{"id":41922,"date":"2018-01-15T15:34:52","date_gmt":"2018-01-15T14:34:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41922"},"modified":"2018-01-17T07:27:41","modified_gmt":"2018-01-17T06:27:41","slug":"ein-musterbeispiel-fuer-die-eroberung-von-wichtigen-politischen-einrichtungen-von-jochen-scholz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41922","title":{"rendered":"Ein Musterbeispiel f\u00fcr die Eroberung von wichtigen politischen Einrichtungen. Von Jochen Scholz."},"content":{"rendered":"<p>Am 2. November 2017 brachten die NachDenkSeiten einen Bericht &uuml;ber die &uuml;blich gewordene <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40869\">Eroberung wichtiger Einrichtungen durch Lobbyisten<\/a>. Dieser Text folgte auf andere Beitr&auml;ge, in denen wir darauf aufmerksam gemacht hatten, wie wichtige Einrichtungen unserer Gesellschaft von neoliberalen und Nato-orientierten Kr&auml;ften erobert werden. Angeregt davon schickte uns Jochen Scholz, jahrelang Berufsoffizier und friedenspolitisch aktiv, einen Bericht &uuml;ber seine Erfahrungen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8212\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-41922-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180116_Ein_Musterbeispiel_fuer_die_Eroberung_von_wichtigen_politischen_Einrichtungen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180116_Ein_Musterbeispiel_fuer_die_Eroberung_von_wichtigen_politischen_Einrichtungen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180116_Ein_Musterbeispiel_fuer_die_Eroberung_von_wichtigen_politischen_Einrichtungen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180116_Ein_Musterbeispiel_fuer_die_Eroberung_von_wichtigen_politischen_Einrichtungen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=41922-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180116_Ein_Musterbeispiel_fuer_die_Eroberung_von_wichtigen_politischen_Einrichtungen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180116_Ein_Musterbeispiel_fuer_die_Eroberung_von_wichtigen_politischen_Einrichtungen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Ein junger Mann l&ouml;st sich zu Beginn der 1970er Jahre aus seiner konservativ gepr&auml;gten politischen und gesellschaftlichen Sozialisation, die stark durch die Seminare der in Landesverb&auml;nden organisierten &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arbeitsgemeinschaft_Demokratischer_Kreise\">Arbeitsgemeinschaft demokratischer Kreise<\/a>&ldquo; beeinflusst worden war. Der Kreis der meist ehrenamtlichen Referenten setzte sich unter anderem aus ehemaligen Mitarbeitern der Wehrmachts-Propagandakompanien, des G&ouml;bbelsministerium &bdquo;f&uuml;r Volksaufkl&auml;rung und Propaganda&ldquo; sowie der Wochenzeitung &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Das_Reich\">Das Reich<\/a>&ldquo; zusammen. Zu den Zielgruppen geh&ouml;rten die k&uuml;nftigen F&uuml;hrungskr&auml;fte von Polizei, Zoll, Bundesgrenzschutz und Bundeswehr.<\/p><p>Dem jungen Mann er&ouml;ffnen sich innen- wie au&szlig;enpolitisch mit dem Antritt der Regierung Brandt-Scheel und deren Ministern <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gerhard_Jahn\">Gerhard Jahn<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Walter_Arendt\">Walter Arendt<\/a> v&ouml;llig neue Horizonte, und er beschlie&szlig;t, die das ganze Land erfassende Aufbruchstimmung nach dem eher dr&ouml;gen und ver&auml;nderungsscheuen Agieren der bisherigen Bundesregierungen mitzugestalten: er tritt in die SPD ein.