{"id":41876,"date":"2018-01-11T17:10:58","date_gmt":"2018-01-11T16:10:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41876"},"modified":"2018-01-15T07:37:05","modified_gmt":"2018-01-15T06:37:05","slug":"ueber-was-verhandeln-union-und-spd-ueber-was-sollten-sie-verhandeln-was-waeren-sinnvolle-und-notwendige-programmatische-entscheidungen-das-soll-das-thema-dieses-beitrags-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41876","title":{"rendered":"\u00dcber was verhandeln Union und SPD? \u00dcber was sollten sie verhandeln? Was w\u00e4ren sinnvolle und notwendige programmatische Entscheidungen? Das soll das Thema dieses Beitrags sein."},"content":{"rendered":"<div style=\"margin: 0 0 15px 15px; float: right;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/autor_mueller-1.jpg\" alt=\"Albrecht M&uuml;ller\" title=\"Albrecht M&uuml;ller\" scale=\"0\"><\/div><p>Am 4. Oktober 2017 hatte ich zu Beginn der Jamaika-Verhandlungen gefragt: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40418\">Besinnung auf Wurzeln und Grundwerte wie in Gro&szlig;britannien und Portugal. Oder: Alles ist neu und die Therapie ziemlich beliebig?<\/a>. Jetzt sitzen die Berliner Politiker in einer anderen Konstellation zusammen und lassen in einer gemeinsamen Erkl&auml;rung den SPD-Generalsekret&auml;r zu Beginn der Sondierungen am 7. Januar verk&uuml;nden: &bdquo;Wir befinden uns in einer neuen Zeit. Und diese neue Zeit braucht eine neue Politik.&ldquo; Wenn man das nicht nur als Spr&uuml;cheklopfen verstehen will, dann klingt es ziemlich erschreckend. Denn erstens befinden wir uns nicht in einer g&auml;nzlich neuen Zeit und zweitens w&uuml;rde m&ouml;glicherweise eine wirklich neue Zeit (was immer das auch sein soll) wahrscheinlich die Besinnung auf neue <strong>und<\/strong> auf alte politische Regeln und Konzepte erfordern. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5785\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-41876-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180112_Ueber_was_sollten_Union_und_SPD_verhandeln_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180112_Ueber_was_sollten_Union_und_SPD_verhandeln_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180112_Ueber_was_sollten_Union_und_SPD_verhandeln_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180112_Ueber_was_sollten_Union_und_SPD_verhandeln_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=41876-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180112_Ueber_was_sollten_Union_und_SPD_verhandeln_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180112_Ueber_was_sollten_Union_und_SPD_verhandeln_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Im folgenden Text pr&uuml;fe ich f&uuml;r einzelne Felder der Politik durch, wo eine neue Politik und wo die Besinnung auf gute Erfahrungen mit bew&auml;hrten Regeln sinnvoll w&auml;re. Der Text beginnt mit einem Themenkomplex, wo die Besinnung auf bew&auml;hrte Instrumente der Politik, man k&ouml;nnte auch sagen: auf eine bew&auml;hrte Social Technique, also &bdquo;Sozialtechnik&ldquo;, sinnvoll w&auml;re und weiterf&uuml;hren w&uuml;rde: die Altersvorsorge. Als zweites folgt ein Komplex, wo wirklich eine neue Politik gebraucht wird: beim Thema Unternehmensverfassung &ndash; Wer hat das Sagen in den deutschen Unternehmen.<\/p><p>Nacheinander nenne ich dann weiter und ohne verkrampften Ordnungsversuch ein T&auml;tigkeitsfeld nach dem anderen, d. h. Probleme und L&ouml;sungsvorschl&auml;ge. Sie werden, wenn Sie die Sondierungsgespr&auml;che wie auch die vorigen Gespr&auml;che um Jamaika verfolgt haben, feststellen, dass es eigentlich sehr viel mehr Felder aktiver Politik geben m&uuml;sste, als man heute als auf dem Berliner Tisch der Sondierungen befindlich vermuten k&ouml;nnte. <\/p><p>Als Jamaika gescheitert war und man sich in der neuen Konstellation zusammensetzte, haben wir auf den NachDenkSeiten &bdquo;9 Punkte&ldquo; genannt, die f&uuml;r die Verhandlungen aus SPD-Sicht in jedem Fall relevant w&auml;ren. Siehe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41163\">hier<\/a>. Die dort genannten 9 Punkte integriere ich in den folgenden Text.<\/p><p>Noch eine Vorbemerkung: Dieser Text ist auch eine Fortsetzung der Debatte um das &bdquo;System&ldquo; und seine Ver&auml;nderung, die wir unter Beteiligung von Heiner Flassbeck im Oktober und November vergangenen Jahres gef&uuml;hrt haben. Damals sprach ich von &bdquo;Stellschrauben&ldquo; zur Ver&auml;nderung des Systems. Im Folgenden sind solche beschrieben. <\/p><ol>\n<li><strong>Altersvorsorge und Bek&auml;mpfung der Altersarmut<\/strong>\n<p>Die Erfahrungen mit der Reduzierung der Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente einerseits und der staatlichen F&ouml;rderung von Privatvorsorge &uuml;ber Riester-Rente, R&uuml;rup-Rente und Entgeltumwandlung und damit staatliche F&ouml;rderung der privaten betrieblichen Altersvorsorge andererseits haben deutlich bewiesen, dass das alte System &ndash; die gesetzliche Rente und das Umlageverfahren &ndash; viel besser ist: gerechter, effizienter &ndash; weil kosteng&uuml;nstiger und durchschaubarer.