{"id":41701,"date":"2017-12-22T12:32:07","date_gmt":"2017-12-22T11:32:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41701"},"modified":"2017-12-22T14:51:26","modified_gmt":"2017-12-22T13:51:26","slug":"750-000-euro-fuer-einen-betriebsrat-da-muss-sich-die-ig-metall-nicht-wundern-wenn-ihr-die-mitglieder-weglaufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41701","title":{"rendered":"750.000 Euro f\u00fcr einen Betriebsrat? Da muss sich die IG Metall nicht wundern, wenn ihr die Mitglieder weglaufen"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150520_berger.jpg\" alt=\"Jens Berger\" title=\"Jens Berger\"><\/div><p>Nachdem die Staatsanwaltschaft Braunschweig nun auch strafrechtlich gegen die Unternehmensf&uuml;hrung der Volkswagen AG wegen des Verdachts auf Untreue <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/vw-kuerzt-betriebsraeten-deutlich-das-gehalt-15354430.html\">ermittelt<\/a>, ger&auml;t das Verg&uuml;tungsmodell der obersten Betriebsr&auml;te des Konzerns nun auch in die &ouml;ffentliche Kritik. Und das ist auch bitter n&ouml;tig, denn nicht nur die teils abstruse H&ouml;he der Bez&uuml;ge, sondern vor allem die Gehaltsstruktur der Top-Betriebsr&auml;te im VW-Konzern ist ein echter Skandal. Wenn Betriebsr&auml;te, deren Aufgabe die Vertretung der Mitarbeiterinteressen ist, j&auml;hrlich eine halbe Million Euro Pr&auml;mie bekommen, wenn die Renditen stimmen, dann ist dies gleich in mehrfacher Hinsicht ein Fall von Untreue. Wie kann die IG Metall einem Verg&uuml;tungsmodell f&uuml;r ihre eigenen Spitzenfunktion&auml;re zustimmen, das Boni daf&uuml;r vorsieht, dass die Betriebsr&auml;te nicht die Interessen der Arbeitnehmer, sondern die Interessen der Unternehmenseigner vertreten? Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5102\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-41701-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171222_750000_Euro_fuer_einen_Betriebsrat_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171222_750000_Euro_fuer_einen_Betriebsrat_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171222_750000_Euro_fuer_einen_Betriebsrat_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171222_750000_Euro_fuer_einen_Betriebsrat_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=41701-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/171222_750000_Euro_fuer_einen_Betriebsrat_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"171222_750000_Euro_fuer_einen_Betriebsrat_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft brachten einige Zahlen ans Licht, die man bei der IG Metall sicher lieber im Dunklen belassen w&uuml;rde. So betr&auml;gt das &bdquo;Grundgehalt&ldquo; des VW-Betriebsratschefs Bernd Osterloh aktuell <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/vw-kuerzt-betriebsraeten-deutlich-das-gehalt-15354430.html\">&bdquo;eigenen Angaben&ldquo; zufolge<\/a> rund 200.000 Euro. Osterloh selbst begr&uuml;ndet dieses doch recht ordentliche Gehalt damit, dass er &bdquo;oft&nbsp;privat zur&uuml;ckstecke und regelm&auml;&szlig;ig mindestens 70 Stunden die Woche arbeite&ldquo;. Nun ja, f&uuml;r den Funktion&auml;r einer Gewerkschaft, die die H&auml;lfte dieses Arbeitspensums fordert, ist diese Erkl&auml;rung schon gewagt. Aufgrund der Ermittlungen hat die Unternehmensspitze nun reagiert und Osterloh sowie 14 weitere leitende Betriebsr&auml;te erst einmal in die h&ouml;chste tarifliche Gehaltsstufe &bdquo;heruntergestuft&ldquo;. Nun