<br>\nNach den langen Jahren der Regierungsabstinenz gab es 1998 endlich eine reale Chance f&uuml;r seine Partei, die n&auml;chste Bundesregierung zu f&uuml;hren. Also st&uuml;rzte er sich in den Wahlkampf f&uuml;r rot-gr&uuml;n, der von den Themen soziale Gerechtigkeit und einer Au&szlig;enpolitik gepr&auml;gt war, die Friedenspolitik sein sollte. Die Reminiszenzen an die Wahlk&auml;mpfe von Willy Brandt waren unverkennbar. Seine pers&ouml;nliche Entt&auml;uschung setzte jedoch bereits vor Antritt der neuen Regierung Schr&ouml;der\/Fischer, am 12. Oktober des Wahljahres wegen Entwicklungen und Entscheidungen ein, die ihm durch das Beziehungsgeflecht in seinem beruflichen Umfeld nahezu in Echtzeit bekannt wurden:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-14873954.html\">Im Bonner Kanzleramt erfahren Schr&ouml;der, Fischer, Lafontaine und Verheugen von Kanzler Helmut Kohl, dass sie f&uuml;r ihre Entscheidung &uuml;ber den Kosovo keinen Aufschub mehr haben<\/a>. Clinton will nicht warten, bis sich der neue Bundestag konstituiert. Er brauche die Zusage der Deutschen sofort, dass sie sich &ndash; falls die Nato das beschlie&szlig;t &ndash; am Kosovo-Krieg beteiligen. Sein Emiss&auml;r Richard Holbrooke soll mit einer handfesten Drohung in Belgrad intervenieren.<br>\nKohl und Au&szlig;enminister Klaus Kinkel wirken bedr&uuml;ckt. Verteidigungsminister Volker R&uuml;he referiert die Lage &ldquo;mit unverkennbar triumphierendem Unterton&rdquo;, sagt ein Teilnehmer. Er gilt als derjenige, der die Amerikaner dazu bewegt hat, auf eine schnelle Entscheidung zu dr&auml;ngen.&ldquo; &ndash; <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-14873954.html\">spiegel.de<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Auf die Zusicherung von Au&szlig;enminister Kinkel hin, dass der Bundestag zu jedem NATO-Beschluss gefragt werden m&uuml;sse, gibt Schr&ouml;der die geforderte Zusage. Wie viel Kinkels Zusicherung wert war, zeigte sich in den Monaten danach. Der <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btp\/13\/13248.asc\">Beschluss des Deutschen Bundestages<\/a> vom 16. Oktober 1998, der Bundesrepublik Jugoslawien unter deutscher Beteiligung milit&auml;rische Gewalt anzudrohen, ging ohne weitere Befassung des Parlaments am 24. M&auml;rz 1999 unter sozialdemokratischer F&uuml;hrung in den ersten v&ouml;lkerrechtswidrigen Krieg Deutschlands seit 1945 &uuml;ber.<\/p><p>Unser inzwischen nicht mehr ganz so junger Mann gibt noch nicht auf. Er l&auml;sst sich Ende 1998 vom Parteifreund und Direktor des &bdquo;<a href=\"https:\/\/ifsh.de\/das-ifsh\/profil\/\">Institut(s) f&uuml;r Friedensforschung und Sicherheitspolitik<\/a>&ldquo; an der Universit&auml;t Hamburg, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dieter_S._Lutz\">Dieter S. Lutz<\/a>, in die von ihm ins Leben gerufene &bdquo;Kommission Europ&auml;ische Sicherheit und Zukunft der Bundeswehr&ldquo; (Bundeswehrkommission) berufen. Das 1971 gegr&uuml;ndete Institut hat den Auftrag, &bdquo;friedensrelevante Forschung verst&auml;rkt zu f&ouml;rdern&ldquo;. Seine beiden ersten Direktoren, der General a. D., Friedensforscher und geistige Vater der &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Innere_F%C3%BChrung\">Inneren F&uuml;hrung<\/a>&ldquo; der Bundeswehr, Wolf Graf Baudissin (1971 bis 1984) und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Egon_Bahr\">Egon Bahr<\/a> (1984 bis 1994) waren hinsichtlich der Umsetzung dieses