{"id":4169,"date":"2009-09-03T09:36:12","date_gmt":"2009-09-03T07:36:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4169"},"modified":"2014-01-23T12:58:13","modified_gmt":"2014-01-23T11:58:13","slug":"raetselhafte-spd-strategie-des-raetsels-loesung-spd-spitze-arbeitet-fuer-andere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4169","title":{"rendered":"R\u00e4tselhafte SPD-Strategie. Des R\u00e4tsels L\u00f6sung: SPD-Spitze arbeitet f\u00fcr andere."},"content":{"rendered":"<p>Sie m&ouml;gen dies f&uuml;r eine sehr gewagte Vermutung halten. Dann bleibt Ihnen als L&ouml;sung des R&auml;tsels alternativ nur die Vermutung, dass in der SPD-Spitze nur noch Dummk&ouml;pfe sitzen. Andere Erkl&auml;rungen gibt es f&uuml;r den Niedergang dieser gro&szlig;en und wichtigen Partei aus meiner Sicht nicht. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nVorweg: Dies ist eine dramatische und f&uuml;r unser Volk unerfreuliche Entwicklung. Denn wir br&auml;uchten eine wirkliche politische Alternative zum neoliberal bestimmten Kurs von Union und FDP. Dies kann man ohne Parteilichkeit feststellen. Eine Alternative zu haben, ist eine ur-demokratische Regel. Ohne die SPD wird es unter heutigen Bedingungen aber keine Alternative zum rechtskonservativen Lager geben. Deshalb ist die Erkenntnis, dass die SPD-Spitze im Auftrag anderer Interessen arbeitet, so bedr&uuml;ckend. <\/p><p><strong>Zur Begr&uuml;ndung einige gravierende Indizien:<\/strong><\/p><ol type=\"A\">\n<li><strong>Die SPD F&uuml;hrung hat in den letzten 10 Jahren ihre Kompetenz und ihr Profil in zentralen Fragen aufgegeben<\/strong> und damit sehenden Auges in Kauf genommen, nahezu alle Ministerpr&auml;sidenten, die H&auml;lfte der Mitglieder und auch nahezu die H&auml;lfte der W&auml;hler zu verlieren. Sie hat mit Hartz IV und Agenda 2010 die soziale Kompetenz geopfert. Mit der milit&auml;rischen Intervention im ehemaligen Jugoslawien und jetzt in Afghanistan gab sie ihr Image als Partei des Friedens und der Verst&auml;ndigung auf. Mit Schr&ouml;der, Clement, Eichel und Steinbr&uuml;ck hat sie ihre wirtschaftspolitische Kompetenz  verloren; die SPD galt einmal als Partei, die etwas von Konjunktursteuerung und aktiver Besch&auml;ftigungspolitik verstand. Die SPD hatte fr&uuml;her sogar einmal die Meinungsf&uuml;hrung in Umweltfragen; sie hat auch dieses Pr&auml; &ndash; allerdings schon in den 70ern &ndash; leichtfertig verspielt und an die Gr&uuml;nen abgegeben.\n<\/li>\n<li><strong>Ihre Wahlkampfstrategie stimmt nirgendwo: <\/strong>\n<p>Eine Volkspartei kommt nur dann &uuml;ber 30% und an die notwendigen 40% heran, wenn sie breit gef&auml;chert auftritt, also sozial Engagierte und Aufsteiger, Arbeitnehmer und Freiberufler, junge und alte Menschen, solche Menschen die Solidarit&auml;t brauchen und solche, die bereit sind Solidarit&auml;t zu &uuml;ben, anspricht. Das ist noch 1998 gut gelungen &ndash; damals sprachen der Kanzlerkandidat Schr&ouml;der und der Parteivorsitzende Lafontaine verschiedene Gruppen an und banden sie zusammen. Auch 2002 war es noch einmal gelungen, die gewerkschaftlich orientierte Arbeitnehmerschaft anzusprechen, und mit der Ablehnung der offiziellen Beteiligung am Irak Krieg auch die friedenspolitisch Engagierten. Mit der Verengung des F&uuml;hrungspersonals auf den Agenda-Fl&uuml;gel um M&uuml;ntefering, Steinmeier und Steinbr&uuml;ck hat die SPD diese notwendige Pluralit&auml;t geopfert. Schon das erkl&auml;rt einen Teil des Niedergangs auf wenig mehr als 20%.