{"id":42023,"date":"2018-01-23T09:06:55","date_gmt":"2018-01-23T08:06:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42023"},"modified":"2018-12-30T16:04:53","modified_gmt":"2018-12-30T15:04:53","slug":"high-noon-in-caracas-oscar-perez-und-die-rebellen-bastelstube-des-mainstreams","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42023","title":{"rendered":"High Noon in Caracas \u2013 \u00d3scar P\u00e9rez und die \u201eRebellen\u201d-Bastelstube des Mainstreams"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180123_op2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>&ldquo;Alarmstufe Rot im Bundeskanzleramt!&rdquo; &ndash; Eine einleitende Fiktion. Felix Krauskopf, ein Polizeibeamter des deutschen BKA, kapert einen Hubschrauber der Beh&ouml;rde, kreist damit in Begleitung schwerbewaffneter Kumpane &uuml;ber Berlin, wirft Granaten &uuml;ber dem Innenministerium ab und feuert mit automatischen Sturmgewehren 15 Sch&uuml;sse auf das Justizministerium, l&auml;dt einen Aufruf gegen die Fl&uuml;chtlingspolitik und zum Sturz der Bundesregierung auf YouTube hoch und verschwindet spurlos. Der verlassene Hubschrauber wird in Strandn&auml;he von Warnem&uuml;nde gefunden, weshalb die Bundesregierung vermutet, der T&auml;ter habe sich nach Skandinavien abgesetzt &ndash; Fehlanzeige! Ein Bericht von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWochen sp&auml;ter taucht Krauskopf auf einer Demonstration der Pegida in Dresden auf und &ndash; Gipfel der Neckerei! &ndash; gibt dem TV-Sender Russia Today ein k&auml;mpferisches Interview, in dem er sich und seine Kumpane zu &bdquo;Gotteskriegern im Kampf gegen die Islamisierung des Abendlandes&ldquo; erkl&auml;rt. Die russischen Medien zelebrieren den gemeingef&auml;hrlichen Gewaltt&auml;ter als &bdquo;Helden des Christentums im Kampf gegen ein tyrannisches EU-Land&ldquo;. Drei Monate sp&auml;ter &uuml;berf&auml;llt der &bdquo;Held&ldquo; mit 15 als BKA-Agenten verkleideten Mitt&auml;tern eine Polizei-Kaserne in Potsdam. Sie bedrohen die 20 &uuml;berraschten Polizisten, legen ihnen Handschellen und Mundknebel an, sperren sie in eine Zelle, stehlen ein beachtliches Waffenarsenal und Uniformen. Und verschwinden wieder. Die Bundesregierung ist zu Recht emp&ouml;rt: Von Buenos Aires &uuml;ber Kapstadt bis Kuala Lumpur wird Krauskopf als freiheitlicher &bdquo;Rebell&ldquo; gefeiert.<\/p><p>BKA und BND gelingt es, Krauskopf aufzusp&uuml;ren, die GSG 9 umstellt sein Versteck in K&ouml;nigs-Wusterhausen. Sieben lange Stunden f&uuml;hren die vor dem Versteck in Deckung gegangenen Beamten Verhandlungen &uuml;ber einen friedlichen Ausgang. Krauskopf und seine Kumpane sollen die Waffen strecken, sich ergeben, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe sich f&uuml;r ihr Leben verb&uuml;rgt. Mit Handy-&Uuml;bertragung an soziale Netzwerke schreit Krauskopf, er wolle sich zwar ergeben, doch die GSG 9 wolle ihn &bdquo;ermorden&ldquo;. Was das Zeug h&auml;lt, feuern seine Kumpane Granaten und Sturmgewehr-Munition auf die Polizei ab. Ausgerechnet ein von den Terroristen herbeigew&uuml;nschter Verhandlungsf&uuml;hrer der Polizei wird von ihnen niedergeschossen. Nachdem ein zweiter Polizist t&ouml;dlich getroffen und mehrere Beamte schwer verletzt werden, entscheidet sich die GSG 9 zur Extrem-Verteidigung und schie&szlig;t eine Panzerfaust in das Versteck. Unter den Ruinen: sieben Tote.