{"id":42007,"date":"2018-01-22T09:34:27","date_gmt":"2018-01-22T08:34:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42007"},"modified":"2018-12-30T13:48:11","modified_gmt":"2018-12-30T12:48:11","slug":"bitterer-auftakt-im-jahr-des-affen-1968","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42007","title":{"rendered":"Bitterer Auftakt im Jahr des Affen (1968)"},"content":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von <strong>Rainer Werning<\/strong> zur Erinnerung an die Gefangennahme der Besatzung der &bdquo;USS Pueblo&ldquo; durch Nordkorea &ndash; der Vorgang ist immer noch aktuell. Denn die damit verbundenen Emotionen sind bis heute wirksam. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7685\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-42007-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180123_Bitterer_Auftakt_im_Jahr_des_Affen_1968_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180123_Bitterer_Auftakt_im_Jahr_des_Affen_1968_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180123_Bitterer_Auftakt_im_Jahr_des_Affen_1968_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180123_Bitterer_Auftakt_im_Jahr_des_Affen_1968_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=42007-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180123_Bitterer_Auftakt_im_Jahr_des_Affen_1968_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180123_Bitterer_Auftakt_im_Jahr_des_Affen_1968_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Von Rainer Werning<\/em><\/p><p>Vor 50 Jahren, im Januar 1968, geriet die Besatzung der &raquo;USS Pueblo&laquo; in ann&auml;hernd einj&auml;hrige nordkoreanische Gefangenschaft, w&auml;hrend in Vietnam die sogenannte Tet-Offensive den Beginn des US-amerikanischen Milit&auml;rdebakels in S&uuml;dostasien markierte. Beide Ereignisse wirken bis heute nach und lassen manisch-repressive Milit&auml;rstrategen und &raquo;Falken&laquo; im politischen Washington vor allem mit Blick auf die schmachvolle &raquo;Pueblo-Aff&auml;re&laquo; gegen&uuml;ber Nordkoreas Nomenklatur noch immer auf Revanche sinnen. Was den endlich reaktivierten innerkoreanischen Dialog im Zeichen der am 9. Februar beginnenden Olympischen Winterspiele nicht gerade f&ouml;rdert.<br>\nAm 16. Januar trafen sich im kanadischen Vancouver die Au&szlig;enminister von 20 Staaten zu einer Nordkorea-Konferenz, auf der vor allem US-Au&szlig;enminister Rex Tillerson und sein japanischer Kollege Taro Kono einen unnachgiebigen Kurs versus Pj&ouml;ngjang steuerten und dessen Part w&auml;hrend der laufenden Gespr&auml;che mit Seoul als &laquo;Charmeoffensive&raquo; abtaten. China und Russland waren zu der Tagung nicht eingeladen. Ein Sprecher des chinesischen Au&szlig;enministeriums beklagte eine &laquo;Mentalit&auml;t wie im Kalten Krieg&raquo;, die nur Unstimmigkeiten sch&uuml;re und gemeinsame Bem&uuml;hungen f&uuml;r eine friedliche L&ouml;sung auf der Koreanischen Halbinsel untergrabe.<\/p><p>Seit dem Ende des Koreakrieges (1953) ist Nordkorea f&uuml;r die Vereinigten Staaten von Amerika geblieben, was es f&uuml;r sie stets war &ndash; &raquo;das B&ouml;se&laquo; schlechthin. Die US-Regierung sieht in der Volksrepublik nicht nur einen &raquo;Schurkenstaat&laquo;. Anfang 2002 erkl&auml;rte Pr&auml;sident George W. Bush das Land sogar als Teil einer omin&ouml;sen &raquo;Achse des B&ouml;sen&laquo; &ndash; neben Irak und Iran. Cineastisch sorgte der Ende November desselben Jahres in deutschen Kinos angelaufene James-Bond-Film &raquo;<em>Die Another Day<\/em>&laquo; (&raquo;Stirb an einem anderen Tag&laquo;) daf&uuml;r, dass dieses Feindbild intakt blieb &ndash; ja, noch kr&auml;ftig gesch&uuml;rt wurde. In diesem Streifen wird Nordkorea als Verb&uuml;ndeter eines M&ouml;chtegernweltherrschers dargestellt. Bond wird dort gefangen genommen und gefoltert. Die USA, konterte prompt die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA, wollten das Land &raquo;absichtlich verspotten und beleidigen&laquo;. Tats&auml;chlich seien die USA ein &raquo;Reich des B&ouml;sen&laquo;, das Hauptquartier f&uuml;r die &ndash; so w&ouml;rtlich &ndash; &raquo;Verbreitung von Abnormit&auml;t, Degeneration, Gewalt, korrupter Sexkultur&laquo; und von &raquo;moralischer Lepra&laquo; befallen.