{"id":41883,"date":"2018-01-12T12:19:51","date_gmt":"2018-01-12T11:19:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41883"},"modified":"2018-01-12T15:11:04","modified_gmt":"2018-01-12T14:11:04","slug":"das-grundeinkommen-polarisiert-weitere-leserbriefe-zum-thema","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41883","title":{"rendered":"Das Grundeinkommen polarisiert \u2013 weitere Leserbriefe zum Thema"},"content":{"rendered":"<p>Auch eine Woche nach unserem kritischen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41787\">Artikel zum Bedingungslosen Grundeinkommen<\/a> und nach Ver&ouml;ffentlichung einiger <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41849\">interessanter Leserbriefe<\/a> kriegen wir immer noch Zuschriften unserer Leser. Keine Frage: Das Grundeinkommen polarisiert. Da einige der &bdquo;Leserbrief-Nachz&uuml;gler&ldquo; sicher auch f&uuml;r Sie interessant sind, wollen wir heute noch einmal zwei Zuschriften zum Thema mit einer eigenen Kommentierung ver&ouml;ffentlichen.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Der ehemalige Gr&uuml;nen-Bundestagsabgeordnete <strong>Arfst Wagner<\/strong> schreibt uns &hellip;<\/em><\/p><blockquote><p>\nDer Artikel von Jens Berger zum bGE ist ein konstruktiv-kritischer Beitrag zur bGE-Diskussion. Er verlangt nach einer Antwort. Herr Butterwegge nicht gegen das bGE, sondern er bastelt sich ein Horrorbild des bGE zusammen, dass selbst die meisten bGE-Bef&uuml;rworter_Innen ablehnen w&uuml;rden, um es anschliessend zu bek&auml;mpfen.&nbsp; Seine methodische Vorgehensweise ist alles andere als wissenschaftlich.<\/p>\n<p>G&ouml;tz Werner will nicht die gesamte Steuergesetzgebung umgestalten und die Renten- und Krankenversicherung abschaffen. Er vertritt kein Konzept, sondern eine IDEE davon, dass nat&uuml;rlich ein gen&uuml;gend hohes Grundeinkommen die Rente nahezu vollst&auml;ndig &uuml;berfl&uuml;ssig machen w&uuml;rde, was etwas v&ouml;llig anderes ist. Dasselbe gilt f&uuml;r seine Mehrwertsteuer-Idee. Er tritt f&uuml;r eine differenzierte Mehrwertsteuer ein (oder trat, denn er hat sich dazu schon lange nicht mehr ge&auml;u&szlig;ert). Dazu sei gesagt, dass die skandinavischen L&auml;nder ja bereits in diese Richtung gehen. <\/p>\n<p>Die &ldquo;Ursache&rdquo; f&uuml;r Hartz IV war die Tatsache, dass &ldquo;die Arbeit&rdquo; in Deutschland zu teuer war im internationalen Vergleich. Die hohen Abgaben und Steuern auf Arbeit sind auch einer der Gr&uuml;nde f&uuml;r niedrige Geh&auml;lter in vielen Bereichen.\n<\/p><\/blockquote><p><em>Jens Berger: &Uuml;ber diese Aussagen kann man sicher vortrefflich streiten. Sogar Gerhard Schr&ouml;der hat ja mittlerweile zugegeben, dass es das Ziel der Agenda-Politik war, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16485\">einen &bdquo;der besten Niedriglohnsektoren<\/a>&ldquo; (nat&uuml;rlich aus Arbeitgebersicht) zu errichten.<\/em><\/p><blockquote><p>\nG&ouml;tz Werners Umschichtung der Steuern aus dem Arbeitsprozess heraus in Richtung Konsumsteuer auf Luxus w&uuml;rde genau dieses Problem l&ouml;sen.