<\/p>\n<p>Hinzu kommt als gravierendes Element: die SPD bietet ihren W&auml;hlern keine machtpolitische Option. Steinmeier kann nicht erkl&auml;ren, wie und in welcher politischen Konstellation er Bundeskanzler werden will. Indem er ein B&uuml;ndnis mit der Linkspartei ausgeschlossen hat, kann er keine realistische Alternative zum schwarz-gelben B&uuml;ndnis bieten. Warum sollten die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler dann SPD w&auml;hlen? Nur um die gro&szlig;e Koalition fortzusetzen oder mit den Gelben zu koalieren? Aber wie soll das funktionieren? Es ist doch v&ouml;llig unglaubw&uuml;rdig, dass die Steinmeier-M&uuml;ntefering-Steinbr&uuml;ck-SPD st&auml;rker wird als Angela Merkels Union.<\/p>\n<p>Oder glaubt Steinmeier ernsthaft, er k&ouml;nne eine Ampel-Koalition aus SPD, Gr&uuml;nen und der FDP zimmern? Wie soll das denn gehen, wenn die FDP sich eindeutig auf Schwarzgelb festgelegt hat? Steinmeiers Werben um die FDP passt auch nicht zur agitatorischen Linie, an die sich die SPD-Spitze jetzt klammert: es gehe darum, Schwarz-gelb zu verhindern. Wenn diese Kombination so schlimm ist, was ich auch so sehe, dann kann man doch aber nicht glaubw&uuml;rdig zugleich die Fortsetzung von Schwarzrot wie auch ein B&uuml;ndnis mit der FDP f&uuml;r inhaltlich erstrebenswert halten. Wenn man als SPD- Spitze die Wahlentscheidung am 27. September zu einer Richtungswahl erkl&auml;rt, dann darf man doch nicht gleichzeitig genau um diese beiden Gegner werben? Dann muss man doch ein B&uuml;ndnis f&uuml;r die andere Richtung wenigstens m&ouml;glich machen und anbieten?<\/p>\n<p>Dar&uuml;ber hinaus gibt es eine Reihe anderer Wahlkampffehler, die man rational nicht erkl&auml;ren kann. Mit Dummheit alleine aber eben auch nicht. (Siehe dazu unten ein Link zu einer Kolumne von mir in der FTD und einem Interview mit dem SWR)\n<\/p><\/li>\n<li><strong>Schon die Verk&uuml;rzung der Legislaturperiode und damit der sozialdemokratischen Kanzlerschaft im Jahr 2005 war rational nicht zu verstehen.<\/strong> M&uuml;ntefering und mit ihm Gerhard Schr&ouml;der haben der SPD ein Jahr Kanzlerschaft gestohlen und mit der Verk&uuml;rzung der Legislaturperiode auch die Chance f&uuml;r die Fortsetzung der Arbeit nach den Wahl verschlechtert. Auch aus der Sicht des Jahres 2005 w&auml;re es 2006 leichter gewesen, bei einer absehbar verbesserten wirtschaftlichen Lage die Wahl gegen Angela Merkel zu gewinnen. Der Abbruch und das Neuwahlbegehren bleiben aus der Sicht von sozialdemokratischen Gestaltungsinteressen r&auml;tselhaft. Man versteht den damaligen Abbruch letztlich nur, wenn man annimmt, M&uuml;ntefering als Initiator und Schr&ouml;der als Mitziehender hatten nicht zu allererst die sozialdemokratische Gestaltungsmacht, sondern die Rettung der Agenda 2010 zum Ziel. In wessen Interessen war dies?\n<\/li>\n<li><strong>Auch das seltsame Verhalten in Th&uuml;ringen ist nicht zu erkl&auml;ren<\/strong>, wenn man unterstellt, die SPD-F&uuml;hrung in Berlin und in Erfurt w&uuml;rde von sozialdemokratischen Vorstellungen geleitet. Wenn es wirklich um Inhalte ginge, wenn es um die politische Richtung ginge, dann m&uuml;sste man dort das Selbstverst&auml;ndliche tun und nicht auf kindische Weise als kleinerer Partner den Posten des Ministerpr&auml;sidenten verlangen. Schon die Anlage des Falles Th&uuml;ringen mit vorheriger Festlegung, den Spitzenkandidaten der Linken nicht zu w&auml;hlen, ist so merkw&uuml;rdig, dass man am Verstand dieser Parteif&uuml;hrung zweifeln oder eben anderes vermuten muss. Siehe dazu auch Einlassungen von Steinmeier im DLF Anlage 2.