<\/p><p>Starker Tobak. Doch Pj&ouml;ngjang und Washington waren nie zimperlich im Umgang miteinander. Das resultiert aus den Erfahrungen des Koreakrieges und erst recht aus der bis heute in Washington nicht verwundenen Schmach &uuml;ber den sogenannten &raquo;USS Pueblo&laquo;-Vorfall, der sich vor f&uuml;nf Dekaden, auf dem H&ouml;hepunkt des Vietnamkrieges, in nordkoreanischen Gew&auml;ssern ereignete.<\/p><p>Am 23. Januar 1968 hatten nordkoreanische Patrouillenboote das US-amerikanische Schiff &raquo;USS Pueblo&laquo; vor der K&uuml;ste Nordkoreas aufgegriffen, die gesamte 83-k&ouml;pfige Besatzung unter dem Befehl von Kapit&auml;n Lloyd Mark &raquo;Skip&laquo; Bucher gefangen genommen und sie der Spionage bezichtigt. Die <em>Pueblo<\/em>, erkl&auml;rte die Regierung in Pj&ouml;ngjang, sei innerhalb der Zw&ouml;lf-Seemeilen-Zone aufgegriffen worden und somit unrechtm&auml;&szlig;ig in nordkoreanisches Terrain eingedrungen. Demgegen&uuml;ber sprach die US-amerikanische Regierung vom &raquo;Kapern&laquo; der <em>Pueblo<\/em>. Und die Zeitschrift <em>Pacific Stars &amp; Stripes<\/em> prangerte in Aufmachern das &ndash; so w&ouml;rtlich &ndash; &raquo;Hijacking eines US-Marineschiffes durch die Kommunisten&laquo; an.<\/p><p>Zw&ouml;lf Tage zuvor, am 11. Januar 1968, hatte die <em>Pueblo<\/em>, ein von der U.S. Navy f&uuml;r ihre Zwecke umgebautes Frachtschiff, den Hafen im japanischen Sasebo verlassen. Im Ostmeer, das die Japaner das Japanische Meer nennen, sollte es routinem&auml;&szlig;ige Erkundungstrips durchf&uuml;hren und in gemeinsamem Auftrag von US-Marine und Nationaler Sicherheitsbeh&ouml;rde (NSA) ozeanographische Daten sammeln. So jedenfalls stellte es der damalige Marineminister John Chafee dar. US-amerikanischen Berichten zufolge sei die <em>Pueblo<\/em> nicht mit der neuesten Navigationstechnik ausgestattet und die junge Besatzung unerfahren gewesen, so dass das Schiff m&ouml;glicherweise irrt&uuml;mlich die international anerkannte Zw&ouml;lf-Seemeilen-Zone &uuml;berschritten habe. Kapit&auml;n Bucher berichtete sp&auml;ter, die <em>Pueblo<\/em> sei pl&ouml;tzlich unter Beschuss geraten. Er habe zun&auml;chst keine akute Gefahr gewittert, zumal es gerade in diesen Gew&auml;ssern, wo auch sowjetische Spionageschiffe kreuzten, mitunter zu Scharm&uuml;tzeln gekommen war.<\/p><p>F&uuml;r die US-Marine jedenfalls bedeutete die &raquo;Aff&auml;re&laquo; eine herbe Schlappe. Mit der <em>Pueblo<\/em> n&auml;mlich fielen den Nordkoreanern strategisch sensible Daten in die H&auml;nde, die es unter anderem der mit ihnen befreundeten Sowjetunion erm&ouml;glichte, nachrichtendienstlich relevante Codes zu knacken. Nachdem die <em>Pueblo<\/em> lange Zeit in der Hafenstadt W&#335;nsan (an Nordkoreas Ostk&uuml;ste) ankerte, wurde sie sp&auml;ter in die im Westen gelegene Hauptstadt Pj&ouml;ngjang gebracht und dort auf dem Taedong-Fluss wie eine Troph&auml;e ausgestellt. Als sei das nicht schon schlimm genug, sickerten immer mehr Berichte durch, die gefangen genommenen Amerikaner seien in nordkoreanischer Haft gefoltert und einer Gehirnw&auml;sche unterzogen worden. Kapit&auml;n Bucher und seine Crew wurden von nordkoreanischer Seite gezwungen, ein Schuldeingest&auml;ndnis zu unterschreiben, was Pj&ouml;ngjang in den Medien weidlich ausschlachtete.<\/p><p><strong>Keine zweite Front in Asien<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend in den USA die Stimmen lauter wurden, die auf Rache sannen und einen Milit&auml;rschlag gegen Nordkorea bef&uuml;rworteten, setzte die damalige US-Administration unter Pr&auml;sident Lyndon B. Johnson auf eine politisch-diplomatische L&ouml;sung des Konflikts. Gegen&uuml;ber Pj&ouml;ngjang r&auml;umte die US-Regierung ein, die <em>Pueblo<\/em> habe die Hoheitsrechte der Volksrepublik verletzt und entschuldigte sich daf&uuml;r. Wenngleich der US-Vertreter in der Milit&auml;rischen Waffenstillstandskommission (MAC), Generalmajor Gilbert Woodward, dies mit der Erkl&auml;rung herunterspielte, es sei einzig um die Befreiung der <em>Pueblo<\/em>-Crew gegangen, wollte Johnson offensichtlich ein weiteres Fiasko in Asien vermeiden. Denn bereits im Fr&uuml;hjahr 1968 verdichteten sich die Anzeichen, dass die USA in S&uuml;dvietnam milit&auml;risch scheitern und eine Niederlage erleiden.