{"id":4182,"date":"2009-09-09T17:17:44","date_gmt":"2009-09-09T15:17:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4182"},"modified":"2018-11-13T13:05:17","modified_gmt":"2018-11-13T12:05:17","slug":"wer-die-methoden-der-manipulation-kennt-kann-sich-besser-vor-fremdbestimmung-schuetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4182","title":{"rendered":"Wer die Methoden der Manipulation kennt, kann sich besser vor Fremdbestimmung sch\u00fctzen"},"content":{"rendered":"<p>Wir sind t&auml;glich neuen Versuchen der Manipulation ausgesetzt &ndash; sehr wirksamen, wie man am Beispiel des Afghanistan-Einsatzes und der ausbleibenden Sanktionen gegen&uuml;ber unseren F&uuml;hrungspersonen studieren kann. Zwar lesen wir immer wieder, es gebe eine Mehrheit in Deutschland gegen den milit&auml;rischen Einsatz in Afghanistan. Aber diese Mehrheit schl&auml;gt sich nicht wirklich in Ablehnung gegen&uuml;ber den Hauptverantwortlichen nieder. &ndash; Die Reaktion der Bundeskanzlerin und der anderen Verantwortlichen auf das Bombardement der Tanklastz&uuml;ge zeigt, wie die Meinung in den Medien und unter uns gemacht werden muss, um Sanktionen zu minimieren. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nDie Methoden der Manipulation sind bei uns kein &ouml;ffentliches Thema. Die Mehrheit kennt sie nicht und durchschaut sie nicht, obwohl es sich dabei um ziemlich einfach zu erkennende Tricks handelt, die wir teilweise sogar aus unserem Alltagsleben kennen. Aus diesem Grund ist in <a href=\"?page_id=4078\">&bdquo;Meinungsmache. Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgew&ouml;hnen wollen&ldquo;<\/a> diesen Methoden ein eigenes Kapitel gewidmet (Kapitel 10) und wird dann bei der Beschreibung der M&ouml;glichkeiten zum Aufbau einer Gegen&ouml;ffentlichkeit darauf Bezug genommen. Hierzu der Auszug aus &bdquo;Meinungsmache&ldquo;, Seite 426 bis 428:<\/p><blockquote><p><strong>Die Methoden der Manipulation kennen und durchschauen<\/strong><\/p>\n<p>Auch unter Gleichgesinnten ist es nicht leicht, skeptisch zu sein.<br>\nDer Kopf r&auml;t zum Misstrauen, und das Gef&uuml;hl verlangt nach Vertrauen.<br>\nZum Zweifeln muss man sich entschlie&szlig;en und es gemeinsam mit anderen systematisch betreiben. Dabei hilft die Kenntnis der Methoden der Manipulation, die oben ausf&uuml;hrlich beschrieben sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Wiederholung. Zum Beispiel: &raquo;Demographischer Wandel und Globalisierung sind die beiden gro&szlig;en Herausforderungen&laquo; oder: &raquo;Die Finanzkrise kam aus Amerika&laquo;.<\/li>\n<li>Eine Botschaft wird von verschiedenen, sich unterscheidenden Absendern ausgesendet. Dann wird sie glaubw&uuml;rdiger.<\/li>\n<li>Nutzung des guten Klangs eines Wortes f&uuml;r einen anderen Zweck. Bestes Beispiel: &raquo;Reform&laquo;.<\/li>\n<li>Gruppenspezifischer Jargon. &raquo;Freiheit&laquo;, &raquo;Leistung muss sich wieder lohnen&laquo; &ndash; solche Floskeln haben zwar kaum einen Bezug zur Realit&auml;t, aber um bei der Mehrheit der &uuml;blichen Talkshowg&auml;ste oder beim Auditorium von Guido Westerwelle zu bestehen, reichen die Signale.<\/li>\n<li>Affirmativ auftreten. Das k&ouml;nnen Angela Merkel und Peer Steinbr&uuml;ck wie auch schon Gerhard Schr&ouml;der herausragend gut. Sie k&ouml;nnen belanglose Sachen als h&ouml;chst bedeutsam verkaufen und Falsches als v&ouml;llig richtig erscheinen lassen.<\/li>\n<li>Die selbstverst&auml;ndliche G&uuml;ltigkeit in der Sprache anklingen lassen. &raquo;Wie wir alle wissen&laquo;, &raquo;wie schon bekannt ist&laquo;, &hellip;<\/li>\n<li>Auf Experten berufen. Die g&auml;ngige Methode bei B&ouml;rsensendungen, Wirtschaftsnachrichten und vielen anderen Foren.