\n<\/li>\n<\/ol><p><strong>Die Strategie der SPD-F&uuml;hrung insgesamt stimmt hinten und vorne nicht und wird, wenn nichts ge&auml;ndert wird, zu einer dramatischen Niederlage f&uuml;hren, die &auml;hnlich wie in anderen westeurop&auml;ischen L&auml;ndern zu einer gef&auml;hrlichen Erosion der sozialdemokratischen Partei insgesamt f&uuml;hren kann. Unter 30 % f&uuml;r eine Volkspartei, das geht an den Nerv der Existenz.<\/strong><\/p><p>Kann man diese Entwicklung mit Dummheit der F&uuml;hrungspersonen erkl&auml;ren? Meines Erachtens nicht mehr. Ich habe in meinem eng mit der SPD verbundenen politischen Leben schon h&auml;ufig beobachtet, wie au&szlig;enstehende Interessen Teile der SPD- F&uuml;hrungsgruppe bestimmt haben (das gilt auch f&uuml;r andere Parteien). In den letzten Jahren hat sich aus meiner Sicht dieser Einfluss verst&auml;rkt: die USA bestimmen wesentlich die au&szlig;en- und sicherheitspolitische Linie; die Finanzwirtschaft hat offensichtlich gro&szlig;en Einfluss auf die gesellschaftspolitischen Vorstellungen: pro private Altersvorsorge, pro Privatisierung, f&uuml;r Deregulierung. Die Vorstellungen der neoliberalen Ideologie reichen weit hinein in die SPD-Spitze. Auch hier gilt, dass der Einfluss auf andere wie Union und FDP nicht kleiner, sondern gr&ouml;&szlig;er ist. Aber diese Feststellung ist kein Trost, weil es hier ja genau um die Frage geht, ob die SPD noch den Kern einer politischen Alternative zu den Rechtskonservativen bieten kann. Das kann sie offensichtlich nicht, weil die SPD-Spitze dies nicht will.<\/p><p>Die Vermutung, dass die SPD-Spitze heute wesentlich von au&szlig;en bestimmt und deshalb nicht f&auml;hig ist zu einer Strategie, die zu einem Wahlerfolg f&uuml;hren k&ouml;nnte, will ich niemandem aufschw&auml;tzen. Aber ich m&ouml;chte dazu anregen, &uuml;ber die skizzierten R&auml;tsel nachzudenken. Wenn Sie beruhigendere L&ouml;sungen finden, dann gilt Ihnen mein Respekt.<\/p><p>Ich habe meine Vermutungen in einer Kolumne f&uuml;r die Financial Times Deutschland und in einem Interview f&uuml;r den S&uuml;dwestrundfunk formuliert. Hier ist der Link zum<a href=\"upload\/pdf\/090828_fertiges_produkt_da_stimmt_fast_nichts.pdf\"> Artikel der FTD als PDF [3,5 MB]<\/a> bzw. <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:gastkommentar-die-spd-wahlkampfstrategie-taugt-so-gut-wie-gar-nichts\/559450.html?mode=print\">direkt bei ftd.de<\/a>. <\/p><p>Und hier zum SWR: <\/p><p><a href=\"http:\/\/www1.swr.de\/podcast\/xml\/swr4\/rp\/blickpunkt.xml\">SWR Blickpunkt [Podcast]<\/a><br>\n<a href=\"http:\/\/mp3.swr.de\/swr4\/rp\/blickpunkt\/20090831-1941.6444m.mp3\">SWR Blickpunkt 31.08.2009 [Mp3 &ndash; 6.3 MB]<\/a><\/p><p>Mit meiner Vermutung &uuml;ber die Hintergr&uuml;nde der Strategie der SPD stehe ich nicht alleine. Von mehreren sachkundigen Gespr&auml;chspartnern wei&szlig; ich, dass sie zu &auml;hnlichen L&ouml;sungen dieses R&auml;tsels kommen. Ein Leser der NachDenkSeiten schickte am 24. August eine Mail und dann noch einmal einen Nachtrag mit einer Analyse und &auml;hnlicher Schlussfolgerung. Weil dieser Beitrag von Joachim Benecke obendrein gut formuliert ist, bringe ich ihn in Anlage 1 zur Kenntnis.