{"id":4212,"date":"2009-09-23T11:17:07","date_gmt":"2009-09-23T09:17:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4212"},"modified":"2019-07-23T18:56:58","modified_gmt":"2019-07-23T16:56:58","slug":"wie-die-bertelsmann-stiftung-neues-vertrauen-zurueckgewinnen-will-ein-rueckblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4212","title":{"rendered":"Wie die Bertelsmann Stiftung neues Vertrauen zur\u00fcckgewinnen will \u2013 Ein R\u00fcckblick"},"content":{"rendered":"<p>Am 17.09.2009 berichteten wir in den <a href=\"?p=4198#h11\">Hinweisen des Tages<\/a> &uuml;ber die Bildung einer &bdquo;Task-Force&ldquo; durch die Bertelsmann Stiftung zum Thema &ldquo;Perspektive 2020 &ndash; Deutschland nach der Krise&rdquo;.<br>\nSolche Aktivit&auml;ten der Bertelsmann Stiftung, die gesellschaftspolitische Agenda zu bestimmen, sind nicht neu. Schon &uuml;ber 10 Jahre lang arbeitet die Stiftung auf ihre Weise z.B. auch an der &Auml;nderung der Arbeitsmarktpolitik in Deutschland. So wurde auch die Hartz-Reform vorbereitet, mit Versprechen die nicht eingehalten wurden und die &uuml;ber die wahren Absichten t&auml;uschten.<br>\nWenn jetzt nach dem Scheitern der Bertelsmann Mission von weniger Staat, mehr Wettbewerb und Flexibilisierung neues <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-5FAAB6B9-0FFC0C8A\/bst\/hs.xsl\/96497_96500.htm\">&bdquo;Vertrauen in der Gesellschaft zur&uuml;ckgewonnen und stabilisiert&ldquo;<\/a> werden soll, dann braucht man offenbar eine neue Strategie.<br>\nMan hat wohl erkannt, dass die alten Formeln vom&nbsp;&ldquo;aktivierenden Sozialstaat&rdquo; und vom &ldquo;F&ouml;rdern und Fordern&rdquo; angesichts der Erfahrungen, die die Menschen mit dieser Politik gemacht haben, nicht mehr ausreichen. Man muss also nach neuen Formeln suchen, wie &bdquo;Vertrauen in die demokratische und marktwirtschaftliche Ordnung in Krisen bewahrt und gest&auml;rkt werden&ldquo; kann.<br>\nWie die Bertelsmann Stiftung bisher vorgegangen ist, um ihre Mission zu erf&uuml;llen, das l&auml;sst sich u.a. recht gut an der Vorbereitung und Begleitung der Hartz-Gesetze studieren. Um sich einen kritischen Blick auf die neue &bdquo;Task-Force&ldquo; und hinter die wohlklingenden Ank&uuml;ndigungen zu bewahren, halten wir es f&uuml;r interessant noch einmal den Blick zur&uuml;ck zu werfen.<br>\nWelchen Einfluss die Stiftung auf die Vorbereitung und Begleitung der Hartz-Gesetze genommen hat, das kann man in der materialreichen Untersuchung von Helga Spindler nachlesen, die im Sammelband &ldquo;Bertelsmann &ndash; Netzwerk der Macht&rdquo; 2007 ver&ouml;ffentlich wurde. Die Autorin hat diesen Beitrag 2008 um ein Nachwort erg&auml;nzt.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>War die Hartz-Reform auch ein Bertelsmann Projekt?<\/strong><br>\n<em>Von Helga Spindler<\/em><\/p><p>Es scheint, dass bei diesem spektakul&auml;ren deutschen Reformprozess Bertelsmann, bzw. die Bertelsmann Stiftung, ausnahmsweise einmal nicht beteiligt war. In der Kommission [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] waren u.a. speziell ausgew&auml;hlte hochrangige Vertreter  von Unternehmensberatungen wie McKinsey, Roland Berger und einer  Market Access for Technology Services GmbH, Vorstandsmitglieder von VW, Deutsche Bank, BASF, Deutsche Bahn und der Generalsekret&auml;r des Zentralverbands des deutschen Handwerks vertreten, aber von Bertelsmann war niemand dabei.<\/p><p>Und doch stellt sich bei genauer Betrachtung heraus, dass die Bertelsmann Stiftung unsichtbar in der Runde sa&szlig;. Sie konnte es sich leisten, in dieser umstrittenen Kommission nicht direkt in Erscheinung zu treten, und sich auf Zuarbeiten und Weichenstellungen zu konzentrieren. Doch ganz im Sinne der Stiftungsphilosophie, reine Wohlt&auml;tigkeit anderen Stiftern zu &uuml;berlassen und sich selbst auf das operative Gesch&auml;ft zu konzentrieren und in die Gesellschaft zu wirken (Thielen 2002: 23 f.), wurden auch hier zielstrebig Netzwerke aufgebaut und die Entwicklung mit gesteuert.<\/p><p><strong>Problembereiche und Vorgeschichte<\/strong><\/p><p>Fachlich ging es bei der Hartz-Reform um die Anwendung der Ideen eines aktivierenden Staates auf die Arbeitsmarkt- und Besch&auml;ftigungspolitik, um eine neue Steuerung und Kontrolle von Beh&ouml;rden, Dienstleistern und Arbeitslosen sowie die Abschaffung bestimmter sozialer Sicherungssysteme und -niveaus.<\/p><p>Die Ver&auml;nderungen betrafen im Gesetzgebungsbereich die Arbeitslosenversicherung und die Arbeitsf&ouml;rderung, die im Sozialgesetzbuch III (SGB III) geregelt sind und die Sozialhilfe, die im Bundessozialhilfegesetz (BSHG) geregelt war. Im institutionellen Bereich ging es um die Arbeitsverwaltung und die Sozialverwaltung der Kommunen; und das alles in einer Phase abnehmender Besch&auml;ftigtenzahlen. <\/p><p>Nach dem Regierungswechsel 1998 war eine Reihe von Problemen sichtbar geworden. In der vorher nie erreichten Zahl von knapp 1,5 Millionen Arbeitslosenhilfebeziehern, die bis 2003 auch noch steil auf &uuml;ber 2 Millionen anstieg, bildete sich der fehlgeschlagene Einsatz von Arbeitsmarktpolitik nach der deutschen Einheit ab. In der Sozialhilfe &ndash; wo die Anzahl der Bezieher und die Ausgaben relativ stabil blieben, sogar zeitweise leicht zur&uuml;ckgingen (Statistisches Bundesamt 1999:13, 2003:44) &ndash; hatten einige Modellprojekte in den 90er Jahren die unterschiedlichen Ans&auml;tze von kommunalen Sozialbeh&ouml;rden und zentral gelenkten Arbeits&auml;mtern bei der Besch&auml;ftigungsf&ouml;rderung deutlich gemacht. In Deutschland herrschte in diesem Bereich ein komplexes Geflecht von lokalen, f&ouml;deralen und zentralen Strukturen, das durch zeitweise stark flie&szlig;ende Europa-Mittel noch undurchdringlicher wurde. Zudem herrschte in der Sozialdemokratie beim &Uuml;bergang in die Regierungsverantwortung ein gewisses Theoriedefizit, das darin begr&uuml;ndet war, dass man bis dahin einfach der Regierung Kohl die Schuld an der hohen Arbeitslosenzahl &uuml;bertragen hatte &ndash; und die war nun weg und die Arbeitslosigkeit stieg nach kurzer Unterbrechung dennoch an. Das galt auch f&uuml;r die Gewerkschaften, die noch eine starke Stellung in der Arbeitsverwaltung hatten. <\/p><p>Das Arbeitslosengeld war vor allem durch die l&auml;ngere Bezugsdauer f&uuml;r &Auml;ltere zu einem kostenaufwendigen Teil der partei&uuml;bergreifenden Fr&uuml;hverrentungspolitik geworden. Der Bereich der Arbeitslosenhilfe war rechtsstaatlich noch stark durchformt &ndash; vor allem zugunsten von Familien &ndash; und durch Sozialgerichte kontrolliert. Das galt auch f&uuml;r die Arbeitsf&ouml;rderung, die f&uuml;r Arbeitslose durchaus attraktive Angebote wie ABM oder &raquo;echte&laquo; Weiterbildungen vorsah. Die Sozialhilfe war ebenfalls rechtsstaatlich angelegt und enthielt ethisch noch einen zu starken Bezug auf die Menschenw&uuml;rde und Bedarfsdeckung, als dass man die Leistungen, das staatlich gew&auml;hrleistete Existenzminimum, zu rasch zur&uuml;ckfahren konnte. Manche Verwaltungsgerichte hatten zwar ihre Kontrollfunktion bereits etwas zur&uuml;ckgenommen, aber noch nicht genug.<\/p><p>Auf einen Schlag war das nicht zu ver&auml;ndern und es herrschte allseitige politische Ratlosigkeit. Drei Strategien schienen erfolgversprechend um diese Strukturen aufzubrechen: einmal internationale Benchmarkings, die das Entwickeln bestimmter Alternativkonzepte zulie&szlig;en, die geeignet waren, das deutsche System gewisserma&szlig;en &raquo;von au&szlig;en&laquo; aufzubrechen (dazu auch Fleckenstein 2004). Internationale Vergleiche bei komplexen sozialen Systemen haben h&auml;ufig die Folge, von nationalen Rahmenbedingungen und Implementierungsproblemen abzulenken, weil man doch angeblich eine funktionierende Strategie in einem anderen Land gefunden hat, dessen Rahmenbedingungen man im einzelnen aber oft nicht kennt und die einem vielfach auch absichtsvoll verschwiegen werden. <\/p><p>Zweitens mussten Akteure gefunden werden, die sich anders als die bisherigen Sozialpartner &ndash; etwa im B&uuml;ndnis f&uuml;r Arbeit &ndash; im Eigeninteresse von solchen Rezepten einnehmen lie&szlig;en. Drittens musste man sich einiges einfallen lassen, damit die in Deutschland noch relativ starken Gewerkschaften m&ouml;glichst sp&auml;t erkannten, dass ihre Klientel von den Ver&auml;nderungen doch stark betroffen sein w&uuml;rde. Letzteres war nach meiner Einsch&auml;tzung die Hauptaufgabe des mit der IG Metall eng verbundenen Peter Hartz, was hier nicht weiter untersucht werden kann. Die beiden anderen Strategien aber werden in der weiteren Untersuchung eine wichtige Rolle spielen.<\/p><p>Wenn man sich unter solchen Bedingungen an das kritische Nachzeichnen von politischen Entwicklungen und Einfl&uuml;ssen macht, muss das mit einer Offenlegung der eigenen Haltung und Bewertung einhergehen, die hier kurz skizziert werden soll:<\/p><p>Das deutsche System von Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe mit den damit verbundenen Ans&auml;tzen zur Besch&auml;ftigungsf&ouml;rderung war &uuml;berhaupt nicht so unpassend. Es differenzierte &ndash; wenn auch grob &ndash; nach unterschiedlichen Zielgruppen und schuf, auch in der Finanzierung, klare Zust&auml;ndigkeiten zwischen kommunalen Tr&auml;gern, Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit und Bund (Spindler 1996; Spindler 2002a). Wenn man die Kommunen am perspektivlosen Verschieben von Menschen in die Arbeitslosenversicherung gehindert h&auml;tte und sie sich ansonsten auf besonders arbeitsmarktferne Zielgruppen konzentriert h&auml;tten, wenn die Arbeitslosenhilfe zeitlich begrenzt worden w&auml;re und die Arbeits&auml;mter einmal auf eine bessere Ber&uuml;cksichtigung betrieblicher Anforderungen und Personalauswahl, zum anderen auf die tats&auml;chliche Betreuung und die Vermittlung auch von weniger qualifizierten aber arbeitsmarktnahen Menschen aus der Arbeitslosenhilfe und der Sozialhilfe ausgerichtet worden w&auml;ren, was ja zu ihrem Aufgabenbereich geh&ouml;rte und nur vernachl&auml;ssigt worden war, dann h&auml;tte, bei gleichzeitiger Beibehaltung der Zust&auml;ndigkeiten und der individuellen Rechte und Gestaltungsm&ouml;glichkeiten der Betroffenen, das deutsche System gut &uuml;berleben k&ouml;nnen. Es w&auml;re noch erfolgreicher geworden, wenn es gelungen w&auml;re, die Bundesl&auml;nder in eine finanzielle Verantwortung einzubeziehen, die &uuml;ber das gro&szlig;z&uuml;gige Verteilen von EU- und Bundesmitteln hinausgegangen w&auml;re, wenn ein regul&auml;rer Stellenmarkt im sozialen und &ouml;ffentlichen Dienstleistungsbereich entwickelt und ausgebaut, statt faktisch bis heute abgebaut worden w&auml;re &ndash; das Ganze flankiert von einer moderaten, existenzsichernden Mindestlohnpolitik.<br>\nAber das ist vor allem wegen seiner rechtsstaatlichen Implikationen und der existenzsichernden Elemente samt Ber&uuml;cksichtigung von Tarifen nun mal kein Modell nach dem Geschmack der Bertelsmann Stiftung und der tonangebenden Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler.<\/p><p>F&uuml;r die folgende Untersuchung, die sich auf den Zeitraum von 1999 bis etwa 2003 konzentriert, werden bei dieser un&uuml;bersichtlichen Lage zwei markante Ausgangspunkte gew&auml;hlt, um daran dann die personellen und inhaltlichen Verflechtungen im politischen Entwicklungsprozess aufzuzeigen.<\/p><p><strong>Benchmarking in der Arbeitsmarktpolitik<\/strong><\/p><p>Der erste Punkt wird markiert durch ein 19-seitiges Thesenpapier vom 2. Juni 2000: &raquo;Aktivierung der Arbeitsmarktpolitik&laquo;. Verantwortet wurde es von der Benchmarking-Gruppe des &raquo;B&uuml;ndnisses f&uuml;r Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsf&auml;higkeit&laquo;. Dieses im Dezember 1998 wiederbelebte B&uuml;ndnis f&uuml;hrte neben der Gr&uuml;ndung von zahlreichen Arbeitsgruppen auch zur Gr&uuml;ndung einer wissenschaftlichen Expertengruppe, bestehend aus den Professoren Gerhard Fels (Institut der deutschen Wirtschaft, IW), Rolf Heinze (Ruhr-Universit&auml;t Bochum), Heide Pfarr (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung, WSI), G&uuml;nther Schmid (Wissenschaftszentrum Berlin, WZB) und Wolfgang Streeck (Max-Planck-Institut f&uuml;r Gesellschaftsforschung, MPIfG).<\/p><p>Das Thesenpapier der Gruppe ist auff&auml;llig, weil es sehr fr&uuml;h viele Elemente der Hartz-Vorschl&auml;ge unter Verweis auf internationale Vorbilder (das waren damals schon D&auml;nemark, Niederlande, Gro&szlig;britannien und &ndash; noch &ndash; die USA) enth&auml;lt. Der skizzierte Umstieg auf eine aktivierende Arbeitsmarktpolitik umfasste die F&ouml;rderung und den Ausbau der Leiharbeit, die Erstellung von verbindlichen Eingliederungspl&auml;nen, einen Einstieg in die private Arbeitsvermittlung sowie die gezielte F&ouml;rderung neuer Selbst&auml;ndigkeit. Die bisher &uuml;blichen Arbeitsbeschaffungsma&szlig;nahmen (ABM) und die damit anschlie&szlig;end entstehenden Leistungsanspr&uuml;che wurden grunds&auml;tzlich verworfen. Verst&auml;rkter Zwang und Sanktionen bei Arbeitsvermittlung, Beratung und bei Ablehnung zugewiesener Besch&auml;ftigung wurden bef&uuml;rwortet. Es wurde au&szlig;erdem empfohlen, in st&auml;rkerem Ma&szlig;e als bisher Lernprozesse auf &raquo;dezentraler Ebene&laquo; anzusto&szlig;en. &raquo;Voraussetzung hierf&uuml;r ist eine noch st&auml;rkere &Ouml;ffnung der Arbeitsmarktpolitik f&uuml;r private Organisationen oder gemischt-wirtschaftliche Netzwerke (public-private-partnerships), die innovative Praktiken inszenieren, erproben und durch Nachahmung verbreiten&laquo; (ebd.: 16). Ob die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe erforderlich sei, bed&uuml;rfe weiterer Pr&uuml;fung. &raquo;Fest steht&laquo; f&uuml;r die Gruppe aber bereits, dass eine Zusammenf&uuml;hrung &raquo;erhebliche Effektivit&auml;ts- und Effizienzgewinne versprechen [sic]&laquo; (ebd.: 18). <\/p><p>Auch wenn die Forderungen dieses Papiers heute nicht mehr unbekannt sind: es erschien damals zu einem Zeitpunkt, in dem die rot-gr&uuml;ne Reformpolitik stagnierte, auch weil das in eine &auml;hnliche Richtung gehende &ndash; von Bodo Hombach aus dem Bundeskanzleramt lancierte &ndash;  Schr&ouml;der-Blair-Papier von 1999 noch starke Kritik in den eigenen Reihen provozierte (Blancke\/Schmid 2003). Illusionslos sch&auml;tzt auch Wolfgang Streeck r&uuml;ckblickend ein, dass das B&uuml;ndnis f&uuml;r Arbeit sp&auml;testen seit Sommer 1999 keine echten Gestaltungsm&ouml;glichkeiten mehr hatte (Streeck 2003: 8f). Warum also noch dieses Thesenpapier im Sommer 2000, das doch kurz und knapp schon viele Gewissheiten &uuml;ber den einzuschlagenden Weg enthielt?