{"id":42039,"date":"2018-01-24T08:36:30","date_gmt":"2018-01-24T07:36:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42039"},"modified":"2019-01-30T11:21:22","modified_gmt":"2019-01-30T10:21:22","slug":"oeffentlich-rechtliche-gegenaufklaerung-ueber-1968-von-goetz-eisenberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42039","title":{"rendered":"\u00d6ffentlich-rechtliche Gegenaufkl\u00e4rung \u00fcber 1968. Von G\u00f6tz Eisenberg."},"content":{"rendered":"<p>Die Sendung &ldquo;ttt &ndash; titel, thesen, temperamente&rdquo; brachte am Sonntag, den 14 Januar 2018 <a href=\"http:\/\/mediathek.daserste.de\/ttt-titel-thesen-temperamente\/1968-und-die-Folgen-Was-ist-von-damals\/Video?bcastId=431902&amp;documentId=49149614\">einen Beitrag<\/a> zum 50. Jahrestag der 68er Revolte, den 3-sat in der Sendung Kulturzeit vom 17. Januar wiederholt hat. &bdquo;F&uuml;nf Minuten &uuml;ber die Ideen von 68&ldquo; zu reden, das sei &bdquo;gaga&ldquo;, sagte Daniel Cohn-Bendit. Warum l&auml;sst er sich, wenn er das erkannt hat, auf so einen Unfug ein? Man muss nicht in jedes Mikrophon reinreden, das einem hingehalten wird! Das blieb dann aber auch eine der wenigen richtigen Bemerkungen in diesem Beitrag.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4936\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-42039-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180124_Oeffentlich_rechtliche_Gegenaufklaerung_ueber_1968_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180124_Oeffentlich_rechtliche_Gegenaufklaerung_ueber_1968_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180124_Oeffentlich_rechtliche_Gegenaufklaerung_ueber_1968_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180124_Oeffentlich_rechtliche_Gegenaufklaerung_ueber_1968_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=42039-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180124_Oeffentlich_rechtliche_Gegenaufklaerung_ueber_1968_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180124_Oeffentlich_rechtliche_Gegenaufklaerung_ueber_1968_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Drei Veteranen der 68er Bewegung kamen zu Wort: Der Historiker und fr&uuml;here Maoist G&ouml;tz Aly, der Fotograf Michael Ruetz und der bereits erw&auml;hnte Daniel Cohn-Bendit, einst zentrale Figur des Mai 68 in Frankreich, sp&auml;ter Europa-Abgeordneter der Gr&uuml;nen und Bef&uuml;rworter der deutschen Beteiligung am Balkankrieg. <em>68<\/em> sei eine &bdquo;tolle Zeit&ldquo; gewesen, &bdquo;es war wunderbar&ldquo;, fuhr Cohn-Bendit fort. Was von <em>68<\/em> geblieben sei? &bdquo;Nichts und alles.&ldquo; Sp&auml;ter erinnerte er daran, dass Frauen bis in die 1960er Jahre ohne Genehmigung ihres Mannes kein Konto er&ouml;ffnen und keinen Arbeitsvertrag unterschreiben durften. Die Revolte habe in diesem Feld bleibende Spuren in der deutschen Gesellschaft hinterlassen und deutliche Fortschritte in deren Modernisierung bewirkt. War das alles? All das, was Cohn-Bendit hier aufz&auml;hlte, h&auml;tte sich &uuml;ber kurz oder lang auch ohne Revolte durchgesetzt, weil es im Trend der gesellschaftlichen Entwicklung lag. Die Revolte hat Modernisierungsprozesse lediglich beschleunigt. H&auml;tte man auf dem H&ouml;hepunkt der Revolte einen der Akteure gefragt, ob er zur Modernisierung der kapitalistischen Gesellschaft beitragen m&ouml;chte, w&auml;re man ausgelacht worden.<\/p><p>G&ouml;tz Aly wiederholte die Thesen aus seinem Buch mit dem uns&auml;glichen Titel <em>Unser Kampf<\/em>, denen zufolge es sich bei den 68ern um Wiederg&auml;nger der Nazis handelte: &bdquo;In uns lebte das Freund-Feind-Denken fort, das aus dieser kriegerischen Gesellschaft gekommen ist. In uns lebten auch sehr viele illiberale, totalit&auml;re Vorstellungen fort.&ldquo; Michael Ruetz f&uuml;gte hinzu, es habe damals ein &bdquo;schickes lustvolles Betroffenheitsgef&uuml;hl&ldquo; gegeben, &bdquo;das jedermann genossen hat&ldquo;. Worin das bestanden haben soll, sagt er nicht. Ich wei&szlig; jedenfalls nicht, was damit gemeint sein soll. In Fortsetzung der Thesen von Aly sagte er: &bdquo;Wir waren dabei, ohne es zu merken, uns dem Dritten Reich wieder anzun&auml;hern.&ldquo; <\/p><p>In der Moderation zwischen den Interviews fielen S&auml;tze wie: &bdquo;Es ging um alles, mit allen Mitteln&ldquo;. Die zwei Seiten von 68: &bdquo;Der gute Glaube, alles von Grund auf neu gestalten zu k&ouml;nnen, und die t&ouml;dliche Militanz, mit der manche die Ideen durchsetzen wollten.