<\/p><p><strong>Was w&auml;re zu tun, wenn die SPD F&uuml;hrung nicht fremdbestimmt w&auml;re und den gef&auml;hrlichen Niedergang dieser gro&szlig;en Partei vermeiden wollte:<\/strong><\/p><p>Es ist in der jetzigen Situation und dreieinhalb Wochen vor der Wahl nicht leicht, das Ruder herumzurei&szlig;en. Aber ungew&ouml;hnliche Umst&auml;nde und ungew&ouml;hnliche Gefahren verlangen &ndash; neben einer besseren Wahlkampff&uuml;hrung &ndash; auch ungew&ouml;hnliche L&ouml;sungen. Ich will diese andeuten:<\/p><ol>\n<li>Wenn der SPD-Vorsitzende M&uuml;ntefering mit Zustimmung der engeren F&uuml;hrung &ouml;ffentlich den 1999 und verst&auml;rkt 2003 begonnenen Weg der Agenda-Reformen selbstkritisch bilanzieren und Fehler bedauern w&uuml;rde, dann w&auml;re dies ein Signal. Wenn er eine Kurskorrektur ank&uuml;ndigen w&uuml;rde, dann w&uuml;rden viele fr&uuml;heren sozialdemokratischen W&auml;hler wieder Hoffnung sch&ouml;pfen. Selbst wenn er nur ank&uuml;ndigen w&uuml;rde, die SPD und insbesondere er pers&ouml;nlich bedaure die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre, dann w&uuml;rde das schon Hoffnung wecken. &ndash; M&uuml;ntefering k&ouml;nnte der umfassenden oder auch nur der teilweisen Kurskorrektur noch eine besondere Glaubw&uuml;rdigkeit vermitteln, wenn er die pers&ouml;nliche Verantwortung &uuml;bern&auml;hme und seinen R&uuml;cktritt als Vorsitzender der SPD ank&uuml;ndigen w&uuml;rde. Er hat offensichtlich ohnehin keine Zugkraft mehr.\n<\/li>\n<li>Die SPD k&ouml;nnte ihre Position in der Wahlauseinandersetzung weiter gravierend st&auml;rken, wenn Steinbr&uuml;ck &ouml;ffentlich seine und der Bundesregierung Fehler vor und w&auml;hrend der Behandlung der Finanzkrise einr&auml;umen w&uuml;rde. Steinbr&uuml;ck m&uuml;sste erkl&auml;ren, dass es ein gravierender Fehler war den Finanzsektor zu deregulieren und &bdquo;Heuschrecken&ldquo; ins Land zu locken und danach Hunderte von Milliarden zur Rettung von Banken wie der IKB und der HRE zur Verf&uuml;gung zu stellen. Dieses Schuldbekenntnis alleine w&uuml;rde der SPD noch nicht viel helfen. Der Bundesfinanzminister und stellvertretende Vorsitzende der SPD k&ouml;nnte seiner Partei jedoch erg&auml;nzend einen sehr gro&szlig;en Dienst erweisen, wenn er von heute bis zum Wahltermin offen legen w&uuml;rde, wie sehr au&szlig;er ihm vor allen die Bundeskanzlerin mit der Finanzwirtschaft verstrickt ist und wie hoch ihre Verantwortung f&uuml;r die Milliarden Schulden ist, die uns die Bundesregierung mit ihrer Gro&szlig;z&uuml;gigkeit f&uuml;r die Finanzwirtschaft aufgeb&uuml;rdet hat. Dann w&uuml;rde endlich in diesem Wahlkampf &uuml;ber ein zentrales Thema gesprochen.\n<\/li>\n<li>Die SPD Spitze m&uuml;sste erkl&auml;ren, dass ihre Festlegung gegen eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei falsch war und ist. Diese Korrektur w&auml;re zwar nicht leicht zu kommunizieren, aber sie w&auml;re eindeutig die beste von den vorhandenen schlechten L&ouml;sungen. (Manchmal steht man in der Politik nur vor schlechten Alternativen.) In der jetzigen Situation wird die SPD von Union und FDP vor sich her getrieben. In den L&auml;ndern Ja, im Bund Nein &ndash; das ist eine so unbegreifliche Position, dass schon deshalb jede andere L&ouml;sung besser ist.<\/li>\n<\/ol><p>Mit diesen drei Schachz&uuml;gen w&auml;re der Wahlkampf neu er&ouml;ffnet. Es g&auml;be viel Kritik an dieser Kurskorrektur. Aber es w&uuml;rde endlich klar, dass die SPD eine wirkliche Richtungswahl will und dass sie auch eine Machtoption anstrebt. Viel schlechter als jetzt, kann es ohnehin nicht mehr werden.