<\/p>\n<p>Die Konsequenz muss sein: Konzentration aller politischen Kraft und finanziellen Mittel auf die Stabilisierung und St&auml;rkung und den Wiederaufbau der Leistungsf&auml;higkeit der Gesetzlichen Rente. Das ist nicht getan mit der Forderung und Umsetzung einer Durchschnittsrente von 48 %. Die fr&uuml;her geltenden 53 % und dar&uuml;ber hinaus in Richtung der Altersversorgung wie in &Ouml;sterreich m&uuml;ssen das Ziel einer neuen Koalition sein.<\/p>\n<p>Dazu kann dann auch eine Erh&ouml;hung der Beitr&auml;ge kommen. Heute schon muss jemand, die oder der &bdquo;riestert&ldquo;, 4 % zus&auml;tzlich in seine Altersvorsorge investieren. Das k&ouml;nnte beim Wiederaufbau des Systems der gesetzlichen Rente weniger sein, weil dann auch wieder parit&auml;tisch der Beitrag von Seiten des Unternehmens hinzukommt.<\/p>\n<p>In der &ouml;ffentlichen Debatte des Themas Altersvorsorge wird eine gro&szlig;e Hoffnung auf den Ausbau der gesetzlichen Rente zur B&uuml;rgerversicherung gesetzt. Dabei wird der Eindruck erweckt, mit der Hereinnahme von Beamten, Politikern und Selbstst&auml;ndigen k&ouml;nne man das System auch finanziell sanieren. Das halte ich f&uuml;r eine Illusion. Mit Recht wird angenommen, dass in der Anfangsphase mehr Beitr&auml;ge und h&ouml;here Beitr&auml;ge eingenommen werden, als zus&auml;tzlich Zahlungen f&uuml;r Renten aus dem System f&auml;llig werden. Aber das ist im Kern ein Liquidit&auml;tsvorteil und keine nachhaltige Finanzierungsverbesserung.<\/p>\n<p>Dabei, wie bei den generellen &Uuml;berlegungen zur Gestaltung der gesetzlichen Rente, spielt die Frage eine Rolle, ob man im Kern beim Prinzip der &Auml;quivalenz bleiben will, &uuml;bersetzt: soll die Rente, die jemand erh&auml;lt, grob gerechnet dem entsprechen, was sie oder er an Beitr&auml;gen gezahlt hat. Man kann dieses Prinzip aufl&ouml;sen und auch das System der gesetzlichen Altersvorsorge zur Umverteilung nutzen. Dar&uuml;ber kann man diskutieren. Ich halte davon nicht viel. Das &Auml;quivalenzprinzip hat in der Vergangenheit viel dazu beigetragen, die Sympathie f&uuml;r die Gesetzliche Rente aufzubauen. Die sehr berechtigten Ziele zur besseren Verteilung der Ressourcen, der Einkommen und auch der Verm&ouml;gen in unserem Land sollte man auf anderem Weg zu erreichen versuchen. Man sollte damit nicht jedes System der sozialen Sicherung, im konkreten Fall zur Versorgung im Alter, paaren und belasten.<\/p>\n<p>In jedem Fall sollte die St&auml;rkung der gesetzlichen Rente mit Hilfe einer Ver&auml;nderung der Beitr&auml;ge, mithilfe der Konzentration der finanziellen Mittel auf die Gesetzliche Rente und mit dem Ende der Subvention privater Altersvorsorge vom m&ouml;glichen Ausbau zur B&uuml;rgerversicherung getrennt werden. Letzteres wird n&auml;mlich auf so gro&szlig;e politische und verfassungsrechtliche Schwierigkeiten treffen, dass seine Durchsetzung lange dauert. Solange sollte man aber mit der St&auml;rkung der gesetzlichen Rente nicht warten.<\/p>\n<p><strong>Kampf gegen Altersarmut:<\/strong> Die Politik des Ausbaus des Niedriglohnsektors mit Leiharbeit und prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen anderer Art hat dazu gef&uuml;hrt, dass auch in diesem System ohne zus&auml;tzliche politische Entscheidungen keine existenzsichernden Renten zustande kommen. Das gilt vor allem f&uuml;r viele Frauen, aber nicht nur. Deshalb wird es eine staatlich finanzierte Verbesserung der Altersvorsorge dieser Gruppen geben m&uuml;ssen. Daran kommt man so oder so nicht vorbei. <\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/rente-muss-reichen.de\/was-wir-gegen-altersarmut-tun-muessen\/\">hier<\/a> vorgestellten Vorstellungen &bdquo;Was wir gegen Altersarmut tun m&uuml;ssen&ldquo; aus dem Haus des DGB wie auch die &Uuml;berlegungen der SPD zu einer sogenannten Solidarrente sollten in die &Uuml;berlegungen einbezogen werden.<\/p>\n<p>Die hier insgesamt anvisierten Entscheidungen zur Altersvorsorge mit dem Schwerpunkt der Konzentration auf die Wiederherstellung der Leistungsf&auml;higkeit der Gesetzlichen Rente und wichtigen Entscheidungen zur Bek&auml;mpfung der Altersarmut w&auml;ren Ausdruck der notwendigen und sinnvollen <strong>R&uuml;ckbesinnung auf die Sozialstaatlichkeit<\/strong> der Bundesrepublik Deutschland. <\/p>\n<p><strong>Die politische Konstellation in den Sondierungsgespr&auml;chen beim Thema Altersvorsorge:<\/strong><\/p>\n<p>Gegen den Weg der Vernunft wird es Widerstand bei allen drei Parteien geben. Die Union, also CDU und CSU, ist mit der Versicherungswirtschaft eng verbandelt. Das gilt ganz besonders f&uuml;r die CSU, die die Interessen der in M&uuml;nchen ans&auml;ssigen Allianz AG hochhalten wird. Die nordrhein-westf&auml;lische CDU wird die dort beheimateten Versicherungskonzerne bedienen wollen. Und auch bei der SPD hat die Versicherungswirtschaft die Finger im politischen Entscheidungsprozess. So war das jedenfalls in der Vergangenheit zu beobachten.