{"id":4164,"date":"2009-09-01T09:04:52","date_gmt":"2009-09-01T07:04:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4164"},"modified":"2014-01-23T13:00:37","modified_gmt":"2014-01-23T12:00:37","slug":"christoph-matschie-in-thueringen-wortbruch-nach-rechts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4164","title":{"rendered":"Christoph Matschie in Th\u00fcringen: Wortbruch nach rechts"},"content":{"rendered":"<p>Noch vor wenigen Tagen k&uuml;ndete der SPD-Spitzenkandidat Christoph Matschie im Vorw&auml;rts an: <a href=\"http:\/\/www.vorwaerts.de\/node\/8331\">&ldquo;Th&uuml;ringen muss sich vom System Althaus befreien&rdquo;<\/a>. Obwohl zusammen mit der Linkspartei im Th&uuml;ringer Landtag eine Mehrheit f&uuml;r diese &bdquo;Befreiung&ldquo; vorhanden w&auml;re, d&uuml;rfte Althaus im Amt bleiben, zumindest aber d&uuml;rfte die CDU den Ministerpr&auml;sidenten in einer Koalition mit der SPD stellen.<br>\nNichts ist es mit einem im Wahlkampf verk&uuml;ndeten Politikwechsel, denn Matschie hat sich sowohl vor als auch nach der Wahl festgelegt, dass es mit ihm keinen Th&uuml;ringer Ministerpr&auml;sidenten geben wird, der von der Linkspartei gestellt wird. Diese Festlegung hei&szlig;t aber, es kann &ndash; so wie die Dinge nun mal sind &ndash; nur einen Ministerpr&auml;sidenten der Union in Erfurt geben. Denn von der CDU wird Matschie wohl nicht erwarten, dass sie ihn zum Ministerpr&auml;sidenten w&auml;hlt.<br>\nEinen &bdquo;Wortbruch&ldquo; nach links wird es nicht geben, da ist ein Wortbruch nach rechts viel bequemer und er passt in die &Uuml;berlebensstrategie der SPD, n&auml;mlich: Postenerhalt durch die Flucht in eine immer kleiner werdende &bdquo;Gro&szlig;e Koalition&ldquo;. Ein weiterer Sargnagel f&uuml;r die SPD. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Matschie fordert als der kleinere Partner &ndash; der mit 18,5 % gerade mal zwei Direktmandate errungen hat &ndash; einer m&ouml;glichen rot-roten Regierungskoalition, von der mit 27,4% deutlich st&auml;rkeren Linken zum Ministerpr&auml;sidenten gew&auml;hlt zu werden. Und auf alle F&auml;lle verlangt er, dass deren Spitzenkandidat Bodo Ramelow auf eine Kandidatur verzichtet. Hubertus Heil:<\/p><blockquote><p><em>Es gilt, was vor der Wahl gesagt wurde: Herr Ramelow wird nicht Ministerpr&auml;sident.<\/em><\/p><\/blockquote><p>Die Forderung, dass der Kandidat einer kleinen Partei vom deutlich gr&ouml;&szlig;eren Koalitionspartner verlangt, dass der Gr&ouml;&szlig;ere den Kleinen zum Regierungschef w&auml;hlt, ist in der deutschen Parlamentsgeschichte ein Novum, wenn es in der Geschichte des  Parlamentarismus &uuml;berhaupt jemals einen solchen Gr&ouml;&szlig;enwahn gegeben haben sollte.  <\/p><p>Warum fordert Matschie eigentlich nicht wie gegen&uuml;ber der Linkspartei, dass ihn die CDU zum Ministerpr&auml;sidenten w&auml;hlt? Die Union hat doch auch nur 4% mehr Stimmenanteile erreicht als die Partei Die Linke.