\n<\/p><\/blockquote><p><em>Die Umstellung auf eine Konsumbesteuerung w&uuml;rde vor allem die einkommensarmen und die mittleren Schichten belasten, da sie &ndash; anders als die oberen Einkommensschichten &ndash; gro&szlig;e Teile ihres Einkommens tats&auml;chlich in Konsumausgaben stecken (m&uuml;ssen). Wenn der Investmentbanker ein Gl&auml;schen Champagner in Monaco schl&uuml;rft, sich in seiner Villa in Kensington entspannt und beim Skifahren in St. Moritz dem T&ouml;chterchen einen 5-Kar&auml;ter schenkt, zahlt er keinen Cent in die deutschen Konsumsteuert&ouml;pfe. Und der komplette Finanzsektor entzieht sich dieser Besteuerung ebenfalls.<\/em><\/p><blockquote><p>\nStattdessen haben wir heute eine Kaste von prek&auml;r Besch&auml;ftigten, die das Problem ausbaden m&uuml;ssen.\n<\/p><\/blockquote><p><em>Eben nicht, da prek&auml;r Besch&auml;ftigte meist unter dem Eingangssteuersatz liegen und von der Einkommensteuer befreit sind.<\/em><\/p><blockquote><p>\nWenn ich hier in Schleswig-Holstein von &ldquo;Unternehmen spreche, dass sind das zu 60% soziale Einrichtungen, nur dass wir uns da nicht missverstehen. Die meisten denken bei diesem Argument immer an Amazon und VW.<\/p>\n<p>G&ouml;tz Werner tritt letztlich f&uuml;r eine radikale Trennung von Arbeit und Einkommen ein, was aber kaum jemand heute versteht. Ein &ldquo;Werner-Modell&rdquo; gibt es gar nicht.&nbsp; Nur Werner-Ideen.\n<\/p><\/blockquote><p><em>Ok, dann korrigiere ich mich. Aber egal, welchen Namen man dem Kind gibt; die Ideen &uuml;berzeugen mich nicht.<\/em><\/p><blockquote><p>\nZitat aus dem Artikel: &ldquo;Damals wie heute ist das BGE vor allem ein Konzept der wirtschaftsliberalen Kreise&rdquo; Erstens ist die Idee des Grundeinkommens viel &auml;lter als Milton Friedman und zweites stimmt der folgende Satz nicht: &ldquo;Damals wie heute ist das BGE vor allem ein Konzept der wirtschaftsliberalen Kreise.&rdquo; Bei der Gr&uuml;ndung des Netzwerks Grundeinkommen und dem Beginn der neuen Diskussion in Deutschland waren &ldquo;wirtschaftsliberale Kreise&rdquo; &uuml;berhaupt nicht dabei. Und bisher waren die Meisten aus den &ldquo;wirtschaftsliberalen Kreisen, wenn, dann f&uuml;r Modell wie das FDP-B&uuml;rgergeld&rdquo;, dass mit dem bGE nur insofern zu tun hat, als es sein Gegenteil darstellt.\n<\/p><\/blockquote><p><em>So einfach ist es nicht. Sogar die &bdquo;erzliberale&ldquo; Stiftung Marktwirtschaft hatte schon fr&uuml;h ihre Sympathien f&uuml;r das BGE <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2263\">durchblicken lassen<\/a> und weltweit wird die Idee vor allem Wirtschaftsliberalen propagiert.<\/em><\/p><blockquote><p>\nDie These des Aufsatzes, dass ein bGE nicht nur von &ldquo;denen da oben&rdquo; finanziert werden kann, teile ich vollumf&auml;nglich, spricht aber nicht gegen das bGE, sondern f&uuml;r eine solidarische Gesellschaft. Bei den entsprechenden Steuerzahlen, die in der Presse genannt werden, wird meist nur die Zahl der Bundessteuern erw&auml;hnt. Thomas Straubhaar weist jedoch nach, dass die Ausgaben f&uuml;r Soziales, wenn man Bund, L&auml;nder und Kommunen wie auch &ldquo;Nebenkosten&rdquo; zusammenrechnet, wir derzeit insgesamt 920 Milliarden Euro in Deutschland pro Jahr f&uuml;r Soziales ausgeben. Davon versickert fast die H&auml;lfte in der Verwaltung. Hier kann ich sogar die FDP teilweise verstehen, dass sie Verwaltung einsparen m&ouml;chte.