<\/p><p>Hier wurde L&auml;ngerfristiges vorbereitet und die politische Schw&auml;chephase zur weiteren Ausarbeitung der nur vorl&auml;ufig zur&uuml;ckgestellten politischen Ziele genutzt.<br>\nDas zahlte sich jedenfalls f&uuml;r einen aus: G&uuml;nther Schmid wurde 2002 eines von zwei wissenschaftlichen Mitgliedern der Hartz-Kommission, deren von ihm ja schon vorher konzipierte und offenbar auch stark mitgestaltete Ergebnisse er &ouml;ffentlich bef&uuml;rwortet und verteidigt hat (Schmid 2003 a, b; Jann\/Schmid 2004; Fleckenstein 2004: 669). Die Thesen &raquo;Aktivierung der Arbeitsmarktpolitik&laquo; brachte er in einer aktuellen Fassung zusammen mit vielen anderen seiner Evaluierungsstudien und Ausarbeitungen als pers&ouml;nlichen Beitrag in die Kommissionsarbeit ein. <\/p><p>Rolf Heinze und Wolfgang Streeck z&auml;hlten zu den strategischen Kanzlerberatern der ersten Stunde. Die aus dem Ausland importierten Ideen vom aktivierenden Staat sollten auch f&uuml;r Deutschland fruchtbar gemacht werden. (Ein anschaulicher Bericht &uuml;ber die personellen und inhaltlichen Kontakte findet sich im Spiegel 30\/2004, 20f: <a href=\"http:\/\/wissen.spiegel.de\/wissen\/dokument\/dokument.html?id=31548427&amp;top=SPIEGEL\">&raquo;Langer Anlauf, kurzer Sprung&laquo;<\/a>.) Sie beide, wie auch G&uuml;nther Schmid, wirkten ausdr&uuml;cklich als Vertreter des koordinierenden Bundeskanzleramtes in der Benchmarking-Gruppe, wobei sich Streeck sp&auml;ter &uuml;ber dessen mangelnde Koordinierungsarbeit beschwerte (Streeck 2003: 8). Beide zogen sich im Weiteren aus dem operativen Geschehen zur&uuml;ck (Heinze 2004).<\/p><p>Aber nun zu Bertelsmann und einem Hinweis, der sich f&uuml;r Au&szlig;enstehende erst im Abschlu&szlig;bericht findet: &raquo;Die Arbeitsgruppe Benchmarking tagte in der Regel unter Beteiligung von Dr. Stefan Empter und Dipl.Volkswirt Andreas Esche von der Bertelsmann Stiftung&laquo; (Eichhorst\/Profit\/Thode 2001: 1). Die Bertelsmann Stiftung war sozusagen die &raquo;unsichtbare Vierte&laquo; im B&uuml;ndnis f&uuml;r Arbeit, wie es das Handelsblatt einmal formuliert haben soll.<\/p><p>So verwundert nicht, dass sich die Thesen der Benchmarking-Gruppe auch inhaltlich auf eine Studie beziehen, die Stefan Empter und Frank Frick f&uuml;r die Bertelsmann Stiftung zuvor in Auftrag gegeben haben &ndash; auf die 1999 in 1. Auflage im Verlag Bertelsmann Stiftung erschienene Studie von Martin Kr&ouml;ger und Ulrich van Suntum: &raquo;Mit aktiver Arbeitsmarktpolitik aus der Besch&auml;ftigungsmisere? Ans&auml;tze und Erfahrungen in Gro&szlig;britannien, D&auml;nemark, Schweden und Deutschland&laquo;. Die Studie enth&auml;lt bereits weitgehende Handlungsempfehlungen f&uuml;r die Ausgestaltung k&uuml;nftiger Arbeitsmarktpolitik. Offen wird z.B. bereits die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe und die &Uuml;berweisung aller l&auml;ngerfristig Arbeitslosen an eine dezentral agierende F&uuml;rsorgebeh&ouml;rde gefordert (ebd.: 220f). Die Empfehlungen werden in den Thesen nicht vollst&auml;ndig, aber doch in vielen gewichtigen Teilen &uuml;bernommen.<\/p><p>Eine weitere Beziehung ergibt sich aus dem Schriftenverzeichnis der Thesen. Dort findet sich der Verweis auf zwei einschl&auml;gige Manuskripte von Werner Eichhorst und Stefan Profit von einem &raquo;Projektb&uuml;ro Benchmarking der Bertelsmann Stiftung am Max Planck Institut f&uuml;r Gesellschaftsforschung&laquo; (Thesen: 19). Eine Mitteilung des Instituts ergibt:<br>\n&raquo;Seit dem 1. Juni 1999 ist Dr. Werner Eichhorst (ehemaliger Stipendiat des Instituts) Projektleiter des &rsaquo;Projektb&uuml;ro Benchmarking&lsaquo;, das in seiner ersten Arbeitsphase am MPIfG hospitiert. Das Projektb&uuml;ro basiert auf einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Bundeskanzleramt, der Bertelsmann Stiftung und dem MPIfG und soll die Arbeit der &rsaquo;Arbeitsgruppe Benchmarking&lsaquo; des B&uuml;ndnisses f&uuml;r Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsf&auml;higkeit der Bundesregierung wissenschaftlich unterst&uuml;tzen. Es besch&auml;ftigt sich insbesondere mit der Sammlung von quantitativen und qualitativen Daten zum internationalen Vergleich der Arbeitsmarkt- und Besch&auml;ftigungspolitik&laquo; (Max-Planck-Institut f&uuml;r Gesellschaftsforschung, 12. Juli 1999).<\/p><p>Abgeschlossen wurde das Projekt mit einer 440-seitigen Ver&ouml;ffentlichung erst im Jahr 2001: &raquo;Benchmarking Deutschland: Arbeitsmarkt und Besch&auml;ftigung. Bericht der Arbeitsgruppe Benchmarking und der Bertelsmann Stiftung an das B&uuml;ndnis f&uuml;r Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsf&auml;higkeit&laquo; (Eichhorst\/Profit\/Thode 2001). Wissenschaftlich allein verantwortet wurde die Arbeit von Werner Eichhorst, der bis Ende 2004 weiter als Projektleiter der Bertelsmann Stiftung agierte, von Stefan Profit, der 2001 von der Bertelsmann Stiftung in das Bundesministerium f&uuml;r Arbeit und Soziales wechselte, und von Eric Thode, der ihn bei Bertelsmann 2001 abl&ouml;ste. &raquo;Das Projektb&uuml;ro Benchmarking war w&auml;hrend der Arbeit an Benchmarking Deutschland Gast beim MPI in K&ouml;ln.&laquo; Die Konzeption und die Abhandlungen im Bericht wurden ausf&uuml;hrlich mit der Arbeitsgruppe Benchmarking diskutiert (ebd.: 1). Streeck soll die Arbeit noch 2005 als &bdquo; bible for employment policies&ldquo; bezeichnet haben ( Pautz 2006:5)<\/p><p>Auch wenn diese Abhandlung zu den etwas differenzierteren Arbeiten in diesem Bereich z&auml;hlt und auch die Probleme solcher Vergleiche noch anspricht: Das Thesenpapier aus dem Jahr 2000 wusste schon vorher, auf welche Benchmarking-Ergebnisse es sich konzentrierte- und die Bertelsmann Stiftung f&uuml;hrte das Projekt der Arbeitsmarkt- und Besch&auml;ftigungsrankings mit Ulrich van Suntum auch noch nach 2000 weiter, erg&auml;nzt z.T. von direkten Teiluntersuchungen f&uuml;r die Hartz-Kommission. Sie sicherte damit die Kontinuit&auml;t der Forschungsarbeit- dort wo der Politik vor&uuml;bergehend die Luft ausging. Aber zun&auml;chst einmal war mit der Benchmarking- Gruppe auch die Arbeit der Bertelsmann Stiftung gescheitert, wie Pautz in seiner schon sehr materialreichen vorl&auml;ufigen Skizze &uuml;ber den Einfluss von Think Tanks in Deutschland festh&auml;lt. ( Pautz 2006 :5 ).<br>\nAlleine mit dieser Form von Politikberatung war f&uuml;r Deutschland keine erfolgreiche Strategie zur Ver&auml;nderung hin zum aktivierenden Staat  m&ouml;glich, deshalb jetzt zum zweiten Ausgangspunkt.<\/p><p><strong>Der Ausbau dezentraler Besch&auml;ftigungsprojekte in Verbindung mit den Vorbereitungen f&uuml;r die Abschaffung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe.<\/strong><\/p><p>Hier begann es 1999 mit einer in der &Ouml;ffentlichkeit nicht wahrgenommenen Einladung ausgew&auml;hlter Arbeitsmarktakteure durch Noch-Bundespr&auml;sident Roman Herzog auf Schloss Bellevue und der Beauftragung der Bertelsmann Stiftung mit der Koordinierung von Arbeitsmarktpolitik: &raquo;&hellip;Aufgrund des steigenden Problemdrucks haben einige deutsche Kommunen in den vergangenen Jahren begonnen, die Sozialhilfe auf Besch&auml;ftigung auszurichten und somit die lokale Arbeitsmarktpolitik aktiv mitzugestalten. Auf diesem Feld wird viel experimentiert und Ausma&szlig; sowie Qualit&auml;t der kommunalen Besch&auml;ftigungspolitik sind noch sehr unterschiedlich. Angesichts dieser Problematik wurde  auf Initiative des damaligen Bundespr&auml;sidenten Roman Herzog  am 7. Mai 1999 im Schloss Bellevue in Berlin der Grundstein f&uuml;r ein Projekt zur F&ouml;rderung besch&auml;ftigungsorientierter Sozialpolitik in Kommunen gelegt. Hieraus entstand das Ende 2000 gegr&uuml;ndete Netzwerkprojekt &rsaquo;BiK &ndash; Besch&auml;ftigungsf&ouml;rderung in Kommunen&lsaquo; an dem 24 besonders motivierte und reformfreudige Kommunen mitgearbeitet haben&laquo; (ehemalige Startseite von <a href=\"http:\/\/www.bik-online.de\">www.bik-online.de<\/a>, Zugriff am 9.9.2006 ). Dr. Helga Hackenberg wurde bei Bertelsmann als Projektleiterin der Abteilung &raquo;Arbeitsmarkt und Besch&auml;ftigung&laquo; im Bereich &raquo;Wirtschaft&laquo; zus&auml;tzlich eingestellt. Sie brachte spezielle Kenntnisse &uuml;ber das niederl&auml;ndische System mit. <\/p><p>Parallel zu dieser Beauftragung erschien 1999 eine Schrift im Verlag der Bertelsmann Stiftung: &raquo;Besch&auml;ftigungsorientierte Sozialpolitik in Kommunen &ndash; Strategien zur Integration von Sozialhilfeempf&auml;ngern in das Erwerbsleben&laquo;. Verantwortlich waren Dr. Stefan Empter, Bereichsleiter des Bereichs Wirtschaft der Bertelsmann Stiftung und bereits bekannt aus der Benchmarking-Arbeitsgruppe, und der Politikwissenschaftler Frank Frick, seit 1994 bei der Stiftung und zuletzt Leiter der Abteilung Arbeitsmarkt und Besch&auml;ftigung. Noch etwas oberfl&auml;chlich zusammengest&uuml;ckelt erschienen da 12 deutsche Fallstudien von Bielefeld &uuml;ber den Landkreis Nordhausen und Leipzig bis nach Stuttgart, gefolgt von Studien &uuml;ber Groningen und den US-Bundesstaat Wisconsin bis nach D&auml;nemark und eine kleine kanadische Provinz, versehen jeweils mit Bewertungen und einer Analyse der Erfolgsfaktoren (wobei irgendein Erfolg &uuml;berall festgestellt wurde).<\/p><p>Interessant war hier das Vorwort, das sich besonders auf die Kommunen als Betroffene der Besch&auml;ftigungsmisere konzentrierte. Viele w&uuml;rden sich &raquo;nicht unt&auml;tig ihrem Schicksal ergeben&laquo; und lediglich passiv den Lebensuntererhalt sichern, sondern h&auml;tten begonnen, die Sozialhilfe auf Besch&auml;ftigung auszurichten.<br>\n&raquo;Dabei orientierten sich die Vorreiter in Deutschland an internationalen Beispielen und wurden damit selbst zu nationalen Vorbildern.&laquo; Um dies weiterzuentwickeln habe die Bertelsmann Stiftung diese &raquo;nationale und internationale Bestandsaufnahme und Best-Practice-Recherche durchf&uuml;hren lassen&laquo; (ebd.: 7). Zu weiteren Zielen der Studie und der Orientierung auf Wisconsin und die Niederlande als Vorbilder, ein Interview mit Frank Frick: &raquo;Wir brauchen intelligente Organisationsmodelle mit neuen Anreizstrukturen&laquo; (Bl&auml;tter der Wohlfahrtspflege 1999, Heft 7\/8: 149 f). <\/p><p>Diese Verlagerung auf die Zusammenarbeit mit den Kommunen als bisher noch nicht eingebundene arbeitsmarktpolitische Akteure war strategisch weitblickend. Denn einige Kommunen hatten in diesem Bereich f&uuml;r ihre Sozialhilfebezieher bereits workfare-&auml;hnliche Modelle eingef&uuml;hrt, die einer zuk&uuml;nftigen &Uuml;bertragung derartiger Aktivierungspolitik Vorschub leistete.<\/p><p>Die Kommunen hatten schon immer das Instrument der Mehraufwandsbesch&auml;ftigung (&raquo;Ein-Euro-Jobs&laquo;, &sect; 19 Abs.2 BSHG), mit dem man Menschen in Besch&auml;ftigung verpflichten konnte, ohne, wie bei den ABM-Ma&szlig;nahmen der Arbeitsverwaltung, noch an Arbeitsrecht und Sozialversicherung gebunden zu sein. &raquo;Workfare&laquo; meint im Gegensatz zu der im deutschen System schon immer bestehenden Verpflichtung, eine regul&auml;re Arbeit aufzunehmen (Erwerbsobliegenheit), die systematische Verpflichtung bei Bezug existenzsichernder Leistungen sofort eine &ouml;ffentlich rechtlich organisierte Besch&auml;ftigung anzunehmen, die nicht mehr als individuelle Eingliederungshilfe, sondern als eine Art Gegenleistung und auch zum Test der Arbeitsbereitschaft gedacht ist. Als &ouml;konomisch besonders erfolgreich gilt bei Wirtschaftswissenschaftlern die bewusst unattraktive Ausgestaltung dieser Besch&auml;ftigung, damit sich die noch Restleistungsf&auml;higen angesichts dieser Anforderung m&ouml;glichst bald &raquo;selbst selektieren&laquo;. Viele Kommunen hatten bereits &raquo;innovativ&laquo; und &raquo;lokal flexibel&laquo; mit privater lokaler Arbeitsvermittlung experimentiert, &ouml;rtliche Gliederungen der Wohlfahrtsverb&auml;nde als Auftragnehmer eingebunden, eigene Besch&auml;ftigungsgesellschaften gegr&uuml;ndet, die sie mit allen m&ouml;glichen f&uuml;r die Kommunalkasse n&uuml;tzlichen Auftr&auml;gen versehen konnten ( dazu mehr bei Spindler 2005). <\/p><p>Au&szlig;erdem mussten die kommunalen Vermittler nach den Beobachtungen von Bertelsmann andere, und vor allen Dingen weniger gesetzliche Vorgaben beachten, denn f&uuml;r sie galt das BSHG und nicht das viel kompliziertere, pr&auml;zisere Sozialgesetzbuch III, an dem man offenbar wenig Gefallen fand (die Bertelsmann-Sicht auf die beiden Gesetze wird besonders eing&auml;ngig aber auch kritiklos wiedergegeben und illustriert in einem Artikel von Elisabeth Niejahr: &raquo;Zu viel Arbeit f&uuml;rs Amt&laquo;, Die Zeit  21.08.2003 ). In diesem Besch&auml;ftigungsnetzwerk hatte sich schon eine merkw&uuml;rdige Mischung von sozialtechnokratischem Machbarkeitswahn (&raquo;Wir schaffen Arbeit&laquo;) und autorit&auml;rer Arbeitserziehungs- und Volksbegl&uuml;ckungs-Philosophie entwickelt, die oft mit durchaus beachtlichem Geschick im Erschlie&szlig;en von Arbeitsfeldern ( leider auch im Bereich sehr schlechter bis inakzeptabler Arbeitsbedingungen) und Sensibilit&auml;t f&uuml;r Personalentwicklung zumindest bei wenig qualifizierten und schwierigen Menschen gepaart war. Hier bestand ein gro&szlig;es Potential, das ein starkes Interesse erkennen lie&szlig;, seine Mitmenschen in Besch&auml;ftigung zu bringen und gleichzeitig ein hinreichendes Desinteresse an den sich daraus ergebenden &ndash; und &uuml;berhaupt  geregelten &ndash; Arbeitsbedingungen.<\/p><p>Gerade auch bei sozialdemokratischen Kommunen, wie etwa K&ouml;ln, Offenbach oder Hamburg, hatten nicht nur niederl&auml;ndische oder d&auml;nische Modelle Pate gestanden, sondern insbesondere auch der Blair&rsquo;sche New Deal. &raquo;Druck macht beweglich&laquo;, hatte schon 1998 Richard Layard, Professor der London School of Economics den Deutschen empfohlen und auf die Frage nach m&ouml;glichen Widerst&auml;nden geantwortet: &bdquo;Es h&auml;ngt davon ab, wie man es einf&uuml;hrt. Unsere Philosophie in GB war: wir f&uuml;hren das Programm erst f&uuml;r junge Leute ein &ndash; weil Arbeitslosigkeit bei jungen Leuten besonders schlechte Angewohnheiten schafft, weil die &Ouml;ffentlichkeit am meisten dahinter steht und weil die Erfolgsaussichten bei dieser &uuml;berschaubaren Gruppe besonders gro&szlig; sind &ldquo; (&raquo;Druck macht beweglich.