<\/li>\n<li>&raquo;Tina&laquo;: There is no alternative. &raquo;Es gibt keine Alternative.&laquo;<\/li>\n<li>Pars pro toto. Was f&uuml;r einen Teil gilt, wird auf die Gesamtheit als g&uuml;ltig &uuml;bertragen.<\/li>\n<li>&Uuml;bertreibung. &raquo;Wortbruch&laquo;, &raquo;Freiheit statt Sozialismus&laquo;, &raquo;Gnadef&uuml;r die 68er&laquo; &ndash; Motto: Irgendwas bleibt immer h&auml;ngen.<\/li>\n<li>Mit der Botschaft B wird die Botschaft A transportiert. Bewusst und unterbewusst und erst recht geplant wird diese Methode h&auml;ufig eingesetzt.<\/li>\n<li>Der (strategisch geplante) Konflikt zwischen zwei Personen als Transportband f&uuml;r eine zu vermittelnde Meinung.<\/li>\n<li>Verschweigen, weglassen, ausblenden. Das gilt unter anderemf&uuml;r die gesamten Fehler der Regierung Kohl und ihrer Berater bei der Gestaltung der deutschen Vereinigung, insbesondere der wirtschaftspolitischen Entscheidungen.<\/li>\n<li>Umfragen nutzen, um Meinung zu machen. Dieses Instrument wird st&auml;ndig gebraucht. Achten Sie einmal darauf, was &raquo;Stern&laquo; und &raquo;Spiegel Online&laquo; mit Hilfe von Forsa-Umfragen anstellen. Geradezu &raquo;musterg&uuml;ltig&laquo;.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer diese Tipps kennt und beachtet, wird Meinungsbildungsvorg&auml;nge leichter durchschauen. Das ist eine wichtige Basis f&uuml;r den Aufbau einer Gegen&ouml;ffentlichkeit.<\/p><\/blockquote><p><strong>In der j&uuml;ngsten Debatte um den Afghanistan Einsatz und speziell um das Bombardement k&ouml;nnen Sie gleich eine Reihe der skizzierten Methoden wieder entdecken:<\/strong><\/p><ol>\n<li>Die Bundeskanzlerin tritt affirmativ und aggressiv auf. Sie verbittet sich eine Vorverurteilung. Mit scharfen Worten an die Kritiker &uuml;bert&uuml;ncht sie die Erfolglosigkeit des Einsatzes und die Ratlosigkeit auf Seiten des Westens und der NATO.<\/li>\n<li>Sie greift andere NATO-L&auml;nder an. Steinmeier greift zus&auml;tzlich die Linksfraktion an. &ndash; Konflikt als Transportmittel der Botschaft, recht zu haben. <\/li>\n<li>Alle etablierten Bundestagsparteien behaupten weiter, was sie bisher immer behauptet haben: der Afghanistan-Einsatz sei notwendig gewesen. Westerwelle lobt Angela Merkel mit der zur Manipulation notwendigen &Uuml;bertreibung: &bdquo;Sie habe f&uuml;r Deutschland gesprochen.&ldquo; Und Westerwelle weiter: &bdquo;Das ist kein Wahlkampfman&ouml;ver. Hier geht es um unser Land.&ldquo; &ndash; Wenn die Behauptung von der Richtigkeit des Afghanistan-Einsatzes aus verschiedenen Ecken, von FDP und SPD, von CDU und Gr&uuml;nen in gleicher Weise vorgetragen wird, dann f&auml;llt es der Mehrheit der Menschen schwer, daran zu zweifeln, und noch schwerer, die politischen Konsequenzen zu ziehen, also diesen Parteien die Gefolgschaft aufzuk&uuml;ndigen.<\/li>\n<li>Es gibt keine Alternative &ndash; so wird einvernehmlich behauptet.<\/li>\n<li>Mit Botschaft B. die Botschaft A. best&auml;tigen &ndash; das gelingt meisterhaft z.B. mit einem Satz, dessen Wahrheitsgehalt man nicht hinterfragen darf, der aber als Kombination aus zwei Satzteilen jenseits der Logik schon sitzt: &bdquo;Wir sind in unser Engagement nicht kopflos hineingestolpert, k&ouml;nnen deshalb auch nicht einfach kopflos heraus.&ldquo; Das ist eine meisterhafte Manipulation. Mit dem zweiten Teilsatz wird der erste Teilsatz als richtig unterstellt, und mit dem ersten Teilsatz der Sinn des zweiten belegt.