{"id":4175,"date":"2009-09-07T11:23:36","date_gmt":"2009-09-07T09:23:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4175"},"modified":"2014-01-23T12:56:16","modified_gmt":"2014-01-23T11:56:16","slug":"merkel-will-steinbrueck-mit-prestige-job-belohnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4175","title":{"rendered":"\u201eMerkel will Steinbr\u00fcck mit Prestige-Job belohnen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>das meldete <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,647164,00.html\">SpiegelOnline am 5.9.<\/a>. Als Dankesch&ouml;n f&uuml;r die gute Zusammenarbeit wolle sie ihm im Falle einer schwarz-gelben Regierung zu einem internationalen Posten verhelfen. Angesichts dieser Gro&szlig;mut kommt einem kritischen Beobachter unwillk&uuml;rlich die Volksweisheit auf die Lippen: Pack schl&auml;gt sich, Pack vertr&auml;gt sich. Aber das w&auml;re nicht ganz korrekt. Angela Merkel und Peer Steinbr&uuml;ck haben sich bei wichtigen Fehlentscheidungen und Vers&auml;umnissen nicht geschlagen sondern gut vertragen. Also m&uuml;sste man eher sagen: &bdquo;Pack vertr&auml;gt sich, Pack versorgt sich.&ldquo; Die darin liegende negative Kennzeichnung mag manchen Leser st&ouml;ren. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nDas tut mir leid. Aber wir sind offensichtlich so sehr eingelullt von den sch&ouml;nen Reden der beiden Partner, dass wir die bitteren Folgen dieser ausgezeichneten Zusammenarbeit von Bundeskanzlerin und Bundesfinanzminister nicht mehr wahrnehmen. Hier ein paar Belege f&uuml;r die heillose, &bdquo;gute Zusammenarbeit&ldquo;: <\/p><ol>\n<li>Beim Wahlkampf 2005 hat die SPD Steinbr&uuml;cks gegen die Absicht von Angela Merkels CDU und CSU, die Mehrwertsteuer um zwei Punkte zu erh&ouml;hen, polemisiert. Die SPD klebte Plakate gegen die &bdquo;Merkel-Steuer&ldquo;, wie sie die Absicht einer Erh&ouml;hung um zwei Punkte nannte. In den Koalitionsgespr&auml;chen verga&szlig; die SPD ihre Kampagne; vermutlich unter dem Einfluss von Peer Steinbr&uuml;ck wurden aus Angela Merkels 2 % sogar 3 %. Das nagt bis heute an der Glaubw&uuml;rdigkeit der SPD, ein Grund mehr, gegen&uuml;ber Steinbr&uuml;ck Dankbarkeit zu zeigen.<\/li>\n<li>Steinbr&uuml;ck war auch ein lautloser Gehilfe und eben nicht Vertreter sozialdemokratischer Interessen, als es um weitere Steuer&auml;nderungen zu Gunsten der Unternehmen und um die Senkung der Erbschaftssteuer ging.<\/li>\n<li>Steinbr&uuml;ck bereitet jetzt schon durch Vergabe von Gutachten die Streichung der kleinen Steuerverg&uuml;nstigungen f&uuml;r Schicht- und Nachtarbeit vor. Er leistet Vorarbeit f&uuml;r Schwarz-Gelb. (Siehe hier: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,druck-647131,00.html\">5.9.2009 Steuern: Finanzministerium h&auml;lt brisante Studie &uuml;ber Sonntagszuschl&auml;ge zur&uuml;ck<\/a>)<\/li>\n<li>Beide haben am Ausbau des &bdquo;Finanzplatzes Deutschland&ldquo; gearbeitet, wie insbesondere Steinbr&uuml;ck die weitere Deregulierung der Finanzm&auml;rkte und die Erleichterung des Zugangs f&uuml;r undurchsichtige Finanzgruppen nannte. Im Koalitionsvertrag von 2005 wurde das festgeschrieben. <a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Webs\/Breg\/DE\/Bundesregierung\/Koalitionsvertrag\/koalitionsvertrag.html\">Auf Seite 86 