&laquo; Ein Interview mit dem Vater des New Deal, Professor Richard Layard, London School of Economics, DIE ZEIT, Nr. 28 vom 2.07.1998: 20). Besonders beeindruckt von den Jugendprogrammen waren Arndt Schwendy und Hermann Genz aus dem Sozialamt K&ouml;ln, Gerhard Ackermann vom Sozialamt Krefeld und Matthias Schulze-B&ouml;ing aus Offenbach.<\/p><p>Der gemeinn&uuml;tzige kommunale Besch&auml;ftigungstr&auml;ger BBJ Servis gGmbH organisierte im Herbst 1998 eine Studienreise f&uuml;r Vertreter der Jugendsozialarbeit nach Gro&szlig;britannien um Philosophie und Ablauf des New Deal genauer kennenzulernen. Und es entwickelten sich enge Kontakte und Gegenbesuche auf allen Ebenen, wie etwa bei der nordrhein-westf&auml;lischen Gesellschaft f&uuml;r innovative Besch&auml;ftigungsf&ouml;rderung (GIB). Besonders aktiv in NRW war auch Rainer Radloff von der st&auml;dtischen Personalentwicklungsgesellschaft REGE in Bielefeld.<\/p><p>Und verschiedene Akteure der deutschen Arbeitsmarktpolitik, wie etwa Matthias Schulze-B&ouml;ing aus Offenbach, waren schon 1998 &ndash; lange vor Roland Koch &ndash; auf dreiw&ouml;chiger Studienreise in Wisconsin und zeigten sich sehr beeindruckt vom dortigen Casemanagement und One-Stop-Shop (Mankel 1998).<\/p><p>Viele Kommunen, die mir oder anderen dadurch aufgefallen waren, dass sie in der Besch&auml;ftigungsf&ouml;rderung mit den Pers&ouml;nlichkeitsrechten der Betroffenen oder dem Sozialhilferecht besonders auf Kriegsfu&szlig; standen, die ein besonders absch&auml;tziges Menschenbild in ihrer &Ouml;ffentlichkeitsarbeit benutzten oder unter der Hand Workfare-Modelle eingef&uuml;hrt hatten oder besonders intensive Kontrolle &uuml;ber soziale Dienstleister und Arbeitslose anstrebten &ndash; alle Elemente jeweils in ver&auml;nderlichen Gewichtsanteilen und nicht &uuml;berall alle &ndash; tauchten &uuml;ber kurz oder lang im Umkreis von Bertelsmann auf.<\/p><p>Und so enthielt diese erste Brosch&uuml;re 1999 als Best-Practice-Beispiele auch Berichte &uuml;ber K&ouml;ln, Bielefeld, Krefeld, Offenbach, Saarbr&uuml;cken und dazu noch &uuml;ber Leipzig mit seiner damals noch &uuml;berdimensionierten Besch&auml;ftigungsgesellschaft BfB (bis zu 8000 Besch&auml;ftigte), und noch weitere Kommunen, die aus anderen Projekten kamen. <\/p><p>Ein besonderer Dank f&uuml;r die Mitarbeit und die wertvollen Anmerkungen zu einem Kapitel (dem Kapitel 2.3), in dem es sehr pr&auml;zise schon um eine grunds&auml;tzliche Reform der Transfersysteme ging, wurde an Dr. Helmut Hartmann aus Hamburg gerichtet (ebd.: 8 ). Im Vordergrund stand da bereits die unbedingte Forderung nach einem Leistungssystem und einer Beh&ouml;rde. Das hat zwar logisch die Abschaffung des anderen Systems und der anderen Beh&ouml;rde oder im deutschen f&ouml;deralen System ein gro&szlig;es Chaos zur Folge. Aber das wurde nicht vertieft, vorl&auml;ufig wurden nur die Vor- und Nachteile nebeneinandergestellt (ebd.: 35 f.). Bevor das entschieden werden k&ouml;nne, solle erst einmal die intensivere Zusammenarbeit ausgetestet werden. <\/p><p>Auch die Zusammenarbeit mit Helmut Hartmann wurde ab diesem Zeitpunkt intensiver. Er betrieb bereits seine eigene Beratungsfirma, die con_sens GmbH in Hamburg, die in der Folge mit zahlreichen Auftr&auml;gen der Bertelsmann Stiftung versehen wurde. Helmut Hartmann hatte nicht nur lange Jahre Erfahrung in der deutschen und europ&auml;ischen Armutsforschung und in einschl&auml;gigen Projekten, sondern leitete auch von 1992&ndash;1998 das Landessozialamt Hamburg. In dieser Zeit hatte er die Beh&ouml;rde im Rahmen eines neuen Controlling- und Steuerungsmodells mit rechtlich fragw&uuml;rdigen Praktiken bereits v&ouml;llig umgestellt, in eine Art Profitcenter verwandelt, wie Dirk Hauer in einer Untersuchung belegt (Sozialpolitische Opposition Hamburg (Hrsg.) BROT(h)LOS LEBEN &ndash; &Uuml;berblick &uuml;ber die Sozialhilfe in Hamburg, September 1999. Besprechung in info also, Heft 1\/2000: 61). Er hatte bereits in einer gegen das damalige Bedarfsdeckungsprinzip versto&szlig;enden Rechtsauslegung arbeitsf&auml;higen Sozialhilfebeziehern die Auszahlung von Sozialhilfe mit der Begr&uuml;ndung vorenthalten, jeder der wolle, k&ouml;nne in Hamburg auch Arbeit finden (Nachweise bei Spindler 2001a) und er hat die niederl&auml;ndische Vermittlungs- und Leiharbeitsfirma Maatwerk in Deutschland eingef&uuml;hrt. <\/p><p>Ab 1995 hat er sich in einem damals noch von der Firma Kienbaum betreuten Benchmarking-Projekt der Sozial&auml;mter von Gro&szlig;st&auml;dten engagiert. 1998 gr&uuml;ndete er dann die Beratungsfirma con_sens Consulting f&uuml;r Steuerung und soziale Entwicklung GmbH, die seither Kommunalverwaltungen, Ministerien und Wohlfahrtsverb&auml;nde vor allem in den Bereichen Sozialhilfe und Besch&auml;ftigung ber&auml;t. Ein erster Gro&szlig;auftrag bestand in der &Uuml;bernahme und weiteren Betreuung des Benchmarking-Projekts der Gro&szlig;st&auml;dte von Kienbaum, dem viele weitere &auml;hnliche Projekte mit anderen St&auml;dtegruppierungen in Deutschland und der Schweiz folgten. So umstritten dieser Ansatz in der Sozialhilfe auch war (vor allem weil viele gew&auml;hlte Kennziffern f&uuml;r Schlechtleistungen genauso wie f&uuml;r gute Leistungen stehen konnten.  Kritisch zum Benchmarking in der Sozialhilfe Spindler 2001b) &ndash; f&uuml;r die Zusammenarbeit mit Bertelsmann war es die ideale Voraussetzung und unter den kommunalen Tr&auml;gern hatte er mit einer gewissen Korrektur am Ansatz von Kienbaum auch Vertrauen erworben. Im Gegensatz dazu hatte die Produktgruppe Sozialwesen der St&auml;dte der Bertelsmann Stiftung Ende der 90er Jahre nur einen relativ  kleinen Vergleichsring von 6 Mittelst&auml;dten aufbauen k&ouml;nnen.<br>\nZudem hat Helmut Hartmann 1998 auch mit einem Artikel im Nachrichtendienst des Deutschen Vereins in der sozialen Fachwelt den Startschuss f&uuml;r die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe gegeben (Hartmann 1998).<\/p><p>Nun mussten noch experimentierfreudige Kommunen gefunden werden. &raquo;Die Bertelsmann Stiftung unterst&uuml;tzt Kommunen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit&laquo; &ndash; wurde die Ausschreibung im Juli 2000 in einer Pressemitteilung vorgestellt. Zwar h&auml;tten viele Kommunen in den letzten Jahren erste Schritte unternommen, jetzt aber gehe es darum, die besten Ans&auml;tze weiterzuentwickeln und sie in der Praxis zu testen. Nach einer weiteren Mitteilung wurden dann 25 Kommunen &raquo;unter zahlreichen Mitbewerbern ausgew&auml;hlt&laquo;.<br>\nDa kamen reichlich Kommunen zusammen, die bereits 1999 vorweg als Best-Practice-Beispiele identifiziert worden waren. <\/p><p>Nur die Stadt Leipzig, der 1999 noch eine positive Vorreiterrolle auch f&uuml;r Westdeutschland zugeschrieben worden war, war nicht mehr dabei. Ihr Vorzeigebetrieb war bereits ins Trudeln gekommen, seit der bis dahin hochgelobte Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer Matthias von Hermanni, der ein Netz von gegenseitiger Abh&auml;ngigkeit und Vorteilsnahme aufgebaut hatte, im Herbst 1999 wegen strafrechtlicher Ermittlungen vom Dienst suspendiert worden war. Der Betrieb, der viel regul&auml;re Arbeit verdr&auml;ngt, typische Verschiebepraktiken in die Arbeitslosenversicherung umgesetzt und trotzdem der Stadt noch viele Folgekosten beschert hat, wurde 2002 weitestgehend aufgel&ouml;st (Dickmann 2002). Das war allerdings kein Hinderungsgrund, den Oberb&uuml;rgermeister von Leipzig, Wolfgang Tiefensee, der den Stadtrat auch noch 1999 nur unzureichend &uuml;ber einen Pr&uuml;fbericht &uuml;ber den BfB informiert hatte, als einzigen kommunalen Vertreter in die Hartz-Kommission zu berufen.<\/p><p>Aber es wurden nat&uuml;rlich auch Kommunen aufgenommen, die von diesen nationalen Vorbildern lernen wollten oder die bereits in einem von der Bertelsmann Stiftung, der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung und der KGSt (Kommunale Gemeinschaftsstelle f&uuml;r Verwaltungsmanagement) getragenen Netzwerk: &raquo;Kommunen der Zukunft&laquo; oder bei dem Vergleichsring der 6 Mittelst&auml;dte mitgearbeitet hatten. <\/p><p>Neben diesem Bertelsmann-Projekt wurde vom zust&auml;ndigen Bundesministerium fast gleichzeitig ein gro&szlig;es Bundesmodellprojekt aufgelegt, das MoZArT-Projekt (Modellprojekt zur Zusammenarbeit der Arbeits&auml;mter und Tr&auml;ger der Sozialhilfe), an dem auch noch einmal 28 Kommunen teilnahmen, und das von der Gesellschaft f&uuml;r soziale Unternehmensberatung mbH (gsub) begleitet und von der Firma infas ausgewertet wurde. Manche Kommunen hatten auch Doppelmitgliedschaften, wie etwa K&ouml;ln, Bremen, G&ouml;ttingen oder Pirmasens. Damit hatte sich Deutschland in ein sozialpolitisches Gro&szlig;labor verwandelt.<\/p><p>W&auml;hrend vom MoZArT-Projekt bis zum Schluss wenig nach au&szlig;en drang und die Erkenntnisse f&uuml;r die Hartz-Kommission, die noch vor Ende des Projekts eingesetzt wurde, rasch auf einem Folienvortrag zusammengestellt werden mussten, ohne dass man sie in den Grundlagen nachvollziehen konnte, schwollen die Begleitmaterialien und Handb&uuml;cher aus der Bertelsmannproduktion seitdem kontinuierlich an.<\/p><p>&raquo;Kooperation statt Konkurrenz. Studie &uuml;ber die Zusammenarbeit von Arbeits&auml;mtern und Sozial&auml;mtern&laquo; erschien 2000 schon in 2. Auflage und war verantwortet von Frank Frick und Helga Hackenberg. Dargestellt wurden die Ergebnisse &raquo;einer fl&auml;chendeckenden Erhebung<br>\n&uuml;ber die Arbeits- und Kooperationsweise der Arbeits- und Sozialverwaltungen unter besonderer Ber&uuml;cksichtigung von good-practice-Beispielen&laquo;. Mit der Erhebung hatte die Bertelsmann Stiftung &ndash; man ahnt es schon &ndash; die Unternehmensberatung con_sens beauftragt. Besonders viele gute Praxisbeispiele wurden in K&ouml;ln, Hamburg und Pirmasens identifiziert, viele Empfehlungen ausgesprochen und viele Eindr&uuml;cke und Verwaltungsw&uuml;nsche vor Ort erfasst. Ein besonderes Interesse galt der Verbesserung des Datenaustauschs und der Kontrolle &uuml;ber Dritte.<\/p><p>2001 erschien noch eine vom Herausgeberkreis der &raquo;Kommunen der Zukunft&laquo; verantwortete und offenbar von Helmut Hartmann (ebd.: 7) verfasste Brosch&uuml;re: &raquo;Benchmarking in der lokalen Besch&auml;ftigungsf&ouml;rderung&laquo;, mit der auch f&uuml;r dieses Feld der Kennzahlenvergleich als Grundlage f&uuml;r Bestandsaufnahme und Identifizierung von Best Practice angepriesen wurde. Auch diese vorgeschlagenen Kennzahlen lassen erkennen, dass Besch&auml;ftigungsf&ouml;rderung dabei in erster Linie unter einem Kosten-Nutzen-Aspekt f&uuml;r die Tr&auml;ger und weniger bis gar nicht unter einem Nutzenaspekt f&uuml;r die Arbeitslosen empfohlen wird, und dass die Mitentscheidungsm&ouml;glichkeiten der Betroffenen, ihre Qualifikation, Neigung und pers&ouml;nlichen Ziele schon gar nicht Gegenstand des Verfahrens sein sollen. <\/p><p>2001 folgte das &raquo;Handbuch zur Kooperation von Arbeits&auml;mtern und Kommunen. Gemeinsam f&uuml;r die Integration in den Arbeitsmarkt. Texte, Beispiele und Materialien&ldquo; und 2002 das &bdquo;Handbuch Beratung und Integration. F&ouml;rdern und Fordern &ndash; Eingliederungsstrategien in der Besch&auml;ftigungsf&ouml;rderung&laquo;.<\/p><p>Auff&auml;llig ist hier der ver&auml;nderte Herausgeberkreis. Herausgeber sind jetzt nicht mehr die Bertelsmann Stiftung allein, sondern nun  auch Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit, Deutscher Landkreistag, Deutscher St&auml;dtetag und Deutscher St&auml;dte- und Gemeindebund. Beide B&auml;nde beginnen mit einem Gru&szlig;wort von Bundesarbeitsminister Walter Riester. Es beginnt eine zeitweise Verschmelzung von Bertelsmann mit den &ouml;ffentlichen Tr&auml;gern. <\/p><p>Das Handbuch &raquo;Beratung und Integration&laquo; greift dabei schon tief ins Selbstverst&auml;ndnis sozialer Dienstleistungen ein. Es wird arbeitsmarktzentriertes Casemanagement anhand von Best-Practice-Beispielen Schritt f&uuml;r Schritt erl&auml;utert und empfohlen den Prinzipienstreit um die Sanktionen doch hintan zu stellen und ganzheitlich zu f&ouml;rdern und zu fordern. Die Beispiele ersch&ouml;pfen sich aber in durchg&auml;ngig unfreiwilligen Ma&szlig;nahmen, bei denen sogar das simpelste Gespr&auml;chsangebot mit Rechtsmittelbelehrung und Androhung von Leistungsentzug versehen ist (Beispiel aus Bielefeld). &raquo;Teacher, preacher, friend and cop&laquo; m&uuml;sse der neue Fall-Manager sein, und das sei nicht nur eine neue Berufsbezeichnung, sondern stehe f&uuml;r einen grundlegenden Paradigmenwechsel hin zu ganzheitlichen Strategien zur Eingliederung Arbeitsloser in das Erwerbsleben, schreiben Stefan Empter und Helga Hackenberg in der Einleitung. <\/p><p>Hier wird der bisherige sozialrechtliche Begriff der Beratung und pers&ouml;nlichen Hilfe (Spindler 2002b) umgepolt, und so wundert es nicht, wenn eine resolute Projektleiterin aus Pirmasens an anderer Stelle vertritt:&ldquo; Wer sich nicht beraten l&auml;sst, bekommt auch kein Geld&ldquo; (Nagel 2002:18)  oder wenn die K&ouml;lner Vertreter in der Fachzeitschrift der AWO fordern, dass sich ein sozialer Berater auch die H&auml;nde mit Sanktionen schmutzig machen m&uuml;sse. Dieses Selbstverst&auml;ndnis wird auch von den beauftragten sozialen Dienstleistern gefordert (Genz\/Schwendy 2004:10). Und der Umgang mit Software zur vollst&auml;ndigen Erfassung auch der pers&ouml;nlichsten Daten und Auswertung des Casemanagementprozesses scheint allemal wichtiger als Kenntnisse von sozialen oder Arbeitsrechten der zu managenden Personen oder gar deren Bed&uuml;rfnissen und Neigungen zu sein.