<br>\nEs ist ja alles andere als richtig, dass die Bundesregierung nicht kopflos hineingestolpert sei. Sie hat kopflos die These &uuml;bernommen, dass der Terror des 11. September vor allem von Afghhanistan ausgegangen sei und dass es deshalb einen Sinn mache, sich dort milit&auml;risch zu engagieren. Sie hat kopflos die These vertreten, unsere Sicherheit werde am Hindukusch verteidigt.<\/li>\n<li>Zentrale Fragen und Antworten werden verschwiegen: Ist unser Land und unser Leben durch das milit&auml;rische Engagement am Hindukusch sicherer geworden? Haben wir eine politische Formation in Afghanistan und mit Karzai eine Person unterst&uuml;tzt, die unseren Werten entsprechen? Drogendealer, Wahlf&auml;lscher, finanziell interessierte Oberschichten und Warlords? Ist der Einsatz ein Erfolg, wenn die NATO-Milit&auml;rs jetzt immer mehr erkennbar im wesentlichen nur noch sich selbst sch&uuml;tzen? Welche Auswirkungen hatte das milit&auml;rische Engagement auf die M&ouml;glichkeiten ziviler Hilfe?<\/li>\n<\/ol><p>Wenn Sie die auch bei diesem Thema angewandten Methoden der Meinungsmache durchschauen, dann gelingt ihnen auch die Befreiung von der betriebenen Manipulation. Unsere Anregung: mit anderen &uuml;ber die angewandten Methoden sprechen, die Debatte mithilfe dieses Suchrasters weiterverfolgen.<\/p><p>Das ist gerade bei diesem Thema wichtig, weil wir genauso kopflos wie bei der Entscheidung f&uuml;r den Afghanistan-Einsatz in noch viel gef&auml;hrlichere Eins&auml;tze getrieben werden k&ouml;nnten, so z.B. im Fall Iran oder Pakistan.<\/p><p>&Uuml;brigens: Der R&uuml;ckzug ist nicht einfach. Aber wenn man wie die etablierten Parteien das konstruktive Nachdenken dar&uuml;ber &auml;chtet, wird man auch keine konstruktiven L&ouml;sungen finden. Und diese vielleicht auch gar nicht finden wollen. Von Steinmeier gab es in der Debatte einen Schl&uuml;sselsatz: Dass viele nun raus wollten aus Afghanistan k&ouml;nne er nachvollziehen. Aber dies sei unpolitisch und unhistorisch und deshalb nicht zu verantworten. Man d&uuml;rfe nicht vergessen, berichtet die TAZ &uuml;ber Steinmeiers Rede am 9. September, dass &bdquo;das Nein zu Irak und das Ja zu Afghanistan zusammengeh&ouml;ren.&ldquo; Wir sind also nicht um unserer Sicherheit und der Menschen in Afghanistan willen dort milit&auml;risch engagiert, sondern den USA, Gro&szlig;britannien und vermutlich der gesamten NATO zuliebe &ndash; und als Wiedergutmachung, weil wir Nein zum Irakkrieg gesagt hatten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind t&auml;glich neuen Versuchen der Manipulation ausgesetzt &ndash; sehr wirksamen, wie man am Beispiel des Afghanistan-Einsatzes und der ausbleibenden Sanktionen gegen&uuml;ber unseren F&uuml;hrungspersonen studieren kann. Zwar lesen wir immer wieder, es gebe eine Mehrheit in Deutschland gegen den milit&auml;rischen Einsatz in Afghanistan. Aber diese Mehrheit schl&auml;gt sich nicht wirklich in Ablehnung gegen&uuml;ber den Hauptverantwortlichen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4182\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[171,11],"tags":[351,2510],"class_list":["post-4182","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-afghanistan","tag-methoden-der-manipulation"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4182","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4182"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4182\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20199,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4182\/revisions\/20199"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4182"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4182"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4182"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}