Forschungsauftrags &uuml;ber jeden Zweifel erhaben. Dieter S. Lutz (1994 bis 2003) versuchte gegen die nach 1990 immer deutlicher werdenden Tendenzen, Deutschlands Kultur der Zur&uuml;ckhaltung in der Au&szlig;enpolitik zugunsten einer vermeintlichen, an den Verb&uuml;ndeten orientierten &bdquo;Normalit&auml;t&ldquo; zu ersetzen, den Kurs seiner beiden Vorg&auml;nger fortzuf&uuml;hren. Dazu geh&ouml;rte es auch, die Arbeitsgremien mit Personen zu besetzen, die eine milit&auml;risch gest&uuml;tzte Interessenpolitik und einen laxen Umgang mit dem V&ouml;lkerrecht als einen historischen R&uuml;ckschritt ansahen. Dies gelang zwar, die erarbeiteten Konzepte und Arbeitspapiere fanden jedoch in der Politik keine Abnehmer mehr, weil sich die rot-gr&uuml;ne Bundesregierung zwischen 1998 und 2002 dem au&szlig;enpolitischen Kurs der US-Pr&auml;sidenten Clinton und George W. Bush widerspruchslos untergeordnet hatte. Beispielhaft hierf&uuml;r steht Bundeskanzler Schr&ouml;ders Forderung nach der &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/fileadmin\/HSFK\/hsfk_downloads\/Standpunkte-2-2005(druckfrei).pdf\">Enttabuisierung des Milit&auml;rischen<\/a>&ldquo; . Von einem sozialdemokratischen Regierungschef h&auml;tte man eigentlich eine Haltung erwarten d&uuml;rfen, wie sie der 2016 verstorbene Karl Feldmeyer in der FAZ vom 23. 11. 2002 formulierte:<\/p><blockquote><p>\nZwei Weltkriege haben dazu beigetragen, den Begriff &ldquo;Verteidigung&rdquo; (gemeint ist: nach dem Grundgesetz, JS) ganz eng auszulegen. Was andernorts als &ldquo;pr&auml;emptive Intervention&rdquo; bewertet werden mag, kann sich in den Augen der Deutschen als Angriff ausnehmen &ndash; und den verbieten UN-Charta und Grundgesetz. Schon Bismarck verweigerte das &ldquo;praevenire&rdquo;. F&uuml;r diese Haltung brauchen sich die Deutschen nicht zu entschuldigen, schon gar nicht bei ihren Verb&uuml;ndeten, die einst Opfer deutscher Angriffe waren.\n<\/p><\/blockquote><p>Karl Feldmeyer kam damit den Vorstellungen von Dieter Lutz hinsichtlich einer verfassungsgem&auml;&szlig;en Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik ziemlich nahe. Zum Erscheinungszeitpunkt des Leitartikels war Lutz bereits zutiefst entt&auml;uscht &uuml;ber seine Partei und auch zunehmend desillusioniert, was seine Einflussm&ouml;glichkeiten betraf. Unser Protagonist konnte seinen Weg in die sich abzeichnende Resignation bei vielen Gelegenheiten beobachten. Nachdem durch den R&uuml;cktritt Oskar Lafontaines von allen Partei- und Regierungs&auml;mtern im April 1999 ein neuer Parteivorsitzender gew&auml;hlt werden musste, berieten die sich zur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Parlamentarische_Linke\">Parlamentarischen Linken<\/a> z&auml;hlenden Abgeordneten und Unterst&uuml;tzer am Vorabend in ihrem Bonner Stammlokal &bdquo;Linde&ldquo; &uuml;ber den <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/fileadmin\/Dokumente\/Beschluesse\/Bundesparteitag\/beschlussbuch_bundesparteitag_bonn_1999.pdf\">Leitantrag<\/a>, der die Delegierten aufforderte, der Fortsetzung des seit drei Wochen anhaltenden Krieges gegen Jugoslawien zuzustimmen. W&auml;hrend der Debatte sa&szlig; Dieter Lutz mit versteinertem Gesicht auf seinem Platz und war unf&auml;hig, mit Argumenten in die Diskussion einzugreifen. Am folgenden Tag, w&auml;hrend des Ganges durch die Reihen der Parteitagsdelegierten, wiederholte er ein um das andere Mal tief getroffen: Stell Dir vor, so etwas machen unsere Leute!