{"id":41755,"date":"2018-01-03T09:12:34","date_gmt":"2018-01-03T08:12:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41755"},"modified":"2026-01-27T11:06:47","modified_gmt":"2026-01-27T10:06:47","slug":"medien-eine-arena-fuer-hahnenkaempfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41755","title":{"rendered":"Medien: \u201eEine Arena f\u00fcr Hahnenk\u00e4mpfe\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180103_meyen.jpg\" alt=\"Michael Meyen\" title=\"Michael Meyen\"><\/div><p>Claus Kleber &bdquo;fragt nicht, woher die Nachrichtenagenturen und die Korrespondenten ihr Material haben. Er fragt nicht, wer die Begriffe f&uuml;r das pr&auml;gt, was das &bdquo;heute journal&ldquo; am Abend bringt. Noch schlimmer: Er sieht gar nicht, dass da ein Problem liegen k&ouml;nnte&ldquo;. Das sagt der Kommunikationswissenschaftler <a href=\"http:\/\/www.ifkw.uni-muenchen.de\/personen\/professoren\/meyen_michael\/index.html\">Michael Meyen<\/a> im Interview mit den NachDenkSeiten. Meyen, der am Institut f&uuml;r Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Ludwig-Maximilians-Universit&auml;t in M&uuml;nchen lehrt, hat vor kurzem auf eine sehr pointierte Weise ein aktuelles Buch von Claus Kleber besprochen, in dem der Moderator des &bdquo;heute journals&ldquo; sich mit der aktuellen Kritik an den Medien auseinandersetzt. Im NachDenkSeiten-Interview sagt er, was ihn an Klebers Einlassungen st&ouml;rt und geht auf die Probleme ein, die er im Journalismus unserer Zeit sieht. F&uuml;r Meyen ist es vor allem die Funktionslogik der Medien, die eine Berichterstattung mit vielen Schlagseiten entstehen l&auml;sst. Medien, so Meyen, &bdquo;vernachl&auml;ssigen das, was man als ihre &ouml;ffentliche Aufgabe bezeichnen kann&ldquo;, n&auml;mlich: &bdquo;Informieren, aufkl&auml;ren, die M&auml;chtigen kritisieren&ldquo;. Ein Interview von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6878\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-41755-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180103_Medien_Eine_Arena_fuer_Hahnenkaempfe_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180103_Medien_Eine_Arena_fuer_Hahnenkaempfe_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180103_Medien_Eine_Arena_fuer_Hahnenkaempfe_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180103_Medien_Eine_Arena_fuer_Hahnenkaempfe_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=41755-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180103_Medien_Eine_Arena_fuer_Hahnenkaempfe_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180103_Medien_Eine_Arena_fuer_Hahnenkaempfe_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Meyen, Sie haben vor kurzem eine Rezension zum aktuellen Buch von Claus Kleber verfasst, Moderator des &bdquo;heute journal&ldquo;. Die &Uuml;berschrift Ihrer Besprechung lautet: <a href=\"http:\/\/medienblog.hypotheses.org\/958\">&bdquo;Rettet Claus Kleber&ldquo;<\/a>. Warum muss der Nachrichtenmann des ZDF denn gerettet werden?<\/strong> <\/p><p>So eine &Uuml;berschrift ist ja immer auch ein bisschen Rhetorik, selbst in einem wissenschaftlichen Blog. Da geht es auch um Leseanreiz.<\/p><p><strong>Also muss Claus Kleber gar nicht gerettet werden?<\/strong><\/p><p>Das wei&szlig; ich nicht. Qualit&auml;tsjournalismus &ndash; darum geht es. Um die Nachrichten im &ouml;ffentlich-rechtlichen Fernsehen, um die gro&szlig;en Zeitungen, um die Regionalpresse. Journalistische Qualit&auml;tskriterien wie Neutralit&auml;t, Objektivit&auml;t oder Vielfalt sind da l&auml;ngst zu Worth&uuml;lsen geworden. Wir bekommen permanent Sensationen. Wir bekommen Superlative. Und wir bekommen Geschichten, die so spannend sind, dass wir gar nicht mehr wegschalten wollen. Wenn diese Geschichten dann noch ein bestimmtes politisches Interesse transportieren, dann hat das nichts mehr mit dem zu tun, was m&uuml;ndige B&uuml;rger vom Journalismus erwarten. Wir wollen informiert werden, wir wollen aufgekl&auml;rt werden, und wir wollen dann selbst entscheiden. <\/p><p><strong>Der Reihe nach. Kleber hat ein Buch verfasst, worin er sich mit der Kritik an den Medien auseinandersetzt. Was st&ouml;rt Sie daran?