&ldquo; Damit es auch der Letzte kapiert: Die Radikalit&auml;t der 68er m&uuml;ndet in die Gewalt der RAF. In der RAF kommt die 68er Revolte zur Kenntlichkeit. Kein Klischee wurde ausgelassen. Es war ein Beitrag, nach dessen Betrachtung j&uuml;ngere Zuschauer sich gesagt haben werden: &bdquo;Okay, da hab ich nix verpasst. Gut, dass es vorbei ist.&ldquo; Nichts war &uuml;ber die Theoriebildung zu h&ouml;ren, nichts &uuml;ber den libert&auml;ren Kommunismus und den westlichen Marxismus, an die die Revolte ankn&uuml;pfte und die damals wiederbelebt wurden, nichts &uuml;ber die Utopien von einer humanen, solidarischen Gesellschaft, einer Gesellschaft ohne Krieg, ohne Grausamkeit, ohne Brutalit&auml;t, ohne Ausbeutung und Unterdr&uuml;ckung, ohne systematisch erzeugte Dummheit und ohne H&auml;sslichkeit. Eine solche Gesellschaft w&auml;re l&auml;ngst m&ouml;glich. Was steht ihrer Einrichtung entgegen, wer und was verhindert sie, wie k&ouml;nnen wir dorthin gelangen? Nichts war zu h&ouml;ren vom Gef&uuml;hl des &bdquo;existentiellen Ekels&ldquo;, von dem Rudi Dutschke sprach, von dem Gef&uuml;hl, dass einem der Atem genommen wird und dass man sich Luft verschaffen muss. Nichts von der Gewalt des Staates, die erst die Gegengewalt der Revolte hervorbrachte. Kein Wort &uuml;ber Psychiatrie- und Strafrechtsreform. Nichts &uuml;ber die Erfahrung des &ouml;ffentlichen Gl&uuml;cks und der Befreiung. Nichts &uuml;ber die gro&szlig;e Leistung der Revolte, den Protest gegen sinnentleerte Formen des Verzichts und Gehorsams und eine rigide Sexualmoral, die Befreiung der p&auml;dagogisch verschwiegenen und versteiften K&ouml;rper im Rhythmus der neuen rebellischen Musik mit dem Kampf gegen Ausbeutung und Unterdr&uuml;ckung im eigenen Land und dem der Befreiungsbewegungen in der so genannten Dritten Welt zu verbinden. Nichts &uuml;ber die Wendung der Revolte gegen den zur Legitimationsideologie b&uuml;rokratisch-sozialistischer Herrschaft erstarrten Marxismus-Leninismus, nichts &uuml;ber ihre Verdienste um die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit. Kurzum: Es war ein dummer, gegenaufkl&auml;rerischer Beitrag. Beitr&auml;ge wie dieser sind aber nicht lediglich Bullshit. Sie haben die Funktion, die Menschen gegen die besseren M&ouml;glichkeiten der Gesellschaft zu immunisieren.<\/p><p>Dabei m&uuml;sste es Daniel Cohn-Bendit doch eigentlich besser wissen. In seinem Buch <em>Der gro&szlig;e Basar<\/em> berichtet er von der heilsamen Kraft der Tage und N&auml;chte auf den Barrikaden des Pariser Mai 1968: &bdquo;Die Stimmung auf den Barrikaden wird f&uuml;r mich immer ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Das gemeinsame Handeln materialisierte sich im Aufrei&szlig;en des Stra&szlig;enpflasters und im Bau der Barrikaden. Hier wurden die Grundlagen f&uuml;r das Entstehen neuer emotionaler Beziehungen gelegt. Diese Barrikadengemeinschaft verk&ouml;rperte den gro&szlig;en Einbruch der Zukunft in die Gegenwart. Diese Nacht hat viele Psychoanalytiker arbeitslos gemacht. Tausende von Leuten versp&uuml;rten die Lust, miteinander zu reden und zu lieben. Seht Euch die Fotos dieser Nacht an und Ihr werdet bei vielen das Erstaunen dar&uuml;ber bemerken, dort zu sein. In dieser Nacht wurde mein Optimismus in Bezug auf die Geschichte geboren. Nachdem ich diese Stunden erlebt habe, werde ich nie mehr sagen: es ist unm&ouml;glich!&ldquo; <\/p><p><em><strong>Anmerkung Albrecht M&uuml;ller:<\/strong> Der Vorgang ist ein gutes Beispiel daf&uuml;r, dass diejenigen, die auf Jagd nach FakeNews bei den anderen, vor allem bei den alternativen Medien, gehen, diese FakeNews selbst produzieren. Im konkreten Fall macht das zum 50-J&auml;hrigen der 68er die Sendung &bdquo;ttt&ldquo; von der ARD. Die Anstalt der sogenannten Faktenfinder beherbergt also auch die Absender der Desinformation.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sendung &ldquo;ttt &ndash; titel, thesen, temperamente&rdquo; brachte am Sonntag, den 14 Januar 2018 <a href=\"http:\/\/mediathek.daserste.de\/ttt-titel-thesen-temperamente\/1968-und-die-Folgen-Was-ist-von-damals\/Video?bcastId=431902&amp;documentId=49149614\">einen Beitrag<\/a> zum 50. 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