<\/p><p>Mit traditionellen Instrumenten und Ma&szlig;nahmen jedenfalls k&ouml;nne man Menschen nicht mehr in den Arbeitsmarkt integrieren. <\/p><p>Diese z.T. didaktisch r&uuml;hrend einf&uuml;hlsam aufbereitete Handbuchreihe wird dann 2003 durch das &raquo;Handbuch: Steuerung der Arbeitsmarktpolitik &ndash; Prinzipien, Methoden und Instrumente&laquo; erg&auml;nzt, das den Umgang mit Benchmarking und Qualit&auml;tsmanagement abrunden soll. Auch der Endbericht des Bik Projektes folgte 2003: &raquo;Lokale Arbeitsmarktpolitik &ndash; Stand und Perspektiven&laquo;, herausgegeben von Helga Hackenberg alleine. Er wird bezeichnenderweise unter der &Uuml;berschrift: &raquo;Hilfen gegen den finanziellen Kollaps in Kommunen&laquo; mit der Bertelsmann-Pressemitteilung vom 18. September 2003 der &Ouml;ffentlichkeit vorgestellt. Worin der &raquo;finanzielle Kollaps&laquo; durch arbeitslose Sozialhilfebezieher bestanden haben soll, bleibt im Dunkeln.<br>\nAber das wird in diesem Rahmen nicht weiterverfolgt, denn auch dieses Projekt wurde ja im ersten Halbjahr 2002 von der Einsetzung der Hartz-Kommission &uuml;berholt.<\/p><p>Die direkten Kommissions-Zuarbeiten durch die Bertelsmann Stiftung<\/p><p>Hier ist der operative Einfluss von au&szlig;en her schwerer nachzuvollziehen, aber er wird, bzw. wurde auch nicht verschwiegen.<\/p><p>In mehreren Publikationen ist pl&ouml;tzlich von einer Arbeitsgruppe der Bertelsmann Stiftung: &raquo;Reform der Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe&laquo; die Rede. Nach einem stiftungsinternen Bericht von Frank Frick arbeitete diese Arbeitsgruppe in Abstimmung mit dem Bundesarbeitsministerium. Er berichtet weiter, dass die Arbeitsgruppe die M&ouml;glichkeiten der besseren Zusammenarbeit von Arbeits&auml;mtern und Kommunen untersucht habe, wobei diese Ma&szlig;nahme &raquo;sich als ungeeignet herausgestellt hat, die Probleme auf dem Arbeitmarkt zu l&ouml;sen. Sinnvoller erscheint vielmehr ein steuerfinanziertes einheitliches System, in dem s&auml;mtliche Leistungen aus einer Hand erfolgen&laquo; (Frick 2002a). Das bedeutet aber, die Bertelsmann-Arbeitsgruppe hat irgendwann allen vorherigen Kooperationsempfehlungen zum Trotz schon einmal die Entscheidung f&uuml;r ein neues, einheitliches System getroffen.<\/p><p>Es begann ein hektisches Publizieren und nat&uuml;rlich weitere Auftragsvergabe, die noch am Besten im Infopool von <a href=\"http:\/\/www.bik-online.de\">www.bik-online.de<\/a> nachzuvollziehen &ndash;  war. Irgendwann im Herbst des Jahres 2006 und gl&uuml;cklicherweise erst nach Abschluss dieser Recherche  ist diese Fundstelle allerdings verschwunden . Ob das dem verst&auml;rkten &ouml;ffentlichen Interesse an dem Einfluss  der Stiftung bei der Hartz- Reform oder einer allgemeinen Neuordnung des Internetauftritts geschuldet  ist , ist nicht zu ermitteln. Viele Arbeiten sind auch in den Anlagen zum Bericht der Hartz-Kommission enthalten, die heute nur noch in der CD-ROM-Version des Kommissionsberichts nachzulesen sind. Die Kommission selber teilte sich f&uuml;r ihre Arbeit in f&uuml;nf Teilprojekte auf, die f&uuml;nf mehr oder weniger aussagekr&auml;ftige Teilberichte und einen Zwischenbericht vorlegten. Diese Berichte sind noch im Internet zu finden, etwa bei <a href=\"http:\/\/www.arbeitnehmerkammer.de\/sozialpolitik\">www.arbeitnehmerkammer.de\/sozialpolitik<\/a>.<\/p><p>Aufgeteilt hat sich offenbar auch die Bertelsmann-Arbeitsgruppe. Die Unterarbeitsgruppe: &raquo;Reduzierung des Nebeneinanders der Hilfesysteme&laquo; beauftragte Bruno Kaltenborn im Februar 2002 mit einer Expertise: &raquo;Quantitative Wirkungen und Anreize f&uuml;r die beteiligten Fiski&laquo; (Nachgedruckt in Gesundheits- und Sozialpolitik Heft 1&ndash;2\/2003) und im M&auml;rz 2002 mit einer Datensammlung zur Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Beides offenbar zur Untermauerung der Forderung, die Systeme zusammenzulegen. Sp&auml;ter folgte noch ein Auftrag zu den fiskalischen Konsequenzen der Personal-Service-Agenturen. <\/p><p>Bruno Kaltenborn ist freiberuflicher Wirtschaftsforscher und Politikberater, der sich, nachdem die Gr&uuml;nen mit der Regierungsbeteiligung ihr Grundsicherungsmodell aufgegeben hatten, mit Begleituntersuchungen zu Kombilohnmodellen einen Namen gemacht hat. <\/p><p>Und nat&uuml;rlich ergingen Auftr&auml;ge an Helmut Hartmann, der schon im Februar 2002 in Kurzfassung ein Organisationsmodell der Arbeitsf&ouml;rderung vorlegte und im Juni 2002 ein Expose zur Arbeitsmarktpolitik in den Niederlanden, das eine sehr anschauliche Beschreibung des als Vorbild favorisierten Centrum voor Werk en Inkomen (CWI) gab. Hartmann beschreibt sp&auml;ter sein Wirken selbst so: <\/p><p>&raquo;Auf dem Gebiet der Hartz-Gesetzgebung hat con_sens mehrere Studien f&uuml;r die Bertelsmann Stiftung erstellt (bik-online im www), darunter als Hintergrundmaterial f&uuml;r den Bericht der Hartz-Kommission f&uuml;r 15 Staaten kurze &Uuml;bersichten zur Arbeitsmarktpolitik mit dem Schwerpunkt &rsaquo;Steuerung&lsaquo; und &rsaquo;Innovationen&lsaquo;. Die Studien liegen als Anlage zum Bericht der Hartz-Kommission vor und wurden Ende 2002 als gesonderte Publikation von der Bertelsmann Stiftung herausgegeben&laquo; (Deutscher Verein 2005).<\/p><p>In den Materialien zum Kommissionsbericht finden sich unter der &Uuml;berschrift: &raquo;Internationaler Vergleich&laquo; 15 L&auml;nderstudien, die con_sens im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt hat. <\/p><p>Am 7. M&auml;rz 2002 muss eine weitere Arbeitsgruppe unter Moderation der Bertelsmann Stiftung getagt haben, deren Ergebnisse von J&uuml;rgen Kruse pr&auml;sentiert wurden, einem Sozialrechtler, der bislang mehr im Krankenversicherungsrecht gearbeitet hatte. Dabei ging es unter dem Titel: &raquo;Reform von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe&laquo; alternativ um entweder eine verbesserte Koordinierung beider Systeme oder um die Zusammenf&uuml;hrung derselben und um allgemeine Pr&auml;missen und Bewertungskriterien. F&uuml;r was man sich auch entscheide, im Vordergrund m&uuml;ssten die Eingliederungsma&szlig;nahmen stehen, w&auml;hrend die Unterhaltssicherungsleistungen demgegen&uuml;ber f&uuml;r alle erkennbar zur&uuml;cktreten m&uuml;ssten. Am besten sollte das Prinzip &raquo;Keine Leistung ohne Gegenleistung&laquo; gelten und Geldleistungen nur erbracht werden, solange sich der Erwerbslose aktiv um Eingliederung in das Erwerbsleben bem&uuml;he. Diese Papiere, die ausdr&uuml;cklich vorl&auml;ufigen Charakter haben sollten, sind ebenfalls in den Anlagen zum Kommissionsbericht enthalten. <\/p><p>Richtig aktiv wird Frank Frick selber. Von ihm ist ein 7-seitiges Strategiepapier: &raquo;Zur Diskussion um die Reform von Arbeitslosen- und Sozialhilfe&laquo; und ein Folienvortrag: &raquo;Reformkonzepte zur institutionellen Zusammenarbeit und Systemreform&laquo; bereits im Januar 2002 nachgewiesen. In dem Strategiepapier wird bereits die grundlegende Systemreform favorisiert, zu der die Bertelsmann Arbeitsgruppe gefunden habe und pr&auml;gnant die Zielsetzung formuliert: &raquo;In der Arbeitsgruppe gab es einen Konsens &uuml;ber das oberste Ziel: Die Reduzierung und Vermeidung der Hilfebed&uuml;rftigkeit. Alle anderen Ziele &ndash; Transparenz und B&uuml;rgerfreundlichkeit, Kundenorientierung und Akzeptanz &ndash; m&uuml;ssen dahinter zur&uuml;ckstehen, damit es keine Zielkonflikte gibt&laquo; (ebd.: 3). Die Folien finden sich als Sachverst&auml;ndigenbeitrag in den Kommissionsmaterialien wieder. <\/p><p>Am 22.05.2002 fand mit Unterst&uuml;tzung der Bertelsmann Stiftung in Berlin f&uuml;r alle Teilprojekte der Kommission ein Benchmarking-Workshop: &raquo;Reformen der Arbeitsverwaltung im internationalen Vergleich&laquo; statt, in dem Vertreter aus &Ouml;sterreich, Gro&szlig;britannien, Schweiz und Niederlande ihre Systeme darstellten. Die auswertende Abschlussdiskussion wurde von Frank Frick geleitet.<\/p><p>Zu den Sitzungen der Kommission am 27. Mai 2002 und am 21. Juni 2002 sind von ihm zwei Sachverst&auml;ndigenberichte &uuml;ber die Ergebnisse von 5 L&auml;nderreisen und den Umbruch in insgesamt 15 Arbeitsverwaltungen in Europa und &Uuml;bersee nachgewiesen. Das Ganze wurde im Sp&auml;tjahr 2002 als Brosch&uuml;re: &raquo;Arbeitsverwaltungen im Wandel &ndash; Erfahrungen aus 15 L&auml;ndern im Vergleich&laquo; im Bertelsmann Verlag publiziert. F&uuml;r mehr visuell eingestellte Menschen produzierte die Bertelsmann Stiftung parallel noch einen Film mit Begleitheft: &raquo;Die Arbeitsverwaltung im Umbruch &ndash; europ&auml;ische Impressionen&laquo; mit Reportagen aus Gro&szlig;britannien, D&auml;nemark und Niederlande.<\/p><p>FAZ.NET vom 13.August 2002 (&raquo;Hartz-Ideen europaweit im Trend&laquo;) berichtete zu diesen Aktivit&auml;ten: &raquo;Anleihen nimmt das Hartz-Konzept vor allem bei den europ&auml;ischen Nachbarn Niederlande, Gro&szlig;britannien, &Ouml;sterreich, Schweiz und Schweden. Die Bertelsmann-Stiftung erstellte im Mai und Juni 15 L&auml;nderberichte f&uuml;r die Hartz-Kommission. Das Gremium war &rsaquo;hellauf begeistert&lsaquo;, erinnert sich ein Stiftungsmitarbeiter&laquo;. Wie sich aus einer anderen Quelle ergibt, hatte die Stiftung auch gleich Studienfahrten an die besagten Orte organisiert (Fleckenstein 2004: 654).<\/p><p>Das Januar-Diskussionspapier von Frank Frick und die Beitr&auml;ge von J&uuml;rgen Kruse werden im Zwischenbericht der Hartz-Kommission &uuml;ber weite Strecken aufgenommen. <\/p><p>Besonders gefragt scheinen die Ansichten der Bertelsmann Stiftung im Teilprojekt II der Kommission: &raquo;Lohnersatzleistungen und Sozialhilfe&laquo; gewesen zu sein, dem Isolde Kunkel-Weber von der Gewerkschaft ver.di, Harald Schartau, ehemaliger Bezirksleiter der IG Metall in NRW und gerade zum SPD-Minister f&uuml;r Arbeit und Soziales in NRW aufgestiegen und Wolfgang Tiefensee, SPD-Oberb&uuml;rgermeister von Leipzig, angeh&ouml;rten. Der Bericht des Teilprojekts weist einen Workshop am 12. April 2002 aus, bei dem u.a. Frank Frick als Sachverst&auml;ndiger eingeladen war und einen Workshop am 16. Mai in K&ouml;ln, wo nicht nur die K&ouml;lner Sozialverwaltungen breiten Raum hatten, ihr Modell darzustellen, sondern auch Eric Thode von der Bertelsmann Stiftung einen umfangreichen Vortrag zu &raquo;Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe im internationalen Vergleich&laquo; hielt. Die inhaltlichen Bez&uuml;ge, die sich daraus in den Teilberichten und im Endbericht nachweisen lassen, k&ouml;nnen hier nicht weiter vertieft werden. <\/p><p>Was bei diesen begeisterten L&auml;ndervergleichen &uuml;berspielt wurde: Die britischen Jobcenter Plus haben erst am 1. April 2002 ihre Arbeit begonnen, die niederl&auml;ndischen CWI Anfang 2002. Es gab bis dato nur beh&ouml;rdenseitige Selbstdarstellungen aus diesem Bereich, die auch die Kommissionsmaterialien bestimmten &ndash; keine gesicherten Ergebnisse. Einen Hinweis auf die Mindestlohnpolitik in beiden L&auml;ndern oder die deutlich h&ouml;heren Quoten von anerkannt Erwerbsunf&auml;higen, die das verst&auml;rkte Fordern dort ertr&auml;glicher erscheinen lassen, vermisst man v&ouml;llig. Erfahrungen der betroffenen Arbeitslosen selbstverst&auml;ndlich auch. Nach neueren Erkenntnissen waren die von der Stiftung sehr propagierten Jobcenter in anderen L&auml;ndern doch nicht so ganz unumstritten, weswegen man sich lieber das damals modellhaft bestehende K&ouml;lner Jobcenter zum Vorbild nahm (Fleckenstein 2004: 657f), das ja ebenfalls zum Bertelsmann-Netzwerk geh&ouml;rte und sich an diesen Vorbildern orientierte. <\/p><p>Was die Akteure auch dabei in ihrer Begeisterung ganz &uuml;bersehen haben oder &uuml;bersehen wollten: das K&ouml;lner Jobcenter lag zwar r&auml;umlich beim Arbeitsamt, war aber in Wirklichkeit ein Sozialamt, das sich nur noch auf Besch&auml;ftigungsangebote um jeden Preis konzentrierte und dabei seine &uuml;brigen Sozialhilfeaufgaben bereits vernachl&auml;ssigte (Spindler 2002c; Scholz 2004); die Jugendabteilung Jobb&ouml;rse Junges K&ouml;ln erzielte ihre Haupterfolge durch den in den Folgen nicht genau erfassbaren Abgang von gro&szlig;en Gruppen junger Antragsteller (Spindler 2003). Weder diese negativen Seiten, noch die ungekl&auml;rten Zust&auml;ndigkeiten und Abgrenzungsprobleme, die fachliche Kritik am praktizierten Casemanagement und die damals nicht seri&ouml;s erfassbaren Kosten dieses Modells wurden je zur Kenntnis genommen.<\/p><p>Immerhin: die Arbeit des Teilprojekts II f&uuml;hrte zum Modul 6 des Berichts der Kommission &raquo;Zusammenf&uuml;hrung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe&laquo; und das wurde als fast einziges Modul sp&auml;ter mit der Verabschiedung des neuen Sozialgesetzbuch II (= &raquo;Hartz IV&laquo;) auch umgesetzt.<\/p><p>Schlie&szlig;lich ist noch im Juni 2002 etwas mehr &ouml;ffentlich ein &raquo;Positionspapier&laquo; der Bertelsmann Stiftung: &raquo;Eckpunkte einer Reform von Arbeitslosen- und Sozialhilfe&laquo; nachzulesen, das die bisher erarbeiteten Empfehlungen zusammenfasst. Erstaunlich ist das Nachwort: die Bertelsmann Stiftung sei beim Verfassen des Papiers durch &raquo;eine Kommission aus unabh&auml;ngigen Sachverst&auml;ndigen&laquo; beraten worden, denen auch f&uuml;r &raquo;die offene, konstruktive Kritik&laquo; gedankt wird. Von diesen 29 Kommissionsmitgliedern sind ca. 15 leitende Mitarbeiter von Bundes- und Landesministerien, kommunalen Spitzenverb&auml;nden und von der Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit. Dann folgen aus dem Bereich kommunaler Tr&auml;ger Vertreter aus&hellip; K&ouml;ln, Krefeld, Hamburg, Osnabr&uuml;ck, Pirmasens, Zwickau und Herne &ndash; man kennt sich von BiK! Dann kommen noch Herr Hartmann, Herr Kaltenborn und Herr Kruse, Herr Empter, Herr Frick und Frau Hackenberg und last not least Herr Kannengie&szlig;er von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverb&auml;nde. Seit wann m&uuml;ssen Tr&auml;ger &ouml;ffentlicher Aufgaben als unabh&auml;ngige Experten eine private Stiftung bei einem Positionspapier &uuml;ber die Bestimmung ihrer Aufgaben beraten? Und seit wann sind eigene Mitarbeiter und Auftragnehmer unabh&auml;ngige Experten?<br>\nDa haben sich offenbar irgendwelche Koordinaten im Selbstverst&auml;ndnis verschoben.