<\/p><p>Wie aber beschreibt das deutsche Kriminalrecht die Taten Krauskopfs, wie w&uuml;rden Regierung und die deutschen Medien den T&auml;ter bezeichnen? Als Terror und Terroristen, selbstverst&auml;ndlich. Was aber passiert, wenn das Drama in Venezuela aufgef&uuml;hrt wird? Dann gelten weder Rechtsbegriff noch der Schutzanspruch des Rechtsstaates &ndash; Pech gehabt, lieber Leser!<\/p><p><strong>Showdown in El Junquito<\/strong><\/p><p>Die Rede ist von &Oacute;scar P&eacute;rez, dem am vergangenen Montag, den 15. Januar, in El Junquito, bei Caracas, mit sechs Kampfgenossen ums Leben gekommenen venezolanischen Terroristen. S&auml;mtliche konservative Medien Venezuelas, Lateinamerikas und des internationalen Mainstreams beeilten sich, die Einkesselung des ehemaligen Elite-Polizisten als &bdquo;Massaker&ldquo; der Truppen Nicol&aacute;s Maduros an freiheitsliebenden &bdquo;Rebellen&ldquo; umzubiegen.<\/p><p>Man kann dar&uuml;ber streiten, ob anstelle der Panzerfaust ein Tr&auml;nengas-Angriff gegen die hoffnungslos umstellten Gewaltt&auml;ter nicht effektiver gewesen w&auml;re, um sie lebend aus dem Versteck zu treiben. Doch scherte sich P&eacute;rez um das Leben der Polizisten? Kann man sich in die Lage der sich lebensbedroht f&uuml;hlenden Polizisten versetzen &ndash; von denen bereits zwei tot am Boden liegen &ndash; die mit einer schweren Waffe dem Spuk ein Ende bereiteten? In jeder westlichen Demokratie w&auml;re das Mittel zum Zweck l&auml;ngst heiliggesprochen worden.<\/p><p>Umgekehrt soll das &bdquo;Massaker&ldquo;- und das &bdquo;Rebellen&ldquo;-Narrativ offenbar die ohnehin negative Medienstimmung gegen&uuml;ber Venezuela mit der Klage der ehemaligen, zwischenzeitlich exilierten Generalstaatsanw&auml;ltin Luisa Ortega D&iacute;az befeuern, die beim Internationalen Haager Gerichtshof wegen &bdquo;Verbrechen gegen die Menschlichkeit&ldquo;, mit der angeblichen T&ouml;tung von 8.000 Regimegegnern, gegen die Regierung Nicol&aacute;s Maduro Klage einreichte. Eine &auml;hnlich lautende Klage wurde von circa 100 konservativen chilenischen und kolumbianischen Abgeordneten eingereicht.<\/p><p><strong>&Oacute;scar P&eacute;rez&acute; &bdquo;Heldentaten&ldquo;<\/strong><\/p><p>Ende Juni 2017 hatte sich der 37-j&auml;hrige Elite-Polizist des Amtes f&uuml;r kriminaltechnische Ermittlungen Venezuelas (CICPC) mit einem spektakul&auml;ren Beschuss von Regierungsgeb&auml;uden auf die Titelseiten der Weltmedien katapultiert, als aus dem von ihm gekaperten Beh&ouml;rden-Hubschrauber 4 Sprengk&ouml;rper abgeworfen und 15 Sch&uuml;sse aus automatischen Sturmgewehren auf das Innenministerium und den Obersten Gerichtshof Venezuelas <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39150\">abgefeuert wurden<\/a>. Ebenso spektakul&auml;r, wie der Hubschrauber aufgetaucht war, entkam auch das Terrorkommando ungehindert am Himmel &uuml;ber der Hauptstadt. Tags darauf wurde das Flugzeug auf einer Waldlichtung hinter dem rund 80 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Badeort Osma gefunden.