\n<\/p><\/blockquote><p><em>Diese Zahlen sind <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26913\">durchaus strittig<\/a> und der &bdquo;Verwaltungskostenanteil&ldquo; ist (a) fragw&uuml;rdig, da hier auch andere Kosten zugeordnet wurden, und (b) irref&uuml;hrend. Wenn die Gemeinschaft Kinderg&auml;rten und Schulen finanziert, dann sind die Geh&auml;lter f&uuml;r Betreuer und Lehrer zwar im Sinne der Buchhaltung &bdquo;Verwaltungskosten&ldquo; aber umgangssprachlich w&uuml;rde man das sicher anders bezeichnen.<\/em><\/p><blockquote><p>\nDer Artikel sagt: &ldquo;Wenn es durch mein Dach tropft, dann rufe ich doch auch erst einmal den Dachdecker und plane nicht gleich den Komplettabriss. Ein simpler Wegfall der Sanktionen des SGB II, eine B&uuml;rgerversicherung mit Steuersubventionen f&uuml;r Geringverdiener und eine Neuregelung der Aufstockerpraxis w&uuml;rde f&uuml;r die gestressten prek&auml;ren Kreativen doch genau die gleichen Effekte haben. Warum sollte man eine gigantische Umverteilungsmaschinerie in Gang setzen, wenn es kleine, &uuml;berlegte Eingriffe in ein sehr gut funktionierendes System auch tun?&rdquo;<\/p>\n<p>Das ist eingeschr&auml;nkt richtig, aber eben nur eingeschr&auml;nkt. Was ist mit einem elternunabh&auml;ngigen, nicht r&uuml;ckzahlungspflichtigen BaF&ouml;g? Was ist mit einem eigenst&auml;ndigen Einkommen f&uuml;r Menschen mit Behinderungen? Was ist mit einem ehegatten-unabh&auml;ngigen Einkommen f&uuml;r Erziehende? Was ist mit der Kinderarmut? (In Kiel lebt derzeit jedes dritte Kind von Hartz IV? Und was ist mit den Menschen im Niedriglohnsektor? Betrachtet man das derzeitige Problem vollumf&auml;nglich, landet man letztlich eben doch bei einem bGE.\n<\/p><\/blockquote><p><em>Eben nicht. Auch die genannten Punkte sind ja durchaus &uuml;berlegenswert und sind f&uuml;r sich kein Argument f&uuml;r ein BGE. Und der Niedriglohnsektor eignet sich hier schon mal gar nicht als Argument, da einige BGE-Bef&uuml;rworter, wie G&ouml;tz Werner, diesen Sektor ja explizit st&auml;rken und nicht etwa abschaffen wollen. Dazu w&auml;re das BGE &uuml;brigens auch sehr kontraproduktiv.<\/em><\/p><blockquote><p>\nDie These, dass die Sozialabgaben heute durch Besteuerung von Arbeit eingenommen werden, ist zwar richtig, aber genau das Problem, dass zu den prek&auml;ren Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnissen gef&uuml;hrt hat.\n<\/p><\/blockquote><p><em>Nein! Da haben Sie sich von der Deutung der Neoliberalen ins Bockshorn jagen lassen. Die prek&auml;ren Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse sind doch eine direkte Folge der Deregulierung. Sie sind politisch gewollt!<\/em><\/p><blockquote><p>\nGenau deshalb will ja beispielsweise G&ouml;tz Werner weg von der Besteuerung der (besonders im digitalen und Maschinenzeitalter weniger werdenden) Erwerbsarbeit.\n<\/p><\/blockquote><p><em>Dazu hatte ich mich schon bei der ersten Leserbriefrunde ausgelassen. Die These ist empirisch schlicht nicht haltbar.