<\/p><p>Auch mag Herr Frick seine Patenschaft nicht ganz unter den Scheffel stellen. Mit dem Hinweis auf diese von der Stiftung erarbeiteten Quellen meldete er sich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu Wort. &raquo;Jedes der untersuchten L&auml;nder k&ouml;nne gr&ouml;&szlig;ere Erfolge auf dem Arbeitsmarkt vorweisen als Deutschland, sagte Frank Frick, Arbeitsmarktexperte bei der Bertelsmann Stiftung, die an der Kommissionsarbeit beteiligt war&laquo; (&raquo;Peter Hartz wird in ganz Europa f&uuml;ndig&laquo;, FAZ 16.8.2002: 10. Der Bericht hat viel &Auml;hnlichkeit mit dem von Alexander Jung: &raquo;Empfangspersonal statt Panzerglas&laquo; im Spiegel Nr. 26\/2002: 28f und von Clemens Wieland im (Bertelsmann-)Forum 4\/2002). Danach benennt er die &uuml;bertragbaren Elemente aus den einzelnen L&auml;ndern. In seiner Auswertung der internationalen Erfahrungen setzt er sich dann zwar ein wenig von der Kommission ab und propagiert die leicht ver&auml;nderte Bertelsmann Schwerpunktsetzung, die das Gebiet noch st&auml;rker wettbewerblich durchdringen will, aber im gro&szlig;en und ganzen besteht &Uuml;bereinstimmung, was Leiharbeit, Jobcenter, st&auml;rkere Zumutbarkeit und wettbewerbliche Elemente bei der Arbeitsvermittlung angeht. <\/p><p><strong>Im August 2002 erschien dann endlich der Bericht der Hartz-Kommission<\/strong><\/p><p>Doch der wurde ja sehr rasch nur als Zwischenetappe zur Agenda 2010 begriffen. Aber immerhin war der Kommission gelungen, jedenfalls vor den Wahlen den Eindruck zu erwecken, es werde so etwas wie eine Arbeitslosenhilfe f&uuml;r alle geben und eine umfassende Betreuung durch die Arbeits&auml;mter. Etwas, was viele sozialdemokratische W&auml;hler oder auch Wohlfahrtsverb&auml;nde, wie etwa der DPWV ganz positiv aufnahmen. Dass das so ernst nicht gemeint war und nicht die Arbeits&auml;mter f&uuml;r die Sozialhilfe, sondern das System der Sozialhilfe f&uuml;r die Arbeitslosenhilfebezieher erschlossen werden sollte (Spindler 2002c), das merkten viele erst sp&auml;ter. <\/p><p>Und auch in der Konzeption der Personalserviceagentur (PSA) erkannte man, gerade wenn man das niederl&auml;ndische Vorbild vor Augen hatte, die Probleme schnell. Durchgesetzt in der Kommission hatte sich nach einem Insiderbericht der hessische Landesarbeitsamtsleiter Wilhelm Schickler, der das Modell der vermittlungsorientierten Arbeitnehmer&uuml;berlassung durch das berufliche Fortbildungszentrum der Bayrischen Wirtschaft anderen nationalen und internationalen Vorbildern vorzog. Weil sich das auch von der von Peter Hartz favorisierten Wolfsburger Personalserviceagentur stark unterschied, hat sich zur Sicherheit parallel zur Kommissionsarbeit zusammen mit Wilhelm Schickler eine ungew&ouml;hnliche Kooperation am Rande ergeben, die sich in einer weiteren Brosch&uuml;re der Stiftung niederschl&auml;gt: Weil es f&uuml;r die PSA noch an detaillierten konkreten Konzepten fehle, &raquo;haben sich die Bertelsmann Stiftung, die Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit und McKinsey &amp; Company entschlossen, ihr know-how zu b&uuml;ndeln und parallel zur Arbeit der Kommission mit vereinten Kr&auml;ften einen Beitrag zu leisten. &rsaquo;Gemeinsam sind wir stark&lsaquo; war hier das Motto [&hellip;]. Das Ergebnis dieser ebenso intensiven wie fruchtbaren Zusammenarbeit von hochrangigen Experten der beteiligten Institutionen&laquo; war die Brosch&uuml;re &raquo;Die Personal-Service- Agentur (PSA)&laquo;, die bereits Anfang Herbst 2002 vorlag und schon in den Kommissionsbericht eingespeist wurde (Fleckenstein 2004: 660f). Zu L&ouml;hnen in H&ouml;he des Arbeitslosengelds II oder ein wenig dar&uuml;ber, sollten ca. 375 000 Arbeitslose innerhalb von 5 Jahren arbeiten und vermittelt werden.<\/p><p>Diese M&uuml;he war vergebens. Die niederl&auml;ndische Firma Maatwerk &ndash; in Deutschland bisher nur in einigen lokalen Sozialhilfevermittlungsprojekten (Hamburg u.a.) erfahren &ndash; hatte &uuml;ber 200 Auftr&auml;ge f&uuml;r PSAen durch ein besonders g&uuml;nstiges Angebot an sich gezogen und hatte sich diesem Gesch&auml;ft nicht gewachsen gezeigt. Unseri&ouml;se Abrechnung von Zusch&uuml;ssen und schlechte Behandlung von Arbeitslosen lie&szlig; man ihr noch durchgehen (&raquo;Personal-Service-Agenturen sahnen Arbeitsamtszusch&uuml;sse ab&laquo;, FAZ 21.01.2004: 13, mit Verweis auf die reichlich besch&ouml;nigenden IAB- Kurzberichte 1 und 2\/2004; Wompel 2004), aber den Konkurs im Februar 2004 konnte man dann doch nicht abwenden (&raquo;Pleite nach Ma&szlig;&laquo;, Spiegel 9\/2004: 99). Es gibt Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass das inzwischen stark zur&uuml;ckgegangene gef&ouml;rderte Verleihgesch&auml;ft von den Besch&auml;ftigungsgesellschaften durch den  noch viel weniger geregelten und kontrollierten Verleih von Ein-Euro-Kr&auml;ften form- und rechtloser bewerkstelligt werden kann ( Spindler 2004; 2006 ) . Profitiert von dem Vorgang hat allerdings die Leiharbeit in Deutschland allgemein, die aufgewertet und von arbeitsrechtlichen Beschr&auml;nkungen befreit wurde (Schmid 2003a) und sogar von den Gewerkschaften mit einem Tarifabschluss honoriert wurde, der noch unter den Mindestarbeitsbedingungen in einigen Nachbarl&auml;ndern liegt. Damit hatte die gescheiterte PSA vermutlich ihren eigentlichen Hauptzweck erf&uuml;llt.<\/p><p>Am 7. M&auml;rz 2003 veranstalteten die Bertelsmann Stiftung und die Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit dann noch eine gemeinsame Fachtagung: &raquo;Job Center &ndash; die lokalen Zentren f&uuml;r Integration und Besch&auml;ftigung&laquo;, in der die konkreten Aufbauprobleme diskutiert und in einer gemeinsamen Brosch&uuml;re festgehalten wurden. Den &raquo;Blick &uuml;ber den Zaun&laquo; erm&ouml;glichte die schon aus dem internationalen Workshop vom 22.5. 2002 bekannte Lynda Russel aus Kent\/UK, deren Vortrag unter der &Uuml;berschrift: &raquo;From Vision to Reality&laquo; die Stichworte &raquo;Managing the change&laquo;, &raquo;Leadership for change&laquo; abarbeitete und allerlei sozialtechnokratisches Know-how lieferte, einschlie&szlig;lich des &raquo;Mantra der Jobcentres Plus: Arbeit f&uuml;r alle die k&ouml;nnen, Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die, die nicht k&ouml;nnen&laquo; &ndash; alles weitere entscheidet der Beh&ouml;rdenmitarbeiter. Die Tagung wurde aufgearbeitet in einer gemeinsamen Brosch&uuml;re: &raquo;Job Center. Konzeption und Diskussion der lokalen Zentren f&uuml;r Erwerbsintegration&laquo; (verantwortlich: Helga Hackenberg, 2003). Dabei wird nach dem &raquo;Work-first&laquo;-Prinzip bereits erwogen, die Leistungsantr&auml;ge erst nach Beratung und nachgewiesenen vergeblichen Arbeitsbem&uuml;hungen der Arbeitslosen anzunehmen (ebd.: 46) und die &Uuml;bertragung dieser Praxis auch auf den Arbeitslosengeldbereich angedacht. Noch deutlicher wird es bei den Perspektiven: &raquo;Eine tragf&auml;hige L&ouml;sung f&uuml;r die Integration arbeitsmarktpolitischer Dienstleistungen erfordert: [&hellip;]  Eine starke Vereinfachung des SGB III, wobei das BSHG hier durchaus Modellcharakter f&uuml;r die Neugestaltung bei bestimmten Fragestellungen haben kann&laquo; (ebd.: 83f). Im Klartext bedeutet das zusammen mit den anderen Vorschl&auml;gen: Workfare und F&uuml;rsorgesystem f&uuml;r alle Arbeitslosen, auch f&uuml;r die Bezieher der Versicherungsleistung Arbeitslosengeld. <\/p><p>In diesem Zusammenhang steht vermutlich auch noch die 2003 im Auftrag der Stiftung erstellte &raquo;Kurzexpertise: Zielsteuerung in der Arbeitsmarktpolitik &ndash; vom Ausland lernen? Die Beispiele &Ouml;sterreich und das Vereinigte K&ouml;nigreich&laquo; von Helmut Hartmann.<\/p><p>Dabei wird hervorgehoben, dass Recht in diesen L&auml;ndern nur als allgemeiner gesetzlicher Rahmen, eine Art H&uuml;lle, existiert, w&auml;hrend die konkrete Steuerung durch eine m&ouml;glichst reduzierte, quantitative Ziel- und Erfolgsbestimmung, dezentrale Entscheidungsm&ouml;glichkeiten, nicht&ouml;ffentliche Expertengremien oder &uuml;ber Delegation an au&szlig;enstehende Dienstleister erfolgt. Dort gibt es weniger gerichtliche oder sonstige Kontrolle, nur noch Zielvereinbarung und Kontraktmanagement, kein bestimmtes, f&uuml;r den B&uuml;rger kalkulierbares und im Ergebnis beeinflussbares Verfahren und Ergebnis mehr. Er hat nur noch &raquo;Chancen&laquo;, aber keine subjektiven Rechte mehr. Vor diesem Hintergrund werden auch &Auml;nderungsw&uuml;nsche f&uuml;r das SGB III formuliert: m&ouml;glichst kurz soll es werden, m&ouml;glichst wenig Rechte, m&ouml;glichst gro&szlig;e Handlungsspielr&auml;ume f&uuml;r operativ t&auml;tige Akteure und ein einfacher, rechtlich und praktisch leicht praktizierbarer Sanktionsmechanismus&hellip; (ebd.: 35f). <\/p><p><strong>Die hier gelieferte Zusammenstellung verdeutlicht eines: Ohne die Vor-, Zwischen- und Mitarbeit der Bertelsmann Stiftung auf vielen Ebenen w&auml;ren die Vorschl&auml;ge der Hartz-Kommission und die folgenden gesetzgeberischen Aktivit&auml;ten fachlich und auch institutionell schon gar nicht umzusetzen gewesen.<\/strong> <\/p><p>Mit Hartz IV ist ein erster Durchbruch gelungen, der die zeitweiligen Schw&auml;chephasen der Politik mit kontinuierlicher strategischer Aktivit&auml;t kompensierte. Umgekehrt muss auch Werner Eichhorst nachtr&auml;glich der Politik ihren Anteil zugestehen; &raquo;Die Entwicklung der Vorschl&auml;ge der Hartz-Kommission w&auml;re ohne das &rsaquo;window of opportunity&lsaquo; (Zeitfenster) des &rsaquo;Vermittlungsskandals&lsaquo; nicht m&ouml;glich gewesen. Erst durch die geschickte Nutzung dieser Gelegenheit durch die Bundesregierung zur Einsetzung einer Expertenkommission gelang es etablierte Reformblockaden in der Arbeitsmarktpolitik aufzubrechen.&laquo; Er liefert auch gleich noch sein Politikverst&auml;ndnis nach: &raquo;Gegen&uuml;ber den etablierten parteipolitisch gepr&auml;gten parlamentarischen Entscheidungsprozessen und auch im Vergleich zum blockierten &rsaquo;B&uuml;ndnis f&uuml;r Arbeit&lsaquo; profitierte die Arbeit der Hartz-Kommission von ihrer pluralistischen Zusammensetzung, bei der Vertreter der Parteien und Verb&auml;nde sowie der Wissenschaft nur eine untergeordnete Rolle spielten. Pr&auml;gender waren Unternehmer und Unternehmensberater.&laquo; Da macht es f&uuml;r ihn auch nichts, dass die &raquo;Verst&auml;ndigung innerhalb der Kommission&laquo; &raquo;nur um den Preis teilweise widerspr&uuml;chlicher oder mehrdeutiger Formulierungen erreicht werden konnte&laquo; und eine &raquo;Eins-zu-eins&laquo;-Umsetzung gar nicht m&ouml;glich gewesen w&auml;re. Entscheidend sei, dass sie &raquo;wesentliche Impulse zur strukturellen Reformen des deutschen Besch&auml;ftigungssystems geliefert&laquo;, &raquo;die Notwendigkeit weitergehender Ver&auml;nderungen veranschaulicht&laquo; und damit die &raquo;&rsaquo;Agenda 2010&lsaquo; erst erm&ouml;glicht&laquo; habe (Eichhorst 2006) <\/p><p>&Auml;hnlich bewerten die beiden Kommissionsmitglieder G&uuml;nther Schmid und Werner Jann die mehr volksp&auml;dagogische Wirkung der Kommission, wenn sie 2004 ihr Buch: &raquo;Eins zu eins? Eine Zwischenbilanz der Hartz-Reformen am Arbeitsmarkt&laquo;, damit vorstellen, dass zwar bei einzelnen Modulen die Erwartungen zu hoch gesteckt gewesen w&auml;ren, dass die Kommission dennoch &raquo;zum ersten Mal ein koh&auml;rentes Gesamtkonzept f&uuml;r einen modernen und flexiblen Arbeitsmarkt vorgelegt, eine klare Agenda f&uuml;r die Reformdiskussion vorgegeben und eine nachhaltige Reformbewegung in Gang gesetzt&laquo; habe. Insofern sei &raquo;ein Lernproze&szlig; im Geiste des Gesamtkonzepts wichtiger als eine mechanistische Eins-zu-eins-Umsetzung&laquo;.<\/p><p>Und abschlie&szlig;end auch noch der Blick von Frank Frick auf die Hartz-Kommission: Unter der &Uuml;berschrift &raquo;Reform-Lehrst&uuml;ck&laquo; kommentiert er die Voraussetzungen und Gr&uuml;nde f&uuml;r die erfolgreiche Kommissionsarbeit:<br>\n&bdquo;Skandal&ldquo; um gef&auml;lschte Vermittlungszahlen: in dieser institutionell verkrusteten, korporatistisch gepr&auml;gten, f&ouml;deralistisch verfassten und lobbyistisch unterwanderten Republik gibt es wirkliche Reformchancen nur noch angesichts eines handfesten Skandals. <\/p><ul>\n<li>Der Vergleich als Aufbruch aus der Lethargie: Die Menschen waren nicht bereit, tatenlos zuzuschauen, wie Arbeitslosigkeit lediglich verwaltet wird. Wenn die Nachbarl&auml;nder D&auml;nemark, Niederlande, Gro&szlig;britannien, Schweiz und &Ouml;sterreich derartig erfolgreich Besch&auml;ftigung aufbauen, werden in einem Wahljahr Erwartungen geweckt.<\/li>\n<li>Berufung geeigneter Personen: Vollblutpolitiker sa&szlig;en nicht in der Kommission &ndash; niemand hatte ein Interesse daran, kurz vor der Wahl unangenehme Ma&szlig;nahmen zu vertagen und stattdessen Wahl- und Sonntagsreden in Berichtsform vorzulegen. Auch handelte es sich nicht um institutionelle Beteiligungen &ndash; die Kommissionsmitglieder bildeten zwar die wichtigen gesellschaftlichen Gruppen ab, waren aber als Personen berufen und erwehrten sich erfolgreich der Instrumentalisierung.<\/li>\n<li>Ein mutiger Vorsitzender: Peter Hartz hat den Auftrag des Kanzlers zum Umbau der Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit eigenm&auml;chtig ausgeweitet. Die Halbierung der Arbeitslosigkeit erschien ihm zu Recht als erstrebenswertes Ziel.<\/li>\n<li>Kluge Hintergrundarbeit: W&auml;hrend die Kommission tagte, analysierte und diskutierte, wurden hinter den Kulissen die Spielr&auml;ume ausgelotet und die heiligen K&uuml;he identifiziert. Heraus kam das erfolgversprechendste Reformpaket der deutschen Arbeitsmarktpolitik&laquo; (Frick 2002b: 22).<\/li>\n<\/ul><p>Hier formuliert sich ein Selbstverst&auml;ndnis, ganz in dem Sinn wie Gunter Thielen es f&uuml;r die Stiftung schildert: Policy Analysis und strategische Politikberatung &raquo;werden auch bei uns in dem Ma&szlig;e an Bedeutung zunehmen, in dem die gro&szlig;en Parteiapparate und politischen Stiftungen durch ihre unaufhaltsame &Uuml;beralterung, hemmungslose Interessenpolitik und &uuml;berbordende B&uuml;rokratie erstarren. Die Bertelsmann Stiftung hat k&uuml;nftig die M&ouml;glichkeit aus ihren Kompetenzfeldern heraus hochagile Think Tanks zu bilden, in denen junge Menschen zu Ideenbrokern werden. Ein Mutterschiff mit vielen kleinen Schnellbooten; das ist der Flottenverband, mit dem die Bertelsmann Stiftung k&uuml;nftig im Wettbewerb der politischen Ideen kreuzen wird&laquo; (Thielen, 2002: 26).