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass die fr&uuml;here Sozialministerin und heutige Fraktionsvorsitzende der SPD, Nahles, h&ouml;chstwahrscheinlich mit Zustimmung des gesamten Vorstands den Spitzen einschl&auml;giger Gewerkschaften den Ausbau der staatlich gef&ouml;rderten betrieblichen Altersvorsorge versprochen haben d&uuml;rfte. Das ist ein gro&szlig;es Handikap. Aber da wir ja angeblich in neuen Zeiten leben und neu &uuml;berlegt wird, k&ouml;nnte man diese Versprechen ja wohl beiseite schieben.<\/p>\n<p>Wie bei allen hier notierten Vorschl&auml;gen unterstelle ich zun&auml;chst einmal, dass es auch den Willen zur Vernunft und zur Suche nach optimalen Regeln zur Organisation des gesellschaftlichen Zusammenlebens gibt.<\/p><\/li>\n<li><strong>Unternehmensverfassung &ndash; Wer hat das Sagen in der deutschen Wirtschaft, in den Unternehmen und gro&szlig;en Kapitalgesellschaften. Wer sollte es haben.<\/strong>\n<p>Der allseits im Munde gef&uuml;hrte Begriff &bdquo;Shareholder Value&ldquo; vermittelt den Eindruck, dass die Wertpapierbesitzer bestimmen, wo es in den Unternehmen langgeht. Das stimmt so nicht mehr. Hier gilt wirklich, dass wir uns in einer neuen Zeit befinden und deshalb auch eine neue Politik zur Gestaltung des Problems und L&ouml;sung des Problems brauchen:<\/p>\n<p>Gro&szlig;e, weltweit t&auml;tige Fonds und Private Equity Gruppen bestimmen mit geringen Aktien-Anteilen von 3, 4 oder 5 % wichtige Entscheidungen der Unternehmensf&uuml;hrungen.<\/p>\n<p>Auf den NachDenkSeiten konnten Sie dazu schon seit Jahren Informationen abrufen. Zum Beispiel am 5. August 2016 von Albrecht M&uuml;ller <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34515\">Und hier frei Haus die Verschw&ouml;rungstheorie f&uuml;rs Wochenende: US-Fondsgesellschaften im Dienste des Imperiums?<\/a> Oder erst neulich am 20. November 2017 von Jens Berger Vortragsfolien: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41159\">BlackRock und Co. &ndash; Wie sich das Finanzkapital die Welt zu eigen macht<\/a>.<\/p>\n<p>Vor Jahren schon haben wir dar&uuml;ber berichtet, dass bei einer Konferenz mit Anlegern der Vorstandssprecher eines der gr&ouml;&szlig;ten deutschen Unternehmen im kleinen Kreis davon berichtet hat, dass gro&szlig;e angels&auml;chsische Fonds mit Anteilen zwischen 3 und 5 % von der Unternehmensf&uuml;hrung verlangen, die Vertreter dieser Fonds auch unabh&auml;ngig von Aufsichtsratssitzungen in Sitzungen der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung schicken zu k&ouml;nnen. Und dass sie dann, wenn die Unternehmensf&uuml;hrung dem nicht folgen will, mit Rufsch&auml;digung und kriminellen Mitteln drohen.<\/p>\n<p>Das ist ein skandal&ouml;ser Zustand, der auf den Tisch der Sondierungsgespr&auml;che geh&ouml;rt. Dorthin geh&ouml;ren auch politische Kampagnen und sogar Steuererleichterungen, die die &Uuml;bernahme deutscher Unternehmen durch die gro&szlig;en weltweit t&auml;tigen &bdquo;Investoren&ldquo; f&ouml;rdern.<\/p>\n<p>Im Kapitel 18 des 2009 erschienenen Buches &bdquo;Meinungsmache&ldquo; habe ich unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Kapitalmarkt als Casinobetrieb und die Pl&uuml;nderung deutscher Unternehmen&ldquo; davon unterrichtet, dass der fr&uuml;here Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der diese Pl&uuml;nderung propagandistisch mit seiner Werbung f&uuml;r die &bdquo;Aufl&ouml;sung der Deutschland AG&ldquo; und steuerlich mit der am 1.1.2002 eingef&uuml;hrten Steuerbefreiung der Gewinne beim Verkauf von Unternehmen und Unternehmensteilen gef&ouml;rdert hat. Damals, bei Ver&ouml;ffentlichung des Buches,  waren schon einige tausend Unternehmen, vom Steuerzahler gef&ouml;rdert, in die H&auml;nde von gro&szlig;en und meist angels&auml;chsischen Kapitalbeteiligungsgesellschaften geraten. <\/p>\n<p>Was die potentiellen Koalition&auml;re beraten und entscheiden m&uuml;ssten, ist offensichtlich: Das Recht der Unternehmen, das Aktienrecht und anderes muss neu gestaltet werden. Die M&ouml;glichkeit zur Mitbestimmung der in den Unternehmen T&auml;tigen und ihrer gewerkschaftlichen Vertretungen ist dabei mindestens so wichtig wie die der Kapitaleigner. <\/p>\n<p>Selbstverst&auml;ndlich muss die erw&auml;hnte Steuerbefreiung weg. Es geht nicht an, dass jeder Lohnempf&auml;nger und jeder Selbstst&auml;ndige f&uuml;r seinen Gewinn besteuert wird, realisierte Gewinne beim Verkauf von Unternehmen und Unternehmensteilen aber steuerfrei bleiben. Der von Schr&ouml;der und seiner Regierung gesetzte Anreiz zum Verkauf von Unternehmen und Unternehmensteilen an internationale sogenannte Investoren war 2002 von der Lobby bestimmt und falsch und ist heute immer noch falsch. Deshalb ist die Korrektur &uuml;berf&auml;llig, obwohl schon eine gro&szlig;e Zahl von Unternehmen unter den Hammer gekommen sind.