liegt deren Grundgehalt bei rund 96.000 Euro. Ob dies f&uuml;r einen Funktion&auml;r, der als Arbeitnehmervertreter im Vorstand eines Dax-Konzerns sitzt, nun angemessen oder vielleicht doch zu wenig ist, d&uuml;rfte ein interessantes Diskussionsthema sein. Doch darum soll es hier nicht gehen. Der eigentliche Skandal ist eine andere Zahl. In &bdquo;besseren Jahren&ldquo; soll der VW-Betriebsratschef n&auml;mlich inklusive der erfolgsabh&auml;ngigen Boni auch schon mal 750.000 Euro verdient haben. Und auch hier ist weniger die H&ouml;he an sich &ndash; die in diesem Falle jedoch ganz sicher nicht mehr zu rechtfertigen ist -, sondern die Gehaltsstruktur der eigentliche Skandal. 500.000 Euro dieser Summe stammen n&auml;mlich aus &bdquo;erfolgsabh&auml;ngigen&ldquo; Boni.<\/p><p>&bdquo;Erfolgsabh&auml;ngige Boni&ldquo; &ndash; das h&ouml;rt sich ja nicht schlecht an. Wenn die Unternehmenseigner ihren Mitarbeitern derartige Pr&auml;mien zahlen, so ist dies im Prinzip schon gerechtfertigt, auch wenn die Anreizstruktur vor allem im oberen Management (Stichwort: &bdquo;Bankerboni&ldquo;) durchaus ein strittiges Thema sein kann. Betriebsr&auml;te sind jedoch keine &bdquo;normalen Mitarbeiter&ldquo;, sondern die institutionalisierten Vertreter der Mitarbeiter, die deren Interessen im Rahmen der betrieblichen Mitbestimmung vertreten. Allein dieser simple Grundsatz macht schon klar, dass es nat&uuml;rlich einen Unterschied zwischen den Interessen der Kapitalseite, also der Unternehmenseigner, und den Interessen der Mitarbeiter gibt. Ein ganz simples Beispiel: Lohnerh&ouml;hungen sind im Interesse der Mitarbeiter, aber ganz sicher nicht im Interesse der Kapitalseite. Daher sind Betriebsr&auml;te in der Regel f&uuml;r Lohnerh&ouml;hungen, f&uuml;r die Einhaltung tariflicher Regeln, f&uuml;r Zuschl&auml;ge und gegen Arbeitszeitverl&auml;ngerungen, w&auml;hrend die Kapitalseite in der Regel genau die gegenteiligen Interessen verfolgt, da es ihr prim&auml;r um das betriebswirtschaftliche Ergebnis des Unternehmens geht. Wenn nun aber die Vertreter des Betriebsrats mit dicken Boni daf&uuml;r belohnt werden, dass das betriebswirtschaftliche Ergebnis stimmt, so ist dies ein glasklarer Zielkonflikt. <\/p><p>Wenn VW die L&ouml;hne k&uuml;rzt, steigt der Gewinn und damit die erfolgsabh&auml;ngigen Boni der oberen Betriebsr&auml;te. Steigen die L&ouml;hne, sinkt der Gewinn und Bernd Osterloh und Co. m&uuml;ssen finanzielle Einbu&szlig;en hinnehmen. Da Osterloh als oberster Vertreter der Mitarbeiter im Pr&auml;sidium des Aufsichtsrats bei strittigen Themen sein Veto einlegen kann, hat er dazu auch die Macht. Das ist vergleichbar mit einem Anwalt, dessen Honorar von der Gegenseite bezahlt wird &ndash; verliert er den Fall, kriegt er einen fetten Bonus, gewinnt er, gibt es nur das Standardhonorar. W&uuml;rde ein Polizist &bdquo;erfolgsabh&auml;ngige Boni&ldquo; von den Drogenbossen bekommen oder ein Torwart &bdquo;erfolgsabh&auml;ngige Boni&ldquo; von der gegnerischen Mannschaft, so w&auml;re dies ein klarer Fall von Untreue.