<\/strong> <\/p><p>Erstmal gar nichts. Es ist gut, wenn Journalisten nicht einfach ignorieren, was das Publikum sagt. Es ist gut, wenn gerade Top-Leute wie Claus Kleber den Zuschauern erkl&auml;ren, wie sie arbeiten. <\/p><p><strong>Was hat Sie dann gest&ouml;rt?<\/strong><\/p><p>Wie er mit der Kritik umgeht. Er beschreibt einen Tag in der Redaktion, um zu beweisen, dass er weder von Angela Merkel gesteuert wird noch von sonst irgendwem. Kein Anruf aus dem Kanzleramt. Was abends &uuml;ber den Bildschirm geht, entscheiden all die tollen Leute in seinem Team und nat&uuml;rlich er, der Chef. Claus Kleber sieht einfach nur seinen Newsroom und blendet den Rest der Welt komplett aus.  <\/p><p><strong>Also zeichnet der Top-Nachrichtenmann eine zu einfache Realit&auml;t?<\/strong><\/p><p>Genau. Er fragt nicht, woher die Nachrichtenagenturen und die Korrespondenten ihr Material haben. Er fragt nicht, wer die Begriffe f&uuml;r das pr&auml;gt, was das &bdquo;heute journal&ldquo; am Abend bringt. Noch schlimmer: Er sieht gar nicht, dass da ein Problem liegen k&ouml;nnte. Das Bundespresseamt besch&auml;ftigt mehr als 400 Leute, alle gut ausgebildet und hoch bezahlt. Da sind die Pressemenschen in den Ministerien noch gar nicht mitgez&auml;hlt, in den Bundesl&auml;ndern, in der Wirtschaft, in Think Tanks. Journalismus hat es schwer gegen die Definitionsmacht, die von dort ausgeht. Er sollte es aber wenigstens versuchen. Er sollte Distanz wahren, er sollte immer nach den Interessen der M&auml;chtigen fragen. Nichts davon ist bei Claus Kleber zu sehen.<\/p><p><strong>Was ist Ihnen in dem Buch noch aufgefallen?<\/strong><\/p><p>Zwei Dinge. Claus Kleber will kein Beobachter sein. Er will nicht neutral sein wie einst Hanns Joachim Friedrichs, der von einem guten Journalisten gefordert hat, sich mit keiner Sache gemein zu machen, auch nicht mit einer guten. Kleber fordert Haltung und Engagement. Was das hei&szlig;t, kann man jeden Abend im Fernsehen sehen. Kleber ergreift Partei. In einem Nachrichtenmagazin.<\/p><p><strong>Und die zweite Sache?<\/strong><\/p><p>Claus Kleber hat die kommerzielle Medienlogik verinnerlicht. Er erz&auml;hlt seinen Lesern ohne jede Hemmung, wie die Realit&auml;t entsteht, die das &bdquo;heute journal&ldquo; Abend f&uuml;r Abend sendet. Es braucht eine Story. Irgendetwas Spektakul&auml;res, das gestern noch nicht da war und das auch die Konkurrenz nicht hat. Es braucht Bilder, m&ouml;glichst emotional. Im Zweifel stellt man diese Bilder vermutlich selbst. Und es braucht &bdquo;Pfeffer&ldquo;. Kleber freut sich, als Gabriel kurz vor Redaktionsschluss auf die Kanzlerin einpr&uuml;gelt. Endlich ist die Sendung rund. <\/p><p><strong>Eine Hauptkritik an den gro&szlig;en Medien und den Alphajournalisten lautet, dass sie einfach auf Biegen und Brechen ihre Arbeit verteidigen und nicht ansatzweise erkennen oder zugeben wollen, wie eindimensional ihre Erfassung der politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit eigentlich ist.<br>\nStimmen Sie dem zu? Ist der Journalismus, den wir innerhalb der gro&szlig;en Medien zu sehen bekommen, oft zu einseitig und spiegelt die Wirklichkeit nicht sauber wieder?