<\/p>\n<p>Seltsam ist, dass dieses Thema seit Jahren &bdquo;geschlabbert&ldquo; wird und auch jetzt nicht auf der Tagesordnung steht. Offensichtlich ist der Einfluss des gro&szlig;en Kapitals extrem gro&szlig;. Bei der CDU hat dieser Einfluss einen Namen und der Einfluss dieses Menschen wurde in den letzten Wochen schamlos festgezurrt: Friedrich Merz, fr&uuml;her einmal, im Anschluss an die Jahrtausendwende Vorsitzender der CDU\/CSU-Fraktion wurde vom Nordrhein-westf&auml;lischen Ministerpr&auml;sidenten Laschet (CDU) im November 2017 zum &bdquo;Brexit- und USA-Beauftragten&ldquo; der NRW-Regierung gemacht. Amtsantritt: 1.1.2018. <\/p>\n<p>NTV berichtete dazu ein interessantes Detail: &bdquo;Die Opposition im nordrhein-westf&auml;lischen Landtag kritisierte die Personalentscheidung der Landesregierung. SPD-Vizefraktionschef Thomas Kutschaty und Gr&uuml;nen-Fraktionschefin Monika D&uuml;ker warnten, mit Merz erhalte ein &ldquo;Top-Lobbyist&rdquo; des privaten Finanzsektors direkten, ungehinderten Zugang zur Staatskanzlei. <strong>Merz ist Aufsichtsratschef des Verm&ouml;gensverwalters Blackrock in Deutschland.<\/strong>&ldquo;<\/p>\n<p>Laschet sitzt mit am Tisch der Sondierer. Damit ist klar, wie die Machtkonstellation in der Berliner Verhandlungsrunde aussieht. Dennoch die Hoffnung stirbt zuletzt. Wenn das nicht so w&auml;re, m&uuml;sste dieser Text mit Vorschl&auml;gen f&uuml;r die Sondierungsrunde gar nicht geschrieben werden.<\/p><\/li>\n<\/ol><p>Das waren jetzt umf&auml;ngliche Anmerkungen zu zwei Themen. Die weiteren Arbeitsfelder einer k&uuml;nftigen Regierung werden nun k&uuml;rzer und stichwortartig abgehandelt. Bitte halten Sie sich nicht mit den damit verbundenen holzschnittartigen Formulierungen auf und auch nicht mit fehlenden Gesichtspunkten. Es geht um Anregungen f&uuml;r die k&uuml;nftige politische Arbeit:<\/p><ol start=\"3\">\n<li><strong>Die Gesundheitsversorgung ist gepr&auml;gt von einer ungerechten und antidemokratischen Zweiteilung in gesetzlich Versicherte und Privatversicherte.<\/strong> Das muss auf den Tisch der Berliner Gespr&auml;che. Die B&uuml;rgerversicherung f&uuml;r alle k&ouml;nnte eine L&ouml;sung sein.<\/li>\n<li><strong>Keine Erh&ouml;hung der R&uuml;stungsausgaben, stattdessen Abr&uuml;sten und R&uuml;ckzug der Bundeswehr aus Auslandseins&auml;tzen.<\/strong><\/li>\n<li><strong>Verst&auml;ndigung mit Russland unter Einbeziehung der osteurop&auml;ischen und s&uuml;dosteurop&auml;ischen Partner.<\/strong>\n<p>Die strategische &Uuml;berlegung vor Beginn der Entspannungspolitik Anfang der Sechzigerjahre ist heute genauso aktuell wie damals. Damals hat ein kleiner Kreis um den Regierenden B&uuml;rgermeister Willy Brandt &uuml;berlegt, dass man Liberalit&auml;t und Demokratie und freundschaftliche Gef&uuml;hle beim au&szlig;enpolitischen Gegner dann am besten erreicht, wenn man das Verh&auml;ltnis entspannt, wenn man Konfrontation abbaut. Die Formel hie&szlig; dann: Wandel durch Ann&auml;herung. &ndash; Diese Formel ist heute, wenn auch unter ein bisschen anderen Verh&auml;ltnissen, genauso aktuell. <\/p>\n<p>Das gilt auch umgekehrt &ndash; negativer Wandel durch Konfrontation &ndash; und wird dann bedrohlich: Wenn wir weitermachen mit der Konfrontation und mit den Nadelstichen gegen&uuml;ber Russland (und sp&auml;ter vielleicht auch mal gegen&uuml;ber China), dann werden sich dort im Land nicht die weltoffenen und demokratischen Kr&auml;fte durchsetzen, sondern eher die nationalistischen und auf milit&auml;rische Aufr&uuml;stung setzenden Politiker und Milit&auml;rs. Pr&auml;sident Putin hatte in den vergangenen zwei Jahrzehnten zun&auml;chst trotz milit&auml;rischer Intervention des Westens in Jugoslawien und im Irak immer wieder Partnerschaft angeboten. Am deutlichsten erkennbar in einer auf Deutsch gehaltenen Rede im Deutschen Bundestag im Jahr 2001. Diese Freundschaftsangebote fielen nicht auf fruchtbaren Boden. Die Konsequenz: der russische Pr&auml;sident ging auf Distanz, am besten sichtbar an einer Rede auf der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz im Jahre 2007. <\/p>\n<p>Wir sollten unsere Verantwortung f&uuml;r diese Entwicklung erkennen und uns der guten Erfahrungen der Vergangenheit entsinnen und auf die Politik der Verst&auml;ndigung, der Partnerschaft und des wirtschaftlichen Austauschs  zur&uuml;ckkommen, die bei der Wende von 1990 verabredet war.<\/p><\/li>\n<li><strong>Schluss mit den Sanktionen gegen Russland und andere L&auml;nder, die Deutschland und andere L&auml;nder Europas vor allem auf Initiative und Befehl der USA verh&auml;ngt haben.