<\/p><p>Das Terror-Unternehmen war als Auftakt f&uuml;r Massenaufm&auml;rsche und den blitzartigen Sturz der chavistischen Regierung geplant, fand jedoch kaum Resonanz in der &uuml;berraschten und zweifelnden Bev&ouml;lkerung. Die Regierung mutma&szlig;te zun&auml;chst, die spurlos verschwundenen T&auml;ter seien auf dem Seeweg auf eine benachbarte Insel der Karibik entkommen und ersuchte Interpol um internationale Polizeihilfe. Doch mit Osma hatte der pfiffige P&eacute;rez eine falsche Spur gelegt und war in Venezuela selbst untergetaucht.<\/p><p>Schon wenige Wochen sp&auml;ter, Mitte Juli, verbl&uuml;ffte er Regierung und &Ouml;ffentlichkeit, als er w&auml;hrend eines Protestmarsches der Ultrakonservativen in der Provinz Altamira aus dem Untergrund auftauchte und umgeben von vermummten <em>Guarimbero<\/em>-Gewaltt&auml;tern ein Online-Interview f&uuml;r CNN gab, in dem er das Recht der Venezolaner auf &bdquo;Selbstverteidigung&ldquo; beanspruchte und <a href=\"http:\/\/cnnespanol.cnn.com\/video\/cnnee-sot-raw-oscar-perez-llego-a-las-mnaifestaciones-nocturas-en-altamira\/\">erkl&auml;rte<\/a>, &bdquo;es ist Zeit, dass die Narco-Regierung zum Sturz kommt!&ldquo;. Damit war allerdings die von der rechten Opposition vergeblich geleugnete Verbindung zwischen militanten <em>Guarimberos<\/em> und Terror erwiesen.<\/p><p>Eine Woche vor Weihnachten 2017 kommandierte P&eacute;rez den &Uuml;berfall von 15 M&auml;nnern in schwarzer Uniform, ausgestattet mit Ausweisen der Generaldirektion f&uuml;r milit&auml;rische Spionageabwehr (DGCIM), auf die Polizei-Kaserne San Pedro de los Altos im S&uuml;den von Caracas, bei dem ein beachtliches Waffenarsenal und Milit&auml;r-Uniformen gestohlen wurden. Den gefangenen, geknebelten und lebensbedrohten Polizeibeamten gelang die Befreiung erst, nachdem sie ein Loch in eine Zellenwand schlugen. Nach diesem Anschlag erkl&auml;rte die Regierung Maduro den &bdquo;El Piloto&ldquo;, wie er zwischenzeitlich im Volksmund genannt wurde, zum meistgesuchten Mann Venezuelas.<\/p><p><strong>&bdquo;Neusprech&ldquo; oder die Aufzucht zum Medien-&bdquo;Rambo&ldquo;<\/strong><\/p><p>Dem Flieger-Polizisten war seine Karriere seit langem zu wenig. Er war besessen von der Idee, sich und seine Abenteuer als Chef der Flugoperationen des CICPC in Szene zu setzen. So entstand in einer Koproduktion von P&eacute;rez mit dem Produzenten Adolfo L&oacute;pez und mit der Regie Oscar Rivas Gamboas der 2016 in Venezuela uraufgef&uuml;hrte Spielfilm Muerte Suspendida (&bdquo;Verz&ouml;gerter Tod&ldquo;) (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mGjjLOoXDPw\">offizieller Filmtrailer<\/a>) &ndash;  ein US-amerikanischen B-Action-Streifen abgeguckter Krimi mit realem Hintergrund &uuml;ber den Entf&uuml;hrungs- und Erpressungsfall eines portugiesischen Unternehmers, bei dem widerlich gefoltert wird und mit harten Schnitten und abgedroschenen Stilmitteln, wie halsbrecherische Auto-Rasereien und ohrenbet&auml;ubende Ballereien, der Zuschauer in Atem gehalten werden und auf &bdquo;seine Polizei&ldquo; stolz sein soll.  Zweimal darf geraten werden, wer der Held der Befreiungsaktion des entf&uuml;hrten Unternehmers ist. Zufall oder grenz&uuml;bergreifender Modus Operandi?<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180123_op3.