<\/strong><\/p><p>Journalismus war schon immer Selektion. Nicht einmal eine Kleinstadt passt in 30 Minuten Sendezeit. Das Problem ist: Heute w&auml;hlen die Redakteure etwas ganz anderes aus als ihre Vorg&auml;nger vor 30 oder 40 Jahren. Und das, was sie ausw&auml;hlen, verpacken diese neuen Redakteure anders. Grell, schrill, laut. In diesem Dauerbeschuss haben wir gar nicht gemerkt, wie sich die Medienrealit&auml;t ver&auml;ndert hat und damit unsere Informationsgrundlage. <\/p><p><strong>Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p><p>Die Medien sollen uns Orientierung geben, die Medien sollen uns helfen, vern&uuml;nftige Entscheidungen zu treffen, die Medien sollen die M&auml;chtigen kontrollieren. Und was sehen wir stattdessen? Eine Arena f&uuml;r Hahnenk&auml;mpfe.<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie das etwas genauer beschreiben? Was genau hat sich ver&auml;ndert?<\/strong><\/p><p>A: Wir haben die Medienrealit&auml;t von 1984 mit der von heute verglichen. Was haben die gro&szlig;en Zeitungen und die &bdquo;Tagesschau&ldquo; 1984 berichtet und was berichten sie jetzt. Die Unterschiede fangen schon bei den Inhalten an. Heute gibt es weniger Politik und Wirtschaft und daf&uuml;r viel mehr Soft News. Also Sport, Kultur, Human Interest. Fast noch wichtiger: &Uuml;ber die harten Themen wird heute ganz anders berichtet als vor 30 Jahren. Negativer und emotionaler, st&auml;rker an Prominenten und Experten aufgeh&auml;ngt und vor allem an Konflikten.<br>\n<strong>Die Hahnenk&auml;mpfe?<\/strong><\/p><p>Genau. In der Medienrealit&auml;t dominieren heute andere Konflikte als damals in der guten, alten Bundesrepublik. Es geht nicht mehr um Gruppen, also nicht mehr um Gewerkschaften und Arbeitgeber oder Professoren und Studenten. Heute geht es um Personen, die m&auml;chtig oder prominent sind. Gabriel gegen Merkel. Klebers &bdquo;Pfeffer&ldquo;. <\/p><p><strong>Woran liegt das? Warum tun sich Medien so schwer damit, Wirklichkeit abzubilden &ndash; also soweit das eben &uuml;berhaupt m&ouml;glich ist.<\/strong><\/p><p>Vieles ist da ja gut beschrieben worden von Medienkritikern wie Uwe Kr&uuml;ger oder Ulrich Teusch. Das Meinungsklima zum Beispiel, das heute l&auml;ngst nicht mehr so liberal ist wie in den 1970ern und inzwischen wieder verlangt, Position zu beziehen, f&uuml;r den Westen zum Beispiel. Oder die N&auml;he der Journalisten zu den M&auml;chtigen, die schon bei der Herkunft beginnt und in der Ausbildung und die dann zu gemeinsamen Interessen f&uuml;hrt und zu einem ganz &auml;hnlichen Blick auf die Welt. <\/p><p><strong>Das erkl&auml;rt aber noch nicht die Ver&auml;nderungen, die Sie gerade beschrieben haben.<\/strong><\/p><p>Nein. Das hat mit der neuen Konkurrenz zu tun. Mit kommerziellen Radio- und Fernsehsendern, mit dem Internet, mit den sozialen Netzwerken. Journalismus konkurriert heute mit Anbietern, denen der Pressekodex egal ist und der Rundfunkstaatsvertrag auch. Und damit sind wir bei der Organisation der Medien und bei uns, bei den Nutzern.<\/p><p><strong>Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p><p>Kommerzielle Medien sind auf Reichweite angewiesen. Auf uns. Das gilt selbst f&uuml;r den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk, der sofort in Frage gestellt wird, wenn die Einschaltquoten sinken. In einem solchen Mediensystem dreht sich alles um Aufmerksamkeit. Jede Redaktion sieht heute in Echtzeit, welches Thema funktioniert. Sie sieht auch, woher die Nutzer kommen. &Uuml;ber Google, &uuml;ber Facebook, &uuml;ber die eigene Webseite. Und jede Redaktion wei&szlig;, dass die Konkurrenz nur einen Klick entfernt ist. Service, lustige Sachen, irgendwelche Rankings. Die Spirale der Aufmerksamkeit wird von uns selbst gef&uuml;ttert.