<\/strong>\n<p>V&ouml;llig gegen die Verabredungen sind die Sanktionen gegen&uuml;ber Russland. Sachlich und menschlich katastrophal sind die Sanktionen gegen&uuml;ber Syrien. Sie haben einen messbaren Anteil am menschlichen Leid und an der Tendenz, sich durch Flucht aus dem Elend zu befreien. Die Fl&uuml;chtlinge aus Syrien sind so zum Teil das Ergebnis politischer Differenzen und entsprechender G&auml;ngelung in Syrien, aber um vieles mehr die Folge des vom Westen und von den Golfstaaten angezettelten B&uuml;rgerkriegs und der auf Aushungern zielenden Sanktionen des Westens.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Kriege der USA und des Westens sind einer der Hauptgr&uuml;nde daf&uuml;r, dass Millionen Menschen ihre Heimat verlassen und fliehen m&uuml;ssen.<\/strong>\n<p>In  Afghanistan, im Irak, in Syrien, in Libyen und im Jemen &ndash; &uuml;berall wurde und wird von Seiten des Westens und seiner Verb&uuml;ndeten einschlie&szlig;lich der reaktion&auml;ren Golfstaaten wie Saudi-Arabien milit&auml;risch interveniert. Libyen und der Irak sind traurige Beispiele daf&uuml;r, zu welchen schlimmen Ergebnissen und Folgen f&uuml;r Millionen Menschen die westlichen Versuche zum sogenannten Regime Change gef&uuml;hrt haben. <strong>Auch deshalb darf unser Land an solchen Kriegen nicht mehr mitwirken, auch nicht indirekt.<\/strong><\/p><\/li>\n<li><strong>Wir werden fliehenden Menschen weiterhin helfen, im Rahmen dessen, was wir leisten k&ouml;nnen, und im Rahmen unserer Rechtsordnung.<\/strong><\/li>\n<li><strong>Die neue Bundesregierung muss die Losl&ouml;sung aus der engen Bindung und den damit verbundenen Verpflichtungen gegen&uuml;ber den USA betreiben.<\/strong>\n<p>Bei aller Freundschaft mit den USA: wir k&ouml;nnen nicht weiter bereit sein, die Milit&auml;rbasis f&uuml;r die US-Milit&auml;rpolitik und ihre Politik der Regime Changes zu sein. Deshalb m&uuml;ssen wir in Verhandlungen dar&uuml;ber eintreten, die vertraglichen Bindungen f&uuml;r diese Politik zu l&ouml;sen. Dabei k&ouml;nnte sich herausstellen, dass wir diese Freiheit gar nicht haben. Dann w&auml;re die mangelnde Souver&auml;nit&auml;t allerdings ein wichtiges Thema f&uuml;r die innenpolitische Debatte in der Bundesrepublik Deutschland. <\/p>\n<p>Man kann als Verlierer des Zweiten Weltkriegs und als Erbe des Naziregimes durchaus und f&uuml;r l&auml;ngere Zeit mit besonderen Lasten belegt werden. Das ist jedenfalls nicht ungew&ouml;hnlich. Aber wir sollten eine ernsthafte politische Debatte dar&uuml;ber f&uuml;hren, wie lange diese besonderen Verpflichtungen noch gelten sollen. Dieses brisante Thema sollten die in Berlin sondierenden Parteien nicht der AfD &uuml;berlassen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Einigung Europas ist wichtig, Europa ist aber auch in einer bedrohlichen Krise. Die bisherige Politik Deutschlands, vor allem Merkels und Sch&auml;ubles haben v&ouml;llig kontr&auml;r zu ihrem Image wesentlich zum Auseinanderfallen Europas beigetragen. Der Kern des Fehlers ist die Wirtschafts- und W&auml;hrungspolitik. Wenn man Europas Einigung will, wenn man will, dass die V&ouml;lker Europas gut voneinander denken und gut &uuml;bereinander reden, dann kann man eine Politik der Exportweltmeisterei weder sachlich noch atmosph&auml;risch betreiben. Offensichtlich haben weder Sch&auml;uble noch Merkel dies kapiert.<\/strong>\n<p>Hier wird nicht f&uuml;r mehr Geld zu Gunsten anderer Staaten Europas pl&auml;diert, obwohl das als Folge der falschen Politik oft f&auml;llig ist. Hier wird schlicht daf&uuml;r pl&auml;diert, dass die deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitik und W&auml;hrungspolitik diesen L&auml;ndern die Luft zum Atmen und d. h. die Luft zur Wertsch&ouml;pfung lassen muss. Das sind ganz banale Gedanken. Aber manchmal ist das Banale etwas Wichtiges.<\/p><\/li>\n<li><strong>Der Niedriglohnsektor muss weg, genauso wie Hartz IV.<\/strong> Denn die Aufspaltung des Arbeitsmarktes in ein Segment mit Lohnabh&auml;ngigen, die einigerma&szlig;en gut verdienen und gesichert sind, und in einen anderen wachsenden Teil von schlecht bezahlten und prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen ist sowohl wirtschaftlich f&uuml;r die Betroffenen eine Katastrophe als auch f&uuml;r die Gesellschaft als Ganzes. Damit ist eine Spaltung der Arbeitnehmerschaft betrieben worden, die eine Gesellschaft nicht zulassen sollte.\n<p>Wir haben bei der Debatte um die fr&uuml;heren und aktuellen NachDenkSeiten-Beitr&auml;ge zum Bedingungslosen Grundeinkommen an manchen Leserbriefen lesen und sp&uuml;ren k&ouml;nnen, wie weit und verst&auml;ndlicherweise emotional aufgeladen diese Spaltung geht.<\/p>\n<p>Die k&uuml;nftige Bundesregierung muss daf&uuml;r sorgen, dass die L&ouml;hne steigen und dass Menschen aus prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen in sichere, nicht befristete Arbeitsverh&auml;ltnisse &uuml;bernommen werden.<\/p>\n<p>Sie muss daf&uuml;r sorgen, dass der Mindestlohn erh&ouml;ht wird und vor allem auch die Einhaltung des Mindestlohns nicht so leicht umgangen werden kann, wie das heute geschieht.