<\/p><p>Wir werden erleben, dass die jetzige SPD-F&uuml;hrung nichts davon und auch nichts &Auml;hnliches zur Rettung vor einer voraussehbar schlimmen Niederlage realisiert. Sie wird uns weiter erz&auml;hlen, es sei noch alles drin, sie wird weiter vor Schwarzgelb warnen, ohne eine Alternative sichtbar zu machen. Allein dieses unglaubw&uuml;rdige und starrsinnige Verhalten angesichts des erkennbaren Desasters ist ein weiteres Indiz f&uuml;r die Vermutung, dass die SPD von au&szlig;en gesteuert und fremdbestimmt ist. <\/p><p><strong>Wenn Sie die hier skizzierten Vermutungen f&uuml;r schl&uuml;ssig oder auch nur diskussionsw&uuml;rdig halten,<br>\ndann geben Sie diesen Text bitte weiter<\/strong><\/p><ul>\n<li>&uuml;ber ihren E-Mail-Verteiler und auf Papier. Und ganz besonders an Sozialdemokraten und sozialdemokratische W&auml;hler.<\/li>\n<li>Sprechen Sie bitte Ihre sozialdemokratischen Bundestagskandidaten und Mandatstr&auml;ger an. Machen Sie diese bitte auf die existenzielle Gefahr und die m&ouml;glichen L&ouml;sungen aufmerksam.\n<\/li>\n<li>Da die Gefahr besteht, dass selbst bei am 27. September verlorener Wahl von der SPD-F&uuml;hrung das Ergebnis wie am vergangenen Sonntag sch&ouml;n geredet wird, dr&auml;ngen Sie bitte jetzt schon bei ihren SPD-Kandidaten, Abgeordneten und SPD-Funktion&auml;ren darauf, dass die jetzige F&uuml;hrung wenigstens dann zur Rechenschaft gezogen und abgel&ouml;st wird.\n<\/li>\n<\/ul><p><strong>Anlage 1<\/strong><\/p><blockquote><p><strong>Joachim Benecke Mail vom 24.8.09 an Redaktion NachDenkSeiten<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>im R&uuml;ckblick auf das Verhalten der SPD der letzten 10 Jahre ist mir der (zugegebenerma&szlig;en) gewagte Gedanke gekommen, dass der in- und externe Niedergang der Partei durchaus strategisch geplant gewesen sein k&ouml;nnte. Als Grundlage dieses Gedanken diente mir die simple Frage, wie all die (v&ouml;llig destruktiven)&nbsp;Vorg&auml;nge um die SPD der letzten Jahre einen Sinn ergeben k&ouml;nnten. Denn&nbsp;seien wir doch mal&nbsp;ehrlich: kein Politiker, der sich dem Programm seiner eigenen Partei und seiner W&auml;hler verbunden&nbsp;f&uuml;hlt, w&uuml;rde sich so verhalten, wie es die Spitzenpolitiker der SPD in den letzten Jahren getan haben &ndash; es sei denn&hellip;<\/p>\n<p>Es sei denn, er w&auml;re &ndash; aus welchen Gr&uuml;nden auch immer (allzu viele gibt es ja hier nicht) quasi ein &ldquo;trojanisches Pferd&rdquo; der Gegenpartei oder schlicht durch Interessenverb&auml;nde gekauft.<br>\nUnter welchem anderen Aspekt macht diese starrsinnige, absolut lernresistente SPD-Politik &uuml;berhaupt einen Sinn? Ausschlie&szlig;en d&uuml;rfte man sicherlich die M&ouml;glichkeit der schlichten Dummheit. Wenn aber nun clevere Strategen (aus welcher Ecke sie auch immer gekommen sein m&ouml;gen) auf die noch cleverere Idee gekommen w&auml;ren, die SPD mittels ihrer F&uuml;hrungsebene aus sich selbst heraus zu zerst&ouml;ren &ndash; und zwar auf Dauer -, so k&ouml;nnte man heute mit ziemlicher Sicherheit behaupten, sie h&auml;tten dieses Ziel erreicht. <\/p>\n<p>Nur gesetzt den Fall, Schr&ouml;der, Clement, Steinbr&uuml;ck, M&uuml;ntefering und&nbsp;Steinmeier (und vermutlich noch ein paar andere) w&auml;ren korrupt genug, sich daf&uuml;r anzubieten, die SPD f&uuml;r die n&auml;chsten 20 Jahre politisch zu zerst&ouml;ren, h&auml;tten&nbsp;bestimme Interessensgruppen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: sie h&auml;tten ihre eigenen Ziele (die der SPD angelastet werden) erreicht und gleichzeitig die (ehemalige) Partei der Arbeitnehmer &uuml;ber viele Jahre hinweg diskreditiert und damit ausgeschaltet &ndash; was die Fortf&uuml;hrung ihrer eigenen Pl&auml;ne garantiert.