<\/p><p><strong>Um den Wandel der Medien zu beschreiben, verwenden Sie den Begriff Medienlogik. Was ist damit gemeint?<\/strong><\/p><p>Logik ist immer ein bisschen irref&uuml;hrend. Das klingt nach folgerichtig oder vern&uuml;nftig. Das k&ouml;nnen viele nicht mit dem zusammenbringen, was sie in der &bdquo;Tagesschau&ldquo; finden. Ich meine damit die Brille, durch die Medien die Welt sehen. Welche Themen werden ausgew&auml;hlt, wie wird das Material zusammengestellt, in welchem Stil wird es pr&auml;sentiert, was wird betont und was eher nicht? Medienlogik ist die Grammatik der Medienkommunikation und unabh&auml;ngig vom Thema und auch ziemlich unabh&auml;ngig vom Kanal. Putin und Erdogan, Fl&uuml;chtlinge und Terror, Griechenland und die Bundesliga: Das wird uns alles &uuml;berall auf die gleiche Weise pr&auml;sentiert. <\/p><p><strong>Wo liegt das Problem?<\/strong><\/p><p>Das kann man gar nicht in einem Satz sagen. Ich habe dazu ein ganzes Buch geschrieben, das Anfang M&auml;rz bei Westend erscheint.<\/p><p><strong>Versuchen Sie es f&uuml;r uns bitte in kurzer Form.<\/strong><\/p><p>Das erste Problem habe ich gerade beschrieben. Wenn sich der Kampf um Aufmerksamkeit versch&auml;rft, konstruieren kommerziell organisierte Medien eine Realit&auml;t, die auf Publikumsmaximierung zielt und auf sonst nichts. Das hei&szlig;t: Sie vernachl&auml;ssigen das, was man als ihre &ouml;ffentliche Aufgabe bezeichnen kann. Informieren, aufkl&auml;ren, die M&auml;chtigen kritisieren. <\/p><p><strong>Und das zweite Problem?<\/strong><\/p><p>Wir gew&ouml;hnen uns an dieses Konstruktionsprinzip. Wir fangen an, Medienrealit&auml;t f&uuml;r die normale Form der Kommunikation zu halten, weil wir permanent Angebote nutzen, die auf Aufmerksamkeit zielen. Diese Logik f&auml;ngt an zu bestimmen, wie wir uns im Alltag bewegen und wie wir unsere Organisationen und Institutionen gestalten. Man muss sich dazu nur die Firmenzentralen anschauen und die Konzerthallen, die heute gebaut werden, oder unsere Hochzeiten und Geburtstagsfeiern. Ein Superlativ nach dem anderen. Das ist kommerzielle Medienlogik in Reinkultur. Wirtschaft und Politik kennen diese Logik ganz genau und liefern den Journalisten das, wonach sie ohnehin suchen.<\/p><p><strong>Aber das bedeutet doch auch, dass ein so funktionierendes Mediensystem sehr anf&auml;llig f&uuml;r Manipulationen ist.<\/strong><\/p><p>Klar. PR ist ja l&auml;ngst nicht mehr nur Pressemitteilung oder Pressekonferenz. PR beginnt heute damit, Spitzenpersonal einzustellen, das in den Medien sympathisch wirkt, und dieses Personal dann auch entsprechend zu trainieren. Selbst Lehrer werden dazu angehalten, nicht zu streng zu sein. Blo&szlig; keine schlechte Presse. Das macht es Journalisten schwer, hinter die Fassaden zu schauen und Dinge ans Licht zu bringen, &uuml;ber die die Gesellschaft eigentlich sprechen m&uuml;sste.<\/p><p><strong>Was m&uuml;sste sich denn aus Ihrer Sicht in den Medien und im Journalismus &auml;ndern?<\/strong><\/p><p>Zuerst brauchen wir diese Debatte, glaube ich. Das hat ja l&auml;ngst angefangen mit der ganzen Kritik an der Russland-Berichterstattung, mit der Ukraine, mit Syrien, mit den Fl&uuml;chtlingen. Wir m&uuml;ssen dar&uuml;ber diskutieren, was wir vom Journalismus erwarten und was wir uns das am Ende kosten lassen wollen. Qualit&auml;t f&auml;llt ja nicht vom Himmel. Qualit&auml;t kostet Geld. Medienunternehmen, die Gewinn erzielen m&uuml;ssen, entlassen Korrespondenten und Redakteure, wenn die Werbeerl&ouml;se sinken oder das Gesch&auml;ft aus anderen Gr&uuml;nden schwierig wird.<\/p><p><strong>Sie sind ein Vertreter aus dem wissenschaftlichen Feld. Es gibt eine ganze Reihe an kritischen Wissenschaftlern, die die Schwachstellen in den Medien genau erkennen und benennen k&ouml;nnen. Warum h&ouml;rt man von Ihnen so wenig in den Medien? Wo ist Ihre Einmischung?