bericht von &uuml;ber 330 Seiten wurde um mehr als 90 % geschw&auml;rzt, obwohl er selbst erkl&auml;rt hat, dass seines Erachtens der gesamte Bericht h&auml;tte so ver&ouml;ffentlicht werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Diese Politik der Vertuschung wurde nur durch die Entscheidung in Hessen &uuml;berboten, einen Bericht &uuml;ber den Mitarbeiter des Landesamts f&uuml;r Verfassungsschutz in Hessen Andreas Temme f&uuml;r 120 Jahre weder der Fach&ouml;ffentlichkeit noch der allgemeinen &Ouml;ffentlichkeit zug&auml;nglich zu machen. Andreas Temme war zum Zeitpunkt des Mordes an Halit Yozgat in dessen Internetcaf&eacute; in Kassel anwesend.<\/p><p><em>Lesetipp: Hajo Funke. Sicherheitsrisiko Verfassungsschutz. Staatsaff&auml;re NSU: das V-Mann-Desaster und was daraus gelernt werden muss. VSA Verlag. Dezember 2017.<\/em><\/p><p><em>Hier geht es weiter <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41599\">zum zweiten Teil<\/a> des Interviews hier lesen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist der Verfassungsschutz ein Sicherheitsrisiko? Davon geht der Politikwissenschaftler <strong>Hajo Funke<\/strong> aus. 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