<\/p>\n<p>Das derzeitige Wahlkampfverhalten der SPD w&auml;re hier kein R&auml;tsel mehr, sondern kalkuliert; ebenso kalkuliert wie all die verst&ouml;renden, unsinnigen und parteipolisch destruktiven Ereignisse innerhalb der SPD (ein Beispiel unter unz&auml;hligen -die&nbsp;bodenlos dumme (?)&nbsp;Wortmeldung Clements im Fall Ypsilanti bei der Hessenwahl). <\/p>\n<p>Wer eine Handlungsanleitung braucht, wie man eine Partei auf Dauer nicht mehr mehrheitsf&auml;hig macht,&nbsp;kann sich nun ein Beispiel an der&nbsp;Politik der SPD der letzen 10 Jahre nehmen. So wird&rsquo;s gemacht. Die mich beunruhigende Frage ist letzten Endes aber immer noch da: Von wem?<\/p>\n<p>War es wirklich nur Naivit&auml;t oder Dummheit oder Inkompetenz? Oder ist es m&ouml;glich, dass tats&auml;chlich so etwas wie eine Strategie dahintersteckt?<br>\nDas w&uuml;rde mir, so glaube ich, dann wirklich den letzten Rest an Schlaf rauben. Daher hoffe ich, dass es nicht so ist.<br>\nNur&hellip;eine Logik w&uuml;rde sich unter dieser Perspektive aus dem Verhalten unserer SPD-Spitzen schon ergeben&hellip;<\/p>\n<p>Wie gesagt, dieses Planspiel ist schon sehr gewagt.<br>\nAber ist es unm&ouml;glich, wenn man sich den Wahnsinn der letzten Jahre genauer betrachtet?<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\n<em>Joachim Benecke<\/em><\/p><\/blockquote><p><strong>Nachtrag Joachim Benecke vom 27.8.2009:<\/strong><\/p><blockquote><p>Sehr geehrte Herr M&uuml;ller,<\/p>\n<p>ich komme nochmals zur&uuml;ck auf meine E-Mail vom 23.08.09. Zwischenzeitlich habe ich Ihr neuestes Buch erworben und auch (insbesondere nach Ihrem Hinweis) das 20. Kapitel &ndash; Fremdbestimmung &ndash; gelesen.<\/p>\n<p>Unter Beachtung der Informationen aus Ihrem Buch erscheint mir meine Bef&uuml;rchtung (die weit &uuml;ber die Medienbestimmung und Lobbyistenarbeit hinaus geht) immer realistischer, und zwar aus folgenden Gr&uuml;nden:<\/p>\n<ul>\n<li>Wenn die genannten SPD-Politiker in Wirklichkeit wissen- und willentlich CDU\/FDP-Interessen vertreten, erscheint mir ihre v&ouml;llig ablehnende Haltung den LINKEN gegen&uuml;ber pl&ouml;tzlich mehr als plausibel, denn nichts k&ouml;nnte sch&auml;dlicher aus CDU\/FDP-Sicht sein als eine &bdquo;Koalition des Gegengewichtes&ldquo; der SPD mit den LINKEN. Solange die SPD keine Tuchf&uuml;hlung mit den LINKEN anstrebt, bleiben beide Parteien ohne relevantes Gewicht &ndash; zugunsten der Opposition. Hier wird dann auch klar, weshalb trotz der &ndash; in vielen Punkten absolut vern&uuml;nftigen &ndash; Programminhalte der LINKEN (viele Punkte k&ouml;nnten ebenso gut aus Zeiten der SPD stammen, als es noch eine wirkliche SPD gab) keine Ann&auml;herung, sondern eine Verteufelung erfolgt.\n<p>Sie schreiben im Kapitel 20, letzte Seite, &bdquo;Denn eigentlich ist die Festlegung, dass es Koalitionen mit den Linken im Osten geben darf, im Westen und im Bund jedoch nicht, logisch nicht nachvollziehbar. Dass die SPD-F&uuml;hrung trotzdem an einer solch absurden Festlegung festh&auml;lt und damit die eigene Partei schachmatt setzt, ist mit normalem Menschenverstand nicht zu begreifen.