vom 11. November 2005<\/a> wurde vereinbart, dass Verbriefungen erleichtert werden sollen, dass die Finanzaufsicht ihre Arbeit &bdquo;mit Augenma&szlig;&ldquo; und wie in anderen EU-Staaten leisten soll, also genauso l&auml;ssig, usw.. Steinbr&uuml;ck und seine Mitarbeiter im Bundesfinanzministerium haben bis zum Sichtbarwerden der Finanzkrise am Ausbau des Casinos gearbeitet . Sie haben Verbriefungen und andere so genannte innovative Finanzprodukte erleichtert. Sie haben die Spekulation beg&uuml;nstigt. (Siehe dazu auch Steinbr&uuml;cks biedere Flucht aus der Verantwortung (<a href=\"?p=4076\">Finanzkrise XXIII<\/a>)) &ndash; Die Bundeskanzlerin und der Bundesfinanzminister haben wie schon die Regierung Schr&ouml;der die Wege zur Finanzkrise geebnet. Sie haben genauso nahtlos daran gestrickt, dass in der &Ouml;ffentlichkeit dies nicht wahrgenommen wird und beide als Retter dargestellt werden.<\/li>\n<li>Beide haben gemeinsam daf&uuml;r gesorgt, dass ohne Kritik und wirksame Kontrolle Hunderte von Milliarden der Steuerzahler f&uuml;r den Finanzsektor zur Verf&uuml;gung gestellt werden: rund 8 Milliarden f&uuml;r die private Bank IKB, 480 Milliarden Rettungsschirm, davon &uuml;ber 100 Milliarden f&uuml;r die HRE, die heute nichts mehr wert und im Eigentum des Bundes ist. Die undurchsichtige Rettungsaktion wurde von Steinbr&uuml;ck und Angela Merkel gemeinsam &bdquo;gemeistert&ldquo;.<\/li>\n<li>Beide reden viel von neuen Regeln f&uuml;r die Finanzm&auml;rkte und von mehr Transparenz. Tats&auml;chlich haben sie nicht einmal das Minimum an Korrekturen erledigt. Zum Beispiel gilt nach wie vor die Steuerfreiheit f&uuml;r Gewinne beim Verkauf von Unternehmen und Unternehmensteilen. Dieses Privileg f&uuml;r Hedgefonds, Private Equity Gruppen und die gro&szlig;en deutschen Aktiengesellschaften und die gro&szlig;en Familienverm&ouml;gen, das von der Regierung Schr&ouml;der zum 1.1.2002 eingef&uuml;hrt wurde, existiert immer noch. Keine Initiative vom Kanzleramt, keine Initiative vom zust&auml;ndigen Bundesfinanzminister, reibungslose Zusammenarbeit auf unsere Kosten. Es fehlt n&auml;mlich das Geld in der Staatskasse und was noch schlimmer ist: diese Steuerverg&uuml;nstigung erleichtert auch noch den Ausverkauf deutscher Unternehmen an ausl&auml;ndische und inl&auml;ndische so genannte Investoren, die gar keine Investoren sind, weil sie nur circa 20 % des Kaufpreises mitbringen, ansonsten die aufgekauften Unternehmen in die Verschuldung und oft in die Insolvenz treiben. Dieses Treiben zu Gunsten der Finanzindustrie wird von beiden Partnern gedeckt.<\/li>\n<li>Beide waren sich auch seltsam einig beim z&ouml;gerlichen Umgang mit den notwendigen Konjunkturprogrammen.<\/li>\n<li>Beide sind F&ouml;rderer der Privatisierung. Steinbr&uuml;ck ist stolz darauf, dass er ein &ouml;ffentliches Unternehmen nach dem andern verkauft hat. Er hat systematisch die Verarmung der &ouml;ffentlichen H&auml;nde betrieben und Futter f&uuml;r die Finanzindustrie besorgt. Beide haben es klaglos hingenommen beziehungsweise gef&ouml;rdert, dass die Postbank in die H&auml;nde der Deutschen Bank f&auml;llt. &ndash; Hier, beim besorgen von Futter f&uuml;r die Investmentbanker, decken sich die Interessen Steinbr&uuml;cks mit jenen von Angela Merkel, die eng mit Goldman Sachs und anderen Investmentbankern verbunden ist.