<\/p><p>Am Hartz-Beispiel zeigt sich, dass es nicht nur Ideenwettbewerb, nicht nur flei&szlig;ige Hintergrundarbeit ist, sondern in der Summe ein strategisch aktives Agieren und Vor-Ausw&auml;hlen unter handverlesenen Partnern und ideologischen Positionen und das, wie man so sch&ouml;n sagt, &raquo;finanziell gut gepolstert&laquo;. Insofern ist die Trennung zwischen Politikakteuren und Zuarbeitern, die Fleckenstein noch glaubt treffen zu k&ouml;nnen (Fleckenstein 2004: 669), und die ihm vermutlich aus sehr unterschiedlichen Gr&uuml;nden von seinen Gespr&auml;chspartnern nahegelegt wurde, nicht einfach aufrecht zu erhalten. Und auch G&uuml;nter Schmid, der ansonsten ein recht informatives Bild des Netzwerks der Hartz-Kommission zeichnet (Schmid 2003b: 77), verschleiert den Einfluss der Stiftung durch drei mysteri&ouml;se &raquo;Einfluss&laquo;-Pfeile mehr, als er ihn aufkl&auml;rt. Dabei fehlt auch noch ein wichtiger vierter Pfeil im Bereich Presse\/Medien vollst&auml;ndig, der sich keinesfalls nur auf die Bertelsmann-Organe beschr&auml;nkte.<\/p><p>Wenn man die hemmungslose Sehnsucht nach einer vollst&auml;ndig widerspruchsfreien Gesellschaft, zu der sich Peter Hartz sp&auml;ter bekennt (Hartz: &raquo;Ich habe einen Traum&laquo;, 2005; dazu auch J&auml;ger: &raquo;Hartz tr&auml;umt, Wenn ich die Regierung w&auml;r: Peter und die Tafelrunde&laquo;, 2005), seine Vorstellung von der mittelalterlich-feudalen Tafelrunde der Sozialreformer, vom wunderbaren, sympathischen, liebevollen Alleinherrscher, der mit seinem Leben f&uuml;r den Abbau von Arbeitslosigkeit haftet, in die Analyse mit einbezieht, dann stellt sich die Frage, wer in der Kommission Akteur war und wer Zuarbeiter, wom&ouml;glich noch einmal ganz neu.<\/p><p><strong>Res&uuml;mee: Netzwerkarbeit mit demokratiefeindlichem Kern<\/strong><\/p><p><strong>Was ist an der beschrieben Entwicklung kritisch?<\/strong><\/p><p>Es ist das gute Recht einer jeden Regierung, den mit der Politikberatung zu beauftragen, der ihr sympathisch ist. Es ist das gute Recht eines jeden Unternehmers, der meint, etwas zur Verbesserung der Gesellschaft beitragen zu k&ouml;nnen, eine Stiftung zu gr&uuml;nden und Themen bearbeiten zu lassen. Dass sich dabei Gleichgesinnte treffen, wird jeweils unvermeidlich sein.<\/p><p>Doch wer &ouml;ffentliche Aufgaben erf&uuml;llt, Gesetze ver&auml;ndern will, die in Gestaltungsrechte und Lebenschancen von Millionen B&uuml;rgern eingreifen, der muss sich der &ouml;ffentlichen Auseinandersetzung stellen. Die Mitwirkenden m&uuml;ssen ihre gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Ziele offen legen, die &Ouml;ffentlichkeit muss den Prozess nachvollziehen, erkennen k&ouml;nnen, wer welchen Einfluss aus&uuml;bt und welche Konsequenzen das Vorgehen hat. Das war schon angesichts der inoffiziellen Auftr&auml;ge des Bundespr&auml;sidenten Roman Herzog, der auf dem Gebiet eigentlich keine Kompetenz hatte (Frank Frick: &raquo;Der Pr&auml;sident suchte ein neues Thema und wir hatten eines&laquo;, Schumann 2006), und aus dem Kanzleramt durch Bodo Hombach bei gleichzeitiger Niederlage mit dem offen politisch vorgestellten Schr&ouml;der-Blair-Papier, nicht eingehalten. <\/p><p>Was mir besonders auffiel, war, dass sich seit der zunehmenden Netzwerkarbeit durch die Bertelsmann Stiftung die Akteure &uuml;berhaupt nicht mehr mit Gegenmeinungen und Kritik auseinandergesetzt haben, Gegenargumente praktisch an einem Panzer der Selbstgewissheit abprallten, die Wahrheit bereits erkannt zu haben. Ein deutlicher Bruch im Politikstil bestand darin, keine Betroffenenorganisationen mehr zur Beratung zuzulassen, wie in fr&uuml;heren Sozialhilfeprojekten, und bei Tagungen oder den Anh&ouml;rungen zu Gesetzesentw&uuml;rfen nicht mehr wie fr&uuml;her wenigstens pro forma noch kritische Stimmen oder profilierte Vertreter von Verb&auml;nden und verschiedenen gesellschaftlichen Kr&auml;ften zu Wort kommen zu lassen. Auch der Deutsche Verein f&uuml;r &ouml;ffentliche und private F&uuml;rsorge, der bei derartigen Vorhaben in der Vergangenheit mit Vorarbeiten, Koordination und begleitenden Gutachten beauftragt wurde, war diesmal nicht eingeschaltet. Das spontan formulierte und offenbar bertelsmannkonforme Pluralismus- und Gesellschaftsverst&auml;ndnis von Werner Eichhorst und Frank Frick liefert hierf&uuml;r nat&uuml;rlich den Schl&uuml;ssel. Wenn sie meinen, die Vertreter aller gesellschaftlichen Gruppen seien an der Arbeit beteiligt gewesen (Schumann 2006), dann haben sie nur noch handverlesene Mitglieder ausgew&auml;hlter Gruppen vor Augen. <\/p><p>Man hat offenbar auch besonders darauf geachtet, m&ouml;glichst keine Sozialjuristen mehr einzuladen, jedenfalls keine, die mit dem Gebiet langj&auml;hrig vertraut waren, und keine Wissenschaftler, die dem bestehenden Sozialstaat noch ein bisschen was abgewinnen konnten, beizuziehen. Nicht dass man deren Argumente h&auml;tte &uuml;bernehmen m&uuml;ssen, aber Kritik wahrzunehmen und sich damit auseinander zusetzen ist etwas anderes, als sie totzuschweigen. Offensichtlich waren die Anh&auml;nger sozialen Rechtstaats, die Gegner von Workfare-Modellen, die sozialen Dienstleister und Berater, die sich mit ihren Angeboten noch den Arbeitslosen und ihren Interessen verbunden f&uuml;hlen, als Vetospieler inoffiziell identifiziert und zielstrebig aus den Vorbereitungen ausgeschlossen worden. Die von Bertelsmann eingerichtete Arbeitsgruppe ist nicht nur in der entscheidenden Zeit, sondern bis heute ein Geheimbund geblieben, was die jeweiligen Mitglieder, die Arbeitsgebiete und vor allem die Arbeitsauftr&auml;ge angeht. Selbst die erstellten Materialien und Arbeitspapiere, die h&auml;ufig nur zuf&auml;llig f&uuml;r gewisse Zeit im Internet auftauchten, sind einer unabh&auml;ngigen wissenschaftlichen Untersuchung und Bewertung nicht zug&auml;nglich. Auff&auml;llig ist , dass diejenigen, die sich mit der T&auml;tigkeit der Stiftung  befassen, praktisch  auf  nachtr&auml;gliche Interviews mit  Vertretern der Stiftung angewiesen sind ( Fleckenstein 2004, Pautz 2006, Schumann 2006 ), durch die die Informationen aber anders als beim Einblick in vollst&auml;ndige  Originaldokumente  den neuen Gegebenheiten entsprechend gesteuert werden k&ouml;nnen. Der Wegfall des &bdquo;bik- online&ldquo; Infopools machte das zuletzt noch einmal  ganz deutlich . <\/p><p>Es war eine sehr raffinierte Form der Einflussnahme auf die deutsche Sozialpolitik, die effektiv war, ohne sichtbar zu werden. Frank B&ouml;ckelmann hat das einmal so gekennzeichnet: &raquo;Es ist keine Frage, dass sich vieles &auml;ndern muss. Aber als Leser und Zuschauer gewinnt man heute den Eindruck, einem geschlossenen, fast totalit&auml;ren Spektrum weniger und einander sehr &auml;hnlicher Meinungen gegen&uuml;berzustehen.&laquo; Es scheine, &raquo;dass fast alles was man h&ouml;rt oder liest, in gewisser Weise vorsortiert und aufeinander abgestimmt ist [&hellip;]&laquo; (R&ouml;tzer 2004). Und so f&uuml;hlten sich nicht nur die Laien als Zuschauer, sondern auch viele Fachleute, die sich lange mit dem Bereich befasst haben und durchaus etwas zur Weiterentwicklung h&auml;tten beitragen k&ouml;nnen. Der Focus der Politik wurde so nicht erweitert, sondern im Gegenteil verengt und so kanalisiert, wie es offen agierende Interessengruppen kaum zu erreichen verm&ouml;gen.<\/p><p>Das Ganze wird auch nicht dadurch relativiert, dass sich Wissenschaftler aus renommierten Forschungseinrichtungen wie etwa MPIfG oder WZB ( Pautz 2006: 6) mit sehr &auml;hnlichen Strategien in die Politikberatung dr&auml;ngen und ihren grenzenlosen Datenhunger, ihre Bed&uuml;rfnisse nach Evaluierungsm&ouml;glichkeiten und Tr&auml;ume vom Aufbau einflussreicher nationaler Politikberatungsinstitutionen (Schmid 2003b: 81) gegen&uuml;ber der Notwendigkeit normativen Schutzes von sozialen, demokratischen und Pers&ouml;nlichkeitsrechten der B&uuml;rger in den Vordergrund schieben. <\/p><p>So hatte man dann genau den Boden f&uuml;r eine radikale Ver&auml;nderung geschaffen, die endlich einmal ohne Bedenkentr&auml;ger aus den verschiedensten Bereichen durchgef&uuml;hrt werden konnte; auch unter Inkaufnahme der vielen immanenten handwerklichen und organisatorischen M&auml;ngel, die dadurch geradezu vorprogrammiert waren. Man hat ja nicht nur Millionen Betroffene durch Hartz IV &ndash; die neue Grundsicherung f&uuml;r Arbeitsuchende, das Sozialgesetzbuch II &ndash; verunsichert, sondern auch Hunderttausende von Beh&ouml;rdenmitarbeitern ( Sell 2006 )und sozialen Dienstleistern; ein juristisches und organisatorisches Chaos inszeniert, das seinesgleichen sucht und sogar erfahrene Softwareentwickler wie die Firma Prosoz an den Rand des Ruins trieb. Und wenn sich die Folgen gegenw&auml;rtig noch in zu vielen Gerichtsprozessen niederschlagen, dann wird man das auch bald durch die Einf&uuml;hrung einer Sozialgerichtsgeb&uuml;hr oder durch die Abschaffung der spezialisierten Sozialgerichte in den Griff bekommen. Oder die Bertelsmann Stiftung initiiert ein Sozialrichterprojekt zur effektiven und effizienten Abwicklung von SGB-II-Verfahren &ndash; mit Entwicklung einschl&auml;giger Kennzahlen&hellip; <\/p><p>Die Politik, und in diesem Fall ganz besonders die sozialdemokratische Politik, die durch ihre Auftragsvergabe f&uuml;r die gesamte Entwicklung in erster Linie verantwortlich ist, hat sich durch dieses Vorgehen die falsche Sicherheit bestellt, alle Fachleute seien sich einig, das Ausland h&auml;tte die verschiedenen Modelle zu aller Zufriedenheit bereits implementiert, h&auml;tte problemlos durch Aufbau einer neuen Organisation zwischen Arbeitsamt und Kommunen die Arbeitslosigkeit bek&auml;mpft und vieles mehr. Dieses Ausmerzen von fachlichen Gegenstimmen, demokratischer Willensbildung und umfassender B&uuml;rgeraufkl&auml;rung, das ist f&uuml;r mich das Gef&auml;hrliche und der demokratiefeindliche Kern, dieser zugestandenerma&szlig;en perfekten Netzwerkarbeit, die zielstrebig strategisch g&uuml;nstige &raquo;Zeitfenster&laquo; abwartet, um lange vorbereitete Projekte umsetzen zu k&ouml;nnen. Ob das dann &raquo;Florida Rolf&laquo; ist oder ein angeblicher Vermittlungsskandal (bis heute wird nicht ausgewiesen, welche Vermittlungen auf mehr oder weniger zielgerichtete Aktivit&auml;ten der Beh&ouml;rde zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sind, daf&uuml;r werden neuerdings die bis zu 500 000 Zuweisungen in Ein-Euro-Jobs als Vermittlungen mitgez&auml;hlt) oder ein nackter Partner einer Arbeitslosen auf dem Balkon, das ist dann letztlich gleichg&uuml;ltig. Irgendwas l&auml;sst sich, vor allem wenn man auch noch &uuml;ber ein Mediennetzwerk verf&uuml;gt, immer zielstrebig hoch kochen. Es stehen dem in Deutschland keine verl&auml;sslichen, profilierten Netzwerke gegen&uuml;ber, die die Gesellschaft &uuml;ber die Risiken und Nebenwirkungen dieser hochkomplexen, sozialtechnokratischen Projekte aufkl&auml;ren. Im Gegenteil, &uuml;ber die Rolle der gewerkschaftsnahen Stiftungen, der Friedrich-Ebert-Stiftung ( Pautz 2006:8 ) und der Evangelischen Akademien in diesem Prozess w&uuml;rde sich vermutlich eine weitere kritische Untersuchung lohnen.<\/p><p>Auch wenn man bei Bertelsmann bescheiden darauf hinweist, dass man noch nicht die vollst&auml;ndige Macht &uuml;ber die Gesetzgebung habe und dass &uuml;ber Hartz IV schlie&szlig;lich andere entschieden h&auml;tten (Schumann 2006): Die Hartz-Kommission hat sich mit Jobcentern, der neuen Zumutbarkeit und der Zusammenf&uuml;hrung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe seit Februar 2002 besch&auml;ftigt, die Arbeitsgruppen der Bertelsmann Stiftung haben schon seit 1999 mit vielen Fachleuten an diesem Thema zielstrebig gearbeitet und durchg&auml;ngig die Verschlechterung der Rechtspositionen von Arbeitslosen propagiert. So konnte sich die Hartz-Kommission auf die Arbeiten von Bertelsmann und die Politik auf die Vorschl&auml;ge der Hartz-Kommission beziehen, obwohl weder die Evaluierung verschiedener Modellprojekte, noch die viel schwierigere Neuordnung der Gemeindefinanzreform einigerma&szlig;en seri&ouml;s vorangekommen waren (Tegtmeier 2003).<\/p><p><strong>Die n&auml;chste Reform ist bereits geplant<\/strong><\/p><p>Das Projekt Hartz IV ist beendet. Die Politik arbeitet bereits an Hartz V.<\/p><p>Roman Herzog ist nach Beendigung seines Amtes &uuml;ber andere Projekte mit Bertelsmann verbunden geblieben und hat sich sozialpolitisch rasch mit dem Interview: &raquo;So viel Sozialstaat ist unsozial&laquo; der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zur Verf&uuml;gung gestellt.<\/p><p>Bodo Hombach ist inzwischen als Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer eines europaweit expandierenden Zeitungskonzerns, der WAZ Gruppe, t&auml;tig.<\/p><p>Helga Hackenberg kann seit Anfang 2005 an einer Berliner Fachhochschule Sozialarbeiter ihrem neuen Rollenverst&auml;ndnis entsprechend als &raquo;teacher, preacher, friend and cop&laquo; ausbilden. <\/p><p>Werner Eichhorst ist nach einem kurzen Zwischenspiel beim Institut f&uuml;r Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur in N&uuml;rnberg (IAB) seit 2005 beim Institut Zukunft der Arbeit (IZA) t&auml;tig, inzwischen als Senior Research Associate.<\/p><p>Frank Frick ist weiter bei der Bertelsmann Stiftung und leitet jetzt das Projekt &raquo;Agenda Moderne Regulierung&laquo;.<\/p><p>Die BiK-Runde hat sich mit Unterst&uuml;tzung aus dem Bundesministerium f&uuml;r Arbeit neu formiert und hei&szlig;t jetzt bp:k, Besch&auml;ftigungspolitik: kommunal e.V. <\/p><p>Und die Bertelsmann Stiftung hat schon wieder ein neues noch gr&ouml;&szlig;eres sozialpolitisches Projekt: sie will den Deutschen ein neues Arbeitsrecht schenken. Es sind schon hochkar&auml;tige Wissenschaftler beauftragt. Nicht, dass es auch daf&uuml;r nicht eine gewisse Notwendigkeiten g&auml;be, aber muss es wieder nach diesem Schema laufen? <\/p><p>&raquo;Der Zeitplan f&uuml;r dieses Projekt ist ehrgeizig: Bereits von M&auml;rz an sollen einige Abschnitte in kleineren Kreisen diskutiert werden.&laquo; Versprochen wird, dass der Prozess die ganze Zeit von einer breiten &Ouml;ffentlichkeit begleitet werden soll. &raquo;Auch die Bertelsmann Stiftung will einen Vorschlag &rsaquo;aus der Mitte der Zivilgesellschaft&lsaquo;, damit er eine ernsthafte Realisierungschance habe, erl&auml;utert J&ouml;rg Habich, Projektmanager der &rsaquo;Agenda moderne Regulierung&lsaquo; bei der Bertelsmann Stiftung&laquo; (FAZ 22.02.2006: 25). Die Ideenbroker und die Schnellboote sind schon unterwegs. Schon ist der erste Sammelband aus dem hauseigenen Verlag auf dem Markt: &raquo;System Arbeitsmarkt. Chancen f&uuml;r eine Reform des Arbeitsrechts&laquo;, 2006. Redaktion: Dr. Stefan Empter und Frank Frick, Autoren u.a: Dr. Werner Eichhorst, Dr. Stefan Empter, Frank Frick, Dr. J&ouml;rg Habich.