<\/p><p>Aber er fing sich noch einmal und machte zusammen mit seinem Stellvertreter Reinhard Mutz am 24. M&auml;rz 2001 den Versuch, mit einem <a href=\"http:\/\/www.ag-friedensforschung.de\/themen\/NATO-Krieg\/lutz-mutz.html\">Offenen Brief<\/a> die Abgeordneten des Deutschen Bundestages f&uuml;r die Idee zu gewinnen, eine unabh&auml;ngige Untersuchung der Hintergr&uuml;nde und Folgen dieses Krieges einzuleiten. Der Vorschlag enthielt die zwei Jahre nach dem Geschehen gewonnenen Einsichten und vor allem Erkenntnisse &uuml;ber das <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZtkQYRlXMNU\">L&uuml;gengeb&auml;ude<\/a> &ndash; im heutigen Sprachgebrauch Fake News &ndash; mit dem der Krieg gerechtfertigt worden war, so wie einige unleugbare Fakten &uuml;ber seine V&ouml;lkerrechtswidrigkeit. Die einzig bekanntgewordene Reaktion aus dem Bundestag stammt vom seit 1998 stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden und Zust&auml;ndigen f&uuml;r Au&szlig;enpolitik, Gernot Erler. Er hatte seine politische Laufbahn der Unterst&uuml;tzung aus dem Freiburger Umfeld der Friedensbewegung zu verdanken und galt bis 1998 als links.  Bereits w&auml;hrend der oben erw&auml;hnten Sitzung in der &bdquo;Linde&ldquo; hatte sich gezeigt, dass er seine &Uuml;berzeugungen &ndash; er war u. a. F&ouml;rdermitglied im &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Darmst%C3%A4dter_Signal\">Darmst&auml;dter Signal<\/a>&ldquo; &ndash; zugunsten der Karriere ad acta gelegt hatte, obwohl an diesem Abend noch Anzeichen von schlechtem Gewissen wegen der Vorw&uuml;rfe aus seinem Freiburger Parteiumfeld zu erkennen waren. Bei der sch&auml;bigen  <a href=\"http:\/\/www.ag-friedensforschung.de\/themen\/NATO-Krieg\/erler.html\">Antwort an seinen Parteifreund Lutz<\/a> hatte sich das schlechte Gewissen l&auml;ngst verfl&uuml;chtigt, schlie&szlig;lich musste er den &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.gernot-erler.de\/cms\/front_content.php?idcat=152&amp;idart=1744\">Laden zusammenhalten<\/a>&ldquo;. Das war nat&uuml;rlich wichtiger, als sich an V&ouml;lkerrecht und Verfassung zu halten. Wie die &Uuml;berschrift seines Interviews mit der Badischen Zeitung &ndash;  &bdquo;<em><a href=\"http:\/\/www.gernot-erler.de\/cms\/front_content.php?idcat=152&amp;idart=1744\">Friedenspolitik ist mein Lebensthema<\/a><\/em>&ldquo; &ndash; vor diesem Hintergrund einzuordnen ist, muss wohl nicht weiter erl&auml;utert werden.<\/p><p>Dieter Lutz ist es hoch anzurechnen, dass er entgegen des Kurses seiner (Regierungs-)Partei und deren finanziellen Druckmitteln im Institut und seiner &bdquo;Bundeswehrkommission&ldquo;  f&uuml;r die personelle Kontinuit&auml;t sorgte, die dessen Auftrag erfordert. Nach seinem fr&uuml;hen Tod 2003 und der Interimszeit bis 2006 sieht dies <a href=\"https:\/\/ifsh.de\/das-ifsh\/bundeswehr-kommission\/\">heute<\/a> anders aus. Da wurden Studien und Arbeitspapiere gemeinsam mit einem Offizier erstellt, der als   wissenschaftlicher Mitarbeiter der gr&uuml;nen Bundestagsfraktion beim <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7jsKCOTM4Ms\">Sonderparteitag<\/a> im Mai 1999 in Bielefeld jubelnd die Arme hochgerissen hatte, als die Delegierten der Fortsetzung des v&ouml;lkerrechtswidrigen Krieges gegen Jugoslawien zustimmten. In die Kommission wurden aktive und ehemalige Bundestagsabgeordnete berufen, deren au&szlig;enpolitischer Horizont nicht &uuml;ber die Vasallentreue zur NATO-F&uuml;hrungsmacht hinausreicht, die gleichwohl jedoch stets behaupten, dem Frieden verpflichtet zu sein, u. a. Winfried Nachtwei.