<br>\nBesonders deutlich wurde das beim Versuch, die Deutsche Bahn zum Teil zu privatisieren. Als im Jahr 2008 nahezu eindeutig klar war, dass sachliche Gr&uuml;nde gegen die Privatisierung sprechen und als die SPD-Basis auf ihrem Hamburger Parteitag im Oktober 2007 deutlich gemacht hatte, dass sie die Privatisierung nicht will, hat Peer Steinbr&uuml;ck im M&auml;rz und April 2008 zusammen mit Steinmeier den damaligen SPD-Vorsitzenden Beck quasi erpresst, gegen den Parteitagsbeschluss die Privatisierung der Bahn zu betreiben. (Siehe dazu <a href=\"?p=3058\">hier<\/a> und <a href=\"?p=3169\">hier<\/a>)\n<p>Zum Gesamtkomplex finden sich auch wichtige Texte in unserem <a href=\"?page_id=3577\">Kritischen Jahrbuch 2008\/2009<\/a> und in meinem neuen Buch <a href=\"?page_id=4080\">&bdquo;Meinungsmache&ldquo;<\/a>. Dort insbesondere in den Kapiteln 17 und 18.)<\/p><\/li>\n<\/ol><p>Dass Angela Merkel sich bei Steinbr&uuml;ck f&uuml;r dessen gute Zusammenarbeit und Zuarbeit bedanken will, falls es nicht mehr zu einer Gro&szlig;en Koalition sondern zu Schwarz-gelb kommt, kann ich gut verstehen. Beide wissen viel zu viel &uuml;ber einander, &uuml;ber gemeinsame Vers&auml;umnisse zulasten des Steuerzahlers und &uuml;ber gemeinsame Entscheidungen zu Gunsten der Finanzwirtschaft. Deshalb &uuml;brigens auch mein Vorschlag in meiner <a href=\"?p=4169\">Analyse der r&auml;tselhaften SPD-Strategie<\/a>. Wenn Steinbr&uuml;ck der SPD im Wahlkampf noch helfen wollen w&uuml;rde, dann k&ouml;nnte er das tun: mit der &Uuml;bernahme der Verantwortung f&uuml;r die kostspielige und undifferenzierte Bankenrettung und mit der Offenlegung der mindestens so gro&szlig;en Verantwortung von Angela Merkel und ihrer Verflechtung mit der Finanzwirtschaft.<\/p><p>Wahrscheinlich wird &uuml;brigens die Versorgung Steinbr&uuml;cks mit einem staatlichen Posten gar nicht n&ouml;tig sein. Bei ihm wie schon bei verschiedenen Staatssekret&auml;ren w&uuml;rde der Dreht&uuml;reffekt mit hoher Wahrscheinlichkeit funktionieren: wer in Zeiten seiner &ouml;ffentlichen T&auml;tigkeit ordentlich etwas f&uuml;r private Interessen tut, bekommt dann auch anschlie&szlig;end einen guten Job.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>das meldete <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,647164,00.html\">SpiegelOnline am 5.9.<\/a>. 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Angela Merkel und Peer Steinbr&uuml;ck<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4175\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,198,127],"tags":[284,315,253],"class_list":["post-4175","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","tag-deregulierung","tag-merkel-angela","tag-steinbrueck-peer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4175","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4175"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4175\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20203,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4175\/revisions\/20203"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4175"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4175"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4175"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}