&ldquo;. Unter der Pr&auml;misse, dass meine Bef&uuml;rchtung zutrifft, ist es nicht nur zu begreifen, sondern die logische und zwingende Folge. Die Mitbestimmung innerhalb der SPD tr&auml;gt seit Schr&ouml;der absolutistische Z&uuml;ge &ndash; und das ist kein Zufall, sondern Voraussetzung f&uuml;r das, was seit Jahren in dieser Partei geschieht. Ich gehe nicht davon aus, dass die &bdquo;Oberste Kaste&ldquo; der SPD nur den Medien verpflichtet sind, sondern dar&uuml;ber hinaus direkt und unmittelbar &bdquo;ausf&uuml;hrende Organe&ldquo; der Opposition und Interessenverb&auml;nden.\n<\/p><\/li>\n<li>Es w&uuml;rde auch die sch&auml;bige Art und Weise erkl&auml;ren, wie Beck abserviert wurde, nachdem er sich den LINKEN vorsichtig angen&auml;hert hatte (ma&szlig;gebliche Abservierer: die Spitzen der &bdquo;vermeintlichen&ldquo; SPD). Das war keine Anbiederung an die &ouml;ffentliche Meinung mehr, das war eine gnadenlose Zertr&uuml;mmerung, weil &ndash; so glaube ich &ndash; Beck eine ernsthafte Gefahr auf dem Weg, die linken Parteien zu zersplittern, darstellte.\n<\/li>\n<li>Die Wortmeldung Clements bei der Hessenwahl und der dadurch verursachte innerparteiliche und &ouml;ffentliche Schaden an der SPD war kalkuliert und erw&uuml;nscht. Hessen war &bdquo;gerettet&ldquo; (ma&szlig;geblich beteiligt: die Spitze der SPD).\n<\/li>\n<li>Weshalb diese kindisch-trotzige Art des Festhaltens an der Agenda 2010, an den Privatisierungsorgien, an der fortgesetzten Zerst&ouml;rung der Sozialversicherungssysteme, an der Liberalisierung des Finanzmarktes, an der Umverteilung von unten nach oben, obwohl sich l&auml;ngst eine Katastrophe am Horizont abzeichnet? Und was um Himmels willen hat all das &uuml;berhaupt mit Sozialdemokratie zu tun?<\/li>\n<li>Warum greift niemand aus der SPD-Spitze diese dubiose, medial erschaffene &bdquo;Lichtgestalt&ldquo; von Guttenberg an? Warum wird das Thema &bdquo;Linklaters&ldquo; nicht thematisiert? <\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Liste lie&szlig;e sich unendlich fortsetzen mit (vermutlich) wissentlicher St&uuml;mperei,  (vermutlich) willentlichem Dilettantismus, falschen Versprechungen, (vermutlich) bewusst falschen politischen Entscheidungen &ndash; es d&uuml;rfte kein Zufall sein, dass s&auml;mtliche Ministerien unter der F&uuml;hrung der SPD katastrophale Bilanzen vorweisen (Finanzministerium, Gesundheitsministerium, Verkehrsministerium, Umweltministerium) &ndash; und vermutlich ist es auch kein Zufall, dass ausgerechnet diese Ministerien so offensichtlich gegen den Willen des Volkes regieren &ndash; ein Lehrbeispiel daf&uuml;r, wie in einer  Demokratie eine Partei auf &bdquo;moderne&ldquo; und unsichtbare Weise zerst&ouml;rt wird und gleichzeitig von den Verursachern die H&auml;nde in Unschuld gewaschen werden.<\/p>\n<p>Nur so wird aus dieser verheerenden Politik ein passender Schuh. Diese Herren sind weder dumm, noch naiv, noch weltfremd&hellip;da bleibt als Ursache f&uuml;r deren zu verantwortende Politik nicht mehr viel &uuml;brig.<\/p>\n<p>So &uuml;berrascht es mich nun eigentlich auch nicht mehr wirklich, dass faktisch kein Wahlkampf stattfindet &ndash; h&ouml;chstens ein Wahlk&auml;mpfchen mit einem katatonischen Kanzlerkandidaten. Wozu auch? Gewinnen will man nun nicht mehr, braucht man auch nicht mehr, sollte man auch nicht mehr.