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Mit &auml;hnlichem medialen Eifer setzte sich 2017 das von rechtsextremen Polizisten, Staatsanw&auml;lten und Richtern in Brasilien kommandierte &bdquo;Unternehmen Waschanlage&ldquo; zur angeblichen &bdquo;Korruptionsbek&auml;mpfung&ldquo; mit dem Propagandafilm &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8gL3iNNr0cQ\">Policia Federal Filme &ndash; A lei e para todos sobre opera&ccedil;&atilde;o lava jato<\/a>&ldquo; (&bdquo;Policia Federal, das Gesetz kennt keine Ausnahmen&rdquo;) in Szene, der mit Geheimfinanzierung produziert wurde und Stimmung f&uuml;r die Verfolgung der Arbeiterpartei (PT) und die Verurteilung von Altpr&auml;sident Lula zu 9,5 Jahren Haft erzeugen sollte.<\/p><p>Mit &bdquo;Verz&ouml;gerter Tod&ldquo; spielte sich &Oacute;scar P&eacute;rez in die Schlagzeilen der Medienwelt und tr&auml;umte vom unsterblichen Dasein. Als selbsternannter Tempelritter oder Highlander im Kreuzzug gegen den Chavismo war ihm jedes Gewaltmittel heilig.<\/p><p>Im Fall &Oacute;scar P&eacute;rez brillierte der sprachpolitisch verunstaltete Journalismus einmal mehr mit Ungereimtheiten. Bei <em>Spiegel Online<\/em> war die Rede von einem &bdquo;abtr&uuml;nnigen Polizisten&ldquo;, &bdquo;Anf&uuml;hrer der Aufst&auml;ndischen&ldquo; und von &bdquo;Rebellen&ldquo;, der Begriff Terrorismus kommt allein und sp&ouml;ttisch als Zitat Nicol&aacute;s Maduros vor.<\/p><p>N&auml;chster Schritt ist die Infragestellung oder Relativierung der Fakten, man beachte die Konditional-Sprache, mit Worten wie &bdquo;angeblich&rdquo; und &bdquo;soll gemacht haben&rdquo;. &bdquo;Auch zwei Angeh&ouml;rige der Sicherheitskr&auml;fte wurden get&ouml;tet, hie&szlig; es. Angeblich soll es auch zu Granatenbeschuss gekommen sein&rdquo;, kommentiert, aber berichtet nicht Spiegel Online und relativiert den terroristischen Charakter der Anschl&auml;ge: &bdquo;Maduro sprach von einem &acute;Putschversuch und Terrorakt&acute;. Die Gruppe um P&eacute;rez soll zudem Kasernen angegriffen und Waffen gestohlen haben&ldquo;. Man staune auch nicht mehr. Als es auf das Ende des aus Meldungen <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/venezuela-militaer-toetet-staatsfeind-nr-1-oscar-perez-a-1188262.html\">zusammengeklaubten Textes<\/a> zugeht, wird eine zentrale Parole von P&eacute;rez gar nicht mehr in G&auml;nsef&uuml;&szlig;chen gesetzt, sondern offenbar als politische Deklaration verwendet: <em>Kampf gegen Sozialismus<\/em>.<\/p><p>Ungest&ouml;rt von den terroristischen Umtrieben des Venezolaners widmete die spanischsprachige Ausgabe von Deutsche Welle Online P&eacute;rez gar eine <a href=\"http:\/\/www.dw.com\/es\/maduro-y-la-masacre-de-el-junquito\/a-42213860\">Bildgalerie<\/a>, deren Untertitel die These vom medial aufgebauschten &bdquo;Freiheitshelden&ldquo; aufs Peinlichste attestiert. Der Bildtext &bdquo;Der ,Rambo&acute; mit den hellen Augen&rdquo; feiert P&eacute;rez&acute; Hubschrauber-Attentat nahezu als Popularit&auml;ts-Coup. Die n&auml;chste Bildbeschreibung &ndash; &bdquo;Film- und Waffen-Narr&rdquo;- kitzelt mit frivolem Boulevard-Jargon am Neugierde-Nerv des Lesers: &bdquo;Seine bewaffnete Aktion, die einherging mit einem Aufruf gegen die Regierung Nicol&aacute;s Maduro und der Vorstellung seiner Gruppe als &bdquo;Gotteskrieger&ldquo;, sch&auml;rfte das Interesse, mehr &uuml;ber diesen 36-j&auml;hrigen Mann zu erfahren, der gegen den Chavismo zu den Waffen griff. Dann erfuhr man, dass er in einem Film mitgespielt hatte, ein Liebhaber von Waffen war und Hunde zur Aufsp&uuml;rung von