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die aktive Konjunktur- und Besch&auml;ftigungspolitik ist eine zentrale Basis f&uuml;r das Austrocknen des Niedriglohnsektors.<\/strong>\n<p>Anders als heute regelm&auml;&szlig;ig bei der Verk&uuml;ndung von Wirtschaftsdaten behauptet wird, haben wir keinen leergefegten Arbeitsmarkt. Fachkr&auml;ftemangel gibt es in manchen Bereichen. Aber es gibt auch heute hunderttausende, ja sogar Millionen von Menschen in Deutschland, die einen regul&auml;ren Arbeitsplatz suchen, Bewerbungen schreiben oder sich als Leiharbeiter und Tagel&ouml;hner verdingen und dann oft resignieren. Dagegen kommt die Politik an, wenn sie daf&uuml;r sorgt, dass es zu einem richtigen Boom kommt, der auch die an der Peripherie liegenden Regionen der Bundesrepublik Deutschland erfasst.<\/p>\n<p>Wie schon immer in den Jahren seit Beginn des Jahrhunderts w&auml;re eine solche Besch&auml;ftigungspolitik auch im Sinne der europ&auml;ischen Entwicklung. Es gilt die alte Regel, dass sich die wirtschaftlich schw&auml;cheren Volkswirtschaften nur erholen k&ouml;nnen, wenn von den kr&auml;ftigen Volkswirtschaften ein Sog ausgeht. Die jetzt wieder festgestellten hohen Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse der Bundesrepublik Deutschland zeigen, dass wir in Europa nicht auf dem richtigen Weg sind. Auch deshalb das Pl&auml;doyer f&uuml;r eine viel aktivere Besch&auml;ftigungspolitik.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Sanierung und der Wiederaufbau der Infrastruktur in Deutschland w&auml;re das vor der T&uuml;r liegende und passende Experimentierfeld einer aktiveren Konjunktur- und Besch&auml;ftigungspolitik.<\/strong> Wenn zwei politische Notwendigkeiten sich so gut erg&auml;nzen, dann k&ouml;nnen die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker doch gl&uuml;cklich sein. Die Sondierer in Berlin sollten diese Chance ergreifen.<\/li>\n<li><strong>Schluss mit der Politik der Entstaatlichung. Das neoliberal gepr&auml;gte Konzept vom schlanken Staat war und ist ein ausgesprochen dummes Konzept.<\/strong>\n<p>&bdquo;Nur Reiche k&ouml;nnen sich einen armen Staat leisten&ldquo;, diese &Uuml;berschrift eines Flugblattes von 1971 ist leider heute so aktuell wie damals. Diese Erfahrung w&auml;re in praktische Politik umzusetzen: Starker Staat hei&szlig;t nicht &bdquo;mehr Milit&auml;r&ldquo;, es hei&szlig;t vielleicht heute angesichts mancher Herausforderungen: Mehr Polizei. Aber ansonsten hei&szlig;t starker Staat: &ouml;ffentliche Versorgung mit G&uuml;tern der Daseinsvorsorge: Wasser, gesunde Umwelt und Natur, &ouml;ffentlicher Verkehr, M&uuml;llentsorgung, &ouml;ffentliche Verwaltung.<\/p>\n<p>Die alte Regel der Sozialdemokratie nach Godesberg, also nach Verabschiedung des sogenannten Godesberger Programms &bdquo;Markt und Wettbewerb so weit wie m&ouml;glich, staatliche T&auml;tigkeit so weit wie n&ouml;tig&ldquo;, war gar nicht so falsch. Man hat unter dem Einfluss der neoliberalen Lobby allerdings dann die Produktion und Beschaffung von G&uuml;tern und Dienstleistungen privaten Unternehmen auch dann &uuml;berlassen, wenn der Markt nicht funktionieren kann. Dann kam es zu Konstrukten wie Regulierungsbeh&ouml;rden. Das waren und sind unsinnige und teure Fehlentscheidungen und daraus folgende B&uuml;rokratien. <\/p>\n<p>Das Fazit: Wo Wettbewerb und Markt nicht gut funktionieren, sollte die &bdquo;Produktion&ldquo; von G&uuml;tern und Dienstleistungen wieder in staatliches Eigentum oder in Gemeineigentum und jedenfalls in &ouml;ffentliche Regie &uuml;berf&uuml;hrt werden. <\/p>\n<p><strong>Die Konsequenz: Keine weiteren Privatisierungen, stattdessen Verstaatlichung wichtiger und fr&uuml;her &ouml;ffentlicher Unternehmen.<\/strong> D. h.: keine weitere Privatisierung der Deutschen Bahn, st&auml;rkerer Einfluss der &ouml;ffentlichen Hand auf die Verkehrspolitik und Bahn-Politik. D. h. keine weitere Privatisierung von Anteilen der Deutschen Post AG und der Deutschen Telekom. Neubelebung des &ouml;ffentlichen und sozialen Wohnungsbaus.<\/p><\/li>\n<li><strong>Schluss mit der systematisch betriebenen Deregulierung und stattdessen endlich eine sachgerechte Regulierung der Finanzm&auml;rkte.<\/strong>\n<p>Sachgerecht hei&szlig;t Ablehnung und Bek&auml;mpfung der Spekulation statt der Duldung, Bewunderung und F&ouml;rderung der Spekulation, wie sie vor allem seit Ende der Neunziger Jahren &uuml;blich geworden ist.<\/p><\/li>\n<li><strong>Der Staat muss die Hoheit &uuml;ber die Gesetzgebung und Justiz zur&uuml;ckerobern.