<\/p><p>Wer dessen verbale Eiert&auml;nze liest &ndash; <a href=\"http:\/\/nachtwei.de\/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=86&amp;aid=1456\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.gruene.de\/ueber-uns\/35-gruene-jahre-35-gruene-geschichten\/35-gruene-jahre-18-die-frage-der-militaerischen-gewalt.html\">hier<\/a> &ndash; und sie mit den Argumenten im Offenen Brief von Dieter Lutz vergleicht, dem d&uuml;rfte es schwerfallen, den ehemaligen gr&uuml;nen Bundestagsabgeordneten als dessen Gleichgesinnten anzusehen; zumal Nachtwei noch heute einige l&auml;ngst als L&uuml;gen entlarvte Begr&uuml;ndungen f&uuml;r den Angriffskrieg hochh&auml;lt und dem KFOR-Einsatz der Bundeswehr seine Referenz erweist: &bdquo;<a href=\"#_blank\">Nachtwei: KFOR darf kein vergessener Einsatz sein<\/a>&ldquo;.<\/p><p>Den Antrag &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.gruene.de\/fileadmin\/user_upload\/Bilder\/Redaktion\/30_Jahre_-_Serie\/Teil_22_Bielefeld\/Kosovo-Antrag_Luftangriffe_stoppen.pdf\">Die Luftangriffe sofort beenden und mit der Logik der Kriegsf&uuml;hrung brechen<\/a>&ldquo; beim Bielefelder Sonderparteitag 1999 seiner Partei hatte er hingegen nicht mitgetragen, obwohl es eigentlich in der Logik seiner Enthaltung bei der Abstimmung am 16. Oktober 1998 &uuml;ber den &bdquo;<a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btp\/13\/13248.asc\">Antrag der Bundesregierung<\/a> &uuml;ber die Deutsche Beteiligung an den von der NATO geplanten begrenzten und in Phasen durchzuf&uuml;hrenden Luftoperationen zur Abwendung einer humanit&auml;ren Katastrophe im Kosovo-Konflikt&ldquo; gelegen h&auml;tte, mit dem f&uuml;r Deutschland das Verh&auml;ngnis begann.<\/p><p>Nicht besser sieht es bei Lars Klingbeil (SPD) aus, der bis vor Kurzem Mitglied der Bundeswehrkommission war und sich beim &bdquo;F&ouml;rderkreis des Deutschen Heeres&ldquo; als <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-print.php?p=40869\">R&uuml;stungslobbyist<\/a> bet&auml;tigt.<\/p><p>Dessen Nachfolge trat <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Niels_Annen\">Niels Annen<\/a> an, der als au&szlig;enpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion zu vertreten hat, was sich die Partei 2017 in ihr <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/fileadmin\/Dokumente\/Bundesparteitag_2017\/Es_ist_Zeit_fuer_mehr_Gerechtigkeit-Unser_Regierungsprogramm.pdf\">Regierungsprogramm<\/a> geschrieben hatte: &bdquo;Die NATO ist und bleibt ein tragender Pfeiler der transatlantischen Partnerschaft. Sie ist f&uuml;r Frieden und Sicherheit in einer Zeit neuer internationaler Unsicherheiten und Herausforderungen unverzichtbar.&ldquo; Wer einst &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/abgeordnete\/biografien18\/A\/annen_niels\/258148\">Senior Resident Fellow<\/a>&ldquo; beim <a href=\"http:\/\/www.gmfus.org\/\">German Marshall Fund<\/a> in Washington war und Mitglied der <a href=\"https:\/\/lobbypedia.de\/wiki\/Atlantik-Br%C3%BCcke\">Atlantikbr&uuml;cke<\/a> ist, gibt dann solche Propagandaspr&uuml;che von sich:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/spd-politiker-niels-annen-was-fuer-eine-aussenpolitik-plant.990.de.html?dram:article_id=378671\">Und die schlichte Wahrheit ist, dass Pr&auml;sident Assad nicht gegen die Terroristen der Terrormiliz IS k&auml;mpft. Er k&auml;mpft gegen die Opposition.