<\/p><p>Die Forderung, dass die Linkspartei und Bodo Ramelow in Person sich Matschies Bedingungen unterwerfen soll, damit es zu einer Koalition mit der Linken kommen k&ouml;nnte, ist so abwegig, dass daraus nur der Schluss gezogen werden kann: Matschie will als Juniorpartner in eine &bdquo;kleine&ldquo; Koalition mit der CDU, die mit knapp 12% dramatisch auf gut 31% abgest&uuml;rzt ist. Und im &auml;u&szlig;ersten Fall, will er vielleicht auch noch die Union erpressen, dass sie Dieter Althaus als Ministerpr&auml;sident abserviert. Diese Forderung hat er zwar (noch) nicht &ouml;ffentlich gestellt, doch wenn er das nicht t&auml;te, dann w&uuml;rde er mit seiner Ank&uuml;ndigung, dass sich Th&uuml;ringen vom &bdquo;System Althaus befreien&ldquo; m&uuml;sse in eine Glaubw&uuml;rdigkeitsfalle geraten. <\/p><p>Es spricht einiges daf&uuml;r, dass ihm die Union in Th&uuml;ringen diesen Gefallen tut. Man darf allerdings auch davon ausgehen, dass &ndash; selbst wenn die CDU an Althaus festhielte &ndash; ein solcher &bdquo;Wortbruch&ldquo; Matschies in den Medien und vom politischen Mainstream erheblich freundlicher aufgenommen w&uuml;rde, als wenn er &ndash; entgegen seiner Ank&uuml;ndigung &ndash;  einen Kandidaten der Linkspartei oder gar Bodo Ramelow zum Ministerpr&auml;sidenten mitw&auml;hlen w&uuml;rde. <\/p><p>Matschies Wahltaktik, eine Machtoption mit der Linken offen zu halten, sofern die SPD den Ministerpr&auml;sidenten stelle, war von Anfang an entweder Gr&ouml;&szlig;enwahn oder aber ein billiger Trick, um sich nach der Wahl unter den Rockscho&szlig; einer Koalition mit der im Wahlkampf vordergr&uuml;ndig politisch bek&auml;mpften Union zu fl&uuml;chten. <\/p><p>Dass die SPD, die bei der letzten Wahl im Jahr 2004 gerade 14,5% eingefahren hatte, 2009 st&auml;rker als die Linke abschneiden w&uuml;rde, das glaubte Matschie wohl selbst nicht. Und wenn es tats&auml;chlich nur um die Person Ramelow gehen w&uuml;rde, so w&uuml;rde man eine solche Personalie hinter verschlossenen T&uuml;ren bereden, genauso wie die Frage, ob Althaus als Preis f&uuml;r eine Koalition geopfert wird.  <\/p><p>Bleibt also nur der Schluss, dass der Th&uuml;ringer SPD-Vorsitzende von vorneherein ausschlie&szlig;lich eine Koalition mit der Union anstrebte. Er bestritt also einen Wahlkampf nach dem Motto: Links blinken und dann rechts abbiegen. Die Andeutung einer Zusammenarbeit mit der Linkspartei sollte also nur Hoffnungen auf einen Machtwechsel in Th&uuml;ringen wecken und W&auml;hler f&uuml;r die SPD mobilisieren, ernst gemeint war das mit der Parole &ldquo;Mehr Investitionen in Bildung, Gr&uuml;ner Motor in Th&uuml;ringen, Mindestlohn &ndash; oder das kraftlose System Althaus&rdquo; nicht. <\/p><p>Dass Matschie nie ernsthaft mit der Linkspartei einen Wechsel in der Politik wollte, h&auml;tte auch jeder wissen k&ouml;nnen, der seine politische Linie jenseits seiner Wahlparolen verfolgt hat. Matschie hat z.B. die Position vertreten, <a href=\"\/?p=3993\">&bdquo;dass eine Korrektur des Agenda-Kurses die Glaubw&uuml;rdigkeit&ldquo;<\/a> der SPD besch&auml;dige. Wie sollte er gemeinsame Politik mit einer Partei machen