<\/p><p>Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in Braunschweig ist nun, ob diese Beispiele auf die VW-Betriebsratshonorierung &uuml;bertragbar sind. Es geht um Untreue. Und zwar nicht die Untreue eines Bernd Osterlohs, der &uuml;ber die Jahre hinweg millionenschwere Boni daf&uuml;r kassiert hat, dass VW ganz im Interesse der Kapitalseite gef&uuml;hrt wurde. Der Untreuevorwurf richtet sich vielmehr gegen den VW-Personalvorstand und drei weitere Topmanager, die die wom&ouml;glich unsittlichen Geh&auml;lter und Boni des Betriebsrats abgesegnet haben. Es geht um Untreue gegen&uuml;ber der Kapitalseite, Verm&ouml;gens-Veruntreuung, wie es juristisch hei&szlig;t. Das ist schon abenteuerlich und man kann nur hoffen, dass die Ermittlungen auf Bernd Osterloh und seine Kollegen ausgeweitet werden. Zumindest moralisch ist jedoch auch der IG Metall ein Vorwurf zu machen, da Osterloh ja IG-Metall-Funktion&auml;r ist und auf dem Ticket der DGB-Gewerkschaft in den Gesamt- und Konzernbetriebsrat eingezogen ist. Kontrolliert die IG Metall etwa nicht, aus welcher Quelle ihre Funktion&auml;re wof&uuml;r Geld bekommen? Unterst&uuml;tzt die IG Metall schlussendlich sogar Honorierungsmodelle, bei denen ihre Funktion&auml;re sagenhafte Boni von der Kapitalseite bekommen? Na dann darf sich die IG Metall aber auch nicht dar&uuml;ber beschweren, dass ihr die Mitglieder weglaufen und sie immer mehr Einfluss verliert. Dass dies auch gesellschaftlich sehr problematisch ist, zeigt ein Blick nach Gro&szlig;britannien &ndash; dort konnte der sozialdemokratische Labour-Chef Jeremy Corbyn sich nur deshalb gegen den rechten Labour-Fl&uuml;gel durchsetzen, weil die progressiven Gewerkschaften hinter ihm standen. Die IG Metall ist freilich alles andere als progressiv.<\/p><p>Ob Bernd Osterloh auch juristischen &Auml;rger bekommt, ist noch offen. Sein Vorg&auml;nger Klaus Folkert wurde ebenfalls von der Braunschweiger Staatsanwaltschaft angeklagt und wurde dann zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Es ging um schwarze Kassen, Korruption, Lustreisen, eine Geliebte in Brasilien, bezahlt von VW; allesamt sehr unappetitlich. Auf Folkert folgte dessen Stellvertreter Osterloh. Auf Seiten des Konzerns hatten sowohl Folkert als auch Osterloh mit einem Mann zu tun, der alles andere als unbekannt ist &ndash; Peter Hartz, damals Personalchef von VW und Namensgeber der Hartz-Gesetze, sp&auml;ter wegen Untreue zu zwei Jahren Haft auf Bew&auml;hrung verurteilt. Interessant ist im konkreten Zusammenhang vor allem, dass Osterloh als Betriebsrat auch die direkte Verantwortung f&uuml;r das Hartz-Projekt &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Auto_5000\">Auto 5000<\/a>&ldquo; hatte &ndash; ein Arbeitsmodell, bei dem bei Neueinstellungen der Haustarif umgangen wurde und so das Fundament f&uuml;r das heute allgegenw&auml;rtige Zwei- bis Drei-Klassen-Modell in der Arbeitnehmerschaft gelegt werden konnte. Den Konzerneignern hat Osterloh also zweifelsohne schon sehr viel Geld eingebracht &ndash; weit mehr als die in diesem Zusammenhang schon fast l&auml;ppischen Boni. Man k&ouml;nnte es auch Untreue gegen&uuml;ber den Arbeitnehmern nennen. Was sagt eigentlich die IG Metall dazu?<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/a55782e0cd014b3ba6d1c853f2546a26\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150520_berger.jpg\" alt=\"Jens Berger\" title=\"Jens Berger\"\/><\/div>\n<p>Nachdem die Staatsanwaltschaft Braunschweig nun auch strafrechtlich gegen die Unternehmensf&uuml;hrung der Volkswagen AG wegen des Verdachts auf Untreue <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/vw-kuerzt-betriebsraeten-deutlich-das-gehalt-15354430.html\">ermittelt<\/a>, ger&auml;t das Verg&uuml;tungsmodell der obersten Betriebsr&auml;te des Konzerns nun auch in die &ouml;ffentliche Kritik. 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