<br>\nUnd ein internationaler Vergleich der Reformen der Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsmarktregulierung ist auch schon enthalten.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Fundstellen:<\/strong><br>\n<em>Alle Links soweit nicht anders angegeben: Zugriff am 9.12.2006<\/em><\/p><ul>\n<li>Benchmarking Gruppe ( G.Fels\/ R.Heinze\/H.Pfarr\/G.Schmid\/W.Streeck) 2000: <a href=\"http:\/\/archiv.bundesregierung.de\/artikel\/28\/58528\/attachment\/255398_0.pdf\">Aktivierung der Arbeitsmarktpolitik &ndash; Thesen der Benchmarking Gruppe f&uuml;r das B&uuml;ndnis f&uuml;r Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsf&auml;higkeit . Hg.: Die Bundesregierung, Schriftenreihe B&uuml;ndnis f&uuml;r Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsf&auml;higkeit, April 2001<\/a><\/li>\n<li>Bertelsmann Stiftung (Hg.)2000: <a href=\"http:\/\/bertelsmann-stiftung.de\/bst\/de\/media\/www-bik-lang.pdf\">Kooperation statt Konkurrenz- Studie &uuml;ber die Zusammenarbeit von Arbeits- und Sozial&auml;mtern, G&uuml;tersloh<\/a><\/li>\n<li>Bertelsmann Stiftung, Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit, Deutscher Landkreistag, Deutscher St&auml;dtetag, Deutscher St&auml;dte- und Gemeindebund ( Hg.) 2001: <a href=\"http:\/\/bertelsmann-stiftung.de\/bst\/de\/media\/Handbuch_Kooperation_Arbeitsamt.pdf\">Kooperation von Arbeits&auml;mtern und Kommunen, G&uuml;tersloh<\/a><\/li>\n<li>Bertelsmann Stiftung, Hans-B&ouml;ckler-Stiftung, Verband f&uuml;r kommunales Management-KGSt (Hg.) 2001: <a href=\"http:\/\/bertelsmann-stiftung.de\/bst\/de\/media\/627.pdf\">Benchmarking in der lokalen Besch&auml;ftigungsf&ouml;rderung, G&uuml;tersloh<\/a><\/li>\n<li>Bertelsmann Stiftung, Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit, Deutscher Landkreistag, Deutscher St&auml;dtetag, Deutscher St&auml;dte- und Gemeindebund ( Hg.) 2002: <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/cps\/rde\/xbcr\/SID-0A000F0A-06C0AC70\/bst\/592.pdf\">Handbuch Beratung und Integration. F&ouml;rdern und Fordern &ndash; Eingliederungsstrategien in der Besch&auml;ftigungsf&ouml;rderung, G&uuml;tersloh 2002<\/a><\/li>\n<li>Bertelsmann Stiftung, 2002: <a href=\"http:\/\/doku.iab.de\/chronik\/2x\/2002_06_31_20_bertelsmann.pdf\">&raquo;Eckpunkte einer Reform von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Positionspapier der Bertelsmann Stiftung&laquo;<\/a><\/li>\n<li>Bertelsmann Stiftung, Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit, McKinsey &amp; Company (Hg.), 2002: <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/cps\/rde\/xbcr\/SID-0A000F0A-8C1FE33F\/bst\/ACFp6hIzI.pdf\">&raquo;Die Personal-Service-Agentur (PSA)&laquo;, G&uuml;tersloh<\/a><\/li>\n<li>Bertelsmann Stiftung, Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit, Deutscher Landkreistag, Deutscher St&auml;dtetag, Deutscher St&auml;dte- und Gemeindebund ( Hg.) 2003: Handbuch Steuerung der Arbeitsmarktpolitik. Prinzipien, Methoden und Instrumente. G&uuml;tersloh<\/li>\n<li>Bertelsmann Stiftung, Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit (Hg.), 2003: <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/bst\/de\/media\/xcms_bst_dms_17373_17374_2.pdf\">&raquo;Job Center. Konzeption und Diskussion der lokalen Zentren f&uuml;r Erwerbsintegration&laquo;, G&uuml;tersloh<\/a><\/li>\n<li>Blancke, Susanne\/Schmid, Josef, 2003: &raquo;Bilanz der Bundesregierung Schr&ouml;der im Bereich Arbeitsmarktpolitik 1998&ndash;2002: Ans&auml;tze zu einer doppelten Wende&laquo;, in: Egle, Christoph u.a. (Hg.), Das rot-gr&uuml;ne Projekt, Wiesbaden<\/li>\n<li>Bundesministerium f&uuml;r Arbeit und Sozialordnung (Hg.),2002: Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt. Vorschl&auml;ge der Kommission zum Abbau der Arbeitslosigkeit und zur Umstrukturierung der Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit, CD -ROM Bericht der Kommission Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt, Berlin<\/li>\n<li>Deutscher Verein f&uuml;r &ouml;ffentliche und private Vorsorge e.V. 2005: Handout zur Konferenz am 07.09.2005: &raquo;Aufbruch am Arbeitsmarkt durch Hartz IV? Gemeinwohlarbeit als Teil einer neuen Arbeitmarktpolitik&laquo;<\/li>\n<li>Dickmann, Nicola, 2002:  &raquo;Das Ende der Gummistiefel-Brigaden&laquo;, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2002: 22<\/li>\n<li>Eichhorst, Werner\/Profit, Stefan\/Thode, Eric, 2001: Benchmarking Deutschland, Arbeitsmarkt und Besch&auml;ftigung. Bericht der Arbeitsgruppe Benchmarking und der Bertelsmann Stiftung an das B&uuml;ndnis f&uuml;r Arbeit, Berlin<\/li>\n<li>Eichhorst, Werner, 2006: &raquo;Formulierung und Umsetzung der Vorschl&auml;ge der Hartz-Kommission &ndash; eine Policy-Analyse&laquo;, Thesenpapier zur Fachtagung: Wirkungsforschung und Politikberatung &ndash; eine Gradwanderung, am 24.02.2005 in der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, in der gleichnamigen Publikation: Brinkmann, Christian\/Koch, Susanne\/Mendius, Hans Gerhard (Hg.), N&uuml;rnberg: 39&ndash;57<\/li>\n<li>Empter, Stefan\/Frick, Frank, 1999:  Besch&auml;ftigungsorientierte Sozialpolitik in Kommunen &ndash; Strategien zur Integration von Sozialhilfeempf&auml;ngern in das Erwerbsleben, G&uuml;tersloh<\/li>\n<li>Fleckenstein, Timo, 2004: &raquo;Policy-Lernen in der Arbeitsmarktpolitik. Das Beispiel der Hartz-Kommission&laquo;, in: Zeitschrift f&uuml;r Sozialreform, Heft 6\/2004, 646&ndash;675<\/li>\n<li>Frick, Frank, 2002a: &raquo;Arbeitslosenhilfe + Sozialhilfe = ?&laquo;, in: forum. Das Magazin der Bertelsmann Stiftung, Heft 4\/2002, 16 f.<\/li>\n<li>Frick, Frank, 2002b: &raquo;Reform-Lehrst&uuml;ck&laquo;, in: forum. Das Magazin der Bertelsmann Stiftung, Heft 4\/2002, 22<\/li>\n<li>Genz, Hermann \/ Schwendy Arnd 2004: <a href=\"http:\/\/www.tup-online.com\/media\/md6045D.pdf\">Herzst&uuml;ck der Hartz-Reform: Das Fallmanagement. Werden die Chancen der Arbeitslosen verspielt?<\/a> in: Theorie und Praxis der sozialen Arbeit Heft 4\/2004<\/li>\n<li>Hackenberg,Helga (Hg.), 2003: Lokale Arbeitsmarktpolitik &ndash; Stand und Perspektiven. Gesamtbericht des Netzwerkprojektes &bdquo;BiK- Besch&auml;ftigungsf&ouml;rderung in Kommunen&ldquo; der Bertelsmann Stiftung, G&uuml;tersloh<\/li>\n<li>Hartmann, Helmut, 1998: &raquo;Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe &ndash; zwei Systeme f&uuml;r das gleiche soziale Problem?&laquo;, in: Nachrichtendienst des Deutschen Vereins (NDV), Heft 1\/1998, 9&ndash;12<\/li>\n<li>Hartz, Peter 2005: &raquo;Ich habe einen Traum&laquo;  in: Die Zeit Nr. 42, 13.10. 2005 <\/li>\n<li>Heinze, Rolf G., 2004: &raquo;Verwissenschaftlichung der Politik? Zur neuen Rolle von Expertenkommissionen&laquo;, in Zeitschrift f&uuml;r Sozialreform, Heft 1&ndash;2\/2004, 51&ndash;55<\/li>\n<li>J&auml;ger 2005: &raquo;Hartz tr&auml;umt, Wenn ich die Regierung w&auml;r: Peter und die Tafelrunde&laquo;, FAZ 14.10.2005: 43<\/li>\n<li>Jann, Werner\/Schmid, G&uuml;nther, 2004: Eins zu eins? Eine Zwischenbilanz der Hartz-Reform am Arbeitsmarkt, Berlin <\/li>\n<li>Jung, Alexander: &raquo;Empfangspersonal statt Panzerglas&laquo; in DER SPIEGEL Nr. 26\/2002: 28f<\/li>\n<li>Kaltenborn Bruno, 2002 <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/bst\/de\/media\/ExpertiseIntegration.pdf\">&raquo; Integration von Arbeitslosen- und Sozialhilfe: Quantitative Wirkungen und Anreize f&uuml;r die beteiligten Fiski&laquo;<\/a> Expertise im Auftrag der Bertelsmann Stiftung f&uuml;r die Arbeitsgruppe: Reform von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe, Bonn<\/li>\n<li>Kaltenborn Bruno, 2004 <a href=\"http:\/\/www.wipol.de\/download\/beitrwipol015.pdf\">&bdquo;Datensammlung zur Arbeitslosen- und Sozialhilfe&ldquo;<\/a> Zusammenstellung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung f&uuml;r die Arbeitsgruppe: Reform von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe, in: Beitr&auml;ge zur wirtschaftsforshcung und Politikberatung Nr. 15\/2004, Berlin<\/li>\n<li>KGSt 1997: Steuerung der Sozialhilfe, KGSt-Bericht 11\/1997<\/li>\n<li>&raquo;Langer Anlauf, kurzer Sprung&laquo; in: DER SPIEGEL 30\/2004, 20f:<\/li>\n<li>Mankel, Ute, 1998: &raquo;Alles aus einer Hand. Casemanagement und one-stop-shop&laquo;, in: G.I.B-Info, Informationen der Landesberatungsgesellschaft G.I.B., Heft 3&ndash;4\/1998, 16&ndash;21<\/li>\n<li>Nagel, Britta 2002. Hoffnung im besch&auml;ftigungspolitischen Brachland. Zum Beispiel Pirmasens.<br>\nin: forum. Das Magazin der Bertelsmann Stiftung, Heft 4\/2002<\/li>\n<li>Niejahr, Elisabeth 2003 : <a href=\"http:\/\/hermes.zeit.de\/pdf\/archiv\/2003\/35\/Arbeitsmarkt.pdf\">&raquo;Zu viel Arbeit f&uuml;rs Amt&laquo;<\/a>, in: Die Zeit Nr. 35, 21.08.2003 <\/li>\n<li>Pautz, Hartwig 2006 <a href=\"http:\/\/www.psa.ac.uk\/2006\/pps\/Pautz.pdf\">Scientific policy advice through think-tanks and their role in the Agenda 2010<\/a><\/li>\n<li>R&ouml;tzer, Florian, 2004: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/18\/18749\/1.html\">&raquo;&rdquo;Ohne Bertelsmann geht nichts mehr.&rdquo; Ein Gespr&auml;ch mit Frank B&ouml;ckelmann &uuml;ber die stille Macht des Medienkonzerns und die Privatisierung der Politik&laquo;<\/a>, in: Telepolis,  09.11.2004 <\/li>\n<li>Schmid, G&uuml;nther, 2003a: &raquo;Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt: Strategie und Vorschl&auml;ge der Hartz-Kommission&laquo;, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Band 6&ndash;7,  Bonn, 3&ndash;6<\/li>\n<li>Schmid, G&uuml;nther, 2003b: &raquo;Gestaltung des Wandels durch wissenschaftliche Beratung. Das &rsaquo;B&uuml;ndnis f&uuml;r Arbeit&lsaquo; und die Hartz-Kommission&laquo;, in: Ramge, Stefan\/Schmid, G&uuml;nther: Management of Change in der Politik? Reformstrategien am Beispiel der Arbeitsmarkt- und Besch&auml;ftigungspolitik, M&uuml;nster, 68&ndash;86 <\/li>\n<li>Scholz, Jendrik, 2004: &raquo;5 Jahre &rsaquo;F&ouml;rdern und Fordern&lsaquo; in der Stadt K&ouml;ln&laquo; in: Neue Praxis, Heft 4\/2004, 399&ndash;405 <\/li>\n<li>Schumann, Harald, 2006: <a href=\"http:\/\/archiv.tagesspiegel.de\/archiv\/24.09.2006\/2790609.asp\">&raquo;Macht ohne Mandat&laquo;<\/a>, in: Der Tagesspiegel vom 24.09.2006 <\/li>\n<li>Sell, Stefan 2006 <a href=\"http:\/\/library.fes.de\/pdf-files\/stabsabteilung\/03921.pdf\">&ldquo;Modernisierung und Professionalisierung der Arbeitsvermittlung&rdquo;<\/a> Gutachten der Friedrich &ndash; Ebert &ndash;Stiftung  <\/li>\n<li>Spindler, Helga, 1996: &raquo;Sollte man die bestehende Sozialhilfe durch ein Grundsicherungsprogramm &auml;ndern oder erg&auml;nzen?&laquo;, in: Nachrichtendienst des Deutschen Vereins, Heft 2\/1996, 56&ndash;62<\/li>\n<li>Spindler, Helga, 2001a: &raquo;Vorrang f&uuml;r den Nachrang statt Hilfe zum Lebensunterhalt&laquo;, in: info also, Heft 2\/2001, 66<\/li>\n<li>Spindler, Helga, 2001b: &raquo;Benchmarking und Sozialhilfe passen nicht zusammen&laquo;, Zeitschrift f&uuml;r das F&uuml;rsorgewesen, Heft 7\/01, 145&ndash;152<\/li>\n<li>Spindler, Helga, 2002a: &raquo;Reform der Sozialhilfe &ndash; Rechtsstaatliche Strukturen in der Sozialhilfe erhalten und ausbauen&laquo;, in: Deutscher Bundestag, Ausschuss f&uuml;r Arbeit und Sozialordnung, Ausschussdrucksache 14\/2050 vom 23.1.2002, 244&ndash;253. Schriftliche Stellungnahme zur Anh&ouml;rung zur Reform der Sozialhilfe.<\/li>\n<li>Spindler, Helga, 2002b: &raquo;Rechtliche Rahmenbedingungen der Beratung in der Sozialhilfe. Bestandsaufnahme, Probleme der aktuellen Entwicklung und m&ouml;gliche Perspektiven&laquo;, in: Nachrichtendienst des Deutschen Vereins (NDV), Heft 10\/02, 357&ndash;363 und Heft 11\/02, 386&ndash;392<\/li>\n<li>Spindler, Helga, 2002c: <a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/diskussion\/arbeit\/realpolitik\/modelle\/hartz\/spindler.html\">&raquo;Ist das Hartz-Modul Nr. 6: Zusammenf&uuml;hrung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe Ausdruck einer sozialen Politik?&laquo;<\/a>, erweitertes Vortragsmanuskript, 15.10.2002<\/li>\n<li>Spindler, Helga, 2003: <a href=\"http:\/\/www.uni-due.de\/edit\/spindler\/rechtsverweigerung.pdf\">Rechtsverweigerung, Ausgrenzung und fragw&uuml;rdige Erfolge in vielen hundert F&auml;llen &ndash; Die Ergebnisse aktivierender Besch&auml;ftigungsf&ouml;rderung durch die JobB&ouml;rse Junges K&ouml;ln und die beauftragten Sprungbrett-Tr&auml;ger, Manuskript, Juli 2003<\/a><\/li>\n<li>Spindler Helga 2005:Ein &ndash;Euro-Jobs und Arbeitsmarktreform in: Forum sozial 2005, Heft 2, S. 11-13 und Heft 3 S. 13-15; mit einem aktuellen Nachtrag auch erschienen bei <a href=\"?p=240\">www.nachdenkseiten.de vom 28.2.2006<\/a><\/li>\n<li>Spindler Helga 2006Vertragssimulation bei Ein-Euro-Jobs, info also Heft 4 \/2006, S. 162 &ndash; 165<\/li>\n<li>Statistisches Bundesamt (Hg.), 1999: Sozialhilfe in Deutschland &ndash; Entwicklung und Strukturen,  Wiesbaden <\/li>\n<li>Statistisches Bundesamt (Hg.), 2003: <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pk\/2003\/sozialhilfe_2003i.pdf\">Sozialhilfe in Deutschland &ndash; Entwicklung, Umfang, Strukturen, Wiesbaden<\/a><\/li>\n<li>Streeck, Wolfgang, 2003: <a href=\"http:\/\/www.mpi-fg-koeln.mpg.de\/pu\/workpap\/wp03-4\/wp03-4.html\">No longer the Century of Corporatism. Das Ende des &raquo;B&uuml;ndnisses f&uuml;r Arbeit&laquo;<\/a>, MPIfG Working Paper 03\/4, Mai 2003<\/li>\n<li>Tegtmeier, Werner, 2003: &raquo;Erfolg und Misserfolg von Arbeitsmarktreformen im R&uuml;ckblick: Was ist daraus zu lernen?&laquo; in: Ramge, Stefan\/Schmid, G&uuml;nther: Management of Change in der Politik? Reformstrategien am Beispiel der Arbeitsmarkt- und Besch&auml;ftigungspolitik, M&uuml;nster, 101<\/li>\n<li>Thielen, Gunter, 2002: <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/bst\/de\/media\/xcms_bst_dms_12047__2.pdf\">&raquo;Mitdenken, mitgestalten&laquo;<\/a>, in: Bertelsmann Stiftung (Hg.): 25 Jahre Bertelsmann Stiftung &ndash; Reformbilanz, G&uuml;tersloh, 22f<\/li>\n<li>Van Suntum, Ulrich\/ Kr&ouml;ger Martin 1999 Mit aktiver Arbeitsmarktpolitik aus der Besch&auml;ftigungsmisere?, G&uuml;tersloh<\/li>\n<li>Wieland, Clemens, 2002: &raquo;Erfolgreiche Arbeitsverwaltungen sind keine Illusion&laquo;, in: forum. Das Magazin der Bertelsmann Stiftung, Heft 4\/2002, 12&ndash;15<\/li>\n<li>&bdquo;Wir brauchen intelligente Organisationsmodelle mit neuen Anreizstrukturen&ldquo; Interview mit Frank Frick, in: Bl&auml;tter der Wohlfahrtspflege 1999,Heft 7\/8 149 f.