<\/p>\n<p>Die Zeit ist reif und das Feld ist bereitet f&uuml;r die eigentlichen Herren, die sich nun daran machen k&ouml;nnen, den Rest zu erledigen.<\/p>\n<p>Die Vorarbeit wurde im Namen der SPD und, so glaube ich (und da folge ich nur der strengen Logik, dass alles, was durch die SPD der letzten 10 Jahre gemacht und gesagt wurde, einen wirklichen Sinn macht), im Auftrag der CDU\/FDP und der Industrie gr&uuml;ndlich getan. <\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Mission accomplished, SPD-F&uuml;hrung.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\n<em>Joachim Benecke<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Anlage 2<\/strong><br>\n<strong>Steinmeier verteidigt Regierungsanspruch der SPD in Th&uuml;ringen<\/strong><br>\nSPD-Kanzlerkandidat Steinmeier hat den Regierungsanspruch seiner Partei in Th&uuml;ringen bekr&auml;ftigt. Dass Landeschef Matschie f&uuml;r die SPD als der drittst&auml;rksten Kraft im Land Anspruch auf den Posten des Ministerpr&auml;sidenten anmelde, sei vielleicht ungew&ouml;hnlich, aber glaubw&uuml;rdig, sagte Steinmeier in mehreren Zeitungsinterviews. Schlie&szlig;lich habe Matschie vor der Wahl erkl&auml;rt, die SPD werde den Kandidaten der Linkspartei, Ramelow, nicht zum Regierungschef w&auml;hlen. Die stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Gleicke forderte Regierungschef Althaus zum R&uuml;cktritt auf. Mit ihm an der Spitze sei eine Koalition von CDU und SPD nicht m&ouml;glich, sagte sie dem &ldquo;Handelsblatt&rdquo;. Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Gr&uuml;ner meinte in der &ldquo;Th&uuml;ringer Allgemeinen&rdquo;, Althaus sollte zur&uuml;cktreten, wenn dadurch eine schwarz-rote Regierung m&ouml;glich werde.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/nachrichten\/\">Deutschlandradio &ndash; Mittwoch, 02. September 2009 08:00 Uhr <\/a><\/p><p><strong>Anlage 3: <\/strong><br>\n<strong>Schreiner wirbt f&uuml;r Rot-Rot im Bund<\/strong><br>\nEr gilt seit Jahrzehnten als Stimmgeber der Linken in der SPD und vehementer Gegner der Agenda-Politik unter Kanzler Schr&ouml;der. Nun spricht sich Ottmar Schreiner f&uuml;r Links-Koalitionen auf Bundesebene aus &ndash; und bricht damit ein Tabu.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:koalitionsdebatte-schreiner-wirbt-fuer-rot-rot-im-bund\/50003742.html\">FTD<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie m&ouml;gen dies f&uuml;r eine sehr gewagte Vermutung halten. Dann bleibt Ihnen als L&ouml;sung des R&auml;tsels alternativ nur die Vermutung, dass in der SPD-Spitze nur noch Dummk&ouml;pfe sitzen. Andere Erkl&auml;rungen gibt es f&uuml;r den Niedergang dieser gro&szlig;en und wichtigen Partei aus meiner Sicht nicht. Albrecht M&uuml;ller.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,191,190],"tags":[489],"class_list":["post-4169","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-spd","category-wahlen","tag-fremdbestimmung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4169","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4169"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4169\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20206,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4169\/revisions\/20206"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4169"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4169"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4169"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}