<\/strong>\n<p>Unter dem Einfluss der neoliberalen Ideologie und dem Einfluss von Gesch&auml;ftemachern und Organisatoren eines optimalen Lobbyismus ist die Ministerialb&uuml;rokratie &ndash; freundlicher gesagt: die Ausstattung der Ministerien in Bund und L&auml;ndern &ndash; verringert und abgebaut worden; daf&uuml;r sind au&szlig;enstehende Berater und Rechtsanwaltskanzleien direkt in die Regierungsarbeit und in die Gesetzgebung einbezogen worden. Es ist ein Skandal, dass die Ministerialb&uuml;rokratie so ausged&uuml;nnt worden ist, dass in der Regel f&uuml;r auch nur ein bisschen kompliziertere Gesetzgebung auf Au&szlig;enstehende zur&uuml;ckgegriffen werden muss, auf Anwaltskanzleien und Berater. Das ist das Einfallstor f&uuml;r den Lobbyismus in die Regierungsarbeit. Dieses Tor muss geschlossen werden.<\/p><\/li>\n<li><strong>Wettbewerb muss gesch&uuml;tzt und gef&ouml;rdert werden. Oligopole und Monopole m&uuml;ssen bek&auml;mpft und kontrolliert werden.<\/strong>\n<p>Marktwirtschaft ohne Wettbewerb oder mit mangelhaftem Wettbewerb &ndash; das geht nicht. Das war und ist ein anerkanntes Prinzip und selbst unter Ordoliberalen anerkannt. Diese Einsicht hat konkrete Folgen f&uuml;r den Umgang mit den Monopolen und Oligopolen, die sich auf dem Medienmarkt und vor allem bei den elektronischen Medien herausgebildet haben. Microsoft, Facebook, Amazon &ndash; das geht alles nicht. Die sich ausgebildeten Monopole und Oligopole widersprechen dem Konzept funktionierender M&auml;rkte diametral.<\/p>\n<p>In diesem Bereich kann man, wie in der gemeinsamen Erkl&auml;rung der Sondierer vom 7.1.2018 geschehen, davon sprechen, dass neue Zeiten neue Probleme geschaffen haben. Aber die L&ouml;sung gr&uuml;ndet auf alten Erfahrungen und auf bew&auml;hrten, alten Regeln.<\/p><\/li>\n<li><strong>Das Wichtigste in einer Volkswirtschaft ist neben einer gerechten Verteilung die Wertsch&ouml;pfung. Finanzspekulation schafft keine Werte, allenfalls minimale zur Risikoabsicherung.<\/strong>\n<p>Fr&uuml;her war das in der wissenschaftlichen wie auch in der &ouml;ffentlichen Debatte unbestritten. Spekulanten waren ge&auml;chtete Leute. Zwischen der Wende zu Kohl und Lambsdorff und vor allem dann in der Zeit des Aktienbooms und bis zur Finanzkrise des Jahres 2007 und dar&uuml;ber hinaus wurden und werden Spekulanten bewundert. Deutsche Politiker, Journalisten und Wirtschaftsleute blickten mit Tr&auml;nen in den Augen nach London. Und sie haben in der Finanzkrise alle zusammen geholfen, uns Steuerzahlern die Milliarden aus der Tasche zu ziehen, um die Spekulanten vor dem Bankrott zu retten.<\/p>\n<p>Hier m&uuml;sste die neue Koalition wirklich neu nachdenken und sowohl auf den Finanzm&auml;rkten als auch auf den Immobilienm&auml;rkten gegen Spekulation antreten, statt sie zu f&ouml;rdern. <\/p>\n<p>Eine der wirksamsten Methoden zur F&ouml;rderung der Spekulation ist die Bestrafung von Sparguthaben mithilfe der Nullzinspolitik. Hier werden viele Menschen mit ihren Ersparnissen auf die Immobilienm&auml;rkte und die Aktien- und sonstigen Wertpapierm&auml;rkte getrieben. Das ist der helle Wahnsinn und dieser Wahnsinn sollte Gegenstand der neuen Koalitionsgespr&auml;che sein &ndash; mit dem Ziel, Abhilfe zu schaffen. Nicht die Finanzspekulanten, die Wertsch&ouml;pfungsunternehmer sind neben den Werkt&auml;gigen die eigentlichen K&ouml;nige einer Volkswirtschaft.<\/p><\/li>\n<li><strong>Gefragt sind starke Akzente bei Umwelt- und Naturschutz und gegen Klimawandel.<\/strong>\n<p>Wie zu h&ouml;ren ist, ist in den Sondierungen zum Thema Klimawandel schon das Gegenteil beschlossen worden. Das ist kein guter Einstieg. <\/p>\n<p>Soweit die bisher im Kontext von Jamaika verhandelten Ver&auml;nderungen in der Agrarpolitik vern&uuml;nftig und &ouml;kologisch fortschrittlich sind, sollten sie aufgegriffen werden.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Verkehrspolitik ist ausgesprochen wichtig. Dort sind wirkliche Ver&auml;nderungen notwendig.<\/strong>\n<p>Einige von vielen Aspekten will ich ansprechen:<\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li>Wir ersticken im LKW- und Individualverkehr. Um das festzustellen, bedarf es keiner wissenschaftlichen Erhebungen. Es bedarf nur eines Blicks auf die A6, auf die A 61, auf die A8, auf die A1 und auf die A2. <\/li>\n<li>Deshalb sind sowohl die Verlagerung auf die Schiene als auch vor allem Verkehrsvermeidung notwendig.<\/li>\n<li>Verkehrsvermeidung ist dann vor allem m&ouml;glich, wenn die volkswirtschaftliche Produktion regionalisierter verl&auml;uft, als dies heute der Fall ist.<\/li>\n<li>Dem widersprechen die bisherigen Festlegungen. Der Freihandel wird gefeiert, als sei es ein Selbstzweck. Der Handel und der Verkehr &uuml;ber Kontinente hinweg und innerhalb der Kontinente wird subventioniert. Der Luftverkehr ist bei uns subventioniert. Der Pkw- und der Lkw-Verkehr tragen noch lange nicht die Gesamtkosten, die sie verursachen: Sch&auml;den bei Natur und Landschaft, Gesundheitssch&auml;den, .. . Der Seeverkehr tr&auml;gt nicht  die Kosten, die er mit der Verseuchung der Meere verursacht.<\/li>\n<li>Hier ist es h&ouml;chste Zeit, umzusteuern. Neue Rezepte braucht man allerdings auch hier nicht. Man muss sich nur des Konzeptes erinnern, dass die sogenannten externen Kosten einer Produktion und Dienstleistung beim Produzierenden angelastet werden m&uuml;ssen. Das geschieht heute nicht. Es sollte aber geschehen.