<\/li>\n<li>Wompel Mag, 2004:&ldquo;Vor\/an\/gegen die Wand! Maatwerk- die Geschichte einer fast typischen PSA&ldquo;, in: Express 3\/2004,1; www.labournet.de <\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Aus: <strong>Jens Wenicke, Torsten Bultmann (Hrg): Netzwerk der Macht- Bertelsmann<\/strong>, BdWi Verlag, 2.Aufl. Marburg 2007, S. 279-311.<br>\nWir danken den Herausgebern f&uuml;r die Genehmigung zum Nachdruck.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Nachtrag 2008 von Helga Spindler<\/strong><\/p><p><strong>Weitere Berichte &uuml;ber die Arbeit der Hartz-Kommission.<\/strong><\/p><p>Die Arbeit der Kommission ist inzwischen noch weiter ausgewertet worden und die Akteure oder ihre Sch&uuml;ler sind auch noch aktiv und nehmen Einfluss, w&auml;hrend sich die Bertelsmann Stiftung etwas zur&uuml;ckgezogen hat und nur den Optionskommunen, die ihrer Zielsetzung am n&auml;chsten kommen, weiterhin Unterst&uuml;tzung anbietet. Bei der immer noch ausstehenden, vom Bundesverfassungsgericht geforderten Organisationsreform kann sich durchaus, je nach politischer Konstellation, eine Ausweitung dieses Modells ergeben. <\/p><p>Neben G&uuml;nther  Schmid ist auch das zweite wissenschaftliche Kommissionsmitglied, der Potsdamer Politikwissenschaftler Werner Jann zu erw&auml;hnen, der auf seiner Homepage  einige Schriften und Interviews &uuml;ber seine Sichtweise zur Verf&uuml;gung stellt (z.B. das KWI info 6\/2003 mit ausgew&auml;hlten Beitr&auml;gen  zum Hartz-Konzept und weitere Interviews in den Potsdamer Neusten Nachrichten, PNN). Anne Marie Weimar hat  mit ihrem Doktorvater Jann an vielen Sitzungen der Hartz-Kommission teilgenommen. Sie hat ihre Beobachtungen  in einer  Dissertation verarbeitet: &bdquo;Die Arbeit und die Entscheidungsprozesse der Hartz-Kommission.&ldquo; ( Band 13 der Schriftenreihe Interdisziplin&auml;re Organisations- und Verwaltungsforschung, Wiesbaden 2004.), die sich zwar weniger den inhaltlichen Fragen als  umfangreichen politologischen Systematisierungsversuchen widmet, aber doch eine Reihe von ( teilweise m&uuml;hsam anonymisierten ) Detailinformationen &uuml;ber die Vorg&auml;nge enth&auml;lt.<br>\nJann und Schmid lieferten  auch eine fr&uuml;he Einsch&auml;tzung der Hartz-Reform  (Werner Jann\/ G&uuml;nther Schmid ( Hrsg.) Eins zu eins?  Eine Zwischenbilanz der Hartz-Reformen am Arbeitsmarkt, 2004 ).<br>\nDie nachhaltige Reformbewegung, die beide damals in Gang  setzen wollten, ist auch 2008 nach vielen weiteren Gesetzes&auml;nderungen und der Kritik an der Mischverwaltung durch das Bundesverfassungsgericht (ein Problem, das beiden Experten nicht aufgefallen war) noch lange nicht abgeschlossen.  <\/p><p>Im Handbuch Politikberatung ( Svenia Falk u.a. ( Hrsg.) Wiesbaden 2006 ) finden sich gleich zwei Abhandlungen: Sven T. Siefken: &bdquo;Die Arbeit der so genannten Hartz-Kommission und ihre Rolle im politischen Prozess&ldquo; ( S. 374- 389 ) und mehr grunds&auml;tzlich  Werner Eichhorst\/ Ole Wintermann: &bdquo;Politikberatung in der Arbeitsmarkt- und Besch&auml;ftigungspolitik&ldquo; ( S. 419 &ndash; 436). Werner Eichhorst ist inzwischen zum Stellvertretenden Direktor Arbeitsmarktpolitik im IZA aufgestiegen und nutzt seine Stellung, um in vielen Publikationen die Erfolge der Hartz Reform zu bewerben. ( Zuletzt etwa in: IZA DP Nr. 3194 : Der Arbeitsmarkt in Deutschland: zwischen Strukturreform und sozialpolitischem Reflex. November 2007. F&uuml;r besonders tragisch h&auml;lt er alle Ans&auml;tze &bdquo;zur&uuml;ck zu einem starken sozialpolitischen Sicherungsversprechen&ldquo; a.a.O. S. 20. Gegen Mindestlohn setzt er Mindestbildung&hellip;usw.)    <\/p><p>In allen diesen Schriften lernt man viel &uuml;ber politische Einflussnahme durch f&uuml;r die &Ouml;ffentlichkeit nicht &uuml;berpr&uuml;fbare, strategisch ausgew&auml;hlte  internationale Benchmarkings, &uuml;ber Policy-Netzwerke, gezielte Skandalisierung und Windows of Opportunity,  Think Tanks und &uuml;ber Politmarketing und Beratungsstrategien einer kleinen Gruppe von Sozialwissenschaftlern, die viel Wert legen auf  effiziente Verwaltungstechniken und eine (m&ouml;glichst von ihnen gelenkte)  permanente Evaluation,  aber nicht auf soziale Rechte, Gestaltungs- und Kontrollm&ouml;glichkeiten f&uuml;r B&uuml;rger und Implementierung b&uuml;rgerfreundlicher Verwaltungsverfahren. Der soziale Rechtsstaat, die Herstellung menschenw&uuml;rdiger Lebensverh&auml;ltnisse f&uuml;r Arbeitende, Arbeitsuchende und Beh&ouml;rdenmitarbeiter gleicherma&szlig;en ist den Akteuren kein erkennbares politisches Anliegen. Von da aus sind die vielen Rechtsstreitigkeiten bei der Umsetzung der Reform nicht &uuml;berraschend, sie waren ihnen aber offenbar genauso nebens&auml;chlich wie die H&ouml;he der sozialen Absicherung oder die eindeutige organisatorische und finanztechnische Zuordnung ( &bdquo;Wir haben uns nat&uuml;rlich auch nicht mit technischen Fragen besch&auml;ftigt&hellip;&ldquo; Jann, PNN 15.8.2008). Berater k&ouml;nnen sich eine solche Haltung leisten, Politiker nicht.<\/p><p><strong>Peter Hartz selbst get&auml;uscht?<\/strong><\/p><p>Neuerdings stellt sich heraus, dass eines der prominentesten Opfer dieser Politikberatungsstrategie m&ouml;glicherweise Peter Hartz selber wurde: Die K&uuml;rzung des Arbeitslosengeldes f&uuml;r langj&auml;hrig Versicherte sei ein Betrug; der drohende  Abbau der Zust&auml;ndigkeit der Bundesagentur scheint ihm ein fataler Fehler; die Differenzierung der Arbeitslosen nach unterschiedlicher Arbeitsmarktf&auml;higkeit h&auml;lt er f&uuml;r eine der Tods&uuml;nden der Arbeitsmarktreform. Die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe sei weder seine Idee gewesen noch von der Politik so umgesetzt worden, wie die Kommission es (seinem Verst&auml;ndnis nach) vorgeschlagen habe. Wenn man die Ausf&uuml;hrungen im Kommissionsbericht liest, kann man allerdings nachvollziehen, dass er sich wohl eher eine Arbeitslosenhilfe f&uuml;r alle als eine Sozialhilfe f&uuml;r alle vorgestellt hat.  &ldquo;Mit den Alg II-Empf&auml;ngern wird jetzt experimentiert&ldquo; (S. 234)  (Quellen: Peter Hartz: Macht und Ohnmacht, 2007,  und die Berichterstattung dar&uuml;ber in: FAZ vom 26.3.2007, S. 13, und Focus online vom 25.3.2007). Er mag diese  Folgen seiner vom Wolfsburger System her  formulierten Module nicht &uuml;berblickt haben, die beteiligten Politikberater und die Bertelsmann Stiftung, die ihm seine Missverst&auml;ndnisse und Illusionen gerne gestattet haben, wussten das schon und haben es genauso wie die Privatisierung von Arbeitsvermittlung, Leiharbeit und die Absenkung des Existenzminimums auch angestrebt.  <\/p><p><strong>Wie wird es weitergehen?<\/strong><\/p><p>Wer sich mit den Strategien  besch&auml;ftigt, ahnt auch, dass f&uuml;r die Akteure und Vordenker die gegenw&auml;rtige Phase nur Durchgangsstadium zu einer weiteren Entwicklung  ist, die mit jedem neuen &Auml;nderungsgesetz zielstrebig vorangetrieben wird. <\/p><p>In der Bundespolitik hat sich momentan die von Helmut Hartmann vorangetriebene Hamburger Praxis durchgesetzt: Olaf Scholz, Bundesarbeitsminister seit 2007, stammt aus Hamburg, sein Staatssekret&auml;r Detlev Scheele hat dort als langj&auml;hriger Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer einer der gr&ouml;&szlig;ten kommunalen Besch&auml;ftigungsfirmen, der Hamburger Arbeits- und Besch&auml;ftigungsgesellschaft (hab) der Beh&ouml;rde alle Experimentierm&ouml;glichkeiten im Umgang mit Arbeitslosen geboten, bis hin zu v&ouml;llig sinnloser Besch&auml;ftigung wie Aufbauen von Mauern zu &Uuml;bungszwecken, die dann wieder eingerissen wurden. Der Workfare-Gegenleistungs-Gedanke wird  im Gesetz unauff&auml;llig vorangetrieben (Dazu Spindler H.: Arbeiten f&uuml;r die Grundsicherung- schleichende Einf&uuml;hrung von Workfare in Deutschland, Soziale Sicherheit Heft 11\/2008  S.365 &ndash; 372). Dazu geh&ouml;rt die Vorschrift &uuml;ber die Sofortangebote (&sect; 15 a SGB II, 2006) und die &uuml;ber unverz&uuml;glich anzubietenden Arbeitsgelegenheiten f&uuml;r Menschen &uuml;ber 58 Jahre (&sect; 3 Abs.2a SGB II, 2008). Widerspr&uuml;che dagegen habe ihre aufschiebende Wirkung verloren (&Auml;nderung &sect; 39 SGB II ,2009 )<br>\nSo werden  Beh&ouml;rden und vor allem auch private Dienstleister, Besch&auml;ftigungs- und Leiharbeitsfirmen, die die Beh&ouml;rde nach und nach abl&ouml;sen sollen, noch mehr Macht &uuml;ber Arbeitslose erhalten, es werden weitere Experimentierfelder ge&ouml;ffnet  und die Kontrollfunktion der Gerichte weiter zur&uuml;ckgefahren, denn Verwaltung und auch Arbeitsvermittlung wird erst richtig effizient, wenn der B&uuml;rger nichts mehr zu sagen hat.<\/p><p>Einen knappen Ausblick auf noch weitere m&ouml;gliche Reformschritte gibt ausgerechnet das Sonderheft zum 60-j&auml;hrigen Erscheinen der gewerkschaftsnahen WSI-Mitteilungen (Heft 7, 2008). Christine Trampusch, die ebenfalls als Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut f&uuml;r Gesellschaftsforschung schon 2003 neben vielen anderen demokratischen Institutionen auch Gerichte und Rechtsprechung als Veto-Akteure bei Strukturreformen ausgemacht hat (Dauerproblem Arbeitsmarkt: Reformblockaden und L&ouml;sungskonzepte, in: Aus Politik und Zeitgeschehen B 18-19\/2003 ), bewertet die gesamte Agendapolitik als &bdquo;Vorw&auml;rtsreform&ldquo; und gibt nicht nur der Hoffnung Ausdruck, dass die gesamte Arbeitsmarktpolitik kommunalisiert werden solle, sondern propagiert auch grunds&auml;tzlicher die Abwendung  von politischen und sozialen B&uuml;rgerrechten und eine Zur&uuml;cknahme der &bdquo;R&uuml;ckw&auml;rtsreformen&ldquo;, mit denen die Agendapolitik an einigen Stellen korrigiert wurde. ( Sozialpolitik: Vorw&auml;rts- und R&uuml;ckw&auml;rtsreformen und Neuvermessung der Solidarit&auml;t, WSI-Mitteilungen 2008,Heft 7, S. 365- 371). Zusammen mit Werner Eichhorst hat Wolfgang Streeck damit gleich zwei ehemalige Mitarbeiter zur einschl&auml;gigen<br>\nwissenschaftlichen Begleitung der Arbeitsmarktreform platziert. <\/p><p>Lesenswert ist auch die Stellungnahme von G&uuml;nther Schmid im gleichen Heft (Entgrenzung der Erwerbsarbeit- Erweiterung der sozialen Sicherheit, a.a.O. S.358- 364), der inzwischen als Emeritus zwar die steigenden Risiken flexibler Besch&auml;ftigung, den fehlenden Mindestlohn, die schwarzen Schafe bei der Leiharbeit und sogar das &bdquo;Gerechtigkeitsdefizit&ldquo;, das &bdquo;die Neuorganisation der Grundsicherung ( Hartz IV)&ldquo; hinterlassen habe, beklagt, was er als wissenschaftliches Mitglied der Hartz-Kommission h&auml;tte voraussehen und mit entsprechenden Vorschl&auml;gen h&auml;tte eind&auml;mmen  k&ouml;nnen. Aber er will den Weg weiter gehen und z.B. nur die weniger werdenden Rechte in der Arbeitslosenversicherung durch ein &bdquo;Pers&ouml;nliches Entwicklungskonto&ldquo; erg&auml;nzen, das kaum mehr &Auml;hnlichkeit mit dem bisherigen Leistungsanspruch auf Weiterbildung hat. Offenbar ist er auch von dem Spruch seines niederl&auml;ndischen Kollegen beeindruckt, Zeitarbeitsunternehmen seien die Gewerkschaften von morgen. Grunds&auml;tzlich teilt er nach wie vor die Auffassung, dass die Arbeitslosenversicherung das moralische Verhaltensrisiko der Ausnutzung des Systems durch die Versicherten (&bdquo;moral hazard&ldquo;) zu z&auml;hmen habe. Er m&ouml;chte es nur nicht mehr so &uuml;berbetont sehen, sondern durch ein nebul&ouml;ses &bdquo;innovatives Verhaltensrisiko&ldquo; ausbalancieren. Kein Wort davon, dass auch das moralische Verhaltensrisiko der Arbeitgeber gez&auml;hmt werden m&uuml;sste und durch Gesetz gez&auml;hmt werden kann. Dass beim Wirken derartiger Politikberater Rechtspositionen der B&uuml;rger mit jeder Gesetzesreform weiter auf der Strecke bleiben, ist absehbar.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Zu der begleitenden, auch von Bertelsmann unterst&uuml;tzten&nbsp;neuen Wertediskussion f&uuml;r die Politik vergl. auch <a href=\"http:\/\/psychiatrie.de\/data\/pdf\/99\/06\/00\/sp_121_8.pdf\">&ldquo;Der sozialpolitische Konsens wird aufgek&uuml;ndigt&rdquo;<\/a> von der gleichen Autorin in der Zeitschrift Soziale Psychiatrie 03\/2008 <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Die Autorin, Professorin Dr. Helga Spindler, ist Professorin f&uuml;r &Ouml;ffentliches Recht, Sozialrecht und Arbeitsrecht an der Universit&auml;t Duisburg-Essen<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Die Kommission &bdquo;Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt&ldquo; tagte im Auftrag der Bundesregierung von Februar bis August 2002. Sie wurde benannt nach ihrem Vorsitzenden Dr. Peter Hartz, damals Vorstandmitglied der Volkswagen AG.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 17.09.2009 berichteten wir in den <a href=\"?p=4198#h11\">Hinweisen des Tages<\/a> &uuml;ber die Bildung einer &bdquo;Task-Force&ldquo; durch die Bertelsmann Stiftung zum Thema &ldquo;Perspektive 2020 &ndash; Deutschland nach der Krise&rdquo;.<br \/> Solche Aktivit&auml;ten der Bertelsmann Stiftung, die gesellschaftspolitische Agenda zu bestimmen, sind nicht neu. Schon &uuml;ber 10 Jahre lang arbeitet die Stiftung auf ihre Weise z.B. auch an<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4212\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[110,141,129],"tags":[384,232,308,470,275],"class_list":["post-4212","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-agenda-2010","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","tag-berger-roland","tag-bertelsmann","tag-existenzminimum","tag-herzog-roman","tag-mckinsey"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4212","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4212"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4212\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53605,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4212\/revisions\/53605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4212"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4212"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4212"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}