<\/em><\/p><blockquote><p>\nStraubhaar sieht dieses Problem in seinem neuen Buch &ldquo;Radikal gerecht&rdquo; ebenfalls auf uns zukommen. Wir m&uuml;ssen deshalb den Schritt weg von Besteuerung von Arbeit hin zur Besteuerung von Konsum und Kapital gehen.&nbsp; So wollen Straubhaar und Werner beispielsweise auch eine Kapitalsteuer von 50%. Auch beim internationalen W&auml;hrungshandel, der in dem Artikel gar nicht vorkommt.\n<\/p><\/blockquote><p><em>Aus gutem Grund, da eine solche &bdquo;Kapitalsteuer&ldquo; ein Thema f&uuml;r sich w&auml;re. Auch die eher linken Anh&auml;nger eines BGE nutzen ja &auml;hnliche Tricks. Hier ist es dann die &bdquo;Finanztransaktionssteuer&ldquo;, der man m&auml;rchenhafte Einnahmen zuschreibt. Ein PR-Trick. Hier wird auf Basis der aktuellen Volumina gerechnet, doch wenn man bedenkt, dass mehr als 95% aller Transaktionen Arbitragegesch&auml;fte und Hochfrequenzhandel sind, wird schnell klar, dass diese Transaktionen im Falle einer Besteuerung entweder wo anders oder gar nicht mehr abgewickelt werden und die Sch&auml;tzungen daher echte Luftnummern sind. Dies ist nur ein Beispiel daf&uuml;r, wie komplex das Thema ist und wie viele Fragezeichen hinter den Rechenmodellen stehen.<\/em><\/p><blockquote><p>\nDass ein bGE &ldquo;selbstverst&auml;ndlich&rdquo; die Preise erh&ouml;ht ist, wenn man die Steuer von der Produktion fortnimmt, eben gerade falsch.<\/p>\n<p>Werner argumentiert &ndash; zumindest in den &auml;lteren Texten, die ich gelesen habe &ndash; hier aber auch nur f&uuml;r einen &bdquo;Sonderfall&ldquo; &ndash; n&auml;mlich Produkte, die samt Vorprodukten in Deutschland hergestellt wurden. Die meisten Produkte in unserem Warenkorb sind aber G&uuml;ter, die zumindest in Teilen aus importierten Vorprodukten hergestellt wurden. Und hier platzt dann auch die 1:1-Umverteilung von Arbeits- auf Konsumsteuern, da Importe sowie Vorprodukte nicht von der &bdquo;Steuerentlastung&ldquo; profitieren und einfach nur teurer werden.<\/p>\n<p>Denn das bGE ist f&uuml;r viele ja gar nicht mehr Geld, denn die Menschen haben heute ja auch schon ein Einkommen, viele von ihnen durch Sozialtransfers, die in ein bGE verwandelt werden. Die Menschen m&uuml;ssen ja heute auch schon Geld zum Leben haben. Ein Gro&szlig;teil dieser Gelder wird gar nicht obendrauf gesetzt, sondern verwandelt. So bekommen Hartz IV-er ja bereits 760 EUR, es kommt dann die Sanktionsfreiheit, f&uuml;r die sich der Artikel ja auch ausspricht, und bei einem Grundeinkommen von 1100 EUR etwa nur ein Drittel obendrauf, was ich auch f&uuml;r angemessen halte.<\/p>\n<p>Maschinensteuer w&auml;re unsinnig, da man ja definieren m&uuml;sste, was eine Maschine ist und was Arbeit einer Maschine ist und dass alles (bei jedem IPHONE, denn das ist ja auch eine hochkomplexe Maschine, gelegentlich ersetzt ein IPhone heute einen B&uuml;roplatz oder har ein ganzes B&uuml;ro) m&uuml;sste dann auch noch mit hohem Aufwand kontrolliert werden. In einer Konsumsteuer, also quasi Produktsteuer w&auml;re eine Maschinensteuer dagegen enthalten.