<\/strong><\/p><p>Auch die Wissenschaft steht da vor einer Selektionsh&uuml;rde. Das ist ja &uuml;berhaupt eine schizophrene Situation: Um als Medienkritiker geh&ouml;rt zu werden, braucht man genau die Plattformen, die man kritisieren will. <\/p><p><strong>Anfang Dezember waren Sie Gastgeber f&uuml;r die Gr&uuml;ndungstagung des <a href=\"http:\/\/medienblog.hypotheses.org\/886\">Netzwerks Kritische Kommunikationswissenschaft<\/a>. Warum braucht es dieses Netzwerk?<\/strong><\/p><p>Das ist eine Initiative aus dem Nachwuchs, von Leuten, die sich nicht wiederfinden in dem, was ihre akademische Disziplin im Moment so macht. Sie vermissen Gesellschaftskritik, sie vermissen Utopien, sie vermissen ein Nachdenken &uuml;ber Medien, das &uuml;ber das Hier und Jetzt hinausgeht. Sie fragen nach Ideologie und Herrschaft, sie wollen sich einmischen und nicht nur zeigen, dass sie das methodische Handwerkszeug kennen. Sozialwissenschaftler neigen dazu, alles auszublenden, was sie nicht messen k&ouml;nnen. Das neue Netzwerk will diese Tendenz aufbrechen.<\/p><p><strong>Haben Sie noch einen Ratschlag f&uuml;r die NachDenkSeiten-Leser? Worauf sollten Mediennutzer achten, wenn sie sich kritisch mit der Berichterstattung auseinandersetzen m&ouml;chten?<\/strong><\/p><p>Auf Transparenz. Das ist f&uuml;r mich das wichtigste Kriterium f&uuml;r guten Journalismus. Medien k&ouml;nnen kein Spiegel der Wirklichkeit sein. Sie m&uuml;ssen ausw&auml;hlen, gewichten, einordnen. Deshalb sollten die Journalisten sagen, wer sie sind, wo sie politisch stehen, woher sie ihre Informationen haben und wem diese Informationen wahrscheinlich nutzen, wenn sie das denn absch&auml;tzen k&ouml;nnen. Wenn der Berufsstand sich auf dieses Kriterium verst&auml;ndigen k&ouml;nnte, w&uuml;rden viele der Zweifel sofort zerstreut werden, die an der Berufsideologie h&auml;ngen. Wir Nutzer wissen heute, dass man die Welt nicht objektiv abbilden kann. Wir haben nicht mehr nur das &bdquo;heute journal&ldquo;, sondern k&ouml;nnen leicht auf alternative Realit&auml;tskonstruktionen zugreifen. Gerade deshalb tut Transparenz not.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180103_meyen.jpg\" alt=\"Michael Meyen\" title=\"Michael Meyen\"\/><\/div>\n<p>Claus Kleber &bdquo;fragt nicht, woher die Nachrichtenagenturen und die Korrespondenten ihr Material haben. Er fragt nicht, wer die Begriffe f&uuml;r das pr&auml;gt, was das &bdquo;heute journal&ldquo; am Abend bringt. Noch schlimmer: Er sieht gar nicht, dass da ein Problem liegen k&ouml;nnte&ldquo;. Das<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41755\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,209,41,183],"tags":[313,1255,1109,1466,1163,408,451,897,244],"class_list":["post-41755","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-interviews","category-medienanalyse","category-medienkritik","tag-oerr","tag-einschaltquote","tag-heute","tag-kleber-claus","tag-meinungspluralismus","tag-soziale-herkunft","tag-tagesschau","tag-transparenz","tag-vierte-gewalt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41755","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41755"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41755\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":87954,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41755\/revisions\/87954"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41755"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41755"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41755"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}