Drogen dressierte&rdquo;. Mit &bdquo;Untergetaucht, doch in Medienn&auml;he&rdquo;, benennt die darauffolgende Bildzeile P&eacute;rez&acute; intensive Instagram-, Twitter- und YouTube-Nutzung, dessen Mobiltelefon-&Uuml;bertragung schlie&szlig;lich zu seiner Ortung beigetragen hat. Eine durchschaubare und blamable Inszenierung des deutschen Staatssenders, dem in der Berichterstattung &uuml;ber P&eacute;rez&acute; Ende nichts Besseres einfiel, als sich undifferenziert auf die Versionen eines Destabilisierung-Mediums wie <a href=\"http:\/\/www.dw.com\/es\/el-nacional-muerte-de-%C3%B3scar-p%C3%A9rez-fue-asesinato-de-un-opositor\/a-42178766\"><em>El Nacional<\/em> zu berufen<\/a>.<\/p><p><strong>&Oacute;scar P&eacute;rez&acute; letzte Stunden als Realityshow<\/strong><\/p><p>Welche Polizei auf der Welt verhandelt sieben Stunden lang mit Terroristen, anstatt bei der Umstellung der Attent&auml;ter gleich kurzen Prozess zu machen? Antwort: eine professionell handelnde Polizei, der mehr an der Gefangennahme und dem Verh&ouml;r liegt als an der kaltbl&uuml;tigen Liquidierung der Attent&auml;ter, deren Tod schlie&szlig;lich ihre Geheimnisse mit zu Grabe tr&auml;gt. So geschehen in El Junquito, wo Sondereinheiten der Polizei (FAES) bereits um 4 Uhr in der Nacht die Villa eines Neurochirurgen umstellt hatten, in der sich P&eacute;rez mit weiteren sechs Kameraden versteckt hielt.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180123_op1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Wie P&eacute;rez&acute; eigene Handy-Videos einpr&auml;gsam und &uuml;berzeugend zeigen, betrieb der schlaue &bdquo;Pilot&ldquo;, wie er zwischenzeitlich im Volksmund genannt wurde, ein Doppelspiel: w&auml;hrend er dem Polizeihauptmann am Fu&szlig; des Verstecks versichert, er wolle sich ergeben, feuern seine Kameraden mit Granaten und automatischen Waffen auf die Beamten. In Parallelhandlung l&auml;dt P&eacute;rez Selfie-Videos in Realzeit mit blut&uuml;berstr&ouml;mtem Gesicht auf soziale Netzwerke, in denen er &auml;chzt und schreit, &bdquo;sie wollen uns umbringen!&ldquo;.<\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich sind der Demokratie-Begriff und der Umgang Nicol&aacute;s Maduros&acute; und des harten Kerns des regierenden Chavismo mit der Realit&auml;t &ndash; insbesondere ihrer Installierung der Verfassungsgebenden Versammlung &ndash; nicht akzeptabel, doch sollte man ebenso behaupten d&uuml;rfen, dass Perez &lsquo; Version seiner Einkesselung rasch von einheimischen und internationalen Kommerz-Medien vereinnahmt und als potenzielle rechtswidrige Exekution der venezolanischen Regierung dargestellt wurde. Der Showdown der Terroristen in El Junquito wurde von P&eacute;rez&acute; Realzeit-&Uuml;bertragung der Ereignisse in den sozialen Netzwerken als Realityshow inszeniert, die sich im Handumdrehen wie ein Virus verbreitete, hei&szlig;t es treffend im <a href=\"http:\/\/misionverdad.com\/COLUMNISTAS\/mitificacion-del-terrorismo-y-fetiche-a-la-violencia-la-defensa-de-oscar-perez\">Essay<\/a> einer venezolanischen Plattform f&uuml;r politische Analysen (Medien und Mystifizierung des Terrorismus: die miserable Verteidigung von &Oacute;scar P&eacute;rez &ndash; Misi&oacute;n Verdad, 15. Januar 2018).