<\/li>\n<li>Last not least: Schluss mit Stuttgart 21. Sofort.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><strong>Die Verteilungsfrage<\/strong>\n<p>Die Einkommen und Verm&ouml;gen in Deutschland sind wie weltweit skandal&ouml;s ungerecht verteilt. Wer sich nicht selbst bel&uuml;gt, wei&szlig; das inzwischen.<\/p>\n<p>Und die Lage wird immer schlechter und schlimmer, weil heute die Spitzenverdiener und die Spitzenverm&ouml;genden &uuml;berdurchschnittlich mehr verdienen und &uuml;berdurchschnittlich mehr aus ihrem Verm&ouml;gen herausholen. Wir haben also eine klare Tendenz der Versch&auml;rfung des Problems. <\/p>\n<p>In dieser Situation bedarf es bei Koalitionsverhandlungen der Abschaffung alberner Tabus in Bezug auf die Steuerpolitik, mit der Konsequenz:<\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li>Mehrwertsteuer runter<\/li>\n<li>Spitzensteuersatz der Einkommensteuer hoch und dementsprechende Anpassung der gesamten Steuertabelle. Der Kohl&lsquo;sche Einkommenssteuersatz von 53 % m&uuml;sste doch m&ouml;glich sein.<\/li>\n<li>Kampf, entschiedener Kampf gegen die Steuervermeidung bei gro&szlig;en Unternehmen<\/li>\n<li>Wiedereinf&uuml;hrung der Verm&ouml;gensteuer<\/li>\n<li>Umgestaltung der Erbschaftssteuer zu einer wirksamen Steuer.<\/li>\n<li>Kampf gegen Steueroasen. Das muss doch m&ouml;glich sein, auch jenseits der g&auml;ngigen Redensarten<\/li>\n<\/ol>\n<p>Usw.<\/p>\n<p>Mit alledem wird man die Ungerechtigkeiten nicht beseitigen k&ouml;nnen. Die extreme Ungleichheit der Verteilung von Verm&ouml;gen und Einkommen ist ein gro&szlig;es Problem, weil diese extreme Schieflage nicht nur in den USA, sondern auch bei uns politische Folgen zeitigt. Wer viel Geld hat, bestimmt auch &uuml;berdurchschnittlich oft und wirksam die politischen Entscheidungen.<\/p>\n<p>Dieses Problem wird von der sich jetzt abzeichnenden Koalition nicht gel&ouml;st werden. Das Thema sollte auf dem Tisch bleiben<\/p><\/li>\n<li><strong>Die ideologische Neuorientierung: Von &bdquo;Jeder ist seines Gl&uuml;ckes Schmied&ldquo; und &bdquo;Freie Fahrt f&uuml;r freie B&uuml;rger&ldquo; hin zur Solidarit&auml;t, zu Mitf&uuml;hlen und Mitdenken. Die Sozialstaatlichkeit geh&ouml;rt zur Verfassung unseres Landes.<\/strong><\/li>\n<\/ol><p><strong>Mal sehen, was aus alledem wird.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"margin: 0 0 15px 15px; float: right;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/autor_mueller-1.jpg\" alt=\"Albrecht M&uuml;ller\" title=\"Albrecht M&uuml;ller\" scale=\"0\"\/><\/div>\n<p>Am 4. Oktober 2017 hatte ich zu Beginn der Jamaika-Verhandlungen gefragt: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40418\">Besinnung auf Wurzeln und Grundwerte wie in Gro&szlig;britannien und Portugal. Oder: Alles ist neu und die Therapie ziemlich beliebig?<\/a>. Jetzt sitzen die Berliner Politiker in einer anderen Konstellation zusammen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41876\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,188,127,190],"tags":[635,1658,595,1302,1759,2013,292,1055,1260,904,499,1494,2175,1031,1151,2251,648,783,317,1973,288,1367,1418,1006,1912,259,413,279,1265,1553,1977,449,687,2131,520,221,291,1019],"class_list":["post-41876","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-bundesregierung","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-wahlen","tag-altersarmut","tag-buergerversicherung","tag-betriebliche-mitbestimmung","tag-daseinsvorsorge","tag-entsolidarisierung","tag-entspannungspolitik","tag-finanzkasino","tag-fluechtlinge","tag-groko","tag-grv","tag-handelsbilanz","tag-infrastruktur","tag-interventionspolitik","tag-investmentfonds","tag-konjunkturpolitik","tag-laschet-armin","tag-leihbeamte","tag-merz-friedrich","tag-mindestlohn","tag-monopolisierung","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-ruestungsausgaben","tag-regime-change","tag-regulierung","tag-rentenniveau","tag-russland","tag-schlanker-staat","tag-spitzensteuersatz","tag-steuerbefreiung","tag-syrien","tag-transatlantische-partnerschaft","tag-umsatzsteuer","tag-ungleichheit","tag-unternehmenssozialisierung","tag-vermoegensteuer","tag-versicherungswirtschaft","tag-verteilungsgerechtigkeit","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41876","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41876"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41876\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":41908,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41876\/revisions\/41908"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41876"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41876"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41876"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}