<\/p>\n<p>Niemand Ernstzunehmendes aus der bGE-Bewegung fordert die Abschaffung des Sozialstaates, sondern was gefordert wird ist ein ausgewogenes Verh&auml;ltnis zwischen einem Sozialstaat, der allerdings seinen Bevormundungscharakter verlieren w&uuml;rde und einem bGE. Welche Sozialleistungen gestrichen werden k&ouml;nnen, h&auml;ngt wesentlich mit der H&ouml;he des ausgezahlten bGE zusammen und mit sonst praktisch nichts anderem. Dass die meisten Bef&uuml;rworter des bGE zu den Verlierern der Einf&uuml;hrung eines bGE geh&ouml;ren w&uuml;rden, h&auml;ngt ebenfalls damit zusammen. Es ist als Argument nicht mehr als eine Intellektuelle Spitzfindigkeit.<\/p>\n<p>Dass Modellversuche sich nicht als fundierte wissenschaftliche Anschauungsobjekte eignen, teile ich gr&ouml;&szlig;tenteils, besonders auch im Hinblick auf solche Modelle wie das in Finnland.<\/p>\n<p>Das bGE w&auml;re ein Selbsterm&auml;chtigungsschub f&uuml;r jede B&uuml;rgerin und jeden B&uuml;rger und eine teilweise Befreiung aus einem System der Sozialbevormundung, dass jeden Zuschuss an Bedingungen und Kontrolle bindet. Die meisten Gegner des bGE haben genau vor diesem Machtverlust Angst. Deshalb sind sie dagegen.\n<\/p><\/blockquote><p><em>Unser <strong>Leser Manfred<\/strong> Becker bringt eine gute Erg&auml;nzung zur Debatte, wenn er darauf hinweist, dass momentan die g&uuml;ltigen Arbeitsmarktgesetze schlicht nicht eingehalten werden. Warum dies beim BGE anders sein sollte und warum dies &uuml;berhaupt f&uuml;r ein BGE sprechen sollte, ist mir jedoch nicht klar.<\/em><\/p><blockquote><p>\nSehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>so sehr ich Ihre Beitr&auml;ge im Allgemeinen sch&auml;tze, so unzufrieden bin ich mit Ihrer Behandlung des Themas BGE.<\/p>\n<p>Sie weigern sich, die Leserbriefe hierzu vollst&auml;ndig zu ver&ouml;ffentlichen mit Hinweis auf deren immer gleiche Argumente. Selber haben Sie aber keinerlei Scheu, Ihre immer gleichen Argumente zu wiederholen, die dadurch nicht besser werden.<\/p>\n<p>Ihr Hauptargument, mit der Forderung nach einem BGE w&uuml;rde der Kampf um faire Arbeitsbedingungen geschw&auml;cht, ist m.E. weltfremd. Ich kann bereits auf einige Jahrzehnte Arbeit in prek&auml;ren Verh&auml;ltnissen zur&uuml;ckblicken und daher behaupten: Durch verbesserte Arbeitsrechte haben sich die Arbeitsbedingungen im Niedriglohnbereich nicht im Geringsten verbessert, sondern zum Teil sogar verschlechtert. Wurden etwa vor 20 Jahren noch minimale Arbeitsschutzbestimmungen normalerweise von den Betrieben eingehalten, so kriegt man heute nur noch einen Stapel von Arbeitsschutzvorschriften zum Unterschreiben vorgelegt, von denen praktisch keine eingehalten werden, wof&uuml;r ich dann aber als Arbeiter gek&uuml;ndigt werden kann. Toll`!<\/p>\n<p>Fordere ich als 450 Euro-Jobber meinen Urlaubsanspruch ein, kann ich ebenfalls gleich nach Hause gehen. Alle tollen Gesetze nutzen nichts, solange Millionen Habenichtse auf deren Einhaltung nicht bestehen k&ouml;nnen. F&uuml;r diese w&auml;re aber ein BGE ein entscheidender Vorteil: sie k&ouml;nnten n&auml;mlich dann erstmalig sagen: &ldquo;Ne, zu solchen illegalen Dumping-konditionen arbeite ich nicht. Dann bleibe ich lieber auf Hartz 4- Niveau zu Hause.