<\/a>&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Auch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Burkhardt_M%C3%BCller-S%C3%B6nksen\">Burkhardt M&uuml;ller-S&ouml;nksen<\/a> (FDP) ist w&auml;hrend seiner Zeit als Mitglied des Verteidigungsausschusses nicht als Gegner einer global einsatzf&auml;higen Bundeswehr aufgefallen  <\/p><p>Der Charakter der einst von Dieter Lutz gegr&uuml;ndeten Bundeswehrkommission hat sich grundlegend ver&auml;ndert. Sie ist unter der neuen Leitung zu einem Organ geworden, das im Grundsatz den au&szlig;en- und sicherheitspolitischen Kurs der jeweiligen Bundesregierung mittr&auml;gt.<\/p><p>Damit reiht sie sich ein in die Institutionen, die sich einer transatlantisch konformen Beratung verschrieben haben wie die <a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/\">Stiftung Wissenschaft und Politik<\/a>, der deutsche Teil des <a href=\"http:\/\/www.gmfus.org\/offices\/berlin\">German Marshall Fund<\/a>, die <a href=\"https:\/\/www.baks.bund.de\/\">Bundesakademie f&uuml;r Sicherheitspolitik<\/a> oder das <a href=\"https:\/\/www.ispk.uni-kiel.de\/de\/mission-statement\">Institut f&uuml;r Sicherheitspolitik an der Universit&auml;t Kiel<\/a>. <\/p><p>Wie in zahlreichen anderen Gremien wird auch am ISFH mit zielgerichteter Personalpolitik verhindert, was schon Friedrich II. von Preu&szlig;en von Politikberatung forderte: Ich habe Sie zum Stabsoffizier gemacht, damit Sie wissen, wann Sie nicht gehorchen sollen.<\/p><p>Ob die wenigen aus der &Auml;ra Lutz in der Kommission Verbliebenen das Steuer noch einmal herumrei&szlig;en k&ouml;nnen, bleibt nach dem Tod von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reinhard_Mutz\">Reinhard Mutz<\/a> am 13. Dezember 2017 fraglich.<\/p><p>Nachbemerkung: unser Protagonist ist nach 2009 aus der Bundeswehrkommission ausgeschieden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 2. November 2017 brachten die NachDenkSeiten einen Bericht &uuml;ber die &uuml;blich gewordene <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=40869\">Eroberung wichtiger Einrichtungen durch Lobbyisten<\/a>. Dieser Text folgte auf andere Beitr&auml;ge, in denen wir darauf aufmerksam gemacht hatten, wie wichtige Einrichtungen unserer Gesellschaft von neoliberalen und Nato-orientierten Kr&auml;ften erobert werden. Angeregt davon schickte uns Jochen Scholz, jahrelang Berufsoffizier und friedenspolitisch aktiv,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41922\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,188,127,171],"tags":[358,368,1093,462,295,432,1611,466,1199,411,1977,1703],"class_list":["post-41922","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-bundesregierung","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-militaereinsaetzekriege","tag-bundeswehr","tag-bush-george-w","tag-clinton-bill","tag-jugoslawien","tag-kohl-helmut","tag-kosovo","tag-kriegsluegen","tag-nato","tag-ruehe-volker","tag-schroeder-gerhard","tag-transatlantische-partnerschaft","tag-voelkerrecht"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41922","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41922"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41922\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":41943,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41922\/revisions\/41943"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41922"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41922"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41922"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}