wollen, die wesentliche Teile dieses Kurses in Frage stellt. Matschie ist z.B. auch ein strammer Bef&uuml;rworter der <a href=\"http:\/\/www.ihre-vorsorge.de\/Neuer-Streit-um-die-Rente-mit-67.html?session=11256a25c9ea2bcb0fe7a73fc3ca3570\">Rente mit 67<\/a> &ndash; ein Thema das geradezu ein rotes Tuch f&uuml;r die Roten ist. Matschie hat sich von Gesine Schwan als Bundespr&auml;sidentenkandidatin abgesetzt. Kurz: Christoph Matschie ist ein typischer Vertreter der j&uuml;ngeren Parteirechten in der SPD, die der CDU ziemlich nahe steht und die zwar von Politikwechsel reden, dabei aber eine Rolle am Katzentisch in einer Koalition mit der CDU meinen. <\/p><blockquote><p><em>Ganz wichtig ist, dass in Th&uuml;ringen und im Saarland die SPD an der Regierung beteiligt wird<\/em><\/p><\/blockquote><p>sagte dazu der M&uuml;ntefering-Vertraute Oppermann so treffend.<\/p><p>Nach der ersten Koalition zwischen CDU und SPD in Th&uuml;ringen von 1994 bis 1999 unter Bernhard Vogel st&uuml;rzte die SPD von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wahlergebnisse_und_Landesregierungen_in_Th%C3%BCringen\">29,4% auf 18,5% ab<\/a>. Man muss kein Prophet sein, wenn man vorhersagt, dass die SPD nach der zweiten schwarz-roten Koalition bei der n&auml;chsten Wahl auch in Th&uuml;ringen s&auml;chsische Ergebnisse im einstelligen Bereich erzielt. <\/p><p>Glaubt denn in der Partei der SPD wirklich jemand, dass die W&auml;hler und W&auml;hlerinnen bis zum 27. September solche T&auml;uschungsman&ouml;ver wie in Th&uuml;ringen nicht durchschauen? Warum sollten die Menschen ihre Stimme einer Partei geben, die regelm&auml;&szlig;ig ihre Hoffnungen auf einen Politikwechsel entt&auml;uscht. <\/p><p>Mit einer schwarz-roten Koalition in Th&uuml;ringen d&uuml;rfte nicht nur der Verdruss &uuml;ber die SPD, sondern auch noch der Frust &uuml;ber die Demokratie in unserem Land zunehmen.<\/p><p>Hinweis: Im Saarland k&ouml;nnte &uuml;brigens das Gleiche passieren, wie in Th&uuml;ringen. Aus anderen Gr&uuml;nden zwar, aber mit dem gleichen Effekt. Wenn sich die Gr&uuml;nen ernsthaft auf eine Ampel einlassen &ndash; wof&uuml;r inzwischen Vieles spricht &ndash; dann wird sich vermutlich auch noch Heiko Maas andienen und in eine Koalition mit dem Wahlverlierer Peter M&uuml;ller gehen.<\/p><p>Koalitionen zwischen CDU und ihrer Partei d&uuml;rften Steinmeier und M&uuml;ntefering nur Recht sein, erhoffen sie doch damit, dass die Glaubw&uuml;rdigkeit ihrer Absage an die Linke nicht st&auml;ndig weiter in Frage gestellt wird. Was zwar eine Selbstt&auml;uschung ist, aberso wird die Blockade gegen&uuml;ber der Linkspartei zum Dreh- und Angelpunkt der deutschen Politik und zur Garantie f&uuml;r das konservative Weiter-So.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch vor wenigen Tagen k&uuml;ndete der SPD-Spitzenkandidat Christoph Matschie im Vorw&auml;rts an: <a href=\"http:\/\/www.vorwaerts.de\/node\/8331\">&ldquo;Th&uuml;ringen muss sich vom System Althaus befreien&rdquo;<\/a>. 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