<\/p><p>In der Nacht zum 31. Januar 1968 n&auml;mlich hatten Einheiten der Nationalen Front zur Befreiung S&uuml;dvietnams (FNL) und nordvietnamesische Verb&auml;nde anl&auml;sslich des Mondneujahrs im Tierkreiszeichen des Affen eine f&uuml;r ihre Gegner v&ouml;llig &uuml;berraschende Offensive gestartet, die als &raquo;Tet-Offensive&laquo; in die Annalen der Geschichte einging. F&uuml;r das Pentagon und seine Saigoner &raquo;Hilfstruppen&laquo;, die sich bis dahin siegessicher gezeigt hatten, bedeutete der Auftakt der Tet-Offensive ein Debakel und einen irreparablen Gesichtsverlust. Einheiten der FNL verwickelten in mehreren Gro&szlig;st&auml;dten S&uuml;dvietnams gleichzeitig US-Streikr&auml;fte in schwere Kriegshandlungen und hissten sogar ihre Fahne auf der Zitadelle der alten Kaiserstadt Hu&eacute;. Selbst in der damaligen Hauptstadt Saigon (heute Ho-Chi-Minh-Stadt) wurde das Hauptquartier von US-General Westmoreland, der Generalstab der Marionettenarmee, der Pr&auml;sidentenpalast sowie die Polizeizentrale angegriffen. <\/p><p>Wenngleich die Tet-Offensive auf beiden Seiten zu hohen Verlusten f&uuml;hrte, die das US-Oberkommando in einen &raquo;vollkommenen Sieg&laquo; umm&uuml;nzte, leitete sie eine strategische Kriegswende ein. Milit&auml;rische Niederlagen zwangen die USA trotz intensivem Bombardements der nordvietnamesischen Gro&szlig;st&auml;dte Hanoi und Haiphong an den Verhandlungstisch in Paris, wo nach z&auml;hen Debatten ein Kriegsende am 30. April 1975 besiegelt wurde &ndash; mit noch heute wirkm&auml;chtigen Bildern der hektischen Evakuierung des US-Botschaftspersonals in Saigon samt hochrangiger vietnamesischer Kollaborateure.<\/p><p>An Heiligabend 1968 &ndash; nach elfmonatiger Gefangenschaft &ndash; landeten schlie&szlig;lich 82 Mann der <em>Pueblo<\/em>-Besatzung unversehrt auf der Miramar Naval Air Station im kalifornischen San Diego und konnten dort im Rahmen einer emotionsgeladenen Welcome-Party in die Arme ihrer Liebsten zur&uuml;ckkehren. Ein US-amerikanischer Soldat war seinen Verletzungen erlegen, die er sich w&auml;hrend des Schusswechsels vor dem Aufgreifen der <em>Pueblo<\/em> zugezogen hatte.<\/p><p>Nach ihrer Freilassung aus nordkoreanischer Gefangenschaft wurde die <em>Pueblo<\/em>-Besatzung in ein langwieriges Verfahren verwickelt, in dem vor allem Kapit&auml;n Bucher ins Visier des US-Marinekommandos geriet. Er sollte als Hauptschuldiger f&uuml;r das Desaster hingestellt werden. Schlie&szlig;lich war dies in Friedenszeiten das erste Mal in der Geschichte der USA, dass das Land eines seiner Schiffe einer fremden Macht ausliefern musste, die es bis heute noch als Kriegstroph&auml;e zur Schau stellt. Eine Verurteilung Buchers und eines Teils seiner Crew durch ein Milit&auml;rgericht wurde letztlich vom Marineministerium und im Kongress mit dem Argument abgewiesen und verhindert, die <em>Pueblo<\/em>-Besatzung h&auml;tte bereits so sehr gelitten, dass eine zus&auml;tzliche Bestrafung der Soldaten unangemessen w&auml;re.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Dr. Rainer Werning<\/strong>, Politikwissenschaftler &amp; Publizist mit den Schwerpunkten Ost- und S&uuml;dostasien, ist u.a. Koautor des in K&uuml;rze in der <em>Edition Berolina<\/em> (Berlin) erscheinenden Buches &raquo;<em>Brennpunkt Nordkorea<\/em>&laquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von <strong>Rainer Werning<\/strong> zur Erinnerung an die Gefangennahme der Besatzung der &bdquo;USS Pueblo&ldquo; durch Nordkorea &ndash; der Vorgang ist immer noch aktuell. 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