&rdquo; Durch den Wegfall des Arbeitszwanges zu jedweden markt&uuml;blichen Konditionen w&uuml;rde erstmals seit einem halben Jahrhundert wieder ein freier Arbeitsmarkt entstehen, in dem Anbieter und Nachfrager auf Augenh&ouml;he verhandeln. Nur so lassen sich faire L&ouml;hne erreichen! Freilich m&uuml;ssten dann auch die Besser- und Durchschnittsverdiener etwas mehr f&uuml;r ihre Br&ouml;tchen oder Pakete zahlen, wenn ihre &ldquo;Diener&rdquo; anst&auml;ndig bezahlt w&uuml;rden. WIll man das vielleicht verhindern?<\/p>\n<p>Wenn gut versorgte Gewerkschaftler oder Armutsforscher gerne noch weitere 50 Jahre erfolglos f&uuml;r faire L&ouml;hne k&auml;mpfen m&ouml;chten, sollen sie dies bittesch&ouml;n mit Hartz 4- Gehalt tun, aber nicht von den Arbeitslosen verlangen, sie nicht beim gem&uuml;tlichen &ldquo;K&auml;mpfen&rdquo; zu hindern&hellip;.<br>\nEin anderes Argument gegen das BGE finde ich besonders befremdend: Dass zur Kontrolle der Berechtigung des BGE (negative Einkommenssteuer) dann nicht nur Hartzies, sondern auch alle anderen ihre Einkommensverh&auml;ltnisse offenlegen m&uuml;ssten. Mein herzliches Beileid! Konnten Sie bisher noch einfach Ihr Finanzamt bescheissen und wollen dies nun als Bestandswahrung einfordern? Dann wird es aber auch nix mit der B&uuml;rgerversicherung. <\/p>\n<p>Fordern Sie doch ehrlicherweise bitte gleich, dass alles beim Alten bleiben solle, und dass Sie bitte weiterhin anst&auml;ndig f&uuml;r bessere Arbeitsbedingungen bellen d&uuml;rfen (und nicht beissen m&uuml;ssen: beim BGE w&uuml;rden Sie vielleicht nachher schlechter dastehen?)<\/p>\n<p>Nachdenklich:<br>\nManfred Becker\n<\/p><\/blockquote><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/0f3d61bb2087408e94cf241a3d981cad\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch eine Woche nach unserem kritischen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41787\">Artikel zum Bedingungslosen Grundeinkommen<\/a> und nach Ver&ouml;ffentlichung einiger <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41849\">interessanter Leserbriefe<\/a> kriegen wir immer noch Zuschriften unserer Leser. Keine Frage: Das Grundeinkommen polarisiert. Da einige der &bdquo;Leserbrief-Nachz&uuml;gler&ldquo; sicher auch f&uuml;r Sie interessant sind, wollen wir heute noch einmal zwei Zuschriften zum Thema mit einer eigenen Kommentierung ver&ouml;ffentlichen.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[31,103,145,132],"tags":[1550,1740,785,365,288,1591,449,655],"class_list":["post-41883","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-grundeinkommen","category-leserbriefe","category-sozialstaat","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-agenda-2010","tag-arbeitsbedingungen","tag-finanztransaktionssteuer","tag-inflation","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-straubhaar-thomas","tag-umsatzsteuer","tag-werner-goetz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41883","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41883"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41883\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":41886,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41883\/revisions\/41886"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41883"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41883"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41883"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}