<\/p><p>&bdquo;Die von Minute zu Minute von P&eacute;rez ausgestrahlten Videobilder waren eine treue Widerspiegelung seiner vorangegangenen, &ouml;ffentlichen Auftritte. In seinem ersten Video, bevor er das Innenministerium und den Obersten Gerichtshof mit Granaten beschoss, hatte er sich bereits als &acute;Rebell gegen Maduro&acute; erkl&auml;rt. &Auml;hnliche, medial inszenierte Auftritte wiederholten sich w&auml;hrend der Proteste von 2017 und dem &Uuml;berfall auf die Kaserne der Bolivarischen Nationalgarde (GNB). In diesem Zusammenhang wurde er von CNN als politische Pers&ouml;nlichkeit interviewt, um ihn vor der &Ouml;ffentlichkeit zu legitimieren&rdquo;, behauptet <em>Misi&oacute;n Verdad<\/em>.<\/p><p>Doch in El Junquito wurde das Narrativ mit einem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8VMV4q_jarw\">Video<\/a> widerlegt, in dem deutlich zu sehen und zu h&ouml;ren ist, dass die FAES-Beamten sich um ernstgemeinte Verhandlungen &uuml;ber die friedliche Ergebung der bewaffneten P&eacute;rez-Zelle bem&uuml;hten &ndash; jedoch f&uuml;r die Katz.<\/p><p>Unter den Tr&uuml;mmern des P&eacute;rez-Verstecks fand die Polizei 7 Handys, 17 russische AK-103-Gewehre, 1 Scharfsch&uuml;tzen-30-30-Gewehr, 1.876 Schuss Munition verschiedener Kaliber, 6 nicht explodierte Granaten und 4 Reisep&auml;sse. F&uuml;nf zuvor verhaftete Mitglieder der P&eacute;rez-Gruppe wurden von der Staatsanwaltschaft des Milit&auml;rs verh&ouml;rt und sollen P&eacute;rez&acute; letzten Unterschlupf verraten haben. Das &Uuml;brige taten des &bdquo;Rebellen&ldquo; ungez&uuml;gelte Medienauftritte.<\/p><p>Die am 15. Januar ins Leichenschauhaus Cello Monte eingelieferten menschlichen &Uuml;berreste &Oacute;scar Alberto P&eacute;rez&acute; wurden erst sechs Tage nach seinem Tod, in der Nacht zum 21. Januar, auf dem Ostfriedhof von Caracas beerdigt. Der Bestattung durften nur eine Tante und eine Cousine beiwohnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/180123_op2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>&ldquo;Alarmstufe Rot im Bundeskanzleramt!&rdquo; &ndash; Eine einleitende Fiktion. Felix Krauskopf, ein Polizeibeamter des deutschen BKA, kapert einen Hubschrauber der Beh&ouml;rde, kreist damit in Begleitung schwerbewaffneter Kumpane &uuml;ber Berlin, wirft Granaten &uuml;ber dem Innenministerium ab und feuert mit automatischen Sturmgewehren 15 Sch&uuml;sse auf das Justizministerium,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42023\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,20,183,166],"tags":[1276,1440,2071,421,663,420,1333],"class_list":["post-42023","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-landerberichte","category-medienkritik","category-terrorismus","tag-attentat","tag-internationaler-strafgerichtshof","tag-maduro-nicolas","tag-polizei","tag-putsch","tag-spiegel","tag-venezuela"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42023","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=42023"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42023\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48102,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42023\/revisions\/48102"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=42023"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=42023"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=42023"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}